A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Wie sage ich es in unserer Muttersprache?

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Mittwoch, 22. Mai 2024: Serapion an Mephisto

Stell Dir vor, ich habe einen Fehler gemacht, und leif erhalte ich nun empörte Stätments von Wisselbloan!

Wie ich mir anmaßen könne, über ein mangelndes Sprachgefühl zu lästern, wenn ich selber nicht einmal das doppelplusgute Neusprech beherrsche!

Aber ich hatte mich ja auch buchstäblich als Ignorant geautet!

Indem ich schrieb:

vor allem, weil man doch ein Mindestmaß an Sprachgefühl aufweisen sollte beim Geldverdienen in einem studierten Beruf, in dem es noch dazu ankommt auf Verständigung durch Sprache …“

Was soll denn das nun wieder sein für ein aufsässiges Gehabe!

Leif und transparent:

Gefühl“???

Das kennt man ja nun gar nicht mehr.

Sie meinten doch wohl ‚Emotionen‘?“

Emotion“ für „Gefühl“ oder gar für nun stets unbenannt bleibende Gefühle wie „Trauer“, „Abscheu“, „Liebe“, „Haß“ und „Bitternis“…

Oder gar „Zärtlichkeit“!

Vielleicht habt ihr Deutschenden, wie schon vor dem Wort „Geschlecht“, nun auch Angst bekommen vor Wörtern wie „Zärtlichkeit“…

Lieber fühlt ihr gar nichts mehr!

Gefühle und selbst das himmlische Wort „fühlen“ sind komplett abgeschafft in deutschen Landen samt und sonders seiner einzigartigen Wortbildungsmöglichkeiten in eurer einzigartig schönen Sprache.

Ge-fühl -> fühl -> fühl-en.

Ihr habt nur noch Emotionen…

Ich fühle nicht, ich emotionalisiere.

Du fühlst nicht, du emotionalisierst.

Er fühlt nicht, er emotionalisiert.

Sie fühlt nicht, sie emotionalisiert.

Es fühlt nicht, es emotionalisiert.

Wir fühlen nicht, wir emotionalisieren.

Ihr fühlt nicht, ihr emotionalisiert.

Sie fühlen nicht, sie emotionalisieren.

Euch fehlt die Fühlung, eure Fühler sind taub, ihr fühlt es gar nicht in eurer Gefühllosigkeit, welchen Reichtum ihr wegschmeißt!

Ihr seid fühlbar verarmt!

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Die Sprachverderber

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Ihr böse Teutschen,

Man sollt euch peutschen,

Daß ihr die Muttersprach

So wenig acht.

Ihr liebe Herren,

Das heißt nicht mehren,

Die Sprach verkehren

Und zerstören.

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Ihr tut alles mischen

Mit faulen Fischen,

Und macht ein Misch-Gemäsch,

Ein wüste Wäsch,

Ich muß es sagen,

Mit Unmut klagen,

Ein faulen Haufen Käs,

Ein seltsams Gfräß.

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Wir hans verstanden

Mit Spott und Schanden,

Wie man die Sprach verkehrt

Und ganz zerstört.

Ihr böse Teutschen,

Man sollt euch peutschen.

In unserm Vatterland;

Pfui dich der Schand!

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Johann Michael Moscherosch (1601 – 1669) gekürzt, Hervorhebung von Serapion

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