A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Monatsarchive: Mai 2020

Das Geld auf der Straße

 

23. Mai 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Neulich, beim Aufkommen der jüngsten Skandalwelle aus der ekelerregenden Fleisch-Industrie sendete der Deutschlandfunk einen Bericht aus einer der urplötzlich lauthals beklagten Unterkünfte für ausländische „Arbeit-Nehmer“, also für Arbeiter. Die Reporterin „interviewte“ eine aus Rumänien angereiste Arbeiterin. Allerdings vernahm man lediglich originalsprachlich im Hintergrund zielgerichtet zusammengeschnitten deren berichtende Ausführungen, die von der Journalistin auf Deutsch wiedergegeben wurden. Also keine konkreten Fragestellungen mit den spezifischen Antworten.

Sozusagen unleif.

Immerhin autdoor, also nicht homoffissend in Heimarbeit.

Dem war zu entnehmen:

Die Rumänin sei mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen. Die Unterkunft, in der sie hierzulande lebten, sei eng. Ihnen werde dafür ein Betrag von 220 Euro abgezogen von ihren Arbeitseinkünften.

Deren Höhe hinwiederum ungenannt blieb.

Ihr Mann und sie wären nach Deutschland gekommen, weil man sich in Rumänien erzähle, „in Deutschland liegt das Geld auf der Straße“. Enttäuscht wollten sie jedoch nun wieder nach Rumänien zurück. Dort verdienten sie zwar nicht so viel, fänden aber auch in den bescheideneren Verhältnissen ihr Auskommen.

Ende eines bundesdeutschen Berichts moderner Journalistik.

Ich kann mir allerdings vorstellen bei der gegenwärtigen Verfaßtheit unserer Medien hierzulande, daß er sowohl bei der Berichterstatterin als auch in ihrer Redaktion mit vollster Zufriedenheit aufgenommen worden war. Der Arbeitsauftrag lautete höchstwahrscheinlich: Bringen Sie uns doch mal für die morgige Mittagssendung einen kritischen Bericht über diese unhaltbaren Zustände in den Unterkünften der Fleisch-Industrie.

Auftrag erfüllt!

Und mutig Kritik geübt!

In früheren Zeiten, als in der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich ein kritischer Journalismus obwaltete, hätte ich mir allerdings vorstellen können, daß beispielsweise der Arbeitsauftrag für die Reporterin gelautet hätte: Fahren Sie da mal hin und machen Sie ein Interview mit einem Betroffenen über seine Lebensumstände.

Und daß selbiger Arbeitsauftrag sogar schon erteilt worden wäre vor dem jüngsten Skandal in der ekelerregenden Fleisch-Industrie.

Und wenn unsere tapfere Berichterstatterin in jenen Zeiten der Berichterstattung zufälligerweise jene Arbeiterin vor das Mikrofon bugsiert hätte mit ihrer rumänischen Schilderung, daß sie mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen sei, weil dorten das Geld auf der Straße liege, wäre der kritischen Reporterin des seriösesten Senders des Landes, in welchem das Geld auf der Straße liege, die Idee gekommen nachzufragen: Und da haben Sie sich doch sicher auch erkundigt, bevor Sie wegen des in Deutschland auf der Straße liegenden Geldes Ihrer Heimat den Rücken kehrten, nach den näheren Umständen?

Wie das denn genau gemeint sei mit dem in Deutschland auf der Straße liegenden Gelde?

Nach den Gegeben- und Gelegenheiten?

Wo und wie und welche?

Sie haben doch sicher vor ihrer Abfahrt mit einigen Ihrer Landsleute gesprochen, die schon in Deutschland gewesen waren und haben heutzutage auch über das Internet Erkundigungen eingezogen über das auf der Straße liegende Geld in Deutschland?

Mit welchem Ergebnis?

Zu welchem Deutschlandbild, zu welchen konkreten Vorstellungen führte dies denn bei Ihnen?

Daß Sie und Ihr Mann und Ihre Kollegen sich immerhin sagten, wir sind ja nicht dumm, wenn das Geld in Deutschland auf der Straße liegt, und rackern uns hier ab in Rumänien?

Da fahren wir lieber rüber nach Deutschland und holen uns den herumliegenden Zaster?

Ende eines Beispiels unter unsäglich vielen.

Du weißt, daß es mir sehr fernliegt, in den Arsch gekniffene rumänische Arbeiterinnen zu verarschen.

Doch weißt Du auch, woran der bundesdeutsche Journalismus vornehmlich leidet?

An der Schere im Kopf, welche die essentiellen Fragen abschneidet.

Aus irgend einem Grund.

 

Der schlechteste Dolmetscher der Wahrheit

 

18. Mai 2020: Serapion an Mephisto

 

Deshalb haben wir auf nichts mehr zu achten, als daß wir nicht nach Art des Viehes der Schar der
Vorangehenden folgen! Fortwandernd nicht, wohin man gehen sollte, sondern weil von andern
wohin gegangen wird…
Denn nichts verwickelt uns in größere Übel, als daß wir uns nach dem Gerede der Leute richten!
Indem wir das für das Beste halten, was mit großer Zustimmung angenommen ist und wovon wir
viele Beispiele haben. So daß wir statt nach Vernunftgründen, nach Beispielen leben. Daher rührt
nämlich jene gewaltige Zusammenhäufung von Leuten, die einer über den andern hinfallen. Was
eben bei einem großen Menschengedränge passiert, wo das Volk sich selbst drückt: Da fällt
niemand, ohne noch einen andern sich nachzuziehen, und die Vordersten werden den Folgenden
verderblich!
Dieses kannst du im ganzen Leben sich ereignen sehen: Niemand irrt nur für sich allein, sondern er
ist auch Grund und Urheber fremden Irrtums.
Darum es ist schädlich, sich den Vorangehenden anzuschließen.
Und während ein jeder lieber glauben, als nachdenken will, so wird über das Leben nie
nachgedacht. Denn immer glaubt man nur andern. Und ein von Hand zu Hand fortgepflanzter Irrtum lenkt uns und stürzt uns in’s Verderben.
Durch fremde Beispiele gehen wir zu Grunde.
Wir werden geheilt werden, sobald wir uns nur vom großen Haufen absondern!
Denn der Volkshaufe, der Verteidiger seines eigenen Verderbens, steht der Vernunft feindlich
gegenüber.
Und so geht es denn zu, wenn sich die wandelbare Volksgunst gedreht hat, wie in den
Wahlversammlungen, wo sich dieselben Leute, die ihn selbst dazu gemacht haben, darüber
verwundern, daß einer Prätor geworden!
Eben dasselbe billigen, eben dasselbe tadeln wir: das ist der Ausgang eines jeden Gerichtes, bei dem
nach der Mehrzahl entschieden wird.
Wenn es sich um Fragen nach einem glückseliges Leben handelt, darfst du mir also nicht mit jener
Äußerung bei Senatsabstimmungen antworten: »Dieser Teil scheint der größere zu sein«….
Denn eben deshalb ist er der Schlimmere!
Es steht mit der Sache der Menschheit leider nicht so gut, daß das Bessere der Mehrzahl gefalle: Ein
großer Haufe ist ein Beweis vom Schlechtesten.
Laß uns daher fragen, nicht was am gewöhnlichsten geschehe, sondern was am Besten zu tun sei
und was uns in den Besitz eines ewigen Glücks setze. Und nicht was dem großen Haufen, dem
schlechtesten Dolmetscher der Wahrheit, genehm sei.

 

Lucius Annaeus Seneca (etwa 4 v. Chr. – 65 n. Chr.) in seiner De vita beata, welchen Teil ich Dir
für den heutigen Tag mit dem Ziel einer augenfälligeren Lesbarkeit syntaktisch etwas aufbereitete.
Für den heutigen Tag und immer darüber hinaus: denn es ist wichtig.

 

Der Sieg des Sozialismus

 

9. Mai 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Heute haben wir den erforderlichen inneren Abstand, die ganze Bedeutung jener historischen Wende der bedingungslosen Kapitulation zu erfassen. Heute begreifen wir, daß es wirklich ein Tag der Befreiung war, einer Befreiung durch die ruhmreiche Rote Armee.

Wenn wir unsere Blicke auf Westdeutschland und Westeuropa richten, so wird uns die Schwere unserer Aufgabe voll bewußt. Die westlichen Alliierten haben dem Begriff der Demokratie erneut den alten Inhalt gegeben, der schon die Lebenskraft der Weimarer Republik erschütterte und den Weg zur Hitlerbarbarei ebnete. Die Friedfertigkeit haben sie umgefälscht in einen Zwang zur Eingliederung Westdeutschlands in ein wirtschaftliches, politisches und vor allem auch ein militärisches Alliance-System zur Vorbereitung eines neuen Krieges gegen die Sowjetunion. Die kapitalistischen Westmächte benutzen ihren Sieg dazu, das deutsche Volk als Konkurrenten auf dem Weltmarkt endgültig zu beseitigen. Ihr Sieg trägt also die Kennzeichen eines zerstörenden, negativen Elements und birgt die Keime eines neuen Krieges in sich. Ihr Sieg war kein konstruktiver Beitrag zum Aufbau einer neuen, friedliebenden, demokratischen Weltordnung. Der Sieg der Roten Armee war demgegenüber ein entscheidender Beitrag zur Neugestaltung der Welt. Der Sieg der Roten Armee war der Sieg des Sozialismus. Das entscheidende Ergebnis des zweiten Weltkrieges war nicht nur die Niederwerfung des Faschismus und Imperialismus in Deutschland, Italien und Japan, sondern liegt insbesondere in dem glanzvollen Bestehen der Bewährungsprobe des ersten sozialistischen Staates der Welt und in der Ausdehnung seiner realen Einwirkung auf den weiten Raum von den Gestaden des chinesischen Meeres bis nach Zentraleuropa sowie in der Erweckung kämpferischer Hoffnungen in allen fortschrittlichen werktätigen Massen auch der Völker, die heute noch unter kapitalistischer und imperialistischer Herrschaft stehen.“

Freitag, 5. Mai 1950, der Außenminister der Deutschen Demokratischen Republik Georg Dertinger

 

Die TASS ist ermächtigt mitzuteilen, daß soeben die letzte Gruppe der Kriegsgefangenen in einer Anzahl von 17 538 Mann nach Deutschland repatriiert wurde. Somit ist die Repatriierung der deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion nach Deutschland nunmehr restlos abgeschlossen. Insgesamt sind seit der Kapitulation Deutschlands 1 939 063 Kriegsgefangene nach Deutschland zurückgekehrt. Unter ihnen befanden sich 58 103 Mann, die in Lagern für Kriegsgefangene anderer Nationalitäten ermittelt wurden. An deutschen Kriegsgefangenen sind in der Sowjetunion zurückgeblieben: 9717 Mann die wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurden, 3815 Mann, gegen die ein Verfahren anhängig ist, und schließlich 14 Kranke, die nach ihrer Genesung heimkehren.

Freitag, 5. Mai 1950, sowjetische Nachrichtenagentur TASS

 

Diese Meldung würde, wenn sie sich als wahr herausstellen sollte, jede kommunistische Politik in Deutschland unmöglich machen und als Kennzeichen dafür empfunden werden, daß man das deutsche Volk auf das äußerste mißachtet und keine Verständigung mit ihm will.“

Sonnabend, 6. Mai 1950, der Vorsitzende der SPD Kurt Schumacher zur TASS-Erklärung

 

Wenn diese Meldung richtig ist, dann würde sie fürchterlich sein für Millionen von Deutschen. Ob diese TASS-Meldung richtig ist, weiß man nicht. Es hat den Anschein, als ob sie nicht den Tatsachen entspreche. Wir sind bei der Behandlung der Angelegenheit angewiesen auf Angaben aus russischen Quellen. Das Material der früheren deutschen Wehrmacht über Gefangennahme und Tod von Angehörigen der Wehrmacht befindet sich zu einem erheblichen Teil in russischer Hand. Die russische Regierung hat, entgegen ihrer schon vor mehreren Jahren gegebenen Zusage, es nicht möglich gemacht dieses Material auszuwerten. An Angaben aus russischer Quelle liegt folgendes vor: Zunächst eine TASS-Meldung nach der Kapitulation, in der die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen in russischer Hand mit 3,5 Millionen angegeben wurde. Weiter eine Erklärung des Herrn Molotow auf der Moskauer Außenministerkonferenz am 14. März 1947, damals wurde erklärt, es befanden sich noch 890 532 deutsche Soldaten in sowjetrussischer Kriegsgefangenschaft und es seien bis zu diesem Zeitpunkt               1 003 974 deutsche Kriegsgefangene entlassen worden. Die dritte offizielle Angabe ist die der TASS von gestern abend. Die Angaben Molotows im Jahre 1947 und die Angabe der TASS von gestern stimmen ziffernmäßig überein, und zwar stimmen sie so überein, daß die Summe der von der TASS-Meldung angegebenen entlassenen Kriegsgefangenen und derjenigen, die noch in Rußland seien, bis auf die letzte Ziffer übereinstimmt mit den Ziffern, die Molotow im Jahre 1947 abgegeben hat.

Es würde also daraus folgern, daß in der Zeit von März 1947 bis zu der gestrigen TASS-Meldung kein einziger deutscher Kriegsgefangener in Rußland gestorben sei. Wenn man diese beiden identischen Meldungen gegenüberstellt, so bleibt übrig als Erkenntnis, daß das Schicksal von 1,5 Millionen deutscher Kriegsgefangener ungeklärt bleibt. Wir können nicht annehmen daß diese 1,5 Millionen deutsche Kriegsgefangene in Rußland gestorben oder umgekommen oder verdorben sind. Die TASS-Meldung gibt weiter keinen Aufschluß darüber, was mit den Verschleppten geworden ist, insbesondere auch mit den deutschen Frauen, die bei der Besetzung deutschen Gebietes durch die russischen Armeen nach Rußland verschleppt worden sind. Wir wissen nur aus den Angaben von Entlassenen, daß noch eine ganze Anzahl, Zehntausende von solchen Personen in Rußland in Sklavenarbeit gehalten werden. Diese Ungewißheit, diese Unsicherheit ist so entsetzlich und lastet so nicht nur auf den Angehörigen der in Rußland Vermißten, sondern auf dem ganzen deutschen Volke, daß ich glaube, von diesem Platz aus an Sowjetrußland die Aufforderung richten zu müssen, es soll Aufklärung darüber geben, was mit diesen eineinhalb Millionen deutschen Kriegsgefangenen geschehen ist, ob sie noch leben, ob sie tot sind, und wenn sie noch leben, wo sie sind, was mit ihnen geschieht und warum sie nicht freigegeben werden.

Sonnabend, 6. Mai 1950, Bundeskanzler Konrad Adenauer in seiner Regierungserklärung

 

Die drei Außenminister haben mit Überraschung und tiefer Bestürzung die sowjetische Erklärung vom 4. Mai zur Kenntnis genommen, daß die Repatriierung der deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion nach Deutschland abgeschlossen sei. Sie erinnern an die wiederholten Bemühungen der drei westlichen Besatzungsmächte, die Sowjetregierung zur Einhaltung des Vierer-Abkommens über die Rückführung aller Kriegsgefangenen bis zum 31. Dezember 1948 zu veranlassen. Die Sowjeterklärung steht im direkten Gegensatz zu der Tatsache, daß eine große Anzahl deutscher Familien noch immer auf die Rückkehr ihrer in Gefangenschaft geratenen Verwandten wartet, von denen sie aus sowjetischer Gefangenschaft noch keine direkten Nachrichten erhalten haben. Die Minister stellen außer dem die Widersprüche zwischen den von der Sowjetregierung zu verschiedenen Zeitpunkten gemachten Angaben über die Anzahl, die Aufenthaltsorte und das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen und verschleppten Zivilpersonen fest. Diese Situation stellt eine grobe Mißachtung der Menschenrechte dar. Es ist außerdem klar, daß es sich hierbei nicht um einen alleinstehenden Fall handelt, da die Sowjetregierung auch noch zahlreiche gefangengenommene Staatsbürger der früher von Deutschland besetzten Länder und über 300 000 Japaner auf sowjetischem Gebiet zurückhält. Die Minister sind übereingekommen, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um Informationen über das Schicksal der Kriegsgefangenen und Zivilpersonen zu erhalten, die bisher noch nicht aus der Sowjetunion zurückgekehrt sind. Sie werden außerdem versuchen, sich für die Rückkehr möglichst vieler dieser Gefangenen einzusetzen.

Freitag, 12. Mai 1950, Londoner Dreimächtekonferenz: Großbritannien. Frankreich. Vereinigte Staaten

 

Schöne neue Welt

 

3. Mai 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Der 29. April 2020 hätte als historisches Datum eingehen können in die Geschichte des bundesdeutschen Journalismus. Gewissermaßen als Wendepunkt zurück zur alten Klasse.

Doch es darf leise geweint werden…

Stell Dir vor, an diesem Abend in der Tagesschau des ersten deutschen Fernsehens vermeldete man neben der Zahl der Neuinfektionen an Covid-19 zum ersten Mal deren Vergleich zur Zahl der Neuinfektionen des Vortages: 160. Völlig problemlos. Jene wichtige und viel bedeutendere Zahl als beispielsweise die der inzwischen Genesenen wurde ohne jeden zusätzlichen Aufwand fein übersichtlich in der tagtäglichen Deutschlandgrafik unter die Absolutzahlen der Infizierten und Neuinfizierten notiert, und man konnte völlig transparent und auf deutsch klar sehen: die Anzahl der Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag war noch nicht gesunken, sondern um 160 Fälle angestiegen.

Inzwischen sinkt sie schon seit mehreren Tagen tatsächlich!

Doch das kannst Du weder klar noch transparent sehen. Denn das müßtest Du Dir erst wieder zu Fuß ausrechnen, indem Du Dir eigenhändig die Absolutzahl des Vortages merktest und mit der aktuellen Anzahl, also zur apgedäteten, die Differenz bildetest.

Verpaßte Revolution!

Aber ein schöner Zug war es immerhin, daß da jemand mal auf die abwegige Idee gekommen war, transparent zu denken.

Preisverdächtig!

Inzwischen ist die Differenz also tatsächlich ins Negative gedreht!

Doch glaube ja nicht, irgendeiner dieser Berufsunfähigen hätte den Wendepunkt einer Bemerkung für wert erachtet. Erst heute kommentierte man, die Zahl der Neuinfektionen sei unter 1000 gesunken.

Die Zahl 1000 ist nicht so wichtig. Das kleine Minuszeichen vor der Differenz der Neuinfektionen verändert die Welt!

Was? Das sei ein verzeihliches Symptom?

Das Sekundäre nicht zu unterscheiden vom Primat?

Ich bitte Dich, was soll das erst werden, wenn sich bei derartigen Vorbildern aus der Generation der derzeit Homskulingenden ein journalistischer Nachwuchs gerieren will?

Anderes Beispiel unter anderen: Oft wiederholt schon war der Satz zu vernehmen, man wolle das Programm, also die neue Äpp, zur Alarmierung bei Kontakten mit Corona-Infizierten auf einen freiwilligen Gebrauch beschränken. Das soll offenbar beruhigend wirken, um datenrechtliche Bedenken abzuschwächen. Denn es gibt daher natürlicherweise Einwände und Widerstände.

Und was lange bedacht wird, wird bedenklich! (Nietzsche).

Doch ich vermute, mit der gnadenhalben Beschränkung auf Freiwilligkeit soll, wie bereits mit der blödsinnigen Zulassung eines Schals vor dem Maule bei der Pflicht zur Maskierung beim Brotkauf oder der Busfahrt zum Arzt, von dem eigentlich primären Problem abgelenkt werden und wird bei dem derzeitigen Niveau unseres bundesdeutschen Journalismus erfolgreich davon abgelenkt. Welcher nun Woche um Woche brav über das vorgehaltene rote Tuch eines eventuell mangelhaften Datenschutzes debattiert. Nämlich der eigentliche Skandal bei einer gesetzlichen Pflicht für ein Programm zum Registrieren mitmenschlicher Kontakte hätte zur Voraussetzung den Erlaß eines Smartphonepflichtgesetzes wie etwa:

§ 1) Jeder Bürger ist gesetzlich verpflichtet, bei kontrollierbar ausreichender Akkuleistung im eingeschalteten Zustand ein Smartphone bei sich zu tragen.

§ 2) Jeder Bürger ist gesetzlich verpflichtet, sein Smartphone in einem technisch aktualisierten (apgedäteten) Geräte(Hartwär)- und Programm(Softwär)-Zustand zu erhalten, so daß eine Ortungs(Skän)-Funktionalität auch von Personenkontakten uneingeschränkt gewährleistet wird.

§ 3) Der Gesetzgeber behält sich im Bedarfsfall vor, das Betreten von Geschäften, öffentlichen Einrichtungen sowie die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel abhängig zu machen von einem über das Smartphone jederzeit ausweislich vorzeigbaren Code.

Und wie bei der Verkündung einer Maskenpflicht könnte man in den bundesdeutschen Medien dann wieder Leute auf offener Straße einsätzig zitieren, die alle dafür sind und keiner ist dagegen.

Wie in der Deutschen Demokratischen Republik.