A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Monatsarchive: März 2019

Blöd und blind

 

24. März 2019: Bellarmin an Mephisto

 

Unser, wie der vielgescholtene Seehofer, ebenfalls vielgescholtener Scheuer hat als Verkehrsminister mit einer anregenden Aktion offensichtlich vornehmlich jugendliche und junge Leute zum Tragen von Fahrradhelmen ansprechen wollen.

Ein sehr guter Gedanke!

Nur mutmaßte man mutmaßlich bei den Machern, die Dinger könnten gerade in diesen Altersgruppen als zu klumpig abgetan werden im Hinblick auf den Schick und den Charme. Deshalb verfiel man der Idee, in der Kampagne halbnackte Mannequins mit einem Helm posieren zu lassen. Dazu der Werbespruch:

Luks leik schitt. Bat säw mei leif.“

Womit wahrscheinlich gemeint ist, daß es zwar bescheuert aussähe, aber das Leben schütze.

Um in Deutschland deutsch zu reden.

Auch finde ich Scheiße schöner als Schitt.

Deutschland ist ja das Land, in welchem die Menschen mit Schildern wie „No more Groko“ durch die Straßen rennen, die Geschäfte mit „Sale“-Plakaten werben und Backpoints open signalisieren, während gleichzeitig der Deutschlandfunk in lobenswerter Absicht, Nachrichtensendungen auch in „einfache Sprache“ „übersetzt“ zu senden, sich anstrengt. Und das erklärtermaßen eben nicht nur wegen der Deutsch lernenden Fremdsprachler. Oder wegen der zunehmenden Zahl deutschsprachig mangelhaft versierter Journalisten. Sondern eben vornehmlich für Menschen, die mehr oder minder große geistige Verständnisschwierigkeiten aufweisen im Erfassen selbst von muttersprachlichen Texten.

Nun soll sich jedoch als Echo nicht nur im Netz sofort das übliche Schwarmgeschrei der Entrüstung unserer üblichen Verdächtiginnen erhoben haben.

Und sogar Schittstürme über den armen Scheuer!

Nein, nicht, was Du denkst, nicht wegen des fremdsprachigen Werbeslogäns.

Gegen den natürlich kein einziges Krümelchen Scheiße!

So was merken die gar nicht.

Sondern „Bundesverkehrsminister Scheuer wird für seine Fahrradhelm-Kampagne mit Sexismus-Vorwürfen konfrontiert.“ (Deutschlandfunk gestern)

Doch der kontert gelassen, Pardon, kuhl:

Scheuer weist den Sexismus-Vorwurf zurück. Schließlich würden nicht nur Frauen, sondern auch Männer in Unterwäsche gezeigt, betonte der CSU-Politiker.“ (Deutschlandfunk gestern)

Tja, und trotz alldem bisher Erlebten mit unserem Bundesverkehrsminister, man muß auch mal Regierungstreue auten und dem Mann Recht geben.

Zumal wenn man sieht, wie die Schwarmblödheit blind macht für das Wesentliche.

Ich finde, und wahrscheinlich sahen es auch so die Macher, die Verletzlichkeit des menschlichen Körpers, seine Zartheit, offenbart sich am besten in seiner Nacktheit. Und noch mehr im Kontrast unter dem schützenden Helm. Ich halte das für eine gute Idee.

Wenn man dann noch geschrieben hätte:

Was seid Ihr für schöne Menschen!

Schützt Eure Schönheit!“

Und alles wäre gut gewesen, wenn man deutsch geredet hätte im ehemaligen Lande der Dichter und Denker.

 

 

Kristallisiert zum legitimen Grüppchen,

Wird ihr Charakter plötzlich fest bestimmt.

Es furzt ein Ulk. Der Teufel lupft den Steert.

Und mehr ist jene Gruppe gar nicht wert.

 

Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

 

Brennpunkt

 

9. März 2019: Serapion an Mephisto

 

R e t t e t  u n s e r e r  S p r a c h e

R e i c h t u m

 

vor

 

J e n d a n,

W i s s e l b l o a n

und

F e k n j u s

 

nebst all der unsäglichen
Scheißkackmistarschlochsprachverhunzung
der üblen üblich übel schwätzenden
Nichtdenker
und
Leifsager

!

 

Der Plan, endgültig Frieden zu stiften

 

1. März 2019: Serapion an Mephisto

 

DAS LETZTE KAPITEL

 

Am 12. Juli des Jahres 2003

lief folgender Funkspruch rund um die Erde:

daß ein Bombengeschwader der Luftpolizei

die gesamte Menschheit ausrotten werde.

 

Die Weltregierung, so wurde erklärt, stelle fest,

daß der Plan, endgültig Frieden zu stiften,

sich gar nicht anders verwirklichen läßt,

als alle Beteiligten zu vergiften.

 

Zu fliehen, wurde erklärt, habe keinen Zweck.

Nicht eine Seele dürfe am Leben bleiben.

Das neue Giftgas krieche in jedes Versteck.

Man habe nicht einmal nötig, sich selbst zu entleiben.

 

Am 13. Juli flogen von Boston eintausend

mit Gas und Bazillen beladene Flugzeuge fort

und vollbrachten, rund um den Globus sausend,

den von der Weltregierung befohlenen Mord.

 

Die Menschen krochen winselnd unter die Betten.

Sie stürzten in ihre Keller und in den Wald.

Das Gift hing gelb wie Wolken über den Städten.

Millionen Leichen lagen auf dem Asphalt.

 

Jeder dachte, er könne dem Tod entgehen.

Keiner entging dem Tod, und die Welt wurde leer.

Das Gift war überall. Es schlich wie auf Zehen.

Es lief die Wüsten entlang. Und es schwamm übers Meer.

 

Die Menschen lagen gebündelt wie faulende Garben.

Andre hingen wie Puppen zum Fenster heraus.

Die Tiere im Zoo schrien schrecklich, bevor sie starben.

Und langsam löschten die großen Hochöfen aus.

 

Dampfer schwammen im Meer, beladen mit Toten.

Und weder Weinen noch Lachen war mehr auf der Welt.

Die Flugzeuge irrten, mit tausend toten Piloten,

unter dem Himmel und sanken brennend ins Feld.

 

Jetzt hatte die Menschheit endlich erreicht, was sie wollte.

Zwar war die Methode nicht ausgesprochen human.

Die Erde war aber endlich still und rollte,

völlig beruhigt, ihre bekannte elliptische Bahn.

 

 

Erich Kästner (1899 – 1974)

 

Kästner gehört zu den wenigen deutschen Nichtnazis von Ruf und Rang, die die heutigen Verhältnisse genau kennen.

Carl Zuckmayer (1896 – 1977)