A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Schlagwort-Archiv: Mephisto

Opfer der eigenen Meinungsmache

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14. Mai 2022: Sehmann an Mephisto

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Wenn man nicht schon Kummer gewöhnt wäre, hätte einem in den vergangenen Tagen schlecht werden können in Deutschland.

Weil: Deutschland ist ein rassistisches Land!

Ja!

Ohne Wenn und Mutmaßlich!

Das hat man monitoringt.

Ich kriegte erst einen Schreck, aber dann erfuhr ich: Also man hat Menschen befragt und auch angedroht, das in Zukunft wieder zu tun.

Mir fiel ein Stein vom Herzen! Also nur eine Umfrage. Umfragen zu Meinungen sind ja seit längerem ein inflationär gängiges Mittel öffentlich-rechtlicher Medien, Faktenmeldungen über die wirklich wahre Realität zu umgehen.

Insbesondere wenn diese, wie gewöhnlich, sich unkorrekt gebärdet.

Die Realität.

Nur heißt diese Meinungsumfrage hier „dauerhaftes Monitoring“.

Oder auch: Der „neue Rassismusmonitor“.

Tatsächlich!

Aufgeregt wurde nun direkt kolportiert, Deutschland sei ein rassistisches Land!

Mitunter gleich als einleitender Satz der nachrichtlichen Meldung.

Und das habe ein „Monitoring“ festgestellt.

Erst wenn man sich die Zeit nahm und genauer hinhörte, konnte man, wenn auch nicht in allen Sendeanstalten in der nötigen Ausführlichkeit, eventuell entnehmen, daß die Hälfte der Befragten einer „Aussage“ (demnach einer vorgelegten These) „Wir leben in einer rassistischen Gesellschaft“ zustimme.

Also dann muß es ja stimmen!

Gewählt ist gewählt!

Zum Glück fanden sich des dem „Rassismusmonitoring“ folgenden Tages doch noch etwas nachdenklichere Stimmen!

So zum Beispiel die MÄRKISCHE ODERZEITUNG:

Was genau wird unter Rassismus verstanden – waren es Gewalttaten, Beschimpfungen, oder wurden zum Beispiel ungeschickte Fragen gestellt? In der Studie wird unter Rassismus aufgelistet, was eigentlich in unterschiedliche Kategorien fällt. Dabei wäre es wichtig, die Befragten genau zwischen eher harmlos und beleidigend beziehungsweise gewalttätig unterscheiden zu lassen.

Jedenfalls haben die Begriffe Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus hierzulande zur Zeit Hochkonjunktur um anzuklagen, zu welcher Verworfenheit Deutschland inzwischen verkommen ist. Und in dem Chore der Ankläger mitzusingen verleiht natürlich auch das schöne Gefühl der Zugehörigkeit zur Gruppe der Anständigen, wie Gerhard Schröder sich und die üblichen Bescheidwisser und Richtigdenker zu benennen beliebte.

Die Anständigen!

Ich gehöre nicht dazu. Denn es widerspricht meiner Erfahrung und meiner Wahrnehmung, daß wir in einer rassistischen Gesellschaft leben.

Allerdings leben wir in einer Gesellschaft, in der leider auch, wie in anderen Gesellschaften unserer Hemisphäre, zum Beispiel Idioten, Rassisten, Antisemiten, Rechtsextremisten und Nazis herumlaufen.

Aber zum Glück gibt es in Deutschland wenigstens keine Linksextremisten!

Wenn in Hamburg während regelrechter Straßenschlachten ganze Straßenzüge verwüstet und in Berlin, Rigaer Straße, über 60 Polizisten bei einer Brandschutzkontrolle zusammengeschlagen und zum Teil schwer verletzt werden, dann heißen die Täter in den deutschen öffentlich-rechtlichen Medien „Autonome“.

Im schlimmsten Fall „Linksradikale“.

Und die Staatsanwaltschaft wird nicht tätig.

Und die Journalisten auch nicht.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Schuster, rät jüdischen Bürgern, in bestimmten Gegenden keine Kippa zu tragen. Er sagte im RBB Hörfunk, sie sollten sich zwar nicht aus Angst verstecken. Die Frage sei aber, ob es angesichts zunehmender antisemitischer Straftaten sinnvoll sei, sich in Wohnvierteln mit einem hohen muslimischen Anteil als Jude zu erkennen zu geben.

Das war eine Nachricht am Donnerstag, dem 26. Februar 2015.

Kurz zuvor noch hatten deutsche Politiker und Medienvertreter vereint mutig im Chore getönt: „Wir sind alle Charlie!“

Nach dem entsetzlichen Attentat in Paris, bei dem mehrere Journalisten der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ grausam ermordet worden waren von mohammedanischen Attentätern.

Doch nun?

Hörte man gar nichts!

Angesichts einer plötzlichen Zunahme…

Welche Journalisten hatten denn vor oder nach dem Ratschlag des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland in welchen Print- und Onlinemedien oder auf welchen Sendern über welche der „bestimmten“ Wohnviertel „mit einem hohen muslimischen Anteil“ von antisemitischen Straftaten berichtet?

Welche Zahlen wurden genannt, damit man sich ein realistisches Bild hätte machen können über die Zunahme jener Straftaten und über ihre Dynamik?

Und über das Umfeld der Täter!

Um was für Straftaten handelte es sich denn eigentlich?

Wo befinden sich die „bestimmten“ Wohnviertel, in denen es gefährlich ist für jüdische Mitbürger? Ist es nicht die Pflicht, sie beim Namen zu nennen?

Sollten Kippaträger erst irgendwo anrufen müssen, um sich zu erkundigen?

Wie wurden und werden die Täter von den Medien eingeordnet?

Zählen sie diese zum sogenannten friedlichen Islam oder zum sogenannten radikal islamischen Islam oder zum so genannten islamistischen Islam?

Gelten sie gar als „integrierte Muslime“?

Ein neues Problem, urplötzlich aus heiterstem integriertem deutschem Himmel?

Kann es sein, dass das Problem in Wahrheit gar nicht neu war?

Wenn ja, welchen Grund hatte es, dass man davon erst aus dem Munde eines Betroffenen hörte?

Ist das nicht beschämend?

Wurde nicht schon im Jahr zuvor auf dem generell, also vorhersehbar antisemitischen al-Quds-Marsch von einem mohammedanischen Mob „Juden ins Gas gebrüllt“?

Auf deutschen Straßen?

Wie haben denn unsere, auf ihren Pressekodex stolzen Medien in der Folge sich nun darum gekümmert?

Und was haben sie über den „Lifestyle“, also die Lebensart jenes antisemitischen Pöbels, in Erfahrung gebracht?

Wäre das nicht mindestens eine abendfüllende Sendung wert gewesen im Lande der besonderen Verantwortung?

Es gibt doch nicht etwa eine Tabuisierung des mohammedanischen Antisemitismus in deutschen Medien?

Und all die üblichen tapferen Kerlchen und KerlInnenchen: wo waren und sind die permanent Empörten?

Wo sind sie denn plötzlich geblieben?

All die Anständigen!

Die Vögelein schwiegen und schweigen.

In den öffentlich-rechtlichen Medien…

Seit der Asylwelle in den Jahren 2015 und 2016 hat die Zahl der judenfeindlichen Demonstrationen mit muslimischen Teilnehmern sicher nicht abgenommen. In Deutschland lebende Juden fühlen sich laut eigener Aussage von radikalen Muslimen bedroht. Die Zahl der antisemitischen Straftaten liegt so hoch wie schon lange nicht mehr.

Muslimischer Antisemitismus ist in Deutschland verbreitet. Das belegt eine repräsentative Umfrage, die das American Jewish Committee Berlin (AJC) beim Allensbach-Institut in Auftrag gegeben hat. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass antisemitische Einstellungen bei in Deutschland lebenden Muslimen viel häufiger vorkommen als in der übrigen Bevölkerung.

Interessant sind nicht nur die Ergebnisse der Befragung, sondern auch die Tatsache, dass es in Deutschland bisher kaum empirische Untersuchungen zu diesem Thema gab. Nach der antisemitischen Demonstration im Winter 2017 vor dem Brandenburger Tor hätte vieles dafürgesprochen, das Phänomen von staatlicher Seite aus mit einer solchen Befragung untersuchen zu lassen.

Möglicherweise wollte man es aber gar nicht genau wissen. Wenn die Rede auf Antisemitismus kommt, dauert es nicht lange, bis deutsche Politiker dafür den Rechtsextremismus verantwortlich machen.

In vielen Staaten mit hohem islamischem Bevölkerungsanteil dominiert ein problematisches Judenbild. Der Antisemitismus korreliert nicht zwangsläufig mit dem Islam als Religion, ist aber gerade in einigen Ländern des Nahen Ostens so ausgeprägt wie fast nirgendwo sonst auf der Welt. Das passt allerdings nicht in das Bild, das deutsche Politiker gerne von Muslimen zeichnen.

Auch weil es immer mehr muslimische Wähler gibt, versuchen sie, den Islam zu umarmen. Vertreter von CDU und SPD überbieten sich zum Beispiel mit öffentlichen guten Wünschen zu Beginn des Fastenmonats Ramadan. Auf die Spitze trieb es aber im Jahr 2015 der damalige deutsche Justizminister Heiko Maas: Nach dem Terroranschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ besuchte er umgehend eine Moschee. Man hätte meinen können, Muslime wären Opfer und nicht die Täter gewesen.

In anderen europäischen Staaten, wie zum Beispiel Dänemark, hat ein Umdenken eingesetzt. Hier wird von der Regierung die Frage gestellt, wie viel muslimische Zuwanderung einer liberalen Demokratie guttut. Neben judenfeindlichen Einstellungen bringen Migranten aus islamisch geprägten Regionen oft auch weitere problematische Überzeugungen mit – zum Beispiel ein groteskes Frauenbild oder die Ansicht, gleichgeschlechtliche Liebe sei verdammenswert.

Solche Einstellungen können sich mit der Zeit genauso ändern wie ein gesellschaftlich tradierter Antisemitismus. Es wäre aber naiv, hier auf den kollektiven Gesinnungswandel bei in Deutschland lebenden Muslimen zu hoffen. Stattdessen müssten die verantwortlichen Politiker das Problem endlich beim Namen nennen und sich ein Beispiel an Staaten wie Dänemark nehmen.

11. Mai 2022, Neue Zürcher Zeitung

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Erinnerung

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23. April 2022: Bellarmin an Mephisto

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Bevor ich komme zu den dem russischen Generalstab und der verlogenen, sich die Hände reibenden Mörderbande im Kreml zuträglichen jüngsten Äußerungen des sich aalglatt windenden SPD-Mannes Olaf Scholz, die zum Teil sogar himmelschreiend nach althergebrachten Einflüsterungen aus der fünften Kolonne Putins klingen, hier eine lehrreiche Erinnerung an einen bedenklich vergessenen denkwürdigen Bundestagsbeschluß gegen die seinerzeitigen französischen Annexionsbestrebungen im Hinblick auf das Saarland heute vor 70 Jahren, am Mittwoch, dem 23. April 1952:

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Der Bundestag nahm laut Bundesanzeiger mit 191 gegen 135 Stimmen bei 8 Enthaltungen folgende Entschließung zur Saarfrage an:

1. Das Saargebiet ist nach Völkerrecht deutsches Staatsgebiet.

2. Die gegenwärtigen Verhältnisse an der Saar sind ohne Rechtstitel und gegen die demokratischen Grundsätze des Selbstbestimmungsrechts erfolgt.

3. Über deutsches Staatsgebiet kann rechtens nicht ohne deutsche Zustimmung verfügt werden.

4. Wir erstreben durch die Einigung Europas die Überwindung der nationalen Grenzen in gegenseitiger Achtung vor Recht und Freiheit.

Der Bundestag lehnte mit 169 gegen 142 Stimmen bei 18 Enthaltungen folgenden Gegenantrag der SPD ab:

1. Das Saargebiet ist nach Völkerrecht deutsches Staatsgebiet.

2. Seine tatsächliche Abtrennung ist ohne Rechtstitel und gegen die Grundsätze der Demokratie und des Selbstbestimmungsrechtes erfolgt.

3. Über deutsches Staatsgebiet kann rechtens nur durch das gesamte Volk verfügt werden.

4. Eine gedeihliche Zusammenarbeit der Völker Europas kann nur auf die Achtung vor Recht und Freiheit des anderen gegründet werden.

5. Der Bundestag wird keiner Regelung zustimmen, die diesen Grundsätzen widerspricht.

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(Archiv der Gegenwart)

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Wörding und Wahrheit

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17. April 2022: Bellarmin an Mephisto

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Der eigentlich billige und nichtsdestotrotz erstaunlich selten durchschaute rhetorische Trick, einem womöglich sogar imaginären Gegner eine nicht von ihm vertretene Meinung oder eine von ihm nicht behauptete These zu unterstellen und diese dann öffentlich zu widerlegen, um somit den vermeintlichen Behaupter in Mißkredit zu bringen, läßt sich natürlich auch dahingehend abwandeln, indem man in einer öffentlichen Auseinandersetzung das Thema der Debatte gefällig verbiegt.

Und damit vom eigentlichen Sachverhalt ablenkt.

So als würde Bundespräsident Steinmeier, der geschichtsignorant gegenüber dem jahrhundertalten russischen Chauvinismus und aller durchschaubaren Verlogenheit zum Trotz nicht nur die Ukraine als bloße Verhandlungsmasse, sondern auch sein eigenes Land in eine historisch nie gekannte Abhängigkeit von dem imperialistischen Aggressor brachte, als würde Steinmeier nun jede gutgeartete Seele verarschend in vorgetäuschter Zerknirschtheit behaupten, man müsse jetzt darüber diskutieren, ob sein vorgebliches Ziel, den Krieg nie mehr nach Europa zurückkehren zu lassen, falsch gewesen sei! Und ob es falsch gewesen wäre, dafür zu arbeiten! Und das sei die Debatte, die geführt werden müsse!

Ähnliche Verbiegungen waren beispielhaft wieder zu beobachten in den letzten Tagen, insbesondere denen der Karwoche. Deutlich und gleich mehrfach reflektiert im Fall des Fallens unserer irrlichternden Ex-Familienministerin mit dem bezeichnenden Namen Spiegel. Deren Hauptanliegen bei ihrem Amtsantritt ganze 126 Tage zuvor erklärtermaßen die Identitäts- und Geschlechter-Frage sei. Und laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom vergangenen Dienstag hatte sie ihr Ministerium tatsächlich auf dieses Deutschland drückende Problem „fokussiert“.

Nun hatte jedoch die augenscheinlich mit ihrer Denkleistung auf gängige Themen der Lauthalsigen fokussierte Frau zuvor mit dem ebenfalls ihrer Laufbahn nicht abholden Thema Umweltschutz Karriere gemacht und sich in Rheinland-Pfalz zur Umweltministerin küren lassen. Und war aber über der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 unverhofft mit dem diesbezüglichen Thema ihres Fachbereichs, nämlich einer umweltbedingten Überschwemmung, konfrontiert worden.

Infolgederen 134 Menschen umkamen.

Sowohl von denjenigen, die überlebten, als auch von übriger sachkundiger Seite wurden nun Vorwürfe erhoben, daß trotz rechtzeitiger Erkenntnisstände die Anwohner nicht gewarnt worden seien.

Der Landrat Jürgen Pföhler steht deswegen sogar unter dem staatsanwaltlichen Ermittlungsverdacht der fahrlässigen Tötung.

Als bereits Straßen unter Wasser standen, als man sich verzweifelt abmühte, Sandsäcke zu füllen, als ein halbes Hundert Noteinsätze im System der Leitstelle in Koblenz gemeldet waren, ließ die fokussierte Anne Spiegel um 16’43 Uhr verkünden, daß „kein Extremhochwasser“ zu erwarten wäre. Vor der Freigabe der betreffenden Entwarnung galt ihre fokussierte Sorge lediglich einer politisch korrigierenden Korrektur des Textes, in welchem auch Ratschläge für Betreiber von Campingplätzen gegeben worden waren:

Bitte noch gendern: CampingplatzbetreiberInnen. Ansonsten Freigabe.“

Es heißt weiter, während der Katastrophennacht sei die auf das politisch korrigierende Jendern fokussierte Umweltministerin nicht erreichbar gewesen. Und am Folgetag habe sie sich dann auf ein eventuelles Blähmgähm fokussiert: „Das Blame Game könnte sofort losgehen, wir brauchen ein Wording, dass wir rechtzeitig gewarnt haben, wir alle Daten immer transparent gemacht haben, ich im Kabinett gewarnt habe, was ohne unsere Präventionsmaßnahmen und Vorsorgemaßnahmen alles noch schlimmer geworden wäre etc.

Keine sechs Monate später anno 2022 ließ sich die zwecks Vermeidung eines Blähmgähms auf ein Wörding Fokussierte unverdrossen zur Bundesfamilienministerin ernennen und fokussierte ihr neues Ressort modebeflissen also auf die Deutschland drückenden Probleme der „Identitäts- und Geschlechter-Fragen“.

Die böse Bildzeitung (darf die denn das?) brachte vor einigen Wochen das Bemühen der für den Umweltschutz ihres Bundeslandes seinerzeit verantwortlichen Ministerin Spiegel um eine Sprachregelung ans Licht der staunenden Öffentlichkeit, welche eben dieser Tatsachen vorspiegeln sollte, die es so nicht gegeben hatte. Sie verkleidete die Aufforderung an ihre Dienstunterstellten zum Lügen, also auf gut Deutsch zum Fäknjuen, mit dem Hüllwort für Hüllwörter: „Wörding“.

„Lügen“, das klingt ja so brutal, so deutlich, so klar.

Das klingt ja geradezu transparent!

Letzte Woche erfuhr das staunende Publikum zusätzlich, daß die nunmehrige Bundesministerin erneut gewördingt hatte. Nämlich sie war im unmittelbaren Anschluß an das vorherige Wörding mehrwöchig ins schöne Frankreich gefahren. Um zu urlauben. Statt, als verantwortungsbewußte beamtete Kapitänin, den Katastrophenschutz zu koordinieren. Sie hatte aber, also im Wiederholungsfall, darüber erneut gewördingt, aus dem Urlaub elektrisch an Kabinettsitzungen teilgenommen zu haben.

Welcher Sachverhalt sich ebenfalls als gefäknjut den Weg an die Weltöffentlichkeit bahnte.

Das sei ein Fäk gewesen, wurde vermeldet.

Soweit so schlecht.

Wie Du es vielleicht mitbekamst, wie die meisten nachträglich wenigstens: Sonntagabend gegen 21 Uhr inszenierte die Fokussierte mit tränenschwangeren Blicken in die Kamera einen Presseauftritt, indem sie „Fehler“ einzuräumen sich zu wördingen genötigt zeigte, und jene „Fehler“ selbstmitleidig mitleidheischend aber in ihren Augen entschuldigte mit familiären Gründen.

Kein Wort über die Opfer und die vor den Trümmern ihrer Existenz Stehenden der Katastrophe!

Worauf Montagvormittag gegen 11’30 Uhr der Bundeskanzler, das ist der mit dem Wörding, Nord Stream 2 wäre ein rein privatwirtschaftliches Unterfangen, worauf der auf Bestellung führen wollende Olaf Scholz, unbestellt aber prompt, der fokussierten Ministerin sein Vertrauen aussprach hinsichtlich der von ihr als entschuldbar gewördingten „Fehler“!

Da fällt mir ein Sprichwort ein, das ich jetzt weglasse.

Nur wenige Stunden später wurde die Wördinggewandte aber von ihrer Parteiführung zum Rücktritt gezwungen aus irgend einem Grund.

Am selben Tag konnte man in den Nachrichten eines Privatsenders eine Frau sehen aus dem katastrophenverwüsteten Ahrtal, die, bezogen auf die Inszenierung jener 21-Uhr-Pressekonferenz der ehemaligen Umweltverantwortlichen, in die Kamera sprach: „Sie drückt auf die Tränendrüsen. Unsere Tränen sind echt!“

Doch wenn Du nun wieder, wie ich Dich kenne, annimmst in Deiner Gutgläubigkeit à la „Frieden schaffen trotz der Affen“, damit wäre die Sache nun klar, also transparent, und damit erledigt, und wir können uns nun endlich wieder fokussieren auf die drängenden Probleme der Identitäts- und Geschlechterfragen, dann bist Du ja sowas von naiv! Denn sogleich meldeten sich natürlich die üblichen geistig Eingeengtinnen und hoben an ein Geschrei darüber, unsere Ex-Ex-Umweltfamilienministerin hätte zurücktreten müssen wegen der Härte des Politikbetriebes!

Wegen des rauhen Tones, der unter Spitzenpolitikern herrsche!

Wegen der fehlenden Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie!

Ostermontag, 18. April 2022, Deutschlandfunk:

Nach Spiegel-Rücktritt

Debatte über Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Nach dem Rücktritt von Familienministerin Spiegel hält die Debatte über die Vereinbarkeit von Politik und Familie an. Vizekanzler Habeck von den Grünen sagte den Funke-Medien, er frage sich, ob der Absolutheitsanspruch der dauernden Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfüllbar sei. Man müsse zulassen, dass Menschen auch mal nein sagten, ohne als nicht erfolgreich zu gelten.

Spiegel war zurückgetreten, weil sie als damalige rheinland-pfälzische Umweltministerin kurz nach der Flutkatastrophe in einen vierwöchigen Familienurlaub gefahren war. Dies hatte sie unter anderem mit dem Gesundheitszustand ihres Mannes und den Corona-Belastungen ihrer Kinder begründet.

Die Münchner Politikwissenschaftlerin Astrid Séville sagte im Deutschlandfunk, es gebe in der Kommunikation vor allem bei den Grünen eine Verschiebung hin in Richtung Empathie und persönliche Themen. Doch auch wenn man Verständnis für die schwierige private Situation von Spiegel habe, könne man politisch nicht darüber hinwegsehen, dass es ein Versäumnis gegeben habe. Sévilles Ansicht nach gibt es vor allem bei den Grünen das kommunikative Muster, mit privaten Erfahrungen politische Standpunkte plausibel machen und bisweilen auch Kritik abwehren zu wollen. Dadurch werde es aber schwieriger, bestimmte Debatten zu führen und politische Konflikte auszutragen.

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Es geht auch anders, doch so geht es auch.“

Bertolt Brecht (1898 – 1956)

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Die Irrer, die uns führen

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8. April 2022: Mephisto an Serapion

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Da gibt es den Matthias Platzeck (SPD, Partei des Gasverkäufers).

All die Jahre jedes Mal, wenn ich den Durchblicker also die gängige russische Propaganda widerkäuen hörte, erinnerte mich das an die Menschen, die man in der „Deutschen Demokratischen Republik“ zu einem Auslandsstudium in die ruhmredige „Sowjetunion“ „delegiert“ hatte. Zu „sowjetischen“ Zeiten war man in Rußland sehr interessiert, Studenten aus bestimmten Ländern zu holen, vor allem aus den ehemaligen Kolonien Afrikas und aus den russisch besetzten Ländern Osteuropas. In der „Deutschen Demokratischen Republik“ konnten Schüler eine Prüfung absolvieren, und nach deren Bestehen und natürlich bei Erfüllung gewisser nichtfachlicher Voraussetzungen ging es ab.

Nach ihren Studienerfolgen erlebte man in der ostdeutschen Arbeitswelt dann die Rückkehrer…

Meist nur männliche Exemplare, allerdings nicht selten mit russischem Ehegespons. Dieses meist mit phantastischen, russisch-bombastischen Berufsbezeichnungen. Für die sich keine Entsprechung fand im Rest der Welt. Aber wenigstens klangen sie ehrfurchteinflößend in den Ohren schlichterer Gemüter. Wie als würde der Giftmörder Wladimir Wladimirowitsch gerade durch fünfzehn Meter hohe Türen schreiten. Bis sich nach etlichem Geziere mit beleidigt hochgeschobener Unterlippe herausstellte, daß es sich bei den studierten Berufen doch eigentlich um eher irdische Arbeiten und Tätigkeitsfelder handelte.

Im Bereich einer Chemielaborantin etwa.

Die ehemaligen Auslandsstudenten aber waren inzwischen zu unabdingbaren „Sowjetunion“-Apologeten mutiert. Man konnte nur staunen. Am besten schweigend, denn jedes, selbst das kleinste kritische Wort über „unsere sowjetischen Freunde“ und das „ruhmreiche Sowjetland“ war sinnlos. Ganz zu schweigen von einer kritischen Durchleuchtung russischer Gigantomanie, also russischer Kultur, Geschichte oder Politik. Die abseitigsten Abseitigkeiten fanden ihre Versteher.

Und vor allem ihre vehementen Verteidiger.

Alles „Sowjetische“ war gut und richtig, also heilig.

Wie Gottvater Wladimir Iljitsch Lenin.

Diese Großhirnamputierten wurden dann bevorzugt bei Gehaltssteigerungen und Karrieresprüngen und fanden sich bald wieder in gewissen strategisch nicht unwichtigen Funktionen und Schaltstellen ihrer jeweiligen Branchen und Länder.

Und wirkten dort in ewiger Dankbarkeit und Begeisterung!

In Ostdeutschland natürlich auch nach dem Fall des antifaschistischen Schutzwalls.

Bis heute…

Im Osten, damals noch konkurrenzlos, vornehmlich in der Partei Der Spalter.

Daß der Aufbau Fünfter Kolonnen zur Einflußnahme und zur Beherrschung anderer Länder das A und O russischer Auslandspolitik, also Unterwerfungsstrategie ist, gilt gewiß nicht erst seit Lenin und Stalin und der KOMINTERN und der KOMINFORM.

Apropos Fünfte Kolonne.

Da wäre, zum Beispiel, die Manuela Schwesig (SPD, Partei des Gasverkäufers).

Im SPIEGEL Nr. 4 anno 2021 findest Du auf Seite 66 ein idyllisches Foto: Da stehen in trauter Runde, hier sogar physisch maskiert, die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Schwesig mit ihrem Gemahl zusammen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden des staatlich gelenkten russischen Konzerns Rosneft. Selbiger Gasmann Händchen haltend mit seiner jüngsten Lebensabschnittspartnerin.

Alle in Ausgehgarderobe.

Das Bild sei aufgenommen am 12. September 2020 während des Usedomer Musikfestivals.

Wozu DER SPIEGEL schrieb (und aus irgend einem Grund unter dem seltsamen Titel „Russisches U-Boot“):

Glaubt man dem von der Staatskanzlei dementierten Flurfunk in Schweriner Ministerien, wurde am Rande des Konzerts vorbereitet, was inzwischen in Berlin und anderswo zu Unruhe und Empörung führt: die Gründung der angeblich am Gemeinwohl orientierten „Stiftung Klima- und Umweltschutz MV“. Eine Organisation, die Schwesig ohne vorherige Beratung in den zuständigen Landtagsausschüssen per Kabinettsbeschluss auf den Weg brachte.

Und

Während die Staatskanzlei jede Beteiligung Schröders zurückweist, will sich der Altkanzler auf Anfrage nicht äußern.

Und

Die Nord Stream 2 AG, ein Anhängsel des russischen Energieriesen Gazprom, hat zugesagt, 20 Millionen Euro zum Stiftungsvermögen beizutragen, die Landesregierung will 200000 Euro dazugeben. Allem Anschein nach, so erzählt man sich in Schwerin, seien auch Struktur und Satzung made in Moskau.

In der Stiftung können die Russen weitreichend mitbestimmen. In der Satzung heißt es, „der erste sachverständige Geschäftsführer wird auf Vorschlag der Nord Stream 2 AG vom Stiftungsrat für drei Jahre berufen und gegebenenfalls abberufen“. Die „Geschäftsgrundsätze“ des Stiftungs-Unternehmens seien „im Benehmen mit der Nord Stream 2 AG“ zu gestalten. Via Nord Stream 2 hat Gazprom außerdem zwei Sitze im Kuratorium, dem Beratungsgremium der Stiftung.

Die Umweltverbände BUND, Nabu und WWF verweigerten jegliche Zusammenarbeit mit der Stiftung. Die Deutsche Umwelthilfe kündigte eine Klage an. In dieser Woche erklärte die FridaysforFuture-Aktivistin Theresia Crone den Rücktritt als Vorsitzende des von Schwesig initiierten Rats für Umwelt und Nachhaltigkeit. Es ist eine symbolische Distanzierung, aber eine, die Schwesig politisch schadet. Crone sagt: „Eine Klimaschutzstiftung, die klimaschädliche Infrastruktur schaffen soll, kann ich in keinster Art und Weise mittragen oder legitimieren.“

Ach ja, und hier fällt mir noch ein bei der offensichtlichen Verwendung von Steuergeldern für Nord Stream 2 zum Beispiel der Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, Partei des Gasverkäufers). Der noch in diesem, gerade einmal einem Vierteljahr jungen 2022 auf offener Bühne in Paris der staunenden Welt, ohne zu blinzeln, in ihr Gesicht log, bei Nord Stream 2 handele es sich um ein rein privatwirtschaftliches Projekt!

Was?

Hat sich halt geirrt, unser Bundeskanzler Olaf Scholz?

Aus der Partei des Gasverkäufers?

Hätten wir eine Presse wie früher, hätte die ihn und seine Genossen aus der Partei des Gasverkäufers allerdings mit der doch naheliegendsten aller naheliegenden Fragen konfrontieren können: Wie kann, obwohl doch die ganze Welt schon besser Bescheid wußte, es zu solch grandiosem Irrtum all der das ehemalige Land der Dichter und Denker Regierenden kommen?

Wie zum Beispiel, mein Gott Walter, bei Frank-Walter Steinmeier (SPD, Partei des Gasverkäufers)?

Jenem unermüdliche Warner des Westens vor „lautem Säbelrasseln“.

Vor inzwischen mehr als sieben Jahren, am 3. August 2014, hatte ich Dir geschrieben:

Im übrigen aber bin ich der Meinung, daß seit Beginn der russischen Anmutungen gegen die Ukraine der Publikumsliebling Frank-Walter Steinmeier mit seiner gut gemeinten, also schlechten Außenpolitik kontinuierlich und jeweils vorhersagbar scheiterte. Aus Gründen der Inadäquatheit. Das bezieht sich nicht nur auf die unsägliche Zeit, während der er im Vierundzwanzigstunden-Rhythmus den Westen (!) davor warnte, der russischen Seite wehzutun. Und es vergrößert sich wieder die Gefahr, daß er Putin und Lawrow doch noch auf ihren russischen Leim latscht und in der Ostukraine die transnistrieschen Zustände verewigt werden wie auch in Südossetien und Abchasien, wo Russen auf einem Fünftel georgischen Territoriums die geraubten Gebiete mit dem Ausbau von Grenzbefestigungen und mit provokativen Militärübungen absichern und gegen jedes Völkerrecht den georgischen Luftraum drohend mit ihren Kampfjets durchpfeifen.

Der Konflikt sei nicht mit militärischen Mitteln zu lösen, lautet das Mantra deutscher Außenpolitik, dessen Verabsolutierung jeglicher Aggression die Landesgrenzen öffnen würde.

Und ihr zum Siege verhülfe wie Hitler das Münchner Abkommen.

Wie Vergangenheit und Gegenwart aber lehren, gibt es auch Konflikte, die allen Hoffens und Wünschens zum Trotz sich nicht unmilitärisch lösen lassen.

Solange man im Westen nicht begreift, daß der Kreml unter dem gestirnten Himmel immer nach anderen Regeln spielt als nach denen der aristotelischen Logik und des kantschen Moralprinzips, wird man, wie gehabt, alle paar Jahre staunend aus den Wolken plumpsen. Wie so oft schon die deutsche Wirtschaft in ihrem unermüdlichen Bemühen um den ach so vielversprechenden russischen Markt. Da kommt mir nicht nur das Heulen und Zähneklappern anläßlich des Röhrenembargos in den Sinn. Schon mit bescheidenen Geschichtskenntnissen kann man tatsächlich zu treffenderen Entwicklungsprognosen gelangen als mit Eliteabschlüssen in Wirtschaftswissenschaften! Jüngst, im März, E.on-Chef Johannes Theyssen auf die Frage, ob er nach der Verschärfung der Ukraine-Krise Angst habe um seine Investitionen. Antwort: „Nein, dazu gibt es keinen Anlaß.“

Rußland ist kein Partner, und das hätte man ohne viel Mühe im voraus wissen können und wissen müssen.

Zurück zum Speziellen: Wäre es nicht endlich an der Zeit, die sogenannten Separatisten als camouflierte Söldner Rußlands zu klassifizieren? (In Donezk mußten die „Aufständischen“, deren Uhren übrigens Moskauer Zeit statt mitteleuropäische Zeit anzeigen, sich bei der Besetzung der Stadt von deren Einwohnern den Weg zum zentralen Lenin-Platz erklären lassen.) Wenn die Antwort lautet JA, darf man diese Soldateska nicht, wie von Rußland gefordert aus irgend einem Grund (aber mit welchem Recht?), zu gleichberechtigten Verhandlungspartnern aufwerten und ihr womöglich nach russischer Interessenlage noch Zugeständnisse hinsichtlich der Verfassungsstruktur des Landes zubilligen. Rußland hat in ukrainischen Verfassungsfragen nicht mit am Tisch zu sitzen. Auch nicht indirekt.

Wenn es also kein Volksaufstand armer unterdrückter Russen ist, könnte man dann nicht umgekehrt schlußfolgern, daß es eher seitens der Ukraine sich um einen Befreiungskampf handelt?

Unsere ausgewogenen öffentlich-rechtlichen Medien haben es nicht einmal fertig gebracht, unempört über das angebliche „Verbot der russischen Sprache“ zu berichten. Natürlich sollte in der Ukraine nicht die russische Sprache verboten, sondern Russisch als zweite Amtssprache abgeschafft werden, und zwar als eine der ersten Gesetzeshandlungen der neuen, endlich Handlungsfähigkeit gewinnenden Regierung. Allein wenn ich diese Tatsache hörte, würde ich sie, ungeachtet ihrer politischen Klugheit oder Unklugheit oder politischen Korrektheit, als eklatanten Hinweis auf einen Unabhängigkeitskampf, als Bestandteil eines Befreiungsversuchs von langjähriger Bevormundung werten. Statt, wie von russischer Propaganda gewünscht, als Knechtung einer Minderheit. Die Abschaffung dieser zweiten Amtssprache war ihnen ja nicht aus Jux und Tollerei so wichtig!

Und war der Sturm auf die Bastille politisch korrekt?

Gravitätisch warnt der Außenminister vor einem neuen kalten Krieg. Bitte um Kenntnisnahme: Rußland führt heißen Krieg! Und der wird nicht enden durch appellierendes Abwarten auf Vernunfteinkehr. Sondern eher durch Etablierung der Russen in Neurußland, wie der vormalige Leiter des „Zentrums für konservative Forschung“ an der Staatlichen Moskauer Universität, der einflußreiche Alexander Dukin, die Ostukraine (mindestens!) bezeichnet. Etablierung der Russen vielleicht sogar mittels der durch Sergej Lawrow geforderten russischen Friedenstruppen, unter Absegnung des Westens und getarnt als OSZE-Friedensmission. Oder durch direkte Intervention russischer Truppen zum Schutz der unterdrückten russischen Bevölkerung.

Oder indem es der schwachen Ukraine gelingt, ihre russische Grenze freizukämpfen.

Nun, reichlich sieben unsägliche Jahre später, nach dem erneuten Überfall Rußlands auf eines seiner unglücklichen Nachbarländer am 24. Februar 2022, sah sich, wozu ihn freilich der ukrainische Botschafter erst in den Hintern hatte treten müssen, unser auf Selbstvorschlag wiedergewählter Bundespräsident am Montag, dem 4. April 2022, also am Tag 39 der russischen Invasion, veranlaßt zu behaupten: „Ich leide sehr mit den Menschen in der Ukraine mit. Nach Anfang 2014 hat kein anderes Land meine Arbeit so geprägt.“

Fast möchte man Schreikrämpfe kriegen: „Leider!“

Leider die Arbeit eines notorisch Inkompetenten!

Eines in brandtscher Ostpolitk Dilettierenden.

Statt eines Adenauers.

Denn, jetzt halte Dich wirklich fest, wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, Steinmeier, hier:

Mein Festhalten an Nord Stream 2, das war eindeutig ein Fehler. Wir haben an Brücken festgehalten, an die Rußland nicht mehr geglaubt hat und vor denen unsere Partner uns gewarnt haben.“!

Abgesehen von einer Art Pluralis Majestatis in einer individuellen Entschuldigung, dann der Gipfel: „…an die Rußland nicht mehr geglaubt hat…“!!!

Tut der nur so oder ist der so doof?

Der Mann hat immer noch nichts begriffen!

Der Mann und nicht „Wir“ ist in Deutschland hauptverantwortlich für das Ergebnis seiner Fehler!

Er hat, mindestens in geschichtsvergessener Ignoranz, maßgeblich nicht nur sein Land in eine miserable Abhängigkeit von einem faschistischen Aggressor getrieben!

Und damit Deutschland eklatant geschadet!

Der Mann hat sich, außer zum gravitätischen Setzen rhetorischer Redepausen, bei denen man allerdings davonlaufen möchte, als unfähig erwiesen!

Was für große Worte macht heut mancher Mann und lindert damit keine Not“, hatte in Anlehnung an einen Text von Bob Dylan Marlene Dietrich einst gesungen.

Im morgigen gedruckten SPIEGEL läßt der besungene Mann sich tatsächlich zitieren mit dem Satz: „Wir müssen jetzt natürlich genau aufarbeiten, wo wir Fehler gemacht haben.“

natürlich

genau

arbeiten

auf

wo

Mein Gott Walter!

Frag mich!

Es ist nicht zu fassen!

Im selben Interview, O-Ton steinmeiernd:

Ich zähle mich zu denjenigen, die ein politisches Leben lang dafür gearbeitet haben, dass der Krieg nie mehr nach Europa zurückkehrt. Das ist nicht gelungen. Waren deshalb die Ziele falsch? War es falsch, dafür zu arbeiten? Das ist die Debatte, die ich, die wir jetzt führen müssen.“

Tapferes Kerlchen!

Ob die Ziele falsch waren, ob es falsch war, dafür zu arbeiten, das ist „natürlich“ „genau“ die Debatte, um die es „jetzt“ nicht geht! Sondern es geht darum, ob es nicht endlich an der Zeit wäre, unseren Bundespräsidenten beim Amt für Arbeit, Pardon, bei der Agentur für Arbeit anzumelden als „Kunde“ für einen Umschulungslehrgang im Fach „Nebelkerzenanzünder“.

Und ihn nach erfolgreicher Absolvierung umgehend in die Ukraine an die Front zu expedieren: Das könnte die Russen nachhaltig verwirren!

Wir werden von Irrern regiert!

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„…das wäre der Welt Ende, wenn man euch gehorchte.“

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

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Eigensinn

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1. April 2022: Serapion an Mephisto

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[Video 1’03“]

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Die meisten Menschen folgen nicht dem Logos, sondern ihrem Eigensinn.

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Denn des Menschen Sinn hat keine Einsichten.

Heraklit (um 550 v. Chr. – um 480 v. Chr.)

Die „erste Wechselwirkung“ im Kriege

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26. März 2022: Serapion an Mephisto

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General Carl von Clausewitz (1780 – 1831) in Vom Kriege:

Nun könnten menschenfreundliche Seelen sich leicht denken, es gebe ein künstliches Entwaffnen oder Niederwerfen des Gegners, ohne zu viel Wunden zu verursachen, und das sei die wahre Tendenz der Kriegskunst. Wie gut sich das auch ausnimmt, so muß man doch diesen Irrtum zerstören; denn in so gefährlichen Dingen, wie der Krieg eins ist, sind die Irrtümer, welche aus Gutmütigkeit entstehen, gerade die schlimmsten.

Wir wiederholen also unseren Satz: Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, und es gibt in der Anwendung derselben keine Grenzen; so gibt jeder dem anderen das Gesetz, es entsteht eine Wechselwirkung, die dem Begriffe nach zum Äußersten führen muß. Dies ist die erste Wechselwirkung und das erste Äußerste, auf das wir stoßen.

[erste Wechselwirkung]

(in der 15. Auflage beim Keil Verlag Berlin 1937 Seite 4f)

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So finden wir ihn fast überall, und man könnte zweifeln, daß unsere Vorstellung von dem ihm absolut vorkommenden Wesen einige Realität hat, wenn wir nicht gerade in unseren Tagen den wirklichen Krieg in dieser absoluten Vollkommenheit hätten auftreten sehen. Nach einer kurzen Einleitung, die die französische Revolution gemacht hat, hat ihn der rücksichtslose Bonaparte schnell auf diesen Punkt gebracht. Unter ihm ist er rastlos vorgeschritten, bis der Gegner darniederlag, und fast ebenso rastlos sind die Rückschläge erfolgt. Ist es nicht natürlich und notwendig, daß uns diese Erscheinung auf den ursprünglichen Begriff des Krieges mit allen strengen Folgerungen zurückführt?

Daß die Theorie dies jetzt mit Wirksamkeit tun kann, verdankt sie den letzten Kriegen. Ohne diese warnenden Beispiele von der zerstörenden Kraft des losgelassenen Elementes würde sie sich vergeblich heiser schreien, niemand würde für möglich halten, was jetzt von allen erlebt ist.

Würde Preußen im Jahre 1798 es gewagt haben, mit 70 000 Mann in Frankreich einzudringen, wenn es geahnt hätte, daß der Rückschlag im Fall des Nichtgelingens so stark sein werde, das alte europäische Gleichgewicht über den Haufen zu werfen?

Würde Preußen im Jahre 1806 den Krieg gegen Frankreich mit 100 000 Mann angefangen haben, wenn es erwogen hätte, daß der erste Pistolenschuß ein Funken in den Minenherd sei, der es in die Luft sprengen sollte?

(ebenda Seite 611f)

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‚Eine Welt nach Putin würde zu einer instabilen Führung in Moskau führen, die über eine maximale Anzahl von Atomwaffen verfüge, die auf Ziele in den Vereinigten Staaten und in Europa gerichtet‘ seien.

Dimitri Medwedew zitiert in Bild vom Donnerstag, dem 24. März 2022

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Wenn wir des entsetzlichen Leids des Krieges auf beiden Seiten gedenken, erkennen wir gleichzeitig, wie kostbar der Frieden ist, den wir seit 1945 in Europa geschaffen haben.

Queen Elisabeth II.

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Deutschland in Beispielen

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19. März 2022: Bellarmin an Mephisto

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Was kommt einem in den Sinn beim eins und eins und eins und noch einer eins, wenn man begnadet wurde mit der erfreulichen Gabe der Summenbildung zwecks induktiven Schließens von der ewigen Wiederkehr gleichgearteter Einzelheiten auf das ewige Allgemeine und demnach, im Gegensatz zum Gegenwartsjournalismus im Lande der Hotts-Pott-Sager, begnadet ist mit der Gabe des Abstrahierens?

Was sagst Du? Ein Brennpunkt, das ist doch geradezu der Beweis einer Abstraktion?

Im Gegenteil, das ist der Beweis des beängstigend geistfreien Nachbläkens des IAs von Eseln.

Hast Du es nicht bemerkt? Bezeichnenderweise beziehen diese Nachplapperer den jüngsten endlich in ihre Hirne vorgedrungenen Vorwurf der Blauäugigkeit hinsichtlich Rußlands ausnahmslos auf Politiker.

Als hätte der bundesdeutsche Journalismus auch nicht das geringste damit zu tun!

Mit Blauäugigkeit.

Ein typisches Phänomen seiner Niveaulosigkeit!

Spontan fallen mir sofort die von öffentlich-rechtlichen Medien über die Jahre verbreiteten Meldungen ein über Nord Stream 2. Die man übrigens nur von sich gab, wenn es tatsächlich unumgänglich schien. Wie beispielsweise bei US-amerikanischen Sanktionsankündigungen, wobei man jene unumgänglichen Meldungen immer schloß im Lande der Hotts-Pott-Sager mit der Bemerkung, die Amerikaner verfolgten ja ein Interesse an Flüssiggasexporten.

Tatsächlich!

Und jedesmal als uniforme Floskel an die Meldung gehängt.

Als manipolatorische Denkvorgabe über eine angebliche Verworfenheit der amerikanischen Einwände.

Mit unterstelltem Profitinteresse.

Der Amerikaner.

Im Interesse ihrer privatwirtschaftlichen Unternehmen.

Welch ein Glück, daß die Russen da mit ihren Staatsunternehmen den Bau von Nord Stream 2 durchdrückten in ihrer sprichwörtlichen Uneigennützigkeit gegen die beileibe nicht nur osteuropäischen und amerikanischen Bedenken.

Selbstverständlich selbstlos durchdrückten im Interesse einer Unabhängigkeit Deutschlands von Gaslieferungen durch die „aggressive“ Ukraine.

Und überhaupt nicht aus politischen Interessen.

Sondern, wie der Bundeskanzler Olaf Scholz es ausdrückte mit seiner Unschuldsmiene, aus rein wirtschaftlichen…

Welche im Gegensatz zum Eigennutz der bösen Amerikaner stehende Uneigennützigkeit der Russen allerdings die deutschen Medien seltsamerweise stets zu erwähnen vergaßen in einem ebenso standardisierten Nachsatz…

Man kann nur mutmaßen, wahrscheinlich fühlte man in den Redaktionsstuben die Aufnahmefähigkeit an blauäugiger Dummheit selbst beim deutschen Michel denn doch für überfordert.

Dies muß denn allerdings eine Gratwanderung gewesen sein.

Denn andererseits wollte man vielleicht die Grenzen jener Aufnahmefähigkeit an Dummheit auch testen. Indem man sich wahrhaftig traute zu melden, daß die Kanzlerin beabsichtigte, den Auftraggeber von Auftragsmorden vertraglich zu verpflichten, nach Inbetriebnahme der Leitung, also der Nord-Stream-2-Peiplein, fleißig weiterhin Gas über die Ukraine zu pumpen.

Also den eigentlichen Grund für den Bau einer Gasleitung durch die Ostsee zu vergessen.

Das war doch wieder ein schöner Zug.

Den die Medien wiederum nicht genügend würdigten aus irgend einem Grund.

Und der, soweit ich sah, auch nicht einem deutschen Politikwissenschaftler aufgefallen war und zu einer öffentlichen Erörterung Anlaß gegeben hätte.

Dieser schöne Zug unserer Exkanzlerin, die Russen zu einer Garantie verpflichten zu wollen, die Ukraine nicht zu schädigen. Demzufolge gibt es sogar schon Stimmen, sie aus ihrem verdienten Ruhestand zu rufen, um im urplötzlich aus heiterem Himmel ausgebrochenen „Ukraine“-Krieg zu vermitteln. Ich vermeide es jetzt mal, Dir zu sagen, was ich davon denke, da ich den Ausbruch auch noch dieser Gefahr für, Glück im Unglück, gering halte.

Apropos denken, ich weiß nicht, was diese ganzen Denkfabriken den lieben langen Tag so denken für ihr Geld, und ob sie über dieses hinaus noch eins und eins zusammenzählen. Zum Beispiel ein Auftragsmord und noch ein Auftragsmord und noch ein Auftragsmord, und ob man sich dabei nicht einen obersten Auftraggeber denken müßte im Lande von Staatslenkern wie dem Mörder Iwan oder dem Mörder Peter oder dem Mörder Lenin oder dem Mörder Stalin.

Und ob die Denkfabriken selbstlos weil vermutlich auftragslos ihr Denkergebnis über den obersten russischen Auftraggeber von Auftragsmorden gefälligerweise nicht von sich heraus mitteilen könnten einer irritierten Öffentlichkeit im Lande der Hotts-Pott-Sager.

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SPIEGEL: Frau Owsjannikowa, haben Sie keine Angst?

Owsjannikowa: Natürlich habe ich Angst, sogar große. Ich bin ja ein Mensch. Es kann alles passieren, ein Autounfall, alles, was die wollen, dessen bin ich mir bewusst.

19. März 2022, DER SPIEGEL

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In Rußland wird heute offiziell gefeiert wie an jedem 18. März. Es geht dabei um die, aus westlicher Sicht, völkerrechtswidrige Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim vor acht Jahren.

ARD-Tagesschau um 20 Uhr vom 18. März 2022!

Danke für die Mitteilung nach acht Jahren, daß am 18. März in Rußland die, aus westlicher Sicht (!!!) völkerrechtswidrige Annexion der ukrainischen (!!!) Krim gefeiert wird. Fehlt bloß noch der augenblicklich an jeder dritten Stelle wiederholte aktuelle Standardsatz: „Die Angaben lassen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

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Der noch unvollendete Fall aus den Wolken

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13. März 2022: Bellarmin an Mephisto

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Mittwoch, 23. Februar 2022

VOLKSSTIMME:

Im Grunde haben Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schon 2015 die Ost-Ukraine geopfert. Das Minsk-II-Abkommen zwingt die Ukraine de facto dazu, die Gebiete Luhansk und Donezk aus ihrem Staatsgebiet zu entlassen. Kein Wunder, dass dies kein Präsident vollzogen hat.

FRANKFURTER RUNDSCHAU:

Putin wird wohl nicht aufs Äußerste gehen und die gesamte Ukraine angreifen. Nicht nur weil die Zahl der Toten wohl auch in Russland nicht vermittelbar wäre und der Unmut Putins Herrschaft gefährden könnte. Putin dürfte lieber den Konflikt mit der Ukraine erhalten wollen – ähnlich wie in Georgien, wo er bereits seit Jahren mit einer ähnlichen Strategie zwei sogenannte Regionen unterstützt. Auf diese Weise bleibt Putin im Fokus des internationalen Interesses, hält die Menschen in der Ukraine in Angst und verhindert eine wirtschaftliche Erholung des Landes.

MÜNCHNER MERKUR:

Wir sollten nicht so dumm sein, dem Kremlherrscher die Kriege gegen unsere europäischen Nachbarn auch noch zu finanzieren. Bundeskanzler Scholz hat mit seinem Stopp der Ostseepipeline richtig gehandelt: Die Gaspartnerschaft mit Putins Russland ist zerbrochen. Das tut weh. Doch kassiert Berlin jetzt die Quittung dafür, dass es unter allen Europäern im Umgang mit Putin jahrelang am naivsten zu Werke ging.

MÜSAVAT:

Vor 14 Jahren hat Russland Abchasien und Südossetien anerkannt. Und was ist danach passiert? Diese beiden abtrünnigen Republiken siechen vor sich hin, und Luhansk und Donezk droht das gleiche Schicksal. Im Grunde sollte jedes Volk, das unabhängig sein will, dieses Recht auch bekommen. Doch die Geschichte hat gezeigt, dass die Gründung von Ministaaten kein gutes Ende nimmt. Nur wenn eine Nation vereint ist, hat sie die Macht, viel zu erreichen.

KYIV INDEPENDENT:

Der frühere Präsident und heutige Vorsitzende des nationalen russischen Sicherheitsrats, Dimitri Medwedew, erklärte vor zwei Tagen: Wenn Russland die ukrainischen Gebiete als unabhängige Staaten anerkennen würde, würde die Welt das zwar erst einmal verurteilen, aber das würde schon vorbei gehen. Hört ihr das in Washington, London und Brüssel? Beschränkt ihr euch auf leidenschaftliche Reden und symbolische Sanktionen? Oder antwortet ihr mit ganzer Kraft und haltet den wahnhaften Diktatoren auf, bevor er noch mehr Angst und Schrecken in der Welt verbreitet? Es geht nicht nur um die Ukraine. Wenn Putin gewinnt, verliert eure Welt. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber bald, und unvermeidlich.

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Donnerstag, 24. Februar 2022

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

Putins Furor ist eine Katastrophe für die Ukraine und ein Unglück für die Welt. Mit dem Ende des Minsker Abkommens und dem Stopp der Pipeline Nord Stream 2 lösen sich aber auch Jahrzehnte deutscher Russlandpolitik in nichts auf. Daran trägt Putin nicht allein die Schuld. An die Illusion, die er hat zerplatzen lassen, mussten andere ja erst einmal glauben. In diesem Luftschloss ist Putin mal als europäischer Friedenspolitiker aufgetreten, mal als immerhin verlässlicher Gaslieferant und, wenn es schwierig wurde, gerne wenigstens noch als pragmatischer und berechenbarer Machtmensch. Deutschland ist das westliche Land, in dem der Glaube an das Gute in Putin die Politik, aber auch die Sichtweise in nicht unwesentlichen Teilen der Bevölkerung am längsten geprägt hat.

LA RAZON:

Putin nutzt für seine Konfrontation mit dem Westen auch den historisch bedingten Antiamerikanismus. Der russische Präsident ist keineswegs Kommunist. Trotzdem genießt er unter Marxisten Sympathie, auch in Lateinamerika. Dabei ist Russland keine Demokratie und verstößt mit seinem Auftreten gegenüber der Ukraine gegen internationales Recht. Ideologisch steht Putin der lateinamerikanischen Linken somit überhaupt nicht nah. Trotzdem stößt er dort auf Verständnis, und marxistische Influencer reden von Neonazis in der Ukraine, die von der Nato unterstützt werden. Aber weder sind die Ukrainer Neonazis, noch ist Putin ein Befreier.

DE TELEGRAAF:

Europa hat sich in Bezug auf Öl und Gas stark von Russland abhängig gemacht. Immer wieder war vor allem seitens der USA gewarnt worden, wie gefährlich es ist, sich bei der Versorgung mit essenziellen Energieträgern von dem launenhaften russischen Regime abhängig zu machen. Zudem zeigt sich, dass viele Länder – darunter auch die Niederlande – nicht genügend Vorräte aufgebaut haben. Es war unverantwortlich, die Erdgasförderung in Groningen fast vollständig stillzulegen, ohne Alternativen dafür zu haben.

RZECZPOSPOLITA:

Niemand in Berlin zweifelt inzwischen mehr daran, dass die Russlandpolitik der letzten Jahrzehnte naiv war. An scharfer Russlandkritik hat es in Deutschland zwar nie gefehlt. Allerdings gab es auch viele sogenannte ‚Russlandversteher‘ mit der entsprechenden Bereitschaft, um fast jeden Preis mit Moskau zusammenzuarbeiten. Nun hat Deutschland einiges aufzuarbeiten: die Sünden der eigenen Naivität, das bisherige Wunschdenken, die romantischen Vorstellungen von Russland und die eigenen Schuldgefühle.

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Freitag, 25. Februar, 2022

LANDESZEITUNG:

Drei Flugstunden entfernt ist Krieg. Und? Berührt uns das? Es wäre erbärmlich, wenn sich in unseren Köpfen nichts bewegt. Wenn wir weiter glauben würden, die Welt wäre eine Art vergrößerte EU, wo man mit Sachargumenten, nächtlichen Verhandlungsmarathons und notfalls ein paar Schecks Interessengegensätze immer ausgleichen könnte. Dabei haben machthungrige Potentaten längst die alte Geopolitik wiederbelebt. Sichere Grenzen und sichere Lebensentwürfe in Freiheit sind leider nicht der Normalfall der Geschichte, sondern die Ausnahme. Eine kostbare Ausnahme, die es wert ist, nicht nur mit Worten verteidigt zu werden.

NÉPSZAVA:

Russlands Sicherheit gefährden weder die Nato noch die Ukraine. Russlands größter Feind ist sein eigener Präsident. Putins Entscheidung über den Angriff auf die Ukraine basiert auf einem völlig verzerrten Verständnis der Geschichte. Dieser Diktator ist der Ansicht, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion die größte Tragödie des 20. Jahrhunderts ist und dass die Ukraine tatsächlich nie als Staat existierte. Es gibt nicht viel Logik oder Gerechtigkeit in einem solchen Denken. Der russische Präsident ist vielleicht ein militärischer Riese, aber im moralischen Sinne ist er ein Zwerg, der hinterlistig seine wahren geopolitischen Ziele verbirgt.

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Sonnabend, 26. Februar 2022

FRANKENPOST:

Gerade Grüne und die Sozialdemokraten haben viele Anhänger aus der Friedensbewegung in ihren Reihen. Die dürften sich jetzt täglich die Augen reiben. Frieden schaffen ohne Waffen? Mit Blick auf die Ukraine ein veritabler Trugschluss, Despoten wie Putin verstehen am Ende doch nur kompromissloses Handeln und Stärke. Deutschlands Politik ist gut beraten, die Weichen völlig neu zu stellen.

NEW YORK TIMES:

Die internationale Gemeinschaft ist zwei Extremen ausgesetzt: Russland und China. Nie zuvor hatten die Staatschefs von zwei der drei mächtigsten Nuklearnationen – Putin und Xi – mehr unkontrollierte Macht. Nie zuvor waren mehr Menschen von einem Ende der Welt zum anderen mit weniger Puffern miteinander vernetzt. Was diese beiden Staatsoberhäupter also mit ihrer Macht anstellen, wird praktisch jeden von uns direkt oder indirekt betreffen. Putins Einmarsch in die Ukraine ist der erste Vorgeschmack darauf, wie verrückt und instabil diese Art von vernetzter Welt werden kann.

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Montag, 28. Februar 2022

VOLKSSTIMME:

In den drei Tagen seit Kriegsbeginn in der Ukraine war Deutschland dabei, rasend schnell seine führende Rolle in der EU und sein Mitspracherecht in der Nato zu verspielen. Mit jeder Bombe auf die Ukraine wurde es für die Bundesregierung dringlicher, sich nicht herauszulavieren, sondern konkret auf den Völkerrechtsbruch Russlands zu reagieren. Das hat Bundeskanzler Olaf Scholz getan. Und die internationale Allianz gegen Russland gestärkt. Die Zeitenwende, wie Scholz sie nennt, ist ein Bruch mit der deutschen Politik der vergangenen 30 Jahre.

DIENA:

Es ist schockierend, dass bei uns in sozialen Netzwerken das dem Kreml genehme Narrativ kursiert, dass Ukrainer und Russen die Leidtragenden seien und es vor allem um die Bewahrung des Friedens gehe. Natürlich ist Frieden wichtig, aber zuerst muss der Aggressor seinen Krieg beenden. Wenn die Ukrainer ihre Familien gerettet und ihr Land zurückgewonnen haben, ihre unschuldigen Opfer begraben und betrauert und ihren Sieg gefeiert haben, kann irgendwann auch Russland mit seinen historischen und ideologischen Befindlichkeiten auf der Couch landen.

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Dienstag, 1. März 2022

RHEIN-NECKAR-ZEITUNG:

Putin hat die Welt angelogen, hat seinen Feldzug lange und gründlich geplant, hat dementiert und zugleich angegriffen, sperrt Kritiker ein und verordnet Medien einen Maulkorb. Ein Wort der Wahrheit? Niemals. Die List kommt bei ihm als unverfrorene Heuchelei daher. Und weil er bisher alles, was von den einen befürchtet worden war und von anderen naiv weggewünscht worden war, in die Tat umsetzte, ist ein russischer atomarer Schlag nicht auszuschließen. Denn er hat damit gedroht. Natürlich wollen alle Menschen in erster Linie leben. Auch Putin. Und ganz sicher gibt es in seinem engsten Umfeld Berater, die den Wahnsinn eines Atomschlags würden stoppen wollen. Allein: Der von Geheimdiensten geschulte Despot hat seine Unberechenbarkeit längst bewiesen.

NEW YORK TIMES:

Seit Putins Einmarsch in die Ukraine sind zwei Dinge klar geworden. Erstens: Putin ist größenwahnsinnig. Zweitens: Russland ist schwächer als die meisten meinten. Putin ist nicht der erste brutale Diktator, der sich zum internationalen Paria gemacht hat. Aber er ist der erste mit einer heimischen Wirtschaft, die stark vom internationalen Handel abhängig ist, und mit einer politischen Elite, die es gewohnt ist, die westlichen Demokratien als ihren Spielplatz zu betrachten. Putins Russland ist keine hermetische Tyrannei wie Nordkorea oder die alte Sowjetunion. Sein Lebensstandard wird durch umfangreiche Importe aufrechterhalten, die größtenteils durch die Ausfuhr von Erdöl und Erdgas finanziert werden. Dies macht die russische Wirtschaft sehr anfällig für Sanktionen. Putins Armee mag Kiew durchaus noch einnehmen, aber dies wird ihn selbst nur noch mehr schwächen. Russland entpuppt sich als potemkinsche Supermacht, die bei weitem nicht so stark ist, wie es den Anschein hat.

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Sonnabend, 5. März 2022

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

Die amerikanische Historikerin Barbara Tuchman hat vor vierzig Jahren dargelegt, dass sich viele einschneidende Ereignisse in der Weltgeschichte, vom Fall Trojas bis zum Vietnamkrieg, damit erklären lassen, dass die damals Herrschenden schlicht dumm waren. Seit Jahrtausenden, so Tuchmans Befund, haben Menschen, denen der Wille, die Fähigkeit oder das Interesse fehlte, die Folgen ihres Tuns zu bedenken, Entscheidungen getroffen, die das Schicksal ganzer Völker geprägt und Millionen Leben zerstört haben.

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Sonntag, 6. März 2022

FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG:

Dabei hätte die SPD – manche ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten übrigens ebenso – eine grundsätzliche Aufarbeitung der eigenen Haltung gegenüber Russland nötig. Die SPD-Parteispitze hat Moskaus Angriffskrieg zwar sofort und unmissverständlich verurteilt. Aber sie schweigt bisher zur Verharmlosung Putins durch die eigenen Leute in den zurückliegenden Jahren. Das geschah allen voran durch Gerhard Schröder. Der ehemalige SPD-Vorsitzende hat mit seiner Lobbyarbeit für das Putin-Regime jahrelang Millionen Euro verdient, ohne dass die Partei irgendwelche Konsequenzen zog. Im Sinne des russischen Interesses äußerten sich aber auch Manuela Schwesig, Erwin Sellering und Matthias Platzeck. Die SPD sollte auch ihre Folklore um die Entspannungspolitik der Siebzigerjahre überdenken. Die Leistungskraft der sozialdemokratischen Ostpolitik wird im Rückblick gerne überschätzt. All das gehört auf den Tisch. Denn die strategische Schwäche Europas gegenüber Russland und die versäumten Ausgaben für die Rüstung haben damit zu tun.

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Dienstag, 8. März 2022

NOWAJA GASETA:

Die Menschen wiederholen meist die Meinungen aus dem Fernsehen. Die Erzählung von der Verteidigung des Vaterlandes, die ununterbrochen von den Propagandakanälen verbreitet wird, nimmt ihnen offenbar die Fähigkeit das Geschehen kritisch zu beurteilen. Noch nie war es schwieriger, die Menschen zweifeln zu lassen. In Russland gilt: Wahrheit ist, was dem König dient, und alles andere ist Lüge und Verbrechen. Aber wie stark die Behörden den Informationsfluss auch reglementieren, früher oder später werden andere Zeiten kommen.

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Mittwoch, 9. März 2022

DER NEUE TAG:

Die deutsche Energiepolitik der vergangenen Jahre war naiv, sehr naiv. Geradezu peinlich war es, wie Merkel, Scholz und Co. an der Gas-Pipeline Nord Stream 2 festgehalten haben. Allen Warnungen vor Putin zum Trotz. Denn es ist ja nun wirklich nicht so, dass der russische Präsident aus heiterem Himmel zum Verbrecher wurde. Deutschland hat sich freiwillig abhängig von einem Diktator gemacht. Mehr als 50 Prozent aller deutschen Erdgasimporte kommen aus Russland. Das war ein großer Fehler, den die Verantwortlichen erst jetzt einsehen. Und dieser Fehler wird wohl für alle Bürger teuer werden.

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Donnerstag, 10. März 2022

ND.Der TAG:

In Putin hat der Patriarch einen Genossen im Geiste. Beide scheinen besessen vom Kampf gegen die Unmoral, die der Westwind gen Osten trägt: Was dem einen die Fixer, sind dem andern die Schwulen. Der Krieg habe eine metaphysische Bedeutung, erklärte Kyrill I. Nach Ansicht von Ostkirchen-Experten interpretiert er den Ukraine Krieg als Krieg des Lichts gegen die sündigen Werte, die den wahren Orthodoxen in der Ukraine von den ‚Weltmächten‘ aufgezwungen würden – insbesondere Homosexualität.

DER TAGESSPIEGEL:

Die Vorstellung der russisch-orthodoxen Kirche deckt sich mit der staatlichen Politik. Liberale Demokratie, Akzeptanz von Homosexualität, religiöse und gesellschaftliche Pluralität – das lehnen sowohl der Staat wie auch die russisch-orthodoxe Kirche ab. Das Konzept heißt ‚Russkij Mir‘ – russische Welt. Kyrill hat schon 2020 erklärt, dass alle Gebiete, die geschichtlich einmal von Russland abhängig waren, zum ‚Heiligen Rus‘ gehören und man sie wiedergewinnen sollte. Wer Putins Krieg gegen die Ukraine Einhalt gebieten will, hat also auch in Kyrilll einen bedeutenden Gegner.

NEW YORK TIMES:

Für Putin gibt es keinen guten Ausweg mehr – und das macht wirklich Angst! Putin wird mit seinem Ukraine-Feldzug langfristig nicht erfolgreich sein. Aber einer wie er kann keine Niederlage eingestehen. Die unausweichliche Demütigung ist unerträglich für diesen Mann, der davon besessen ist, die Würde und Einheit dessen wiederherzustellen, was er als russisches Mutterland ansieht. Putin marschiert deshalb in einen ewigen Krieg gegen die Ukraine und einen Großteil der Welt, der Russland langsam zusammenbrechen lassen wird. Und das ist entsetzlich. Denn es gibt nur eines, was schlimmer ist als ein starkes Russland unter Putin: Und das ist ein schwaches, gedemütigtes, ungeordnetes Russland – ein Land voller nuklearer Sprengköpfe, Cyberkrimineller, Öl- und Gasquellen, das zerbricht und in dem verschiedene Fraktionen um die Macht ringen.

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Freitag, 11. März 2022

LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG:

Die Ukraine im Zustand vor dem 24. Februar 2022 wird es nicht mehr geben. Die Russen werden ihren Feldzug nur unterbrechen, wenn sie dafür etwas bekommen, einen schriftlichen Verzicht der Ukraine auf die Nato-Mitgliedschaft, eine Anerkennung der Krim und des Donbass als Teil Russlands etwa. Dabei muss dem Westen ganz klar sein: Nur die Ukrainer können entscheiden, wozu sie bereit sind. Dennoch: Es ist gut, dass geredet wird, vor und hinter den Kulissen. Selbst wenn der Grundsatz, solange geredet wird, wird nicht geschossen, leider nicht mehr gilt.

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Sonntag, 13. März 2022

AFTONBLADET:

Russlands Präsident Putin plant die Wiederherstellung der historischen Einflusssphäre seines Landes. Dazu reicht ein Blick auf die Karte: Östlich des Schwarzen Meeres stehen seit 2008 Truppen in Georgien, im Norden liegt die 2014 annektierte Krim, im Nordosten der Donbass und im Nordwesten das zu Moldau gehörende Transnistrien, das seit Jahrzehnten von russischen Truppen dominiert wird. Nun ist die Ukraine an der Reihe. Der Westen war zu lange zu nachgiebig, auch aus Angst vor den russischen Atomwaffen. Aber was wir jetzt tun, hätten wir schon vor 2014 tun sollen. Wir hätten der russischen Wirtschaft den Stecker ziehen und die Ukraine bewaffnen sollen. Dann wäre uns der Krieg vermutlich erspart geblieben. Putins Appetit ist mit jedem Happen gewachsen; und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj ist es zu verdanken, dass der Westen allmählich aufwacht. Die deutsche Naivität und Nachgiebigkeit sind wie weggewischt, und Bundeskanzler Scholz spricht von einer Zeitenwende. Aber lassen sich alte Fehler nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine noch korrigieren? Das ist zu hoffen.

WELT AM SONNTAG:

Was bleibt vom pompös inszenierten Versailler-Gipfel der Staats- und Regierungschefs? Vor allem drei Botschaften: Große Uneinigkeit bei der Frage, ob man der Ukraine durch einen Importstopp von russischem Öl und Gas helfen soll. Die Forderungen der Ukraine nach einem Status als EU-Beitrittskandidat wurde abgeschmettert. Und: Frankreich hat mit dem Euphemismus einer ‚europäischen Investitionsstrategie‘ die Schleusen geöffnet für einen massiven Ausbau der Schuldenunion, die bald kommen dürfte und vor allem von Deutschland bezahlt werden wird. Man muss es leider in dieser Deutlichkeit sagen: Es war ein Gipfel der Schande – trotz der beschlossenen 500 Millionen Militärhilfen für Kiew. Kanzler Scholz hat dabei keine gute Figur gemacht. Er ist gegen ein Öl- und Gasembargo, er ist gegen einen Kandidatenstatus für die Ukraine, und er unterstützt im Grundsatz den Weg in eine EU-Mega-Schuldenunion. Dabei wäre es ganz einfach gewesen, der Ukraine einen Status als EU-Kandidat zu verleihen. Das hätte den 44 Millionen Ukrainern in ihrem Überlebenskampf einen ungeheuren Auftrieb gegeben, ihnen Mut gemacht und Respekt für ihren Widerstand gezollt. Damit wären keine weiteren Verpflichtungen verbunden gewesen, die Türkei beispielsweise ist seit 2005 Kandidatenland. Stattdessen versteifen sich Scholz, Rutte und Co auf Formalien: Regeln müssten eben gelten.

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Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,

Aufgestanden unten aus Gewölben tief.

In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,

Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

Georg Heym (1887 – 1912) aus Der Krieg

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Zur Dauer des Krieges

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5. März 2022: Bellarmin an Mephisto

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Am Tag nach Aschermittwoch begannen in Deutschland die Meldungen und Berichterstattungen mit der einleitenden Bemerkung: „Tag acht des Krieges“.

Tatsächlich.

Dabei hatte man wenige Tage zuvor noch Ansätze von Realismus gezeigt…

Und begann immerhin wenigstens nicht mehr zu sagen „Ukraine-Konflikt“.

Sondern „Ukraine-Krieg“!

Statt „russischer Invasion“…

Schockiert („geschockt“ auf Dummdeutsch) beispielsweise vom üblichen, also brutalen Bombardieren („Bomben“ auf Dummdeutsch) ukrainischer Städte durch das menschenverachtende, demnach ordinäre russische Militär.

O nein, nein, nein, das ist nicht allein der Krieg des lupenreinen Auftraggebers von Auftragsmorden und anderer Kleinigkeiten.

Redet Euch das nicht wieder ein in Deutschland!

Ein paar Russen müssen schon dabei sein, die wissen, was sie tun.

Haben es vielleicht sogar geübt in Syrien.

Oder schon in Tschetschenien.

Und es handelt sich beileibe nicht um den Tag acht des Krieges!

Sondern um das Jahr acht!

Und es handelt sich nicht allein um „Putins Größenwahn“.

Sondern um den traditionellen russischen Größenwahn und Chauvinismus und Imperialismus.

Gegenüber anderen Völkern.

Übrigens, am 25. Februar jährte sich zum 71. Mal der Tag der Besetzung Georgiens.

1921.

Durch Rußland.

Nicht der lupenreine Auftraggeber von Auftragsmorden hat die fünfzehn Meter hohen Türen gezimmert und vergoldet und findet ihr pompöses Geglitzer schön, durch die der Herr aller Reußen so berechnend propagandistisch schreitet mit Schißlaweng und seinem verkniffenen Lächeln auf seinem Antlitz mit Ohren.

Und den sich von denen seiner ihm ehrfürchtig gegenübersitzenden Paladinen deutlich im Pomp unterschiedenen Stuhl hat nicht er geleimt.

Nicht allein der Killer im Kreml hat sich darüber gefreut, die Krim heimzuholen ins Reich der ruhmredigen Russen.

Und morgen die ganze Ukraine.

Mindestens.

Neulich, bei einer der in Deutschland für Diskussionsrunden gehaltenen Fernsehsendungen schwärmte ein Journalist geradezu von Wladimir Wladimirowitsch als kulturell gebildetem Menschen…

Dennoch, ich halte es in nicht unerheblichem Maß für wahrscheinlich, daß der derart angehimmelte Verbrecher nicht weiß, was ein Pyrrhussieg bedeutet.

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Es kommen härtere Tage.

Ingeborg Bachmann (1926 – 1973)

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Zur Etymologie aus Sarkasmus

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25. Februar 2022: Bellarmin an Mephisto

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Vor mehr als 82 Jahren, Anfang November 1939, behauptete Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, seines Zeichens Außenminister der „Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“, in der Parteizeitung „Prawda“ („Wahrheit“), von Finnland ginge eine Kriegsgefahr aus gegen den „Sowjetstaat“. Und Ende November behaupteten die Russen, finnische Artillerie hätte im Grenzdorf Mainila die „Rote Armee“ beschossen.

Und dann:

Ohne Kriegserklärung wurde Finnland von der „Roten Armee“ überfallen. Am 30. November 1939.

Frühmorgens.

Darauf, zwischen neun und zehn Uhr, warfen russische Flugzeuge Flugblätter über Helsinki ab, etwa eine Stunde später bombardierten sie die Stadt. Zum Einsatz kamen Streubomben. Über schräge Leitflächen an ihren Außenhüllen in Rotation versetzt, schleuderten diese jeweils 60 Brandbomben über ihr ziviles Zielgebiet. Sie forderten etwa 900 Todesopfer und zahlreiche Verletzte.

Nach weltweiten Protesten erklärte Molotow, in typischer Verlogenheit im Reich der Lüge, es handele sich um Brotsäcke für die hungernde finnische Bevölkerung.

Woraufhin die Streubomben von jener bezeichnet wurden als „Molotows Brotsäcke“.

In dem Krieg entstand noch eine ähnlich sarkastische Wortschöpfung. Die Russen verfügten über eine dreifache Überlegenheit an Soldaten, eine fünffache bei der Artillerie und eine achtzigfache an Panzern. Und weil die „kriegsgefährlichen“ Finnen zudem auch nur ganze hundert Panzerabwehrkanonen besaßen, verfielen sie in der Not auf die Idee, Brandsätze in Flaschen auf die anrückenden Panzer zu werfen. Und diese improvisierten Waffen nannten sie analog zu den russischen Streubomben „Molotowcocktails“.

Wegen ihres Einmarsches in Finnland wurden die russischen Invasoren Mitte Dezember aus dem Völkerbund ausgeschlossen. In den USA kam es zu Solidaritätsdemonstrationen mit Finnland, und US-Präsident Roosevelt rief ein Handelsembargo aus gegen die „Sowjetunion“.

Trotz ihrer militärischen Unterlegenheit hielten die Finnen mit Mut, Intelligenz und Tapferkeit stand, so daß die russische Aggression vollkommen ins Stocken geriet, und die Okkupationspläne konnten nicht verwirklicht werden. Mit der finnischen Marionette Otto Wille Kuusinen hatte man bereits eine kommunistische Gegenregierung, die „Volksregierung Finnlands“, gebildet, die man nach dem russischen Sieg sogleich über das Land hatte setzen wollen. Die Finnen vernichteten indessen die 66. „sowjetische“ Schützendivision, und die Russen mußten ihre Truppen von der Sallo-Front zurückziehen.

In Dänemark, Norwegen und Schweden sammelten sich Freiwillige, um in Finnland mitzukämpfen. Krankenschwestern gründeten in Großbritannien eine freiwillige Einheit, um in Finnland eingesetzt zu werden.

Aufgrund der Erschöpfung drohte letztlich aber doch ein Zusammenbruch der finnischen Front, so daß man sich im März gezwungen sah, einen von Moskau diktierten Frieden anzunehmen: „Möge meine Hand verdorren, die gezwungen ist, ein derartiges Papier zu unterschreiben“, so der finnische Präsident Kyösti Kallio nach seiner Unterschrift.

Man trauerte.

Alle Fahnen wurden auf Halbmast gesetzt.

Auf finnischer Seite zählte man 26.662 gefallene Soldaten, auf russischer 127.000. Zirka 5.000 „sowjetische“ Kriegsgefangene der Finnen sind nach ihrer Freilassung in die ruhmredige „Sowjetunion“ verschollen, so daß man vermutet, sie seien in Lagern des NKWD ermordet worden.

Die Russen verzichteten zwar auf die Nickelgruben von Petsamo, weil diese überwiegend in britischen Händen sich befanden und die Russen den Konflikt mit den Westmächten fürchteten. Doch die Finnen mußten ein Gebiet von 40.000 Quadratkilometern an die „friedliebenden“ Russen abtreten und viele Inseln und mußten die Halbinsel Hangö für einen neuen Flottenstützpunkt an die Russen verpachten. Elf Prozent des finnischen Volkes, etwa 420.000 Menschen, flüchteten nach den Grenzverschiebungen vor den Russen aus ihrer Heimat. Finnland verlor rund zehn Prozent seiner Agrarwirtschaft und Industrie.

Die Russen gründeten mit Kuusinen in den abgetretenen Gebieten die „Karelo-Finnische SSR“ als neue „Sowjetrepublik“.

Soweit das eigentlich unschwer zu erkennende russische Muster.

Was ich aber noch sagen wollte: Hat es nun endlich geschnackelt in Euren Hirnkästen?

Rußland ist kein Partner des Westens!

Rußland ist Gegner!

Nach der russischen Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim war der gebürtige ukrainische Staatsbürger und Filmemacher Oleh Senzow 2015 in Rußland (!) wegen seines aktiven Protestes auf der Krim gegen deren Annexion zu 20 Jahren Straflager verurteilt worden. Die russischen Behörden erklärten tatsächlich, mit der Eingliederung der Krim in das russische Staatsgebiet habe Senzow seine ukrainische Staatsbürgerschaft verloren!

Sie hatten den ukrainischen Freiheitskämpfer also zwangsweise zum Russen gestempelt.

Und verweigerten mit diesem Argument beispielsweise der ukrainischen Seite jegliche Kontaktaufnahme mit dem Inhaftierten.

Nach seiner Freilassung 2019 hatte er in Straßburg den Sacharow-Preis entgegennehmen können. Dazu meldete der Deutschlandfunk am 26.11.2019:

Der freigelassene Filmemacher Senzow hat das EU-Parlament vor Naivität gegenüber dem russischen Präsidenten gewarnt.

Es sei derzeit zwar viel die Rede von Aussöhnung und Frieden mit Russland, sagte der Ukrainer vor den Abgeordneten in Straßburg. Dennoch glaube er Putin nicht und lege den Abgeordneten nahe, ihm ebenfalls nicht zu glauben.

Der Westen hat nicht gehört auf Senzow.

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Oh, wäre die Königin ein Mann, sie würde hingehen und diese Russen, deren Worten man nicht trauen kann, gehörig verprügeln!“

Queen Viktoria (1819 – 1901)

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