A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Schlagwort-Archiv: Mephisto

Knapp daneben

 

8. August 2020: Serapion an Mephisto

 

Um 1350 kam die Pest zufälligerweise einmal aus China und nahm ihren Weg nach Europa zufälligerweise auf den Handelsstraßen. Und zwar über Indien und Persien. Die Seuche entvölkerte etwa 200.000 Dörfer und Siedlungsflecken vollständig und brachte mehr als ein Viertel der europäischen Gesamtbevölkerung um.

25 Millionen Menschen allein in Europa.

Die Pariser medizinische Fakultät riet zwecks Vorbeugung:

Man soll kein Geflügel essen, keine Wasservögel, kein Spanferkel, kein altes Ochsenfleisch, überhaupt kein fettes Fleisch. Wir empfehlen Brühen mit gestoßenem Pfeffer.

Bei Tage schlafen ist schädlich. Der Schlaf darf nicht länger dauern als bis zum Morgengrauen.

Unschädlich sind trockene und frische Früchte, wenn man sie mit Wein nimmt.

Kalte, feuchte und wäßrige Speisen sind größtenteils schädlich. Fisch soll man nicht essen. Man koche nichts mit Regenwasser. Zu den Mahlzeiten nehme man etwas Theriak; Olivenöl zur Speise ist tödlich.

Gefährlich ist das Ausgehen zur Nachtzeit bis um drei Uhr morgens wegen des Taus. Fette Leute sollten sich der Sonne aussetzen.

In Europa traf die Seuche zuerst auf die Handelsstadt Florenz. Zeitzeuge Boccaccio schrieb:

Mit Beginn des Frühlings begann die Seuche ihre schmerzensreichen Wirkungen auf eine gräßliche Art zu zeigen. Und sie begann hier nicht wie im Orient mit Nasenbluten, dem sicheren Zeichen unvermeidlichen Todes, sondern es entstanden bei Männern wie bei Frauen Geschwülste unter der Achsel, bis zur Größe eines Apfels, die das Volk Pestbeulen nannte. Von dort aus verbreitete sich das tödliche Pestgift über den ganzen Leib.

Später nahm die Krankheit eine andere Gestalt an: Es entstanden schwarze oder bläuliche Flecken am Arm oder am Oberschenkel und weiterhin am ganzen Körper. Und wie anfangs die Beulen ein sicheres Zeichen des kommenden Todes gewesen waren, so wurden es jetzt die Flecken für jeden, der sie bekam. Kein ärztlicher Rat und keine Kraft der Arzneien erwiesen sich als heilsam. Jedenfalls genasen nur sehr wenige, und fast alle starben rasch binnen drei Tagen nach dem Auftreten jener Zeichen, gewöhnlich ohne alles Fieber und andere Zufälle.

Die Verderblichkeit dieser Seuche war um so größer, als der Todeskeim von den Kranken auf die Gesunden übergriff wie Zunder auf trockene oder fettige Gegenstände. Und zwar nicht nur beim Umgang mit den Kranken selbst, sondern auch beim Berühren ihrer Kleider und Sachen. Deswegen hatten fast alle das Ziel, die Kranken und deren Sachen zu meiden und zu fliehen.

Manche dachten, daß ein mäßiges Leben die Widerstandskraft erheblich fördere. Sie vereinigten sich zu Gesellschaften und lebten von allen abgesondert. Und indem sie sich in Häusern, in denen kein Kranker war, versammelten und einschlossen, genossen sie die schmackhaftesten Speisen und den besten Wein, aber mit Maß und auf der Hut vor aller Schwelgerei. Niemand erhielt zu ihnen Zutritt, und keine Todes- oder Krankennachricht durfte ihnen hinterbracht werden. Andere dagegen behaupteten, die sicherste Arznei bei einem solchen Übel sei, reichlich zu trinken, sich gute Tage zu machen, mit Gesang und Scherz umherzuziehn, jeglicher Begierde, wo es nur möglich sei, Genüge zu tun, und über das was kommen werde, zu lachen und zu spotten.

Eine dritte Gruppe waren die sogenannten Geißelbrüder. Die zogen als Büßer zu Tausenden übers Land von Ort zu Ort, unbeschuht, doch ein jeglicher mit einer dreisträngigen Geißel in der Hand, davon jeder Strang bewehrt mit drei dornigen Knoten. Ab und zu entblößten sie dann ihre Rücken und schlugen sich, bis ihr Blut hervorströmte.

Und in den Städten jagten und lynchten sie die Juden, weil die natürlich, wie immer, und heute zusammen mit den Amis, die Schuldigen sind und waren an allem.

Es gibt nichts neues unter der Sonne.

Also am ersten August in Berlin…

Dazu am Dienstag der Deutschlandfunk:

Knapp 20.000 Menschen demonstrierten am Wochenende in Berlin gegen die deutschen Infektionsschutzmaßnahmen, die eine weitere Ausbreitung des Coronavirus verhindern sollen.

Zuerst einmal aus tiefer Dankbarkeit Hochachtung vor dem charakterisierenden charakteristischen Niveau. Für die Erläuterung, wozu Infektionsschutzmaßnahmen dienen.

Wer hätte es gedacht.

Du siehst, unsere öffentlich-rechtlichen Medien nehmen ihren Aufklärungsauftrag ungeheuer ernst, und erkennst, was sie darunter verstehen…

Auf Punkt und Komma!

„Knapp 20.000 Menschen…“

Wenn es „rund“ geheißen hätte!

Oder „ungefähr“…

Aber dieses verräterische Knapp!

Das heißt und soll singen und sagen: Stop! Auf keinen Fall 20.001!

Oder noch mehr.

„Knapp 20.000“ heißt ja „etwa 19.900“ oder, toleranter gesehen, vielleicht 19.500.

Allerdings „knapp 20.000“ kann auf keinen Fall bedeuten 19.000! Denn wer „knapp 20.000“ zu schätzen in der Lage ist, kann auch „etwa 19.000“ schätzen.

Botschaft: Auf keinen Fall mehr und über!

Nun ist das so eine Sache mit dem knappen Wörtchen „knapp“.

Knapp schwanger geht nicht.

Denn knapp richtig wäre ganz falsch.

Und knapp wahr ist unwahr.

Aus irgendeinem Grund nur in Sekundenbruchteilen zeigte man im Fernsehen aus der Vogelperspektive einmalig eine nahezu knappste Kameraaufnahme der Demonstranten.

Etwa von der Siegessäule bis zum Brandenburger Tor.

Alles voller Menschen!

Diese knappe Bildschnitt-Blitztechnik kennt man ja aus der DDR-Fernsehfunk-Berichterstattung über den bösen Westen vornehmlich durch den deutschen demokratischen Chefpropagandisten Joseph, nein, Karl-Eduard von Schnitzler, und sie sollte andenkenhalber eigentlich Schnitzel-, nein, Schnitzlertechnik genannt werden. In der Deutschen Demokratischen Republik gab es einen bis zu zehn Jahre Freiheitsentzug einbringenden Paragraphen des Strafgesetzes, der hieß „Staatsfeindliche Hetze“. Staatsfreundliche Hetze blieb unbestraft und von Schnitzlers „Der schwarze Kanal“ lief im Fernsehfunk jeden Montag über dreißig Jahre lang bis 1989.

Nach meiner Beobachtung wurde seine Schnitzlertechnik das erste Mal übernommen von der bundesdeutschen Journalistik anläßlich der Berichterstattung über die Pegida in Dresden. Doch erst nachdem die dortige Anzahl der Demonstranten die Zahl 10.000 unknapp überstiegen hatte. Die Monate zuvor hatte man die Methode noch nicht eingesetzt bei diesen Demonstrationen.

Weil man überhaupt nicht über diese politisch Unkorrigierten berichtet hatte.

Um die richtig Denkenden vor Verwirrung zu schützen.

Aber nun!

In knappster Schnitzleristik!

Daß Du ohne zeitliche Belastung in knappsten Sekundenbruchteilen klar erkanntest: Lauter Deppen!

Abstiegsverängstigte, modernisierungsskeptische, fremdenfeindliche, islamophobe, rassistische, abgehängte, weiße, alte Männer!

Wie bei von Schnitzler: Alles Nazis!

Ebenso knapp etwa ein Dreivierteljahr später in einem knappen Halbsatz die Erwähnung des Ergebnisses einer soziologischen Studie: Es handelt sich um die dortige Mittelschicht…

Um aber auf die erwähnte Vogelperspektive der Straße des 17. Juni vom Großen Stern bis zum Brandenburger Tor zurückzukommen: auch die kannte ich bereits. Nur eben ohne jede Schnitzleristik in ausführlichen Bildsequenzen. Ansonsten völlig identisch angefüllt mit Menschenmassen. Das war anläßlich der seinerzeitigen Lafparät in Berlin. Wenn ich mich recht erinnere, wurde damals die Teilnehmerzahl beziffert ohne jedes Knapp mit mehreren hunderttausend.

Wenn nicht sogar mit Million.

Weißt Du, was der RIAS, der Rundfunk im amerikanischen Sektor Berlins, der beste Sender, den es je gab, weißt Du, was der gemacht hätte? Der wäre beispielsweise hingefahren mit seinem Ü-Wagen, Ü für Übertragung! Und hätte direkt, (zu deutsch: leif), von jener Massendemonstration berichtet. Und zwar nicht nur in verwackelten blitzschnellen Sequenzen. Sondern, wie es sich bei seriöser Berichterstattung gehörte, vermittels gebührenfinanzierter und teuer bezahlter Kamera- und Mikrofontechnik des 21. Jahrhunderts.

Und der RIAS wäre durch die Stadt gefahren und hätte ausgiebig Leute interviewt.

Was?

Das hätte sich der RIAS gar nicht wagen dürfen?

Weil die Demonstranten den Ü-Wagen platt gemacht hätten?

Und die rechten Menschen gar nicht mit der Presse geredet hätten?

Das glaube ich eher nicht!

Weil nämlich in Zeiten des RIAS das Klima jener ungeheuerlichen „Lügenpresse!“-Sprechchöre erst überhaupt nicht entstanden wäre.

Aus Mangel an Gründen.

Denn nichts entsteht ja grundlos.

Die RIAS-Reporter wären also rausgefahren zu der Kundgebung. Denn die Kundgebung war ja angemeldet.

Also legitim.

Sonst wäre sie ja auch verboten worden.

Es handelte sich also um eine demokratische Versammlung.

Und wir leben doch in einem demokratischen Staat. In welchem Berichterstatter die Kundgebenden eines legitimierten Willens nicht ohne weiteres und von vornherein als „rechts“ oder „rechtspopulistisch“ in diskriminierender Absicht zu etikettieren und tendenziös abzuwerten haben. Noch dazu ohne jegliches ansonsten heute so beliebte „mutmaßlich“.

Sondern die RIAS-Reporter aus dem Ü-Wagen hätten berichtet von einer Kundgebung, auf welcher dies und jenes gefordert wurde von den Demonstranten. Und hätten berichtet: Auf den Transparenten beispielsweise standen folgende Parolen zu lesen.

Und ein Redner habe unter anderem dies und jenes gesagt.

So sah einst Berichterstattung aus!

Und dem Rezipienten wurde anheimgestellt, mündig zu sein und eigenmächtig aus dem Bericht nach Belieben und Gutdünken und eigener Meinung zu schlußfolgern in einem Staat mit grundgesetzlich garantierter Meinungsfreiheit, welcher Couleur die Demonstrierenden wohl zuzurechnen seien.

Wenn ihm die Couleur wichtig wäre neben dem Eigentlichen.

Neben dem sachlichen Anliegen der Demonstranten.

Und ich als Rezipient hätte mich übrigens nach meinem eigenen Vorurteil auf keinen Fall in einen Bus gesetzt und wäre nach Berlin gefahren. Ich hätte eher gedacht an meinen Freund Erich Kästner: „Kopf gut schütteln vor Gebrauch!“

Denn ich leide auch nicht unter der Vorstellung, die vereinte Welt würde mir das Virus und seine Opfer nur vorspielen. Und gleichzeitig denken, am Virus und seinen Opfern hätten die Amis und die Juden schuld.

Ich riete im Gegenteil, auf keinen Fall auf diese Art Querdenker vom Schlage Ballweg, Janich oder Jebsen zu hören. Auch neige ich dazu, im Internet auf das Suffix „.ru“ zu achten. Ich denke zum Beispiel, ein Auftraggeber von Auftragsmorden hätte womöglich Interesse, Thesen der verwirrenden Verirrtheit streuen zu lassen in der verhaßten westlichen Hemisphäre.

Aus seiner nach Machorka stinkenden Abteilung „Zersetzung“.

Und potentiellen Teilnehmern hätte ich geraten, ihre Zeit lieber zu nutzen für das Studium der Geometrie von Dreiecken.

Das schult das Denkvermögen.

Und für das Studium der Weltgeschichte.

Das macht geistig gesünder.

 

Das Hitlerreich war als Ganzes mit allen seinen Folgen ein Zeichen für die Macht der Worte über die Vernunft.

Rupert Lay

 

Das Kind beim Namen nennen

 

25. Juli 2020: Mephisto an Bellarmin

 

Montag, 20. Juli, Deutschlandfunk:

Auf dem Opernplatz in der Frankfurter Innenstadt haben sich nach Polizeiangaben rund 3.000 Menschen versammelt und zunächst friedlich gefeiert. Später kippte die Stimmung: Hunderte der Feiernden begannen zu randalieren, Randalierer griffen Polizeibeamte mit Flaschenwürfen an. Mindestens fünf Polizisten wurden verletzt, mehrere Polizeifahrzeuge beschädigt. Die Polizei nahm 39 Menschen fest.

Auslöser war nach Angaben des Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill eine Auseinandersetzung unter den Feiernden. Zunächst sei es friedlich zugegangen, in der Nacht gegen ein Uhr habe die Stimmung dann begonnen zu kippen. Gegen drei Uhr habe es zwischen bis zu 30 Feiernden eine Schlägerei gegeben. Als die Polizei schlichtend eingegriffen habe, habe sich die Gewalt gegen die Beamten gerichtet.

In der Pressemitteilung der Frankfurter Polizei vom Sonntag morgen heißt es, von den 39 Personen, die vorübergehend festgenommen worden waren, habe die überwiegende Zahl einen Migrationshintergrund. Die Festgenommenen seien zwischen 17 und 23 Jahre, und bis auf eine Frau habe es sich ausschließlich um Männer gehandelt. Zudem seien die meisten Tatverdächtigen der Polizei schon vorher bekannt gewesen: wegen Körperverletzungs-Delikten, Drogenhandels oder Diebstahls.

Der Sicherheitsdezernent der Stadt Frankfurt sprach von einem zunehmenden gesellschaftlichen Problem. Bei den Krawallen am Wochenende habe es sich um feige Übergriffe auf die Polizei gehandelt. Die Einsatzkräfte seien auf den Opernplatz gekommen, um einem verletzten Menschen zu helfen. Frank betonte, es sei nicht akzeptabel, dass Menschen, die anderen Menschen in Notlagen helfen, angegriffen würden.

Der Konfliktforscher Stefan Luft von der Universität Bremen sagte im Deutschlandfunk, die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie hätten wie ein Katalysator gewirkt. Nach seiner Beobachtung waren es vor allem junge Menschen mit Migrationshintergrund, die sich an den Krawallen beteiligten. Diese seien häufig frustriert, da sie mit überhöhten Erwartungen nach Deutschland gekommen seien, die sich jetzt erst recht nicht mehr erfüllen ließen.

Dienstag, 21. Juli, NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG:

Die meisten Zeitgenossen, völlig gleich welcher Herkunft sie sein mögen, gehen auch im alkoholisierten Zustand nicht mit zerborstenen Glasflaschen auf Polizisten los. Ein ‚Reizklima‘ durch die Corona-Pandemie überzeugt da als Erklärung allein nicht. Es gibt ganz offensichtlich ein Integrationsproblem in bestimmten Milieus.

 

So, so, „in bestimmten Milieus“…

Wie wäre es, wenn wir uns jetzt einmal befreiten von einigen linksideologischen Scheuklappen?

Beispielsweise in Gestalt der ritualisierten Selbstbezichtigungen:

„Oh, welch Jammer! Wir haben diese Leute nicht integriert! Was für ein Rassismus in unserem Lande!“

Oder:

„Oh, wir haben es versäumt! Wir haben diesen Menschen keine Perspektive geboten!“

Oder:

„Oh, diese armen Opfer unserer sozialen Verhältnisse! Die klaffende Schere zwischen arm und reich!“

Denn wäre es nicht endlich an der Zeit angesichts der Entwicklungen, daß wir uns wieder die Klarheit (zu deutsch: „Transparenz“) verschafften über den eigentlich einfachen aber politisch korrigiert ausnahmslos ausgeblendeten Umstand, daß es, wie allgemein aus dem persönlichen Umfeld bekannt, doch gar nicht so selten Menschen gibt, die durchaus auch aus persönlichen Gründen scheitern?

Statt aus gesellschaftlichen Gründen?

Daß demnach ihr sozialer Abstieg etwas zu tun haben könnte mit persönlicher Schuld statt mit gesellschaftlicher?

Auch wenn gerade diese Menschen, aus naheliegenden Gründen, den Hang verspüren, ihre Situation und ihr beständiges Scheitern und sich selbst zu inszenieren als Opfer böser gesellschaftlicher Zustände?

Ein Schulabbrecher wird selten eingestehen: „Ich bin zu dumm.“ Sondern er wird die Schuld eher den dubiosesten Bewandtnissen und gesellschaftlichen Faktoren und staatlichen Umständen zuschreiben.

In den heutzutage entwickelten Staaten der westlichen Welt muß zum Beispiel auch sogenannte Bildungsferne nicht immer die Folge sozialer Unterschiede sein, sondern soziale Unterschiede sind doch wohl eher die Folge von „Bildungsferne“.

Also in vernünftigem Deutsch der Gebrüder Grimm: von Dummheit.

Die auch bestehen oder gepaart sein kann aus oder mit sogenannter Beratungsresistenz.

Denn nicht wenige sind eher ihres Unglückes Schmied.

Zumindest sollte man dies doch ab und zu in Betracht ziehen.

Und sogar erwägen und erörtern…

Das gliche im politisch korrigierten Deutschland dann allerdings der Entdeckung eines neuen Kontinents.

Daß es ohne Verschulden der Gesellschaft und der staatlichen Zustände Menschen gibt, die, mitunter selbst generationsweise, in schlechteren sozialen Umständen leben als andere.

Und RTL 2 goutieren statt ARTE.

Auch wage ich, der Gelegenheit hatte, verschiedenste Menschen aus intimster Nähe kennenzulernen, die Behauptung, daß in entwickelten westlichen Staaten Kriminalität, insbesondere auch Kleinkriminalität, im allgemeinen nicht die Folge sozialer Not, sondern soziale Not die Folge von Kriminalität ist.

Und somit die Folge von Mentalität.

Statt von Sozialität.

Was nach meiner Erfahrung Kriminelle und Kommunisten so gut wie ausnahmslos anders sehen.

Nicht selten besitzen übrigens auch mohammedanische Attentäter nachweislich kriminelle Karrieren…

Und stilisieren sich als Opfer der westlichen Welt!

Apropos kriminell und Milieu: Im Juli vor zwei Jahren, da kehrte unsere Kanzlerin ebenfalls gerade zurück aus Brüssel, und jetzt paß auf, da fielen in Berlin aus ihrem amtlich persönlichen Mund zum ersten und allerdings auch einzigen Mal die Wörter „Sekundärmigration“ und sogar „illegale Migration“ heraus!

Und diese seien zu bekämpfen!

Unsere kritischen Medien wurden durch die plötzlichen Entdeckungen unserer Regierungschefin derart überrumpelt, daß es nicht eine einzige Nachfrage zu diesen unbekannten Wörtern gab!

Bis heute!

Wahrscheinlich schmollte man in den Redaktionsstuben unserer kritischen Medien, daß man bis dato es verabsäumt hatte, diese Form von Kriminalität selber zu entdecken.

Und deshalb wohl auch, als infolge des Schocks durch die Wahlergebnisse der letzten Bundestagswahl aus den Mündern einiger Politiker zum ersten Mal das Wort „Identitätsverweigerer“ auftauchte – deshalb kam bis heute zu diesem neuen Wort nie auch nur eine einzige Nachfrage!

Geschweige denn ein untersuchender Bericht.

Und so sind all diese Wörter wieder entschwunden aus dem Wortschatz unserer Politiker und Medien.

Und konnten also nie in Betracht kommen, wie „Groko“, als Wort des Jahres…

 

Dienstag, 21. Juli, PASSAUER NEUE PRESSE:

Dass Polizisten in Frankfurt zum Freiwild Hunderter junger Krawallos werden konnten, hat auch mit dem fehlgeleiteten Diskurs der letzten Monate zu tun. Eine linke Meinungsmafia versucht den Eindruck zu erwecken, die Polizei in ihrer Gesamtheit sei so etwas wie eine Verbrecherorganisation – korrupt, rassistisch und brutal. Dieses bewusst gezeichnete Zerrbild wird von verantwortungslosen Hasstätern wie denen in Frankfurt dankbar aufgegriffen. Wo aber bleibt der Aufschrei in der Bevölkerung? Wo der Ruck, der durch die Politik geht, damit nicht in wenigen Wochen ein neues Frankfurt, ein neues Stuttgart passiert?

Dienstag, 21. Juli, MITTELBAYERISCHE ZEITUNG:

Man kann den Eindruck gewinnen, dass es eine Scheu gibt, die Probleme offen anzugehen.

Donnerstag, 23. Juli, REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER:

Es ist falsch zu glauben, man könnte Kinderarmut allein damit bekämpfen, indem einzelne Geldleistungen erhöht werden. Die Benachteiligung hat auch damit zu tun, dass viele Kinder in Elternhäusern aufwachsen, die nicht von Liebe, Zuwendung und Förderung geprägt sind, sondern von Problemen.

 

Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), Faust I

 

JM

 

Ideologie und Sachlichkeit sine ira et studio

 

18. Juli 2020: Bellarmin an Mephisto

 

 

B E I S P I E L 1:

 

Montag, 22. Juni, Deutschlandfunk:

In der Nacht zum Sonntag hatten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Hunderte Menschen randaliert. 19 Polizisten wurden verletzt, mehr als 20 Personen festgenommen.

Der stellvertretende Stuttgarter Polizeipräsident Berger bezifferte den Schaden auf einen sechs- bis siebenstelligen Betrag. 40 Läden seien beschädigt und zum Teil geplündert und zwölf Streifenwagen demoliert worden, sagte Berger in einem Interview mit dem Journalisten Gabor Steingart.

 

Montag, 13. Juli, Deutschlandfunk:

Grünen-Chef Habeck sagte dem Berliner „Tagesspiegel“, es sei zwar wichtig, die Hintergründe der Stuttgarter Krawalle zu ermitteln. Eine „Stammbaumrecherche“ sei aber „in keinster Weise akzeptabel“. Der Vorsitzende der Linken im Bundestag, Bartsch, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, „Stammbaumforschung“ sei Rassismus pur und ein Skandal, der umgehend gestoppt werden müsse.

 

Dienstag, 14. Juli, TAGESSPIEGEL:

Nach den Regeln fragte niemand. Dass es nach dem Jugendstrafrecht nämlich vorgesehen ist, die Lebensumstände und familiären Hintergründe zu prüfen. Dass Informationen gesammelt werden, um eine mögliche Relevanz erst einmal prüfen zu können. Bei jugendlichen Intensivstraftätern oder im Bereich der organisierten Kriminalität zeigt die Erfahrung, dass sie relevant sein können. Lebt die Familie abgeschottet? Welche Erfahrungen der Eltern aus dem Heimatland schlagen sich in der Erziehung nieder? Wie integriert ist die Familie? Ist sie überhaupt für die Behörden erreichbar? Das ist nicht rassistisch.

 

Dienstag, 14. Juli, PASSAUER NEUE PRESSE:

Dass aber Clankriminalität, machomäßige Gewaltbereitschaft und die Verachtung der hiesigen Staatsgewalt in Migrantenkreisen besonders häufig vertreten sind, ist statistisch belegt. Und diese Zusammenhänge sollte die Polizei nicht offenlegen und in ihre künftigen einsatztaktischen Überlegungen mit einbeziehen dürfen? Das ist doch absurd! Menschen mit Migrationshintergrund dürfen keinem Generalverdacht unterworfen werden, genauso wenig aber dürfen sie von vornherein als die geborenen Unschuldslämmer eingestuft werden. Sie müssen sich die Überprüfung von Verdachtsmomenten ebenso gefallen lassen wie jeder Nichtmigrant. Man nennt das Rechtsstaatlichkeit.

 

 

B E I S P I E L 2:

 

Mittwoch, 15. Juli, Astrid Rothe-Beinlich, Fraktionschefin der Grünen im Thüringer Landtag, im Deutschlandfunk:

Dirk-Oliver Heckmann: Der Landesverfassungsgerichtshof verwirft das Paritätsgesetz. Frau Rothe-Beinlich, was ist da schiefgelaufen, als Sie zusammen mit SPD und Linken dieses Gesetz auf den Weg gebracht haben?

Astrid Rothe-Beinlich: Sagen wir es mal so: Es war schon keine einfache Geburt, das Gesetz auf den Weg zu bringen. … Insofern muss man sagen, das war ein Kompromiss, den wir gefunden hatten, und es ist natürlich aus unserer Sicht ausgesprochen bedauerlich, dass die Entscheidung des Gerichts mehrheitlich so ausgefallen ist, wie sie heute ausgefallen ist.

Heckmann: Bedauerlich oder peinlich?

Rothe-Beinlich: Ich finde es erst mal bedauerlich. Mir sind natürlich die abweichenden Voten – Sondervoten heißen sie – sehr viel näher. Ich finde es auch ein Stück weit bezeichnend, wenn wir uns die Zusammensetzung des Gerichts beispielsweise anschauen. …

Heckmann: Lassen Sie mich da kurz einhaken, Frau Rothe-Beinlich. Sie spielen auf die Zusammensetzung des Verfassungsgerichtshofs an und damit darauf, dass da Männer in der Mehrzahl waren. Wollen Sie das damit sagen, oder?

Rothe-Beinlich: Ich stelle das nur fest, dass zwei der Sondervoten von den beiden Richterinnen kamen, ein Sondervotum auch von einem Richter. Die anderen sechs Richter sind männlich, die so entschieden haben. Ich will das jetzt gar nicht werten, ich stelle es einfach mal fest.

Heckmann: Das heißt, es könnte sein, Sie sind der Meinung, dass diese Richter ihre Entscheidung von ihrem eigenen Geschlecht abhängig gemacht haben?

Rothe-Beinlich: Das habe ich nicht gesagt. Ich habe wie gesagt nur festgestellt, dass interessanterweise gerade die Richterinnen im Verfassungsgericht zu einer anderen Auffassung gekommen sind. … Wie gesagt: Mindestens drei Richterinnen sehen das ja auch anders.

Heckmann: Die drei Richter und Richterinnen sind aber in der Minderheit. Das Urteil ist anders ausgefallen. Das ist wichtig, an dieser Stelle vielleicht noch mal festzuhalten.

 

Donnerstag, 16. Juli, NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG:

Dabei machen Frauen mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung aus. Unter diesen 42 Millionen Bürgerinnen müssten sich eigentlich ein paar Hundert finden, die willens und in der Lage sind, in Parlamenten als Abgeordnete zu arbeiten.

 

Donnerstag, 16. Juli, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG:

Parität kann ja kaum bei der Geschlechterfrage enden. Die Listen – und Parlamente – müssten auch sonst gleichermaßen alle Gruppen berücksichtigen, die man sich denken kann. … Identitätspolitik, die eine höhere Anerkennung einer bestimmten Gruppe anstrebt, ist nicht ohne Grund in anderem Zusammenhang ein Fall für den Verfassungsschutz.

 

Donnerstag, 16. Juli, NORDWEST-ZEITUNG:

Der Staat darf keine Regeln aufstellen, die Parteien zu einer Vorauswahl der Kandidaten aufgrund irgendwelcher vorgegebener Kriterien zwingt. Jede andere Entscheidung hätte in der Zukunft manipulierenden Eingriffen in die Listenaufstellung Tür und Tor geöffnet. Wenn es eine Quote für Frauen gibt, warum dann nicht auch für Einwanderer, für Junioren, Senioren, Brillenträger oder Ostdeutsche? Jede noch so kleine Interessengruppe wäre aufgefordert, sich ein Listenhäppchen per Gesetz zu sichern. Das Resultat wäre eine so absurde wie endlose Diskussion.

 

Von Empörung zu Empörung: Beschreibung eines Phänotyps

 

10. Juli 2020: Bellarmin an Mephisto

 

 

Wilhelm Busch (1832 – 1908):

 

Seine Meinung ist die rechte,

Wenn er spricht, müßt ihr verstummen,

Sonst erklärt er euch für Schlechte,

Oder nennt euch gar die Dummen.“

 

Oder verängstigt oder abgehängt oder modernisierungsskeptisch oder fremdenfeindlich oder islamfeindlich oder rassistisch…

Ich ergänze meine vorigen Ausführungen:

Ich weiß nicht, ob Du es mitbekamst, letzte Woche geschah wieder etwas Charakteristisches für unseren derzeitigen Journalismus!

Nachdem unser Innenminister Horst Seehofer geäußert hatte, er erwäge Strafanzeige zu stellen gegen das von ihm und den Medien als Autorin bezeichnete nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah, prompt fiel man geeint über den Mann her, er verginge sich gegen die Pressefreiheit!!

Und keiner sprach mehr über den Inhalt des nachträglich als Satire deklarierten Artikels des antirassistischen nichtbinären Wesens Hengameh Yaghoobifarah und seine Geisteswelt und die seiner Anhänger und Geldgeber für sein niveauloses Gewäsch.

Ich ergänze des weiteren:

Nach meiner Beobachtung handelt es sich bei nicht wenigen Menschen, wie der sich für Queerness, Feminismus und, in Deutschland gegenwärtig besonders hoch in Mode stehend bei geltungssüchtigen Trittbrettfahrerinnen, in Antirassismus sielenden Hengameh Yaghoobifarah weniger um einen politischen Typus als um einen psychologischen. Der sich je nach Zeitumständen manifestiert als Pharisäertum, katholische Inquisition, protestantische Bigotterie, doppelplusgutes Neusprech, kommunistische Parteilinie, sozialistisches Bewußtsein oder politische Korrektur.

Die Farbe ihrer Fahne ist sekundär.

Die Hauptsache ist das Psychogramm der Rechtgläubigkeit.

Sich manifestierend im sich hervortuenden Verurteilen.

Wenn Du Dir ihre sich ewig durch die Zeiten ziehenden quälenden Querelen vor Augen führst.

Seinerzeit wohl auch vielfach puritanisch strenggläubig schippernd über den Ozean und konzentriert sich ansiedelnd auf dem Gebiet der heutigen USA.

Drüben heute vehement kämpfend gegen die Pflicht zur Krankenversicherung und für die Freiheit des uneingeschränkten Waffenbesitzes.

Auf der einen Seite.

Und eben auf der anderen Seite für „Political Correctness“.

In Deutschland kämpfend für die wirklich wahrste rechtwinkligste Linksgläubigkeit.

In der Antifa.

Beispielsweise.

Denn man sieht ja klar seit Moses und Mohammed und Marx und Mao.

Die Geschichte ist die Geschichte von Klassenkämpfen!

Gegen die Ungläubigen!

Es ist ja so erhebend, zu bellen mit der Meute der Rechtgläubigen.

Im Rudel der Anständigen.

Ich bin am reinsten antirassistisch!

Ich bin der antifaschistischste!

Auf der richtigen Seite der Barrikade!

Dem „antifaschistischen Schutzwall“!

Es heißt nicht „Mauer“! Es heißt „antifaschistischer Schutzwall“!

Es heißt nicht „Russe“! Es heißt „Sowjetmensch“!

Sonst kein Abitur!

Gott ist ja auf unserer Seite!

Und für Kaiser Wilhelm!

Rechtgläubig, rechtgläubiger, am rechtgläubigsten!

Parteilich, parteilicher, am parteilichsten!

Parteilehrjahr.

Mit Abzeichen für gutes Wissen!

Sonst bist Du ein Fall für die Parteikontrollkommission!

Unterschieden hiervon ist natürlich der derzeit in den USA aus jüngst wieder gegebenen Anlässen wohlbegründete Kampf gegen den dort obwaltenden Rassismus.

Beispielsweise.

Oder der Aufstand der tapferen und von der sogenannten Europäischen Union und Deutschland schmählich im Stich gelassenen Helden in Hongkong.

Beispielsweise.

Unseren Typus aber erkennst Du leicht: Das sind die Leute, die, gekennzeichnet von Dauerempörung, permanent von Feind zu Feind eilen.

Von Feindbild zu Feindbild.

Sie sind es in Wahrheit, die immer einen Feind brauchen!

Schubladendenkend von Empörung zu Empörung!

Selbstverständlich kannst Du mit denen auch reden. Falls Du gleicher Gesinnung bist.

Sonst wird jedes Gespräch unerquicklich.

Denn sie hassen den Abweichler, den Revisionisten, den Ketzer.

Und der Witz ist: Dabei halten sie sich für tolerant!

Das Interesse oder gar das Vergnügen an einer anderen Meinung geht ihnen aber vollkommen ab. Gespräche enden so gut wie immer in ideologischen Ausrichtungsversuchen zur linkesten Rechtgläubigkeit.

Sie wissen gar nicht, was das ist: ein schönes freisinniges, sich gegenseitig befruchtendes Gespräch.

Ihr Hauptfeind ist gar nicht der Nazi.

Ihr Hauptfeind ist der Zweifler.

Den sie hassen.

Wenn er beispielsweise bezweifelt, daß eine Ungleichbehandlung von Ungleichem diskriminierend ist.

 

Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.“

Bertrand Arthur William Russel (1872 – 1970)

 

 

Donnerstag, 9. Januar, Deutschlandradio:

Absage von Tellkamp-Lesung: Debatte um Meinungsfreiheit in Dresden

Der Förderverein Lingnerschloss hat in Dresden eine Veranstaltungsreihe der Zeitschrift „Tumult“ abgesagt, betroffen ist auch eine Lesung von Uwe Tellkamp. Der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Joachim Klement analysiert die darum rankende Debatte.

Der Verein Lingnerschloss in Dresden hat eine rechtskonservative Veranstaltungsreihe abgesagt, der Schriftsteller Uwe Tellkamp sollte zum Auftakt dort Auszüge aus seinem neuen Roman vorstellen. Veranstalter der Reihe war die Zeitschrift „Tumult“, die sich im rechten Bereich bewegt.

Tellkamp darf nicht lesen – das hat in Dresden für einen Neuaufguss einer im Grunde alten Debatte gesorgt. Denn Rechtskonservative sehen sich oft in der Opferrolle und betrachten den herrschenden Diskurs als linksgesteuert, in dem keine anderen Meinungen zulässig sind.

Der Schriftsteller Uwe Tellkamp befindet sich erneut im Zentrum einer Debatte um die Meinungsfreiheit.

Der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Joachim Klement, äußert Verständnis für die Absage – denn es sei eben nicht nur um eine Tellkamp-Lesung gegangen. Sondern um eine Reihe von Veranstaltungen, bei der unter anderem auch ein Historiker habe auftreten sollen, der die deutsche Flüchtlingspolitik als „Staatsstreich“ abgetan und kirchliche Würdenträger und Medien als „Lügner“ bezeichnet habe, die „Widersacher der Meinungsfreiheit“ seien. Da sei man im Umfeld von Verschwörungstheorien und rechtsradikaler Propaganda, betont er.

 

Mittwoch, 8. Juli, Deutschlandfunk:

Ein offener Brief macht aktuell in den USA und darüber hinaus die Runde. Ein Brief, der gleich zu Beginn anerkennt, dass gerade eine sehr wichtige Diskussion über Rassismus geführt wird, Demonstrationen für Gerechtigkeit stattfinden und überfällige Reformen erfolgen müssen. Dieser Brief geht vor allem mit dem Aber weiter: Der Diskussion mangele es an Toleranz, Kritik werde nicht zugelassen, abweichende Meinungen würden verschmäht und klein gemacht.

Unterzeichnet wurde er von rund 150 bekannten Schriftstellern und Schriftstellerinnen wie Margret Atwood oder J.K. Rowling, von Journalisten und Journalistinnen und Intellektuellen – vor allem aus den USA. Einer davon ist Yascha Mounk, Politikwissenschaftler, Autor und Professor an der Johns Hopkins University.

„Gegen die Kultur eines echten Meinungsaustauschs“

So seien der beste Beweis für die kritisierte Einengung von Meinungen die Reaktionen auf den Brief selbst, sagt Yascha Mounk. Innerhalb von nur wenigen Stunden sei versucht worden, einen Unterzeichner beruflich zu schädigen. „Das illustriert das Problem, um das es uns in diesem Brief geht besser, als alles, was davor passiert ist.“

 

Mittwoch, 8. Juli, Deutschlandfunk:

Dutzende Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler sorgen sich in einem offenen Brief um den freien Austausch von Informationen und Ideen. Das Klima sei tatsächlich rauer und bornierter geworden, sagte Regula Venske, Präsidentin des Deutschen PEN, im Dlf. Dabei benötige man die offene Diskussion.

„Ich denke, dass wir dieses Problem hier auch haben“, sagte die Autorin Regula Venske im Deutschlandfunk. Die Vorsitzende des Deutschen PEN-Zentrums reagierte damit auf einen offenen Brief von rund 150 Kolleginnen und Kollegen aus dem englischsprachigen Raum. Unterzeichnet hatten ihn namhafte Autorinnen und Autoren – unter ihnen Margaret Atwood, Louis Begley, Jeffrey Eugenides, Noam Chomsky, Joanne K. Rowling, Gloria Steinem, Francis Fukuyama und der in New York lebende deutsch-österreichische Schriftsteller Daniel Kehlmann.

Ideologische Konformität

Sie alle bekennen sich zu den notwendigen aktuellen Debatten etwa über Rassismus, Geschlechtergerechtigkeit, Kolonialismus, LGBTQ-Themen, beschreiben aber innerhalb dieser Diskussionen auch, dass sich moralische Vorgaben und der Drang nach politischer Eindeutigkeit verstärkt habe. Toleranz, so die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, werde zugunsten ideologischer Konformität geschwächt. Der freie Austausch von Informationen und Gedanken, die Grundfesten einer liberalen Gesellschaft, würden eingeengt; konkret wird von Zensur gesprochen.

Ambivalenzen aushalten

Diese Entwicklung sei auch in Deutschland festzustellen, so Regula Venske im Deutschlandfunk. Es gehe in Richtung Selbstzensur, weil man zum Beispiel Angst vor einem Shitstorm in den Sozialen Medien habe. „Da kann man, glaube ich, schon sagen, dass bestimmte Milieus, zu denen ich mich selber durchaus auch rechnen muss, vielleich vor lauter Angst, als rassistisch zu gelten, sich auch manche Kritik oder manche kritische Auseinandersetzung verboten haben.“ Solche Denkverbote, so die Autorin weiter, nützten letztlich aber nur denjenigen, die tatsächlich rassistisch damit umgingen.

Ambivalenzen müsse man aushalten. Natürlich möchte man Verletzungen vermeiden. Aber, so Venske: „Wenn man Aufklärung betreibt, dann muss man mal die Gefühle des Klerus oder der Politiker oder aber der Männer oder aber der Frauen oder wer auch immer gerade sozusagen auf dem Prüfstand steht – deren Gefühle wird man mal verletzten müssen.“ Man brauche eine breite Mitte, in der vieles diskutiert werden kann, „ohne dass man immer gleich dem anderen etwas Schreckliches unterstellt“.

 

Berufsunfähig

 

29. Juni 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Vor nunmehr zwei Wochen, am 15. Juni, erschien hier bei uns in Deutschland in der seltsamen TAGESZEITUNG von einem seltsamen Wesen ein seltsamer Artikel. Das Wesen trägt den Namen Hengameh Yaghoobifarah und wird redaktionsseitig als „Autor_in“, „Redakteur_in“ und „Referent_in“ ausgewiesen, und zwar als Autor_in, Redakteur_in und Referent_in zu Queerness, Feminismus, Antirassismus und Medienästhetik.

In meiner Naivität hatte ich zuerst angenommen, nachdem ich das Bild des seltsamen Wesens neben dem seltsamen Artikel der seltsamen TAGESZEITUNG gesehen hatte, es handele sich um eine Autorin, und war deshalb erstaunt beim Lesen dieser seltsamen Angabe der Autorenschaft. Daß man in der Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG noch nicht einmal zu sagen wisse, ob es sich um eine Autorin oder um einen Autoren handele. Auch hatte ich in mehreren nichtseltsamen vertrauenswürdigen Medien bereits vernommen, daß im Zusammenhang mit dem seltsamen Wesen dezidiert Pronomen wie „sie“ und „die“ Verwendung fanden und von „der“ „Autorin“ die Rede war.

Eine Internetrecherche ergab schließlich: Hengameh Yaghoobifarah identifiziere sich eigenhändig als „nichtbinär“.

Was ich als „unweiblich“ UND zugleich „unmännlich“ verstehe in meinem abgehängten Verstand, der mir zudem noch weiszumachen versucht, daß die Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG wohl aus weißen rassistisch abgehängten Redakteurinnen und Redakteuren bestehen müsse, indem sie das seltsame Wesen, entgegen dessen ausgedrücktem ausdrücklichen Eigensinn, als „männlich“ ODER „weiblich“ klassifiziere, demzufolge diskriminiert als binär.

Du siehst, die Welt ist heute kompliziert bei politisch korrigierenden Richtigdenkern. Und die über Jahrhunderte gewachsene Sprache der Dichter und Denker ist zu armselig, um die Realität dieses sich in Queerness, Feminismus, Antirassismus und Medienästhetik nach Geltung strebenden Wesens zu erfassen in seiner Nichtbinärität.

Zumindest wenn man, in seinem Sprachverständnis minderbemittelt, das grammatikalische Geschlecht („Djenda“ im sprachkorrigierenden Journalistendeutsch) korrigierend gleichsetzt mit dem biologischen.

Um mich keinem Vorwurf dieser rechtgläubig Durchblickenden auszusetzen, werde ich im folgenden also jenes nichtbinäre Wesen nicht, wie die Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG, mit binären Begriffen wie „Autor_in“, „Redakteur_in“ und „Referent_in“ diskriminieren.

Die mutmaßlich binären Eltern des nichtbinären Wesens waren aus dem Iran über mutmaßlich mehr als fünf Ländergrenzen plus einer kontinentalen hinweg statt nach Afghanistan, Armenien, Aserbaidschan, Bahrein, Bangladesch, Bhutan, Brunei, China, Georgien, Indien, Indonesien, dem Irak, Israel, Japan, dem Jemen, Jordanien, Kambodscha, Kasachstan, Katar, Kirgisien, Nordkorea, Südkorea, Kuweit, Laos, dem Libanon, Malaysia, den Malediven, der Mongolei, Myanmar, Nepal, Oman, Ostimor, Pakistan, den Philippinen, Rußland, Saudi Arabien, Singapur, Sri Lanka, Syrien, Tadschikistan, Taiwan, Tailand, der Türkei, Turkmenistan, Usbekistan, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder beispielsweise nach Vietnam lieber nach Deutschland gekommen aus irgendwelchen Gründen und hatten dem nichtbinären Wesen bei seiner Geburt in Kiel den Namen Hengameh Yaghoobifarah zugeteilt.

Indessen muß das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah unter der elterlichen Ortswahl seiner Geburt sehr gelitten haben. Und mußte hinfort in Deutschland ein hartes Leben führen. Denn nach seinem Abitur und seinem Studium der Medienkulturwissenschaft und Skandinavistik verfaßte es beispielsweise gemeinsam mit einem mutmaßlich allerdings binären Wesen namens Fatma Aydemir das Buch „Eure Heimat ist unser Albtraum“.

Auch betrieb das an Deutschland unsäglich leidende nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah in Deutschland eine Kolumne in jener seltsamen TAGESZEITUNG, worin das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah im Jahre 2017 unter anderem vorgab meinen zu müssen:

Der deutsche Hass auf Muslim_innen und die Paranoia vor einer – was auch immer das sein soll – Islamisierung der deutschen (wortwörtlich) Dreckskultur hält Kartoffeln davon ab, ein schöneres Leben zu führen. Lieber eine Schweinefleisch-Lobby gründen als halal-Fleisch in ihrer Kantine akzeptieren.

Lieber Bremsspuren in der Unterhose und ein erhöhtes Risiko für Geschlechtskrankheiten verteidigen als ein islamisches Klo im Kölner Bürgerhaus zulassen. Lieber einen Tag mehr arbeiten als ein muslimischer Feiertag im Kalender.

Ihr anti-muslimischer Rassismus schadet Muslim_innen und Kanax, aber er geht auch auf ihren eigenen Nacken. Ihre Missgunst ist so riesig, dass sie sich das eigene Leben verderben. So engherzig, trotzig, bitter und kleinlich, das ist deutsche Kultur.

Aber Kartoffeln sind nicht strategisch klug, sie sind ignorant, geschichtsverdrossen und besserwisserisch. Weder aus den Fehlern anderer, noch aus ihren eigenen können und wollen sie lernen. … Sie schaffen sich selber ab. Ich hoffe, sie beeilen sich.

Gemeint sind mit „Kartoffeln“ Angehörige jenes Volkes, zu dem es die Eltern des nichtbinären Wesens Hengameh Yaghoobifarah drängte aus irgendeinem Grund.

Statt zu einem von über 200 anderen.

Wohl wissend, daß bei jenem mißgünstigen Volk, bei dem das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah nach seiner Geburt weder eine islamische Toilette noch eine für nichtbinäre Wesen fände während seiner Schul-, Studien- und „Referent_in“-Zeit in „Antirassismus“, und daß sich deshalb Bremsspuren anzusammeln vermöchten in der Unterhose über des Wesens Hintern.

Falls ein Hintern in der Hose steckt auch bei Nichtbinären.

Warum das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah sich genötigt fühlte, vor die deutsche „Dreckskultur“ noch ein eingeklammertes „wortwörtlich“ zu setzen, erschließt sich mir aus seinem Text nicht. Vielleicht meint das nichtbinäre Wesen, das sich seinen Lebensunterhalt vermittels des schreibenden Kundtuns seiner Durchblicke verdient, in der Landessprache des mißgünstigen lernunfähigen Volkes damit medienästhetisch eine wortverstärkende Wirkung.

Ich nehme an, die sich politisch korrigiert gebende Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG hatte es damals versäumt sowohl eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen das von ihr als Referent_in in Antirassismus ausgewiesene nichtbinäre Wesen zu stellen noch es bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes anzuzeigen. Und mindestens ihm die Plattform, nomen est omen, ihres Mediums zu entziehen. Denn als gäbe es nichts zu lernen und Schlüsse zu ziehen, ließ man den derdiedas Wiederholungstäter ungerührt zu Wiederholungstaten schreiten.

Am 15. Juni also unter der Überschrift:

Abschaffung der Polizei: All cops are berufsunfähig

Zu deutsch: Alle Bullen sind berufsunfähig.

In einem Land, in dem seine Kulturschaffenden unter dem Motto „Neit of Leit“ wichtige Gebäude unter Rotlicht anstrahlen lassen, statt unter dem Motto „Nacht des Lichts“ vielleicht, und ausnahmslos die Rede ist von „Lockdaun“ und „Schattdaun“ statt von „Schließung“ oder „Stillstand“, kann man kaum erwarten, daß ein als Autor_in und Redakteur_in bezeichnetes nichtbinäres Wesen deutsch spräche, noch dazu vor den von ihm als Kartoffeln verachteten Landeskindern.

Ich hingegen frage mich: Wenn die Polizei abgeschafft wird, der Kapitalismus jedoch nicht, in welche Branchen kann man Ex-Cops dann überhaupt noch reinlassen? Schließlich ist der Anteil an autoritären Persönlichkeiten und solchen mit Fascho-Mindset in dieser Berufsgruppe überdurchschnittlich hoch. Oder haben Sie schon mal von einem Terrornetzwerk in der Backshop-Community gehört? Ich nämlich auch nicht.

Wohin also mit den über 250.000 Menschen, die dann keine Jobs mehr haben?

Wenn die Polizei abgeschafft wird, der Kapitalismus jedoch nicht…

Aus den Prämissen „Polizei abgeschafft“, „Kapitalismus jedoch nicht“, folgt dem nichtbinären Wesen Hengameh Yaghoobifarah daraus die Konklusion: „in welche Branchen kann man Ex-Cops dann überhaupt noch reinlassen?“

Ich glaube, in der Psychopathologie spricht man von „verschroben“…

Ich glaube im Hinblick auf gewisse schlußfolgernde Gedankengänge von Paranoikern…

Aber vielleicht liegt es einfach an meinem abgehängten Verstand, daß ich der Logik des nichtbinären medienästhetischen Wesens Hengameh Yaghoobifarah nicht zu folgen vermag.

Das Wort „Backshop“ habe ich übrigens nicht gefunden in meinen deutschen oder englischen Wörterbüchern. Auch „Mindset“ fand ich nicht. Vielleicht meint das Wesen „faschistische Gesinnung“ und kennt nur nicht die richtigen Wörter unter uns Kartoffeln. Und mit „Backshop-Community“ wird das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah wohl Bäckereien meinen im Lande der die ein erhöhtes Risiko von Geschlechtskrankheiten verteidigenden Kartoffeln.

Soziale Arbeit schon mal nicht. Das Problem löst sich nicht dadurch, dass ein Cop Uniform gegen Birkenstocks und Leinenhosen umtauscht. Ob Behörden, Lehrer_innen, Justiz, Politik, Ärzt_innen oder Sicherheitskräfte: Machtpositionen gegenüber anderen Menschen kommen nicht infrage. Streng genommen möchte man sie nicht einmal in die Nähe von Tieren lassen. Bitte nicht noch mehr Chicos erziehen!

Streng genommen… Bullen noch nicht mal in die Nähe von Tieren lassen…

Auch der Dienstleistungsbereich sieht schwierig aus. Post ausliefern lassen? Niemals. Zwischen Büchersendung und Schuhbestellung passt immer eine Briefbombe.

Das ist richtig.

Alles, was an menschlichen Körpern stattfindet – etwa Tattoos oder Frisuren –, ist ebenfalls zu riskant. Ich würde mir nicht mal eine Pediküre von ihnen geben lassen. Eine Nagelfeile ist eine Waffe.

Gedankengänge eines nichtbinären paranoiden Wesens über seine Pediküre…

Keine Baumärkte, Tankstellen oder Kfz-Werkstätten. Eigentlich nichts, woraus man Bomben oder Brandsätze bauen kann. Technik generell eher nein. Keine Gastronomie wegen Vergiftungsgefahr.

Briefbombe, Nagelfeile, Brandsätze, Vergiftungsgefahr…

Über (Bio-)Bauernhöfe brauchen wir gar nicht erst zu sprechen, die sind jetzt schon zu Szenejobs für Neonazis avanciert.

Brauchen wir nicht zu besprechen: alles Nazis…

Und wenn man sie einfach Keramik bemalen ließe? Nein. Zu naheliegend, dass sie unter der Hand Hakenkreuz-Teeservice herstellen und sich mit den Einnahmen das nächste Terrornetzwerk querfinanzieren.

Terrornetzwerke…

Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.

(Hervorhebung von mir)

Ich prophezeie:

1.) Das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah wird nicht glücklich werden!

Weil 2.): Die Welt wird sich nicht der typisch linksparanoiden Sicht eines berufsunfähigen Wesens vom Schlage Hengameh Yaghoobifarahs anpassen!

 

„… denn das wäre der Welt Ende, wenn man euch gehorchte.“

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

 

Gleichgeschaltet

 

22. Juni 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Letzten Donnerstag sah man sich tatsächlich gezwungen in den bundesdeutschen Medien, da kam man einfach nicht umhin! Es ist ein Jammer aber auch, manchmal kommt man beim besten Willen nicht herum um die Fakten – also da mußten unsere „klassischen Medien“ plötzlich, und ohne ein einziges Mutmaßlich!, melden:

Die Bundesanwaltschaft hat im Zusammenhang mit dem Mord an einem Georgier vor einem Jahr in Berlin Anklage gegen einen Russen erhoben. Sie geht davon aus, dass der Verdächtige die Tat im Auftrag der russischen Regierung ausführte. … Staatliche Stellen der Zentralregierung der Russischen Föderation hätten dem Angeklagten den Auftrag erteilt, den Georgier Tornike K. zu liquidieren. … Die Bundesregierung beklagte, dass Moskau keine Bereitschaft zeige, zur Aufklärung beizutragen, und wies im Dezember 2019 zwei russische Diplomaten aus. Daraufhin wurden auch zwei deutsche Diplomaten aus Russland ausgewiesen.

Bundesaußenminister Maas sagte in Wien, die Bundesregierung behalte sich weitere Maßnahmen ausdrücklich vor.

(Deutschlandfunk, Donnerstag, 18. Juni 2020)

Ausdrücklich…

Der Wadim Krasikow, so heißt laut Bellingcat, The Insider und The Dossier Center der Mann mit ungefälschten falschen russischen Papieren auf den Namen Sokolow, Wadim Krasikow hatte voriges Jahr am 23. August nach dem heimtückischen Mord das Mountainbike, mit dem der Auftragskiller von hinten an sein Opfer herangepirscht war, und Kleidung, Perücke und Pistole mit Schalldämpfer, mit der er professionell drei Schüsse in Brust und Kopf des Zelimkhan Khangoschwili abgab, in der Spree versenkt. An der herausgefischten Hose fand sich seine DNA. Krasikow war erst einen Tag zuvor in Deutschland eingereist, mußte zur Tatausführung jedoch genau unterrichtet worden sein über terminliche Gepflogenheiten und Zeiten und Wege des Khangoschwili, und es war ihm für die Flucht bereits am Vortag ein Roller in Tatortnähe bereitgestellt worden.

Also ein zum Himmel schreiender Vorgang, den die Bundesanwaltschaft allerdings für derart belegbar hält, daß sie sich in der Lage sieht, Anklage zu erheben gleich unter Nennung der Auftragsgeber des Auftragsmörders.

Zudem handelt es sich ja, wie jeder weiß, beileibe um keine Singularität!

Seit der Annexion der Krim haben wir den Abschuss von Flug MH17 durch moskautreue Rebellen erlebt, die gnadenlosen Bombenangriffe zur Unterstützung des Assad-Regimes in Syrien, den Giftanschlag auf die Skripals in Salisbury und immer neue Beweise für politische Einmischung.

Der britische GUARDIAN am Mittwoch, des 28. November 2018 in einer freilich nicht vollständigen Aufzählung, die neben den Cyberangriffen die vom Westen noch immer nicht wahrgenommene und in ihrer Bedeutung richtig erfaßte Sperrung des Asowschen Meeres außer acht läßt.

Zum Beispiel.

Doch was soll ich Dir sagen?

Am nächsten Tag darüber in den öffentlich-rechtlichen Medien kein Sterbenswörtchen mehr!! Sämtliche Vöglein schwiegen im Walde. Kein Bericht, nicht die geringste Erörterung, kein Kommentar darüber, keine Analyse, kein Interview. Beispielsweise mit einem der ordinären Putinversteher und Rußlandgesundbeter wie Matthias Platzeck.

Und nach dem vom Deutschlandfunk wiedergegebenen Pressespiegel des Folgetages der Karlsruher Anklageerhebung möchte man meinen, keine einzige deutsche Zeitung beschäftigt sich mit diesem Thema!

Nichts!

Kein Kommentar!

Als wären die Medien gleichgeschaltet!

Wie in vorauseilendem Gehorsam!

Das ist unheimlich!

Das ist gefährlich!

Das wird sich rächen!

Der Westen ist befangen in dem gefährlichen Irrtum, Putin denke und handle rational. Das tut der auch, allerdings nicht nach aristotelischer Logik.

Sondern nach jahrhundertalter russischer Bauernlogik mit dem historischen Hauptmerkmal fortwährender Verwechslung von Quantität mit Qualität: Alles was groß ist und viel und pompös und was glitzert und glänzt und protzt, hält man in Rußland für gut.

Primitive Motivationen ordinärer Verbrecher: Größe, Glitzer, Gold, Protz und penetrantes Parfüm.

Diese Denkweise erscheint dem Westen als zu primitiv, als daß man hier dächte, daß im 21. Jahrhundert ein verantwortlicher Politiker so dächte.

Und das ist eben das Gefährliche: Man grübelt immer, was Putin wirklich will, und die seltsamen Putinversteher in Deutschland und Ostdeutschland kriegen feuchte Augen, wenn Wladimir Wladimirowitsch phantasiert über einen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok…

Deshalb wird der Westen immer wieder überrascht und findet keine Antwort.

Der Westen muß flacher denken lernen und sich etwas mehr auskennen in der jahrhundertlangen Geschichte des jahrhundertalten russischen Imperialismus und Chauvinismus und dem russischen Haßneid auf den Westen, wenn er sich hineinversetzen will in Wladimir Wladimirowitschs Schädel.

Stop!

Genau das wäre ein wirksames Mittel des Westens gegen den russischen Imperialismus!

Neben beständig klarer Ansage.

Sagen, was ist!

Und das Licht der Öffentlichkeit ist in Rußland übrigens die gefürchtetste aller Waffen!

Doch, wie Hitler, infolge der inadäquaten westlichen Reaktionen wird Putin, der den Ermordeten als „blutrünstigen Menschen“ beschimpfte, immer enthemmter!

Auf die Zahmheit der deutschen Außenpolitik kann sich Staatschef Wladimir Putin bis jetzt verlassen. Um des Profits bilateraler Wirtschaftsbeziehungen willen macht sich Berlin klein gegenüber dem Kremlherrn. Den Bau einer zweiten russischen Gaspipeline durch die Ostsee lässt die Regierung allen Bedenken ihrer Partner in Europa zum Trotz fortsetzen. Diese deutsche Russlandpolitik muss auf den Prüfstand. Ein Akt des Staatsterrorismus, begangen von Putins Geheimdienst, verlangt eine harte Antwort. Politische wie wirtschaftliche Sanktionen sind angezeigt. Schiebt die deutsche Regierung dem Treiben russischer Agenten keinen Riegel vor, ermuntert sie diese nur zu neuen Taten.

Die gestrige Neue Zürcher Zeitung, Hervorhebung von Bellarmin

 

Korona

 

12. Juni 2020: Serapion an Mephisto

 

 

Eklipse

 

Zur selben Zeit, spricht der HERR HERR, will ich die Sonne am Mittag untergehen lassen und das Land am hellen Tage lassen finster werden.

Amos 8,9

 

Einst kommt der Tage Tag, da wird berühren

Der Mond von Ost der Sonnenscheibe Rand,

Wird ihren Kreis in einer Delle schnüren

Und langsam bannen ihrer Strahlen Brand.

 

Und dann, wenn seine Schatten fast verdecken

Des allernächsten Sternes letztes Licht,

Wird plötzlich Kühle jedes Wesen schrecken –

Ein herber Hauch zieht Menschen ins Gesicht.

 

Es steigt herauf ein wolkiges Gewebe

Im Westen düster überm Horizont,

Das drohend überdeckt des Himmels Schwebe,

Nur ferne Streifen bleiben noch besonnt.

 

Ein Wind erhebt sich leise und strömt milde,

Die Vögel werden stumm und alles schweigt

Erstarrt und wie gelähmt in dem Gefilde,

Wie wenn sich Stille vor dem Sturme zeigt.

 

Von Westen rast heran des Mondes Schatten,

Fliegt flimmernd über jede Häuserwand,

Trifft rauhe und die weiß gestrichnen glatten,

Die Finsternis kennt keinen Widerstand.

 

Im Augenblick verlöschen letzte Strahlen,

Die eben noch geblitzt wie Diamant

Schmal in des Sonnenrandes Arealen

Als Perlenkette, die den Stern umspannt.

 

Das Schwarz der Scheibe bläulich weiß umhüllen

Nun plötzlich Zacken, die als Strahlenkranz

Im Drumherum den dunklen Raum erfüllen

Mit unheimlich beklemmend kaltem Glanz.

 

In der Korona aber Flammen tanzen

Gewaltig, eruptiv und schimmernd rot,

Dämonisch züngelnde Protuberanzen,

Sie spein ins All der Höllen Feuertod.

 

Ich will den Tag verfinstern euch zur Plage,

In Nacht ihn wandeln ohne Unterschied!

Ich will in Trauer eure Feiertage

Verkehren und in Klage jedes Lied!

 

„Wir müssen uns ehrlich machen“ – Frank-Walter Steinmeier

 

7. Juni 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Neulich berichtete der Deutschlandfunk nachrichtlich über eine Studie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, die den „klassischen Medien“ der Bundesrepublik ein gutes Zeugnis ausgestellt haben soll betreffs ihres informellen Agierens über die aktuell weltweit wütende Seuche:

Geäußerte Vorwürfe, dass es eine überwiegende Negativberichterstattung oder einseitige Panikmache gegeben habe, seien nicht bestätigt worden. Weiter hieß es, die klassischen Nachrichtenmedien hätten auch über Falschmeldungen und Verschwörungstheorien berichtet. Dabei hätten Journalisten zahlreiche in der Öffentlichkeit kursierende Gerüchte und Meldungen als falsche Behauptungen entlarvt.“

(Dienstag, 02.06.2020 – Deutschlandfunk)

Froh über den raren Umstand, daß Journalisten in Deutschland mitunter wieder deutsch sprechen, hier zum Beispiel von „Falschmeldungen“ statt von „Fäknjus“, wollen wir einmal das sprachliche Unvermögen des Nachrichtenredakteurs unter den Tisch fallen lassen, daß über ungeäußerte Vorwürfe sowieso nichts vermeldet werden könnte, und ebenso absehen von der sprachlichen Blähung, auf deutsch „Furz“, daß zu kursieren sowieso die unabdingbare Eigenschaft von Gerüchten ist. Und sollten uns zufrieden geben über das rückhaltlose Lob, daß die Uni Münster hier unseren Medien ausstellt.

Anscheinend ohne auch nur die geringste Beanstandung!

Und sogar noch eine Eloge bringt auf die entlarvende Tätigkeit unserer Journalisten angesichts „zahlreicher“ „kursierender Gerüchte und Meldungen“.

Als Ausdruck ihrer journalistischen Kritikfähigkeit.

Was allerdings, wenn es denn wie von unserem seriösesten Medium schlaglichtartig zitiert auch so stimmte, auf eine Bezeugung der Kritikunfähigkeit der Verfasser jener Studie hindeutete.

Insonderheit im Hinblick auf die essentiellen thematischen Lücken samt einem bedrohlichen Hang zur Positivberichterstattung in den bundesdeutschen „klassischen Medien“, die sich in Zeiten der gegenwärtigen Ausnahmesituation wie durch ein Brennglas fokussiert offenbaren.

Da erscheint ihre bis heute währende Unfähigkeit zur Erkenntnis der Relevanz einer simplen Differenzbildung der Zahlen an Neuinfektionen zweier Folgetage noch harmlos.

Relativ im Vergleich zu allem anderen.

Denn wie war das denn doch gleich, gab es da nichts weiter darüber zu berichten und zu analysieren oder gar kritisch zu erörtern und zu diskutieren angesichts der Ungeheuerlichkeit, bei einem erwiesenen Fehlbestand an Masken unmaskierten Personen regierungsbehördlich den Zutritt zu Lebensmittelgeschäften zu verwehren?

Und in dem Zusammenhang eindeutig propagandistisch allenfalls Straßenpassantinnen satzfetzenartig zu zitieren, o wie schön, sie fänden die Maskenpflicht gut? Und im Internet gäbe es Bastelanleitungen, und nun könne man sich ja an seine Nähmaschine setzen?

Gewissermaßen in journalistischer Spinnstubenromantik?

Nicht zu Reden über die Nichterörterung des Fehlens von Masken nebst anderer Schutzausrüstungen in bundesdeutschen Arztpraxen mit der Folge der lebensbedrohlichen Scheu Kranker, ihren Arzt aufzusuchen.

Bei gleichzeitiger „Sonderregelung“ für telefonische Krankschreibungen.

Und bei gleichzeitig höchstem, sogar gesundheitsministeriellem Appell, im Krankheitsfalle doch unbedingt seinen Arzt aufsuchen zu sollen.

Also bitte doch!

Und schließlich jene scharfsinnige Entlarvung „zahlreicher“ „kursierender Gerüchte und Meldungen“ durch die „klassischen Medien“, die bundesdeutschen.

Beispielsweise die öffentlich-rechtlichen. Die uns indessen überfallartig, und noch vor Nennung jeglicher weiterer Details, in auffälliger Fürsorglichkeit pauschal warnten vor dem Einfluß rechtsextremer Kreise auf Demonstrationen gegen irgendwelche Regierungsmaßnahmen bezüglich der Corona-Seuche.

Die Angst vor einer neuen Pegida saß offenbar den „klassischen Medien“, geradezu regierungshörig, im Nacken.

Wie seinerzeit Ulbrichts SED samt ihrem „Organ der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“, der Zeitung „Neues Deutschland“, vor einem neuen 17. Juni.

Und seltsamerweise dieserhalb nicht auf die Idee zu kommen, nach den Quellen zu gehen… Woher sie denn stammen, die entlarvten „kursierenden Gerüchte und Meldungen“. Es stünde da doch ein riesiges Thema zur Erörterung, wie von russischer Seite der Westen methodisch zersetzt wird mit Desinformationen zwecks Steuerung Denkunfähiger.

Gab es etwa nichts zu kritisieren an der bundesdeutschen Haltung gegenüber Rußland während der fünf Jahre, die unsere Regierung benötigte, den Akt asymmetrischer Kriegsführung gegen unser Land, nämlich die Cyberangriffe gegen unsere höchste demokratische Volksvertretung, den deutschen Bundestag, wenigstens zu beantworten lediglich vermittels einer an Lächerlichkeit grenzenden Einbestellung des russischen Botschafters?

Und wäre dies nicht wenigstens eine erstrangige nachrichtliche Meldung wert gewesen in unseren öffentlich rechtlichen Medien anstelle irgendeiner der unzähligen folgenlosen Politikersprechblasen?

Apropos, neulich ging die Meldung durch unsere „klassischen Medien“, daß „das syrische Assad-Regime und Rußland“ im Zusammenhang stünden mit verbrecherischen Handlungen in Syrien.

Ja hat Rußland denn keinen Staatschef?

Oder nicht wenigstens einen Auftraggeber?

Auch für sonstige Verbrechen?

Beispielsweise für Auftragsmorde?

Im In- und Ausland?

Als Vorbild für den saudischen Kronprinzen?

Gegen den laut unseren „klassischen Medien“ inzwischen internationale Untersuchungen gefordert werden.

Warum nicht gegen sein Vorbild?

Oder handeln all die international agierenden russischen Verbrecher, beispielsweise die getreu putinscher Diktion von unseren „klassischen Medien“ beharrlich als „Separatisten“ titulierten Söldner in der Ukraine, kreativstrotzend nach eigenen Ideen auf eigene Rechnung?

Wie man das ja gewöhnt ist von russischen Untertanen in staatlichen Diensten?

Bei strategischen Landesfragen gewissermaßen mit russischer Untertänigkeit in vorauseilendem Gehorsam selbständig handelnd?

Ohne Wissen eines obersten Auftraggebers?

Das wäre ja fast so wie in Deutschland, als hätte die VW-Konzernspitze nichts gewußt noch geahnt, daß irgendwelche Ingenieure da unten in den tiefsten Abteilungen aus heiterem Himmel plötzlich der strategischen Idee verfielen, im übrigen Konzern unbemerkt, den amerikanischen Markt mit seinen Abgasnormen mittels Einbau getürkter Motoren zu erobern.

Ohne Wissen des gutgläubigen Winterkorns!

Und dann die unsäglich dürftige Berichterstattung über den „Dieselskandal“! Also den heimtückischen BETRUG durch „Schummel“-Softwär in getürkten Abschaltvorrichtungen. Trotz auffälliger Meßwerte jahrelang unbemerkt und bis heute, trotz seiner Dimension, wenn überhaupt nur unangemessen und bisweilen nahezu euphemistisch verbrämt erwähnt von unseren „klassischen Medien“.

Und da wir gerade bei „getürkt“ sind: Nicht zu reden von einer vollkommen fehlenden Debatte in bundesdeutschen Medien über die schwachsinnige Idee einer weltfremden und geschichtsvergessenen Elite, die kulturell typisch vorderasiatische Türkei auf Biegen und Brechen in die sogenannte Europäische Union hieven zu wollen.

Und der sogenannten Europäischen Union einschließlich ihrer sogenannten gemeinsamen Außenpolitik damit den Rest zu geben.

Oder was denn nun aus der SPD-seitig angekündigten neuen Türkeipolitik geworden ist?

Und worin sie bestünde?

Oder wie oder was?

Zudem will ich gar nicht erst anfangen zu reden über das jahrelange himmelschreiende Verschweigen der Clan-Kriminalität in Deutschland.

Und… und… und…  und…

Du weißt, das sind nur einige wenige Beispiele für unsere im Ozean der Fraglosigkeit versunkenen „klassischen Medien“.

 

Die Zwangsherrschaft der Allgemeinheit über die Autonomie der Person mag zwar verbal gerade von liberal Denkenden geleugnet werden, ist aber immerhin so erheblich, daß nahezu die gesamte Presse der Bundesrepublik ganze Informationsbereiche ausspart oder selektiv darstellt oder gar verstellt.“

Rupert Lay: Manipulation durch die Sprache – Rhetorik, Dialektik und Forensik in Industrie, Politik und Verwaltung, Wirtschaftsverlag Langen-Müller/Herbig, 1977

 

Homoffis

 

31. Mai 2020: Serapion an Mephisto

 

Die schlesischen Weber

 

Im düstern Auge keine Träne,

Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:

„Deutschland, wir weben dein Leichentuch,

Wir weben hinein den dreifachen Fluch –

Wir weben, wir weben!

 

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten

In Winterskälte und Hungersnöten

Wir haben vergebens gehofft und geharrt,

Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt –

Wir weben, wir weben!

 

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,

Den unser Elend nicht konnte erweichen,

Der den letzten Groschen von uns erpreßt,

Und uns wie Hunde erschießen läßt –

Wir weben, wir weben!

 

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,

Wo nur gedeihen Schmach und Schande,

Wo jede Blume früh geknickt,

Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt –

Wir weben, wir weben!

 

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,

Wir weben emsig Tag und Nacht –

Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,

Wir weben hinein den dreifachen Fluch,

Wir weben, wir weben!“

 

 

Heinrich Heine (1797 – 1856) über Heimarbeit

 

 

Das Geld auf der Straße

 

23. Mai 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Neulich, beim Aufkommen der jüngsten Skandalwelle aus der ekelerregenden Fleisch-Industrie sendete der Deutschlandfunk einen Bericht aus einer der urplötzlich lauthals beklagten Unterkünfte für ausländische „Arbeit-Nehmer“, also für Arbeiter. Die Reporterin „interviewte“ eine aus Rumänien angereiste Arbeiterin. Allerdings vernahm man lediglich originalsprachlich im Hintergrund zielgerichtet zusammengeschnitten deren berichtende Ausführungen, die von der Journalistin auf Deutsch wiedergegeben wurden. Also keine konkreten Fragestellungen mit den spezifischen Antworten.

Sozusagen unleif.

Immerhin autdoor, also nicht homoffissend in Heimarbeit.

Dem war zu entnehmen:

Die Rumänin sei mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen. Die Unterkunft, in der sie hierzulande lebten, sei eng. Ihnen werde dafür ein Betrag von 220 Euro abgezogen von ihren Arbeitseinkünften.

Deren Höhe hinwiederum ungenannt blieb.

Ihr Mann und sie wären nach Deutschland gekommen, weil man sich in Rumänien erzähle, „in Deutschland liegt das Geld auf der Straße“. Enttäuscht wollten sie jedoch nun wieder nach Rumänien zurück. Dort verdienten sie zwar nicht so viel, fänden aber auch in den bescheideneren Verhältnissen ihr Auskommen.

Ende eines bundesdeutschen Berichts moderner Journalistik.

Ich kann mir allerdings vorstellen bei der gegenwärtigen Verfaßtheit unserer Medien hierzulande, daß er sowohl bei der Berichterstatterin als auch in ihrer Redaktion mit vollster Zufriedenheit aufgenommen worden war. Der Arbeitsauftrag lautete höchstwahrscheinlich: Bringen Sie uns doch mal für die morgige Mittagssendung einen kritischen Bericht über diese unhaltbaren Zustände in den Unterkünften der Fleisch-Industrie.

Auftrag erfüllt!

Und mutig Kritik geübt!

In früheren Zeiten, als in der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich ein kritischer Journalismus obwaltete, hätte ich mir allerdings vorstellen können, daß beispielsweise der Arbeitsauftrag für die Reporterin gelautet hätte: Fahren Sie da mal hin und machen Sie ein Interview mit einem Betroffenen über seine Lebensumstände.

Und daß selbiger Arbeitsauftrag sogar schon erteilt worden wäre vor dem jüngsten Skandal in der ekelerregenden Fleisch-Industrie.

Und wenn unsere tapfere Berichterstatterin in jenen Zeiten der Berichterstattung zufälligerweise jene Arbeiterin vor das Mikrofon bugsiert hätte mit ihrer rumänischen Schilderung, daß sie mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen sei, weil dorten das Geld auf der Straße liege, wäre der kritischen Reporterin des seriösesten Senders des Landes, in welchem das Geld auf der Straße liege, die Idee gekommen nachzufragen: Und da haben Sie sich doch sicher auch erkundigt, bevor Sie wegen des in Deutschland auf der Straße liegenden Geldes Ihrer Heimat den Rücken kehrten, nach den näheren Umständen?

Wie das denn genau gemeint sei mit dem in Deutschland auf der Straße liegenden Gelde?

Nach den Gegeben- und Gelegenheiten?

Wo und wie und welche?

Sie haben doch sicher vor ihrer Abfahrt mit einigen Ihrer Landsleute gesprochen, die schon in Deutschland gewesen waren und haben heutzutage auch über das Internet Erkundigungen eingezogen über das auf der Straße liegende Geld in Deutschland?

Mit welchem Ergebnis?

Zu welchem Deutschlandbild, zu welchen konkreten Vorstellungen führte dies denn bei Ihnen?

Daß Sie und Ihr Mann und Ihre Kollegen sich immerhin sagten, wir sind ja nicht dumm, wenn das Geld in Deutschland auf der Straße liegt, und rackern uns hier ab in Rumänien?

Da fahren wir lieber rüber nach Deutschland und holen uns den herumliegenden Zaster?

Ende eines Beispiels unter unsäglich vielen.

Du weißt, daß es mir sehr fernliegt, in den Arsch gekniffene rumänische Arbeiterinnen zu verarschen.

Doch weißt Du auch, woran der bundesdeutsche Journalismus vornehmlich leidet?

An der Schere im Kopf, welche die essentiellen Fragen abschneidet.

Aus irgend einem Grund.