A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Schlagwort-Archiv: Mephisto

Seit gestern Nacht

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10. April 2021: Mephisto an Serapion

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Vorfrühling

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Es läuft der Frühlingswind

Durch kahle Alleen,

Seltsame Dinge sind

In seinem Wehn.

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Er hat sich gewiegt,

Wo Weinen war,

Und hat sich geschmiegt

In zerrüttetes Haar.

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Er schüttelte nieder

Akazienblüten

Und kühlte die Glieder,

Die atmend glühten.

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Lippen im Lachen

Hat er berührt,

Die weichen und wachen

Fluren durchspürt.

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Er glitt durch die Flöte

Als schluchzender Schrei,

An dämmernder Röte

Flog er vorbei.

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Er flog mit Schweigen

Durch flüsternde Zimmer

Und löschte im Neigen

Der Ampel Schimmer.

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Es läuft der Frühlingswind

Durch kahle Alleen,

Seltsame Dinge sind

In seinem Wehn.

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Durch die glatten

Kahlen Alleen

Treibt sein Wehn

Blasse Schatten.

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Und den Duft,

Den er gebracht,

Von wo er gekommen

Seit gestern Nacht.

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Hugo von Hofmannsthal (1874 – 1929)

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Und verstehe die Freiheit

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Ostern 2021: Serapion an Mephisto

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Lebenslauf

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Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt

All uns nieder, das Leid beuget gewaltiger,

Doch es kehret umsonst nicht

Unser Bogen, woher er kommt.

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Aufwärts oder hinab! herrschet in heilger Nacht,

Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt,

Herrscht im schiefesten Orkus

Nicht ein Grades, ein Recht noch auch?

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Dies erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich,

Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden,

Daß ich wüßte, mit Vorsicht

Mich des ebenen Pfads geführt.

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Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern,

Und verstehe die Freiheit,

Aufzubrechen, wohin er will.

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Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

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In memoriam Uta Ranke-Heinemann

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26. März 2021: Serapion an Mephisto

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Verkündigung

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Und der Engel kam zu mir herein, und er sprach: „Der

Herr ist mit dir! Gegrüßt seist du Begnadete!“ Ich war

Über die Rede erschrocken! Welch ein Gruß ist das? Der Engel

Sprach zu mir: „Fürchte dich nicht, Maria, denn Gnade bei Gott hast

Du gefunden. Siehe, schwanger sollst du nun werden,

Einen Sohn sollst du gebären, groß wird der sein und

Sohn des Höchsten genannt wird er werden, sein Reich wird kein Ende

Haben.“ Ich sprach zu dem Engel: Wie soll das zugehn, da ich von

Keinem Manne weiß? Mir antwortend sprach da der Engel:

„Über dich wird kommen der heilige Geist, und die Kraft des

Höchsten wird dich überschatten, denn unmöglich war bei

Gott noch keinerlei Ding.“ Ich bin die Magd meines Herrn, so

Antwortete ich, es geschehe, wie du gesagt hast!

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Und der Engel schied von mir. Ich sprach: Meine Seele erhebt den

Herrn, mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er

Hat die Niedrigkeit seiner Magd gesehen. Und sieh, von

Nun an werden mich selig preisen all meine Kinder

Samt den Kindeskindern. Denn an mir hat er große

Dinge getan, der da waltet und dessen Name ist heilig.

Seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei all denen,

Die ihn fürchten. Mit seinem Arm, da übt er Gewalt, die

Hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn, die zerstreut er.

Die Gewaltigen stößt er vom Thron hinab und erhebt die

Niedrigen. Hungrige füllt er mit Gütern, die Reichen jedoch, die

Läßt er leer ausgehn. Er gedenkt der Barmherzigkeit, und er

Hilft seinem Diener. Und selig bist du, wenn du geglaubt hast,

Josef, denn alles, was dir gesagt ist von unserem Herrn, mein

Lieber, lieber Josef, all das wird auch vollendet!

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Also Papst Benedikt hat ja jetzt sein neuestes Buch geschrieben, „Über die Kindheit Jesu“. Er schreibt in diesem Buch, Maria habe ihren Sohn durch ihr Ohr empfangen, durch ihre Worte zu dem Engel: „Mir geschehe nach deinem Worte.“ Durch ihren Gehorsam sei Maria Mutter geworden. Ich sage, die Gynäkologen können jetzt ihre Praxis schließen, und werden durch Hals-Nasen-Ohrenärzte ersetzt. Der Ohrsex als Durchbruch in der Sexualforschung, in der neuen Vatikanstudie des Buches von Joseph Ratzinger „Jesus von Nazareth“, Auflage eine Million.

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Also die ganzen Missbrauchsfälle können gar nicht, dürfen gar nicht aufgedeckt werden … Denn Ratzinger hat – damals noch Kardinal, 2001 – ein lateinisches Schreiben, was da bei allen Bischöfen im Tresor liegt, „De delictis gravioribus“, „Über schwererwiegende Verbrechen“, geschrieben. Und da ist ausdrücklich gesagt, unter Strafe der Exkommunikation sind die Bischöfe verpflichtet, alle Fälle ausschließlich an den Vatikan zu melden. … es ist nicht möglich, da irgendwie ein Licht rein zu bringen, solange der Papst sein Schreiben „De delictis gravioribus“ nicht zurücknimmt, aber das habe ich noch nicht gehört.

Uta Ranke-Heinemann (2013)

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Das ist die Frage aller Fragen und die Antwort aller Antworten

 

20. März 2021: Bellarmin an Mephisto

 

Stell Dir vor, was diese Woche geschehen ist:

Da wurde in Washington ein Bericht der amerikanischen Geheimdienste veröffentlicht, demzufolge auch bei den letzten Wahlen von russischer Seite versucht worden sei, den Wahlkampf zugunsten Donald Trumps zu beeinflussen mittels des Streuens von Unwahrheiten und Irreführungen sowie erneuten Angriffen auf „wichtige Sektoren der Wahl-Infrastruktur“.

Davon nicht das geringste Sterbenswörtchen in der sich als das seriöseste Nachricht-Medium Deutschlands verstehenden 20-Uhr-Tagesschau!

Einen Tag später, da sagt der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ins Angesicht unseres Planeten, daß er den ruhmredigen Präsidenten des größten ruhmredigen Staates der Erde für einen Mörder hält – und die gebührenfinanzierte 20-Uhr-Tagesschau bringt davon kein Wort!

Infolge jenes in der Weltgeschichte einmaligen Vorgangs ruft der Auftraggeber seinen Botschafter aus den Vereinigten Staaten von Amerika zurück ins ruhmredige Rußland – und die laut bundesdeutschem Pressekodex zur wahrheitsgemäßen Unterrichtung der Öffentlichkeit verpflichtete 20-Uhr-Tagesschau meldet darüber nicht ein einziges Wort!

In den Folgetagen in Deutschland außer eines wie immer erfreulich klartextlichen Kommentars von Marcus Pindur und eines Interviews der wie immer erfreulich kompetenten, klugen und kenntnisreichen Marieluise Beck von den Grünen, beide im Deutschlandfunk, keinerlei Behandlung oder gar eine den Tatsachen entsprechend angemessene Gewichtung, weder von politischer Seite noch in den öffentlich-rechtlichen Medien, dieser im wahrsten Sinne ungeheuerlichen Phänomene nach dem Zweiten Weltkrieg!

Auf die freilich unmöglich von einem bundesdeutschen Journalisten gestellte Frage, ob er Putin für einen Mörder halte, antwortet der US-amerikanische Präsident also offenherzig, daß er das tue. Hätte er hingegen auf die freilich nie einem deutschen Journalisten in seinen politisch korrigierten Sinn gekommene Frage des journalistischen Vertreters einer freien Presse mit einem Nein geantwortet, hätte sich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika doch aber entweder als fahrlässig dumm oder als fahrlässig verlogen offenbart (geautet im ordinären Dummdeutsch deutscher Journalisten).

Gottseibeiuns!

Was sollte man denn nun machen in der Redaktionsstube der ARD? Na klar: Dasselbe wie der Leiter des Deutsch-Russischen Forums Matthias Platzeck (SPD) im Einklang mit den Genossen der Linkspartei: Schweigen. Denn der Biden in den USA, der hat ja keine Beweise vorgelegt, daß Wladimir Wladimirowitsch etwas gewußt habe über das Ableben Litwinenkos oder der Politkowskaja oder Nemzows oder die plötzlichen Erkrankungen der Skripals oder Nawalnys, dessen Namen der Wladimir, als kennte er (als Staatschef!) ihn nicht im Gegensatz zum Rest der Welt, dessen Namen bis vor kurzem er überhaupt nur einmal in seinen Mund zu nehmen sich hütete aus irgend einem Grund. Und aus der Linkspartei und von Matthias Platzeck hieß es ja auch prompt, also wenn da Geheimdienste im Spiel wären bei Nawalnys seinerzeitigem Zusammenbruch im Flugzeug, dann könnte man gar nichts mehr dazu sagen.

Denn dann wäre ja alles möglich.

Was nahe legen soll: Dann wäre es wohl die CIA, die ihre Hände im Spiel hatte.

Mit dem Ziel der Verbreitung antisowjetischer Propaganda.

Und was will man denn? Der Verbrecher Nawalny befindet sich inzwischen rechtmäßig russisch verurteilt im russischen Gewahrsam des russischen Straflagers IK-2 in Pokrow, Franz-Stollwerck-Straße Nr. 6. Weil er hat ja seine Meldepflicht verletzt! Und da wird er, damit ihm solches nicht wieder passiert, selbst jede Nacht von einem neben ihm sitzenden Wärter überwacht und jede Stunde geweckt und fotografiert und der Anwesenheitsnachweis meldepflichtig nach draußen gemeldet. Also sicherer geht es kaum, da soll er sich noch mal beschweren!

 

Donnerstag, 18. März 2021, Deutschlandfunk:

Beck: Wir haben es ja in Deutschland selber erlebt. Mein Büro übrigens war im Februar 2014 das erste, das gehackt worden ist – wie wir jetzt wissen von genau derselben Gruppe des russischen Auslandsgeheimdienstes, die auch die Clinton-Kampagne gehackt hatten. Das ist vollkommen klar belegt.


Heckmann: Frau Beck, bisher ist ja unklar, ob diese Hacker-Angriffe und Desinformationskampagnen von irgendwelchen russischen Hackern kommen, die irgendwo sitzen, oder von Aktivisten, oder ob der Auftrag aus dem Kreml kommt. Den US-Diensten stellt sich diese Frage offenbar nicht mehr. Sie sagen, entweder hat der Kreml diese Aktivitäten selbst durchgeführt, oder andere damit beauftragt. Wie sicher sind Sie, dass die russische Regierung hinter diesen Aktivitäten steckt?

Beck: Ich kann das für Deutschland ganz klar sagen. Es handelt sich um zwei Gruppen des russischen Auslandsgeheimdienstes. Die heißen APT28 und APT29, Cozy Baer und Fancy Baer. Diese Hacker-Angriffe sowohl in den USA als auch bei mir im Büro, sind ganz eindeutig diesen beiden Gruppen zugeordnet worden. Das ist auch vom deutschen Geheimdienst und vom Innenministerium und vom Bundesamt für die Sicherheit von Informationstechnik in keinster Weise bestritten worden, sondern im Gegenteil. Das ist die Auskunft dieser Stellen.

Heckmann: Und das heißt?

Beck: Das heißt, es gibt massive Versuche, tatsächlich auch in einen Nerv von modernen Gesellschaften einzudringen. Aber wie gesagt, ich halte für eigentlich noch gefährlicher die systematische Politik der Beeinflussung mit Botschaften, mit Propaganda, durch Verwirrung, so dass zum Schluss Bürgerinnen und Bürger sagen, nichts Genaues weiß man nicht, und diese Netzwerke, die aufgebaut werden.


Heckmann: Wie könnte man sich dagegen schützen als Land oder auch der einzelne? Was ist da Ihr Rat?

Beck: Ich glaube, dass wir sehr viel genauer hinschauen sollten zu Finanzströmen, auch wenn es selber weh tut. Ich glaube, dass wir einfach eine wirklich aufmerksame Medienlandschaft brauchen. Wir brauchen auch eine Politik mit geradem Rücken. Wer, wie jetzt in Mecklenburg-Vorpommern, Gazprom die Möglichkeit gibt, eine Fake Umweltstiftung zu gründen, die nichts anderes ist als ein Gazprom-Geschäftsinteresse, der handelt nicht im Sinne von Demokratie und Aufklärung, die wir in der Demokratie brauchen – Wahrheit und Aufklärung.

 

 

Das Unbehagen, das viele in Deutschland bei solch klaren Worten verspüren, ist fehl am Platz. Denn dem liegt die falsche Vorstellung zu Grunde, man könne den Kreml-Herrscher durch freundlichen Ton zur Kooperation bewegen. Alle Erfahrungen der letzten zehn Jahre sprechen dagegen. Die Bundesregierung könnte dazu beitragen, Putin die Grenzen aufzuzeigen, indem sie die unselige Nord-Stream-2-Pipeline endlich ad acta legt. Putin ist, wer er ist. Biden hat dies lediglich offen ausgesprochen.

Marcus Pindur, Donnerstag, 18. März 2021, Deutschlandfunk

 

Endlich!

Alternative für nützliche Idioten

 

13. März 2021: Bellarmin an Mephisto

 

Am Donnerstag, dem 28. Januar 2021, meldete der Deutschlandfunk:

Russland hat Lieferprobleme beim Corona-Impfstoff Sputnik-V eingeräumt.“

Am Freitag, dem 29. Januar 2021, meldete der Deutschlandfunk:

Im Streit um die Lieferschwierigkeiten des Herstellers AstraZeneca hat Russland angeboten, der EU mit seinem Corona-Impfstoff Sputnik V auszuhelfen.

Am Sonntag, dem 7. März 2021, stand in der kroatischen Zeitung JUTARNJI LIST zu lesen:

Immer mehr Länder versuchen nun, mit Russland zusammenzuarbeiten und dabei eine größere Menge des russischen Sputnik-V-Impfstoffes zu beschaffen. Doch auch dies wird nicht die Lösung der Probleme sein. Russland kann nämlich nicht einmal genug Vakzin produzieren, um den eigenen Bedarf zu decken.

Am Dienstag, dem 9. März 2021, meldete der Deutschlandfunk mündlich in den Nachrichten:

Deutschland steht einer Untersuchung der Europäischen Union zufolge wie kein anderes EU-Land im Fokus russischer Desinformations-Kampagnen.

Es gebe systematische Vorgänge sowohl durch politische Ebenen als auch durch Medien, die dem Kreml nahe stehen, heißt es in einem Bericht, den der Auswärtige Dienst in Brüssel veröffentlichte. Bei diesen Desinformations-Kampagnen werde ein Bild von Deutschland gezeichnet, wonach hierzulande eine irrationale Russophobie verbreitet werde. Seit Ende 2015 seien mehr als 700 Fälle in einer Datenbank gesammelt worden. Frankreich wurde demnach nur gut 300 Mal, Italien 170 Mal und Spanien 40 Mal attackiert.

Daraus wurde dann typischerweise anstelle der mündlichen in den verschriftlichten Nachrichten des nämlichen Tages als verbleibende Meldung zurechtgestutzt:

EU-Bericht: Russland weist Vorwürfe gezielter Desinformation zurück

Russland hat Vorwürfe wegen gezielter Desinformationskampagnen gegen Deutschland als „lächerlich“ zurückgewiesen.

Der Westen solle lieber eigene politische Kampagnen gegen Russland untersuchen, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Moskau der Deutschen Presse-Agentur. Sie reagierte damit auf eine Untersuchung der Europäischen Union. Danach steht Deutschland wie kein anderes EU-Land im Fokus russischer Desinformations-Kampagnen. Es gebe systematische Vorgänge sowohl durch politische Ebenen als auch durch Medien, die dem Kreml nahe stünden, heißt es in einem Bericht, den der Auswärtige Dienst in Brüssel veröffentlichte. Danach werde ein Bild gezeichnet, wonach in Deutschland eine irrationale Russophobie verbreitet werde.

Typischerweise herrschte über den Bericht des Auswärtigen Dienstes der Europäischen Union in den folgenden Tagen ein wie gleichgeschaltetes einhelliges Stillschweigen der bundesdeutschen Journalisten, der bundesdeutschen Politiker und der bundesdeutschen Politologen. Ist nicht weiter wichtig. Auch die doch eigentlich hochinteressante Frage, warum ausgerechnet Deutschland „wie kein anderes Land im Fokus russischer Desinformations-Kampagnen“ steht, scheint keinem Medienvertreter eingefallen zu sein. Und mit welchen Absichten, und wer wohl der Auftraggeber gewesen sein könnte für dieses völlig neue Phänomen russischer Politik.

Soweit reicht die Phantasie nicht mehr.

Dafür noch am selben Tag auf demselben Sender:

Drei Monate nach dem umstrittenen Russland-Besuch führender AfD-Politiker häst [sic!] sich erneut eine Delegation der Partei zu Gesprächen in Moskau auf.

An der Reise nehmen Fraktionschefin Weidel sowie die Abgeordneten Bystron und Schlund teil, wie die Fraktion mitteilte. Es gehe darum, den Gesprächsfaden zwischen Deutschland und Russland nicht abreißen zu lassen, erklärte Weidel. Auf dem Programm stehen unter anderem Gespräche im Außenministerium sowie mit Vertretern des Parlaments. Zudem ist ein Besuch des Forschungszentrums Gamaleja vorgesehen, in dem der Corona-Impfstoff Sputnik V entwickelt wurde.

Der Moskau-Besuch von AfD-Abgeordneten Anfang Dezember hatte in Deutschland für Kritik gesorgt. Parteichef Chrupalla hatte bei einem Treffen mit Außenminister Lawrow die politischen Verhältnisse in Deutschland moniert und die Sanktionen gegen Russland verurteilt.

Das deutsch-russische Verhältnis ist derzeit vor allem wegen des Vorgehens gegen den Oppositionspolitiker Nawalny belastet.

Ach ist das schön, daß die Alice Weidel von der Partei mit den dubiosen Parteispenden aus dem Ausland kompetenterweise den Gesprächsfaden zwischen Deutschland und Rußland nicht abreißen läßt, das bringt uns weiter. Das ist gelebte deutsch-sowjetische Freundschaft und, Ernst Jandl hat es schon immer gewußt, es ist ein Illtum zu glauben, lechts und rinks könne man nicht velwechsern: Die Erklärung mit dem Gesprächsfaden, die könnte wortgleich auch von Dietmar Bartsch aus der umbenannten Partei mit dem in irgendein Ausland entschwundenen Parteivermögen stammen und identisch ebenso von Matthias Platzeck aus der Partei des vom Ausland dotierten Gerhard Schröder.

Ob lechts, ob rinks, all die Unberufenen fühlen sich berufen aus irgend einem Grund, für den Gesprächsfaden kämpfen zu müssen.

Und das freut den Auftraggeber.

 

Die Zerstörung des öffentlichen Diskursklimas

 

6. März 2021: Bellarmin an Mephisto

 

Eine der drei elementaren Regeln kommunikativer Dialektik läßt sich etwa so formulieren: Ich mache meinem Gegner, mit dem ich jedoch irgendwie ins Gespräch kommen möchte oder muß, und infolgedessen er wohl oder übel mein Kommunikationspartner wird, nur derartige Gesprächsangebote, die jener auch akzeptieren kann. Meinem strategischen, also meinem übergeordneten Interesse an jenem Dialog, sei es zwecks grundlegender Verständigung, sei es zwecks Situations- oder Positionsklärung, sei es überhaupt nur zwecks eines „ins erste Gespräch kommen“, ordne ich alle meine Vorurteile unter und erst recht alle Unsachlichkeiten. Was bedeutet, ich scheide genau das aus, was dem Selbstverständnis meines Gegenübers widerspräche und ihm somit den Eintritt in einen sachlichen Dialog verwehren könnte.

Früher gab es das. Da konnten sich Bahr mit Barzel, Brandt mit Breshnew unterhalten.

Es war einmal…

Es war also Anfang Mai 2016 seitens des Zentralrates der Muslime, nämlich höchstpersönlich von ihrem Vorsitzenden Mazyek, die AfD in die Nähe der NSDAP gerückt worden. Dann hat selbiger die AfD-Spitzenvertreter unter propagandistischem Tamtam für ein Gespräch zu sich gebeten. Die Einladung trug allerdings bereits den Ruch einer Einbestellung. Am sonntäglichen Vorabend des geplanten Diskurses bekräftigte Mazyek seine Vorwürfe. Am Montag meldeten dann die Gazetten im Einklang mit den öffentlich-rechtlichen Medien triumphierend, die Zusammenkunft sei „von der rechtspopulistischen AfD“ nach kurzer Zeit abgebrochen worden mit der Begründung, Vertreter des Zentralrates hätten die Partei in die Nähe des Dritten Reiches gerückt.

Dieser Begründung des Gesprächsabbruchs wurde vom Zentralrat in keiner Weise widersprochen.

Am letzten Sonntag im Mai 2016 folgte dann die Inszenierung „Gauland hätte geäußert, er wolle Boateng nicht als Nachbarn haben.“

In der Mittagsinformationssendung des Deutschlandfunks vermeldet anfänglich ein aufgeregter Journalist, der Alexander Gauland von der AfD habe Jérôme Boateng beleidigt! Gauland hätte geäußert, er wolle Boateng nicht als Nachbarn haben. Erst am Schluß der Sendung klang das dann etwas anders: Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitiere Gauland unter der Überschrift „Gauland beleidigt Boateng“ mit den beiden Sätzen: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“

Diese beiden aus jedem weiteren Kontext gelösten Sätze wurden nun unentwegt von sämtlichen Medien, ohne erneute wörtliche Zitierung, in einen Strom der Entrüstung gestellt, vielfach in einem Atemzug mit der Wiederholung, Gauland habe Boateng beleidigt! Meist mit der triumphierenden Einleitung: „Boateng ist Deutscher, Nationalspieler, engagiert sich für soziale Projekte. Er ist in Berlin geboren, Vater Ghanaer, Mutter Deutsche.“ (Bild)

Über Twitter, dem Medium der inkompetenten Inkontinenten, meldeten prompt SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann und Linken-Chef Bernd Riexinger fast wortgleich, Gauland sei ein Rassist!

Ohne das geringste anderweitig als sonst so politisch korrekt empfundene und jedem Mörder zugebilligte „Mutmaßlich“.

Und natürlich fügte die unvermeidliche Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckard ihren Senf hinzu, ihr sei Boateng in der Nachbarschaft viel lieber als Gauland. Ebenfalls fast wortgleich mit der Landesvorsitzenden der CDU in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner.

Der seinerzeitige Vizekanzler, also ein Regierungsvertreter, Sigmar Gabriel meinte sagen zu müssen: „Gauland ist nicht nur gegen Fremde, sondern auch gegen das Gute an Deutschland“!

Und der damalige Rechtspfleger und Rechtshüter, Justizminister Heiko Maas, den man offensichtlich vergaß bei seinen juristischen Studienabschlüssen zu examinieren über die Unschuldsvermutung, der Heiko Maas also, ein Regierungsvertreter, nannte „Gaulands Äußerung“ „niveaulos und inakzeptabel“.

Der Deutschlandfunk frohlockte: „Im Internet schwillt unter dem Schlagwort ‚Nachbar‘ die Empörung über AfD-Vize Alexander Gauland zum Shitstorm an.“

Unverhohlene Freude eines öffentlich-rechtlichen Mediums über fremdsprachlich verklausulierte Fäkaliensprache gegenüber einem deutschen Oppositionspolitiker!

Und meldete nachrichtlich: „Bundeskanzlerin Merkel hat die Äußerung von AfD-Vizechef Gauland im Zusammenhang mit dem Fußballnationalspieler Jérôme Boateng verurteilt. Der Satz, der gefallen sei, sei niederträchtig und traurig, sagte Merkels Sprecher Seibert in Berlin.“

Die Regierungschefin!

Niederträchtig und traurig“.

Indessen muss ich traurig zugeben, dass meine Kenntnisse aristotelischer Logik und mathematischer Schlußweise nicht ausreichen, aus den beiden Sätzen „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“, wenn sie denn so gefallen sein sollten, eine „Beleidigung“ Boatengs oder einen „Rassisten“ Gauland zu folgern.

Und über das „Richtig“ oder „Falsch“ dieser Thesen eventueller Befindlichkeiten der deutschen Bevölkerung (und eben nicht der Gauland unterstellten!) wäre früher in einer Sonntagsrunde des „Frühschoppen“ bei Werner Höfer in der ARD völlig normal debattiert worden.

Als interessantes und wichtiges Diskussionsthema.

Doch stattdessen erweckten die Reaktionen den Anschein einer konzertierten Inszenierung mit dem Zweck der unbedingten Nachweisführung einer nazistischen Gesinnung.

Und erinnerte wieder an die des Chefkommentators der „Deutschen Demokratischen Republik“, also an Sudel-Edes Inszenierung von Hetzkampagnen gegen eine unterstellte „revanchistische“ Gesinnung der „Beärrdee“.

Um mich nicht noch weiter in die Vergangenheit zurückzudenken.

Um das Wort „faschistoide Stimmungsmache“ noch einmal zurückzuhalten.

Der gesamte Staat totalitär gegen ein Individuum!

Gauland = Rassist!

AfD = rassistische Partei!

Keine einzige journalistische Stimme, die den Rufmord Rufmord nannte! Und noch heute wird kolportiert, Gauland hätte gesagt, er würde Boateng nicht zum Nachbarn haben wollen.

Erbärmlich!

Widerlich!

Beängstigend!

Nur ganz vereinzelt blieb ein allerdings folgenloses Quäntchen Vernunft (Hervorhebungen von Bellarmin):

 

Montag, 30. Mai 2016, Deutschlandfunk:


Müller: Viele Fans finden die „ausländischen Spieler“, die Migrantenspieler, sehr, sehr gut, aber in der politischen, gesellschaftlichen Realität haben sie massive Vorurteile?


Eilenberger: Ja! Das glaube ich, dass es da eine kognitive Dissonanz gibt, auch gerade bei vielen Fußballfans, auch aus dem mutmaßlichen Wählerpool der AfD. Ich denke, wir müssen uns einfach eingestehen, dass es ein hohes Maß an Alltagsrassismus in Deutschland nach wie vor gibt. Darauf hat Herr Gauland auch angespielt. Und ich glaube, wenn es eine Deskription war, dass viele Menschen nicht neben farbigen Mitbürgern leben wollen, dann ist das leider nicht falsch. Das Interessante ist, dass Herr Gauland das nicht bedauert, sondern einfach festhält und daraus politisches Kapital schlagen will, und das ist die Unverantwortlichkeit im Diskurs. Und wenn Sie mich fragen, ob viele Fußballfans vielleicht Herrn Boateng bejubeln und andererseits aber sagen, na ja, so neben ihm wohnen wollte ich nicht, dann ist das eine sehr hässliche Wahrheit. Aber ich glaube, es ist deskriptiv nicht falsch und trifft auf 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung immer noch zu.



Müller: Jetzt müssen wir, Herr Eilenberger, auch nochmal diesen Einwurf zumindest machen, wir haben vor gut einer Stunde auch mit unserem Korrespondenten Stephan Detjen in Berlin darüber gesprochen, dass das ja offenbar gar nicht so klar ist, was Alexander Gauland nun definitiv, also wortwörtlich gesagt hat. Die beiden Reporter, Korrespondenten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ haben es eben so zitiert, und er hat gesagt, er weiß gar nicht, ob er Boateng genannt hat, aber vielleicht doch. Ist für Sie alles Taktik und keine legitime Erklärung, Entschuldigung?


Eilenberger: Soweit ich über diesen Fall informiert bin, hat Herr Gauland das im Bereich eines weiten Gesprächs, das er nicht eigens autorisieren ließ, gesagt. Und ich muss sagen, ich bin mit der Skandalisierung der „FAS“-Kollegen sehr unzufrieden. Ich finde auch wirklich schäbig, dass man dann zu den Nachbarn von Herrn Boateng geht und da eigens eine Umfrage startet. Das ist auch eine Form von Skandalisierung, die ich journalistisch nicht befürworten kann und die sehr viel zur Zerstörung des öffentlichen Diskursklimas beiträgt. Ich muss sagen, der journalistische Umgang der „FAS“-Kollegen mit diesem Faktum, der lässt mich auch sehr unzufrieden zurück.

 

Müller: Es hilft jetzt der AfD?


Eilenberger: Es wird sicher die Stammwählerschaft der AfD nicht verschrecken, sondern bestätigen, und es bringt ein neues Thema in einer sehr hässlichen und sehr sachfernen Form in den öffentlichen Diskurs, das eigentlich wichtig ist und dem wir alle offenen Auges entgegensehen sollten.


Müller: Der Philosoph Wolfram Eilenberger, Chefredakteur des Philosophie-Magazins.

 

Dienstag, 19. April 2016, STUTTGARTER NACHRICHTEN:

Derzeit geht es allzu oft darum, Sätze von AfD-Größen zu skandalisieren, auch um eine Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz herbeizureden. Die jüngste Aussage der AfD, der Islam sei unvereinbar mit dem Grundgesetz, ist aber wahrlich nichts Neues. Das sagen selbst Rechtsexperten seit vielen Jahren. Auch das von der AfD angestrebte Verbot von Minaretten oder Burkas ist noch kein Grund, sich an Hitler-Deutschland erinnert zu fühlen, wie dies der Zentralrat der Muslime tat. Es sei denn, man würde Länder wie Frankreich, Belgien oder die Schweiz ebenfalls als Nazi-Diktaturen bezeichnen wollen. Dort gibt es nämlich schon solche Verbote.

 

 

In der Tat muss man kein AfD-Anhänger sein, um das Vorgehen des Verfassungsschutzes fragwürdig zu finden.“
Samstag, 6. März, 2021, SÜDKURIER

 

Entsetzliche Tat eines wahnsinnigen Täters

 

27. Februar 2021: Bellarmin an Mephisto

 

Freitag, 26. Februar 2021, Deutschlandfunk:

Hamburg – Nach Angriff auf jüdischen Studenten vor Synagoge: Täter muss dauerhaft in Psychiatrie

Der Mann, der im Oktober 2020 einen jüdischen Studenten vor einer Hamburger Synagoge angegriffen hat, wird dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht.

Das Hamburger Landgericht teilte mit, es habe sich um einen gezielten Angriff auf eine Person jüdischen Glaubens gehandelt. Der Täter habe jedoch nicht aus rechtsradikalen Motiven gehandelt. Vielmehr leide er an einer religiösen Wahnvorstellung. Aufgrund dieser psychischen Erkrankung sei er nicht schuldfähig. Da er keine Einsicht zeige und sich weder vom Sachverständigen habe untersuchen lassen noch eine Medikation akzeptiere, habe das Gericht keine Möglichkeit zu einer Bewährungsstrafe gehabt. Es sei anzunehmen, dass der Mann weiter eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle.

Er war am 4. Oktober 2020 mit einem Taxi zur Synagoge gefahren, wo die Feierlichkeiten zum jüdischen Laubhüttenfest stattfanden. Dort schlug er einem Mann mit Kippa ohne Vorwarnung mit einem Spaten auf den Kopf. Der Verletzte musste auf der Intensivstation behandelt werden.

 

Ein beängstigendes Beispiel

 

 

20. Februar 2021: Bellarmin an Mephisto

 

Donnerstag, 20. Februar 2020, Deutschlandfunk:

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen veröffentlichte der mutmaßliche Täter wenige Tage vor dem Verbrechen ein Video bei Youtube, in dem er in fließendem Englisch von einer persönlichen Botschaft an alle Amerikaner spricht. In dem Video sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände jetzt kämpfen. Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten. Er behauptet auch, Deutschland werde von einem Geheimdienst gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei.

 

Donnerstag, 20. Februar 2020, TAGESSPIEGEL:

Der 43-Jährige war offenbar ein Einzelgänger. In seinem Manifest steht, er habe „ein Leben lang keine Frau/Freundin“ gehabt. Im Oktober 2000 habe er in Bayreuth ein Studium der Betriebswirtschaftslehre begonnen, „auch mit der Hoffnung, dort endlich eine attraktive Frau kennenzulernen“. Doch er habe sein „Liebesglück“ nicht gefunden. In Sicherheitskreisen heißt es, Rathjen sei ledig gewesen.

Der Mann ist deutscher Staatsbürger, wuchs in Hanau auf und machte dort Abitur. Im Manifest erwähnt er die Ausbildung zum Bankkaufmann. In der Zeit habe er einen Banküberfall erlebt. Rathjen beklagt zudem finanzielle Probleme in seiner Familie. Der Vater habe seinen Job als Niederlassungsleiter verloren, sei mehrere Jahre arbeitslos geblieben und habe danach „nie wirklich etwas Gleichwertiges mehr“ finden können.

Die Finanzierung des Hauses der Familie sei gefährdet. Der Vater müsse „als über 70-Jähriger“ immer noch einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, da die Rente nicht reiche. Über die Mutter, die Rathjen ebenfalls erschoss, steht im Manifest nichts.

Rathjen war in einem Frankfurter Schützenverein aktiv. Er sei Mitglied im Schützenverein Diana Bergen-Enkheim gewesen, sagte Thilo von Hagen, Sprecher des Deutschen Schützenbundes (DSB), in Wiesbaden der Nachrichtenagentur dpa. Nach Angaben des Vereins war er ein „eher ruhiger Typ“, der in keiner Weise auffällig geworden sei.

„Er hat keinerlei ausländerfeindliche Sprüche geklopft“, sagte der Vorsitzende Claus Schmidt. Auch im Umgang mit Vereinsmitgliedern mit Migrationshintergrund habe Rathjen kein auffälliges Verhalten gezeigt.

Rathjen sei seit 2012 Mitglied bei Diana gewesen. Er habe mit eigenen Waffen geschossen, was aber üblich sei. Dass Tobias R. im Internet wirre Gedanken und abstruse Verschwörungstheorien äußerte, sei nicht bekannt gewesen. „Mit dem konnte man sich ganz vernünftig unterhalten“, sagte Schmidt.

In seinem Manifest äußert er sich auch über mehr als eine Seite zum Fußball: Er behauptet, ein guter Spieler gewesen zu sein und gibt dem Deutschen Fußball Bund (DFB) Strategietipps für die Nationalmannschaft.

Glaubt man dem Manifest, fühlte sich Rathjen schon als Kind von anderen Menschen überwacht. Als Erwachsener steigerte er sich in einen Verfolgungswahn hinein, offenbar parallel zu seinen Kränkungen. Dass er keine Frau fand, erklärte sich Rathjen mit dem Einfluss von Geheimdiensten. Während des Studiums hatte er beim Kontakt zu einer Kommilitonin „irgendwann den Verdacht“, deren Eltern würden ihn überwachen lassen.

Auch die Probleme seines Vaters führt Rathjen auf solche Machenschaften zurück. Zwei Geheimdienstmitarbeiter hätten den Arbeitgeber des Vaters dazu gebracht, die Kündigung auszusprechen. Im Manifest behauptet Rathjen sogar, er habe bei der Staatsanwaltschaft in Hanau und beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe Anzeigen eingereicht, weil er „in den Fängen einer Geheimorganisation war“.

Wie weit der Verfolgungswahn gediehen war, zeigt sich auch in Rathjens Video bei YouTube. Dort fantasiert er auf Englisch, in einem Appell an die Amerikaner, die USA seien unter Kontrolle unsichtbarer Geheimgesellschaften. Es gebe militärische Untergrundbasen, in denen dem Teufel gehuldigt und Kinder missbraucht und getötet würden.

Im Manifest steht zudem, die USA hätten die Anschläge vom 11. September 2001 „selbst ausgeführt“. Rathjen behauptet, die Menschheit werde „von einer ganz kleinen Elite für dumm verkauft, welche über ein Geheimwissen verfügt“. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände „jetzt kämpfen“.

 

Freitag, 21. Februar 2020, Bild:

„Größenwahn ist sein Leitthema“, so Psychotherapeut Lüdke. „Verglichen mit Edward Snowden ist er nach eigener Meinung der Größere. Snowdens Enthüllungen bezeichnet er als ‚Kindergeburtstag’“.

Sein Leben unterteilt Rathjen in „zwei Abschnitte“. Zunächst habe er nur vermutet, dass er überwacht werde, später dann „volle Gewissheit“ erlangt.

Rathjen glaubte, ab dem „Tag meiner Geburt“ rund um die Uhr überwacht zu werden. Er beschreibt eine Stimme, die ihm im Alter von wenigen Tagen sagte, dass er „in die Falle gegangen“ sei. Später stellte er fest, „dass ich bereits mein ganzes Leben in den Fängen einer Geheimorganisation war“.

Geradezu skurril: Beim Schauen von Hollywood-Filmen habe er überlegt, wie man eine Serie daraus machen könnte – und ein paar Jahre später sei dann eine ähnliche Serie gedreht worden. Für den Terroristen genug Beleg, dass jemand seine Gedanken liest.

„Filme und Fußball waren offenbar seine großen Leidenschaften“, so Lüdke. „In aller Welt befasst man sich damit, aber er hat das auf sich bezogen. Und für sich hat er gesehen: Meine Ideen beschäftigen die ganze Welt.“

 

Freitag, 21. Februar 2020, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG:

Wer war Tobias R., der in Hanau mutmaßlich zehn Menschen ermordete? Aus welchen Quellen speiste sich sein Weltbild, in wessen Namen glaubte er zu handeln? Ist er ein rechtsextremer Terrorist im konventionellen Sinn des Wortes, der aus blankem Fremdenhass eine Shisha-Bar und einen Kiosk zu seinen Zielen auserwählt hat? War er Teil eines Netzwerks, oder ist er ein sozial isolierter Einzeltäter, der sich in den finsteren Foren des Internets radikalisiert hat?

Bis diese Fragen endgültig beantwortet sind, wird es noch dauern – doch ein Video sowie mehrere Dokumente des Täters, die dieser Zeitung vorliegen, geben einige deutliche Anhaltspunkte. Eines der Dokumente kann man als Manifest und Abschiedsbrief bezeichnen; es ist 24 Seiten lang und enthält eine mäandernde Chronologie seines Lebens, die immer wieder von bizarren Exkursen zu Geopolitik, Militärstrategie, Wirtschaftsmacht und Filmbranche durchbrochen wird. Anschlagspläne werden darin nicht explizit angesprochen, wohl aber angedeutet, etwa, wenn es heißt, dass R. die Bestätigung seiner Thesen „nicht mehr miterleben“ können wird und dass ihm nichts anderes übriggeblieben sei, als so zu handeln, wie er es getan habe, „um die notwendige Aufmerksamkeit zu erlangen“.

Gleich zu Beginn des Manifests will R. jedoch etwas anderes klarstellen: „Im Mittelpunkt meiner Botschaft steht die Tätigkeit eines sogenannten ‚Geheimdienstes’“. Dieser überwache grundlos die Privatwohnungen Tausender Menschen in Deutschland; es gebe dort auch Mitarbeiter, „welche in der Lage sind, die Gedanken eines anderen Menschen lesen zu können und darüber hinaus fähig sind, sich in diese ‚einzuklinken‘ und bis zu einem gewissen Grad eine Art ‚Fernsteuerung‘ vorzunehmen“.

Die Vorstellung eines Geheimdienstes oder sonstiger dunkler Mächte, die ihn fernsteuern, ihm Gedanken eingeben und ihn überwachen, zieht sich in verschiedenen Abwandlungen durch das gesamte Dokument. Darin offenbart sich die Gedankenwelt eines Menschen, der zwar in zusammenhängenden Sätzen spricht, den jedoch augenscheinlich nur noch lose Fäden mit der Realität verbinden: So hätten ihm unbekannte Agenten Albträume eingespielt; nach dem Erwachen habe er dann intuitiv gewusst, dass die Vereinigten Staaten für den 11. September verantwortlich seien. Dieselbe Geheimorganisation transplantiere auch Filmkonzepte aus seinem Kopf in neue, real existierende Hollywood-Produktionen – er sei somit der unfreiwillige Ideengeber der Filmindustrie.

Breiten Raum nehmen seine Empfehlungen für eine erfolgreiche amerikanische Militärstrategie ein, die dringend notwendig sei, um sich gegen die aufstrebende Wirtschaftsmacht China sowie gegen Drogenschmuggel und illegale Migration aus Mexiko zu behaupten und die gewisse Überschneidungen mit der Politik des amerikanischen Präsidenten enthalten. Dass Donald Trump seine diesbezüglichen Empfehlungen wissentlich umsetze, bezweifelt Tobias R. allerdings, „da ich mir hier sicher bin, dass dies über die sogenannte Fernsteuerung funktioniert.“ Diese Auflistung von Bizarrem ließe sich lange fortsetzen und findet ihre Entsprechung in den anderen beiden Dokumenten, die sich mit militärischen Planspielen des Nahen Ostens sowie mit einer optimalen Trainingsstrategie für den Deutschen Fußballbund befassen. Trotz aller gebotener Zurückhaltung bei psychologischen Ferndiagnosen bleibt nach der Lektüre kaum Zweifel: Tobias R. war geistig krank.

Doch neben den unübersehbaren Anzeichen einer psychischen Erkrankung finden sich auch andere Passagen in seinem Manifest, die Aufschluss zu seinen Tatmotiven geben könnten. R. schildert ein Gespräch, das er im Jahr 1999 mit einem ehemaligen Kollegen aus seiner Banklehre geführt habe und das für ihn noch immer prägend sei. Dabei sei es unter anderem um „die Kriminalität, oder allgemeiner ausgedrückt, das schlechte Verhalten bestimmter Volksgruppen, nämlich von Türken, Marokkanern, Libanesen, Kurden, etc.“ gegangen. Er und sein Kollege hätten beide negative Erfahrungen mit Menschen aus diesen Gruppen gemacht, etwa „absichtlich provozierte Streitereien auf dem Nachhauseweg von der Schule oder dumme Anmachen in der Disko“. Das könne er zwar „aus heutiger Sicht mit Sicherheit als ‚harmlos‘ bezeichnen“, weil dabei niemand zu Schaden gekommen sei, aber aus dem Freundeskreis seien ihm auch schwerere Fälle von Ausländerkriminalität bekannt. Während seiner Ausbildung habe er zudem einen Banküberfall am eigenen Leib miterlebt; die Karteikarten potentieller Verdächtiger, die die Polizei ihm später präsentiert habe, hätten dann „zu ca. 90% aus Nicht-Deutschen“ bestanden, hauptsächlich aus Südländern und Türken. Daraufhin habe bei ihm ein „Erkenntnisgewinn“ eingesetzt: Die deutsche Kultur sei überlegen, eine Reihe anderer Völker bestehe hingegen aus minderwertigen Fortschrittsverhinderern, mit denen sich „das Rätsel“ der Suche nach den Ursprüngen des Universums nie werde lösen lassen; erst recht werde es mit diesen Völkern nicht gelingen, eine Zeitreise in die Vergangenheit zu unternehmen, unseren Planeten vor der Entstehung menschlichen Lebens auszulöschen und so rückwirkend auch alles menschliche Leid zu verhindern. Folglich sollten im Zuge einer ersten „Grob-Säuberung“ sämtliche Einwohner von 24 namentlich genannten Ländern getötet werden; darunter viele Staaten des Nahen und Mittleren Ostens einschließlich Israels sowie nordafrikanische und südostasiatische Länder.

Die Frage, ob R. ein Rechtsextremer mit psychischen Problemen war oder ein psychisch Kranker mit eher zufälligen Einsprengseln von Rechtsextremismus, wird in der Debatte über seine Tat absehbar eine zentrale Rolle spielen. Jedenfalls findet sich in den vormals auf seiner Homepage abrufbaren Dokumenten nichts, was sich als umfassende und kohärente rechte Ideologie bezeichnen ließe. Bezugnahmen auf politische Parteien, Autoren oder Ideengeber des rechten Spektrums fehlen vollständig, auf die deutsche Migrationspolitik wird kaum eingegangen. Auch die weiterführenden Links auf seiner Homepage verweisen nicht auf dezidiert politische Inhalte, sondern vielmehr auf Videos und andere Websites aus dem wahnhaft-verschwörungstheoretischen Spektrum, die um Themen wie Telepathie, Fernsicht, Gedankenkontrolle, Energieheilung und Entführung durch Außerirdische kreisen. In einem Video von sich selbst, das R. am 14. Februar 2020 auf Youtube hochgeladen hatte, richtet er sich schließlich an die Bürger Amerikas, die endlich aufwachen und Widerstand leisten müssten gegen die Geheimgesellschaften, die ihre Gedanken steuern und die in unterirdischen Militärbasen den Teufel anbeten und Kinder foltern und töten.

 

Freitag, 21. Februar 2020, Deutschlandfunk, über Äußerungen des ehemaligen Angehörigen der Antifa und gegenwärtigen Generalsekretärs der SPD, Lars Klingbeil, keine 24 Stunden nach dem Attentat in Hanau:

SPD-Generalsekretär Klingbeil hat vor dem Hintergrund des Anschlags erneut gefordert, die AfD vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. … Es habe einer geschossen, aber es seien viele gewesen, die ihn munitioniert hätten. Und die AfD gehöre dazu.

 

Samstag, 22. Februar 2020, Deutschlandfunk:

Nach Hanau: Auch Grünen-Chef Habeck für Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz

 

Samstag, 22. Februar 2020, Deutschlandfunk:

Politiker nach Hanau: „AfD-Funktionäre haben im öffentlichen Dienst nichts zu suchen“

 

Sonntag, 23. Februar 2020, WELT AM SONNTAG:

Weil der Hanauer Attentäter wahllos ihm unbekannte Menschen mit Migrationshintergrund ermordete und weil er in einem irren Manifest die Vernichtung ganzer Ethnien und Völker forderte, schien eine schlüssige Erklärungsformel gefunden zu sein: Der Mörder war ein Rassist, er gehörte zu jener Zone am rechtesten Rand, die in den organisierten oder den Individualterrorismus ausfranst. Dieser Erklärungsversuch hat paradoxerweise einen beruhigenden Effekt. Denn er scheint das Geschehen ‚erklären‘ und gesellschaftlich verorten zu können. Doch hilft dieses Bannen des Ereignisses wirklich weiter? War die Tat rassistisch oder Symptom einer paranoiden Psychose? Bei etlichen Amoktätern waren es psychische Erkrankungen. Nach allem, was bisher bekannt wurde, war der Hanauer Attentäter nie politisch aktiv, gehörte keiner politischen Organisation an. Er war ein Einzelner. Seine Verschwörungstheorie hat er sich ganz allein konstruiert, er brauchte keine AfD-Anregung dazu.

 

Dienstag, 31. März 2020, Deutschlandfunk:

BKA-Chef Münch stellt klar: „Anschlag von Hanau war rassistisch motiviert“

BKA-Präsident Münch hat klargestellt, dass seine Behörde den Anschlag von Hanau unverändert für rassistisch motiviert hält.

Das Bundeskriminalamt bewerte die Tat entsprechend, erklärte Münch per Twitter. Er wandte sich damit gegen Meldungen vom Wochenende über Erkenntnisse der Ermittler. Danach war der Täter nicht in erster Linie von einer rechtsextremistischen Gesinnung getrieben. Vielmehr habe er die Opfer ausgewählt, um möglichst große Aufmerksamkeit für seine Verschwörungstheorien über Geheimdienste zu erhalten. Rassismus sei nicht das Hauptmotiv gewesen, hieß es.

 

Dienstag, 16. Februar 2021, Deutschlandfunk:

Rassistischer Anschlag von Hanau: BKA warnt vor rechten Einzeltätern

Knapp ein Jahr nach dem rassistischen Anschlag in Hanau warnt das Bundeskriminalamt vor weiteren Taten. Der Präsident des BKA, Münch, sagte dem „Tagesspiegel“, die Polizei habe es zunehmend mit allein handelnden Tätern zu tun, die sich selbst radikalisiert hätten und irrational agierten. Der Bielefelder Konfliktforscher Zick hält die These des Einzeltäters dagegen für widerlegt.

Der rassistische Attentäter von Hanau sei gut im rechtsextremistischen Milieu vernetzt gewesen und habe sich dort radikalisiert, sagte Zick der Nachrichtenagentur epd.
Am 19. Februar vergangenen Jahres hatte ein Mann neun Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in der hessischen Stadt erschossen. Anschließend tötete er seine Mutter und sich. Die Bundesanwaltschaft attestierte dem Täter eine zutiefst rassistische Gesinnung.

 

Mittwoch, 17. Februar 2021, Deutschlandfunk:

Anschlag von Hanau: Mehr Einsatz gegen rechte Gewalt gefordert

Integrationsstaatsministerin Widmann-Mauz fordert zum ersten Jahrestag des Anschlags von Hanau mehr Einsatz im Kampf gegen rechte Gewalt in Deutschland. Die CDU-Politikerin sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die rassistischen Morde von Hanau verpflichteten uns alle, mehr zu tun. Jeder einzelne sei gefragt, klare Haltung zu zeigen und die Stimme gegen Hass und Gewalt zu erheben.

 

Freitag, 19. Februar 2021, NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG:

Der Todesschütze war psychisch krank. Er litt an einer paranoiden Schizophrenie, die diagnostiziert war, aber nicht behandelt wurde. Gegen Fremdenhass wenden sich viele Appelle – völlig zu Recht. Gibt es vergleichbare Initiativen, um Wahnzustände und Aggressionen besser zu erforschen? Um geistige und seelische Krankheiten zu erkennen, zu entstigmatisieren und zu therapieren?

 

Freitag, 19. Februar 2021, TAGESSPIEGEL:

Man ist in Deutschland relativ schnell bereit, zu nicken, wenn von strukturellem Rassismus die Rede ist, fast, als nehme man die Diagnose der Einfachheit halber an.

 

Samstag, 20. Februar 2021, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG:

Der Mörder von Hanau war, nach allem, was man bisher weiß, ein Einzeltäter, der womöglich nicht schuldfähig war.

 

Samstag, 20. Februar 2021, WIESBADENER KURIER:

Es war im Vorfeld dieses 19. Februar viel die Rede vom Versagen des Staates. Zu viel. Es hat eine wahre Flut von Stellungnahmen von Verbänden und Parteien gegeben, die den Eindruck erweckten, Justiz und Polizei hätten Anteil an dem Attentat. Derartig schwerwiegende Vorwürfe mögen als gefühlte Wahrheit jener, die in der Nacht des Terrors Kinder und Geschwister verloren haben, noch halbwegs verständlich sein. Schwer erträglich sind sie, wenn sie vorgetragen werden von angeblichen Kronzeugen, die selbst auf Kriegsfuß mit Recht und Gesetz stehen.

 

 

‚Wahrheit‘ definieren wir mit Aristoteles als die Eigenschaft einer Aussage, die sagt, was ist. ‚Gewißheit‘, ‚Sicherheit‘, ‚Evidenz‘ bezeichnen psychische Zustände, in denen es einem Menschen mehr oder weniger unmöglich ist, eine bestimmte Überzeugung sinnvoll zu bezweifeln. Ganz offensichtlich haben diese beiden Eigenschaften (einmal einer Aussage, das andere Mal einer psychischen Befindlichkeit) kaum etwas miteinander zu tun. Entsprechend unterscheiden wir ‚Realität‘ als das von der Menge aller möglichen Aussagen Bezeichnete von ‚Wirklichkeit‘ als der Menge der individuellen oder kollektiven Überzeugungen, an denen ein Mensch, eine Gruppe oder eine Gesellschaft nicht sinnvoll zweifeln kann, ohne sich selbst radikal infrage zu stellen. Solches radikale Infragestellen wird über psychische und soziale Mechanismen zumeist sehr wirkungsvoll verhindert.

Rupert Lay Dialektik für Manager

 

Hohmskuling in Sachen Deutsch

 

13. Februar 2021: Bellarmin an Mephisto

 

Ja, so war das. Ende Oktober vergangenen Jahres sah man sich im Deutschlandfunk veranlaßt, endlich einmal Stellung zu nehmen zur Verwahrlosung unserer Muttersprache. Am Beispiel des Unwortes „Lockdaun“. Das war um so bemerkenswerter, als es zeigte, daß es doch eine beträchtliche Anzahl Menschen gibt, die sich zur Wehr setzen gegen die beständige Vergewaltigung unserer Sprache durch bundesdeutsche Journalisten und Politiker.

„Lockdown“, der Begriff ist derzeit allgegenwärtig – und er wird streng genommen meist falsch benutzt. Soviel steht fest. Dennoch kommt er weiter in unseren Nachrichten vor. Und das hat seine Gründe.

Uns wird entgegengehalten, dass es sich nicht nur um einen unnötigen Anglizismus handle. Der Begriff werde überdies nicht treffend verwendet.

Wir haben dann aber nach und nach zur Kenntnis genommen, dass der Sprachgebrauch auch in diesem Fall mächtiger ist als das Wörterbuch. Fast alle sprechen vom „Lockdown“, nachdem es im Frühjahr noch eher um den „Shutdown“ ging, und wichtiger noch: Fast alle verstehen, was gemeint ist und was nicht.

Deshalb übernehmen wir bis auf Weiteres den „Lockdown“, sofern wir nicht Gelegenheit haben, die einzelnen konkreten Einschränkungen zu benennen. Das ist präziser und daher vorzuziehen. Es ist aber eben oft auch zu lang – und zudem in ermüdender Weise wiederholend, wenn der Kontext eh als bekannt vorausgesetzt werden kann.

Mit dieser Einschätzung stehen wir nicht alleine. Begriffe sind nicht statisch, ihre Bedeutungen verändern sich. Auch beim „Lockdown“ erkennt die Sprachwissenschaft bereits eine derartige Begriffsausweitung. Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache etwa wartet mit folgender Definition auf: „Zeitraum, in dem fast alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten auf politische Anordnung hin stillgelegt sind (zum Beispiel zum Infektionsschutz)“.

Es würde mich nicht wundern, wenn der Duden eines Tages nachzöge.

Sancta Simplicitas!

Ja, es wunderte mich bestimmt nicht, wenn der taube Duden eines Tages nachzöge. Wie gegenwärtig gerade wieder zum Beispiel beim Jendan. Obwohl das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache doch eine wahrlich passende Definition hingelegt hat für den ins Schwarze treffenden Begriff „Stillstand“: „Zeitraum, in dem fast alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten auf politische Anordnung hin stillgelegt sind (zum Beispiel zum Infektionsschutz)“.

Und der Deutschlandfunk argumentiert hier ähnlich wie der taube Duden, gegen den Sprachgebrauch könne man gar nichts machen.

Doch man kann! Wie wir zum Beispiel lernen können bei unseren französischen Nachbarn. Und stammen denn konformistische Bildungen wie „Bürger*innenmeister*in“ oder „Bauern*innenfrühstück“ tatsächlich aus dem Sprachgebrauch? Oder doch eher aus einer weltfremden Kanzleisprache von Verwaltungsvorschriften? Und aus den „Innen“-Verrenkungen politischer OpportunistInnen? Statt aus dem Maule gewöhnlichen Volkes, das es ja auch noch gibt in beträchtlichem Ausmaß?

Dem man gleichzeitig und völlig unverdrossen gegen die eigenen Argumente eine Benutzung bestimmter Wörter vorschreibt?

Oder verbietet?

Journalisten, Politiker, Lehrer und Geistliche verfügen über die Wortmacht in jeder Gesellschaft. Und deshalb kann man schon was machen. Ähnlich wie Clemenceau, der in seiner Rolle als einstiger Schriftleiter einer Zeitung ein Schild aufgehängt haben soll in seiner Redaktion: „Bevor sie einen Anglizismus hinschreiben, kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob er nötig ist!“

Was sagst Du? Das sei eine Feknju? Der Clemenceau habe Adjektive gemeint statt Anglizismen?

Da kannst Du gleich mal in den dritten Stock laufen!

Im Deutschland von heute fördert man ja geradezu mutwillig den Sprachverfall, und man kürt, wie blöde und völlig kritikfrei, einen „Anglizismus des Jahres“.

Hosianna! Hosianna!

Richtig, dieses Jahr, wahrscheinlich heimarbeitend im steuerlich abgesetzten Arbeitszimmer des Hohmoffis, dieses Jahr ist es der „Lockdaun“.

Ich will jetzt aber mal wieder einen Katt machen und lieber einen Inzeider wisselbloan lassen, der ein paar Hottspotts autet der Sprache, die, zusammen mit dem Griechischen sowohl von Hegel als auch von Heidegger für die überhaupt einzige philosophietaugliche Sprache gehalten wurde, die Sprache Luthers, Gryphius, Lessings, Goethes, Schillers, Hölderlins, Heines und Rilkes, die Sprache von Thomas Mann, Franz Kafka, Karl Kraus, Kurt Tucholsky, Mascha Kaléko, Else Lasker-Schüler, Erich Kästner und Paul Celan, die Sprache des einstigen Landes der Dichter und Denker:

 

Was sind die Vorzüge unserer Sprache? Beginnen wir mit dem Einfachsten: der deutsche Wortschatz scheint größer zu sein als der englische und der französische; genaue Zahlenangaben sind freilich nicht möglich, denn wer könnte verbindlich entscheiden, wieviel zusammengesetzte Wörter, Fremd- und Lehnwörter oder Fachausdrücke zu dem „Wortschatz“ eines Volkes gerechnet werden sollen. Um diesem Satz durch einige beliebig gegriffene Beispiele Farbe zu geben: dem Französischen fehlen alle Ausdrücke der Bewegung: gehen, fahren, reiten, fliegen, segeln, steigen, sinken werden sämtlich mit dem einen Wort aller wiedergegeben; es fehlen im Französischen auch stehen, sitzen und liegen. Überhaupt versucht der Franzose mit den drei Zeitwörtern faire, mettre, und prendre einige Dutzend deutscher Begriffe zu ersetzen. Ähnlich verwendet der Engländer to get an Stelle von hundert verschiedenen deutschen Ausdrücken. Der Reichtum der Deutschen beruht zum großen Teil darauf, durch Vor- und Nachsilben und durch Zusammensetzungen neue Wörter zu schaffen. Der Deutsche bildet etwa zu dem Wort fallen Dutzende von Ableitungen: hinfallen, abfallen, ausfallen, zusammenfallen, verfallen, herunterfallen, niederfallen, einfallen; der Franzose hat für alle nur das eine Wort tomber. Welchen Reichtum an Zeitwörtern, der wichtigsten aller Wortarten, verschaffen wir uns auf diesem Wege! Welche Sprache kann so bequem wie die deutsche alles sagen und versagen, ansagen und aussagen, vorsagen und nachsagen, aufsagen und untersagen? Wer kann so leicht wie wir sich sattessen und kranklachen, gesundbeten und totschwitzen? Mühelos verschmilzt die deutsche Sprache Hauptwort und Zeitwort und Beiwort und bildet mit allen Abschattierungen hoffnungsvoll, hoffnungslos, hoffnungsreich, hoffnungsarm? Für das Wort Liebe nennt das Grimmsche Wörterbuch mehrere hundert Zusammensetzungen. Der Reichtum an Vor- und Nachsilben erlaubt es der deutschen Sprache noch heute, neue Wörter aus eigenen Wortstämmen zu prägen; das Englische und das Französische sind schon lange unfruchtbar und können neue Begriffe nur bezeichnen, indem sie griechische und lateinische Brocken ausleihen. Der Baum der deutschen Sprache steht noch im grünenden, saftigen Wachstum, während bei den anderen die äußersten Äste schon zu verdorren beginnen.

Das Französische hat im 17. Jahrhundert eine Hungerkur durchmachen müssen: um eines möglichst reinen Stiles willen warf man alles über Bord, was veraltet oder unklar oder undefinierbar erschien; alles Mundartliche, Niedrige, Bourgeoismäßige, alle Sonderausdrücke der Soldaten, Handwerker, Gelehrten und Arbeiter. Der Mensch sollte, von allen Abhängigkeiten seines Stammes und Standes befreit, als abstrakte personnage eine allgemeine Sprache reden: klar wie destilliertes Wasser und gemeinverständlich wie das Einmaleins. Welche Sprachverarmung von Montaigne bis Voltaire! Wie ein Klavier, dem die unteren und die oberen Oktaven fehlen, und das auch in den Mittellagen keine schwarzen Tasten hat. (Hofmiller)

Aber der Reichtum an Wörtern ist nicht der wichtigste Reichtum unserer Sprache. Die entscheidenden Sprachfragen liegen jenseits der Statistik. Mag das Französische oder das Englische keine 50 000 Wörter haben: Shakespeare ist mit 20 000 ausgekommen, Homer mit 9000 und das Neue Testament mit 5000. Wenn der Franzose auch nicht Ruhmestag zu bilden vermag, so schlägt sein Herz bei le jour de gloire nicht minder hoch. Die wesentlichen Unterschiede liegen tiefer.

Die deutsche Sprache beruht durchgängig auf deutschen Wurzeln, die französische dagegen auf lateinischen, und auch die Engländer haben eine Fülle französischer Wurzeln in ihre Sprache aufgenommen, als 1066 die französisch sprechenden Normannen das Land eroberten und die Angelsachsen unterwarfen. Diese Mischung germanischer und romanischer Wurzeln hat das Englische auch besonders anfällig gemacht für den Einfall immer neuer Fremdwörter. … Die englische Bibelübersetzung enthält zu 97 vom Hundert angelsächsische Wörter, Shakespeare noch zu 85, Gibbon zu 50, aber bei den modernen Schriftstellern geraten die angelsächsischen Wörter meist in die Minderheit. Besonders für Begriffe des geistigen und seelischen Lebens haben sich normannische Wörter durchgesetzt; die Normannen bildeten die geistig führende Oberschicht. Nun haben Wörter aus fremder Wurzel keinen bildlichen Gehalt für den, der sie heute spricht. Sie sind ihm ein leerer Schall, dessen Laut ihn an nichts Bekanntes erinnert. Der Deutsche hört bei Grundsatz den Anklang an Grund und Boden, der Engländer und Franzose spürt in principe oder principle nichts von dem lateinischen Wort primus, mit dem sie verwandt sind. Fichte folgert kühn: die Engländer und Franzosen hätten eigentlich gar keine Muttersprache; es seien tote Sprachen, und nur bei Völkern mit lebenden Sprachen greife die Geistesbildung ins Leben ein, nur sie hätten Fleiß, Ernst und Gemüt!

Aber man darf auch dies Argument nicht überanstrengen. Gewiß, in Begriff und Erfahrung könnte der Deutsche noch die anschaulichen Wurzeln be-greifen und er-fahren heraushören, aber tut er dies wirklich? Hat der Engländer wirklich bei dem angelsächsischen sorrow eine so ganz andere Empfindung als bei dem normannischen grief, bei remember eine andere als bei remind?

Wir wollen uns damit begnügen, uns der Erdhaftigkeit der deutschen Sprache zu freuen; Vischer hat gesagt, das Französische sei wie Likör und Biskuit, das Italienische wie Rotwein und Orangen, das Holländische ganz Hering, das Deutsche dagegen sei wie gutes Roggenbrot und Bier. –

Ein bedeutsamerer Vorzug des Deutschen ist die Freiheit der Wortstellung. Die Ausdrucksfähigkeit einer Sprache hängt nicht nur von dem Wortschatz ab, sondern nicht minder von der Art der Wortfolge. Wir können in dem Satz Vater hat mir gestern den Apfel geschenkt die Wörter auf fünf verschiedene Arten stellen und so mit denselben Wörtern fünf verschiedene Gedanken ausdrücken.

Ohne Umschreibung können die meisten lebenden Sprachen das nicht wiedergeben. Das Englische und das Französische können sich diese Freiheit der Wortumstellung nicht gestatten, weil sie den Werfall und den Wenfall nicht unterscheiden; le père aime le fils kann man nicht einfach umstellen, denn wenn man den Sohn voranstellt, so ist er es, der liebt. Dieser Freiheit der Wortstellung verdanken wir eine erstaunliche Schattierung des Ausdrucks.

Die deutsche Sprache benötigt die starren Regeln der französischen Wortstellung auch deshalb nicht, weil sie das Verständnis durch andere Mittel erleichtert: durch die Eigenart ihrer Betonung. Der Ton liegt im Deutschen stets auf der entscheidenden Silbe des Wortes, der Stammsilbe; die Logik geht allen Klangerwägungen voraus. Kein Grieche und kein Lateiner hätte gewagt, mehrsilbige Wörter wie διϰαιοσύνη oder cupiditatibus auf der Stammsilbe zu betonen. Der Franzose vollends betont stets die oft unwichtige Endsilbe, die in zahlreichen Worten gleichlautet und verleiht dadurch seiner Prosa etwas spechtartig Trommelndes und seiner Poesie eine Fülle von Reimen, aber von banalen Reimen, gleich als wenn wir auf -heiten, -keiten und -ungen reimen würden.

Dies sind also die handgreiflichen Vorzüge der deutschen Sprache: Wortreichtum, Wurzelhaftigkeit, freie Wortstellung, Logik der Betonung. Hebbel hat einige dieser Vorzüge in einem Gedicht zusammengestellt:

 

Schön erscheint sie mir nicht, die deutsche Sprache, und schön ist

 auch die französische nicht, nur die italienische klingt.

Aber ich finde sie reich, wie irgend eine der Völker,

 finde den köstlichsten Schatz treffender Wörter gehäuft,

finde unendliche Freiheit, sie so und anders zu stellen,

 bis der Gedanke die Form, bis er die Färbung erlangt,

bis er sich leicht verwebt mit fremden Gedanken und dennoch

 das Gepräge des Ichs, dem er entsprang, nicht verliert.

Denn der Genius, welcher im Ganzen und Großen hier waltet,

 fesselt den schaffenden Geist nicht durch ein strenges Gesetz,

überläßt ihn sich selbst, vergönnt ihm die freiste Bewegung

 und bewahrt sich dadurch ewig lebendigen Reiz.

 

Diese Freiheit ist das wahre Geheimnis unserer Sprache.

 

 

Ludwig Reiners Stilkunst

 

Ein nützlicher Idiot Putins über Mord, Lüge und Heimtücke

 

6. Februar 2021: Serapion an Mephisto

 

Der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck, hat wieder eines seiner von mir gefürchteten Interviews gegeben. Vor drei Tagen. Im Deutschlandfunk. Über das Verhältnis des Westens zu Rußland. Wobei ich diesmal allerdings wahrnehmen konnte, Wladimir Wladimirowitsch Putin muß es inzwischen derart schlimm treiben, daß er es sogar seinem zweitbesten Esel im deutschen Stall notorischster Gesundbeter russischer Monstrositäten schwer zu machen beginnt. Was aber natürlich nichts an ihrer mich immer wieder verwundernden Grundhaltung ändert.

Matthias Platzeck war, wie Du Dich wahrscheinlich erinnerst, über zehn Jahre Ministerpräsident in Brandenburg, von Ende 2005 bis zum Frühjahr 2006 SPD-Vorsitzender, und er ist seit 2014 Vorsitzender des famosen Deutsch-Russischen Forums.

Übrigens, in der famosen „Deutschen Demokratischen Republik“ durfte man Russen nicht beim Namen nennen. Es hieß „Sowjetmenschen“. Es gäbe ungeheuer viel dazu zu erzählen, interessante, aufschluß- und eigentlich lehrreiche Geschichten für denkende Menschen. Doch will ich jetzt nur sagen: Du kannst mich schlagen, aber nach allem was ich jemals erfahren habe in unserem Universum, ich glaube, Matthias Platzeck gehörte zu den „Sowjetmensch“-Sagern. Das verbaute auch nicht unbedingt die Karriere. Ich vermute ebenfalls stark, daß er genauso Mitglied der russischen Propaganda-Organisation „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ war, wie er heute vorsitzendes Mitglied der russischen Propaganda-Organisation Deutsch-Russisches Forum ist, und mir und jedem sofort erklären würde, daß Völkerfreundschaft doch eine wunderbare und friedensfördernde Angelegenheit sei. Ich stelle mir ein typisches Gespräch mit ihm oder seinesgleichen zur damaligen Zeit vor, was ihn betrifft fiktiv also, aber auf jahrelanger Erfahrung gründend, und höre förmlich die Rechtfertigung für etwa das Fehlen einer deutsch-französischen Freundschaftsgesellschaft in dem friedliebenden Mauerstaat: Schließlich habe das „Sowjetvolk“ ja besonders im Zweiten Weltkrieg, Pardon, schließlich habe das „Sowjetvolk“ ja besonders während des „Großen Vaterländischen Krieges“ gelitten und habe die meisten Opfer gebracht. Und Frankreich, die USA und Großbritannien und Italien, das seien doch alles NATO-Länder usw. usf.

Ich glaube, zu „DDR“-Zeiten hätte Matthias Platzeck nicht zu meinem Freundeskreis gezählt, wenngleich er vermutlich wohl noch zu den vernünftigeren Strebern gehörte. Zu denen, die sich nicht ohne Erfolg anstrengten, nie etwas Falsches oder sogar Widriges zu verlautbaren und demzufolge ihre Weltsicht mit der staatlich vorgegebenen harmonisierend rationalisierten und verinnerlichten. Die dialektische Denkschule des deutschen demokratischen Sozialismus kann bei intelligenten Menschen, die sich aus diesem Blickwinkel jahrzehntelang die Chronik der laufenden Ereignisse zurechtlegten und erklärten und verklärten, kaum ohne Ablagerungen geblieben sein im Rückenmark. In jenem Sinn scheint er mir tatsächlich ein „gelernter DDR-Bürger“ zu sein.

Und in seinen Augen wäre dies wohl etwas Gutes.

Und nicht etwas Geschädigtes, nicht etwas Blickwinkel- und Denkschablonenzementierendes. So wie ich es aus seinen Interviews immer wieder heraushöre oder lese.

Ich weiß, daß Matthias Platzeck nicht in der ruhmredigen „Sowjetunion“ studiert hat, ebensowenig wie Gerhard Schröder. Ich weiß nur, daß er in der „DDR“ eine Erweiterte Spezial-Oberschule besuchte. Und daß mir regelmäßig jene verzückten Auslandsabsolventen nach ihrer Rückkehr in die „DDR“ von ihrem Studium in der ruhmredigen „Sowjetunion“ in den Sinn kommen, wenn ich ein Interview mit ihm höre oder sehe oder lese. Ansonsten war und ist Matthias Platzeck in meinen Augen ein banaler „gelernter DDR-Bürger“. Jemand, der das deutsche demokratische Denken verinnerlichte und also die „Deutsche Demokratische Republik“ wahrhaft nie begriffen hat. Er gehörte wohl zu denjenigen, die 1989 am liebsten die „DDR“ verbessert hätten und der nun verärgert war über den Fall des antifaschistischen Schutzwalls. Der „Wende“ sagt statt „Ende“. Der demzufolge tatsächlich die Wiedervereinigung als „Anschluß“ bezeichnete, analog Österreichs sogenanntem Anschluß an Hitlerdeutschland.

Wie ein Wort manchmal die komplette Denkweise eines Menschen offenbart!

Platzeck ist einer, der in seiner Welt- und Geschichtskenntnis offensichtlich von der Geschichte überrannt wurde. Ebensowenig versteht er den typisch russischen Chauvinismus des typisch russischen Imperialisten Wladimir Wladimirowitsch Putin. Nach allem was ich weiß, würde Lenin ihn zu seinen „nützlichen Idioten“ zählen, die im Westen tatsachenunbeirrt auch noch die abstrusesten russischen Sichtweisen „verstehen“, verteidigen und eben befördern. Im Hinblick auf gewisse Intellektuelle hat Einstein einmal den Begriff „großhirnamputiert“ geprägt.
Also das Interview. Um Dich nicht zu sehr zu quälen heute nur schlaglichtartig das Wesentliche:

Sandra Schulz: Steigen wir ein mit dem Blick auf das Urteil von gestern. Dreieinhalb Jahre Haft in einem Straflager, abzüglich dieses Hausarrests, den Nawalny schon abgesessen hat. Ist das eine gerechte Strafe?

Matthias Platzeck: Ich kann das juristisch nicht beurteilen. …

Schulz: …. Ich wundere mich darüber, dass Sie sagen, Sie können das juristisch nicht beurteilen. Wir wissen, dass Nawalny verurteilt wurde, weil er gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll in einem Zeitraum, in dem er sich in Deutschland erholt hat von einem Giftgas-Anschlag.

Platzeck: Frau Schulz, die Behauptungen der Russen sind, dass er schon vorher, bevor er diesem Giftgas-Anschlag ausgesetzt war, gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat. …

Schulz: … Aber einen Moment möchte ich jetzt noch bleiben beim Urteil gegen Nawalny. Die Bewährungsstrafe, die ausgesetzt wurde, die drehte sich um ein Urteil aus dem Jahr 2017, das der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ebenfalls als Unrecht deklariert hat.

Schulz: Muss Alexej Nawalny freigelassen werden?

Platzeck: Das ist für mich überhaupt keine Frage!

Schulz: Okay. War jetzt mal interessant zu hören.

Schulz: Aber die Hand ist im Moment ja nord-stream-technisch ausgestreckt, Herr Platzeck. Sie sagen, Europa ist da nicht klar. Dass Europa nicht klar ist, liegt natürlich auch daran, dass Europa zerstritten ist, dass die Bundesregierung da diesen Alleingang hinlegt. Gäbe es jetzt dieses Bekenntnis aus Berlin, ja, für uns ist das Maß jetzt auch voll, Nord Stream zwei kann jetzt nicht weitergehen, in dem Moment würde Europa ja an einem Strang ziehen.

Platzeck: Ich glaube, dass das falsch wäre. Ich habe es eben schon mal gesagt. Ich halte eine Verschärfung von Sanktionen, wie Sanktionen überhaupt, nicht für zielführend. Wir kommen mit Russland immer dann mühsam, überhaupt keine Frage. Wir müssen hier in Dimensionen und Zeithorizonten von 10, 20, 30 Jahren denken. Da geht nichts schnell. Aber wo wir mit Russland vorankommen ist dann, wenn wir auf Augenhöhe Gesprächskontakte halten, wenn wir uns mühen. …

Es bleibt eine richtige Formel, davon lasse ich mich nicht abbringen, die damals Willy Brandt geboren hat: Wandel durch Annäherung. Nur das wird langfristig uns dazu führen, dass in Russland einigermaßen vernünftige Verhältnisse entstehen und dass das Verhältnis zwischen Russland und dem Rest der Welt, insbesondere uns Europäern sich Stück für Stück bessert. …

Ja, so geht das schon seit Jahrzehnten bei dem Mann, der in Zeithorizonten denkt von 10, 20, 30 Jahren.

Im Gegensatz inzwischen sogar zu seinem Parteigenossen Heiko Maas, der, wiederum im Gegensatz zu seiner früheren Erscheinung als Justizminister in der Position als Außenminister eine bella figura abgegeben hat, auch gegenüber Rußland.

Mittlerweile in einem Zeithorizont seit Jahren schon allein dadurch, daß er einfach sagte, was ist.

Im Bezug zu Rußland zum Beispiel vor drei Jahren (DER SPIEGEL 16/2018):

Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs wurden mitten in Europa geächtete chemische Waffen eingesetzt, Cyberangriffe scheinen zu einem Bestandteil russischer Außenpolitik zu werden, in einem so schwerwiegenden Konflikt wie in Syrien blockiert Russland den Uno-Sicherheitsrat – das alles trägt nicht zur Vertrauensbildung bei.

Oder:

Ich glaube zumindest nicht, dass irgendetwas besser wird, wenn wir den Eindruck erwecken, dass wir die schwierigen Entwicklungen einfach stillschweigend akzeptieren. Je komplizierter das Verhältnis, eine desto klarere Sprache brauchen wir.

Oder:

Es gibt klare Vereinbarungen, die vorsehen, dass Sanktionen erst abgebaut werden, wenn Russland seine Verpflichtungen erfüllt. Pacta sunt servanda, daran sollten wir uns halten.

Doch diese im Vergleich zu Platzeck und zu seinen Amtsvorgängern realistischere Position gegenüber Rußland wurde, und dies von der Berichterstattung deutscher Medien ausnahmslos wie blöde kolportiert als „harte Haltung gegenüber Rußland“, permanent als „hart“ apostrophiert von seinen sozialdemokratischen Parteigenossen. Der rappelköpfige Unmut dieser Leute steigerte sich dermaßen, daß der Heiko Maas in der letzten Maiwoche anno 2018 extra zu einer Sondersitzung vor ein Parteigremium einbestellt wurde.

Um ihn zurückzupfeifen!

Und die deutsche Außenpolitik in eine geistig eingeengte, also sozialdemokratisch genehme, zu verwandeln.

Ein eigentlich doch ungeheuerlicher Vorgang!

Dessen Dimension wieder einmal von deutschen Medien nicht im mindesten erfaßt wurde!

Soweit durchdrang, soll auf jener Parteiveranstaltung zur sozialdemokratischen Festlegung der deutschen Außenpolitik die seinerzeitige SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles sogar von „deutsch-russischer Freundschaft“ gefaselt haben.

Das hätte ohne weiteres auch aus der Linkspartei kommen können.

Von ihrem Parteigenossen Gregor Gysi einst mit dem Spitznamen Klara Klarsicht belegt aus irgend einem Grund, machte sich die in den Medien stets überpräsente Sahra Wagenknecht derweil schon munter stark für einen europäischen Zusammenschluß mit Rußland.

Für eine Einheitsfront.

Gegen die USA.

Bislang knüpft die EU die Aufhebung der Sanktionen jedenfalls an eine vollständige Erfüllung der Minsker Vereinbarungen, die ein Ende der Gefechte und den Abzug schwerer Waffen von der Front in der Ostukraine vorsehen.

Zum Glück, soweit ich es mitbekam, stimmte Heiko Maas auch nach der Sondersitzung nicht ein in seiner Genossen Geseier vom Abbau der Sanktionen. Oder in das Geseier von der Dialogsuche mit Moskau.

Als hätte jemals jemand gefordert, nicht mehr mit den Russen zu reden!

Im Gegenteil!

Doch zu einem konstruktiven Dialog gehören immer zwei:

Wir müssen uns in der Russlandpolitik an den Realitäten orientieren. Russland hat sich selbst immer mehr in Abgrenzung und teilweise Gegnerschaft zum Westen definiert. Russland agiert leider zunehmend feindselig: der Giftgasanschlag in Salisbury, die Rolle in Syrien und der Ostukraine, Hackerangriffe, auch auf das Auswärtige Amt. Dennoch: Ich habe bei allem, was wir in den letzten Wochen getan haben, auch immer darauf hingewiesen, dass wir mit Russland im Dialog bleiben müssen. Wir brauchen Russland, nicht nur wenn wir den Syrienkonflikt lösen wollen.
Ich muss aber zur Kenntnis nehmen, dass die meisten unserer Partner mittlerweile einen sehr kritischen Blick auf Russland haben und zum Teil die Möglichkeit eines Dialogs bezweifeln. In der Vergangenheit waren sie zum Teil bereit, sich von Deutschland mitnehmen zu lassen, heute fragen sie: Was hat das gebracht?

(Originalton Heiko Maas, im erwähnten SPIEGEL)

Was realistisch klang im Gegensatz zu seinen Genossen, wenn man einmal von der deutschen Illusion, den Syrien„konflikt“ und all die analogen russischen Aggressionen in Zusammenarbeit mit dem Aggressor, womöglich sogar durch gutes Zureden, lösen zu können, absieht.

Daß die „meisten unserer Partner mittlerweile einen“ realistischeren Blick auf Russland gewonnen hatten als ihre deutschen Kollegen Steinmeier (SPD) und Gabriel (SPD) und deren Parteigenossen, war allerdings etwas beruhigend im Hinblick auf die künftige deutsche Außenpolitik.

Zur Sicherheit.

Denn noch bis heute hört man aus der SPD, man solle nun endlich zurückkehren zur brandtschen Ostpolitik! Das klang auch an in dem SPIEGEL-Interview 2018:

SPIEGEL: Die SPD hat eine lange Tradition des Dialogs mit Russland. Was ist für Sie die Lehre der Ostpolitik Willy Brandts?
Maas: Zur Ostpolitik gehört für mich nicht nur Russland, dazu gehören auch die osteuropäischen Staaten. Um die müssen wir uns mehr kümmern, als das manchmal in der Vergangenheit der Fall war.

Dem drängt es mich hinzuzufügen:

Das Verhältnis zu Rußland kann heute nicht gestaltet werden mit Mitteln der neuen Ostpolitik à la Willy Brandt und Egon Bahr, ihrer einstmaligen und heute leider schon wieder unterschätzten Genialität zum Trotze. Ein Grund ist die Verkennung des Interessenwandels der russischen Seite von damals zu heute.

Damals ging es der russischen Seite um die Sanktionierung der Grenzen ihres illegitimen Imperiums durch den Westen. Ihres sowjetisch genannten, also russischen, also menschenverachtenden Imperiums, das sie sich nicht zuletzt vermittels ihrer typischen, also verlogenen Doppelzüngigkeit auf der Konferenz in Jalta zusammengeraubt hatte. Erinnert sei nur an die Zusage der Abhaltung freier Wahlen auf der Grundlage des allgemeinen und geheimen Wahlrechts in allen vom Faschismus befreiten Ländern („Erklärung über das befreite Europa”).

Beispielsweise in Polen.

Kurt Schumacher (1895 – 1952), nach neun Jahren, neun Monaten und neun Tagen Haft in nationalsozialistischen Konzentationslagern im Nachkriegsdeutschland SPD-Parteivorsitzender, am 1. November 1947 in Berlin:

Der Kommunismus ist ja heute das Prinzip des Expansionsdranges eines Nationalstaats.“

Damals hing das Interesse der „Sowjetunion“, also Rußlands, an einer Anerkennung der europäischen Nachkriegsordnung, insbesondere einer Sanktionierung der bestehenden Grenzziehung, also an der diplomatischen Absicherung ihrer Einflußsphäre. Übrigens inklusive einer Anerkennung des in mehrfacher Hinsicht doch eigentlich symptomatischen Hitler/Stalin-Paktes im Hinblick auf die russische Besetzung der baltischen Staaten!

Die sie vermittels der neuen Ostpolitik und der KSZE im Gefolge erhielt.

Heute handelt das russische Interesse jedoch von Veränderung bestehender Grenzen und von Beschneidung nachbarstaatlicher Souveränität. Es geht nicht um Bestätigung, sondern um Veränderung des Status quo.

Bei dem sogenannten Konflikt in der Ostukraine beispielsweise handelt es sich doch nicht um einen ukrainischen Bürgerkrieg mit Separatisten!

Sondern um eine kriegerische Aggression.

Die ohne Söldner, Waffen und Material aus Rußland augenblicklich ihr Ende fände.

Wie spdämlich verkleistert muß man eigentlich sein im Hirn, um das nicht endlich zu erkennen?

Und zu benennen!

Weiterhin geht die Fehleinschätzung immer noch aus von der illusorischen Sehnsucht nach einer Partnerschaft zwischen dem Westen und Rußland.

Man verkennt in gefährlicher Weise die Gegnerschaft!

So wird man Protagonist lobbyistisch untergrabender Propaganda und macht sich im leninschen Sinn zum nützlichen Idioten des russischen Chauvinismus. Folglich gibt man sich immer noch Illusionen hin bezüglich putinscher Absichten und glaubt, den Auftraggeber von Auftragsmorden beschwichtigen zu können wie einst Hitler mit dem Münchener Abkommen.

Für den „Konflikt“ gäbe es keine militärische Lösung, lautete geschichtsvergessen das gravitätisch dahergeschwätzte Mantra steinmeiernder Außenpolitik.

Nach dem Sieg der Alliierten über Hitlerdeutschland!

Ein Mantra, dessen Verabsolutierung jeglicher Aggression die Landesgrenzen öffnen würde und ihr zum Durchmarsch verhülfe.

Wie Hitler das Münchener Abkommen.

Wie Vergangenheit und Gegenwart aber lehren, gibt es auch „Konflikte“, also Aggressionen, die allen Hoffens und Wünschens zum Trotz sich nicht friedlich lösen lassen.

Und inzwischen führte der lupenreine Demokrat im Kreml mehrfach vor, wie sich „Konflikte“ durchaus militärisch lösen lassen.

Apropos Steinmeier… Das ist derselbe Mann, um nur bei einigem bei dem vielen, was zu sagen wäre, zu bleiben, das ist also derselbe Mann, der angesichts der russischen Aggressionen, beispielsweise die in der Ostukraine, mit all seinen Anstrengungen und Bemühungen zur Erlangung des Friedensnobelpreises bei jeder einzelnen vorhersagbar scheiterte. Der jedesmal, also bei weitem nicht nur in Genf und Minsk, an der Fehleinschätzung der durchaus üblichen und vorhersehbaren Verlogenheit der russischen Seite scheiterte! Der als nützlicher Idiot immer glaubte und mit Matthias Platzeck und seinen SPD-Epigonen noch immer glaubt, den „Konflikt“, also die Aggression, mit Mitteln der brandtschen Ostpolitik lösen zu können und bis heute den wesentlichen außenpolitischen Interessenunterschied nicht begriffen hat.

Der ehemalige deutsche Außenminister und heutige Bundespräsident, der Wladimir Wladimirowitsch ebensowenig durchschaute wie die jahrhundertalte Politik der chauvinistischen Russifizierung fremden Territoriums und unbekümmert den Abbau der Sanktionen fordert!

Gefährlicherweise.

Der sich von den Russen bedenkenlos den Begriff „Separatist“ aufdrängen ließ.

Für russische Träger russischer Waffen.

Während bei alldem Euer wackerer Steinmeier und seine Epigonen sich ratlos immer aufs neue fragten, was der gegenwärtige Herr aller Reußen denn nun ureigentlich wolle.

Und der, zeitweilig im 24-Stunden-Rhythmus, die NATO (!) und den Westen (!) warnte, tatsächlich, vor „lautem Säbelrasseln“ und, tatsächlich, vor „Kriegsgeheul“!

Und der dafür sehr gelobt wurde im Netz von Trollen, die nach Rubel stanken und nach Machorka.

Aber daß er den Auftraggeber, daß er den sogar im Ergebnis der denkwürdigen Londoner Untersuchung über den Plutonium-Mord gleichzeitig als „vermutlichen“ Auftraggeber von Auftragsmorden Bezeichneten ebenfalls eines mahnenden Wortes gewürdigt hätte, wenigstens einmal, einmal wenigstens nach der Okkupation der Krim – nichts davon.

Wenn ein erster Preis für die scheinintelligenteste Frage zu vergeben wäre in Deutschland, sollte man ihn der amüsanten Grübelei widmen, was der Auftraggeber denn wolle mit all seinen Machinationen.

Die Frage abendländischer Logiker.

Zweiter Preis: Ob er noch die Kontrolle ausübe über die „Separatisten“. Wobei das Adverb „noch“ jenes Fragesatzes als besonderes Juwel ins Auge sticht. Und zur Beruhigung: Er hat sie.

Und er hatte sie.

Selbst wenn die manchmal so tun, als schössen sie von alleine weiter.

Tja, was mag er wohl wollen, unser verkniffen lächelnder Wladimir Wladimirowitsch, der sich, treffsicher auf das geistige Niveau seiner zu mehr als 80 Prozent hinter ihm stehenden russischen Anhängerschaft zielend, gern, wie neulich gerade wieder, präsentiert mit heldisch freiem Oberkörper.

Wenn Ihr es nicht aus der russischen Geschichte herauszulesen wißt, den Wert russischer Bekundungen und Beteuerungen und russischer Zusagen solltet Ihr selbst bei Euch im rußlandfreundlichen Deutschland doch zwischenzeitlich etwas besser einzuschätzen gelernt haben.

Wenigstens das Kurzzeitgedächtnis anknipsen, bitte!

Wenn Du mir nun noch versprichst, es nicht weiter zu sagen, verrate ich Dir jetzt sogar die Antwort auf die Frage für den ersten Preis, ganz im Vertrauen. Tja, also der Wladimir, also was der will, das ist eigentlich ganz einfach:

Der Wladimir will russischen Frieden!

In welchem, wenigstens als dessen Vorstufe, transnistriesche Zustände verewigt werden.

Wie auch in Südossetien und Abchasien.

Wo Russen auf einem Fünftel georgischen Territoriums die geraubten Gebiete mit dem Ausbau von Grenzbefestigungen und mit provokativen Militärübungen absicherten und gegen jedes Völkerrecht den georgischen Luftraum drohend mit ihren Kampfjets durchpfiffen.

Wer spdämlich glaubt, das gegenwärtige russische Gebaren wäre lediglich eine Folge der obamaischen Einstufung Rußlands als Regionalmacht, und die russische Politik wäre ohne diese scharfsichtige Beobachtung auch nur um ein Jota anders verlaufen, der hat die russische-Erde-Gewinnungspolitik seit Iwan dem Schrecklichen nicht begriffen.

Und wird auch künftig und regelmäßig mindestens alle paar Jahre erstaunt und unsanft aus allen sozialdemokratischen Wolken fallen.

Im mildesten, wenngleich nicht im milden Fall.

Einer wirksamen Politik der Eindämmung des typisch russischen Hegemonialstrebens statt seiner illusorischen Beschwichtigung könnten vornehmlich drei Grundsätze als Basis dienen:

1) Rußland sind international keinerlei Sonderrollen und Sonderrechte und besondere Mitspracherechte mehr zuzubilligen!

Rußlands taktisches Bestreben ist beständig gerichtet auf die Beanspruchung von Sonderrollen und Sonderrechten gegenüber den Anrainerstaaten und global.

Beispiel:

Rußland gehörte niemals und gehört nicht wieder in die G7!

2) Rußland kämpft grundlegend auf jede mögliche Weise gegen den Westen, gegen seine Werte und seine Kultur.

Wie alle Indikatoren zeigen.

Es handelt sich schon um eine tolle Torheit, das zu verkennen!

Darum:

Rußland ist kein Partner!

Rußland ist Gegner!

Strategisch bedeutet dies beispielsweise, statt soviel wie möglich Wirtschaftsbeziehungen mit Rußland: So wenig wie nötig.

Alles andere gerät zum Übel.

Der von Wladimir Wladimirowitsch propagierte Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok geriete für den Westen zum Übel. Wer mit dem Teufel aus einem Napf frißt, muß einen langen Löffel haben.

3) Das Licht der Wahrheit und Öffentlichkeit scheut der Kreml wie der Teufel das Weihwasser. Das bedeutet: Gegenüber Rußland statt diplomatischer Kotaus stetig klare Ansage mit klaren Begriffen und deutliche und öffentliche Benennung von Fakten und Tatsachen.

Beispiel:

In Rußland herrscht ein faschistoides verbrecherisches Regime. Mit Mord, Lüge und Heimtücke.

Und wer das „lupenrein demokratisch“ nennt, der macht sich mitschuldig!

 

 

Dienstag, 26. Januar 2021, THE AUSTRALIAN aus Sydney:

Die Demonstration von Rückhalt für Nawalny quer durch Russland könnte ihm als eine Art politische Lebensversicherung dienen. … Joe Biden hat nach einem Treffen mit Putin im Jahr 2011 gesagt, er habe ihm in die Augen geschaut und keine Seele gesehen. Das ist ein guter Ausgangspunkt für ein weitaus entschiedeneres Handeln des Westens mit Blick auf Putins erschreckendem Umgang mit demokratischen Gegnern.