A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

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Nur Beharrung führt zum Ziel

 

20. Juli 2018: Serapion an Mephisto

 

 

Spruch des Konfuzius

 

Dreifach ist des Raumes Maß:

Rastlos fort ohn Unterlaß

Strebt die Länge, fort ins Weite

Endlos gießet sich die Breite,

Grundlos senkt die Tiefe sich.

 

Dir ein Bild sind sie gegeben:

Rastlos vorwärts mußt du streben,

Nie ermüdet stille stehn,

Willst du die Vollendung sehn;

Mußt ins Breite dich entfalten,

Soll sich dir die Welt gestalten;

In die Tiefe mußt du steigen,

Soll sich dir das Wesen zeigen.

Nur Beharrung führt zum Ziel,

Nur die Fülle führt zur Klarheit,

Und im Abgrund wohnt die Wahrheit.

 

 

Friedrich Schiller (1759 – 1805)

 

Es gilt die Schuldvermutung

 

22. Juni 2018: Bellarmin an Mephisto

 

Willkommen auf der Welten Oberfläche!

Hier gleitest du auf geradestem Asphalte,

Hier fühlst du Glätte ohne jede Spalte,

Hier blitzen Lichter auf verchromtem Bleche.

 

Man motiviert sich, daß man lächelnd spreche

Vom Marketing und manchem Sachverhalte,

Ob günstig sich das Börsentief gestalte,

Ob Zögern sich im zweiten Halbjahr räche.

 

Hier strotzt man schier vor Strategien und Plänen,

Hier tummelt man sich in Ertragsdomänen

Ganz ehrlich, clever, smart und unverdorben.

 

Hier nerven keine Menschen mit Migränen,

Hier siehst du niemals Trauer oder Tränen,

Hier stirbst du nicht, hier bist du längst gestorben.

 

Die Führungsspitzen! In den Riesenbetrieben, wie sollten die denn wissen, daß irgendwelche Mitarbeiter heimlich der Idee verfallen, heimliche Software heimlich in die Autos einzubauen?

Um die Aufsichtsbehörden hinters Licht zu führen!

Um ein bißchen zu schummeln.

Mit, wie die Medien es nennen in den Nachrichten, mit Schummelsoftware.

War doch nicht bös gemeint!

Kleine Trickserei.

Um den amerikanischen Markt zu erobern für Autos Made in Germany!

Warum jetzt also urplötzlich diese Ungeduld deutscher Justizorgane?

Kann denn unser Verkehrsminister da gar nichts mehr machen gegen?

Wie bisher?

Der Dobrindt oder der Scheuer oder wie die immer gerade heißen aus der CSU?

Oder der unverwüstliche Wissmann? Oder der Verheugen?

Wobei, unsere Autobauer haben doch sofort gesagt und betont in ihrer hochherrschaftlichen Arschruhe: Wir untersuchen jetzt erst einmal intern, wer das war!

Und haben gleich begonnen in ihrer hochherrschaftlichen Arschruhe!

Aber nein, das ist der Dank des Vaterlandes: Nun will man sogar Direktoren einsperren!

In Deutschland!!

Einen hat man schon im Loch, Audi mußte seinen ureigenen Chef jetzt beurlauben.

Urlaubsgrund: U-Haft wegen Verdunkelungsgefahr.

Urlaubslänge: unbekannt.

Urlaubsgeldhöhe: unbekannt.

Dabei hatten wir mal einen Autokanzler. Aber der hat die Branche gewechselt. Der läuft jetzt rum in Sachen Gas.

Unter dem wär das nicht passiert!

Das mit der Verhaftung!

Und die Einschläge rücken immer näher ran an den armen Winterkorn! Den seine eigenen Mitarbeiter so beschummelt haben mit heimlicher Schummelsoftware.

Der kann sich jetzt nicht mal mehr ins Ausland wagen mit einem Antrag auf Asyl!

Da wird der sofort verhaftet!

Gesucht mit internationalem Haftbefehl!

Als wär er ein Verbrecher!

Der ist ärger dran als dieser Putschdämon aus Barzellona!

Und die Aktionäre klagen!

Nein, nicht wegen Schummelsoftware in ihren Limousinen.

Die klagen wegen Täuschung.

Wegen ihrer Aktien.

Die trampeln wegen des vorhersehbaren Wertverlustes ihrer Anlagenpapiere. Sie seien betrogen worden durch zurückgehaltene Information.

Hätten deswegen nicht rechtzeitig umschichten können.

Die besitzen tatsächlich die Chuzpe, zu behaupten aus irgend einem Grund, Winterkorn und Kollegen hätten doch schon früher Bescheid gewußt oder überhaupt. Daß der Schwindel auffliegt in den USA.

Die sollten sich lieber ein Beispiel nehmen an unseren Autofahrern.

Die bleiben tapfer und bieder und gaaanz friedlich…

 

Dem ehernen Gesetz des Falles

gehorcht auf Erden alles.

(Alles!)

Erich Kästner (1899 – 1974)

 

Die süßen Spiele des Lebens

 

27. Mai 2018: Serapion an Mephisto

 

Die Muße

 

Sorglos schlummert die Brust und es ruhn die strengen Gedanken.

Auf die Wiese geh ich hinaus, wo das Gras aus der Wurzel

Frisch, wie die Quelle, mir keimt, wo die liebliche Lippe der Blume

Mir sich öffnet und stumm mit süßem Othem mich anhaucht,

Und an tausend Zweigen des Hains, wie an brennenden Kerzen

Mir das Flämmchen des Lebens glänzt, die rötliche Blüte,

Wo im sonnigen Quell die zufriednen Fische sich regen,

Wo die Schwalbe das Nest mit den törigen Jungen umflattert,

Und die Schmetterlinge sich freun und die Bienen, da wandl ich

Mitten in ihrer Lust; ich steh im friedlichen Felde

Wie ein liebender Ulmbaum da, und wie Reben und Trauben

Schlingen sich rund um mich die süßen Spiele des Lebens.

 

Oder schau ich hinauf zum Berge, der mit Gewölken

Sich die Scheitel umkränzt und die düstern Locken im Winde

Schüttelt, und wenn er mich trägt auf seiner kräftigen Schulter,

Wenn die leichtere Luft mir alle Sinne bezaubert

Und das unendliche Tal, wie eine farbige Wolke,

Unter mir liegt, da werd ich zum Adler, und ledig des Bodens

Wechselt mein Leben im All der Natur wie Nomaden den Wohnort.

Und nun führt mich der Pfad zurück ins Leben der Menschen,

Fernher dämmert die Stadt, wie eine eherne Rüstung

Gegen die Macht des Gewittergotts und der Menschen geschmiedet,

Majestätisch herauf, und ringsum ruhen die Dörfchen;

Und die Dächer umhüllt, vom Abendlichte gerötet,

Freundlich der häusliche Rauch; es ruhn die sorglich umzäunten

Gärten, es schlummert der Pflug auf den gesonderten Feldern.

 

Aber ins Mondlicht steigen herauf die zerbrochenen Säulen

Und die Tempeltore, die einst der Furchtbare traf, der geheime

Geist der Unruh, der in der Brust der Erd und der Menschen

Zürnet und gärt, der Unbezwungne, der alte Erobrer,

Der die Städte, wie Lämmer, zerreißt, der einst den Olympus

Stürmte, der in den Bergen sich regt, und Flammen herauswirft,

Der die Wälder entwurzelt und durch den Ozean hinfährt

Und die Schiffe zerschlägt und doch in der ewigen Ordnung

Niemals irre dich macht, auf der Tafel deiner Gesetze

Keine Silbe verwischt, der auch dein Sohn, o Natur, ist,

Mit dem Geiste der Ruh aus Einem Schoße geboren. –

 

Hab ich zu Hause dann, wo die Bäume das Fenster umsäuseln

Und die Luft mit dem Lichte mir spielt, von menschlichem Leben

Ein erzählendes Blatt zu gutem Ende gelesen:

Leben! Leben der Welt! du liegst wie ein heiliger Wald da,

Sprech ich dann, und es nehme die Axt, wer will, dich zu ebnen,

Glücklich wohn ich in dir.

 

 

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

 

 

Lebe im Verborgenen!

Epikur (um 341 – um 270 v. Chr.)

 

Ostergruß

 

Mein Schwesterchen du,

Nimm liebsamen Dank

Für die Briefe.

 

Lenzt auch bei euch es mit Macht,

Und swingt der Amseln Sang

Befreiend

Und freudenbeglückend wie hier?

 

Jubelvoll möchte ich

Die Menschen

Küssen, liebend umarmen alle Welt!

 

Doch um nichts zu zerstörn

Wie ein

Rhinozeros, bar

Des Nuancengefühls,

Schweige ich.

 

 

Das Edle zu erkennen, ist Gewinst,

Der nimmer uns entrissen werden kann.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

 

8. Dezember 2017 – Serapion an Mephisto

 

Anfrage mit Antwort

Quand je m’y suis mis quelquefois, à considérer les diverses agitations des hommes, et les périls et les peines où ils s’exposent, dans la cour, dans la guerre, d’où naissent tant de querelles, de passions, d’entreprises hardies et souvent mauvaises, j’ai découvert que tout le malheur des hommes vient d’une seule chose qui est de ne pas savoir en repos dans une chambre.

Blaise Pascal (1623 – 1662): Pensées

 

Warum geht es uns Menschen schlecht?

Was glitzert halten wir für echt!

Wir sind zu dumm zum Unterscheiden

Und wundern uns, wieso wir leiden.

 

Warum geht es uns Menschen schlecht?

Weil es sich immer wieder rächt,

Wie wir die Wahrheit drehen und drechseln

Und „groß“ und „viel“ mit „gut“ verwechseln.

 

Warum geht es uns Menschen schlecht?

Die Welt erscheint uns ungerecht.

Wir drängeln uns, was zu erwerben,

Zum Tantenschlachten, um zu erben.

 

Warum geht es uns Menschen schlecht?

Wir mausern uns vom Gott zum Knecht

Statt quietschvergnügt in der Stube zu sitzen,

Bringen wir lieber den Arsch ins Schwitzen.

 

 

Die Zeit ist buchstabengenau und allbarmherzig.

Friedrich Hölderlin (1710 – 1843)

 

2.10.17 Serapion an Mephisto

 

Zur selben Zeit, spricht der HERR HERR, will ich die Sonne am Mittag untergehen lassen und das Land am hellen Tage lassen finster werden.

Amos 8,9

 

Einst kommt der Tage Tag, da wird berühren

Der Mond von Ost der Sonnenscheibe Rand,

Wird ihren Kreis in einer Delle schnüren

Und langsam bannen ihrer Strahlen Brand.

 

Und dann, wenn seine Schatten fast verdecken

Des allernächsten Sternes letztes Licht,

Wird plötzlich Kühle jedes Wesen schrecken –

Ein herber Hauch zieht Menschen ins Gesicht.

 

Es steigt herauf ein wolkiges Gewebe

Im Westen düster überm Horizont,

Das dunkel überdeckt des Himmels Schwebe,

Nur ferne Streifen bleiben noch besonnt.

 

Ein Wind erhebt sich leise und strömt milde,

Die Vögel werden stumm und alles schweigt

Erstarrt und wie gelähmt in dem Gefilde,

Wie wenn sich Stille vor dem Sturme zeigt.

 

Von Westen rast heran des Mondes Schatten,

Fliegt flimmernd über jede Häuserwand,

Trifft rauhe und die weiß gestrichnen glatten,

Die Finsternis kennt keinen Widerstand.

 

Im Augenblick verlöschen letzte Strahlen,

Die eben noch geblitzt wie Diamant

Schmal in des Sonnenrandes Arealen

Als Perlenkette, die den Stern umspannt.

 

Das Schwarz der Scheibe bläulich weiß umhüllen

Nun plötzlich Zacken, die als Strahlenkranz

Im Drumherum den dunklen Raum erfüllen

Mit unheimlich beklemmend kaltem Glanz.

 

In der Korona aber Flammen tanzen

Gewaltig, eruptiv und schimmernd rot,

Dämonisch züngelnde Protuberanzen,

Sie spein ins All der Höllen Feuertod.

 

„Ich will den Tag verfinstern euch zur Plage,

In Nacht ihn wandeln ohne Unterschied!

Ich will in Trauer eure Feiertage

Verkehren und in Klage jedes Lied!“

 

 

Unsers Herzens Freude hat ein Ende; unser Reigen ist in Wehklagen verkehrt.

Klagelieder Jeremia 5,15

 

18.9.17 Bellarmin an Mephisto

 

Du hast Recht. So schmerzlich es klingt angesichts der Geschichte, aber die SPD ist tot, ein lebender Leichnam, und weiß es nur selber noch nicht oder will es nicht wahrhaben.

Da kleben ja Karrieren dran.

Erst heute hörte ich wieder einen Journalisten und einen Politikwissenschaftler orakeln, woran es denn wohl läge, daß diese Partei nicht herauskomme aus dem Umfragetief. Wo sie doch erst Anfang des Jahres den Schulzeffekt, pardon, den Heip hatte.

Die Frage war natürlich verkehrt gestellt und hätte eher lauten müssen, warum diese Partei überhaupt noch einmal in so etwas wie einen derartigen Aufwärtstrend geraten konnte. Man einigte sich indessen auf die Erklärung, daß Schulz ja von außen gekommen war. Als Unbekannter…

Na ja.

Das Wort „Unglaubwürdigkeit“ fiel übrigens nicht bei der angestrengten Ursachensuche.

Auch war nicht die Rede von prinzipienloser Kompromißbereitschaft zwecks Regierungsbeteiligung um jeden Preis. Von skrupelloser Politikausrichtung nach Umfrageergebnissen. Von stetiger Unterschätzung der Intelligenz des umworbenen Wählers. Von dümmlicher, typisch spdämlicher, also durchsichtigster Effekthascherei aus augenscheinlich niederen Beweggründen, um Stimmen zu fischen.

Von Sozialklempnerei statt Sozialdemokratie.

Irgendwie erscheint die europäische Sozialdemokratie entlarvt, und die Menschen sind heute zu intelligent für ihr Eiapopeia und durchschauen es als bloßen Vorwand für den Machterhalt.

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts existierte einmal der Begriff „Geschäftssozialisten“. Die Lily Braun wurde einst damit bedacht.

 

Feldfrüchte

 

Sinnend geh ich durch den Garten,

still gedeiht er hinterm Haus;

Suppenkräuter, hundert Arten,

Bauernblumen, bunter Strauß.

Petersilie und Tomaten,

eine Bohnengalerie,

ganz besonders ist geraten

der beliebte Sellerie.

Ja, und hier -? Ein kleines Wieschen?

Da wächst in der Erde leis

das bescheidene Radieschen:

außen rot und innen weiß.

 

Sinnend geh ich durch den Garten

unsrer deutschen Politik;

Suppenkohl in allen Arten

im Kompost der Republik.

Bonzen, Brillen, Gehberockte,

Parlamentsroutinendreh…

Ja, und hier -? Die ganz verbockte

liebe gute SPD.

 

Hemann Müller, Hilferlieschen

blühn so harmlos, doof und leis

wie bescheidene Radieschen:

außen rot und innen weiß.

 

Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

 

 

»Jenosse«, sahre ick, »woso wählst du eijentlich SPD –?« Ick dachte, der Mann kippt mir vom Stuhl! »Donnerwetter«, sacht er, »nu wähl ick schon ssweiunsswanssich Jahre lang diese Pachtei«, sacht er, »aber warum det ick det dhue, det hak ma noch nie iebalecht!«

 

Kurt Tucholsky (1890 – 1935)

 

21.7.17 Serapion an Mephisto

 

Die Hämorrhoide

 

Ganz ehern stand die Karyatide,

Da juckte sie eine Hämorrhoide.

 

Wie Hämorrhoiden eben jucken,

Es hilft kein bloßes Achselzucken.

 

So hat sie alles hingeschmissen,

Das schöne Weib ist ausgerissen.

 

Die andern konnten nichts mehr halten,

Wodurch die Balken runterknallten.

 

Seit tausenden Jahren dem Augenscheine,

Dem bieten sich nur noch Ruinensteine.

 

Und Architekten, Archäologen,

Assyriologen und Seismologen

 

Und Köpfe historischer Akademien

Entwerfen akribisch die Theorien,

 

Weshalb herabfiel der ganze Krempel

Und einst zerstörte den delphischen Tempel.

 

 

14.7.17 Mephisto an Serapion

 

Die rinke SA

…und die Political Correctness.

Da hattest Du mir Anfang Mai dieses Jandl-Gedicht geschickt:

 

 

lichtung

 

manche meinen

lechts und rinks

kann man nicht

velwechsern.

werch ein illtum!

 

 

Das ich für so weise hielt und einsichtsvoll. Und geschichts- und seelenkundig.

Bis ich politisch korrigiert wurde.

Und zwar der zwölfte Band des DUDEN erklärt mir die Welt unter dem Stichwort

 

Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern

 

ganz richtig korrekt, nämlich es handele sich um ein Zitat aus dem Jandl-Gedicht lichtung, und fügt, vor Biederkeit triefend, hinzu:

Die vierte (sic!) und letzte Zeile lautet: ‚werch ein illtum!‘ Das Zitat wird (auch in der kürzeren Form ‚lechts und rinks kann man nicht velwechsern‘) als scherzhafter oder ironischer Kommentar gebraucht, wenn jemandem eine Verwechslung unterläuft.

Ach so.

So so…

War da was?

Jedenfalls ist der Eintrag, bis auf die gefäkte Zeilennummer, keine Fäknjus. Und wir können daraus lernen:

Man kann etwas richtiges sagen, und es ist trotzdem doof.

Und, es könnte sein, aus welchem Grund auch immer, daß gewisse Leute etwas richtiges sagen, um das Richtige nicht zu sagen.

Sozusagen gewissermaßen quasi im palmströmschen Sinne: weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Da stellen wir uns mal ganz dumm, als wären wir im DUDEN, und denken:

Da hat der Jandl sich also hingesetzt auf seinen Hosenboden und sich gedacht in seinem schlichten schtzngrmm-Sinn: Auf, auf! Es wird nun aber höchste Zeit! Man muß doch endlich einmal ein Gedicht verfassen, über wenn jmndm mal eine Vrwchslng… „unterläuft“…

Ein Lehrgedicht für Fahrschulen!

Was für ein schöner Zug…

Und wer weiß, denkt der DUDEN, wie vielen Fahrschülerinnen und wie vielen Fahrschülern der Jandl den Führerschein damit schon rettete!

Das ist doch ein putziger Poet, der Jandl! Zumal wenn er dann noch so chinesisch verwirrend, aber didaktisch einprägsam, die Buchstaben vertauscht.

Werch ein Einfarr!

Zum Glück durchblickte der DUDEN das ganze dann trotz der vertauschten Buchstaben aber scharfsinnig und kann uns den Sinn wieder korrekt verklären…

Damit kein Schelm sich Arges dabei denke…

Welchen Reim sich mein Freund Heine wohl auf die Straußenvögel gemacht hätte? Von wegen

———die deutschen Zensoren——————–Dummköpfe—–

und so?

Letztes Wochenende ist also einigen tausend nach Hamburg Angereisten die Vrwchslng zwischen Braunhemd und Schwarzhemd unterlaufen. Kann ja vorkommen. Haben aber immerhin ihr fleißig und in harter Arbeit den kapitalistischen Ausbeutern und global agierenden Großbanken abgerungenes Geld in teure Fahrkarten und nicht billige Ausrüstungen investiert, um endlich einmal wieder sich wehren zu können gegen diese Polizisten, Journalisten und Hausbesitzer- und Spekulantenschweine und staatlichen Helfershelfer in Schlips und Kragen und das ganze Groß- und Kleinhändlerpack und dieses fette Konsumentengekröse.

Diese Plutokraten!

 

Macht kaputt, was euch kaputt macht!“

Die Straße frei dem Sturmabteilungsmann!“

Auf die Barrikaden, gegen die weißen Garden!“

Die Straße frei, den braunen Bataillonen!“

Auf, auf zum Kampf! Zum Kampf sind wir geboren!“

 

 

 

schtzngrmm

 

schtzngrmm

schtzngrmm

t-t-t-t

t-t-t-t

grrrmmmmm

t-t-t-t

s—————-c—————h

tzngrmm

tzngrmm

tzngrmm

grrrmmmmm

schtzn

schtzn

t-t-t-t

t-t-t-t

schtzngrmm

schtzngrmm

tssssssssssssssssssss

grrt

grrrrrt

grrrrrrrrrt

scht

scht

t-t-t-t-t-t-t-t-t-t

scht

tzngrmm

tzngrmm

t-t-t-t-t-t-t-t-t-t

scht

scht

scht

scht

scht

grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

t-tt

 

Ernst Jandl (1925 – 2000)

 

20.5.17 Serapion an Mephisto

 

Der Arbeitsmann

 

Wir haben ein Bett, wir haben ein Kind,

mein Weib!

Wir haben auch Arbeit, und gar zu zweit,

und haben die Sonne und Regen und Wind.

Und uns fehlt nur eine Kleinigkeit,

um so frei zu sein, wie die Vögel sind:

nur Zeit.

 

Wenn wir sonntags durch die Felder gehn,

mein Kind,

und über den Ähren weit und breit

das blaue Schwalbenvolk blitzen sehn,

oh, dann fehlt uns nicht das bißchen Kleid,

um so schön zu sein, wie die Vögel sind:

nur Zeit.

 

Nur Zeit! wir wittern Gewitterwind,

wir Volk.

Nur eine kleine Ewigkeit;

uns fehlt ja nichts, mein Weib, mein Kind,

als all das, was durch uns gedeiht,

um so kühn zu sein, wie die Vögel sind.

Nur Zeit!

 

 

Richard Dehmel (1863 – 1920)