A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Kategorie-Archiv: Geschichte

Alles Vergängliche ist nur ein GLEICHES

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15. Mai 2021: Serapion an Mephisto

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Der gebildete aber grausame assyrische Herrscher Tiglatpileser schwelgte vor 3000 Jahren: Das Blut der Erschlagenen sei geflossen „in Strömen zu Tal“, und die abgeschlagenen Köpfe seiner Feinde hätten sich getürmt „wie Getreidehaufen“.

Etwa 300 Jahre später ließ König Sargon II. sich darstellen im Gerichtssaal seines Palastes der assyrischen Hauptstadt Ninive, wie er Abtrünnigen ihre Augen aussticht.

Der Kampf gegen die Ungläubigen, also der Andersgläubigen, und ihre Bestrafung galt Assyrern als wohlgefälliger Gottesdienst.

Je grausamer um so wohlgefälliger.

Jeder Ungläubige gehöre ausgelöscht!

Ihrem Gotte stünde die Weltherrschaft zu.

Ganze Stadtstaaten und Völker der Ungläubigen, also der Andersgläubigen, wurden zwangsdeportiert.

Und somit gerechterweise versklavt.

Und die Sklaven gottgefällig geschunden.

Und die Frauen mißachtet.

Der Ehebruch einer Frau wurde mit dem Tode bestraft.

Dann, nach der Eroberung 46 jüdischer Festungen war Sanherib, der Sohn Sargons II., wider die Hauptstadt Judäas gezogen, um sie einzuschließen „wie ein Vogel im Käfig“.

Jerusalem, die „Stadt Davids“.

Von den Juden errichtet nach ihrer Wanderung durch die Wüste Sinai in das Land Kanaan.

Welches damals war umgeben von feindlichen Stämmen.

Wie seinerzeit den Philistern.

9 Und es kam ein Gerücht von Thirhaka, der Mohren König, sagend: Er ist ausgezogen, wider dich zu streiten.

10 Da er nun solches hörte, sandte er Boten zu Hiskia und ließ ihm sagen: Sagt Hiskia, dem König Juda’s, also: Laß dich deinen Gott nicht betrügen, auf den du dich verläßt und sprichst: Jerusalem wird nicht in die Hand des Königs von Assyrien gegeben werden.

11 Siehe, du hast gehört, was die Könige von Assyrien getan haben allen Landen und sie verbannt; und du solltest errettet werden?

12 Haben auch die Götter der Heiden die Lande errettet, welche meine Väter verderbt haben, als Gosan, Haran, Rezeph und die Kinder Edens zu Thelassar?

13 Wo ist der König zu Hamath und der König zu Arpad und der König der Stadt Sepharvaim, Hena und Iwa?

14 Und da Hiskia den Brief von den Boten empfangen und gelesen hatte, ging er hinauf in das Haus des HERRN und breitete ihn aus vor dem HERRN.

15 Und Hiskia betete zum HERR und sprach:

16 HERR Zebaoth, du Gott Israels, der du allein über dem Cherubim sitzest, du bist allein Gott über alle Königreiche auf Erden, du hast Himmel und Erde gemacht.

17 HERR neige deine Ohren und höre doch; HERR, tue deine Augen auf und siehe doch; höre doch alle die Worte Sanheribs, die er gesandt hat, zu schmähen den lebendigen Gott.

18 Wahr ist es, HERR, die Könige von Assyrien haben wüst gemacht alle Königreiche samt ihren Landen

19 und haben ihre Götter ins Feuer geworfen; denn sie waren nicht Götter, sondern Werk von Menschenhänden, Holz und Stein. Die sind vertilgt.

20 Nun aber, HERR, unser Gott, hilf uns von seiner Hand, auf daß alle Königreiche auf Erden erfahren, daß du der HERR seist allein.

21 Das sandte Jesaja, der Sohn des Amoz, zu Hiskia und ließ ihm sagen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Was du mich gebeten hast des Königs Sanherib halben von Assyrien,

22 so ist es das, was der HERR von ihm redet: Die Jungfrau Tochter Zion verachtet dich und spottet dein, und die Tochter Jerusalem schüttelt das Haupt dir nach.

23 Wen hast du geschmäht und gelästert? Über wen hast du die Stimme erhoben? Du hebst deine Augen empor wider den Heiligen in Israel.

24 Durch deine Knechte hast du den HERRN geschändet und sprichst: »Ich bin durch die Menge meiner Wagen heraufgezogen auf die Höhe der Berge, den innersten Libanon, und habe seine hohen Zedern abgehauen samt seinen auserwählten Tannen und bin bis zu seiner äußersten Höhe gekommen, an den Wald seines Baumgartens.

25 Ich habe gegraben und getrunken die Wasser und werde mit meinen Fußsohlen austrocknen alle Flüsse Ägyptens.«

26 Hast du aber nicht gehört, daß ich solches lange zuvor getan habe und von Anfang habe ich’s bereitet? Jetzt aber habe ich’s kommen lassen, daß feste Städte zerstört werden zu Steinhaufen

27 und ihre Einwohner schwach und zaghaft werden und mit Schanden bestehen und werden wie das Feldgras und wie das grüne Kraut, wie Gras auf den Dächern, welches verdorrt, ehe es denn reif wird.

28 Ich kenne aber deine Wohnung, deinen Auszug und Einzug und dein Toben wider mich.

29 Weil du denn wider mich tobst und dein Stolz herauf vor meine Ohren gekommen ist, will ich dir einen Ring an die Nase legen und ein Gebiß in dein Maul und will dich des Weges wieder heimführen, den du gekommen bist.

30 Das sei dir aber ein Zeichen: Iß dies Jahr, was von selber wächst; das andere Jahr, was noch aus den Wurzeln wächst; im dritten Jahr säet und erntet, pflanzt Weinberge und esset ihre Früchte.

31 Denn die Erretteten vom Hause Juda und die übrigbleiben, werden noch wiederum unter sich wurzeln und über sich Frucht tragen.

32 Denn von Jerusalem werden noch ausgehen, die übriggeblieben sind, und die Erretteten von Berge Zion. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.

33 Darum spricht der HERR also vom König von Assyrien: Er soll nicht kommen in diese Stadt und soll auch keinen Pfeil dahin schießen und mit keinem Schilde davor kommen und soll keinen Wall um sie schütten;

34 sondern des Weges, den er gekommen ist, soll er wieder heimkehren, daß er in diese Stadt nicht komme, spricht der HERR.

35 Denn ich will diese Stadt schützen, daß ich ihr aushelfe um meinetwillen und um meines Dieners David willen.

36 Da fuhr aus der Engel des HERRN und schlug im assyrischen Lager hundertfünfundachtzigtausend Mann. Und da sie sich des Morgens früh aufmachten, siehe, da lag’s alles eitel tote Leichname.

37 Und der König von Assyrien, Sanherib, brach auf zog weg und kehrte wieder heim und blieb zu Ninive.

38 Und es begab sich auch, da er anbetete im Hause Nisrochs, seines Gottes, erschlugen ihn seine Söhne Adrammelech und Sarezer mit dem Schwert, und sie flohen ins Land Ararat. Und sein Sohn Asar-Haddon ward König an seiner Statt.

Jes 37, 9 ff.

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Die Pest aber hatte gewütet im Heere Sanheribs und ihn also gezwungen zum Rückzug.

Es ist ein großer Irrtum zu glauben, Geschichte wiederhole sich nicht. Im Gegenteil! Alles Vergängliche ist nur ein GLEICHES, möchte man sagen, vielleicht auf verschiedenem Niveau. Geschichte spiegelt, mehr als es uns bewußt ist, in Variationen beständig den Kampf ähnlicher Ideologien wider.

Zwar ist wahr, daß man nie im selben Flusse bade, aber wahr ist auch, daß seine Wasser Dich heute so nässen wie morgen. Und wie es von Weisheit zeugen mag, im Strom der Zeit ein Verschiedenes zu suchen, so fördert wahrscheinlich noch mehr es unsere Erkenntnis, Analogien zu bemerken.

Und anzuerkennen.

Dieses mag der rettenden Voraussicht besser dienen als der Glaube, Geschichte wiederhole sich nicht.

Den Krieg des Islamischen Staates beispielsweise empfinde ich nicht nur wegen seiner entsetzlichen Massaker als einen archaischen. Sondern vor allem, weil er tatsächlich derselbe ist seit Jahrtausenden. Die Menschen bleiben immer die gleichen, nur die Namen ihrer Götter wechseln. Was früher Aschschur war, kann heute Allah heißen. Die gottesdienstliche Abschlachtung der Ungläubigen aber war unter Tiglatpileser und Sargon dieselbe wie unter Abu Bakr al-Baghdadi. Dieselbe Gegend, die gleichen kreisläufigen Geschichten. Gerade im Nahen Osten leider nichts Neues. Ein Déjàvu bis auf die Tatsache, daß die Einschläge immer näher kommen.

Vielleicht erinnerst Du Dich auch, wenngleich es eines Eingehens nicht für würdig befunden worden war in deutschen Medien, daß die „radikalislamische“ Hamas jeden Israeli zum „legitimen Ziel“ erklärte. Also zur Ausrottung aller Israelis aufrief. Oder daß PLO-Chef Mahmud Abbas die palästinensischen „Messerattacken“ auf Juden nicht verurteilte. Und nie aussprach, daß es sich bei den Attentätern keineswegs um Märtyrer handelt. Sondern in ihrer feigen Heimtücke um besonders widerliche Mörder.

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Dass einst aus ihrem Viertel Schimon Ha-Tzadik in Jerusalem vertriebene Juden ihr Eigentum zurückbekommen sollen, passt nicht in das antiisraelische Stereotyp von ‚Besatzung‘ und ‚Siedlern‘. Ebenso wenig wie die komplette Zerstörung des Jüdischen Viertels in der Altstadt Jerusalems samt seiner Synagogen durch Araber und die Vertreibung von einer Millionen Juden aus den arabischen Ländern nach 1948. Genau das schwebt aber auch heute noch Organisationen wie der Hamas in Gaza vor: ein ‚judenreines‘ Jerusalem eben.

Mittwoch, 12. Mai 2021, NORDWEST-ZEITUNG

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Der Gleichsetzungstrick

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24. April 2021: Bellarmin an Mephisto

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Am 9. Februar jährte sich dieses Jahr zum 205. Mal der Tag, an dem in St. Petersburg sich ein politischer Geheimbund gründete unter dem Namen „Bund der Rettung“. Die Initiative ging aus von dem Offizier Alexander Murawjow, und bei den meisten Mitgliedern handelte es sich um Gardeoffiziere. Das waren Leute, die als russische Armeeangehörige gegen die napoleonische Fremdherrschaft gekämpft hatten und bei dieser Gelegenheit zwangsläufig mit der westlich Rußlands gelegenen Welt in Berührung kommen mußten. Und die, stell Dir das mal vor, beim Kennenlernen der außerrussischen Welt feststellten, Rußland sei im Vergleich zum Westen ein rückständiges, illiberales Land.

Also Zeiten müssen das damals gewesen sein!

Obwohl ja Zar Peter der Große über einhundert Jahre zuvor schon einmal heimlich den Westen bereist hatte, teilweise sogar verkleidet, um beispielsweise in Holland und England den Schiffsbau zu studieren, und damals ebenso eine gewisse Rückständigkeit Rußlands konstatieren mußte. Was sich unter anderem dadurch zeigte beim ersten Empfang nach seiner Rückkehr, daß er den Bojaren und Würdenträgern ihre Bärte abschneiden ließ. Und dabei selber fleißig mitschnippelte. Wie er dann ja auch bei Hinrichtungen gern selber zum Beil griff und ebenso mit Hand anlegte beim Foltern seines aus seinem sicheren westlichen Asyl in Wien, wohin er aus Furcht vor seinem Vater geflohen war, durch den russischen Gesandten nach Rußland zurückgelockten Sohnes. Der dann dort, im modernisierten Rußland, an den Folgen der Folter starb, noch ehe Peter der Große das Todesurteil gegen ihn unterschreiben konnte. Der Thronfolger Alexej Nawalny, nein, der Thronfolger Alexej sei an einer plötzlich aufgetretenen Krankheit verstorben, hatte es laut Ansage vom Kreml künftig zu heißen im modernen Rußland.

Und wehe, Du hältst Dich nicht dran!

Also 98 Jahre später, die Gardeoffiziere des als Freimaurerloge organisierten Geheimbundes, die wollten Rußland retten aus seiner damaligen Rückständigkeit. Zum Beispiel durch Aufhebung der Leibeigenschaft. Leibeigene konnten damals in Rußland noch als Marktware feilgeboten werden. Das ist ja heut nicht mehr. Im modernen Rußland gelten die Leibeigenen nicht mehr als Marktware. Und haben sich dran zu halten!

Wie Heinrich Heine einmal Preußen verglichen hatte mit einem Gemengsel aus Weißbier, Lüge und Sand, so möchte es mich jucken, das modernisierte Rußland zu charakterisieren als eine Mischung aus Wodka, Lüge und Tand. Aus der sich letzte Woche der Auftraggeber in der Manege am Kreml erhob zu seiner alljährlichen Rede an die Nation. Zufälligerweise einmal pompös inszeniert. Als ich im Fernsehen die Gesichter erblickte der in der Halle nach drei PCR-Tests vor dem mit einem ungenannten Impfstoff immunisierten Herrn aller Reußen versammelten Claqueure, fühlte ich wieder meine Vorurteile aufsteigen hinsichtlich der Physiognomien von Hofschranzen.

Ja, was ich Dir eigentlich sagen wollte, die Gedächtnisbegabten erinnern sich sicher an die typische Argumentationsweise von Funktionären der SED und der in PDS umbenannten SED: Also der antifaschistische Schutzwall der Deutschen Demokratischen Republik, die Amis hätten ja auch eine bewachte Grenze zu Mexiko. Und in der Schweiz erhöbe man auch einen Zwangsumtausch für einreisende Ausländer. Und der bundesdeutsche Verfassungsschutz, der sei auch nichts anderes und arbeite genauso wie das Ministerium für Staatssicherheit.

Pferdekacke gleich Apfel.

Also der nicht nur vom Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika für einen Mörder gehaltene und mit einem ungenannten Impfstoff immunisierte oberste Auftraggeber nicht nur des Impfstoffs Sputnik V soll in seiner Rede an die Nation tatsächlich das Ausland bezichtigt haben, sein Land, also das moderne Rußland, zu attackieren und, jetzt paß auf, zu planen, in Weißrußland den Staatschef, nämlich seinen Kumpel Lukaschenko, zu ermorden!

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Ausländer, Fremde, sind es meist,

Die unter uns gesät den Geist

Der Rebellion. Dergleichen Sünder,

Gottlob! sind selten Landeskinder.

Heinrich Heine (1797 – 1856): Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen

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Wodurch Krieg entstehen kann

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17. April 2021: Bellarmin an Mephisto

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1 Und es begab sich darnach, daß der König der Kinder Ammon starb, und sein Sohn Hanun ward König an seiner Statt.

2 Da sprach David: Ich will Barmherzigkeit tun an Hanun, dem Sohn Nahas, wie sein Vater an mir Barmherzigkeit getan hat. Und sandte hin und ließ ihn trösten durch seine Knechte über seinen Vater. Da nun die Knechte Davids ins Land der Kinder Ammon kamen,

3 sprachen die Gewaltigen der Kinder Ammon zu ihrem Herrn, Hanun: Meinst du, daß David deinen Vater ehren wolle, daß er Tröster zu dir gesandt hat? Meinst du nicht, daß er darum hat seine Knechte zu dir gesandt, daß er die Stadt erforsche und erkunde und umkehre?

4 Da nahm Hanun die Knechte David und schor ihnen den Bart halb und schnitt ihnen die Kleider halb ab bis an den Gürtel und ließ sie gehen.

5 Da das David ward angesagt, sandte er ihnen entgegen; denn die Männer waren sehr geschändet. Und der König ließ ihnen sagen: Bleibt zu Jericho, bis euer Bart gewachsen; so kommt dann wieder.

6 Da aber die Kinder Ammon sahen, daß sie vor David stinkend geworden waren, sandten sie hin und dingten die Syrer des Hauses Rehob und die Syrer zu Zoba, zwanzigtausend Mann Fußvolk, und von dem König Maachas tausend Mann und von Is-Tob zwölftausend Mann.

7 Da das David hörte, sandte er Joab mit dem ganzen Heer der Kriegsleute.

8 Und die Kinder Ammon zogen aus und rüsteten sich zum Streit vor dem Eingang des Tors. Die Syrer aber von Zoba, von Rehob, von Is-Tob und von Maacha waren allein im Felde.

9 Da Joab nun sah, daß der Streit auf ihn gestellt war vorn und hinten, erwählte er aus aller jungen Mannschaft in Israel und stellte sich wider die Syrer.

10 Und das übrige Volk tat er unter die Hand seines Bruders Abisai, daß er sich rüstete wider die Kinder Ammon,

11 und sprach: Werden mir die Syrer überlegen sein, so komm mir zu Hilfe; werden aber die Kinder Ammon dir überlegen sein, so will ich dir zu Hilfe kommen.

12 Sei getrost und laß uns stark sein für unser Volk und für die Städte unsers Gottes; der HERR aber tue, was ihm gefällt.

13 Und Joab machte sich herzu mit dem Volk, das bei ihm war, zu streiten wider die Syrer; und sie flohen vor ihm.

14 Und da die Kinder Ammon sahen, daß die Syrer flohen, flohen sie auch vor Abisai und zogen in die Stadt. Also kehrte Joab um von den Kindern Ammon und kam gen Jerusalem.

15 Und da die Syrer sahen, daß sie geschlagen waren vor Israel, kamen sie zuhauf.

16 Und Hadadeser sandte hin und brachte heraus die Syrer jenseit des Stromes und führte herein ihre Macht; und Sobach, der Feldhauptmann Hadadesers, zog vor ihnen her.

17 Da das David ward angesagt, sammelte er zuhauf das ganze Israel und zog über den Jordan und kam gen Helam. Und die Syrer stellten sich wider David, mit ihm zu streiten.

18 Aber die Syrer flohen vor Israel. Und David verderbte der Syrer siebenhundert Wagen und vierzigtausend Reiter; dazu Sobach, den Feldhauptmann, schlug er, daß er daselbst starb.

19 Da aber die Könige, die unter Hadadeser waren, sahen, daß sie geschlagen waren vor Israel, machten sie Frieden mit Israel und wurden ihnen untertan. Und die Syrer fürchteten sich, den Kindern Ammon mehr zu helfen.

2. Buch Samuel 10

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Ein Krieg könnte ebenso dadurch entstehen, wenn eine hinreichende Anzahl Russen sich wieder einmal sehnte nach einem Landkorridor von Lugansk über Mariupol hinreichend zur wieder einmal eroberten Krim und die hinreichende Anzahl Russen einen im Auftraggeben hinreichend versierten Auftraggeber dafür fände.

Auch könnte ein Krieg im Anschluß entstehen an den Anschluß der Krim über besagten Landkorridor an das ruhmredige Rußland infolge einer hinreichenden russischen Sehnsucht nach einem Landkorridor hinreichend über Odessa bis nach Transnistrien.

Ein Krieg könnte selbst dann schon entstehen, wenn die hinreichenden Russen das Asowsche Meer weiterhin hinreichend dreist in hinreichender Brutalität für den internationalen und insbesondere ukrainischen Schiffsverkehr nach dem ukrainischen Mariupol sperrten noch bevor der hinreichend beispielsweise im Auftraggeben von Auftragsmorden versierte Auftraggeber den Auftrag für die Landnahme des Landkorridors von Lugansk über Mariupol hinreichend bis zur wieder einmal eroberten Krim erteilt hätte. Das wäre trotz des Münchner, nein, trotz des Minsker Abkommens gar nicht so schwer, zumal es sogar im Westen einer hinreichenden Anzahl von Politikern nun doch langsam langsam langsam zu dämmern anfängt, daß eine hinreichende Anzahl Russen samt ihrem hinreichend versierten Auftraggeber sich hinreichend danach sehnen, das Asowsche Meer möge endlich als russisches Hoheitsgebiet zur wieder einmal eroberten Krim und zum noch zu erobernden Mariupol hinreichen.

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Freitag, 16. April 2021, Deutschlandfunk:

Die NATO verlangt von Russland eine freie Durchfahrt durch das Schwarze Meer zu den Häfen der Ukraine.

Moskau werde dazu aufgerufen, umgehend zu deeskalieren und seine internationalen Verpflichtungen einzuhalten, teilte das Militärbündnis mit. Russland hat angekündigt ab dem 24. April bis Ende Oktober die Durchfahrt ausländischer Militärschiffe durch drei Wasserstraßen in der Nähe der Krim-Halbinsel einzuschränken, um ein Manöver abhalten zu können. Die Ukraine wirft Russland vor, zu [sic!] eine Eskalation im Meer herbeizuführen. Moskau hatte die Krim 2014 annektiert.

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Denkvorgaben für Richtigdenker – Der deutsche Journalismus und seine Angst vor den Fakten

 

16. Januar 2021: Bellarmin an Mephisto

 

Du erinnerst Dich: Hitler und Stalin hatten Ende August 1939 in den geheimen Zusatzvereinbarungen ihrer offiziellen Abmachungen über die Aufteilung künftiger Landnahmen das Baltikum den Russen zugesprochen, worauf diese 1940 heimtückisch Estland, Lettland und Litauen besetzt und ihrem Imperium „Sowjetunion“ einverleibt hatten. Eine halbe Millionen Balten wurde bei Kriegsende nach Sibirien verschleppt. Die von russischer Seite Mitte der siebziger Jahre maßgeblich initiierte Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) diente dann abschließend dem strategischen Ziel, den beim Kriegsende vertragswidrig entstandenen sowjetimperialen Machtbereich in seinen Grenzen vom Westen anerkennend sanktionieren zu lassen. Was den Russen im Zuge der neuen Ostpolitik Brandts und Bahrs auch gelang. Und das hieß unter anderem, daß der Hitler/Stalin-Pakt im Hinblick auf die völkerrechtswidrige Annexion der baltischen Staaten und deren Einverleibung in das russische Reich vollkommen diskussionslos abgesegnet wurde für den Rest der Ewigkeit.

Doch die pampigen Litauer erklärten sich am 11. März 1990 für unabhängig und setzten ihre Vorkriegsverfassung wieder in kraft. Worauf am 13. Januar 1991, der Tag jährte sich diese Woche zum 30. Mal, der Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow die litauische Hauptstadt Vilnius durch russische Spezialeinheiten überfallen ließ. Es gab 14 Todesopfer und hunderte Verletzte, als bemerkenswerterweise insbesondere Fernseh- und Rundfunkgebäude und Sendemasten besetzt und Telefonleitungen ins Ausland gekappt wurden.

Im ruhmredigen Rußland, wie Du weißt, fürchtet man das Licht der Öffentlichkeit wie nichts auf der Welt.

Litauens Staatsoberhaupt Vytautas Landsbergis schaffte es jedoch, noch einen Hilferuf ins Ausland abzusetzen:

Das ist ein regelrechter Krieg, die Sowjetunion gegen Litauen. Sie schießen auf unser Volk. Wir können keinen wirklichen Widerstand leisten, wir haben nur 20 Gewehre. Das ist alles. Die Sowjets haben hundert Panzer und tausende Fallschirmjäger.

Damals, also vor 30 Jahren, verlautbarten deutsche Nachrichten wortwörtlich:

Wilna heute Nacht. Sowjetische Kampfpanzer und Fallschirmjäger rücken gegen das Fernsehzentrum fünf Kilometer von der Stadtmitte entfernt vor. Es ist von Litauern umstellt, die es schützen sollen. Dann gegen null Uhr dreißig fallen die ersten Schüsse. Augenzeugen berichten, daß die Panzer Barrikaden niederwalzten und auch Menschen überrollten. Über die Stadt wurde eine Ausgangssperre verhängt.

Warum ich Dir das bringe?

Weil ich Dir, auf einem freilich anachronistischem Wege, den entsetzlichen Niedergang des Niveaus bundesdeutscher Nachrichtenberichterstattung verdeutlichen möchte. Allein schon anhand ihrer der permanenten Entmündigung des Bürgers im Hinblick einer unabhängigen Meinungsbildung dienenden Struktur. Durch den Vergleich zu dem, was wohl der Deutschlandfunk, als seriöseste Anstalt der ARD, gegenwärtig melden würde bei ansonsten identischer Faktenlage:

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnt den Westen vor Säbelrasseln. Er äußerte im Hinblick auf jüngste Ereignisse seine Zuversicht, daß strittige Fragen immer auch friedlich und partnerschaftlich geregelt werden können.

Die Abgeordnete der Linken, Sahra Wagenknecht, erklärte, die Sowjetunion als souveräner Staat habe jedes Recht, sich gegen Separatisten zur Wehr zu setzen.

Margot Käßmann mahnte, gegenseitiger Respekt und Toleranz seien unabdingbar für ein friedliches Miteinander.

Der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck, sagte im Deutschlandfunk, wir Deutschen trügen die historische Verantwortung, fest und unverbrüchlich an der Seite unseres Partnerlandes zu stehen.

In der Hauptstadt der Sowjetrepublik Vilnius soll es in der vergangenen Nacht zu Schießereien gekommen sein. Die sowjetische Seite bestreitet das.

 

11. Oktober 1950, heute vor 70 Jahren

 

11. Oktober 2020: Sehmann an Mephisto

 

Die drei westlichen Hochkommissare haben laut Neue Zeitung in drei gleichlautenden Schreiben an den Chef der sowjetischen Kontrollkommission General Wassilij Tschuikow Protest gegen die für den 15. Oktober angesetzten Wahlen im sowjetischen Besatzungsgebiet eingelegt. Den Protestschreiben lag eine Abschrift eines Briefes des Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer an den vorsitzenden Hochkommissar bei.

In den Schreiben der Hochkommissare wird auf das Schreiben der drei Hochkommissare der Westmächte vom 25. Mai verwiesen, auf das keine Antwort eingelangt sei. Zu dem beiliegenden Schreiben Adenauers wird bemerkt, daß die Bundesregierung als eine vom Volk freigewählte Regierung berechtigt sei, im Namen Deutschlands zu sprechen. Es wird ferner auf das Deutschlandscommuniqué der New Yorker Außenminister-Konferenz vom 19. September 1950 verwiesen und bemerkt, daß Wahlen auf Grund einer Einheitsliste nicht demokratisch sind. Es heißt sodann:

Das Verfahren für die Durchführung dieser Wahlen steht im krassen Gegensatz zu den traditionellen Voraussetzungen für freie demokratische Wahlen. Aus diesem Grund können weder meine Regierung noch die Bundesrepublik, noch das deutsche Volk anerkennen, daß diese Wahlen dem ostdeutschen Regime rechtliche Sanktionierung verleihen, oder Ansprüche auf die Vertretung derjenigen Deutschen, die zur Zeit in Ostdeutschland leben, gewähren. Infolge des großen Interesses, welches die Öffentlichkeit am Inhalt dieser Mitteilung gezeigt hat, werde ich, nach dem sie Ihnen zugegangen ist der Presse eine Abschrift zur Verfügung stellen.“

In dem beiliegenden Brief des Bundeskanzlers wird auf den Beschluß des Deutschen Bundestages vom 14. September Bezug genommen und betont, daß zur Wiederherstellung der politischen und verwaltungsmäßigen Einheit Deutschlands die Einberufung einer verfassungsgebunden Deutschen Nationalversammlung unerläßliche Voraussetzung ist. Für solche Wahlen sollten die vier Besatzungsmächte ein Wahlgesetz erlassen, die Wahlen sollten sich unter der Kontrolle von Kommissionen aus Vertretern der vier Besatzungsmächte oder der UNO zusammensetzen. Aufgabe der Nationalversammlung wäre die Ausarbeitung einer deutschen Verfassung. Voraussetzung für die Durchführung deutscher Wahlen bilde die Garantie der persönlichen und politischen Bewegungs- und Betätigungsfreiheit in allen Zonen, insbesondere: Betätigungsfreiheit für alle Parteien in ganz Deutschland und Verzicht aller Besatzungsmächte, die Bildung und Betätigung politischer Parteien zu beeinflussen. Die persönliche Sicherheit und der Schutz vor wirtschaftlichen Benachteiligungen aller für politische Parteien tätigen Personen müsse von allen Besatzungsmächten und deutschen Behörden vor und nach der Wahl gewährleistet sein. Zulassung und Vertriebsfreiheit für alle Zeitungen in ganz Deutschland. Freiheit des Personenverkehrs innerhalb ganz Deutschlands und Fortfall des Interzonenpasses sei erforderlich.

 

Archiv der Gegenwart. Deutschland 1949 bis 1999, Bd. 1, S. 380 ff., Siegler Verlag GmbH, Sankt Augustin, 2000

 

Die Unfähigkeit zu feiern

 

5. Oktober 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Wer erwartet hatte, daß endlich das Erinnerungsvermögen zurückkehre anläßlich des immerhin dreißigsten Jahrestages der historisch unglaublich glücklichen Wiedervereinigung Deutschlands nach über 56 Jahren totalitärer Diktatur durch Nazi-Barbarei mit anschließender russischer Fremdherrschaft unter einem Marionettenregime deutscher Kommunisten, der hatte unter anderem vergessen, daß im kommenden Jahr Bundestagswahlen stattfinden. Mit einem widerlichen Wettrennen der Parteien um den besten Platz im After ostdeutscher Wähler. Ohne auch nur, wie geruchsnervenverletzt, im entferntesten das geringste zu riechen von dem Mief, den die seit dreißig Jahren unterschwellig dort in der stinkenden Masse fleißig herumrührende Partei Der Spalter aufwühlt, mit dem jahrzehntelangen Erfahrungsschatz ihrer ehemaligen Abteilung für Zersetzung. Beispielsweise im Gerüchtestreuen, beispielsweise in der vom ahnungslosen Westen kritiklos übernommenen Wortwahlvorgabe, beispielsweise mit dem Trick der Gleichsetzung von Ungleichem, beispielsweise dem Verbreiten verlogener Mythen etc. pp.

Denn das Interesse der Partei Der Schamlosen nach ihrer Entmachtung als schicksalbestimmende Herrschaft über die infolge einer zufälligen ostdeutschen Geburt in freiheitsberaubender Leibeigenschaft gehaltenen Untertanen war ja nach deren Befreiung wohl nicht ganz deckungsgleich mit den „Wir sind das Volk“-Rufendenden.

Um es milde auszudrücken.

Ich halte es übrigens für ein äußerst charakteristisches Zeichen des Niedergangs kognitiver Kompetenz unserer gegenwärtigen Journalisten- und Politikerriege und Politikwissenschaftler und Historiker, daß ich nicht eine einzige Stimme fragen hörte in dem allgemeinen Gejammer über vermeintliche Defizite und unterstellte Fehlleistungen im „Prozeß der Wiedervereinigung“ und ähnlicher Selbstbezichtigungen, welche handlungsbestimmenden Interessen die umbenannte Partei nach ihrer totalitären Diktatur wohl leitete und welchen Anteil sie haben könnte am Erzeugen der Wagenburgmentalität ostdeutscher Nichtdenker. Beispielsweise in der Form von Stimmungsmache gegen „Besserwessis“, gegen „Westimporte“ (für die sich in Ostdeutschland Niederlassenden aus westlichen Bundesländern, also für die eigentlich schlichte Normalität des in seinem eben wiedervereinigten Lande von A nach B ziehenden Staatsbürgers).

Das begann zum Beispiel mit dem verlogenen und völlig kritiklos übernommenen Begriff der „Wende“, kreiert ausgerechnet von Egon Krenz, dem Verteidiger des Massakers auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ im ebenfalls kommunistisch, demnach totalitär regierten China. „Wende“ für das wahrhaftige Ende der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik, die, wie das vorherige Naziregime, alle Merkmale einer totalitären Diktatur in Reinform erfüllte:

Die utopische Ideologie mit Wahrheitsanspruch.

Die von einem Diktator geführte nicht abwählbare Massenpartei.

Die Geheimpolizei unter dem bis heute kritiklos übernommenen Tarnnamen „Staatssicherheit“ (Kosename „Stasi“) zur permanenten Überwachung und Drangsalierung der Einwohnerschaft.

Die totale Gleichschaltung aller Medien und ihre ausnahmslose Nutzung zur ideologischen Unterwanderung und Propaganda.

Die zentrale Steuerung und Überwachung jeglichen Wirtschaftslebens und die Reduzierung jeglichen individuellen Strebens auf die staatliche Ausnutzung der Arbeitskraft der „Werktätigen“.

Man stelle sich vor, jemand hätte den gegen die SED-Herrschaft Demonstrierenden und den glücklichen Menschen in den Tagen des 9. November 1989 prophezeit, die SED mit ihrem verschwundenen Vermögen würde umbenannt statt aufgelöst und werde sich dann vollkommen unkritisiert anmaßen, als Interessenvertreterin der Ostdeutschen aufzutreten!

Und ausgerechnet Typen wie Gregor Gysi, der als Sohn eines „DDR“-Ministers das deutsche demokratische Leben kennenlernte und als Anwalt in diesem Regime ohne Gewaltenteilung nach dem Ende dieses Staates des Mandantenverrats und der informellen Zuträgerschaft für die Geheimpolizei bezichtigt wurde,  und die unvermeidliche Sahra Wagenknecht, eine der linkesten der Linken in der SED-Nachfolgepartei DIE LINKE, würden von westdeutschen Journalisten Jahr um Jahr in Zeitungen, Zeitschriften und Televisionsgesprächsrunden als Kronzeugen für das normale Leben in der Deutschen Demokratischen Republik befragt werden!

Des Staates, von dessen Territorium nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unter größtenteils lebensbedrohlichen Umständen Millionen Menschen flohen aus irgend einem Grunde und der deswegen unter der verlogenen Bezeichnung „antifaschistischer Schutzwall“ eine Mauer errichtete mit ihrer gegen Ausbruchsversuche gewinkelten Stacheldrahtkrone.

Das waren mehr Menschen als während der gesamten Völkerwanderung Europa durchzogen.

Dabei war ja nicht alles schlecht in der „DDR“! Das Bildungssystem mit der vormilitärischen Ausbildung! Und die Kinderkrippen! Und jede Frau war gleichberechtigt und hatte monatlich einen bezahlten Hausarbeitstag! Für die Erledigung „ihrer Hausarbeiten“. Und der Führer hat ja auch die ganzen Autobahnen gebaut und die Leute in Lohn und Brot gebracht! Es war nicht alles schlecht!

Und das Ampelmännchen!

Und man wühlt ja noch heute akribisch, was alles gut gewesen wäre in der Deutschen Demokratischen Republik!

„Ein Kessel Buntes“!

Doch dann kam buchstäblich über Nacht das Ende der deutschen demokratischen Diktatur.

Eine Wende wäre es gewesen, wenn die realitätsfernen Träume Bärbel Bohleys und ihrer Mitstreiter sich unglücklicherweise erfüllt hätten vom Fortbestand des deutschen Separatstaates mit seinem verlogenen Namen.

Zum Zwecke seiner sozialistischen Verbesserung mit Sinn für alles Gute und Schöne. Etwa auf dem Niveau:

Verfassungsmäßig garantierte Westlöhne und Ostmieten!

Nebst freier Marktwirtschaft mit Arbeitsplatzgarantie!

Im Westen gehörte beispielsweise der narzißtische Oskar Lafontaine zu den vehementen Mitträumern. Das war derjenige, welcher drauf und dran war zu Honeckers Zeiten, eine „DDR“-Staatsbürgerschaft anzuerkennen.

Mit all den fatalen Folgen für künftige „DDR“-Flüchtlinge…

Das entlarvende Kennzeichen war aber das Erschrecken dieser Leute beim Fall der Mauer: Das Fortbestehen der Mauer hätten sie schon noch gebraucht für eine Verbesserung der Deutschen Demokratischen Republik.

Sie hatten nicht begriffen, und manche begreifen es bis heute nicht, und die Partei Der Spalter bestärkt sie in ihrer Begriffsstutzigkeit:

Die „DDR“ war 1961 nicht mehr ohne und 1989 nicht mehr mit Mauer zu retten!

Doch die Mehrheit der deutschen demokratischen Leibeigenen hatte es 1989 glücklicherweise verstanden und 1990 demokratischerweise gewollt: Es sollte keine Wende sein, sondern ein Ende!

Und zwei Jahre später war so gut wie der gesamte zweitaktige Fuhrpark des gesamten Landes, überwiegend zudem mit Lenkradgangschaltung, ausgetauscht.

Ganz Ostberlin hatte gestunken nach diesen knatternden Vehikeln.

Um nur ein Beispiel zu nennen.

Nach dem Fall des antifaschistischen Schutzwalls erfuhr man durch bundesdeutsche Scherzkekse, es hätte sich beim Trabant um ein Kultauto der Ostdeutschen gehandelt, und man drehte Filme um das deutsche demokratische Auto.

Das die Leute nach dem Ende des Staates nicht mehr hatten behalten wollen.

Hier gebe ich Dir schnell ein freilich unvollständiges Potpourri des idiotischen Gejammers, gewissermaßen zur Apotheose an Popanzen gesteigert anläßlich der Feier am dreißigsten Jahrestage des glücklichsten Augenblicks der Deutschen im zwanzigsten Jahrhundert, getreu den verlogenen Thesen der Einflüsterer:

Da ist die Rede von der Behandlung Ostdeutscher als Menschen zweiter Klasse.

Und von ihrem Fühlen als Menschen zweiter Klasse, wegen, tatsächlich, wegen verpaßter Lebenschancen.

Die unvermeidliche Katrin Göring-Eckardt, einstige FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda: Sie verstehe, daß sich viele (Ostdeutsche) immer noch als Menschen zweiter Klasse fühlen.

Ich nicht.

Ihre Lebensleistung würde nicht gewürdigt.

Ist mir konkret kein einziger Fall bekannt.

Und natürlich Matthias Platzeck (SPD), der banale „gelernte DDR-Bürger“. Jemand, der das deutsche demokratische Denken verinnerlichte und also die Deutsche Demokratische Republik wahrhaft nie begriffen hat. Er gehörte ebenfalls zu denjenigen, die 1989 am liebsten die „DDR“ verbessert hätten und der nun verärgert war über den Fall der Mauer. Der „Wende“ sagt statt „Ende“. Der demzufolge tatsächlich die Wiedervereinigung als „Anschluß“ bezeichnete!

Analog Österreichs sogenanntem Anschluß an Hitlerdeutschland.

Wie ein Wort manchmal die komplette Denkweise eines Menschen offenbart!

Platzeck ist einer, der in seiner Welt- und Geschichtskenntnis offensichtlich von der Geschichte überrannt wurde. Matthias Platzeck also, der die Deutsche Demokratische Republik bis heute nicht verstanden hat, mit dem Lied: Es gäbe zu wenig Ostdeutsche in Führungspositionen.

Ich kenne keinen einzigen Fall, daß ein Ostdeutscher aufgrund seiner ostdeutschen Herkunft von einer Führungsposition ausgeschlossen wurde.

Was gäbe das wohl auch für ein Geschrei!

Apropos, unsere mecklenburg-vorpommerische Bundeskanzlerin:

Sie habe aber auch Verständnis dafür, daß sich manche Menschen in Ostdeutschland als Bürger zweiter Klasse fühlten. Dafür gebe es Auslöser wie etwa verpaßte Lebenschancen. Zugleich würdigte die Kanzlerin die Lebensleistung der Menschen aus der ehemaligen DDR…

(Deutschlandfunk nachrichtlich)

Ich habe kein Verständnis. Und kenne auch keinen einzigen Fall, daß Menschen aus Ostdeutschland als Menschen zweiter Klasse behandelt wurden. Im übrigen ist auch dem letzten Deppen inzwischen klar am dreißigsten Jahrestag der Wiedervereinigung, daß die „DDR“ ehemalig war.

Und es ist nicht zu fassen nach dem Fall der Mauer: Die verpaßten Lebenschancen!

Allerdings, wenn man etwa davon träumte, freiwilliger Grenzhelfer zu werden oder einer aus dem stehenden Heer der über 90000 hauptamtlichen Mitarbeiter der Geheimpolizei, hat man tatsächlich etwas verpaßt.

Statt gewonnen.

Der Bundespräsident: Die Ostdeutschen fühlten sich benachteiligt.

Sie sind es doch aber nachweislich nicht, würde ich mindestens hinzufügen.

Der Fraktionsvorsitzende der CDU und normalerweise rational denkende Brinkhaus: Ostdeutsche litten unter dem „Verlust der eigenen Biografie“. Was ebenfalls seit Jahren eine Arie ist der Partei Der Spalter. Im übrigen haben Biografien erstens die Eigenschaft eigen und zweitens unverlierbar zu sein.

Ebenso ist die Rede vom „Verlust der Legitimation der eigenen Identitäten“…

Usw. usf.

Du siehst: „vom Osten kann man viel lernen“…

 

„OST

Respekt. Würde.

Anerkennung.

DIE LINKE“

(Wahlplakat)

 

Das sollte, im vorherigen Landtagswahlkampf(!) für DIE LINKE(!) in Brandenburg(!) und Sachsen(!), höchstwahrscheinlich bedeuten und dieser Partei Stimmen bringen: Irgend jemand, nämlich ein Feind, versage OST die Anerkennung von Respekt und Würde…

Unausgesprochen.

Und unausgesprochen: wer.

Jedenfalls jemand, der Frau oder Herrn oder Diversem OST Respekt und Würde versage!

Der Wessi!

Dieses Schwein!

Dieser Wessi, der hat die ganzen „DDR“-Biografien „entwertet“!

Die ganzen deutschen demokratischen Biografien!

Der Wessi erkennt die Lebensleistung von OST nicht an!

Der Wessi hat keine Ahnung von der „DDR“!

Und ihren gelernten Bürgern!

Der Wessi interessiert sich nicht für die „DDR“!

Der Wessi war noch nie im Osten!

Der Wessi besetzt im Osten alle Führungspositionen!

Als „Westimport“!

 

Deutschlandfunk:

Weiter erklärte Ramelow, wenn man den Osten wie eine Kolonie betrachte, baue sich ein risikoreiches Spannungsfeld auf.

Wie eine Kolonie!

Man!

WENN MAN einmal unterstellte, ein Ministerpräsident sage solchen Satz nicht nur aus Jux und Tollerei, sondern meint, wenn er „WENN MAN betrachte“ sage, in Wahrheit „MAN betrachte“, dann muß MAN allerdings zugestehen, daß Ministerpräsident Ramelow (DIE LINKE), selbst ein „Westimport“, höflich ist und ebenfalls keinen Namen nennt für jemanden, der den Osten als Kolonie betrachtet!

Obwohl eine derart perverse Haltung gewiß namentlich an den öffentlichen Pranger gehörte!

Aber laß mich raten:

Der Wessi!

Und das Schwein hat noch nie Thüringen besucht!

Denn der Wessi interessiert sich nicht für die ostdeutschen Länder!

 

Dietmar Bartsch (DIE LINKE):

Die Treuhand hat aus dem Osten einen Ein-Euro-Laden gemacht.“

 

Björn Höcke (Alternative für Deutschland):

Die Verelendung und Heimatzerstörung hier bei uns hat einen Namen. Dieser Name lautet Treuhand.“

 

Ein Euro!

Verelendung!

Zerstörung!

Die Wessis, die Schweine, die haben die ostdeutsche Heimat zerstört!

Samt den beliebten Kultautos, diesen heimatlich riechenden Zweitaktern!

 

 

Alle Deutschen sind frei, und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft.

Jacob Grimm, 1848

 

Die Ungeübten sind nicht fähig, frei zu sein … Man wird frei im Gebrauch der Freiheit.

Ludwig Marcuse (1894 – 1971)

 

Bolschoi Theater

 

15. August 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Den zeitlichen Gipfel des russischen Imperiums setze ich an auf die Dauer von 4310 Tagen und datiere diese beginnend mit dem 4. Oktober 1957, dem Start des sowjetischen Sputniks 1, und endend am 21. Juli 1969 um 3 Uhr 56 MEZ, als Neil A. Armstrong, ein freier Mensch aus dem freien Teil der Erde, zum ersten Mal seinen Fuß auf den Mondboden setzte. Sogar in der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik kam man nicht umhin, sich mit dem Adlershofer „Fernsehfunk“ der Direktübertragung des Ereignisses dem Westfernsehen anzuschließen. Zum Trost der Machthaber mitten in der Nacht vom Sonntag zum Montag… Im Reich der Lüge, in Sowjet-Rußland, erwähnte und übertrug man indessen nichts im Fernsehen und teilte in den Zeitungen lediglich mit, versteckt auf den hinteren Seiten, die Amerikaner würden melden „Kocmonawti na lune“.

Also nicht „Kosmonauten auf dem Mond“, sondern „Kosmonauten auf dem Mond“ hätten die Amerikaner gemeldet…

Ich halte es übrigens für sehr wahrscheinlich, daß die sogenannte Verschwörungstheorie, also die These, die Amerikaner wären gar nicht auf dem Mond gelandet, sondern hätten das alles nur gefilmt in ihren Trickfilmstudios Hollywoods, ihren Ursprung findet in Schädeln des russischen Geheimdienstes.

Zeitgleich zu Apollo 11 hatte man in idiotischer Verzweiflung extra die unbemannte Sonde Luna 15 gestartet. Sie sollte offensichtlich schnell auf dem Mond Bodenproben automatisch zusammenklauben und à la Wettlauf zwischen Hase und Igel noch vor der Rückkehr der Amerikaner triumphierend in der ruhmredigen Sowjetunion abladen.

Ein die Intelligenz selbst wohlwollender Beobachter unterschätzendes, also typisch russisches Propagandamanöver.

Obwohl lehrreich leider heute völlig vergessen.

In der Endphase des Wettlaufs zum Mond hatten die Russen plötzlich begonnen, so zu tun, als hätten sie nie daran gedacht, einen Menschen auf den Mond chauffieren zu wollen, und schon immer auf ihre vermeintlich überlegene Technik gesetzt. „Kybernetik!“ posaunte die Propaganda. Und: „Sowjetische Wissenschaft“!

Vor der amerikanischen Mondlandung hatte man anfänglich in Zeitschriftenartikeln glasklar analysiert, daß das Apollo-Programm nicht funktionieren könne. Weil: zu kompliziert mit vorheriger Mondumlaufbahn und Abkopplung und Ankopplung und dergleichen riskanten Manövern im Vergleich zu sowjet-russischen Direktflügen.

Was hatte man nicht auch gespottet und Propagandalieder getextet über die „Spätniks“ der Amis. Und kraft der „einzig wissenschaftlichen Weltanschauung“ marxistisch-leninistisch bewiesen, es könne auch naturgesetzlich nicht klappen mit der amerikanischen Raumfahrt. Weil im Kapitalismus all die Bauteilhersteller und Zulieferbetriebe, die schufteten ja gegeneinander in profitorientierter Konkurrenz! Während in der ruhmredigen Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken alle Arbeiter planmäßig schöpferisch Hand in Hand arbeiteten…

Luna 15 zerschellte.

Von nun an ging’s bergab mit dem russischen Imperium unter dem Feigenblatt der kommunistischen Religion.

Die friedliebenden Russen verkündeten 1969 noch schnell, bis zum Jahr 1980 die „materiell-technische Basis des Kommunismus“ errichtet zu haben, welche lehrreiche Verkündigung heute ebenfalls leider vergessen ist, und marschierten bis 1980 ein in Afghanistan. Nämlich am zweiten Weihnachtsfeiertag 1979.

Man hatte immer noch nicht begriffen, was der erste kleine Schritt Neil Armstrongs auf die Mondoberfläche irdisch bedeutet hatte: Am 21. Juli 1969 um 3 Uhr und 56 Minuten mitteleuropäischer Zeit wurde der Kommunismus besiegt.

Statt der „materiell-technischen Basis des Kommunismus“, von der 1980 kein Sterbenswörtchen mehr zu hören war, hatte man in Polen 1980 die Lebensmittelpreise erhöht. Das ließen sich die Arbeiter indessen nicht mehr gefallen. Es kam zu Streiks, und genau gestern vor 40 Jahren, am 14. August 1980 traten auch die 17.000 Werftarbeiter der Danziger „Lenin-Werft“ in den Ausstand.

Ich werde den Polen und der katholischen Kirche und Johannes Paul II. immer dankbar sein!

Am 31. August 1980 konnte Lech Wałesa verkünden: „Wir haben endlich unabhängige, selbständige Gewerkschaften. Wir haben das Streikrecht.“

Und bereits zwei Monate später hatte die „Solidarnosc“ 10 Millionen Mitglieder!

Allein das!

Allein das war eine Abstimmung mit den Füßen gegen das durch den gewöhnlichen Imperialismus Rußlands fremden Völkern mit Gewalt, Heimtücke und Lüge aufgezwungene System.

Wir Großrussen haben uns immer roh gegen unterworfene Völker benommen. Das einzige, was wir gekonnt haben, war, sie zu unterdrücken.“ (Lenin)

Eine bemerkenswerte Selbsterkenntnis dreier großrussischer Merkmale über die Jahrhunderte großrussischer Geschichte: Das schmarotzende Nichtkönnen, eine menschenverachtende Rohheit und die Unterdrückung fremder Völker.

Fehlen nur noch Potemkinsche Dörfer.

Und?

Großes Theater!

Der Sputnik!

Diese Woche also verkündete im Kreml der wohlbekannte Auftraggeber aller Großrussen in aller großrussischen Bescheidenheit die großrussische Zulassung eines großrussischen Impfstoffes gegen den Erreger der Corona-Pandemie!

Und aus irgendeinem großrussischen Grund erhielt das Medikament die Bezeichnung „Sputnik V“.

Mittwoch, 12. August, LE FIGARO:

Das Medikament wurde ‚Sputnik V‘ getauft –, was an die Sternstunden sowjetischer Wissenschaft während des Kalten Krieges erinnert. Doch indem Präsident Putin einen Impfstoff zulässt, bevor die unverzichtbaren Testphasen abgeschlossen sind, setzt er seine Bevölkerung einem Produkt aus, das sich als ineffizient oder sogar als gefährlich erweisen könnte. Putin hätte daran denken sollen, dass Sputnik Moskau zwar einen ersten Sieg bei der Eroberung des Weltraums brachte, die Sowjets aber am Ende das Rennen verloren und es niemals geschafft haben, einen Fuß auf den Mond zu setzen.

Mittwoch, 12. August, EL PERIODICO DE CATALUNYA:

Es scheint, als gehe es dem russischen Präsidenten vor allem darum, mit seinem Produkt den internationalen Wettlauf um einen Impfstoff zu gewinnen. Doch ein Medikament ist kein Werkzeug, um global an Einfluss zu gewinnen oder das Renommee eines Präsidenten zu steigern.

Mittwoch, 12. August, MOSKOWSKI KOMSOMOLEZ:

Natürlich ist es eine Sache des Prestiges. Doch selbst bekannte russische Virologen erklären offen, dass sie sich selbst keinen ‚rohen‘ Impfstoff spritzen lassen und auch nicht zulassen wollen, dass ihre Familien geimpft werden.

Mittwoch, 12. August, CUMHURIYET:

Ein Impfstoff ist nicht nur eine Prestigeangelegenheit, es geht auch um internationalen Einfluss. Das hat Putin in einem Nebensatz erkennen lassen. Und um deutlich zu machen, wie effektiv der Impfstoff sei, wies er darauf hin, dass auch eine seiner Töchter damit geimpft wurde.

Dieser typische, sich vor Plumpheit eigentlich immer wieder selbst entlarvende russische Propagandaprotz für primitive Gemüter!

Seine Tochter hat der Auftraggeber impfen lassen.

Nur sich selbst, den auftraggebendsten kostbarsten großrussischsten Oberrussen, den hat er nicht impfen lassen…

 

Von Empörung zu Empörung: Beschreibung eines Phänotyps

 

10. Juli 2020: Bellarmin an Mephisto

 

 

Wilhelm Busch (1832 – 1908):

 

Seine Meinung ist die rechte,

Wenn er spricht, müßt ihr verstummen,

Sonst erklärt er euch für Schlechte,

Oder nennt euch gar die Dummen.“

 

Oder verängstigt oder abgehängt oder modernisierungsskeptisch oder fremdenfeindlich oder islamfeindlich oder rassistisch…

Ich ergänze meine vorigen Ausführungen:

Ich weiß nicht, ob Du es mitbekamst, letzte Woche geschah wieder etwas Charakteristisches für unseren derzeitigen Journalismus!

Nachdem unser Innenminister Horst Seehofer geäußert hatte, er erwäge Strafanzeige zu stellen gegen das von ihm und den Medien als Autorin bezeichnete nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah, prompt fiel man geeint über den Mann her, er verginge sich gegen die Pressefreiheit!!

Und keiner sprach mehr über den Inhalt des nachträglich als Satire deklarierten Artikels des antirassistischen nichtbinären Wesens Hengameh Yaghoobifarah und seine Geisteswelt und die seiner Anhänger und Geldgeber für sein niveauloses Gewäsch.

Ich ergänze des weiteren:

Nach meiner Beobachtung handelt es sich bei nicht wenigen Menschen, wie der sich für Queerness, Feminismus und, in Deutschland gegenwärtig besonders hoch in Mode stehend bei geltungssüchtigen Trittbrettfahrerinnen, in Antirassismus sielenden Hengameh Yaghoobifarah weniger um einen politischen Typus als um einen psychologischen. Der sich je nach Zeitumständen manifestiert als Pharisäertum, katholische Inquisition, protestantische Bigotterie, doppelplusgutes Neusprech, kommunistische Parteilinie, sozialistisches Bewußtsein oder politische Korrektur.

Die Farbe ihrer Fahne ist sekundär.

Die Hauptsache ist das Psychogramm der Rechtgläubigkeit.

Sich manifestierend im sich hervortuenden Verurteilen.

Wenn Du Dir ihre sich ewig durch die Zeiten ziehenden quälenden Querelen vor Augen führst.

Seinerzeit wohl auch vielfach puritanisch strenggläubig schippernd über den Ozean und konzentriert sich ansiedelnd auf dem Gebiet der heutigen USA.

Drüben heute vehement kämpfend gegen die Pflicht zur Krankenversicherung und für die Freiheit des uneingeschränkten Waffenbesitzes.

Auf der einen Seite.

Und eben auf der anderen Seite für „Political Correctness“.

In Deutschland kämpfend für die wirklich wahrste rechtwinkligste Linksgläubigkeit.

In der Antifa.

Beispielsweise.

Denn man sieht ja klar seit Moses und Mohammed und Marx und Mao.

Die Geschichte ist die Geschichte von Klassenkämpfen!

Gegen die Ungläubigen!

Es ist ja so erhebend, zu bellen mit der Meute der Rechtgläubigen.

Im Rudel der Anständigen.

Ich bin am reinsten antirassistisch!

Ich bin der antifaschistischste!

Auf der richtigen Seite der Barrikade!

Dem „antifaschistischen Schutzwall“!

Es heißt nicht „Mauer“! Es heißt „antifaschistischer Schutzwall“!

Es heißt nicht „Russe“! Es heißt „Sowjetmensch“!

Sonst kein Abitur!

Gott ist ja auf unserer Seite!

Und für Kaiser Wilhelm!

Rechtgläubig, rechtgläubiger, am rechtgläubigsten!

Parteilich, parteilicher, am parteilichsten!

Parteilehrjahr.

Mit Abzeichen für gutes Wissen!

Sonst bist Du ein Fall für die Parteikontrollkommission!

Unterschieden hiervon ist natürlich der derzeit in den USA aus jüngst wieder gegebenen Anlässen wohlbegründete Kampf gegen den dort obwaltenden Rassismus.

Beispielsweise.

Oder der Aufstand der tapferen und von der sogenannten Europäischen Union und Deutschland schmählich im Stich gelassenen Helden in Hongkong.

Beispielsweise.

Unseren Typus aber erkennst Du leicht: Das sind die Leute, die, gekennzeichnet von Dauerempörung, permanent von Feind zu Feind eilen.

Von Feindbild zu Feindbild.

Sie sind es in Wahrheit, die immer einen Feind brauchen!

Schubladendenkend von Empörung zu Empörung!

Selbstverständlich kannst Du mit denen auch reden. Falls Du gleicher Gesinnung bist.

Sonst wird jedes Gespräch unerquicklich.

Denn sie hassen den Abweichler, den Revisionisten, den Ketzer.

Und der Witz ist: Dabei halten sie sich für tolerant!

Das Interesse oder gar das Vergnügen an einer anderen Meinung geht ihnen aber vollkommen ab. Gespräche enden so gut wie immer in ideologischen Ausrichtungsversuchen zur linkesten Rechtgläubigkeit.

Sie wissen gar nicht, was das ist: ein schönes freisinniges, sich gegenseitig befruchtendes Gespräch.

Ihr Hauptfeind ist gar nicht der Nazi.

Ihr Hauptfeind ist der Zweifler.

Den sie hassen.

Wenn er beispielsweise bezweifelt, daß eine Ungleichbehandlung von Ungleichem diskriminierend ist.

 

Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.“

Bertrand Arthur William Russel (1872 – 1970)

 

 

Donnerstag, 9. Januar, Deutschlandradio:

Absage von Tellkamp-Lesung: Debatte um Meinungsfreiheit in Dresden

Der Förderverein Lingnerschloss hat in Dresden eine Veranstaltungsreihe der Zeitschrift „Tumult“ abgesagt, betroffen ist auch eine Lesung von Uwe Tellkamp. Der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Joachim Klement analysiert die darum rankende Debatte.

Der Verein Lingnerschloss in Dresden hat eine rechtskonservative Veranstaltungsreihe abgesagt, der Schriftsteller Uwe Tellkamp sollte zum Auftakt dort Auszüge aus seinem neuen Roman vorstellen. Veranstalter der Reihe war die Zeitschrift „Tumult“, die sich im rechten Bereich bewegt.

Tellkamp darf nicht lesen – das hat in Dresden für einen Neuaufguss einer im Grunde alten Debatte gesorgt. Denn Rechtskonservative sehen sich oft in der Opferrolle und betrachten den herrschenden Diskurs als linksgesteuert, in dem keine anderen Meinungen zulässig sind.

Der Schriftsteller Uwe Tellkamp befindet sich erneut im Zentrum einer Debatte um die Meinungsfreiheit.

Der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Joachim Klement, äußert Verständnis für die Absage – denn es sei eben nicht nur um eine Tellkamp-Lesung gegangen. Sondern um eine Reihe von Veranstaltungen, bei der unter anderem auch ein Historiker habe auftreten sollen, der die deutsche Flüchtlingspolitik als „Staatsstreich“ abgetan und kirchliche Würdenträger und Medien als „Lügner“ bezeichnet habe, die „Widersacher der Meinungsfreiheit“ seien. Da sei man im Umfeld von Verschwörungstheorien und rechtsradikaler Propaganda, betont er.

 

Mittwoch, 8. Juli, Deutschlandfunk:

Ein offener Brief macht aktuell in den USA und darüber hinaus die Runde. Ein Brief, der gleich zu Beginn anerkennt, dass gerade eine sehr wichtige Diskussion über Rassismus geführt wird, Demonstrationen für Gerechtigkeit stattfinden und überfällige Reformen erfolgen müssen. Dieser Brief geht vor allem mit dem Aber weiter: Der Diskussion mangele es an Toleranz, Kritik werde nicht zugelassen, abweichende Meinungen würden verschmäht und klein gemacht.

Unterzeichnet wurde er von rund 150 bekannten Schriftstellern und Schriftstellerinnen wie Margret Atwood oder J.K. Rowling, von Journalisten und Journalistinnen und Intellektuellen – vor allem aus den USA. Einer davon ist Yascha Mounk, Politikwissenschaftler, Autor und Professor an der Johns Hopkins University.

„Gegen die Kultur eines echten Meinungsaustauschs“

So seien der beste Beweis für die kritisierte Einengung von Meinungen die Reaktionen auf den Brief selbst, sagt Yascha Mounk. Innerhalb von nur wenigen Stunden sei versucht worden, einen Unterzeichner beruflich zu schädigen. „Das illustriert das Problem, um das es uns in diesem Brief geht besser, als alles, was davor passiert ist.“

 

Mittwoch, 8. Juli, Deutschlandfunk:

Dutzende Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler sorgen sich in einem offenen Brief um den freien Austausch von Informationen und Ideen. Das Klima sei tatsächlich rauer und bornierter geworden, sagte Regula Venske, Präsidentin des Deutschen PEN, im Dlf. Dabei benötige man die offene Diskussion.

„Ich denke, dass wir dieses Problem hier auch haben“, sagte die Autorin Regula Venske im Deutschlandfunk. Die Vorsitzende des Deutschen PEN-Zentrums reagierte damit auf einen offenen Brief von rund 150 Kolleginnen und Kollegen aus dem englischsprachigen Raum. Unterzeichnet hatten ihn namhafte Autorinnen und Autoren – unter ihnen Margaret Atwood, Louis Begley, Jeffrey Eugenides, Noam Chomsky, Joanne K. Rowling, Gloria Steinem, Francis Fukuyama und der in New York lebende deutsch-österreichische Schriftsteller Daniel Kehlmann.

Ideologische Konformität

Sie alle bekennen sich zu den notwendigen aktuellen Debatten etwa über Rassismus, Geschlechtergerechtigkeit, Kolonialismus, LGBTQ-Themen, beschreiben aber innerhalb dieser Diskussionen auch, dass sich moralische Vorgaben und der Drang nach politischer Eindeutigkeit verstärkt habe. Toleranz, so die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, werde zugunsten ideologischer Konformität geschwächt. Der freie Austausch von Informationen und Gedanken, die Grundfesten einer liberalen Gesellschaft, würden eingeengt; konkret wird von Zensur gesprochen.

Ambivalenzen aushalten

Diese Entwicklung sei auch in Deutschland festzustellen, so Regula Venske im Deutschlandfunk. Es gehe in Richtung Selbstzensur, weil man zum Beispiel Angst vor einem Shitstorm in den Sozialen Medien habe. „Da kann man, glaube ich, schon sagen, dass bestimmte Milieus, zu denen ich mich selber durchaus auch rechnen muss, vielleich vor lauter Angst, als rassistisch zu gelten, sich auch manche Kritik oder manche kritische Auseinandersetzung verboten haben.“ Solche Denkverbote, so die Autorin weiter, nützten letztlich aber nur denjenigen, die tatsächlich rassistisch damit umgingen.

Ambivalenzen müsse man aushalten. Natürlich möchte man Verletzungen vermeiden. Aber, so Venske: „Wenn man Aufklärung betreibt, dann muss man mal die Gefühle des Klerus oder der Politiker oder aber der Männer oder aber der Frauen oder wer auch immer gerade sozusagen auf dem Prüfstand steht – deren Gefühle wird man mal verletzten müssen.“ Man brauche eine breite Mitte, in der vieles diskutiert werden kann, „ohne dass man immer gleich dem anderen etwas Schreckliches unterstellt“.

 

Der Sieg des Sozialismus

 

9. Mai 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Heute haben wir den erforderlichen inneren Abstand, die ganze Bedeutung jener historischen Wende der bedingungslosen Kapitulation zu erfassen. Heute begreifen wir, daß es wirklich ein Tag der Befreiung war, einer Befreiung durch die ruhmreiche Rote Armee.

Wenn wir unsere Blicke auf Westdeutschland und Westeuropa richten, so wird uns die Schwere unserer Aufgabe voll bewußt. Die westlichen Alliierten haben dem Begriff der Demokratie erneut den alten Inhalt gegeben, der schon die Lebenskraft der Weimarer Republik erschütterte und den Weg zur Hitlerbarbarei ebnete. Die Friedfertigkeit haben sie umgefälscht in einen Zwang zur Eingliederung Westdeutschlands in ein wirtschaftliches, politisches und vor allem auch ein militärisches Alliance-System zur Vorbereitung eines neuen Krieges gegen die Sowjetunion. Die kapitalistischen Westmächte benutzen ihren Sieg dazu, das deutsche Volk als Konkurrenten auf dem Weltmarkt endgültig zu beseitigen. Ihr Sieg trägt also die Kennzeichen eines zerstörenden, negativen Elements und birgt die Keime eines neuen Krieges in sich. Ihr Sieg war kein konstruktiver Beitrag zum Aufbau einer neuen, friedliebenden, demokratischen Weltordnung. Der Sieg der Roten Armee war demgegenüber ein entscheidender Beitrag zur Neugestaltung der Welt. Der Sieg der Roten Armee war der Sieg des Sozialismus. Das entscheidende Ergebnis des zweiten Weltkrieges war nicht nur die Niederwerfung des Faschismus und Imperialismus in Deutschland, Italien und Japan, sondern liegt insbesondere in dem glanzvollen Bestehen der Bewährungsprobe des ersten sozialistischen Staates der Welt und in der Ausdehnung seiner realen Einwirkung auf den weiten Raum von den Gestaden des chinesischen Meeres bis nach Zentraleuropa sowie in der Erweckung kämpferischer Hoffnungen in allen fortschrittlichen werktätigen Massen auch der Völker, die heute noch unter kapitalistischer und imperialistischer Herrschaft stehen.“

Freitag, 5. Mai 1950, der Außenminister der Deutschen Demokratischen Republik Georg Dertinger

 

Die TASS ist ermächtigt mitzuteilen, daß soeben die letzte Gruppe der Kriegsgefangenen in einer Anzahl von 17 538 Mann nach Deutschland repatriiert wurde. Somit ist die Repatriierung der deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion nach Deutschland nunmehr restlos abgeschlossen. Insgesamt sind seit der Kapitulation Deutschlands 1 939 063 Kriegsgefangene nach Deutschland zurückgekehrt. Unter ihnen befanden sich 58 103 Mann, die in Lagern für Kriegsgefangene anderer Nationalitäten ermittelt wurden. An deutschen Kriegsgefangenen sind in der Sowjetunion zurückgeblieben: 9717 Mann die wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurden, 3815 Mann, gegen die ein Verfahren anhängig ist, und schließlich 14 Kranke, die nach ihrer Genesung heimkehren.

Freitag, 5. Mai 1950, sowjetische Nachrichtenagentur TASS

 

Diese Meldung würde, wenn sie sich als wahr herausstellen sollte, jede kommunistische Politik in Deutschland unmöglich machen und als Kennzeichen dafür empfunden werden, daß man das deutsche Volk auf das äußerste mißachtet und keine Verständigung mit ihm will.“

Sonnabend, 6. Mai 1950, der Vorsitzende der SPD Kurt Schumacher zur TASS-Erklärung

 

Wenn diese Meldung richtig ist, dann würde sie fürchterlich sein für Millionen von Deutschen. Ob diese TASS-Meldung richtig ist, weiß man nicht. Es hat den Anschein, als ob sie nicht den Tatsachen entspreche. Wir sind bei der Behandlung der Angelegenheit angewiesen auf Angaben aus russischen Quellen. Das Material der früheren deutschen Wehrmacht über Gefangennahme und Tod von Angehörigen der Wehrmacht befindet sich zu einem erheblichen Teil in russischer Hand. Die russische Regierung hat, entgegen ihrer schon vor mehreren Jahren gegebenen Zusage, es nicht möglich gemacht dieses Material auszuwerten. An Angaben aus russischer Quelle liegt folgendes vor: Zunächst eine TASS-Meldung nach der Kapitulation, in der die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen in russischer Hand mit 3,5 Millionen angegeben wurde. Weiter eine Erklärung des Herrn Molotow auf der Moskauer Außenministerkonferenz am 14. März 1947, damals wurde erklärt, es befanden sich noch 890 532 deutsche Soldaten in sowjetrussischer Kriegsgefangenschaft und es seien bis zu diesem Zeitpunkt               1 003 974 deutsche Kriegsgefangene entlassen worden. Die dritte offizielle Angabe ist die der TASS von gestern abend. Die Angaben Molotows im Jahre 1947 und die Angabe der TASS von gestern stimmen ziffernmäßig überein, und zwar stimmen sie so überein, daß die Summe der von der TASS-Meldung angegebenen entlassenen Kriegsgefangenen und derjenigen, die noch in Rußland seien, bis auf die letzte Ziffer übereinstimmt mit den Ziffern, die Molotow im Jahre 1947 abgegeben hat.

Es würde also daraus folgern, daß in der Zeit von März 1947 bis zu der gestrigen TASS-Meldung kein einziger deutscher Kriegsgefangener in Rußland gestorben sei. Wenn man diese beiden identischen Meldungen gegenüberstellt, so bleibt übrig als Erkenntnis, daß das Schicksal von 1,5 Millionen deutscher Kriegsgefangener ungeklärt bleibt. Wir können nicht annehmen daß diese 1,5 Millionen deutsche Kriegsgefangene in Rußland gestorben oder umgekommen oder verdorben sind. Die TASS-Meldung gibt weiter keinen Aufschluß darüber, was mit den Verschleppten geworden ist, insbesondere auch mit den deutschen Frauen, die bei der Besetzung deutschen Gebietes durch die russischen Armeen nach Rußland verschleppt worden sind. Wir wissen nur aus den Angaben von Entlassenen, daß noch eine ganze Anzahl, Zehntausende von solchen Personen in Rußland in Sklavenarbeit gehalten werden. Diese Ungewißheit, diese Unsicherheit ist so entsetzlich und lastet so nicht nur auf den Angehörigen der in Rußland Vermißten, sondern auf dem ganzen deutschen Volke, daß ich glaube, von diesem Platz aus an Sowjetrußland die Aufforderung richten zu müssen, es soll Aufklärung darüber geben, was mit diesen eineinhalb Millionen deutschen Kriegsgefangenen geschehen ist, ob sie noch leben, ob sie tot sind, und wenn sie noch leben, wo sie sind, was mit ihnen geschieht und warum sie nicht freigegeben werden.

Sonnabend, 6. Mai 1950, Bundeskanzler Konrad Adenauer in seiner Regierungserklärung

 

Die drei Außenminister haben mit Überraschung und tiefer Bestürzung die sowjetische Erklärung vom 4. Mai zur Kenntnis genommen, daß die Repatriierung der deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion nach Deutschland abgeschlossen sei. Sie erinnern an die wiederholten Bemühungen der drei westlichen Besatzungsmächte, die Sowjetregierung zur Einhaltung des Vierer-Abkommens über die Rückführung aller Kriegsgefangenen bis zum 31. Dezember 1948 zu veranlassen. Die Sowjeterklärung steht im direkten Gegensatz zu der Tatsache, daß eine große Anzahl deutscher Familien noch immer auf die Rückkehr ihrer in Gefangenschaft geratenen Verwandten wartet, von denen sie aus sowjetischer Gefangenschaft noch keine direkten Nachrichten erhalten haben. Die Minister stellen außer dem die Widersprüche zwischen den von der Sowjetregierung zu verschiedenen Zeitpunkten gemachten Angaben über die Anzahl, die Aufenthaltsorte und das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen und verschleppten Zivilpersonen fest. Diese Situation stellt eine grobe Mißachtung der Menschenrechte dar. Es ist außerdem klar, daß es sich hierbei nicht um einen alleinstehenden Fall handelt, da die Sowjetregierung auch noch zahlreiche gefangengenommene Staatsbürger der früher von Deutschland besetzten Länder und über 300 000 Japaner auf sowjetischem Gebiet zurückhält. Die Minister sind übereingekommen, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um Informationen über das Schicksal der Kriegsgefangenen und Zivilpersonen zu erhalten, die bisher noch nicht aus der Sowjetunion zurückgekehrt sind. Sie werden außerdem versuchen, sich für die Rückkehr möglichst vieler dieser Gefangenen einzusetzen.

Freitag, 12. Mai 1950, Londoner Dreimächtekonferenz: Großbritannien. Frankreich. Vereinigte Staaten

 

Das russische Muster

 

9. Dezember 2019: Bellarmin an Mephisto

 

Zu Trick 17 aus der rhetorischen Mottenkiste zählt die Methode: Unterstelle der Gegenseite eine von ihr nichtbehauptete Behauptung und widerlege sie ausführlich! Hier als Paradebeispiel (nebst einer ergänzenden Zählung) vorgeführt mittels eines Interviews, das der Deutschlandfunk am Morgen des Nikolaustages zum zufälligerweise schon wieder an Rußland klebenden Thema „Mord“ mit der Folge der Ausweisung zweier russischer Diplomaten aus Deutschland führte:

Christoph Heinemann: Am Telefon ist Dietmar Bartsch, Co-Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag, Wahlkreis Rostock. Guten Morgen.

Dietmar Bartsch: Guten Morgen! – Ich grüße Sie.

Heinemann: Herr Bartsch, reichen zwei unerwünschte Diplomaten für einen mutmaßlichen Auftragsmord?

Bartsch: Ich glaube, das kann man so gegeneinander kaum aufwiegen. Natürlich ist das zunächst mal ein symbolischer Akt, der in der Sache nicht sonderlich weiterhilft. Auf der anderen Seite führt er natürlich auch erwartbar zu entsprechenden Reaktionen in Russland. Klar ist für mich: Moskau muss kooperieren mit den Strafverfolgungsbehörden, weil ansonsten logischerweise der Verdacht, dass dort irgendetwas nicht oder, sagen wir mal so, dass es doch staatlich gelenkt ist, der bleibt und deshalb ist das zu erwarten. Aber diese Ausweisung, die ist mehr symbolisch, weil die werden irgendwann auch wiederkommen.

Heinemann: Ist sie richtig?

Bartsch: Ich glaube, dass man zumindest einen solchen symbolischen Akt durchführen musste. Man kann das nicht auf sich beruhen lassen. Auf der anderen Seite muss das Ziel klar sein. Es gibt wenig Sinn, jetzt hier zu eskalieren, weil es gibt natürlich auch in absehbarer Zeit den Ukraine-Gipfel, der extrem wichtig ist, in Paris am Montag.

Erste Abwieglung: Nicht eskalieren!

Und da ist jegliche Eskalation, die ja dann immer auch zu anderen Auswirkungen führt, nicht sonderlich gut.

Zweite Abwieglung: Nicht eskalieren!

Aber klar ist, um das noch mal in großer Deutlichkeit zu sagen: Moskau muss kooperieren. Ich bin dagegen, dass man viele spekulative Fragen beantwortet.

Dritte Abwieglung: Nicht spekulieren!

Man muss die Ergebnisse des Generalbundesanwalts abwarten.

Vierte Abwieglung: Abwarten!

Und da ist notwendig, dass hier selbstverständlich von Russland kooperiert wird, damit es auch Ergebnisse gibt.

Heinemann: Sie warnen vor Eskalation. Wer eskaliert?

Bartsch: Nun ja. Der- oder diejenige, die dann diesen Auftragsmord – ich gehe jetzt davon aus, dass das, was mehrfach zu lesen war, eben in Ihrem Bericht zu hören war, dass das genauso stimmt. Aber ich will auch als Politiker raten, dass man hier die Ergebnisse abwartet.

Fünfte Abwieglung: Abwarten!

Denn es nutzt ja nichts, dass jetzt – und ich habe das ja mit Interesse gelesen, wer sich jetzt alles von meinen Kolleginnen und Kollegen extrem auskennt, das alles so genau weiß. Da rate ich zur Zurückhaltung.

Sechste Abwieglung: Zurückhalten!

Das Auswärtige Amt hat eine klare Positionierung vorgenommen.

Die Bundeskanzlerin hat sich im Übrigen auch in der gebotenen Zurückhaltung geäußert, aber auch klargemacht, was sie erwartet.

Siebente Abwieglung: Zurückhalten!

Ich glaube, dass das der Weg ist und dass wir jetzt nicht jeder noch mal ein Stück weit Öl ins Feuer gießen müssen.

Achte Abwieglung: Kein Öl ins Feuer gießen!

Wenn sich das bestätigen sollte – es gibt ja ähnliche Fälle –, dann muss entsprechend auch gehandelt werden. Aber noch steht das nicht fest. Deswegen: Ich habe auch mit Interesse gelesen, was in Russland gesagt wird. Dort wird das alles natürlich vehement zurückgewiesen. Das wundert mich nicht. Es wäre ja schlimm, wenn jetzt gesagt werden würde, doch, doch, das waren wir schon. Aber deswegen: Ermittlungen abwarten, dann Schlussfolgerungen ziehen.

Neunte Abwieglung: Abwarten!

Heinemann: Wen meinten Sie gerade? Wer kennt sich aus?

Bartsch: Ich sehe von Kolleginnen und Kollegen aus dem Deutschen Bundestag,…

Heinemann: Wer denn?

Bartsch: Ich will jetzt keine Namen nennen. Das kann man in den Medien ja nachlesen.

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Heinemann: Warum nicht?

Bartsch: Das sind vor allen Dingen Kollegen der Unionsfraktion, wo die Bundeskanzlerin deutlich einen anderen Akzent gesetzt hat, die gesagt haben, Russland, man müsse jetzt handeln und man müsse sofort. – Das ist in einem Rechtsstaat unüblich, sondern da hat man dann Ergebnisse und dann zieht man Schlussfolgerungen. Deswegen ist dieser – ich wiederhole das – symbolische Akt der zwei Diplomaten, der mit Sicherheit nach sich ziehen wird, dass zwei deutsche Diplomaten gehen werden, das ist richtig. Das ist das, was man auf dieser Ebene tut. Aber am Ende des Tages ist diese Reaktion eine zurückhaltende, und das ist richtig so.

Heinemann: Dann nenne ich mal einen Namen. Der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster sagt: „Sollte sich russischer Staatsterrorismus auf deutschem Boden herausstellen, dann müsse die Spionageabwehr und dann müsse die Auslandsaufklärung gegen Russland deutlich ausgeweitet werden.“ – Ist das richtig?

Bartsch: Ja. Er hat ja seinen Satz begonnen mit „sollte“, und genau das rate ich dann auch Herrn Schuster, dieses „sollte“ abzuwarten.

Zehnte Abwieglung: Abwarten!

Wenn das denn so ist, dann muss es selbstverständlich Schlussfolgerungen geben. Die müssen von Bundesregierung, gegebenenfalls auch in den zuständigen Gremien des Deutschen Bundestages – dafür haben wir…

Heinemann: Und zwar im Sinne von Herrn Schuster?

Bartsch: Wenn das so sein sollte – ich sage auch dieses „wenn“ –, dann muss man über Schlussfolgerungen beraten. Was man dann tut, das würde ich jetzt mal nicht aus der Hüfte beantworten, sondern dann muss es entsprechende Schlussfolgerungen geben. Ich will aber noch mal in großer Klarheit sagen: Es ist nicht erwiesen. Was ich jetzt lese, Putins Tiergartenmörder, ich glaube, dass das eine spekulative Äußerung ist.

Da sollte man zurückhaltend sein.

Elfte Abwieglung: Zurückhalten!

Das ist auch Aufgabe von Politik. Da, noch mal, haben wir entsprechende Behörden. Das ist der Generalbundesanwalt. Der hat entsprechend des Anfangsverdachts seine Ermittlungen aufgenommen. Das ist richtig so. Und ich rate Herrn Schuster und anderen, bis dahin dann Zurückhaltung an den Tag zu legen.

Zwölfte Abwieglung: Zurückhalten!

Heinemann: Welche Schlagzeile würden Sie formulieren?

Bartsch: Meine Schlagzeile wäre, Generalbundesanwalt ermittelt, Verdachtsmomente bestehen. Aber ich bin ja nicht im journalistischen Bereich tätig, sondern als Politiker, und da, glaube ich, ist es angemessen, auch als Oppositionspolitiker, da der Bundeskanzlerin mit ihrer angemessenen und zurückhaltenden Positionierung Unterstützung zuzubilligen.

Dreizehnte Abwieglung: Zurückhalten!

Und dass sie nicht vor den Scharfmachern in ihrer Fraktion oder aus anderen dann einknickt und ähnlich verschärfend agiert.

Heinemann: Wo, bitte schön, sind die Scharfmacher? Sie haben gerade gesagt, sollte sich das so erweisen, wären Sie ja durchaus auch für die schusterschen Schlussfolgerungen.

Bartsch: Scharfmacher sind diejenigen, die von Wortgruppen wie Putins Tiergartenmörder sprechen, für die jetzt schon feststeht, dass wahrscheinlich sogar Herr Putin selbst unterschrieben hat und gesagt hat, der ist umzubringen. Ich glaube, das ist unzulässig. So geht man mit Menschen nicht um. Das bedient Vorurteile. Deswegen: Das sind für mich Scharfmacher. Deswegen: Das Maß an Zurückhaltung der Bundeskanzlerin unterstütze ich.

Vierzehnte Abwieglung: Zurückhalten!

Heinemann: Herr Bartsch, wie sollte die russische Regierung zur Aufklärung beitragen?

Bartsch: Das, was Strafverfolgungsbehörden erwarten, nämlich dass kooperiert wird. Genau das sollte geschehen. Das ist offensichtlich nicht der Fall gewesen und das ist deutlich zu kritisieren. Das geht so nicht! Wenn es einen Mord gibt, einen Mord an einem Georgier in Deutschland, wo es Anfangsverdachtsmomente gibt, dann muss voll umfänglich kooperiert werden. So wie Deutschland das macht, muss das Russland genauso machen. Alles andere ist inakzeptabel.

Heinemann: Gab es einen solchen Beitrag in den Fällen Skripal oder Litwinenko?

Bartsch: Das kann ich schwerlich einschätzen. Aber offensichtlich hat dort die russische Seite nur sehr begrenzt mitgewirkt, und das ist dann auch zu kritisieren, ganz klar und eindeutig.

Heinemann: Was raten Sie Widersachern der russischen Regierung, die im Ausland leben?

Bartsch: Ich kann da nur, wenn ich überhaupt einen Rat gebe – ich will der Bundeskanzlerin dort keinen Rat geben, aber sie trifft am Montag Wladimir Putin. Da geht es um andere Dinge. Da geht es um die Ukraine zu allererst, und das ist einer der größten Krisenherde, die wir weiterhin haben. Aber das wird sicherlich die Gelegenheit sein, hier auch zu agieren, und ich bin ziemlich sicher, dass es danach Schlussfolgerungen geben wird, auch in Russland.

Heinemann: Sollte man wegen dieser Gespräche den mutmaßlichen Mordfall tieferhängen?

Bartsch: Ich glaube, dass das bisher so seitens der Bundeskanzlerin, seitens des Auswärtigen Amtes geschehen ist. Ich glaube, dass das Agieren hier – ich kritisiere die Bundesregierung gerne und häufig. Hier kritisiere ich die Verantwortlichen nicht, sondern eher diejenigen, die versuchen, Öl ins Feuer zu gießen.

Fünfzehnte Abwieglung: Kein Öl ins Feuer gießen!

Fazit: Du sollst nicht denken, du sollst das Denken gefälligst der Regierung überlassen!

Damit könnte der Herr Bartsch durchaus eine steile Karriere machen in Rußland!

Im Staatszirkus.

Als Eiertänzer.

Was gegenüber Rußland die ewigen Eiertänze der Linken, insonderheit der deutschen, betrifft: Ich bin sehr dafür, endlich Öl ins Feuer zu gießen. Das Gegenteil von Scharfmacher ist nämlich Stumpfmacher. Und das Gegenteil von Scharfsinn ist Schwachsinn. Schwachsinnig ist es beispielsweise, Vorurteile als schlecht zu verdammen. Wie Sprichwörter das Gegenteil beweisen, als die gesammelte Weisheit der Völker.

Überwiegend sind Vorurteile auch vorteilhafter als Nachurteile!

Der Mensch ist überhaupt nur Mensch geworden kraft seines Vermögens, Vorurteile zu fällen. Vorurteile sind Zeichen seiner Intelligenz: Ein Vorurteil ist ja nichts anderes als die Fähigkeit, vom Besonderen auf das Allgemeine zu schließen. Und von jenem Allgemeinen vorausschauend auf das kommende Besondere. Genau die Gabe, die unsere Gattung erhoben hat über tierische Zustände.

Insofern erwartete ich bereits zu Beginn des Interviews mit dem Co-Vorsitzenden der per se rußlandfreundlichen Putinversteherpartei DIE LINKE zum Thema „Serienmord an Abtrünnigen“ nichts weiter als einen beschwichtigenden Eiertanz.

Und siehe da! Mein Vorurteil wurde wieder einmal bestätigt.

Wobei mir anläßlich einer vorhersehbaren Nichtenttäuschung meines Vorurteils natürlicherweise so gut wie immer auch Rußland einfällt. Denn in Wahrheit ist Rußland unschwer berechenbar bei seiner beständigen Verwechslung von Quantität mit Qualität: Alles was groß ist und glitzert und glänzt ist gut.

Pompös, pompöser, am pompösesten!

Bolschoi-Theater und Staatszirkus!

Nämlich: Da Rußland ein großes Land ist, ist Rußland ein gutes Land.

Je größer desto guter.

Das schlimmste Ereignis des zwanzigsten Jahrhunderts ist für den obersten Russen die Auflösung der großen ruhmredigen „Sowjetunion“. Und nicht etwa der von Hitlerdeutschland industriell betriebene Massenmord und die in deutschem Namen auch am russischen Volk verübten Verbrechen.

„Sowjetunion“ hieß ja das verlogene Hüllwort für russisches Imperium. Dessen Größe vornehmlich basierte auf Lüge und Heimtücke russischer Politik, seit Iwan der Schreckliche seine berüchtigten Opritschniki „russische Erde sammeln“ ließ.

Verlogene russische Politik: Da fallen mir ein Potemkinsche Dörfer als treffendstes Sinnbild für Rußland.

Auch beispielsweise unter anderen Lügen die Lüge von Jalta, auf der Grundlage des allgemeinen und geheimen Wahlrechts freie Wahlen in allen von Hitlerdeutschland befreiten Gebieten abhalten zu lassen laut alliierter „Erklärung über das befreite Europa“.

Nächsten 11. Februar übrigens feiert allein diese russische Lüge mit ihren enormen Folgen auf das Leben und die Freiheit von Millionen Osteuropäern ihren 75. Jahrestag. Getreu dem westlich naiven Glaubensmuster hatte schon in der Nacht auf den 12. Februar 1945 die BBC freudig das Verhandlungsergebnis im Hinblick auf Polen verkündet:

„Die gegenwärtige provisorische Regierung in Polen [sie war von den Russen als Gegenregierung zur Londoner Exilregierung etabliert worden] soll durch den Eintritt anderer demokratischer Führer aus Polen oder dem Exil auf eine breitere Basis gestellt werden. Es werden so bald wie möglich freie Wahlen auf der Grundlage des allgemeinen und geheimen Wahlrechts ausgeschrieben werden.“

Wetten, daß nächsten Februar der Westen des doch so lehrreichen Gedenkens dieser musterhaft russischen Lüge vergißt?

Aus der man im Zusammenhang mit den russischen Panzern 1953 in Berlin, mit den russischen Panzern 1956 in Ungarn, mit den russischen Panzern 1968 in Prag, mit der Breschnew-Doktrin, mit dem russischen Einmarsch in Afghanistan und im Zusammenhang mit Transnistrien, Tschetschenien, Südossetien, Abchasien, der Ostukraine und der Krim und der vom Westen bis heute noch nicht begriffenen Sperrung des Asowschen Meeres doch wertvolle Vorurteile ableiten könnte und sollte für Gegenwart und Zukunft?

Immerhin, wenigstens nach den allerjüngsten Morden und Mordversuchen, beginnt man endlich von einem „russischen Muster“ zu sprechen. Im aktuellen SPIEGEL steht der bemerkenswerte Satz, es ginge „jetzt darum zu ermitteln, ob der Tiergartenfall zum russischen Muster gehöre, übergelaufene Agenten und andere Staatsfeinde im Ausland umzubringen“.

Und Staatsfeinde in Rußland!

Was willst Du auch von unserem amnesischen Gegenwartsjournalismus erwarten?

Der sich, wie ich beobachten konnte, in bundesdeutschen Medien, bis auf eine Ausnahme, gerade mal bis an den „Fall Skripal“ zurückerinnern kann!

Hauptsache keine Vorurteile!

Es gab schon wesentlich bessere Zeiten deutscher Journalistik. Früher hätte man sich erinnert gefühlt an Leo Trotzki, Willi Münzenberg und Andreij Alexejewitsch Amalrik.

Beispielsweise.

Oder an das Attentat auf den polnischen Papst.

Oder hätte auch der Opfer jüngster Morde gedacht an kritischen Journalisten in Rußland und sie in Zusammenhänge gesetzt.

Oder eben an Alexander Walterowitsch Litwinenko, den ehemaligen russischen Geheimdienstoffizier. Es sollte eigentlich nicht zu lange her sein, sich zu erinnern für einen seriösen Journalismus, wie der mutige Mann 1998 zusammen mit anderen, aus Angst zum Teil maskierten Kollegen in Moskau vor die Presse trat, um als Informanten, also im modernen Journalistendeutsch als „Wisselbloas“, die Weltöffentlichkeit zu unterrichten, daß sie von der Führung ihrer Organisation, das bedeutet vom russischen Machtapparat, den Auftrag erhalten hätten, Boris Beresowski, damals Sekretär des Staatssicherheitsrates, zu ermorden.

Jener Boris Beresowski wurde übrigens 2013 in seinem Londoner Exil erhängt an einem Kaschmirschal aufgefunden. Ebenfalls kamen acht Menschen seines Umfeldes unter mysteriösen Umständen um ihr Leben.

In Deutschland unbeachtet.

Nach mehrmaligen Verhaftungen und Entlassung nur mit Unterschrift einer erpresserischen Verpflichtung, nicht aus Rußland auszureisen, fühlte Litwinenko sich in der Folge jedoch selber derart bedroht vom russischen Geheimdienst, daß er mit seiner Familie nach England floh.

Und dort, als wahrhaft politisch Verfolgter, Asyl erhielt.

Im britischen Exil verfaßte der Mann zusammen mit einem Historiker das Buch „Eiszeit im Kreml. Das Komplott russischer Geheimdienste“. Darin die vom bundesdeutschen Journalismus bemerkenswert unbemerkte bemerkenswerte wisselbloische Behauptung, 1999, Du erinnerst Dich, die Sprengstoffattentate auf Wohnhäuser in russischen Städten, die seien statt von tschetschenischen Terroristen vom russischen Geheimdienst FSB selbst verübt worden!

Um als „Fall Gleiwitz“ den zweiten Tschetschenienkrieg zu rechtfertigen.

Etwa 300 Menschen waren damals allein bei den Anschlägen auf die Wohnhäuser umgekommen…

300 Kinder, Frauen und Männer.

Vom Juli 1998 bis August 1999 hieß der Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB übrigens Wladimir Wladimirowitsch Putin.

Der im Anschluß zum Ministerpräsidenten aufstieg und dergestalt am 1. Oktober 1999 den Einmarschbefehl nach Tschetschenien erließ zur, nach seinen Worten, „zur Bekämpfung von 2000 Terroristen“.

Litwinenko war in London dann Anfang November 2006 vergiftet worden.

In seinem Urin fanden Ärzte in großer Menge das radioaktive Polonium 210.

Ende November starb Litwinenko an der Strahlenkrankheit.

Wenige Stunden bevor er für immer sein Bewußtsein verlor, offenbarte er das Vorurteil, vom Kreml vergiftet worden zu sein.

Die Umstände seines Ablebens wurden wenige Tage später denn auch von den britischen Behörden eingestuft als Mord. Als Tatverdächtige wurden identifiziert zwei russische Geschäftsmänner, die nachweislich ihrem Opfer in einem Hotel poloniumhaltigen Tee verabreicht hatten. Bei ihrem Aufenthalt in London hatten sie an zahlreichen Stellen, zum Beispiel an der Teekanne, an ihren Handtüchern im Hotel, am Abfalleimer, teilweise geradezu extreme radioaktive Spuren hinterlassen. An einem Ort lagen sie über dem Meßbereich des Instrumentes.

Das nachgewiesene Polonium hatte laut Untersuchung einen Marktwert von mehreren Millionen Euro besessen. Da die USA russisches Polonium importieren, gelang es, dieses zu vergleichen mit jenem, mit welchem Litwinenko umgebracht worden war. Was dazu führte, exakt eben jenen Reaktor als russischen zu identifizieren, in dem und sogar mit welchem Datum es produziert worden war.

In seinem Abschlußbericht befand Richter Sir Robert Owen:

Unter Berücksichtigung aller mir zur Verfügung stehenden Beweise und Analysen stelle ich fest, daß die Operation des FSB, Herrn Litvinenko zu ermorden, wahrscheinlich von Herrn Patruschew und auch von Präsident Putin gebilligt wurde.“

Während Putins Paladin Lawrow den Bericht als politisch motiviert und als „nicht transparent“ (auf deutsch: „unklar“) ablehnte, will ich wiederum Öl ins Feuer gießen: Kannst Du Dir vorstellen, daß ausgerechnet in Rußland, dem obrigkeitsorientiertesten Staat seit dem Alten Reich der Ägypter (Grabinschrift: „Lache, wenn er lacht!“), irgendein Untertan sich selbstermächtigte, einen unautorisierten Befehl des Inhaltes zu verantworten, sich aus staatlichen Beständen für einen Mord ein radioaktives Metall und nach diesem entdeckten Mord dann noch einmal für einen anderen Mord ein geheim entwickeltes Nervengift zu beschaffen, um vermittels risikoreicher Operationen auf ausländischem Territorium einen Gegner des Herrn aller Reußen umzubringen?

Gewissermaßen selbstherrlich?

Auf eigene Faust in vorauseilender Gefälligkeit?

Sich auf derart sensiblem Felde außenpolitisch betätigend ohne die Rückversicherung eines obersten Auftraggebers von Auftragsmorden?

Willst Du mein Vorurteil wissen?

Gut: Der Kampf gegen die Lebensart der Westler, der Kampf gegen die Europäisierung Rußlands ist durch die Jahrhunderte kein neuer Zug. Doch heute bekriegt der russische Imperialismus expansiv auch die westliche Zivilisation als solche. Weil man sie für dekadent, schädlich und bedrohlich und demgegenüber das Russentum für gesund und überlegen hält. Und Rußland als chauvinistisch gegen westliche Kultureinflüsse kämpfender Staat ist semifaschistisch ausgerichtet auf die Entindividualisierung seiner letztendlich als leibeigen betrachteten Bürger.

Rußland kämpft gegen das Individuum!

Du bist nichts, dein Volk ist alles!

 

Den Moskowitern ist es unter keinen Umständen erlaubt, ins Ausland zu fahren, ausgenommen diejenigen, welche auf Befehl des Zaren und des Handels wegen mit Passierscheinen geschickt werden. Und selbst wenn Kaufleute ihrer Geschäfte wegen ins Ausland reisen, so zieht man von vornehmen und angesehenen Personen schriftlich beglaubigte Urkunden ein, worin die Unterzeichner sich dafür verbürgen, daß jene Kaufleute samt ihren Waren nicht in den fremden Ländern bleiben, sondern wieder zurückkehren werden. Und sollte irgendeiner, und wäre er ein Fürst oder Bojar oder sonstwer, sich selbst heimlich, ohne des Zaren Erlaubnis in ein fremdes Land begeben oder seinen Sohn oder seinen Bruder hinschicken, so würde man ihm das als Hochverrat anrechnen, und man würde ihm sein Vermögen und seine Besitzungen und seine Leibeigenen zuhanden des Zaren wegnehmen. Und wenn jemand selbst verreisen sollte, und es fänden sich in Rußland Verwandte von ihm, so würde man auch sie foltern, um zu erfahren, ob sie von seiner Absicht Kenntnis gehabt hätten. Und wenn jemand seinen Sohn, seinen Bruder oder seinen Neffen ins Ausland schicken sollte, so würde man auch ihn foltern, um herauszubekommen, wozu er jenen in ein fremdes Land geschickt habe, ob er nicht fremde Heere gegen das Moskowiterreich heranführen lasse, um sich der Staatsgewalt zu bemächtigen, oder ob er sonst ein Schelmenstück im Schilde führe, und durch wen er dazu angestiftet worden war.“

Grigorij Karpowitsch Kotoschichin: „Geschichte der öffentlichen Sittlichkeit in Rußland; Kultur, Aberglaube, Sitten und Gebräuche. Eigene Ermittelungen und Gesammelte Berichte.“ (1666/67)