A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Schlagwort-Archiv: Johann Wolfgang von Goethe

SPD im Verzweiflungskampf

 

28. Oktober 2018: Bellarmin an Mephisto

 

Am 19. Oktober jährte sich zum 140. Mal der Tag, an dem der deutsche Reichstag 1878 das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie verabschiedete und damit die bismarcksche Sozialistenverfolgung legalisierte. 1912 wurde die SPD dann mit 34,8 Prozent der Stimmen stärkste Partei des Reichstags. Am 30. September 1946 hatte die SPD in den Westzonen und Berlin 7500 Ortsvereine und war mit 633000 Mitgliedern die größte Partei Deutschlands. 1972 erreichte die SPD bei den Bundestagswahlen nach dem Mißtrauensvotum gegen Willy Brandt 45,8 Prozent der Stimmen und wurde stärkste Partei im Bundestag.

Vergangen, vergessen, vorüber, vergangen, vergessen, vorbei! Die Zeit deckt den Mantel darüber, vergangen, vergessen, vorbei.

Heute liefert sich die SPD im bundesdeutschen Trend das vielzitierte „Kopf-an-Kopf-Rennen“ mit…

Mit der AfD!

Und scheint von der verhaßten Partei sogar überholt zu werden!

In Bayern wurde die deutsche Sozialdemokratie einstellig!

Und die Genossinnen und Genossen, also die Genossinnen und Genossen, die Genossinnen und Genossen machen sich so ihre Gedanken und suchten analytisch schon mehrhundertseitig nach Gründen und hadern mit der Agenda 2010…

Doch Andrea Nahles gibt sich frohgemut, wie immer, und präsentiert ohne ein Wort darüber zu verlieren drei Tage nach der Bayernwahl „mit strahlendem Gesicht“ (TAZ) dem Publikum für die kommende Europawahl die derzeitige Justizministerin des Bundes, Katarina Barley, als SPD-Spitzenkandidatin.

„Die Beste der SPD-Reste“ titelte die TAZ.

War da nicht was? Wie hieß denn der noch, der war doch immer gepriesen als der superkompetente Europapolitiker der SPD, der mit dem typisch deutschen Allerweltsnamen… Ach ja, Schulz hieß der, Martin Schulz! Und der kam, in seinem Wahlkampf betontermaßen, aus Würselen…

Die sozialpopulistische Partei Deutschlands!

Die SPD…

Ein Rudel von 9 ehemaligen Parteivorsitzenden der SPD, in Worten: neun, hat vorgestern einen flammenden Appell an die Weltöffentlichkeit des bundesdeutschen Wahlvolkes gerichtet nach der Drohung Trumps, den INF-Vertrag des Verbots atomarer Mittelstreckenwaffen aufzukündigen, und die glorreichen Neun warnen vor einem „Atom-Wettrüsten“. Das ehrt sie und erinnert das Wahlvolk an die Politik des Friedensnobelpreisträgers Willy Brandt. Von der man gefährlicherweise in der SPD immer noch glaubt, mit ihr auch heutzutage den russischen Imperialismus einfrieden zu können.

Die Ehre wäre größer und sogar mindestens genauso groß wie das Grinsen über die Anzahl der wie das Hemd gewechselten Parteivorsitzenden, wenn der Appell gleichermaßen schon bei Gelegenheit des Bruchs des INF-Vertrages durch Putin erfolgt wäre.

Die Ehre!

Und vor allem die Glaubwürdigkeit…

Und war da nicht was? Wie hieß denn der noch, der mit dem typisch deutschen Allerweltsnamen? Ach ja, Schmidt hieß der, Helmut Schmidt. Das war der, der den NATO-Doppelbeschluß durchgesetzt hat. Ich glaube, der hätte sich für das durchsichtige Wahlkampfmanöver nicht hergegeben, obzwar er wohl auch und aus gutem Grund gegen eine dümmliche Aufkündigung des INF-Vertrages gewesen wäre, die Putin ja beispielsweise alle Vorwände für seine weitere Aufrüstung auf dem Tablett darböte…

Andrea Nahles hat den Appell nicht unterschrieben.

Sie ist ja auch noch im Amt.

Jetzt hat der Arbeiter-Samariter-Bund seine ursprüngliche Zusage zurückgezogen, Mitarbeitern der AfD-Fraktion des Bundestages vereinbarungsgemäß drei Erste-Hilfe-Kurse zu geben. Auf Anweisung der Geschäftsführung. Der Präsident des Bundes heißt Franz Müntefering, seines Zeichens ebenfalls Ex-SPD-Chef…

Und der führt an als Begründung:

Es ist die grundlegende Auffassung der Samariterinnen und Samariter, dass alle Menschen gleich viel wert sind. Wenn sich die AfD in diesem Sinne zu den allgemeinen Menschenrechten der Vereinten Nationen und zum Artikel 1.1 unseres Grundgesetzes bekennt, wird der ASB das Anliegen auf Durchführung eines Erste-Hilfe-Kurses noch einmal prüfen.

Am 19. Oktober jährte sich zum 140. Mal der Tag, an dem der deutsche Reichstag 1878 das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie verabschiedete und damit die bismarcksche Sozialistenverfolgung legalisierte. 1912 wurde die SPD dann mit 34,8 Prozent der Stimmen stärkste Partei des Reichstags…

 

Eine große Epoche hat das Jahrhundert geboren,

Aber der große Moment findet ein kleines Geschlecht.

(GOETHE / SCHILLER Xenien Der Zeitpunkt)

 

Der sorgsame Umgang mit der Wahrheit

 

5. August 2018: Mephisto an Bellarmin

 

Aus gegebenem Anlaß muß ich Dir denn doch etwas gestehen nach Deiner Epistel über den Niedergang des menschlichen Intelligenzquotienten: Der meine ist merklich im Verfallen! Apropos Merkel, ich merkte es deutlich wieder im Zusammenhang mit ihrer sogenannten Sommerpressekonferenz am Freitag vor zwei Wochen. Du erinnerst Dich hoffentlich, das war am 20. Juli, bevor sie abdüste in ihren wohlverdienten Urlaub. Ich sage Dir, und übrigens bar jeglicher Ironie, ich bewundere die Frau! Oft staune ich über ihr klaglos bewältigtes Arbeitspensum und halte die gewisse Häme, mit der man die hin und her Gehetzte neulich, auf dem Höhepunkt der hysterischen An- und Ausfälligkeiten Seehofers, im Bundestag filmte während ihres vollkommen übermüdeten Einnickens infolge der permanenten Tag- und Nachtsitzungen in Brüssel und Berlin, für mehr als despektierlich.

Doch zurück zu meinem eigenen Intelligenzquotienten.

Da beehrte also unsere Bundeskanzlerin die Bundespressekonferenz mit ihrem Besuch nun zum dreiundzwanzigsten Mal.

Auch das halte ich schon für eine Leistung!

Sich derart oft den harten Fragen der kritischsten Köpfe der Crème de la Crème unserer journalistischen Elite aussetzen zu müssen.

Zumal die Crème de la Crème auf Fragen kam, deren Bedeutung ich bis heute nicht fasse mit meinem niedergehenden Geist.

Ich hätte völlig andere Fragen gestellt. Fragen, von denen nicht eine einzige aufgeworfen wurde von diesem erlauchten Gremium. Woraus ich vermute, meine Fragen wären einfach zu doof gewesen, zu trivial für diese Profis. Sie hätten schon Bescheid gewußt und bestenfalls müde gegähnt und sich geärgert, daß ich ihnen die Zeit stöhle für ihre Wichtigkeiten. Ich wäre auffällig geworden unter den Koryphäen. Manche Korrespondenten hätten begonnen zu tuscheln und zu stöhnen. Was hätte ich mich geschämt! Und mich vielleicht nie wieder zu melden gewagt!

Mit einigen weiteren Fragen.

Ich würde abartig gewirkt haben mit meinem Intelligenzrest.

Kein einziger stellte die Frage, wie das denn nun in Wahrheit war mit den drei Ländern, deren Vertreter ja erst wenige Tage zuvor behaupteten, sie hätten unserer Kanzlerin mitnichten zugesagt, über die Rücknahme von Flüchtlingen zu verhandeln.

Entgegen deren Zeugnis.

Wie konnte es denn kommen zu solch eklatantem Mißverständnis?

Stell Dir vor, infolge meines niedergehenden Quotienten halte ich diese für intelligentere Wesen wohl banale Frage nicht nur für spannend, ich halte sie für wichtig! Nicht nur in Zeiten von Zeitungsenten und diesen ganzen Fäknjus, die uns heutigentags derart piesacken. Da fragt mein niederer Geist sich, könnte man sich nicht mal fragen, ob man sich das nicht mal fragen könnte?

Hätte mich dann der Mut noch nicht verlassen, hätte ich natürlich auch gern eins draufgesetzt und gewußt, was genau unsere Kanzlerin gemeint haben könnte mit dem urplötzlich aus den Tiefen ihres Mundes blitzartig wie aus dem Nichts erst- und einmalig aufgetauchten Wort „Sekundärmigration“. Gegen die sie oder wer auch immer hinfort zu kämpfen beabsichtige. Und ob sie ihr Heureka-Erlebnis dem interessierten Publikum einmal einfühlsam mitteilen könne.

Vielleicht anekdotisch?

Und dann noch jene von ihr ebenfalls entdeckte geheimnisumwitterte „illegale Migration“! Von der ich zuvor nie etwas vernommen hatte von ihr oder dies mir nicht habe merken können in meinem Niedergang.

Das hätte ich mich denn aber wahrscheinlich doch nicht mehr getraut, ich hätte mich zu sehr geschämt über mein Nichtwissen gegenüber all den kritischen Journalisten, die so offensichtlich Bescheid wußten, daß ihnen das alles selbstverständlich war und keinerlei Frage wert auf der jährlichen Sommerpressekonferenz.

Der Deutschlandfunk berichtete über die Veranstaltung am selben Tag:

Merkel rief die Politik und Medien zum sorgsamen Umgang mit der Wahrheit auf. Es sei wichtig, dass sich alle Seiten – Politiker wie Journalisten – mit der Frage der Verantwortlichkeit für richtige Meldungen beschäftigen müssten.

 

Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), Faust I

 

Ostergruß

 

Mein Schwesterchen du,

Nimm liebsamen Dank

Für die Briefe.

 

Lenzt auch bei euch es mit Macht,

Und swingt der Amseln Sang

Befreiend

Und freudenbeglückend wie hier?

 

Jubelvoll möchte ich

Die Menschen

Küssen, liebend umarmen alle Welt!

 

Doch um nichts zu zerstörn

Wie ein

Rhinozeros, bar

Des Nuancengefühls,

Schweige ich.

 

 

Das Edle zu erkennen, ist Gewinst,

Der nimmer uns entrissen werden kann.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

 

Dumm… dümmer… politisch korrigiert

 

3. Februar 2018: Mephisto an Bellarmin

 

worte sind schatten

schatten werden worte

 

worte sind spiele

spiele werden worte

 

sind schatten worte

werden worte spiele

 

sind spiele worte

werden worte schatten

 

sind worte schatten

werden spiele worte

 

sind worte spiele

werden schatten worte

 

Eugen Gomringer, geboren 1925 in Chachuela Esperanza (Bolivien)

 

Der 93jährige Schweizer Schriftsteller und Kunsttheoretiker Gomringer, während ihrer ersten Phase ein Hauptvertreter der Konkreten Poesie, hat neben worte sind schatten und seinem markanten schweigen schweigen schweigen auch das Gedicht ciudad (Stadt) geschrieben:

 

avenidas

avenidas y flores

 

flores

flores y mujeres

 

avenidas

avenidas y mujeres

 

avenidas y flores y mujeres y

un admirador

 

 

Welches man übersetzen könnte mit:

 

 

Alleen

Alleen und Blumen

 

Frauen

Blumen und Frauen

 

Alleen

Alleen und Frauen

 

Alleen und Blumen und Frauen und

ein Bewunderer

 

Selbiges Gedicht im Original steht preisgekröntermaßen seit etwa sechs Jahren verewigt als 14 mal 15 Meter große Inschrift an der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin.

Verewigt?

Nein!!!

Drei Studentinnen empörten sich, das Gedicht erinnere sie „unangenehm an sexuelle Belästigung“. Und wirbelten sich empor. Bis daß die „kleine Straßenszene“ (Gomringer) „mit potenziell sexistischem Inhalt“ (Frauenbeauftragte Antmann), nun entfernt und ersetzt werde durch eine rechteckig genormte „grundgesetzkonforme“ Lyrik, in welcher „sexistische, rassistische, ableistische, lookistische, klassistische, ageistische oder sonstige diskriminierende Bezüge“ nicht akzeptiert würden.

Jene sterile Poesie soll stammen von Barbara Köhler.

Nach allem könnte man die drei Initiatorinnen dieses „barbarischen Schwachsinns“(Christoph Hein) nebst der hierbei umtriebigen Frauenbeauftragten der Hochschule, Debora Antmann, für Dummlinginnen, mindestens aber für geistig eingeengt halten. Ohnehin könnte einem zu den üblichen initiatorischen Banausinnen derartig krankhafter Kampagnen politischer Korrektur in den Sinn kommen, sie litten schwerer als unter Diskriminierung an Geltungstrieb und Gefallsucht.

Zumindest aber scheint den geistig matten Schwachköpfinnen kein Unterschied bewußt zu sein zwischen lyrischem Ich und Autor und schon gar nicht zwischen Sachtext und Lyrik.

Dass sie aber dann auch noch die an sich wertschätzende männliche Bewunderung für Frauen als etwas Bedrohliches empfinden, dokumentiert auf erschreckende Weise, was für einen verkrampft-kruden Blick diese Studierenden auf die Welt haben.

Die Alice-Salomon-Hochschule Berlin hat sich nach ihrer Entscheidung, auf Geheiß von verwirrten Studierenden das Gomringer-Gedicht zu ersetzen, dieses bewundernswerten Kunstwerks als unwürdig erwiesen und auch ihrer Namensgeberin Alice Salomon. Die Hochschule sollte sich deshalb umbenennen. In Hochschule für angewandte Ignoranz.

Tobias Wenzel am 23.1. im Deutschlandfunk

Neben Song und Film „Pretty Women“, die mir gerade einfallen, hier aus der unendlichen Fülle der nicht „grundgesetzkonformen“ Poesie willkürlich lediglich drei Beispiele profilierungssüchtigen politisch korrigierenden Zensorinnen zur Anzeige:

 

Heidenröslein

 

Sah ein Knab ein Röslein stehn,

Röslein auf der Heiden,

War so jung und morgenschön,

Lief er schnell, es nah zu sehn,

Sah’s mit vielen Freuden.

Röslein, Röslein, Röslein rot,

Röslein auf der Heiden.

 

Knabe sprach: »Ich breche dich,

Röslein auf der Heiden!«

Röslein sprach: »Ich steche dich,

Daß du ewig denkst an mich,

Und ich will’s nicht leiden.«

Röslein, Röslein, Röslein rot,

Röslein auf der Heiden.

 

Und der wilde Knabe brach

’s Röslein auf der Heiden;

Röslein wehrte sich und stach,

Half ihm doch kein Weh und Ach,

Mußt es eben leiden.

Röslein, Röslein, Röslein rot,

Röslein auf der Heiden.

 

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

 

 

oder

 

 

Zu meiner letzten Mahlzeit

Will ich meinen Esel sehen

Meine Hühner und meine Gänse

Meine Kühe und meine Frauen

 

Jacques Brel (1929 – 1978)

 

 

oder

 

 

Rubinen sind die Lippen dein,

Man kann nicht schönre sehen.

Oh, dreimal glücklich ist der Mann,

Dem sie die Liebe gestehen.

 

Oh, kennt ich nur den glücklichen Mann,

Oh, daß ich ihn nur fände,

So recht allein im grünen Wald,

Sein Glück hätt bald ein Ende.

 

Heinrich Heine (1797 – 1856)

 

 

O Urteil, du entflohst zum blöden Vieh!

William Shakespeare (1664 – 1616)

 

Wie liegt sie denn, die deutsche Sprache?

 

8.1.17 Bellarmin an Mephisto

Da war Ende November der „Zweite Bericht zur Lage der Deutschen Sprache“ erschienen. Herausgegeben von der „Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung“ und der „Union der deutschen Akademien der Wissenschaften“.

Verlegen möchte man sich vor Ehrfurcht kratzen!

Wie liegt sie denn nun also, die deutsche Sprache?

Nun, der Deutschlandfunk meint zum Bericht über die deutsche Sprache, er zeichne „ein weitgehend positives Bild über den derzeitigen Zustand des Deutschen“…

Wenn das nich gefäkt is: daß ich sowas leif aleben durfte!

Also, wie ich es grade im Radio sagn hörte: „Das is unsa Thema!“

Und das Thema kam gleich nach den „Vakehrsmeldungn“. Zuvor hatte man von den „Wahnstreiks“ der IG-Metall berichtet. Die „Metalla“ hatten ihre „Abeit“ „niedagelegt“!

Hochsprache is nich mehr im Radio. Weil die Wissenschaftla fragn sich inzwischen, wie der DLF berichtete, was Hochsprache is. Da kann man ja nich mehr wie früha in Hochsprache reden, wenn man nu ga nich mehr weiß wie früha, was richtich is.

Und übahaupt, die Deutschn sind ja sowas von gebildet! Und Fremdsprachen könn se! Die laufen ja in Deutschland, die Deutschn!, die laufen ja in Deutschland rum als wärn se fremde Fremdsprachler im eignen Land! Als wärn se woanders! Die laufen zur Demo im eignen Land mit Plakatn durch die Straßn, da steht drauf: „No more Groko!“

In Deutschland!

Protestiernd zur deutschn Regierungsbildung! Laufen vobei in Deutschland am Kaufhof, wo steht: „Sale!“

Die sind sowas von gebildet und transparent!

Das macht den Deutschn keina nich nach!

Das machen die sicha auch, weil se so freundlich sind. Weil se die Zuwandra, also die Migrantn, weil se die eingliedan, also, weil se integriern wolln.

Also mit Deutsch is alles in Butta!

Alladings is die Frage, ob die Mühe sich lohnt. Denn es is die Frage, wie lange es Deutsch übahaupt noch gebn wird. Wie lange in Rom der Papst noch zu Ostan auf dem Petasplatz vor all den „Gläubigern“ (wie ich die dort Vasammeltn erst jüngst zu Weihnachtn im Radio wieda nennen hörte), seine Segensgrüße auch auf Deutsch sagn wird. Denn dann is aus mit Goethe, Heine, Hölderlin, und Karl Kraus hat sich umsonst bemüht.

Dann könn wa „dem Opfer gedenken“, wie das Radio erst neulich wieda formulierte.

Weil, wie der Deutschlandfunk Ende Novemba meldete: „Die deutsche Sprache könnte in 200 bis 300 Jahren ausgestorben sein.“

Selbiges äußere der Sprachwissenschaftler Wolfgang Klein, am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik mit der Dokumentation bedrohter Sprachen befaßt: „Von den 7.000 Sprachen weltweit verschwinden nach seinen Angaben schon jetzt immer mehr, weil die Sprecher entweder aussterben oder sich anderen Sprachen zuwenden.“

 

 

Du Land der Liebe! bin ich der deine schon,

Oft zürnt ich weinend, daß du immer

Blöde die eigene Seele leugnest.

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843): Gesang des Deutschen

 

20.1.17 Serapion an Mephisto

 

Amtseinführung

 

NASA und NOAA (die Ozeanografie- und Wetterbehörde der USA) erklärten das vorige Jahr zum wärmsten, seit 1880 gemessen wurde, und gleichzeitig ist es hintereinander bereits das dritte Rekordjahr. Die Kurve tendiert nach oben, und zu 2015 beträgt der Anstieg, also in nur einem Jahr, sieben Hundertstel Grad!

Weltweit übertraf damit 2016 die Temperatur erheblich die des Durchschnitts über das gesamte vorige Jahrhundert, nämlich um 0,94 Grad!

In Deutschland fallen von den zehn heißesten Jahren seit 1880 acht in die ersten 16 Jahre des jetzigen Jahrhunderts.

Die Kurve tendiert mithin nach oben.

Aber ein weltbürgerliches Gebaren ist nirgends in Sicht.

Die Menschheit in ihrer chaotischen Verfaßtheit, ohne weltweite Durchsetzungsmacht, wird das an sich schon verzweifelte Zwei-Grad-Ziel nicht erreichen.

Und wenn wir das ja ebenfallsige Katastrophenszenario der planetaren Anstiegstemperatur um „lediglich“ zwei Grad durch ein Wunder oder eine vielleicht zeitverschiebende Idiotie, wie beispielsweise die unterirdische Einlagerung von Treibhausgasen, entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch erreichten, wäre der riesige Tanker keineswegs gestoppt.

Wir müßten, der Größe der Aufgabe angemessen, jetzt bereits in unseren Überlegungen soweit gedeihen, strategische Entscheidungen dahingehend treffen zu können, ob wir die für das Überleben unserer dann dezimierten Gattung rettenden Wohnplätze besser unterirdisch oder unterseeisch anlegen.

Denn es wird heiß werden auf unserem Planeten.

 

„Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr müßt sagen, ihr seid dabei gewesen.“

Johann Wolfgang von Goethe (1792) in einem Wort geändert

 

8.7.16 Mephisto an Bellarmin

 

In memoriam all der im Namen Allahs Gemordeten und Geschundenen des diesjährigen Ramadan:

 

Allah, bedecke deinen Himmel

Mit Wolkendunst,

Und übe, dem Knaben gleich,

Der Disteln köpft,

An Eichen dich und Bergeshöhn;

Mußt mir meine Erde

Doch lassen stehn

Und meine Hütte, die du nicht gebaut,

Und meinen Herd,

Um dessen Glut

Du mich beneidest.

 

Ich kenne nichts Ärmeres

Unter der Sonn als euch, Götter!

Ihr nähret kümmerlich

Von Opfersteuern

Und Gebetshauch

Eure Majestät

Und darbtet, wären

Nicht Kinder und Bettler

Hoffnungsvolle Toren.

 

Da ich ein Kind war,

Nicht wußte, wo aus noch ein,

Kehrt ich mein verirrtes Auge

Zur Sonne, als wenn drüber wär

Ein Ohr, zu hören meine Klage,

Ein Herz wie meins,

Sich des Bedrängten zu erbarmen.

 

Wer half mir

Wider der Titanen Übermut?

Wer rettete vom Tode mich,

Von Sklaverei?

Hast du nicht alles selbst vollendet,

Heilig glühend Herz?

Und glühtest jung und gut,

Betrogen, Rettungsdank

Dem Schlafenden da droben?

 

Ich dich ehren? Wofür?

Hast du die Schmerzen gelindert

Je des Beladenen?

Hast du die Tränen gestillet

Je des Geängsteten?

Hat nicht mich zum Manne geschmiedet

Die allmächtige Zeit

Und das ewige Schicksal,

Meine Herren und deine?

 

Wähntest du etwa,

Ich sollte das Leben hassen,

In Wüsten fliehen,

Weil nicht

Alle Blütenträume reiften?

 

Hier sitz ich, forme Menschen

Nach meinem Bilde,

Ein Geschlecht, das mir gleich sei,

Zu leiden, zu weinen,

Zu genießen und zu freuen sich,

Und dein nicht zu achten,

Wie ich!

 

 

Ab Zeile zwei: Johann Wolfgang von Goethe  (1749 – 1832)

 

19.3.16 Serapion an Mephisto

Seit Arminius Sieg beständig auf dem Rückzug begriffen begann Rom unter Kaiser Domitian den Ausbau des Limes gegen die eindringenden Völkerschaften in die Hochzivilisation. Er bestand anfänglich aus einem Flechtwerkzaun vor einem Graben, dann kam ein Wall mit einem Wehrgang oben. Dahinter auf Sichtweite hölzerne Wachttürme. Die Verschanzung wurde betrieben von Kastellen im näheren Hinterland. Unter Hadrian wurde der Flechtwerkzaun ersetzt durch einen Zaun aus Eichenholzpalisaden. Unter Antoninus Pius ersetzte man die hölzernen Wachttürme nach Möglichkeit durch steinerne. Unter Caracalla erhielten die Grenzbefestigungen aus Erdwällen und Palisadengräben ihre Vollendung, man begradigte sie und verstärkte sie teilweise mit Mauern aus Stein. Hinter dem Limes Kastelle und Kasernen wie Wien, Raab, Karlsberg, Schwechat, Fischament, Lorch, Passau, Regensburg, Saalburg, Wiesbaden.

Doch schon bald konnte jene Außengrenze nicht mehr gehalten werden, und man mußte sich verlassen auf den natürlichen Schutz durch den Rhein. Die dortigen Grenzbefestigungen wurden aber 350 überrannt von den Alamannen. Ihnen folgten auf dem Fuße, von den Sachsen vertrieben, die Franken.

Die Katastrophe aber waren die Wandalen.

Ihre Heimat lag in Schlesien, bedrängt zogen sie in die Karpaten und an die obere Theiß, von dort wanderten sie nach Spanien. Hier ließen ihnen die Westgoten keine Ruhe. Doch der Wandalen genialer Herrscher, der seit seinem Sturz vom Pferde hinkende Geiserich, hatte die Vision und die Kraft ihrer Verwirklichung, die völlig seeunkundigen Landratten dazu zu bringen, übers Meer zu setzten nach Afrika. Afrika, die friedliche Idylle, die unberührte römische Provinz, die Kornkammer des Reiches!

Und der Hof in Ravenna konnte Geiserich nicht hindern, seine wilden Wandalen nahmen sie weg. Aber das Reich konnte nicht mehr leben ohne Afrika. Es blieb nichts übrig, der dritte Valentinian mußte einen Vertrag schließen mit Geiserich: Unangefochten wurde die römische Provinz Afrika seinem Volk überlassen. Dafür hatten die Wandalen jedoch friedlich zu bleiben. Wir sehen also eine Art Nichtangriffspakt mit der Bedingung, daß Afrika weiterhin Getreide und Öl liefere und Karthago römisch bliebe.

Was klar bedeutete: Hinfort befand Rom sich in lebenswichtiger Abhängigkeit von Barbaren.

Da lachten die Wandalen und nahmen auch Karthago.

Und verjagten mit grausamen Methoden alle römischen Landbesitzer. Rom bekam nun über das Mittelmeer ein riesiges Problem: Den massenhaften Zustrom ungeliebter Flüchtlinge aus Afrika.

Darüber starb Valentinian. Sein Ableben nahm Geiserich zum Anlaß, sich an den mit Valentinian geschlossenen Vertrag unter Maximus, dem Nachfolger, nicht weiter gebunden zu fühlen.

Ein Wandale verweigert dem römischen Kaiser die Anerkennung!

Mit ihren schnellen Schiffen beherrschten die Wandalen aber inzwischen das Mittelmeer. Und als Maximus bekundete, Valentinians Witwe Eudoxia zu ehelichen und auch seines Vorgängers Tochter mit seinem Sohn verheiraten zu wollen, da –

Da kamen plötzlich die Wandalen angesegelt, mittenmang und unter leuchtend roten Segeln Geiserichs Königsschiff. Sie zerschlugen die römische Flotte und gingen gen Mittag an Land in Portus, an der Mündung des Tibers. In weniger als zwölf Stunden hatten sie Fußtruppen und Belagerungsmaschinen ausgeladen und marschierten los auf der Via Portuenses gen Rom. Nahmen Roms Verteidigungsmauern im ersten Sturm, öffneten die Tore der Stadt – und die Wandalen wüteten in Rom! Wo immer sie auf Widerstand stießen, brannten sie die ganze Straße nieder. Selbige Methode erwies sich als erfolgreich. Die Römer flohen in ihre Häuser und zitterten um ihr Leben, und die Wandalen besetzten die ganze Stadt.

Was nun bevorstand, war der triumphale Einzug Geiserichs in Rom!

Papst Leo ging ihm entgegen und harrte seiner demütig am Rand der Via Portuenses. Er bat Geiserich um Roms Schonung. Der Wandale antwortete, er nähme nur, worauf Afrika ein Recht habe. Er nähme nur, was Rom Karthago und Jerusalem geraubt habe.

Doch stellte der Barbar Mißhandlung von Römern, Brandstiftungen sowie das Ausrauben großer Kirchen unter Strafe.

Geiserich führte eine Liste mit sämtlichen von Römern in Jerusalem und Karthago erbeuteten Schätzen bei sich. Mehr als zwei Wochen plünderten die Wandalen Rom samt seiner reichen Römer, wobei sie auch Standbilder und selbst Kolossalstatuen auf ihre Schiffe verluden.

Und das Schiff mit den roten Segeln entschwand unter Mitnahme Eudoxias und ihrer Tochter. Geiserich beabsichtigte die Tochter zu Hause, in Karthago, mit seinem Sohn zu verheiraten.

Ein geistreicher Franzose, was nach Heine ein Pleonasmus wäre, hat einmal gemeint, cherchez la femme. Was meint, Geschichte werde durch Geschichten machende Frauen gemacht. In Rom ging das Gerücht, Eudoxia habe Geiserich gerufen. Aber ob das stimmt, ist bis heute ihr Geheimnis geblieben, und was ich eigentlich nur sagen wollte, ist: Vielleicht wird Angela Merkels Sieg, wie der gestrige Vertragsabschluß zwischen der Europäischen Union und der Türkei verschiedentlich schon genannt wird, eines Tages als Pyrrhussieg gelten.

 

Eine große Epoche hat das Jahrhundert geboren,

Aber der große Moment findet ein kleines Geschlecht.

(GOETHE / SCHILLER Xenien Der Zeitpunkt)

 

Mephisto an Bellarmin

 

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Schuster, rät jüdischen Bürgern, in bestimmten Gegenden keine Kippa zu tragen. Er sagte im RBB Hörfunk, sie sollten sich zwar nicht aus Angst verstecken. Die Frage sei aber, ob es angesichts zunehmender antisemitischer Straftaten sinnvoll sei, sich in Wohnvierteln mit einem hohen muslimischen Anteil als Jude zu erkennen zu geben.

Das war eine Nachricht am Donnerstag, dem 26. Februar 2015, im Deutschland des einundzwanzigsten Jahrhunderts! Auf den Tag genau einen Monat nach dem siebzigsten Jahrestag der Eroberung der Lager Auschwitz und Birkenau durch sowjetische Truppen. Welcher ermahnend in bewegender Weise gedacht worden war. Von der besonderen deutschen Verantwortung war die Rede. Und kurz zuvor auch hatten deutsche Politiker und Medienvertreter vereint mutig im Chore getönt: „Wir sind alle Charlie!“

Und nun?

Ich habe gar nichts gehört!

Welche Journalisten haben denn in welchen Print- und Onlinemedien oder auf welchen Sendern über welche der „bestimmten“ Wohnviertel „mit einem hohen  muslimischen Anteil“ von antisemitischen Straftaten berichtet?

Welche Zahlen wurden genannt, damit man sich ein realistisches Bild machen könnte über die Zunahme jener Straftaten und über ihre Dynamik? Und über das Umfeld der Täter!

Um was für Straftaten handelt es sich eigentlich?

Wo befinden sich die „bestimmten“ Wohnviertel, in denen es gefährlich ist für jüdische Mitbürger? Ist es nicht die Pflicht, sie beim Namen zu nennen?

Sollen Kippaträger erst irgendwo anrufen müssen, um sich zu erkundigen?

Wie werden die Täter von den Medien eingeordnet? Zählen sie diese zum sogenannten friedlichen Islam oder zum sogenannten islamistischen Islam?

Gelten sie gar als integrierte Muslime?

Ein neues Problem, urplötzlich aus heiterstem integriertem deutschem Himmel?

Kann es sein, daß das Problem in Wahrheit nicht neu ist?

Wenn ja, welchen Grund hatte es, daß man davon erst aus dem Munde eines Betroffenen hört?

Ist das nicht beschämend?

Wurde nicht letztes Jahr von muslimischer Seite „Juden ins Gas“ auf deutschen Straßen gebrüllt? Wie haben denn unsere, auf ihren Pressekodex stolzen Medien in der Folge sich darum gekümmert und was über den Lifestyle, also die Lebensart jenes antisemitischen Mobs in Erfahrung gebracht? Wäre das nicht mindestens eine abendfüllende Sendung wert im Lande der besonderen Verantwortung?

Es gibt doch nicht etwa eine Tabuisierung muslimischen Antisemitismus‘ in unseren Medien?

Und all die üblichen tapferen Kerlchen und KerlInnenchen, wo sind die permanent Empörten? Die mutigen Charlies vom letzten Monat?

Wo unser Rufer im Streite, pardon, unser Rufer der Anständigen, der gute Gerhard von der Gasanstalt?

Wo unsere omnikompetente Marianne, die berufsempörte Claudia?

Wo unser Freund klarer Worte, der Justizminister?

Die Vögelein schweigen im Walde…