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Thalatta ! Thalatta !

Monatsarchive: August 2019

So kam er unter die Deutschen

 

16. August 2019: Mephisto an Bellarmin

 

Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen. Hier muss eine Vorschulpflicht greifen, notfalls muss seine Einschulung auch zurückgestellt werden.“

Carsten Linnemann in der Rheinischen Post

 

CDU-Politiker: Grundschulverbot für Kinder, die kein Deutsch können.“

Deutsche Presse-Agentur

 

Montag, 5. August 2019

Deutschlandfunk:

Kinder müssen vor Einschulung Deutsch können

CDU-POLITIKER Linnemann: Vorschulpflicht für Kinder ohne Deutschkenntnisse gefordert

Der Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Linnemann, fordert, dass Kinder für eine Einschulung ausreichende Deutschkenntnisse haben müssen.

Wer kaum Deutsch spreche und verstehe, habe auf einer Grundschule nichts zu suchen, sagte Linnemann der „Rheinischen Post“. Für betroffene Kinder schlägt er eine Vorschulpflicht vor. Unter Umständen müsse die Einschulung auch zurückgestellt werden. Das koste Geld, fehlende Integration und unzureichende Bildung seien am Ende aber viel teurer. Linnemann verwies auf Ergebnisse von Sprachtests in Duisburg, wonach mehr als 16 Prozent der künftigen Erstklässler gar kein Deutsch könnten.

Der CDU-Politiker hatte in der Vergangenheit unter anderem eine Migrantenquote in Schulklassen und ein Kopftuchverbot für Unter-14-Jährige gefordert.

Hinweis der Redaktion: Den Begriff „Grundschulverbot“, unter dem die Debatte auch hier zunächst abgebildet wurde, weist Linnemann zurück. Er plädiere dafür, die Kinder vor der Einschulung sprachlich fit zu machen, betonte der CDU-Politiker.

 

Dienstag, 6. August 2019

Deutschlandfunk:

Ein Vorstoß des CDU-Politikers Linnemann zur Bildungspolitik hat eine Kontroverse ausgelöst. Nicht deutschsprachige Kinder hätten in der Grundschule „noch nichts zu suchen“ und sollten notfalls später eingeschult werden, hatte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion erklärt. Aus Sicht des Grundschulverbands wäre dies kontraproduktiv.

Für betroffene Kinder schlug Linnemann eine Vorschulpflicht vor. Den Begriff „Grundschulverbot“, unter dem die Debatte zunächst geführt wurde, weist Linnemann zurück. Er plädiere dafür, die Kinder vor der Einschulung sprachlich fit zu machen, betonte der CDU-Politiker.

Wie solch eine Vorschulpflicht ausgestaltet würde, das sei Ländersache, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Das könne ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr sein, Förderklassen oder auch eine klassische Vorschule. Aber man brauche eine Debatte über das Thema in Deutschland. Den meisten Kindern würde ein Jahr Vorschule reichen, um fit für die Grundschule zu werden. „Und wenn es mal nicht reicht, dann sollte man besser die Vorschule noch mal verlängern, als das Kind in der ersten Klasse scheitern zu lassen“, ergänzte Linnemann.

Kritik des Grundschulverbands

Durch Separation entstehe keine Integration, sagte die Vorsitzende des Grundschulverbands und langjährige Schulleiterin, Lassek, im Deutschlandfunk. Kinder, die später eingeschult würden, kämen nicht mit Gleichaltrigen zusammen. In Vorklassen fehlten ihnen zudem Sprachvorbilder und die Möglichkeit, Deutsch im Umgang miteinander zu lernen.

„Populistischer Unfug“

Auch innerhalb der eigenen Partei stieß Linnemann auf Unverständnis. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Widmann-Mauz (CDU), betonte in der „Rheinischen Post“, an der Schulpflicht gebe es nichts zu rütteln. Sie warb für mehr begleitende Sprachvermittlung an Grundschulen. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Prien sprach in der „Süddeutschen Zeitung“ von „populistischem Unfug“.

Die Linken-Vorsitzende Kipping warf Linnemann vor, er gehe „auf Stimmenfang im rechten Sumpf“. Die Grünen-Abgeordnete Müller meinte, Kinder von der Möglichkeit auszuschließen zur Schule zu gehen, sei nicht nur gegen geltendes Gesetz, sondern auch das Unsozialste, was sie seit sehr langer Zeit habe lesen müssen.

 

Deutschlandfunk:

Deutschkenntnisse sind wichtig für Integration und Bildungserfolg. Das stehe außer Frage, meint Kate Maleike. Die Forderung des CDU-Politikers Carsten Linnemann, Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen erst später einzuschulen, sei jedoch hanebüchen und das Gegenteil von dem, wofür die Grundschule stehe.

„Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen“: Mit dieser Äußerung hat der Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann jetzt gezeigt, wie weit wir in Deutschland noch davon entfernt sind, Zuwanderung und Internationalität auch als Chance zu verstehen.

Denn was ist, wenn ein Kind zwar schlecht Deutsch spricht, dafür aber schon sehr gut zählen kann und im Sprint allen davonläuft? Ginge es nach Linnemann, würde ihm schon im frühen Alter trotzdem signalisiert, dass es für die Schule noch nicht gut genug ist.

 

Mittwoch, 7. August 2019

FRANKFURTER RUNDSCHAU:

Die angestoßene Debatte ist daher die falsche. Die richtige Debatte wäre die über Chancen. Es geht um Umverteilung von Geld und um Investitionen in Bildung.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

Es gibt zehntausende Kinder, die trotz schlechter oder gänzlich fehlender Deutschkenntnisse mit gleichaltrigen Muttersprachlern in die erste Klasse kamen, rasend schnell in der Praxis Deutsch lernten und später Beispiele gelungener Integration wurden. Aber das ignoriert Linnemann. Er möchte lieber, dass die Schullaufbahn von Kindern mit Migrationshintergrund mit einer Zurücksetzung beginnt.

DIE WELT:

Linnemann hat keineswegs vorgeschlagen, sechsjährige Kinder von Migranten zu bestrafen. Er will eine intensive Förderung in einer verpflichtenden Vorschule, sodass die Kinder später besser gerüstet am Regelschulunterricht teilnehmen können. Wer das für ausländerfeindlich hält, sollte sich anschauen, wie das Einwanderungsland Kanada seine hervorragenden Integrationsergebnisse erzielt. Dort kommen Kinder, die des Englischen beziehungsweise Französischen noch nicht mächtig sind, zunächst in spezielle Einrichtungen, in denen der Spracherwerb höchste Priorität hat. Spätestens nach einem Jahr geht es an eine Regelschule. Dass auch dort der Ausländeranteil oft hoch ist, spielt dann überhaupt keine Rolle, denn alle Schüler können dem Unterricht ohne sprachliche Schwierigkeiten folgen.

WESER-KURIER:

Klar ist aber doch auch, dass die Beherrschung der deutschen Sprache die entscheidende Grundlage ist. Wenn jedoch ein Fünftel bis ein Viertel der Erstklässler nur schlecht oder gar kein Deutsch spricht, muss darüber diskutiert werden, wie das geändert werden kann. Wertfrei bitte!

VOLKSSTIMME:

Mitunter nehmen Meldungen in der medialen Berichterstattung durch Verkürzung und Zuspitzung eine eigene Dynamik auf. So auch die Nachricht vom angeblichen Vorstoß für ein ‚Grundschulverbot‘ für Kinder ohne Deutschkenntnisse von CDU-Politiker Linnemann. Für eine faire Bewertung muss man festhalten: Ein ‚Grundschulverbot‘ hat er so gar nicht gefordert. Kern war vielmehr, Einschulungen zurückzustellen, wenn Kinder die deutsche Sprache noch nicht beherrschen.

MITTELDEUTSCHEN ZEITUNG:

Es lohnt, sein ganzes Interview zu lesen. Darin ist von Vorschulpflicht die Rede, von zurückgestellten Einschulungen, von Geld, das in Integrations- und Sprachkurse investiert werden müsse. Wer würde etwas dagegen sagen? Für die aufgeregten Twitter-Debatten sind solche Differenzierungen indes zu lang und zu kompliziert.

 

DER SPIEGEL 33/19:

König leitete bis Anfang 2019 eine Grundschule im Frankfurter Stadtteil Griesheim, eine »Brennpunktschule«, wie König selbst sagt. Zwischenzeitlich hatten nur 9 ihrer 275 Schüler keinen Migrationshintergrund. »Ich habe Erstklässler erlebt, die auf Deutsch nicht einmal ›Guten Tag‹ sagen können«, erzählt König. »Wie soll die Schule diesen Kindern das Lesen oder Rechnen beibringen?«

Sprache gilt als Schlüssel für eine gelungene Integration, schulischer Erfolg als Eintrittskarte in ein ertragreiches Berufsleben. Wer nicht gut Deutsch spricht, tut sich meist auch in anderen Fächern schwer, zeigen Studien. Wenn ein Kind in der Grundschule schlechte Noten schreibt, wird es vermutlich nicht auf ein Gymnasium wechseln. Solche Kinder »können ihr Potenzial nicht entfalten und die Chancen nicht nutzen, die ihnen das deutsche Schulsystem bieten kann«, sagt Ingrid König, die ihre 30-jährige Erfahrung in dem Buch »Schule vor dem Kollaps« zusammengefasst hat. »Sie hinken vom ersten Tag an hinterher.«

Im IQB-Ländervergleich für Grundschulen aus dem Jahr 2016, einer Art Deutschland-Pisa, erreichten deutlich mehr Hamburger Viertklässler die Mindeststandards im Lesen als etwa in Berlin – obwohl der Anteil der Schüler, die zu Hause eine andere Sprache sprechen als Deutsch, in beiden Ländern hoch ist. In Hamburg sind das aktuell 26,7 Prozent der Kinder, so viele wie nie zuvor.

Wenn Defizite auffallen, müssen diese Kinder ein Jahr lang verpflichtend die Vorschule besuchen, wo sie zusätzlich sprachlich gefördert werden. Das betrifft rund 17 Prozent eines Jahrgangs.

FOCUS 33/19:

Unbestreitbar führt die Anwesenheit von mehreren Schülern mit unzureichenden Deutschkenntnissen dazu, dass der Lernerfolg der gesamten Klasse gebremst,wenn nicht gar gefährdet wird.

Laut Pisa-Studie erbringen 43 Prozent der 4,9 Millionen Kinder mit Migrationshintergrund in Deutschland „sehr schwache Leistungen“ in der Schule.

Ursache dafür sind vor allem mangelnde Deutschkenntnisse.

Aktuell liegt der Migrantenanteil bei den 15- bis 20-Jährigen bei knapp 31 Prozent. Bei den unter 5-Jährigen sind es mehr als 39 Prozent.

Viele Unternehmer und Firmenchefs treiben die immer häufiger auftretenden Sprachdefizite bei Azubi-Bewerbern um. Und das beginnt nun einmal alles mit dem Eintritt in die Grundschule.

80 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die im Ausland geboren wurden, sprechen zu Hause kein Deutsch.

 

Freitag, 9. August 2019

Deutschlandfunk:

„Deutschland ist keine offene Gesellschaft“

Der chinesische Künstler Ai Weiwei kehrt Deutschland den Rücken.

Seine Familie und er hätten sehr gern hier gelebt, aber er verlasse Berlin trotzdem, sagte er der Zeitung „Die Welt“: „Dieses Land braucht mich nicht, weil es so selbstzentriert ist.“ Deutschland habe keine offene Gesellschaft, führte er aus. Die Gesellschaft wolle offen sein, beschütze aber vor allem sich selbst. Ai Weiwei, der in China jahrelang unter Hausarrest stand, ergänzte, die deutsche Kultur sei so stark, dass sie nicht wirklich andere Ideen und Argumente akzeptiert. Es gebe kaum Raum für offene Debatten, kaum Respekt für abweichende Stimmen.

 

 

„So kam ich unter die Deutschen. Ich foderte nicht viel und war gefaßt, noch weniger zu finden. Demütig kam ich, wie der heimatlose blinde Oedipus zum Tore von Athen, wo ihn der Götterhain empfing; und schöne Seelen ihm begegneten –

Wie anders ging es mir!

Barbaren von alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark zum Glück der heiligen Grazien, in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes – das, mein Bellarmin! waren meine Tröster.

Es ist ein hartes Wort und dennoch sag ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen.“

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

 

Mene mene tekel u-parsin

 

10. August 2019: Kassandra an Mephisto

 

Mene mene tekel u-parsin: Wenn es der Menschheit nicht gelingt, eine durchsetzungsfähige Institution zu schaffen, die für den einzelnen Staat das ist, was der Staat ist für den Einzelnen, wird mit einer zum Übermaß anwachsenden Wahrscheinlichkeit unsere Gattung zu Grunde gehen oder auf einsame Exemplare dezimiert werden. Bereits heute handelt es sich kaum mehr um eine Frage des Ob. Das Dilemma dabei ist, daß einzig ein sich ins monströse steigerndes Elend noch geeignet sein könnte, den erforderlichen Druck aufzubauen zur Schaffung jener Weltregierung, der sich souveräne Staaten unterwürfen. Wenn wir Menschen am eigenen Leibe keine handlungserzwingende Pein spüren, degenerieren wir. Not war und ist Voraussetzung unserer Existenz und Entwicklung und brachte und bringt gleichzeitig uns immer wieder in tödliche Gefahr. Mensch und Paradies schließen sich naturgegeben aus, der Krieg ist der Vater aller Dinge. Unser Planet steht nicht im Zentrum des Universums und ist darin erwiesenermaßen auch mitnichten ein bevorzugter Punkt. Kein Hahn oder Gott wird nach uns krähen, wenn wir ausstürben im Kosmos wie irgendeine der Species auf unserer Kugel. Mit Sicherheit gibt es im All unzählige Lebensformen, von denen genügend es schaffen werden, nicht schon an denselben Problemen zu scheitern wie die hiesigen Herrentiere linnéscher Ordnung.

 

Der blinde Fleck

 

3. August 2019: Bellarmin an Mephisto

 

Mit dem gestrigen Tag endete der INF-Vertrag.

Stell Dir vor, vorgestern lautete bei uns in Deutschland die Nachricht über sein Ende im öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunk, der derzeit seriösesten Sendeanstalt der Bundesrepublik im Zeitalter der viel beklagten Falschmeldungen, also des Schwindelns, Fälschens, Frisierens, Türkens, Täuschens und Lügens, demnach, um es auch einmal im klaren und verständlichen, dem Volk vom Maul abgeschauten bundesrepublikanischen Journalistendeutsch auszudrücken: in der Epoche der Feknjus:

Mittelstreckenraketen: Russland warnt USA vor Stationierung in Europa

Kurz vor dem Ende des INF-Vertrags über das Verbot landgestützter atomarer Mittelstreckenwaffen hat Russland die USA vor einer Stationierung derartiger Raketen in Europa gewarnt.

Vizeaußenminister Rjabkow drohte damit, andernfalls solche Waffen in der Nähe der Vereinigten Staaten zu stationieren. Alle Optionen lägen dann auf dem Tisch, sagte er laut der Agentur Interfax. Rjabkow kritisierte, dass weder die USA noch die Nato auf den Vorschlag eines Moratoriums eingegangen seien. Bundesaußenminister Maas rief dazu auf, den Zerfall der weltweiten Rüstungskontrollarchitektur zu stoppen. Das Ziel einer atomwaffenfreien Welt gerate immer mehr aus den Augen, schrieb er in einem Gastbeitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Maas verwies darauf, dass es weltweit immer noch fast 14.000 nukleare Sprengköpfe gebe und dass die Investitionen in neue Systeme nach Jahren des Rückgangs wieder erhöht würden.

Der 1987 von US-Präsident Reagan und dem sowjetischen Staatschef Gorbatschow unterzeichnete INF-Vertrag endet morgen. Erst hatten die USA, dann Russland den Vertrag aufgekündigt. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld daran.

Was ist falsch an der vor bundesjournalistischer Scheinobjektivität triefenden Meldung des Deutschlandfunks?

Die, besonders im deutschen Hinblick auf Rußland, typische Weglassung des Wesentlichen.

Statt sich freiwillig als Propagandasprachrohr des Kremls mißbrauchen zu lassen, wie wäre es denn, wenn man die permanente Bevorzugung von Sprechblasen als Kompensation der Angst vor den oft so schmerzlich dem Weltbild der Alt-68iger widersprechenden Fakten nebst ihren unverschämt zutreffenden Begrifflichkeiten in den öffentlich-rechtlichen Redaktionen endlich überwände gegen Ende des zweiten Jahrzehnts des einundzwanzigsten Jahrhunderts?

Also was par exemple die Ukraine anbelangt: „Söldner“ statt „Separatist“?

Zumindest in Zeiten bemühtester Mutmaßlichkeiten: „sogenannter Separatist“?

Sich fürderhin nicht weiter ausgerechnet von Rußland die Begrifflichkeit, geschweigen denn die Welterklärung, aufdrängen zu lassen?

Wie wäre es also, wenn man hier, an einem unter unzähligen Beispielen stellvertretend demonstriert, dem obersten Grundsatz des bundesdeutschen Pressekodexes entsprechend, gemäß einer „wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit“ berichtet hätte:

Mittelstreckenraketen: Rußland warnt USA vor Stationierung in Europa

Kurz vor dem Ende des INF-Vertrags über das Verbot landgestützter atomarer Mittelstreckenwaffen hat Rußland die USA vor einer Stationierung derartiger Raketen in Europa gewarnt.

Vizeaußenminister Rjabkow drohte damit, andernfalls solche Waffen in der Nähe der Vereinigten Staaten zu stationieren. Alle Optionen lägen dann auf dem Tisch, sagte er laut der Agentur Interfax. Rjabkow kritisierte, daß weder die USA noch die Nato auf den Vorschlag eines Moratoriums eingegangen seien.

Anfang Februar hatten die USA den Vertrag unter Berufung auf eine vertragswidrige Produktion und Stationierung der russischen Marschflugkörper SSC-8 gekündigt. Die Produktion und Stationierung der SSC-8 war von russischer Seite geleugnet worden. Die von den USA den Nato-Verbündeten vorgelegten Untersuchungsergebnisse konnten jedoch von mehreren Verbündeten auch unabhängig bestätigt werden. Nachdem die Einschätzung eines Vertragsverstoßes von allen 29 Mitgliedstaaten der Nato, einschließlich Deutschlands, geteilt worden war, hatte die russische Seite die Existenz der SSC-8 zwar eingeräumt, nun jedoch eine Vertragsverletzung hinsichtlich ihrer Reichweite bestritten. Die Bitte einer Verifizierung durch Experten wurde abgelehnt. Stattdessen präsentierte das russische Militär ein angebliches Exemplar jener Geschosse im Rahmen einer Ausstellung.

Der 1987 von US-Präsident Reagan und dem sowjetischen Staatschef Gorbatschow unterzeichnete INF-Vertrag endet morgen.

Vielleicht sollten bundesdeutsche Journalisten, was ihre politisch korrigierte Befangenheit gerade gegenüber dem russischen Imperialismus anbelangt, hin und wieder von ihren unverkrampften Kollegen in unseren Nachbarländern lernen. Am Sonntag, dem 3. Februar 2019, hatte zum Beispiel der britische Independent geschrieben:

Diese moralische Äquivalenz ist falsch. Russland verletzt den Vertrag, indem es Waffen entwickelt und einsetzt, die von dem Vertrag ausdrücklich verboten werden.

 

Wahr spricht, wer Schatten spricht.“

Paul Celan (1920 – 1970)