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Thalatta ! Thalatta !

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Journalistische Kapricen

 

16. Dezember 2017 – Bellarmin an Mephisto

Während dieser Tage konntest Du wieder etwas lernen bei uns im ehemaligen Lande der Dichter und Denker. Du konntest lernen, daß man uns wieder etwas lehren will in Sachen politischer Korrigiertheit.

Donnerstag, 7.12.17, Deutschlandfunk:

Im Nahen Osten droht eine neue Intifada

Die radikal-islamische Hamas rief für morgen zum Aufstand gegen Israel auf. Hamas-Führer Hanija erklärte, die Entscheidung von US-Präsident Trump, Jerusalem als israelische Hauptstadt anzuerkennen, komme einer Kriegserklärung an die Palästinenser gleich. Die palästinensische Autonomiebehörde müsse alle Bemühungen um einen Frieden mit Israel einstellen. – Bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten im Westjordanland wurden heute mehrere Palästinenser verletzt. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums setzte die Armee Tränengas und Gummigeschosse ein. Ein israelischer Militärsprecher erklärte, Palästinenser hätten Steine auf Soldaten geworfen und Autoreifen angezündet.

Sehen wir einmal davon ab, daß es sich hier um die in Deutschland immer noch grassierende, weil nicht überwundene, typisch links68iger-strukturierte, also palästinenserverklärende und Ursache mit Wirkung vertauschende Berichterstattung über den Nahostkonflikt handelt, à la „Palästinenser sterben bei Messerattacken auf Israelis“ (SPIEGEL Online, 18.10.15), dann sollten wir uns bedanken für die gnädige Horizonterweiterung, denn immerhin erhebt sie uns aus der zugewiesenen Flachköpfigkeit in eine dritte Dimension.

Mutmaßlich.

Bisher wußten wir vorgegebenermaßen, es gäbe „islamisch“ und „islamistisch“. Diese Sprachregelung, diese Begriffsvorgabe, diese Gedankenlenkung sollte uns suggerieren, „islamisch“ stünde für friedlichen Mohammedanismus. Also gewissermaßen einen Mohammedanismus mit friedlichem Jihad und so. Und implizierend: Der friedliche Mohammedanismus wäre nicht einverstanden etwa mit dem Aufruf zur Ermordung Salman Rushdies oder Mina Ahadis und so vieler anderer, und der rechtgläubige Mohammedaner mißbillige, daß man Schulmädchen entführe oder ihnen ins Gesicht schieße.

Und er traue sich nur nicht, das zu sagen…

Während „islamistisch“ uns bedeuten soll, diese Leute, die sogenannten Islamisten, die hätten den Mohammedanismus falsch verstanden. Und es bestünde demnach keine Plicht jedes erwachsenen männlichen Mohammedaners, dem „Haus des Islam“, der höchsten und universalsten aller Religionen, die Nachbarn und Nachbarländer, dieses ganze „Haus des Krieges“, was meint, diese unsäglichen Heiden und die „Völker des Buches“ (Juden, Christen, Parsen…) und jenes ganze Gesocks an „Ungläubigen“, endlich mohammedanischen Regeln und Gesetzen und im Überlebensfall der Kopfsteuer zu unterwerfen.

Und es wäre kein todeswürdiges Verbrechen, den Mohammedanismus zu verlassen.

Das wäre falsch verstanden, so, als meinten solches weder der Koran noch Mohammed noch der Hadith.

Und nun, unermüdlich in Sorge um unser politisch richtiges Denken, eröffnet, erklärt, nein, nennt uns „ein wichtiger Faktor bei der Bildung der öffentlichen Meinung“ (DUDEN), nämlich der deutsche Journalismus, plötzlich eine zusätzliche Kategorie des Mohammedanismus. Nämlich die „radikal-islamische“.

Und das wiederholt. Auffälligerweise aber ausschließlich bezogen auf die Hamas.

„Radikal-islamisch“ – was will man uns denn hier nun wieder signalisieren? Welchen Unterschied sollen wir denn als korrekt empfinden im Hinblick auf „islamisch“ und „islamistisch“?

Da nirgendwo begründet oder gar diskutiert werde ich jetzt einmal, nun ja, bin ich gewissermaßen sogar gezwungen zu mutmaßen… Und aus diesem und jenem und so manchem vorherigen mutmaße ich schlicht, „radikal-islamisch“ soll stehen aus bestimmten Gründen und glauben machen an zwar nicht ganz so friedliche Mohammedaner wie den richtiggläubigen „islamischen“ Gemüsehändler, der an der sprichwörtlichen Ecke stets angeführt wird als Beispiel für die Friedlichkeit des Mohammedanismus. Doch vor allem, und Gott bewahre, soll „radikal-islamisch“ nicht etwa „islamistisch“ heißen und unkorrekt denken lassen an die unrichtigen Mohammedaner des sogenannten „sogenannten Islamischen Staates“.

Beispielsweise.

Stammtischhaft mutmaße ich jedoch, der Begriff „radikal-islamisch“ verunklart auffällige Gemeinsamkeiten.

Denn, um nur ein Beispiel aus jüngerer Zeit zu nennen, hat die unermüdlich Haß säende Hamas lange vor der aktuellen Aufregung über Donald Trump jeden Israeli zum lebenden Ziel erklärt und somit zur Ermordung sämtlicher Juden aufgerufen.

Und deshalb halte ich allein schon mit diesem Grunde „radikal“ zur Kennzeichnung jener Verbrecherbande als das absolut falsche Wort.

Wohingegen „islamisch“ offensichtlich stimmt.

Samstag, 7.12.17

PFORZHEIMER ZEITUNG:

Weder macht die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt den Friedensprozess unmöglich, noch entscheidet der Sitz der US-Vertretung über die Zukunft der Muslime im Nahen Osten. Trumps „frischer Wind“ kann zu einem heftigen Unwetter führen. Aber der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Königshaus, hat Recht: „Man kann die Politik nicht immer daran orientieren, dass mit Gewalt gedroht wird und diese Drohung dann erfolgreich ist“.

NORDWEST-ZEITUNG:

Israel ist ein zuverlässiger Partner und teilt westliche Grundüberzeugungen. Das kann man weder vom Großteil der islamisch-arabischen Staatenwelt noch von der zwischen korrupt und antisemitisch-eliminatorisch schwankenden palästinensischen Führung behaupten. Welche Hauptstadt Israels würde denn etwa die Hamas akzeptieren? Die Antwort: keine, jemals.

Sonntag, 8.12.17

TAGESSPIEGEL:

Noch immer können die Palästinenser ihren eigenen Staat bekommen, noch immer können sie einen Teil Jerusalems auch zu ihrer Hauptstadt machen. Zwar toben die Palästinenser erst mal, aber weil sie besser wissen als viele ihrer Sympathisanten, dass sich auch für sie nichts ändert, werden sich die Gemüter wohl bald wieder beruhigen. Alarmismus ist ebenso verfehlt wie Triumphalismus. Trotzdem werden die Alarmglocken mit viel Nachhall geläutet. Das Ende des Friedensprozesses! Als hätte es in den vergangenen Jahren einen irgendwie funktionierenden Friedensprozess gegeben.

FRANKFURTER RUNDSCHAU:

Wer von Israel als einem Apartheid-Staat redet, kann nicht einem Massenmörder wie Baschar al-Assad huldigen, dem Umgang des türkischen Despoten Recep Tayyip Erdogan mit der kurdischen Minderheit applaudieren, die Hungerblockade der Saudis gegen die Jemeniten oder die brutale Unterdrückung aller Andersdenkenden durch den ägyptischen Diktator Abdel Fattah al-Sisi als Kampf gegen den Terror preisen. Ganz zu schweigen von dem zivilisatorischen Bankrott durch den „Islamischen Staat“, dessen blutige Spur von Terror und Verwüstung sich durch fast alle arabischen Staaten zieht.

DIE WELT:

Es ist Zeit, die Realität anzuerkennen. Auch in Europa. Je deutlicher den Arabern klargemacht wird, dass der Westen hinter Israel steht, desto eher wird man auch in Ramallah und Gaza die Realität anzuerkennen bereit sein.

Klarheit schafft Wahrheit!

 

Wie gefährlich ist Nordkorea?

 

2. Dezember 2017 – Bellarmin an Mephisto

Um zu verstehen, wie effektiv die Gefahr durch das nordkoreanische Regime ist, sollten wir uns zuvörderst um das Verständnis über das Warum seines Handelns bemühen. Und dazu wiederum müssen wir uns fragen, was es in facto ist. Im Rest der Welt wird es ja angesehen als kommunistisches Herrschaftssystem.

Ist es das?

Zunächst einmal finden sich all die typischen Merkmale bis zur Vollkommenheit:

Wir sehen die alleinige „wissenschaftlich“ wahre Ideologie zur Schaffung einer neuen Gesellschaft mit einem notwendigerweise neuen Menschentyp inklusive religiöser Paradiesverheißung nebst Ketzerverfolgung und Ausmerzung Andersdenkender sowie Ausrottung ganzer als schädlich oder feindlich eingestufter Gruppen und Gesellschaftsschichten. Im Ostblock seinerzeit „Wissenschaftlicher Kommunismus“ genannt und an Universitäten gelehrt von gewichtig daherschreitenden „Gesellschaftswissenschaftlern“. Auf Staatsexamenszeugnissen sämtlicher Hochschulfachabschlüsse ausgewiesen vor allen anderen als erstes Fach.

Wir sehen eine Staatspartei mit einem unfehlbaren und unsterblichen Führer bis ans Ende seiner Lebenszeit.

Wir sehen die Überwachung, Einschüchterung und das Inschachhalten der Bevölkerung vermittels einer übergesetzlich agierenden, also gegenüber dem entrechteten Individuum allmächtigen geheimen politischen Polizei. Die übrigens am 1. Dezember 1947, also exakt vor siebzig Jahren, in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands im geheimen, wen wundert es, als sogenannte Abteilung „K 5“ und besetzt mit Alt- und Kaderkommunisten in den damaligen Kommissariaten der Kripo gegründet wurde aus irgend einem Grund.

Wir sehen die völlige Gleichschaltung und detaillierte Überwachung sämtlicher Medien und die peinlichste Kontrolle und Zulassungskontrolle des kulturellen Lebens, und, vor allem, jeglicher Bildungsanstalt.

Wir sehen, und hier kommen wir zum Kern oder besser zum Zweck der Veranstaltung, wir sehen nämlich ein mehr oder minder verhülltes und in Wahrheit auf Leibeigenschaft beruhendes Zwangsarbeitssystem einer staatsmonopolistischen Planwirtschaft.

Fein säuberlich finden sich demnach die wesentlichen Indikatoren, man möchte sagen: in Reinform. Interessant ist jedoch, daß das kommunistische Staatsziel aus der Verfassung Nordkoreas entfernt worden ist. Liegt der Westen also richtig, wenn man dort unisono von einem kommunistischen Regime spricht? Inwiefern unterscheidet es sich von einem faschistischen? Mit einer Staatsideologie wie beispielsweise einem rassistischen Sozialdarwinismus? Mit einer Partei wie beispielsweise der nationalsozialistischen? Mit einer Geheimpolizei wie beispielsweise der Gestapo? Mit einer per täglicher Regieanweisung durch das Reichspromi gleichgeschalteten Presse? Mit Sprüchen wie „Arbeit macht frei“ an den Toren der Konzentrationslager?

Derartige Sprüche sollen auch an den Eingängen nordkoreanischer Arbeitslager stehen…

Ich sehe keinen grundlegenden Unterschied zwischen Faschismus und Kommunismus – es handelt sich um Systeme mit totalitärem Herrschaftsanspruch über das Individuum: „Du bist nichts, dein Volk ist alles!“

Wir haben es zu tun mit dem als „totalitär“ bezeichneten totalen Herrschafts- und Besitzanspruch gegenüber dem vollkommen entrechteten Individuum: Du bist nichts, der Staat ist alles!

Totalitarismus als modernisierter Absolutismus: „L’état c’est moi!“

Wir erinnern uns: Mit Winston Smith in Orwells „1984“ soll der letzte Mensch, was meint, das letzte Individuum, vernichtet werden. Auf Zelle 101.

Es handelt sich um den auf die Spitze getriebenen Grundwiderspruch der Menschheit – um den Widerspruch zwischen Staat und Individuum in seinen jeweilig zum Absoluten strebenden Ansprüchen und Beanspruchungen. Und seiner Ausprägung in konträren Gesellschaftssystemen: Diktatur versus Demokratie.

Womit wir zum Warum des nordkoreanischen Handelns gelangen.

Es geht hier um die Versklavung des eigenen Volkes. Dessen daraus resultierende Verelendung ist natürlich permanent mit der eventuell von außen bewußt oder unbewußt stimulierten Gefahr von Rebellion und dem Zwang zu ihrer brutalen Niederschlagung verbunden. Es geht weniger, wie Vertreter westlicher, also aristotelischer Logik schließen, um „in Augenhöhe“ mit den USA verhandeln zu können.

Es geht um innere Allmacht.

Denn um das eigene Volk grenzenlos kujonieren zu können, bedarf es zwangsläufig seiner Abschottung. Dafür stand die Berliner Mauer. Dafür standen die sowjetischen SS 20 Raketen.

Dafür stehen die atomaren Versuche Kims.

Und egal was kam und kommt: Er hat und er wird sich davon nicht abbringen lassen. Selbst wenn er zum Schein mit noch so nach westlicher Logik ausgeklügelte Verträge unterschriebe. Der Westen hat bis heute nicht verstanden, was nach Abschluß des Vertrages von Helsinki die heimliche Aufstellung der sowjetischen SS 20 Raketen bedeutete. Und nach dem Ende des kommunistischen Systems denkt man auch nicht weiter darüber nach.

Sie waren das Zeichen und Eingeständnis, daß der Kommunismus den vollmundig von ihm selbst propagierten wirtschaftlichen Wettstreit der Systeme verloren hatte.

Denn es war vorbei mit dem wirtschaftlichen Überholen der USA kraft der gepriesenen weil unzweifelhaft „überlegenen sozialistischen Produktionsweise“. Es war vorbei mit der Ende der sechziger Jahre verkündeten „Errichtung der materiell technischen Basis des Kommunismus bis 1980“: Mittels sozialistischer Planwirtschaft war in selbiger Zeit Rußland vom Getreide-Exporteur zum Getreide-Importeur herabgesunken.

Ihren Zenit überschritt das Sowjetimperium in der Dekade von 1957 bis 1968/69, also beginnend vom Start des ersten Raumflugkörpers bis zum Einmarsch der Warschauer Paktstaaten in Prag zwecks Niederschlagung des „Prager Frühlings“ beziehungsweise bis zu dem ebenfalls selbst propagierten und mit Pauken und Trompeten verlorenen „Wettlauf zum Mond“.

Was demnach die Effektivität der nordkoreanischen Gefahr anbelangt: Es geht also nicht um Beschießung amerikanischen Territoriums. Es geht um Abschottung des nordkoreanischen.

Hierzu vom 29. November das essentielle Interview mit dem essentiellen Experten.

Deutschlandfunk:

Tobias Armbrüster: Schon wieder hat Nordkorea seinen Nachbar provoziert mit einem Raketentest, der offenbar alle bisherigen Tests übertroffen hat – noch höher und mit einer noch größeren Reichweite. Auch die USA könnten damit offenbar getroffen werden. Dieser Test vonseiten Nordkoreas, der lässt natürlich viele Fragen offen, nicht nur politische, strategische, sondern natürlich auch technische Fragen. Denn solche ballistischen Raketen, solche Interkontinentalraketen sind ja äußerst komplizierte Konstruktionen. Am Telefon ist jetzt Mann, der in diesem Bereich seit Jahrzehnten forschten, Professor Robert Schmucker von der TU München. Schönen guten Tag, Herr Schmucker!

Robert Schmucker: Grüß Gott!

Armbrüster: Herr Schmucker, wie viel Sorge müssen wir uns machen nach diesem Raketentest?

Schmucker: Also ich sage, wir müssen uns überhaupt keine Sorge machen, denn das ist das Spiel, das er schon die ganze Zeit spielt, der liebe Herr Kim. Nein, das ist nichts Neues. Er zieht immer wieder eine neue Rakete aus dem Hut, und allein die schiere Anzahl unterschiedlicher Raketen zeigt uns doch, dass da was nicht ganz stimmen kann. Immer wieder neue Raketen – kein anderes Land der Welt kann das, in so kurzer Folge erfolgreiche Raketen vorstellen, die kein Entwicklungsprogramm durchlaufen haben. Irgendwas stimmt da nicht.

Armbrüster: Was könnte denn dahinter stecken?

Schmucker: Also das Ganze liegt nur an Proliferation. Nordkorea kann selber gar nichts. Sie bekommen alles oder fast alles von außerhalb. Das heißt, wir sehen es an den Triebwerken, wir sehen das an den Raketen, an der Handschrift, am Design. Es kommt alles aus anderen Ländern. Und da kommen nur zwei Länder in Frage, nämlich die postsowjetischen Länder und China. Ob das die Regierung ist, weiß ich nicht, oder Institutionen, aber es kommt daher, denn es sind, A, die Geräte und, B, die Handschrift.

Armbrüster: Aber nun ist es ja so, diese Raketen, diese Raketentechnik, die ist in Nordkorea, die ist im Land, und offenbar sind die Nordkoreaner in der Lage, solche Raketen abzufeuern.

Schmucker: Abzufeuern ja.

Armbrüster: Dann ist die Gefahr ja durchaus gegeben.

Schmucker: Nein. Abzufeuern ja, aber können sie solche Raketen überhaupt bauen. Also entwickelt sind sie garantiert nicht in Nordkorea, denn so ein Entwicklungsprogramm haben wir nicht gesehen, und zwar gar kein Programm. Das heißt, abfeuern können sie. Ob sie da Hilfe von außerhalb haben, wissen wir nicht, das sehen wir nicht. Wir sehen nur die Raketen fliegen. Es sind singuläre Ereignisse. Die sind schön, aber sie beunruhigt mich nicht, denn, ja, die Raketen sind schön, aber damit kann ich noch lange nichts anfangen. Ich muss diese Raketen oft und oft geschossen haben, ich muss sie über Distanz schießen, damit ich was treffen kann. Also das haben wir alles noch nicht gesehen. Und wenn sie das machen wollen, dann sehen wir das, und dann müssen sie viel, viel häufiger mit ihren Raketen schießen als sie das bisher getan haben.

Armbrüster: Das heißt, wenn die Nordkoreaner jetzt in der Lage waren, diese Interkontinentalrakete 4.500 Kilometer hoch ins Weltall zu schießen und dann vor der japanischen Küste wieder ins Wasser fallen zu lassen, das ist für Sie noch kein Zeichen dafür, dass die das wirklich können.

Schmucker: Das ist richtig. Die haben jetzt eine Rakete geschossen, die haben schon mal andere geschossen, die fast so hoch gegangen sind. Ob es sich um eine neue handelt – ich habe keine Bilder, das weiß ich nicht. Das könnte genauso die alte sein mit leichterer Nutzlast oder etwas längerer Brennzeit, also mehr die Treibstoffe ausgeflogen, das kann alles sein. Es beunruhigt mich nicht im Geringsten, denn sie müssten doch viel mehr Dinge da meistern. Nämlich die Schusstafel, sie müssen einen Wiedereintrittskörper haben, sie müssen die Nutzlast haben. Alles das sind Dinge, die noch nicht da sind. Also ich würde mich da einfach ruhig zurücklehnen und sagen, bald ist Weihnachten, und das wird sehr schön werden.

Armbrüster: Und wenn Sie in Japan wohnen würden, dann würden Sie das auch sagen.

Schmucker: Würde ich genauso sagen, ja. Da macht einer einen, ich sag mal: einen Veitstanz, und keiner schaut zu. Das wäre das Richtige. Alles andere ist … Nein, Nordkorea hat nichts und kann nichts und hängt völlig von außen ab. Das sehen wir an der Hardware, die sie immer wieder präsentieren. Da bleiben keine Lücken da. Wir wissen, woher das kommt, also zumindest geografisch her, wir wissen, wie die Technik ausschaut, wir wissen, dass da nichts Neues ist, und mehr … Das beunruhigt mich nicht. Nein, ganz und gar nicht.

Armbrüster: Wie schwierig ist das denn eigentlich, aus so einer Rakete eine Atomrakete zu machen?

Schmucker: Wenn die Rakete fertig funktioniert und alles da ist, dann ist das alles nicht schwierig, denn dann setze ich einfach eine andere Nutzlast drauf. Ich brauche aber einen Wiedereintrittskörper.

Armbrüster: Also irgendwas, was sozusagen nicht verglüht, wenn die Rakete wieder –

Schmucker: Genau.

Armbrüster: – in die Erdatmosphäre eintritt.

Schmucker: Und jetzt sind wir bei einem ganz wichtigen Punkt: Wenn ich auf Distanz schieße, also sagen wir mal 10.000 Kilometer, dann muss ich im Gebiet, wo die runterkommt, Marinekräfte haben, die das bergen. Und da gibt es natürlich ein Land, das viel mehr Marinekräfte hat, und spätestens dann, wenn die wissen, dass da was geschossen wird – es werden immer Sperrgebiete ausgewiesen–, die Wahrscheinlichkeit, dass da jemand anderer kommt und das rausfischt, ist sehr, sehr groß. Man versucht ja in Nordkorea das sehr zu verbergen, indem man senkrecht schießt, das heißt, dass die erste Stufe auf alle Fälle auf nordkoreanischem Hoheitsgebiet runterkommt, sonst könnte man das ja auswerten. Also deshalb sage ich, ja, da muss noch viel, viel getan werden, bis das eines Tages eine ernsthafte Bedrohung darstellt.

Armbrüster: Ich weiß jetzt nicht ganz, ob ich Sie da richtig verstanden habe, Herr Professor Schmucker. Sie sagen, eigentlich, um diese Tests richtig auswerten zu können, müssten die Nordkoreaner selber die runtergekommene Rakete wieder aus dem Meer fischen, um zu gucken, was damit passiert ist.

Schmucker: Ja, der Wiedereintrittskörper muss rausgefischt werden. Ich muss ja wissen, wo er runtergekommen ist, hat er das überlebt und so weiter. Da brauche ich Industrie.

Armbrüster: Wie schwierig ist das, so einen Wiedereintrittskörper zu entwickeln?

Schmucker: Das ist nicht so schwierig, aber ich muss es testen, testen, testen. Es muss also geflogen werden, und das ist der entscheidende Punkt: Diese Tests gibt es bis jetzt nicht. Das heißt, auch wenn es einfach ist, muss es getestet werden, und ich muss testen, dass die Höhenauslösung der Ladung erfolgt. Das heißt, all das muss einer Prüfung unterzogen werden, und bis jetzt sehen wir davon gar nichts.

Armbrüster: Haben Sie denn irgendwelche Anzeichen darüber, wie viele von solchen Raketen die Nordkoreaner sozusagen noch auf Lager haben, um solche Tests machen zu können?

Schmucker: Das weiß ich nicht. Die Anzahl der neuen Raketen, die geschossen wurden, ist denkbar klein. Schauen Sie, wir haben dieses Jahr drei, und wenn das jetzt eine neue sein soll, vier neue Raketen, die getestet wurden. Vier neue oder fünf, oder sonst was, sechs neue Raketen, die getestet wurden. Das ist eine solche Menge an neuen Raketen, das ist unvorstellbar, dass ein Land wie Nordkorea also lauter Entwicklungsmannschaften hat, die das alles parallel entwickeln, fertigen, prüfen und so weiter. Nein, das ist sehr, sehr unwahrscheinlich, dass das da ist. Es handelt sich ja dabei um russische Raketentriebwerke, die wir kennen, also müssen die aus Russland irgendwie hergekommen sein, aus dem Postsowjetischen. Nicht russisch, ich sage postsowjetisch müssen die hergekommen sein. Die Struktur ist einfach zu fertigen, aber da braucht man wieder Anleitung, und das ist alles nicht ganz so einfach, wie sich die meisten das denken. Denn viereinhalbtausend Kilometer hoch schießen, das ist schon eine Anforderung, die nicht so einfach ist.

Armbrüster: Aber die Nordkoreaner haben es eben jetzt geschafft.

Schmucker: Ja.

Armbrüster: Das bringt mich zu der Frage, wie groß ist denn das Know-how, das nordkoreanische Forscher haben. Haben Sie darüber irgendwelche Erkenntnisse?

Schmucker: Nein. Also nachdem, was ich so sehe an Modellen, diese Modelle, die sie vorführen, sind sehr, sehr bescheiden, haben viele Fehler, die Modelle. Das heißt also, da scheint das Know-how nicht so gut zu sein, denn wenn ich Modelle habe, die die Einfüllstopfen an der falschen Stelle haben, wenn da Leitungen falsch gelegt werden, wenn da Dinge sind, wo man sagt, ja, gibt es das denn noch, dass die das so falsch darstellen, dann frage ich mich, wo ist das Know-how auf der nordkoreanischen Seite.

Armbrüster: Wenn das Ganze jetzt so schwer zu beherrschen wird und beherrschen ist und wenn die Nordkoreaner da auch tatsächlich nicht so alle Feinheiten kennen, ist das dann alles nicht eigentlich noch viel gefährlicher, weil sie es ja offenbar nicht richtig unter Kontrolle haben?

Schmucker: Nein. Wenn sie es nicht können, dann explodiert das Ganze immer. Diese Raketen sind sehr empfindlich, und wenn was falsch läuft, endet es bei einer Rakete immer in einem Fehlversuch. Und deshalb: Man kann das nicht einfach so machen. Raketen sind nicht verzeihend, was Fehler anbelangt. Also würde ich mir gar keine Sorgen machen.

Armbrüster: Das heißt, gefährlich ist es für die Leute, die da wohnen, wo die Rakete in die Luft geht, wo die startet.

Schmucker: Für die ist es gefährlich, für die Nähe, aber für alle anderen ist es bedeutungslos.

Das wissen natürlich die Amerikaner, das wissen die Russen, das wissen die Chinesen. Bei den Reaktionen der Beteiligten handelt sich also weitgehend um Zirkuspropaganda. Doch läßt der geistige Habitus der derzeitig maßgeblichen Strippenzieher, insbesondere wenn einer Haß als Staatsräson hofiert, Imponderabilien gedeihen, als befänden wir uns in einer typischen Vorkriegssituation.

 

11.8.17 Mephisto an Bellarmin

 

Ein Narziß, ein Paranoiker… und Putin

Dienstag, 8. August 2017, Deutschlandfunk:

Russlands Präsident Putin hat der von Georgien abtrünnigen Region Abchasien weitere militärische Unterstützung zugesichert.

Während eines Besuchs beim abchasischen Regierungschef Chadschimba erklärte Putin, Moskau garantiere verlässlich die Sicherheit sowie die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit der Region. Auch stehe Moskau zu der Zusage, ein gemeinsames Militärkontingent aufzubauen.

Mehr als 80 Prozent der Russen sollen hinter Putin stehen. Und nach allem, was ich über Rußland und Russen weiß und je erfuhr und mit Russen erlebte, halte ich die Zahl für glaubwürdig.

Die Russen stehen mehrheitlich hinter Putin, der die Krim annektierend tönte:

Rund um die Krim-Ereignisse haben alle gefühlt und verstanden, daß wir die historische Gerechtigkeit wiederherstellen müssen, die durch die illegale Übergabe der Krim an die Ukraine verletzt wurde.“

Für Rußland hat die Krim eine riesige zivilisatorische und sakrale Bedeutung. Wie der Tempelberg in Jerusalem für die Muslime und die Juden.“

Mehr als 80 Prozent der Russen stehen hinter ihrem Staatschef, der über Leichen gehend in der Ukraine, in Transnistrien, in Abchasien, in Südossetien mittels seiner als Separatisten getarnten fünften Kolonnen anderen Staaten Gebiete abspaltet. Hinter Putin, der behauptet, daß es überall auf der Welt die „russische Welt“ zu verteidigen gelte. Damit gemeint ist jedes Gebiet, in dem Russen leben. Die „russische Welt“ betrifft allein in den ehemaligen Sowjetrepubliken 25 Millionen Russen. Für die Wladimir Wladimirowitsch Putin durch seinen Paladin Rogosin schon mal vorsorglich einen „Kongreß der Landsmannschaften“ gründen ließ.

Die Russen stehen hinter Putin, der in seinem Kampf gegen den Westen die Welt destabilisiert, wo er nur kann. Ich will jetzt gar nicht reden über seine Rolle jüngst in westlichen Wahlkämpfen und will nur drei Krisenherde nennen:

Ohne Putins verbrecherische Politik gäbe es kein Assad-Regime mehr.

Ohne Putins verbrecherische Politik hätte es das iranische Atomprogramm nicht geben können.

Und?

Und den dritten?

Den dritten heute im Deutschlandfunk:

Christoph Heinemann: Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich, vielleicht aber auch nicht: Die Hwasong-14 ist eine nordkoreanische Interkontinentalrakete, zweimal wurde sie im Juli erfolgreich getestet. Fast unmöglich, sagen Fachleute, dass eine Langstreckenrakete von Anfang an so fliegt, wie sie fliegen soll! Robert Schmucker ist ein solcher Fachmann. Er hat für die US-Weltraumbehörde NASA an den Triebwerken des Space Shuttle gearbeitet, er ist Professor für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München und jetzt bei uns am Telefon. Guten Morgen!

Robert Schmucker: Guten Morgen!

Heinemann: Professor Schmucker, kann es sein, dass Ihre nordkoreanischen Kollegen Genies sind?

Schmucker: Also, ich glaube das nicht. Denn was wir bis jetzt gesehen haben aus Nordkorea, jedenfalls die letzten über 30 Jahre, das waren alles Raketen, die sie woanders her beschafft haben und dann abgeschossen haben. Was mit den neuen Raketen ist, wissen wir nicht so ganz genau. Aber es schaut alles aus, als ob sie die auch von woanders her bekommen haben.

Heinemann: Von wo?

Schmucker: Ja, da gibt es ja Nachbarländer und da gibt es also Länder der ehemaligen Sowjetunion. Es hat alles eine Handschrift, die in diese Richtung deutet.

Heinemann: Was heißt Handschrift?

Schmucker: Ja, wir sehen technische Elemente, wir sehen Raketentriebwerke, wir sehen die Konzeption dieses Gerätes oder dieser Geräte, die deuten alle in diese Richtung hin. Und wenn ein Gerät von Anfang an perfekt funktioniert, dann muss es eine Entwicklung hinter sich haben.

Heinemann: Ganz konkret gefragt: Woran erkennen Sie, wenn zum Beispiel eine Hwasong-14 abhebt, dass da möglicherweise russische Technik drinsteckt?

Schmucker: Wir sehen das Triebwerk, das Haupttriebwerk. Und da gibt es gewisse Indikationen von den Abmessungen, vom Aufbau, dass es mit einem russischen Triebwerk übereinstimmt oder Ähnliches, sage ich mal. Ich will es mal ganz zurückhaltend formulieren. Und dann können wir dieses Gerät rekonstruieren und feststellen, wie viel Schub drin ist, wie schwer das Gerät ist und was es kann. Das ist alles keine Geheimwissenschaft, das ist alles relativ einfach. Und das deutet alles in diese Richtung hin.

Heinemann: Welche weiteren Kriterien gibt es für Sie, um die Herkunft nachzuweisen?

Schmucker: Das sind diese Kriterien. Wir schauen uns etwas an. Das ist genauso, wenn Sie ein Auto anschauen, sehen Sie, das ist ein BMW oder das ist ein Mercedes.

Heinemann: Könnte es denn sein, dass die Nordkoreaner dieses russische Modell einfach nachgebaut haben?

Schmucker: Um es nachzubauen, brauchen Sie einen riesigen Aufwand an Fertigungsvorrichtungen, Instruktionen, Qualitätssicherung, das dauert alles jahrelang, wenn Sie so etwas nachbauen wollen. Und richtig nachbauen, ohne Lizenz, hat es bis jetzt noch nie gegeben. Alle, die das versucht haben, sind gescheitert bei so etwas.

Heinemann: Wie lange braucht es denn normalerweise, bis eine Rakete so fliegt, wie sie fliegen soll?

Schmucker: Viele Jahre. Viele, viele Jahre. Typische Entwicklungen, je nachdem, wie viel Sie da machen, vielleicht fünf, sieben Jahre. Und Sie sehen, dass vorher anhand von vielen Erprobungen … Die Rakete muss oft und oft getestet werden. Sie wird getestet am Prüfstand, sie wird getestet im Flug, Sie haben Flugversager, und erst wenn es so weit ist, dass sie fertig ist, dann kann sie so verschossen werden, wie die nordkoreanischen verschossen werden, nämlich von einem Fahrzeug wie im Kriegseinsatz.

Heinemann: Das heißt, die Hwasong-14 kann nicht in Nordkorea entwickelt worden sein?

Schmucker: Sie bringen es genau auf den Punkt, sie kann nicht entwickelt worden sein. Mehr kann ich nicht dazu sagen. Die Handschrift deutet ganz klar auf einen der Nachfolgerstaaten von der Sowjetunion mit … Klar, das Triebwerk scheint aus Russland zu sein, aber das ist das, was wir sagen: Es kann nicht aus Nordkorea sein. Vor allem weil Nordkorea ja in dem letzten, sage ich mal, etwas mehr als einem Jahr sieben neue unterschiedliche Raketen herausgebracht hat. Das ist mehr, als jedes andere Land gemacht hat.

Heinemann: Ja. Verfügt – genau das wäre jetzt meine Frage – eigentlich Kim über ein ernst zu nehmendes Raketenarsenal?

Schmucker: Nein. Das, was er hat, bekommt er von außen. Er kann vielleicht einige Sachen damit zusteuern, Strukturteile fertigen, aber er hat kein ernsthaftes Raketenarsenal. Gut, ein Raketenarsenal, das Südkorea und vielleicht auch Japan bedrohen kann, das sicher. Aber weitere darüber hinaus, dass er Amerika bedrohen kann, natürlich nicht.

Heinemann: Das heißt, wenn man das Land abschottete, wenn wirklich alle Grenzen, also etwa auch die nach China dicht wären, säße der Mann sehr schnell auf dem Trockenen?

Schmucker: Sie haben es richtig gesagt, ganz klar. Der lebt davon, was er von außen bekommt, und die eigenen Leistungen sind sicher sehr schwach, wenn nicht ganz null.

Heinemann: Professor Schmucker, klingt jetzt wie eine Mathematikaufgabe: Wie weit käme Ihren Erkenntnissen nach die am längsten fliegende nordkoreanische Rakete, also die, die da sind, die wir kennen, mit einem etwa eine Tonne schweren atomaren Sprengkopf?

Schmucker: Die größte, das ist die Hwasong-14, kommt nach meinen Rechnungen so 5.200 Kilometer, sagen Sie 5.500, aber mit einer Tonne kommt die eben gerade mal so an den Rand der Mittelstrecken- oder IRBM-Raketen, ist jedenfalls keine Interkontinentalrakete.

Heinemann: Tendenz steigend? Also, rechnen Sie damit, dass die Reichweite sich vergrößern wird?

Schmucker: Die Reichweite hängt nur von der Raketengröße ab. Das heißt also, diese Rakete hat eine bestimmte Größe, ein bestimmtes Triebwerk, da bräuchte er schon eine neue Raketenklasse, um weiter zu kommen.

Heinemann: Kriegswaffen, Raketenteile, auch Raketentreibstoff dürfen laut Sanktionen nicht mehr nach Nordkorea geliefert werden. Haben Sie, Professor Schmucker, eine Vorstellung davon, auf welchen Wegen solches Material nach Nordkorea gelangt?

Schmucker: Nordkorea hat doch zwei Grenzübergänge, einen nach China und einen nach Russland, und mit Bahnverbindungen. Wir wissen, dass Lastwagen mit großen Containern von China nach Nordkorea gehen. Wir haben einen großen Bahnhof an der Grenze nach Russland. Da ist es doch gar kein Problem, Sachen rüberzubringen. Wer kontrolliert das?

Heinemann: Also, dieses …

Schmucker: Wer kann das beurteilen?

Heinemann: Dieses Material kann man sich auf dunklen Umwegen einfach so beschaffen?

Schmucker: Das geht doch immer so, das haben wir doch überall. In aller Welt, jeder … Wir wissen doch von den Drogen, wie da was geschmuggelt wird, gebracht wird, warum soll das bei Raketen nicht auch sein? Wenn Sie einen großen Treibstofftank haben, den deklarieren Sie zum Beispiel als Silo. Oder elektronische Bauteile, wer weiß, ob das ein Fernseher ist oder irgendetwas anderes oder ein Rechner? Also, all diese Dinge sind nicht zu überblicken. Und wenn Sie gut zahlen, dann schaut doch keiner hin.

Das gefährlich kindische alttestamentarische Auftrumpfen Donald Trumps gegen Kim Jong Un bezog sich auf Jesaja 65,5:

Solche sollen ein Rauch werden in meinem Zorn, ein Feuer, das den ganzen Tag brenne.

Putin freut sich, denn

 

Auge um Auge führt lediglich zu mehr Blindheit.

Margaret Atwood.

 

26.5.17 Mephisto an Bellarmin

 

Hat da etwa ein narzißtischer Narr die Wahrheit getroffen? Und ist exakt am Musikantenknochen der europäischen Wertegemeinschaft auf den empfindlichsten Nerv gestoßen? Auf das Grundproblem der sogenannten Europäischen Union? Welches sich geradezu natürlicherweise nun auch in der Nato wiederfindet? Nämlich was die Einhaltung angeht hinsichtlich grundlegender Verträge, Vereinbarungen, Abmachungen und die Verläßlichkeit von Zusagen?

Beispielsweise des Inhalts, und wie auch von Obama gefordert, die einzelnen Verteidigungsetats der, nun ja, der Gemeinschaft bis zum Jahre 2024 auf zwei Prozent der jeweiligen Bruttoinlandsprodukte zu erhöhen?

Und nun stellt sich dieser überseeische Flegel, der noch so viel lernen muß und ja gar keine Ahnung mitbringt über Scherz und List, der stellt sich nun einfach hin hinter die Mikrofone und nimmt ausgerechnet ausgerechnete Zusagen, noch dazu europäische, für ernst und bare Münze und pocht, wie schon sein Vorgänger Barack Obama, auf Punkt und Komma?

In aller Öffentlichkeit?

Statt darüber erst fein säuberlich mit Juncker das ganze ein wenig zu exegesieren? So wie wir Europäer das gewohnt sind? Zum Beispiel bei Verschuldungsobergrenzen? Oder dem einstimmig vereinbarten Verbot der verdeckten oder gar offenen Staatsfinanzierung?

Und da haben alle den Narziß für einen letztendlich doch eher abendländischen Politikertyp gehalten? Und sich zugeraunt, das gibt sich, der wird noch hinzulernen? Das redet der jetzt nur im Wahlkampf? Und wenn der erst gewählt ist, fänden sich immer noch griffige Floskeln und geschliffene Wendungen?

Zur Relativierung vorheriger Rede?

Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern – gerade darin war er doch Meister!

Und nun?

Nun kommt bei Euch in deutschen Landen die deutsche Sozialdemokratie ins Spiel… Und ihr Experte Mützenich gibt Interviews und ihr Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat Schulz gibt Interviews und erst recht natürlich ihr ehemaliger Parteivorsitzender und Euer derzeitiger Außenminister Gabriel.

Und fällt aus allen Wolken!

Zwei Prozent!!

Diese blanke Zahl!

Das wäre ja riesig! Und das lehne er ab. Und da müsse man doch dies noch hineinrechnen und jenes. Und wir bohren doch Brunnen in Afghanistan!

Und weist zurück, daß es ein „feststehendes“ Zwei-Prozent-Ziel überhaupt gäbe. Und behauptet: „Es gibt einen Auftrag aus Wales, sich in diese Richtung zu entwickeln“.

Entwickeln und annähern und hinbewegen… Nur einen Auftrag… Und keine Verpflichtung…

Und fordert, den Sicherheitsbegriff nicht nur auf Militärausgaben zu reduzieren, sondern auch Ausgaben für humanitäre Hilfe einzubeziehen…

Und staunend erfahren wir offenbar schulmathematisch in Prozentrechnung verdummten Arglosen: Wir Belämmerten und der Narr sollen nun endlich einmal sozialdemokratisch rechnen lernen: Mitnichten wären, wie wir Dummlinge immer annahmen, zwei Prozent zwei Prozent!

So was hilft uns Begriffsstutzigen sicher auch einmal hinsichtlich Griechenlands und bei Eurobonds auf die Sprünge…

Nun gut und nichts für ungut. Bleiben uns Belehrten allerdings noch zwei schlichte Fragen:

1.) Wurde auch vor dem Schwure in der Nato das sozialdemokratische Rechnen so besprochen?

Und natürlich:

2.) Wer könnte darüber etwas aussagen und hat das eigentlich verhandelt und unterschrieben, das mit den zwei Prozent und nun doch nicht zwei Prozent?

Da existiert immerhin eine Aussage des früheren Nato-Generalsekretärs Rasmussen: Es gebe die Zusage der Mitgliedsstaaten, zwei Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Verteidigung auszugeben. Und dies sei einstimmig bei seinem letzten Gipfel als Generalsekretär angenommen worden.

Und zwar auch vom deutschen Außenminister.

Der hieß seinerzeit Frank-Walter Steinmeier und war, wie der aktuelle deutsche Außenminister, ebenfalls Mitglied der unglaubwürdigsten Partei seines Landes.

Übrigens bereits 2002 ist von der seinerzeitigen rot-grün geführten Bundesregierung unter einem gewissen Gerhard Schröder, SPD, das Zwei-Prozent-Ziel angenommen worden…

Bliebe vielleicht noch anzumerken: Auf dem heutigen Tag des evangelischen Kirchentages hat in Berlin der Schaumschläger Schulz, seines Zeichens Kanzlerkandidat der SPD, sich hingestellt und hat laut Deutschlandfunk und in der Tagessschau dokumentiert „mehr Ehrlichkeit von Politikern gefordert“.

 

10.2.17 Mephisto an Bellarmin

 

Drei Zweihundertachtel

 

„Dieser äußerst teure KLIMAWANDEL-BULLSHIT muss aufhören.“

Donald Trump (auf Twitter, dem Medium der Inkontinenten)

 

Dieses Medium und Er – könnte man sich etwas Passenderes denken? Als diesen psychopathologischen Krämer mit seinem für ihn vermeintlich weltbeglückenden Nichtansichhaltenkönnen und Twitter? Mit seinem merkantil beschränkten Blick? Der allen sofort mal ehrlich die Meinung geigt?

Und endlich aufräumt?

Der machterlangende Twitterer und sein Medium – als Ergebnis der digitalen Kulturrevolution die Inkarnation unserer geistig bornierten Zeit.

Vom Stammtisch zum Smartphone – und „noch immer die alten Affen“ (Kästner).

Und da spielt es eigentlich keine große Rolle, wenn, wie kürzlich der Deutschlandfunk meldete:

Zahlreiche Spitzenpolitiker haben in den sozialen Netzwerken offenbar unechte Anhänger.

Wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ unter Berufung auf eine Social-Media-Analyse berichtet, ist bei SPD-Chef Gabriel nur jeder Zweite seiner etwa 125.000 Follower beim Kurznachrichtendienst Twitter authentisch. Die übrigen seien falsche Accounts oder sogenannte Social Bots, also Maschinen. Ähnlich sieht es dem Bericht zufolge bei Justizminister Maas und dem sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Haseloff aus. Die Fraktionschefin der Linken, Wagenknecht, soll ihre Twitter-Meldungen sogar zu mehr als 75 Prozent an Maschinen und Phantasie-Mitglieder versenden.

Drei Wochen ist der Twitterer nun an der Macht. Und schon soll er sich immer häufiger zu Großbuchstaben genötigt sehen! Was soll das noch werden in der Restzeit… Vielleicht will er den US-Markt zum Vertrieb ausklappbarer Bildschirme, pardon, ausklappbarer Displäs für Riesenlettern animieren, für Präsidenten-Meldungen. Zwecks Wiederbelebung der Wirtschaft.

Ebenfalls im Deutschlandfunk:

Bundesfinanzminister Schäuble hat die allgemeine Haltung des neuen US-Präsidenten Trump kritisiert.

Im „Tagesspiegel“ aus Berlin wandte sich der CDU-Politiker gegen eine Denkweise in sogenannten Deals. Gebraucht würden keinesfalls Lösungen, bei denen der eine verliere, wenn der andere gewinne. Das mag in der Grundstücksbranche anders sein. Tatsächlich brauche die Welt „Win-Win-Situationen“.

Vielleicht hat sich der Twitterer bis zu den anstehenden Wahlen in Europa aber auch bereits derart demaskiert, daß beispielsweise in Frankreich Marine Le Pen und in Deutschlande Frauke Petry es noch einmal sehr bedauern werden, in Hoffnung auf einen eigenen Stimmenzuwachs den Wahlsieg des Twitterers so kurzdenkerisch gefeiert zu haben…

Doch als dritte Imponderabilie: Vielleicht bleibt auch diese letzte Hoffnung eine Illusion. Wegen der gewöhnlich weit unterschätzten Zahl der twitterisch veranlagten Bescheidwisser. Denn die Generation der Kriegs- und Nachkriegserfahrenen mit ihrer Friedenswertschätzung ist endgültig abgetreten.

Und so fragt man sich nach drei von noch bevorstehenden zweihundertundfünf Wochen seit dem 20. Januar, wann der Kerl wohl abgewirtschaftet haben mag.

Wie einst nach dem 30. Januar…

 

„Es kommen härtere Tage.“

Ingeborg Bachmann (1926 – 1973)

 

20.1.17 Serapion an Mephisto

 

Amtseinführung

 

NASA und NOAA (die Ozeanografie- und Wetterbehörde der USA) erklärten das vorige Jahr zum wärmsten, seit 1880 gemessen wurde, und gleichzeitig ist es hintereinander bereits das dritte Rekordjahr. Die Kurve tendiert nach oben, und zu 2015 beträgt der Anstieg, also in nur einem Jahr, sieben Hundertstel Grad!

Weltweit übertraf damit 2016 die Temperatur erheblich die des Durchschnitts über das gesamte vorige Jahrhundert, nämlich um 0,94 Grad!

In Deutschland fallen von den zehn heißesten Jahren seit 1880 acht in die ersten 16 Jahre des jetzigen Jahrhunderts.

Die Kurve tendiert mithin nach oben.

Aber ein weltbürgerliches Gebaren ist nirgends in Sicht.

Die Menschheit in ihrer chaotischen Verfaßtheit, ohne weltweite Durchsetzungsmacht, wird das an sich schon verzweifelte Zwei-Grad-Ziel nicht erreichen.

Und wenn wir das ja ebenfallsige Katastrophenszenario der planetaren Anstiegstemperatur um „lediglich“ zwei Grad durch ein Wunder oder eine vielleicht zeitverschiebende Idiotie, wie beispielsweise die unterirdische Einlagerung von Treibhausgasen, entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch erreichten, wäre der riesige Tanker keineswegs gestoppt.

Wir müßten, der Größe der Aufgabe angemessen, jetzt bereits in unseren Überlegungen soweit gedeihen, strategische Entscheidungen dahingehend treffen zu können, ob wir die für das Überleben unserer dann dezimierten Gattung rettenden Wohnplätze besser unterirdisch oder unterseeisch anlegen.

Denn es wird heiß werden auf unserem Planeten.

 

„Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr müßt sagen, ihr seid dabei gewesen.“

Johann Wolfgang von Goethe (1792) in einem Wort geändert

 

25.11.16 Bellarmin an Mephisto

 

Seltsamerweise halte ich nicht viel von dem Mann. Der es nun richten soll.

Der die SPD soll retten.

Erste Meldung in Deutschland! Morgens, mittags und abends, tatsächlich! Uns demonstrierend die heutige journalistische Einschätzung der Relevanz von Nachrichten auf unserem Planeten.

Und manches mehr. Zum Beispiel, wie man sich unreflektiert zum Propagandasprachrohr einer Partei machen läßt.

Aktueller deutscher Journalismus eben: Martin Schulz, von dessen hochgelobten Verdiensten en détail ich keines kenne, wenn man vom vollmundigen Klopfen markiger Sprüche einmal absähe, und er übertrifft in diesem Verdienst allerdings noch die Verdienste seines ebenfalls markigen Parteifreundes Gerhard Schröder, Martin Schulz also verlegt seine Karriereabsicht von Brüssel nach Berlin. Nachdem er dreisterweise zuvor, weil absprachewidrig, seinen Posten als Brüsseler Parlamentsvorsteher über den Ablauf der vereinbarten Frist hinaus weiterhin hatte okkupieren wollen, als gehöre der ihm.

Dabei vollmundig Brüsseler Transparenz und Demokratie im Munde führend.

Der Martin Schulz soll, wie tatsächlich und beachtenswerter Weise einer der sozialdemokratischen Lobhudler etwas abweichend vom sonstigen byzantinischen Chore sang, besagter Schulz soll nun also „verlorengegangenes Vertrauen“ für die SPD zurückgewinnen. Hier in unserem Lande.

Diese Äußerung verriete immerhin einen gewissen Einblick in das Grundproblem der ehemaligen Volkspartei: Ihre Unglaubwürdigkeit. Wenn wir nicht befürchten müßten, daß man den chronischen Vertrauensschwund vielleicht wieder auf Schröders inzwischen durchgekaute Agenda 2010 bezöge statt auf die, die Intelligenz des Wahlvolkes stets durchsichtig, pardon, transparent unterschätzende, eben durch populistische Beliebigkeit auf plumpen Machterhalt zielende Politik dieser Partei.

Apropos Populismus: Und nun sitzt der SPD ausgerechnet das Gespenst der AfD im Nacken!

Der, wie wir seit der Wahl Trumps erfuhren, der Partei der Abgehängten!

Im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017 meldete letzten Dienstag der Deutschlandfunk:

Die SPD ist nach den Worten ihres Fraktionsvorsitzenden Oppermann offen für eine rot-rot-grüne Koalition nach der nächsten Bundestagswahl.

… Im Umgang mit Wählern der AfD plädierte der SPD-Politiker für eine Doppelstrategie. Denjenigen, die offen rassistisch aufträten, müsse man mit klarer Kante begegnen. Den anderen Wählern der Partei dürfe man aber die Diskussion nicht verweigern, ihnen müsse man Angebote machen, etwa durch mehr soziale Sicherheit. …

Das könnt Ihr doch nicht machen! Ich sehe die AfD zittern und die verführten Abgehängten und doofen Verängstigten jubeln angesichts des üblichen sozialdemokratischen Scharfsinns gepaart mit doppelstrategischer Diskussionsfreude, und nun alles noch auf Deibel komm raus verstärkt durch die Brüsseler Wunderwaffe Schulz!

Doch man fragt sich, sind die sozialdemokratischerseits nun so blöde oder tun die nur so? Ich weiß gar nicht, zum wievielten Male und seit wieviel Monaten man nun bereits verkündete, endlich sachlich und unverteufelnd und argumentativ mit diesen Andersdenkenden, pardon, Irregeleiteten diskutieren zu wollen. Dazu hätte man zum Beispiel vor den Wahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt ja auch schon Gelegenheit gehabt…

Man kann nur den Kopf schütteln.

Also, dann fangt man langsam an, Genossen!

Mit ein paar neuen Rentenerhöhungsangeboten und Müttergenesungswerken löst ihr todsicher das Pegida-Problem. Das war’s ja, warum „dieses Pack“ (O-Ton Sigmar Gabriel, ebenfalls ein Markiger) sich empörte!

Nachdem ich Dir einst verriet, was Putin wirklich will, will ich Dir heute noch ein weiteres Geheimnis verraten. Natürlich wieder unter dem Siegel der Verschwiegenheit! Also, die wahrhaft populistischste Partei Deutschlands heißt?

Rischtisch, nicht AfD.

Sondern SPD!

Denk mal drüber nach in einer stillen Stunde…

 

9.11.16 Bellarmin an Mephisto

 

Wie kommt der Planet hinweg über die Folgen der nächsten vier bis acht Jahre?

Und die US-Amerikaner sind so gut wie immer dem voraus, was Europa noch bevorsteht! Ich glaube, die europäische Generation, die den Zweiten Weltkrieg bewußt miterlebte, hätte einen Trump-Typus nicht gewählt.

Die Vernunft hat wieder einmal verloren gegenüber einer faschistoiden Demagogie. Es ist ein Jammer, daß die Gebildeten oft abstoßend arrogant wirken gegenüber der Masse, während Demagogen derart instinktsicher auftreten.

Intelligenz wird fast immer als arrogant angefeindet.

Im Juni bezeichnete der SPIEGEL Hillary Clinton als Amerikas letzte Hoffnung. Als „Einzige, die Donald Trump noch stoppen kann“. Das ging in die Hosen. Angesichts der Weltprobleme beispielsweise mit ihrem dümmlich als historischem Wahlgrund hervorgestrichenen Geschlecht.

Ist das nicht ebenfalls Volksverdummung? Jemanden wählen zu sollen wegen seines Geschlechts?

Wenn hingegen ausgerechnet von Trump sie sich erst hintreiben lassen mußte, bis sie am Tag nach dem Attentat von Orlando zum ersten Mal das Wort „radikaler Islamismus“ in den Mund nahm. Was Trump bis dahin von ihr gefordert, sie aber vermieden hatte. Aus Gründen politischer Korrektheit.

Hinzu kommt ihr einnehmendes Wesen in finanzieller Hinsicht.

Nun also das Ende der letzten Hoffnung.

Ein Zeitalter geht zu Ende. Der Deutschlandfunk sprach heute von einer „historischen Zensur“ (sic!). Zweimal!

Wenn es nicht so zum Weinen wäre, müßte man lachen.

 

O Demokratie, wo willst du noch mit uns hinaus?

Wenn dieser Wicht von den Göttern solch ein Amt empfängt?

Aristophanes (etwa 445 – 385 v. Chr.)

 

4.5.16 Mephisto an Serapion

 

Die Entwicklung der Menschheit

 

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,

behaart und mit böser Visage.

Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt

und die Welt asphaltiert und aufgestockt,

bis zur dreißigsten Etage.

 

Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,

in zentralgeheizten Räumen.

Da sitzen sie nun am Telefon.

Und es herrscht noch genau derselbe Ton

wie seinerzeit auf den Bäumen.

 

Sie hören weit. Sie sehen fern.

Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.

Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.

Die Erde ist ein gebildeter Stern

mit sehr viel Wasserspülung.

 

Sie schießen Briefschaften durch ein Rohr.

Sie jagen und züchten Mikroben.

Sie versehn die Natur mit allem Komfort.

Sie fliegen steil in den Himmel empor

und bleiben zwei Wochen oben.

 

Was ihre Verdauung übrigläßt,

das verarbeiten sie zu Watte.

Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.

Sie stellen durch Stiluntersuchung fest,

daß Cäsar Plattfüße hatte.

 

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund

den Fortschritt der Menschheit geschaffen.

Doch davon mal abgesehen und

bei Lichte betrachtet sind sie im Grund

noch immer die alten Affen.

(Erstdruck 1932)

 

Erich Kästner (1899 – 1974)

 

Kästner, einer meiner fünf Lieblingsdichter, über den Wolfgang Koeppen einst schrieb: „Kästner saß im Café neben dem Tod. Gab es einen Engel oder Teufel, der ihn schützte?“

Um zurückzukommen auf die alten Affen. Wir sollten uns in Europa nicht zu sehr in unseren Illusionen wiegen. Denn es ist überhaupt nicht unwahrscheinlich, daß der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Donald Trump heißt. Und das ist insofern sogar doppelt beunruhigend, da dies geschähe, nachdem sein Vorgänger ausgerechnet Barack Obama wäre, ein Mensch, dem man tatsächlich die besten Absichten unterstellen kann und dessen Amtsantritt mit den höchsten Hoffnungen verbunden war.

Die Hoffnung unserer Zeit, ein tatkräftiger sympathischer Mann, hochintelligent und eloquent und mit den wahrlich besten Absichten als Präsident des mächtigsten Landes unseres Planeten hat es nicht geschafft! Die alten Affen applaudieren seinen Gegnern.

Putin und Trump und und und….

Die Welt wird einem Alptraum immer ähnlicher.