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Thalatta ! Thalatta !

Kategorie-Archiv: Zeitgeschehen

Berufsunfähig

 

29. Juni 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Vor nunmehr zwei Wochen, am 15. Juni, erschien hier bei uns in Deutschland in der seltsamen TAGESZEITUNG von einem seltsamen Wesen ein seltsamer Artikel. Das Wesen trägt den Namen Hengameh Yaghoobifarah und wird redaktionsseitig als „Autor_in“, „Redakteur_in“ und „Referent_in“ ausgewiesen, und zwar als Autor_in, Redakteur_in und Referent_in zu Queerness, Feminismus, Antirassismus und Medienästhetik.

In meiner Naivität hatte ich zuerst angenommen, nachdem ich das Bild des seltsamen Wesens neben dem seltsamen Artikel der seltsamen TAGESZEITUNG gesehen hatte, es handele sich um eine Autorin, und war deshalb erstaunt beim Lesen dieser seltsamen Angabe der Autorenschaft. Daß man in der Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG noch nicht einmal zu sagen wisse, ob es sich um eine Autorin oder um einen Autoren handele. Auch hatte ich in mehreren nichtseltsamen vertrauenswürdigen Medien bereits vernommen, daß im Zusammenhang mit dem seltsamen Wesen dezidiert Pronomen wie „sie“ und „die“ Verwendung fanden und von „der“ „Autorin“ die Rede war.

Eine Internetrecherche ergab schließlich: Hengameh Yaghoobifarah identifiziere sich eigenhändig als „nichtbinär“.

Was ich als „unweiblich“ UND zugleich „unmännlich“ verstehe in meinem abgehängten Verstand, der mir zudem noch weiszumachen versucht, daß die Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG wohl aus weißen rassistisch abgehängten Redakteurinnen und Redakteuren bestehen müsse, indem sie das seltsame Wesen, entgegen dessen ausgedrücktem ausdrücklichen Eigensinn, als „männlich“ ODER „weiblich“ klassifiziere, demzufolge diskriminiert als binär.

Du siehst, die Welt ist heute kompliziert bei politisch korrigierenden Richtigdenkern. Und die über Jahrhunderte gewachsene Sprache der Dichter und Denker ist zu armselig, um die Realität dieses sich in Queerness, Feminismus, Antirassismus und Medienästhetik nach Geltung strebenden Wesens zu erfassen in seiner Nichtbinärität.

Zumindest wenn man, in seinem Sprachverständnis minderbemittelt, das grammatikalische Geschlecht („Djenda“ im sprachkorrigierenden Journalistendeutsch) korrigierend gleichsetzt mit dem biologischen.

Um mich keinem Vorwurf dieser rechtgläubig Durchblickenden auszusetzen, werde ich im folgenden also jenes nichtbinäre Wesen nicht, wie die Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG, mit binären Begriffen wie „Autor_in“, „Redakteur_in“ und „Referent_in“ diskriminieren.

Die mutmaßlich binären Eltern des nichtbinären Wesens waren aus dem Iran über mutmaßlich mehr als fünf Ländergrenzen plus einer kontinentalen hinweg statt nach Afghanistan, Armenien, Aserbaidschan, Bahrein, Bangladesch, Bhutan, Brunei, China, Georgien, Indien, Indonesien, dem Irak, Israel, Japan, dem Jemen, Jordanien, Kambodscha, Kasachstan, Katar, Kirgisien, Nordkorea, Südkorea, Kuweit, Laos, dem Libanon, Malaysia, den Malediven, der Mongolei, Myanmar, Nepal, Oman, Ostimor, Pakistan, den Philippinen, Rußland, Saudi Arabien, Singapur, Sri Lanka, Syrien, Tadschikistan, Taiwan, Tailand, der Türkei, Turkmenistan, Usbekistan, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder beispielsweise nach Vietnam lieber nach Deutschland gekommen aus irgendwelchen Gründen und hatten dem nichtbinären Wesen bei seiner Geburt in Kiel den Namen Hengameh Yaghoobifarah zugeteilt.

Indessen muß das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah unter der elterlichen Ortswahl seiner Geburt sehr gelitten haben. Und mußte hinfort in Deutschland ein hartes Leben führen. Denn nach seinem Abitur und seinem Studium der Medienkulturwissenschaft und Skandinavistik verfaßte es beispielsweise gemeinsam mit einem mutmaßlich allerdings binären Wesen namens Fatma Aydemir das Buch „Eure Heimat ist unser Albtraum“.

Auch betrieb das an Deutschland unsäglich leidende nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah in Deutschland eine Kolumne in jener seltsamen TAGESZEITUNG, worin das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah im Jahre 2017 unter anderem vorgab meinen zu müssen:

Der deutsche Hass auf Muslim_innen und die Paranoia vor einer – was auch immer das sein soll – Islamisierung der deutschen (wortwörtlich) Dreckskultur hält Kartoffeln davon ab, ein schöneres Leben zu führen. Lieber eine Schweinefleisch-Lobby gründen als halal-Fleisch in ihrer Kantine akzeptieren.

Lieber Bremsspuren in der Unterhose und ein erhöhtes Risiko für Geschlechtskrankheiten verteidigen als ein islamisches Klo im Kölner Bürgerhaus zulassen. Lieber einen Tag mehr arbeiten als ein muslimischer Feiertag im Kalender.

Ihr anti-muslimischer Rassismus schadet Muslim_innen und Kanax, aber er geht auch auf ihren eigenen Nacken. Ihre Missgunst ist so riesig, dass sie sich das eigene Leben verderben. So engherzig, trotzig, bitter und kleinlich, das ist deutsche Kultur.

Aber Kartoffeln sind nicht strategisch klug, sie sind ignorant, geschichtsverdrossen und besserwisserisch. Weder aus den Fehlern anderer, noch aus ihren eigenen können und wollen sie lernen. … Sie schaffen sich selber ab. Ich hoffe, sie beeilen sich.

Gemeint sind mit „Kartoffeln“ Angehörige jenes Volkes, zu dem es die Eltern des nichtbinären Wesens Hengameh Yaghoobifarah drängte aus irgendeinem Grund.

Statt zu einem von über 200 anderen.

Wohl wissend, daß bei jenem mißgünstigen Volk, bei dem das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah nach seiner Geburt weder eine islamische Toilette noch eine für nichtbinäre Wesen fände während seiner Schul-, Studien- und „Referent_in“-Zeit in „Antirassismus“, und daß sich deshalb Bremsspuren anzusammeln vermöchten in der Unterhose über des Wesens Hintern.

Falls ein Hintern in der Hose steckt auch bei Nichtbinären.

Warum das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah sich genötigt fühlte, vor die deutsche „Dreckskultur“ noch ein eingeklammertes „wortwörtlich“ zu setzen, erschließt sich mir aus seinem Text nicht. Vielleicht meint das nichtbinäre Wesen, das sich seinen Lebensunterhalt vermittels des schreibenden Kundtuns seiner Durchblicke verdient, in der Landessprache des mißgünstigen lernunfähigen Volkes damit medienästhetisch eine wortverstärkende Wirkung.

Ich nehme an, die sich politisch korrigiert gebende Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG hatte es damals versäumt sowohl eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen das von ihr als Referent_in in Antirassismus ausgewiesene nichtbinäre Wesen zu stellen noch es bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes anzuzeigen. Und mindestens ihm die Plattform, nomen est omen, ihres Mediums zu entziehen. Denn als gäbe es nichts zu lernen und Schlüsse zu ziehen, ließ man den derdiedas Wiederholungstäter ungerührt zu Wiederholungstaten schreiten.

Am 15. Juni also unter der Überschrift:

Abschaffung der Polizei: All cops are berufsunfähig

Zu deutsch: Alle Bullen sind berufsunfähig.

In einem Land, in dem seine Kulturschaffenden unter dem Motto „Neit of Leit“ wichtige Gebäude unter Rotlicht anstrahlen lassen, statt unter dem Motto „Nacht des Lichts“ vielleicht, und ausnahmslos die Rede ist von „Lockdaun“ und „Schattdaun“ statt von „Schließung“ oder „Stillstand“, kann man kaum erwarten, daß ein als Autor_in und Redakteur_in bezeichnetes nichtbinäres Wesen deutsch spräche, noch dazu vor den von ihm als Kartoffeln verachteten Landeskindern.

Ich hingegen frage mich: Wenn die Polizei abgeschafft wird, der Kapitalismus jedoch nicht, in welche Branchen kann man Ex-Cops dann überhaupt noch reinlassen? Schließlich ist der Anteil an autoritären Persönlichkeiten und solchen mit Fascho-Mindset in dieser Berufsgruppe überdurchschnittlich hoch. Oder haben Sie schon mal von einem Terrornetzwerk in der Backshop-Community gehört? Ich nämlich auch nicht.

Wohin also mit den über 250.000 Menschen, die dann keine Jobs mehr haben?

Wenn die Polizei abgeschafft wird, der Kapitalismus jedoch nicht…

Aus den Prämissen „Polizei abgeschafft“, „Kapitalismus jedoch nicht“, folgt dem nichtbinären Wesen Hengameh Yaghoobifarah daraus die Konklusion: „in welche Branchen kann man Ex-Cops dann überhaupt noch reinlassen?“

Ich glaube, in der Psychopathologie spricht man von „verschroben“…

Ich glaube im Hinblick auf gewisse schlußfolgernde Gedankengänge von Paranoikern…

Aber vielleicht liegt es einfach an meinem abgehängten Verstand, daß ich der Logik des nichtbinären medienästhetischen Wesens Hengameh Yaghoobifarah nicht zu folgen vermag.

Das Wort „Backshop“ habe ich übrigens nicht gefunden in meinen deutschen oder englischen Wörterbüchern. Auch „Mindset“ fand ich nicht. Vielleicht meint das Wesen „faschistische Gesinnung“ und kennt nur nicht die richtigen Wörter unter uns Kartoffeln. Und mit „Backshop-Community“ wird das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah wohl Bäckereien meinen im Lande der die ein erhöhtes Risiko von Geschlechtskrankheiten verteidigenden Kartoffeln.

Soziale Arbeit schon mal nicht. Das Problem löst sich nicht dadurch, dass ein Cop Uniform gegen Birkenstocks und Leinenhosen umtauscht. Ob Behörden, Lehrer_innen, Justiz, Politik, Ärzt_innen oder Sicherheitskräfte: Machtpositionen gegenüber anderen Menschen kommen nicht infrage. Streng genommen möchte man sie nicht einmal in die Nähe von Tieren lassen. Bitte nicht noch mehr Chicos erziehen!

Streng genommen… Bullen noch nicht mal in die Nähe von Tieren lassen…

Auch der Dienstleistungsbereich sieht schwierig aus. Post ausliefern lassen? Niemals. Zwischen Büchersendung und Schuhbestellung passt immer eine Briefbombe.

Das ist richtig.

Alles, was an menschlichen Körpern stattfindet – etwa Tattoos oder Frisuren –, ist ebenfalls zu riskant. Ich würde mir nicht mal eine Pediküre von ihnen geben lassen. Eine Nagelfeile ist eine Waffe.

Gedankengänge eines nichtbinären paranoiden Wesens über seine Pediküre…

Keine Baumärkte, Tankstellen oder Kfz-Werkstätten. Eigentlich nichts, woraus man Bomben oder Brandsätze bauen kann. Technik generell eher nein. Keine Gastronomie wegen Vergiftungsgefahr.

Briefbombe, Nagelfeile, Brandsätze, Vergiftungsgefahr…

Über (Bio-)Bauernhöfe brauchen wir gar nicht erst zu sprechen, die sind jetzt schon zu Szenejobs für Neonazis avanciert.

Brauchen wir nicht zu besprechen: alles Nazis…

Und wenn man sie einfach Keramik bemalen ließe? Nein. Zu naheliegend, dass sie unter der Hand Hakenkreuz-Teeservice herstellen und sich mit den Einnahmen das nächste Terrornetzwerk querfinanzieren.

Terrornetzwerke…

Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.

(Hervorhebung von mir)

Ich prophezeie:

1.) Das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah wird nicht glücklich werden!

Weil 2.): Die Welt wird sich nicht der typisch linksparanoiden Sicht eines berufsunfähigen Wesens vom Schlage Hengameh Yaghoobifarahs anpassen!

 

„… denn das wäre der Welt Ende, wenn man euch gehorchte.“

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

 

Gleichgeschaltet

 

22. Juni 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Letzten Donnerstag sah man sich tatsächlich gezwungen in den bundesdeutschen Medien, da kam man einfach nicht umhin! Es ist ein Jammer aber auch, manchmal kommt man beim besten Willen nicht herum um die Fakten – also da mußten unsere „klassischen Medien“ plötzlich, und ohne ein einziges Mutmaßlich!, melden:

Die Bundesanwaltschaft hat im Zusammenhang mit dem Mord an einem Georgier vor einem Jahr in Berlin Anklage gegen einen Russen erhoben. Sie geht davon aus, dass der Verdächtige die Tat im Auftrag der russischen Regierung ausführte. … Staatliche Stellen der Zentralregierung der Russischen Föderation hätten dem Angeklagten den Auftrag erteilt, den Georgier Tornike K. zu liquidieren. … Die Bundesregierung beklagte, dass Moskau keine Bereitschaft zeige, zur Aufklärung beizutragen, und wies im Dezember 2019 zwei russische Diplomaten aus. Daraufhin wurden auch zwei deutsche Diplomaten aus Russland ausgewiesen.

Bundesaußenminister Maas sagte in Wien, die Bundesregierung behalte sich weitere Maßnahmen ausdrücklich vor.

(Deutschlandfunk, Donnerstag, 18. Juni 2020)

Ausdrücklich…

Der Wadim Krasikow, so heißt laut Bellingcat, The Insider und The Dossier Center der Mann mit ungefälschten falschen russischen Papieren auf den Namen Sokolow, Wadim Krasikow hatte voriges Jahr am 23. August nach dem heimtückischen Mord das Mountainbike, mit dem der Auftragskiller von hinten an sein Opfer herangepirscht war, und Kleidung, Perücke und Pistole mit Schalldämpfer, mit der er professionell drei Schüsse in Brust und Kopf des Zelimkhan Khangoschwili abgab, in der Spree versenkt. An der herausgefischten Hose fand sich seine DNA. Krasikow war erst einen Tag zuvor in Deutschland eingereist, mußte zur Tatausführung jedoch genau unterrichtet worden sein über terminliche Gepflogenheiten und Zeiten und Wege des Khangoschwili, und es war ihm für die Flucht bereits am Vortag ein Roller in Tatortnähe bereitgestellt worden.

Also ein zum Himmel schreiender Vorgang, den die Bundesanwaltschaft allerdings für derart belegbar hält, daß sie sich in der Lage sieht, Anklage zu erheben gleich unter Nennung der Auftragsgeber des Auftragsmörders.

Zudem handelt es sich ja, wie jeder weiß, beileibe um keine Singularität!

Seit der Annexion der Krim haben wir den Abschuss von Flug MH17 durch moskautreue Rebellen erlebt, die gnadenlosen Bombenangriffe zur Unterstützung des Assad-Regimes in Syrien, den Giftanschlag auf die Skripals in Salisbury und immer neue Beweise für politische Einmischung.

Der britische GUARDIAN am Mittwoch, des 28. November 2018 in einer freilich nicht vollständigen Aufzählung, die neben den Cyberangriffen die vom Westen noch immer nicht wahrgenommene und in ihrer Bedeutung richtig erfaßte Sperrung des Asowschen Meeres außer acht läßt.

Zum Beispiel.

Doch was soll ich Dir sagen?

Am nächsten Tag darüber in den öffentlich-rechtlichen Medien kein Sterbenswörtchen mehr!! Sämtliche Vöglein schwiegen im Walde. Kein Bericht, nicht die geringste Erörterung, kein Kommentar darüber, keine Analyse, kein Interview. Beispielsweise mit einem der ordinären Putinversteher und Rußlandgesundbeter wie Matthias Platzeck.

Und nach dem vom Deutschlandfunk wiedergegebenen Pressespiegel des Folgetages der Karlsruher Anklageerhebung möchte man meinen, keine einzige deutsche Zeitung beschäftigt sich mit diesem Thema!

Nichts!

Kein Kommentar!

Als wären die Medien gleichgeschaltet!

Wie in vorauseilendem Gehorsam!

Das ist unheimlich!

Das ist gefährlich!

Das wird sich rächen!

Der Westen ist befangen in dem gefährlichen Irrtum, Putin denke und handle rational. Das tut der auch, allerdings nicht nach aristotelischer Logik.

Sondern nach jahrhundertalter russischer Bauernlogik mit dem historischen Hauptmerkmal fortwährender Verwechslung von Quantität mit Qualität: Alles was groß ist und viel und pompös und was glitzert und glänzt und protzt, hält man in Rußland für gut.

Primitive Motivationen ordinärer Verbrecher: Größe, Glitzer, Gold, Protz und penetrantes Parfüm.

Diese Denkweise erscheint dem Westen als zu primitiv, als daß man hier dächte, daß im 21. Jahrhundert ein verantwortlicher Politiker so dächte.

Und das ist eben das Gefährliche: Man grübelt immer, was Putin wirklich will, und die seltsamen Putinversteher in Deutschland und Ostdeutschland kriegen feuchte Augen, wenn Wladimir Wladimirowitsch phantasiert über einen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok…

Deshalb wird der Westen immer wieder überrascht und findet keine Antwort.

Der Westen muß flacher denken lernen und sich etwas mehr auskennen in der jahrhundertlangen Geschichte des jahrhundertalten russischen Imperialismus und Chauvinismus und dem russischen Haßneid auf den Westen, wenn er sich hineinversetzen will in Wladimir Wladimirowitschs Schädel.

Stop!

Genau das wäre ein wirksames Mittel des Westens gegen den russischen Imperialismus!

Neben beständig klarer Ansage.

Sagen, was ist!

Und das Licht der Öffentlichkeit ist in Rußland übrigens die gefürchtetste aller Waffen!

Doch, wie Hitler, infolge der inadäquaten westlichen Reaktionen wird Putin, der den Ermordeten als „blutrünstigen Menschen“ beschimpfte, immer enthemmter!

Auf die Zahmheit der deutschen Außenpolitik kann sich Staatschef Wladimir Putin bis jetzt verlassen. Um des Profits bilateraler Wirtschaftsbeziehungen willen macht sich Berlin klein gegenüber dem Kremlherrn. Den Bau einer zweiten russischen Gaspipeline durch die Ostsee lässt die Regierung allen Bedenken ihrer Partner in Europa zum Trotz fortsetzen. Diese deutsche Russlandpolitik muss auf den Prüfstand. Ein Akt des Staatsterrorismus, begangen von Putins Geheimdienst, verlangt eine harte Antwort. Politische wie wirtschaftliche Sanktionen sind angezeigt. Schiebt die deutsche Regierung dem Treiben russischer Agenten keinen Riegel vor, ermuntert sie diese nur zu neuen Taten.

Die gestrige Neue Zürcher Zeitung, Hervorhebung von Bellarmin

 

Das Geld auf der Straße

 

23. Mai 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Neulich, beim Aufkommen der jüngsten Skandalwelle aus der ekelerregenden Fleisch-Industrie sendete der Deutschlandfunk einen Bericht aus einer der urplötzlich lauthals beklagten Unterkünfte für ausländische „Arbeit-Nehmer“, also für Arbeiter. Die Reporterin „interviewte“ eine aus Rumänien angereiste Arbeiterin. Allerdings vernahm man lediglich originalsprachlich im Hintergrund zielgerichtet zusammengeschnitten deren berichtende Ausführungen, die von der Journalistin auf Deutsch wiedergegeben wurden. Also keine konkreten Fragestellungen mit den spezifischen Antworten.

Sozusagen unleif.

Immerhin autdoor, also nicht homoffissend in Heimarbeit.

Dem war zu entnehmen:

Die Rumänin sei mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen. Die Unterkunft, in der sie hierzulande lebten, sei eng. Ihnen werde dafür ein Betrag von 220 Euro abgezogen von ihren Arbeitseinkünften.

Deren Höhe hinwiederum ungenannt blieb.

Ihr Mann und sie wären nach Deutschland gekommen, weil man sich in Rumänien erzähle, „in Deutschland liegt das Geld auf der Straße“. Enttäuscht wollten sie jedoch nun wieder nach Rumänien zurück. Dort verdienten sie zwar nicht so viel, fänden aber auch in den bescheideneren Verhältnissen ihr Auskommen.

Ende eines bundesdeutschen Berichts moderner Journalistik.

Ich kann mir allerdings vorstellen bei der gegenwärtigen Verfaßtheit unserer Medien hierzulande, daß er sowohl bei der Berichterstatterin als auch in ihrer Redaktion mit vollster Zufriedenheit aufgenommen worden war. Der Arbeitsauftrag lautete höchstwahrscheinlich: Bringen Sie uns doch mal für die morgige Mittagssendung einen kritischen Bericht über diese unhaltbaren Zustände in den Unterkünften der Fleisch-Industrie.

Auftrag erfüllt!

Und mutig Kritik geübt!

In früheren Zeiten, als in der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich ein kritischer Journalismus obwaltete, hätte ich mir allerdings vorstellen können, daß beispielsweise der Arbeitsauftrag für die Reporterin gelautet hätte: Fahren Sie da mal hin und machen Sie ein Interview mit einem Betroffenen über seine Lebensumstände.

Und daß selbiger Arbeitsauftrag sogar schon erteilt worden wäre vor dem jüngsten Skandal in der ekelerregenden Fleisch-Industrie.

Und wenn unsere tapfere Berichterstatterin in jenen Zeiten der Berichterstattung zufälligerweise jene Arbeiterin vor das Mikrofon bugsiert hätte mit ihrer rumänischen Schilderung, daß sie mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen sei, weil dorten das Geld auf der Straße liege, wäre der kritischen Reporterin des seriösesten Senders des Landes, in welchem das Geld auf der Straße liege, die Idee gekommen nachzufragen: Und da haben Sie sich doch sicher auch erkundigt, bevor Sie wegen des in Deutschland auf der Straße liegenden Geldes Ihrer Heimat den Rücken kehrten, nach den näheren Umständen?

Wie das denn genau gemeint sei mit dem in Deutschland auf der Straße liegenden Gelde?

Nach den Gegeben- und Gelegenheiten?

Wo und wie und welche?

Sie haben doch sicher vor ihrer Abfahrt mit einigen Ihrer Landsleute gesprochen, die schon in Deutschland gewesen waren und haben heutzutage auch über das Internet Erkundigungen eingezogen über das auf der Straße liegende Geld in Deutschland?

Mit welchem Ergebnis?

Zu welchem Deutschlandbild, zu welchen konkreten Vorstellungen führte dies denn bei Ihnen?

Daß Sie und Ihr Mann und Ihre Kollegen sich immerhin sagten, wir sind ja nicht dumm, wenn das Geld in Deutschland auf der Straße liegt, und rackern uns hier ab in Rumänien?

Da fahren wir lieber rüber nach Deutschland und holen uns den herumliegenden Zaster?

Ende eines Beispiels unter unsäglich vielen.

Du weißt, daß es mir sehr fernliegt, in den Arsch gekniffene rumänische Arbeiterinnen zu verarschen.

Doch weißt Du auch, woran der bundesdeutsche Journalismus vornehmlich leidet?

An der Schere im Kopf, welche die essentiellen Fragen abschneidet.

Aus irgend einem Grund.

 

Der schlechteste Dolmetscher der Wahrheit

 

18. Mai 2020: Serapion an Mephisto

 

Deshalb haben wir auf nichts mehr zu achten, als daß wir nicht nach Art des Viehes der Schar der
Vorangehenden folgen! Fortwandernd nicht, wohin man gehen sollte, sondern weil von andern
wohin gegangen wird…
Denn nichts verwickelt uns in größere Übel, als daß wir uns nach dem Gerede der Leute richten!
Indem wir das für das Beste halten, was mit großer Zustimmung angenommen ist und wovon wir
viele Beispiele haben. So daß wir statt nach Vernunftgründen, nach Beispielen leben. Daher rührt
nämlich jene gewaltige Zusammenhäufung von Leuten, die einer über den andern hinfallen. Was
eben bei einem großen Menschengedränge passiert, wo das Volk sich selbst drückt: Da fällt
niemand, ohne noch einen andern sich nachzuziehen, und die Vordersten werden den Folgenden
verderblich!
Dieses kannst du im ganzen Leben sich ereignen sehen: Niemand irrt nur für sich allein, sondern er
ist auch Grund und Urheber fremden Irrtums.
Darum es ist schädlich, sich den Vorangehenden anzuschließen.
Und während ein jeder lieber glauben, als nachdenken will, so wird über das Leben nie
nachgedacht. Denn immer glaubt man nur andern. Und ein von Hand zu Hand fortgepflanzter Irrtum lenkt uns und stürzt uns in’s Verderben.
Durch fremde Beispiele gehen wir zu Grunde.
Wir werden geheilt werden, sobald wir uns nur vom großen Haufen absondern!
Denn der Volkshaufe, der Verteidiger seines eigenen Verderbens, steht der Vernunft feindlich
gegenüber.
Und so geht es denn zu, wenn sich die wandelbare Volksgunst gedreht hat, wie in den
Wahlversammlungen, wo sich dieselben Leute, die ihn selbst dazu gemacht haben, darüber
verwundern, daß einer Prätor geworden!
Eben dasselbe billigen, eben dasselbe tadeln wir: das ist der Ausgang eines jeden Gerichtes, bei dem
nach der Mehrzahl entschieden wird.
Wenn es sich um Fragen nach einem glückseliges Leben handelt, darfst du mir also nicht mit jener
Äußerung bei Senatsabstimmungen antworten: »Dieser Teil scheint der größere zu sein«….
Denn eben deshalb ist er der Schlimmere!
Es steht mit der Sache der Menschheit leider nicht so gut, daß das Bessere der Mehrzahl gefalle: Ein
großer Haufe ist ein Beweis vom Schlechtesten.
Laß uns daher fragen, nicht was am gewöhnlichsten geschehe, sondern was am Besten zu tun sei
und was uns in den Besitz eines ewigen Glücks setze. Und nicht was dem großen Haufen, dem
schlechtesten Dolmetscher der Wahrheit, genehm sei.

 

Lucius Annaeus Seneca (etwa 4 v. Chr. – 65 n. Chr.) in seiner De vita beata, welchen Teil ich Dir
für den heutigen Tag mit dem Ziel einer augenfälligeren Lesbarkeit syntaktisch etwas aufbereitete.
Für den heutigen Tag und immer darüber hinaus: denn es ist wichtig.

 

Schöne neue Welt

 

3. Mai 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Der 29. April 2020 hätte als historisches Datum eingehen können in die Geschichte des bundesdeutschen Journalismus. Gewissermaßen als Wendepunkt zurück zur alten Klasse.

Doch es darf leise geweint werden…

Stell Dir vor, an diesem Abend in der Tagesschau des ersten deutschen Fernsehens vermeldete man neben der Zahl der Neuinfektionen an Covid-19 zum ersten Mal deren Vergleich zur Zahl der Neuinfektionen des Vortages: 160. Völlig problemlos. Jene wichtige und viel bedeutendere Zahl als beispielsweise die der inzwischen Genesenen wurde ohne jeden zusätzlichen Aufwand fein übersichtlich in der tagtäglichen Deutschlandgrafik unter die Absolutzahlen der Infizierten und Neuinfizierten notiert, und man konnte völlig transparent und auf deutsch klar sehen: die Anzahl der Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag war noch nicht gesunken, sondern um 160 Fälle angestiegen.

Inzwischen sinkt sie schon seit mehreren Tagen tatsächlich!

Doch das kannst Du weder klar noch transparent sehen. Denn das müßtest Du Dir erst wieder zu Fuß ausrechnen, indem Du Dir eigenhändig die Absolutzahl des Vortages merktest und mit der aktuellen Anzahl, also zur apgedäteten, die Differenz bildetest.

Verpaßte Revolution!

Aber ein schöner Zug war es immerhin, daß da jemand mal auf die abwegige Idee gekommen war, transparent zu denken.

Preisverdächtig!

Inzwischen ist die Differenz also tatsächlich ins Negative gedreht!

Doch glaube ja nicht, irgendeiner dieser Berufsunfähigen hätte den Wendepunkt einer Bemerkung für wert erachtet. Erst heute kommentierte man, die Zahl der Neuinfektionen sei unter 1000 gesunken.

Die Zahl 1000 ist nicht so wichtig. Das kleine Minuszeichen vor der Differenz der Neuinfektionen verändert die Welt!

Was? Das sei ein verzeihliches Symptom?

Das Sekundäre nicht zu unterscheiden vom Primat?

Ich bitte Dich, was soll das erst werden, wenn sich bei derartigen Vorbildern aus der Generation der derzeit Homskulingenden ein journalistischer Nachwuchs gerieren will?

Anderes Beispiel unter anderen: Oft wiederholt schon war der Satz zu vernehmen, man wolle das Programm, also die neue Äpp, zur Alarmierung bei Kontakten mit Corona-Infizierten auf einen freiwilligen Gebrauch beschränken. Das soll offenbar beruhigend wirken, um datenrechtliche Bedenken abzuschwächen. Denn es gibt daher natürlicherweise Einwände und Widerstände.

Und was lange bedacht wird, wird bedenklich! (Nietzsche).

Doch ich vermute, mit der gnadenhalben Beschränkung auf Freiwilligkeit soll, wie bereits mit der blödsinnigen Zulassung eines Schals vor dem Maule bei der Pflicht zur Maskierung beim Brotkauf oder der Busfahrt zum Arzt, von dem eigentlich primären Problem abgelenkt werden und wird bei dem derzeitigen Niveau unseres bundesdeutschen Journalismus erfolgreich davon abgelenkt. Welcher nun Woche um Woche brav über das vorgehaltene rote Tuch eines eventuell mangelhaften Datenschutzes debattiert. Nämlich der eigentliche Skandal bei einer gesetzlichen Pflicht für ein Programm zum Registrieren mitmenschlicher Kontakte hätte zur Voraussetzung den Erlaß eines Smartphonepflichtgesetzes wie etwa:

§ 1) Jeder Bürger ist gesetzlich verpflichtet, bei kontrollierbar ausreichender Akkuleistung im eingeschalteten Zustand ein Smartphone bei sich zu tragen.

§ 2) Jeder Bürger ist gesetzlich verpflichtet, sein Smartphone in einem technisch aktualisierten (apgedäteten) Geräte(Hartwär)- und Programm(Softwär)-Zustand zu erhalten, so daß eine Ortungs(Skän)-Funktionalität auch von Personenkontakten uneingeschränkt gewährleistet wird.

§ 3) Der Gesetzgeber behält sich im Bedarfsfall vor, das Betreten von Geschäften, öffentlichen Einrichtungen sowie die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel abhängig zu machen von einem über das Smartphone jederzeit ausweislich vorzeigbaren Code.

Und wie bei der Verkündung einer Maskenpflicht könnte man in den bundesdeutschen Medien dann wieder Leute auf offener Straße einsätzig zitieren, die alle dafür sind und keiner ist dagegen.

Wie in der Deutschen Demokratischen Republik.

 

In unheimlicher Gesellschaft

 

25. April 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Freitag, 6. März:

BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN

Regierungen wollen mit Beschlagnahmungen und Exportverboten garantieren, dass medizinische Schutzausrüstung innerhalb ihrer Landesgrenzen bleibt. Verfechter einer grenzenlosen Welt kritisieren solche nationalen Alleingänge bereits heftig. Deutschland und andere Staaten betrieben ‚Atemmasken-Protektionismus‘, heißt es. Sie würden die Hoffnung zerstören, dass sich die Weltgemeinschaft im Kampf gegen das Virus zusammenschließe. Doch so wichtig freier Handel und internationale Zusammenarbeit auch sind: Es ist richtig und vernünftig, dass Regierungen im Krisenfall zuerst an ihre Bürger denken und sich um deren Schutz kümmern. Das ist der Sinn und Zweck von Staatlichkeit, eine Weltregierung gibt es nicht.

 

Montag, 16. März:

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

Zur freiheitlichen Ordnung gehört, dass jeder zunächst selbst gefordert ist – aber offenkundig ist sich auch jeder erst einmal selbst der Nächste. Nicht nur der Diebstahl von Atemschutzmasken, auch Hamsterkäufe sind Zeichen dafür. Egoistisch verhalten sich auch Unternehmen und Staaten.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Wenn etwa Deutschland keine Atemschutzmasken an Italien liefert, wenn die Europäische Zentralbank es ablehnt, die Regierung in Rom gegen Spekulanten zu verteidigen, wenn Forderungen laut werden, das Land aus der Euro-Zone zu werfen – wer wollte es den Italienern verdenken, dass sie sich von Gott und der Welt verlassen fühlen?

 

Dienstag, 24. März:

Deutschlandfunk

Millionen von Deutschland bestellte Atemschutzmasken in Kenia verschwunden.

POLITIKEN

Dass Mangel an Masken und Beatmungsgeräten herrscht, liegt auch daran, dass China große Mengen aufgekauft hat und sich weigert, seine eigene Produktion zu verkaufen.

 

Freitag, 27. März:

DER TAGESSPIEGEL

Auf dem Markt der essentiellen Schutzausrüstungen zeigt sich teils unmaskierter Egoismus, bei kommerziellen wie staatlichen Akteuren. Firmen schrauben Preise in die Höhe und verlangen für Atemschutz, der gestern ein paar Cent pro Stück gekostet hat, heute mehrere Euro oder Dollar. Als Deutschland Anfang März die Ausfuhr von Schutzmaterial in andere EU-Staaten untersagte, war ein ethischer Tiefpunkt erreicht. Immerhin wurden die Bestimmungen am 19. März wieder gelockert. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister, der vor Wochen eine Million Atemschutzmasken für sein Bundesland kaufte, wollte erst nach Ankunft der Ware verraten, woher er sie bezieht.

 

Sonntag, 29. März:

Deutschlandfunk

Deutschland will in Coronavirus-Krise Schutzmasken im Schnellverfahren kaufen

 

Montag, 30. März:

Deutschlandfunk

Bundesregierung hat 20 Millionen Schutzmasken ausgeliefert

 

Dienstag, 31. März:

Deutschlandfunk

Söder fordert „nationale Notfallproduktion“ für Schutzmasken

 

Mittwoch, 1. April:

Deutschlandfunk

Regierung billigt Wiederverwendung medizinischer Schutzmasken

WESTFÄLISCHE NACHRICHTEN

Dass sich nun die halbe Nation an die Nähmaschine setzt, um sich einen Mundschutz anzufertigen, klingt bizarr. Diese Virus-Krise treibt ihre Blüten. Wer andere schützen will, darf gerne auch das Halstuch oder den Schal nehmen. Aber eine Schutzmasken-Pflicht im Supermarkt?

FRANKFURTER RUNDSCHAU

Es gibt derzeit nicht genügend Masken. Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger beklagen, nicht ausreichend von ihnen zu haben – nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen Ländern. Wird der Mundschutz Pflicht, werden die Masken noch mehr zur Mangelware. Denn nicht alle werden einfach auf Schals oder selbst gebastelte Masken ausweichen. Außerdem wird es ganz sicher Hamsterkäufe geben. Immer da, wo Schutzmasken auftauchen, wird es Leute geben, die unbedingt ihre Vorräte auffüllen müssen. All jene werden leer ausgehen, die nicht schnell genug waren – ähnlich übrigens wie beim Toilettenpapier.

 

Donnerstag, 2. April:

Deutschlandfunk

Französische Regionen: USA kaufen uns Schutzmasken weg

LE FIGARO

Wird es uns nach den Schutzmasken, Beatmungsgeräten und Tests nun auch an Medikamenten mangeln?

 

Freitag, 3. April:

Deutschlandfunk

USA lassen für Deutschland bestimmte Coronavirus-Masken beschlagnahmen

 

USA dementieren, für Frankreich bestimmte Schutzmasken gekauft zu haben

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Der deutsche Virologe Christian Drosten warnt, bald werde es in ärmeren Ländern Szenen geben, die wir uns heute noch nicht vorstellen können‘. Bill Gates geht von bis zu zehn Millionen Toten aus. So vielen wie sonst nirgends auf der Welt. Der Rest der Welt ist derweil mit sich selbst beschäftigt, um etwa für die eigene Bevölkerung möglichst viele Masken zu besorgen.

L’EST REPUBLICAIN

Wenn Schutzmasken, Beatmungsgeräte und Medikamente ausgehen, fehlt es den Regierungen nicht an Fantasie, um neue außergewöhnliche Überwachungsbefugnisse einzufordern.

 

Samstag, 4. April:

SYDSVENSKAN

Gesichtsmasken, Gummihandschuhe und andere Einwegartikel sind bestellt und bezahlt – kommen aber nicht an. Schwedische Exportunternehmen haben wiederum Schwierigkeiten, dringend benötigte Artikel in besonders Corona-geplagte Länder wie Italien und Spanien zu liefern, weil in Frankreich Exportverbote bestehen und der Landweg verschlossen ist. Der Mangel an Krankenhausbedarf wird dazu führen, dass Menschen sterben, und die französischen Vorschriften untergraben die europäische Zusammenarbeit.

EL PAIS

Inzwischen mehren sich die internationalen Spannungen wegen der Lieferung von Atemschutzmasken. Es gibt Streit zwischen Frankreich und den USA, aber indirekt auch mit China, Schweden, Italien und Spanien.

AGORA

Die Warnungen mehren sich, dass es womöglich in Kürze landesweit keine Atemschutzmasken, Handschuhe und Beatmungsgeräte mehr geben wird. Das darf nicht passieren, in einer solchen Situation ist die Politik gefragt. Die Versuche, diese Produkte aus China zu importieren, waren bislang nicht von Erfolg gekrönt: Die große Nachfrage aus anderen Ländern hat dazu geführt, dass jetzt ein brutaler und gefährlicher Wettbewerb um die chinesischen Produkte tobt. Brasilien sollte daher schleunigst seine eigene Produktion ausbauen.

WASHINGTON POST

Selbst heute, Monate nach Beginn der Krise, in der die Öffentlichkeit dringend klare, verwertbare Informationen braucht, ist die Coronavirus-Website der CDC ein Skandal. Inzwischen quält man sich bei der Behörde mit Fragen wie jener, inwiefern das Tragen von Tüchern oder Schals dazu beiträgt, eine Ansteckung mit dem Virus zu verhindern.

GAZETA WYBORCZA

Die Internetseiten des Gesundheitsministeriums oder des Premierministers zeigen Informationen über die aktuellen Sicherheitsvorkehrungen und über den Rettungsschirm für die Wirtschaft, von dem wir heute bereits wissen, dass er keine ausreichende Wirkung zeigen wird. Doch wie es weitergehen soll, wird den Menschen nicht gesagt. Kein Wort darüber, ob wir in Polen ausreichend Atemschutzmasken oder Corona-Tests haben, wie die Teststrategie aussehen soll oder ob unsere Laboratorien über ausreichend Kapazitäten verfügen.

 

Palmsonntag, 5. April:

Deutschlandfunk

Bundeswehr soll nur im Notfall Coronavirus-Schutzmasken transportieren

 

Verschwundene Schutzmasken wurden laut Berliner Polizeipräsidentin aufgekauft

 

Ärger in Kanada über Exportverbot für US-Schutzmasken

 

Acht Millionen Masken zum Schutz vor Coronavirus nach Deutschland geliefert

 

Mittwoch, 8. April:

FRANKFURTER RUNDSCHAU

Der Fokus der Regierung lag nachvollziehbarerweise zunächst auf praktischen Dingen wie der Beschaffung von Masken und dem Versuch, das Virus überhaupt zu begreifen.

 

Gründonnerstag, 9. April:

Deutschlandfunk

Bundesregierung fördert heimische Maskenproduktion gegen Coronavirus mit 40 Millionen Euro

 

Ostermontag, 13. April:

Deutschlandfunk

Laut der Nachrichtenagentur Reuters schätzt die Regierung der Schweiz (8,6 Millionen Einwohner), dass derzeit pro Tag rund eine Million Masken gebraucht werden.

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Laumann hatte es als blamabel bezeichnet, dass die Krankenhäuser nicht genügend Atemschutzmasken und Schutzanzüge für ihr Personal eingelagert hätten. Die Krankenhäuser hätten elementare Arbeitsschutzverpflichtungen verletzt, dies werde Konsequenzen haben müssen, so der Minister.
Zudem führen vermehrte Masken-Käufe von Privatpersonen sowie von Händlern, die sich Profit versprechen, zu geringeren Lagerbeständen und höheren Preisen.

Die Bundesregierung versucht den Ankauf zu beschleunigen und will dazu Lieferverträge ohne weitere Verhandlungen über den Kaufpreis ermöglichen. Das sogenannte Open-House-Verfahren sieht vor, dass Anbieter mindestens 25.000 OP-Masken, Schutzkittel oder FFP2-Mundschutze anbieten können und der Bund diese zu einem von ihm selbst festgelegten Preis kauft. Dies soll einfacher und schneller als das sonst geltende Vergaberecht mit Ausschreibungen funktionieren.
Zudem hat die Bundesregierung die Bundeswehr damit beauftragt, medizinische Schutzausrüstung zu beschaffen. Laut Bundesamt für Ausrüstung der Bundeswehr wurden bereits Beschaffungsverträge abgeschlossen. Das Bundesgesundheitsministerium teilte auf Anfrage mit, dass es mit Hochdruck gemeinsam mit den Beschaffungsstellen der anderen Ressorts an einer Bestandsaufnahme und der zentralen Beschaffung von Schutzkleidung und Schutzmasken arbeite.

Zudem hat der Krisenstab aus Gesundheits- und Innenministerium ein Exportverbot für Schutzkleidung – darunter OP- und FFP-Masken – verhängt. Mindestens ein Lkw mit entsprechender Ladung wurde an der Grenze zur Schweiz gestoppt, wie das schweizerische Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage bestätigt. Die NZZ am Sonntag hatte berichtet, dass in dem Laster rund 240.000 Schutzmasken geladen sind. Wie ein Seco-Sprecher mitteilte, handele es sich nicht um den einzigen Fall an den Grenzen zu Deutschland und Frankreich. Die Schweiz bezieht Schutzausrüstung zum großen Teil über aus China nach Deutschland importierte Lieferwege. Zur Frage, ob es weitere gestoppte Lkw an den deutschen Grenzen gebe, wollte der Zoll sich nicht äußern.

Einige Lieferanten nutzen laut WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung zunehmend die Gelegenheit, um für Medizinprodukte Wucherpreise zu verlangen. Beispielsweise stieg der Einkaufspreis für Atemschutzmasken den Recherchen zufolge innerhalb weniger Tage um 3.000 Prozent.

Eine Studie der Universität Cambridge kam 2013 zu dem Schluss, dass selbst gefertigte Masken in einer Pandemie „nur als letztes Mittel“ genutzt werden sollten.

Neben Deutschland haben auch andere Länder Maßnahmen ergriffen, um Engpässen etwa bei Atemschutzmasken vorzubeugen. So hat Frankreich alle Vorräte sowie die Produktion von Atemschutzmasken beschlagnahmt. Die Masken sollen an das Gesundheitspersonal und mit dem Virus infizierte Franzosen verteilt werden. Die tschechische Regierung verbot neben der Ausfuhr bestimmter Atemmasken am Donnerstag auch den Export von Desinfektionsmitteln.

 

Freitag, 17. April:

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Eine Maske kann viele Bedeutungen annehmen. Ob sie eher positive oder eher negative Gefühle auslöst, ist nicht naturgegeben, sondern kulturell geprägt. In Deutschland und Mitteleuropa entfachten sich an Körperbedeckungen in den vergangenen Jahren emotional geführte Kulturkämpfe. Schon das Kopftuch von Musliminnen, erst recht aber der Schleier waren Debattenstoff Nummer eins, gefolgt vom Händedruck, der als ultimativer Ausdruck des freien, demokratischen Lebens gewertet wurde – und nun noch mehr als ein unbedeckter Mund als Virenschleuder in Verruf geraten ist.

 

Samstag, 18. April:

Deutschlandfunk

Bundeswirtschaftsminister Altmaier: „Milliardenbedarf an Atemschutzmasken in Corona-Krise“

Bundeswirtschaftsminister Altmaier rechnet damit, dass Milliarden von Atemschutzmasken benötigt werden.

Der CDU-Politiker sagte der „Bild am Sonntag“, wenn die Bundesregierung allen Menschen in Deutschland das Arbeiten, Einkaufen und Busfahren mit Mundschutz ermöglichen wolle, brauche man zwischen acht und zwölf Milliarden Masken pro Jahr.

 

Montag, 20. April:

MITTELDEUTSCHE ZEITUNG

Nase und Mund zu bedecken, ob mit Maske, Schal oder Halstuch, ist zumutbar und sinnvoll. Denn es gibt kein Land auf der Erde, das das öffentliche Leben in der Corona-Pandemie gelockert hätte, ohne eine Maskenpflicht einzuführen. Das Paradebeispiel dafür ist Südkorea. Masken tragen bedeutet in der heutigen Zeit Freiheit und Solidarität.

TAZ

Während Mund-Nasen-Schutz zur Zeit Mangelware ist, vertraut die Regierung darauf, dass sich die Leute die Dinger schon selbst nähen werden oder Textilfirmen, die eigentlich anderes produzieren, sie herstellen.

DER TAGESSPIEGEL

Die Maske wird immer präsenter im öffentlichen Raum. Über ihren Nutzen sind sich die wissenschaftlichen Gelehrten uneins.

 

Dienstag, 22. April:

Deutschlandfunk

Um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, gilt ab Montag bundesweit eine sogenannte Maskenpflicht. Auch Bremen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Brandenburg, Rheinland-Pfalz sowie das Saarland haben sich nun dafür ausgesprochen, das Tragen eines Mund-/Nasenschutzes im öffentlichen Raum weitgehend zur Pflicht zu erklären.

Die Vorgabe ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich ausgestaltet: Mehrheitlich müssen die Menschen einen Nasen- und Mundschutz in Bussen und Bahnen, in öffentlichen Gebäuden sowie beim Einkaufen tragen. Einige Länder verhängen Bußgelder, wenn man den Gesichtsschutz nicht trägt. In Mecklenburg-Vorpommern kostet dies beispielsweise 25 Euro.

NÜRNBERGER NACHRICHTEN

Sicher kann ein Mund-Nasen-Schutz die Verbreitung des Virus vermindern. Dennoch steckt Aktionismus hinter dieser Maßnahme der Regierung. Das fängt schon bei der Verfügbarkeit der Masken an und geht weiter zu ihrer täglich zu beobachtenden falschen Verwendung.

WESTFÄLISCHE NACHRICHTEN

Wenn dieses Land die teuer erkauften und immer noch äußerst fragilen Fortschritte bei der Bewältigung der Corona-Krise nicht gefährden will, sollte es tatsächlich zum neuen Chic gehören, diese Masken zu tragen.

 

Mittwoch, 23. April:

DIE ZEIT

Warum bleiben die Kitas geschlossen, aber einige Grundschulklassen machen wieder auf? Um solche Differenzierungen durchzusetzen, reicht es nicht, zu sagen: Maske auf und Klappe halten!

Deutschlandfunk

Bundesweit Maskenpflicht wegen Coronavirus

NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG

Sogar einzelne Kommunen treffen nun eigene Regelungen, mancherorts soll man in Bus und Bahn Maske tragen, beim Einkaufen, nicht aber in der Schulklasse.

Deutschlandfunknachrichten um 12 Uhr 32 Minuten und 34 Sekunden

Wir beantworten auf unserer Nachrichtenwebseite welche Arten von Schutzmasken es gibt und wie man Nachschub bekommt. Zu finden ist der Beitrag unter Deutschlandfunk De E Släsch Nachrichten.

Deutschlandfunk.de/Nachrichten der ungekürzte Text des Links

Zum Thema „Atemschutzmasken“ kursieren viele Informationen. Zahlreiche Bundesländer machen es nun zur Pflicht, in der Öffentlichkeit einen Mund/Nasenschutz zu tragen. Welche Arten von Schutzmasken es gibt, wer sie wirklich braucht und wie man Nachschub bekommt, beantworten wir hier.

Welche Masken unterscheidet man?

Seit der Ausbreitung des Coronavirus wird viel über Atemschutzmasken gesprochen und berichtet. Dabei ist nicht immer klar, um welche Masken es genau geht: Denn vom einfachen Mundschutz bis zur medizinischen Schutzmaske ist die Nachfrage derzeit groß. Und auch wenn einfache Masken den Träger vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus kaum schützen, werden sie teilweise zu hohen Preisen im Internet versteigert. Gleichzeitig nähen sich einige Menschen selbst einfache Mundschutzmasken aus verschiedenen Stoffen, auch Schneidereien und andere Betriebe bieten sie zum Verkauf.
In den Kliniken benutzt werden derzeit vor allem zwei Maskentypen, wie ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft erklärt: einfache OP-Masken aus Vlies, die Patienten bei einer Operation vor dem Speichel von Medizinern und Pflegepersonal schützen sollen, sowie Schutzmasken der Standards FFP2 und FFP3 (Filtering Face Pieces). Diese bestehen aus festerem Material und haben ein Atemventil. Das Coronavirus sei recht klein, erklärt der Sprecher, nur die FFP-Masken seien so gebaut, dass es nicht durchkomme.

Wer benötigt Atemschutzmasken?

Dringend notwendig ist das Tragen einer Schutzmaske beim medizinischen Personal. Um mit infizierten Patienten arbeiten zu können, ohne sich selbst anzustecken, braucht das Personal die FFP-Masken – ansonsten könnte eine medizinische Versorgung in den Krankenhäusern schwierig werden.
Darüber hinaus empfiehlt das Bundesgesundheitsministerium das Tragen von Alltagsmasken dringend an Orten, an denen es schwer werden kann, den Mindestabstand zu anderen Menschen immer einzuhalten. Das gelte zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen, heißt es auf der Homepage des Ministeriums. Aber auch wer eine Maske trägt, soll darauf achten, Abstand zu halten.
Die Masken können die Ansteckung anderer nicht vollständig verhindern. Sie verringern jedoch die Gefahr, da infektiöse Tröpfchen beim Husten oder Niesen etwas abgefangen werden. Dafür ist es wichtig, dass der Mundschutz möglichst fest sitzt und bei Durchfeuchtung gewechselt wird.
In China wurde bereits im Februar eine Schutzmasken-Pflicht in größeren Städten eingeführt, um die Ausbreitung des Virus so zu verlangsamen. Der Gedanke dahinter: Viele Menschen dürften infiziert sein, ohne es zu wissen. Deshalb sollten dort sicherheitshalber alle eine Maske tragen.
In Deutschland haben viele Bundesländer nun eine Pflicht eingeführt, einen Mund-und-Nasen-Schutz zu tragen. Wo genau was gilt, können Sie hier nachlesen. In Österreich ist das Tragen eines Mundschutzes seit einiger Zeit beim Einkaufen Pflicht. Luxemburg schreibt seit dem 20. April für viele Bereiche des öffentlichen Lebens Atemmasken vor.

Empfehlungen im Wandel?

Aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es bislang keine Beweise dafür, dass Masken den Träger vor Infektionen mit dem Coronavirus schützen. WHO-Generalsekretär Tedros betonte zuletzt, Masken alleine könnten die Ausbreitung der Atemwegserkrankung Covid-19 nicht stoppen. Die WHO argumentiert auch, durch das Tragen könne ein „falsches Sicherheitsgefühl“ entstehen. So laufe der Träger Gefahr, die wichtigen Hygienemaßnahmen wie etwa Händewaschen zu vergessen.
Das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt auf seiner Website, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes könne helfen, die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen, wenn man öffentliche Räume betrete, in denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden könne (etwa in Geschäften oder im öffentlichen Nahverkehr). Wichtig sei, dass der Mundschutz eng anliegend getragen werde und dass er gewechselt werde, wenn er feucht sei. Auf keinen Fall dürfe das Tragen aber dazu führen, Abstandsregeln zu missachten oder Husten- und Niesregeln und die Händehygiene nicht mehr einzuhalten. Das RKI betont zudem, wichtig sei nach wie vor: Wenn jemand Symptome zeige, müsse diese Person unbedingt zu Hause bleiben.
Bundesgesundheitsminister Spahn erklärte unlängst, dass „einfache Masken, z.B. Stoff-Masken“, helfen könnten, andere vor Infektionen zu bewahren. Auch der Virologe Christian Drosten wies im NDR-Podcast darauf hin, dass auch ein Schal oder ein Schlauchtuch, mehrlagig vor den Mund gewickelt, andere vor Tröpfchen schützen könne.

Wie lange halten FFP-Masken?

Die FFP-Masken für medizinisches Personal werden normalerweise beim Kontakt mit infizierten Patienten sowie bei Verdachtsfällen getragen. Die Trageempfehlung ist etwa zwei Stunden, spätestens dann sollen sie abgelegt oder gewechselt werden.
In der Schweiz hat das Nationale Zentrum für Infektionsprävention den Krankenhäusern bereits vor einigen Wochen empfohlen, die Masken aufgrund des Mangels nun bis zu acht Stunden zu tragen – auch wenn das aufgrund der Feuchtigkeitsbildung nicht komfortabel sein dürfte.

Wie viele Masken pro Tag werden in Kliniken und Praxen gebraucht?

Genau sagen kann das derzeit niemand. Nach Schätzungen des US-Krankenhausverbandes brauchen Kliniken derzeit bis zu neunmal so viele Gesichtsmasken wie in einer gewöhnlichen Grippesaison. Laut der Nachrichtenagentur Reuters schätzt die Regierung der Schweiz (8,6 Millionen Einwohner), dass derzeit pro Tag rund eine Million Masken gebraucht werden.
Abhelfen soll ein neuartiges Wiederverwendungsverfahren von Atemmasken mit Filterfunktion, das der Krisenstab der Bundesregierung Anfang April vorgestellt hat. Daran hat unter anderem das Robert Koch-Institut mitgearbeitet. Durch die Maßnahme soll die Versorgung des medizinischen Personals mit Schutzmasken sichergestellt werden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums könnten Masken vom Typ FFP2 und FFP3 maximal dreimal wiederaufbereitet werden, indem sie auf 65 bis 70 Grad erhitzt werden.

Warum gibt es Engpässe bei Schutzmasken?

Ein Großteil der Atemschutzmasken aller Art wird in Asien, vor allem in China, produziert. Laut dem chinesischen Innenministerium können die Fabriken dort rund 20 Millionen Masken pro Tag produzieren – um welche Maskenarten es sich genau handelt, wurde nicht aufgeschlüsselt. Auch einige deutsche Firmen lassen dort ihre Masken produzieren. Die bayerische Firma Uvex etwa teilte Anfang März mit, dass derzeit die Belieferung mit FFP-Masken aus China unterbrochen sei, allerdings sei die Produktion wieder aufgenommen. Im Lager waren zuletzt jedoch noch mehrere Zehntausend Masken vorrätig. Diese werde das Unternehmen nur an Krankenhäuser und Arztpraxen verkaufen, hieß es.

Was wird in Deutschland gegen die Engpässe getan?

Bundesgesundheitsminister Spahn hat Vereinbarungen für die Produktion medizinischer Schutzmasken im Inland angekündigt. Nach einer ersten Ausschreibung seien Zuschläge an rund 50 Unternehmen erteilt worden. Damit könnten ab Mitte August pro Woche zehn Millionen FFP2-Spezialmasken und 40 Millionen OP-Masken hergestellt werden.

Masken selber nähen – was bringt das?

Mehrere Firmen in Deutschland haben ihre Produktionen umgestellt und fertigen nun Schutzmasken an. Zettl Automotive aus dem niederbayerischen Weng zum Beispiel produziert normalerweise Sitzbezüge für BMW und Porsche – und nun auch FFP-Masken. Die bayerische Staatsregierung hat bei dem Unternehmen eine Million FFP3-Gesichtsmasken für Krankenhäuser bestellt; die ersten wurden bereits ausgeliefert. Der Filterhersteller Mahle und der Unterwäschehersteller Triumph haben sich für die Herstellung von FFP3-Masken zusammengetan. Mahle liefert den Filter, der Viren abfängt, Triumph produziert die Masken.
Neben den FFP-Masken nähen derzeit immer mehr Privatleute, Firmen und Betriebe Stoffmasken. Unter anderem hat das Staatstheater Cottbus seine Kostümschneiderei umgestellt, auch andere Bühnenbetriebe nähen Masken. Auch Häftlinge in einigen deutschen Justizvollzugsanstalten nähen zurzeit Schutzmasken. Der Textilhersteller Trigema wollte bis Ostern rund 300.000 Masken nähen. Auch im Ausland stellen Firmen die Produktion um. In Tschechien ist ein Unternehmen zum Beispiel von Boxershorts auf Masken umgestiegen. In Italien hat sich das Modelabel Prada der Maskenproduktion angenommen.
Eine Studie der Universität Cambridge kam 2013 zu dem Schluss, dass selbst gefertigte Masken in einer Pandemie „nur als letztes Mittel“ genutzt werden sollten. Sie seien aber „besser als gar kein Schutz“.

 

Donnerstag, 24. April:

Deutschlandfunk

Weltärztepräsident Montgomery kritisiert Maskenpflicht

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, hat das für ganz Deutschland beschlossene Tragen von Schutzmasken in Teilen der Öffentlichkeit kritisiert.

Eine gesetzliche Pflicht halte er für falsch, sagte Montgomery der „Rheinischen Post“ aus Düsseldorf. Denn wer eine Maske trage, wähne sich sicher und vergesse den entscheidenden Mindestabstand. Bei unsachgemäßem Gebrauch könnten Masken sogar gefährlich werden. Im Stoff konzentriere sich das Virus, beim Abnehmen berühre man die Gesichtshaut. Schneller könne man sich kaum infizieren, warnte Montgomery. Aus seiner Sicht sollte es eine gesetzliche Maskenpflicht nur für wirksame Schutzmasken geben, nicht aber für Schals oder Tücher. Das sei „lächerlich“.

 

Samstag, 25. April:

HABERTÜRK

Der Verbraucherschutzbund erklärt, man könne erst dann eine Maskenpflicht verhängen, wenn auch die Versorgung gewährleistet sei. Und der Präsident des Weltärzteverbands, Montgomery, bezeichnet die Maskenpflicht als ‚lächerlich‘. Auch in der Türkei gibt es eine Maskenpflicht. Doch viele denken beim Gebrauch nicht an die Hygiene. In der Öffentlichkeit sieht man immer wieder Menschen, die die Maske unter der Nase tragen, manche Masken bräuchten dringend eine Wäsche.

 

In geschattdaunten Zeiten

 

5. April 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Sowohl in geschattdaunten Zeiten als auch in Zeiten des Lockdauns grübeln bundesdeutsche Journalisten nun unermüdlich herum ihren lieben langen Tag während ihrer Heimarbeit (im transparenten Journalistendeutsch: Homoffis) über der Frage, wie lange die Stillegung (im transparenten Journalistendeutsch: Schattdaun) denn wohl noch andauern möge, und über momentan ähnliche Imponderabilien.

Die Frage nach der Exit-Strategie aus dem Shutdown steht wie ein Elefant im Raum.“ (Münchner Merkur am 26.3.20)

Also die Frage, wie jener Elefant einen Ausstieg fände.

Während unerbetene Popkünstler und entsetzlichste Popkünstlerinnen es sich, wie immer bei derartigen Gelegenheiten, nicht nehmen lassen wollen in ihrer selbstlosesten Selbstlosigkeit, ungefragt homskulingende Pubertierende hochherzig unterhalten zu müssen mit ihrem unvermißtesten Herumgekrähe.

Nein, da kann keine Auge trocken bleiben!

Und dennoch läßt der Schattdaun sich steigern.

Unmittelbar nachdem in Österreich verordnet worden war, daß vor allen Supermärkten Atemschutzmasken zu verteilen und für den Einlaß unabdingbar aufzusetzen und während der Einkäufe zu tragen wären von den Landeskindern, stapfte der Bürgermeister von Jena durch seine geschattdaunten Straßen und verkündete unverfroren, daß sämtliche Einwohner seiner Stadt in die nicht gelockdaunten Läden, welche ja nicht geklost wurden, weil sie für wichtige Funktionen des Verdauungsapparates der Betroffenen als systemrelevant open gehalten werden müssen, daß also die unverschuldet in dieser Stadt lebenden Einwohner hinfort in jene Lebensmittelgeschäfte nicht mehr unmaskiert hineingelassen würden: Sie dürften LEBENsmittelgeschäfte nicht mehr betreten ohne Atemschutzmaske…!

Die bekanntermaßen ebensolche Mangelware darstellen wie Klopapier!

Darüber vernahm ich nicht einen einzigen Aufschrei, ja nicht einmal das geringste kritische Tönchen in unseren öffentlichen rechtlichen Medien (und in anderen auch nicht). Die statt dessen hin und her sich darüber auslassen, ob es denn mit rechten Dingen zuginge hinsichtlich des Datenschutzes bei einem allseits freiwilligen Einsatz von Smartphonen zwecks künftiger Ortung von Kontakten mit unmutmaßlich Corona-Infizierten…

Wenn Du wissen willst, was deutsch ist.

Man verbietet also kommentarlos den Menschen den Zutritt zu Lebensmittelgeschäften und diskutiert Woche für Woche über den Datenschutz auf Smartphonen.

Anstatt sich mit offenkundig auf der Hand liegenden Problemen auch nur einmal entferntest zu befassen.

Oder gar rechtzeitig befaßt zu haben!

Wie zum Beispiel gerade dem, daß Atemschutzmasken wohl doch natürlicherweise das Infektionsrisiko zu mindern vermögen: denn aus welchem Grunde wohl sonst wird man andererseits den Menschen einen Mindestabstand von einem Meter fünfzig verordnet haben?

Weil den Infizierten die Viren aus den Ohren quöllen?

„Deutschland ist gut vorbereitet“: Es gibt keine Masken, aber man befiehlt den Menschen Masken aufzusetzen beim Brotkauf!

Das ist doch ein ungeheurer Skandal!

Der nicht nur in allen Gazetten sein gebührendes Echo gefunden hätte, als es noch Journalisten gab statt Politikersprechblasenhinterherplapperer.

Wann wollen diese Berufsunfähigen zum wenigsten einmal auf die Idee kommen, neben den täglichen drei-, vier- und mittlerweile auch fünfstelligen Absolutzahlen an Infizierten, Neuinfizierten und Verstorbenen übersichtlicherweise selbige in prozentualen Steigerungsraten hinsichtlich des Vortages umzurechnen, mittels ihrer Prozentrechnungstaste für geistig Minderbemittelte, und der zu unterrichtenden Öffentlichkeit verständnisfördernd mitzuteilen im unterrichtenden Sinn des bundesdeutschen Pressekodexes?

Himmel-, Arsch- und Wolkenbruch!

Gut, falls Du Klopapier kaufen willst und kommst nicht in den Laden rein ohne Maske und hast weder Nähmaschine noch Nadel noch Garn: Es hilft ein Plasteeimer, den Du Dir über den Kopf stülpst. Vergiß zuvor aber nicht, drei Löcher reinzubohren: Zwei in Augenhöhe und eines, um am Mund einen Strohhalm reinschieben zu können, wenn Du aus der gelegentlich erworbenen Wasserflasche gleich unterwegs etwas trinken möchtest. Es wird ja wieder wärmer, und wenn die Sonne drauf scheint, wird es heiß unter der Haube.

Deutschland ist gut vorbereitet…

Und falls Du entgegen aller Beteuerungen, es bestünde da überhaupt keine Knappheit in diesem unserem Lande und kein Grund zu irgendeiner Sorge, und trotz und wider jeglichen Datenschutzes namentlich erfaßter Vorbestellung wieder leer ausgehen solltest bei Deinen vertrauensvollen Versuchen des ehrlichen Erwerbs einer Rolle Toilettenpapieres: Frag mich! Mir fallen da einige Blätter ein auf dem Zeitungsmarkt, die Du unbekümmert und ungelesen und, „nachhaltigerweise“, sogar ungedruckt verwenden könntest auf Deinem Abort.

 

In Zeiten der Corona

 

19. März 2020: Mephisto an Solon

 

Das ist ja alles schön und gut, daß Du die Anzahl der Musikstunden erhöhen willst, in Zeiten, in denen alle Welt sich für musikalisch hält, weil man sich tagsüber ständig bedudeln läßt. Über alle Lautsprecher auf sämtlichen Etagen in Kaufhäusern und sogar in „Super“märkten. Ich wundere mich schon immer, daß die Gewerkschaften nicht Sturm laufen gegen diese Vergewaltigung der Beschäftigten. Dieses Abschleifen jeglichen Geschmacks und musikalischen Empfindens Tag für Tag, Stunde für Stunde, vom Arbeitsbeginn bis zum Feierabend über all die Jahre des Berufslebens. Die hören doch gar nichts mehr, und das gilt als selbstverständlich.

Dieses Andressieren eines pawlowschen Reflexes.

Und die Kunden werden schon mal gar nicht gefragt, ob sie sich die Ware nicht lieber in Ruhe auswählen wollen. Das ruhige Nachdenken des Kunden liegt nicht im Geschäftsinteresse. Wenn ich mir ausbitte, die Lautsprecher abzuschalten, fällt man aus allen Wolken. Ich gelte als Exot.

Diese Angst vor der Stille!

Diese Angst vor den dann äußerlich unbeeinflußt heraufsteigenden Eigengedanken!

Viele sind dem völlig entwöhnt.

Viele sind dem nicht gewachsen.

Viele sind darauf trainiert worden, fremdbestimmt zu denken.

Beispielsweise durch halbverstandene rhythmisch vorgetragene Textbausteine.

Lebenslang!

Die werden verrückt, wenn alles still ist.

Was allerdings Deinen Vorschlag hinsichtlich der Beschränkung der logarithmischen Auswüchse des normalschulischen Mathe-Unterrichts anbelangt zu Gunsten eines wahrhaft musischen: Zumindest Exponentialfunktionen sollten schon drin sein im Standard. Dadurch könnte gerade in diesen Tagen jedermann sich unschwer zwei alternative Szenarien ausrechnen:

Nehmen wir einmal an, es bräche irgendwo auf der Welt eine Seuche aus. Vielleicht in einem Land, in welchem in Folge der Eßgewohnheiten seiner Eingeborenen ein Virus vom lebenden Wildtier überspringt auf einen Menschen. Und denken wir uns zwei Möglichkeiten der Ausbreitung: a) Der Viruswirt steckt am folgenden Tag zwei weitere Menschen an und jeder folgend Infizierte am jeweils nächsten Tag zwei weitere. Oder b), die Ansteckungsrate von Folgeinfizierten liegt mal bei zwei oder mal bei drei, und wir können sie durchschnittlich angeben mit 2,5. Dann ergeben sich innerhalb der ersten drei Wochen an Infizierten:

Am 1. Tag: 1

2. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 2

Bei 2,5facher Ansteckung: 3

3. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 4

Bei 2,5facher Ansteckung: 6

4. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 8

Bei 2,5facher Ansteckung: 16

5. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 16

Bei 2,5facher Ansteckung: 39

6.Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 32

Bei 2,5facher Ansteckung: 98

7. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 64

Bei 2,5facher Ansteckung: 244

8. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 128

Bei 2,5facher Ansteckung: 610

9. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 256

Bei 2,5facher Ansteckung: 1.526

10. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 512

Bei 2,5facher Ansteckung: 3.815

11. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 1.024

Bei 2,5facher Ansteckung: 9.537

12. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 2.048

Bei 2,5facher Ansteckung: 23.841

13. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 4.096

Bei 2,5facher Ansteckung: 59.604

14. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 8.192

Bei 2,5facher Ansteckung: 149.011

15. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 16.384

Bei 2,5facher Ansteckung: 372.529

16. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 32.768

Bei 2,5facher Ansteckung: 931.322

17. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 65.536

Bei 2,5facher Ansteckung: 2.328.306

18. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 131.072

Bei 2,5facher Ansteckung: 5.820.766

19. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 262.144

Bei 2,5facher Ansteckung: 14.551.015

20. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 524.288

Bei 2,5facher Ansteckung: 36.279.788

Und am 21. Tag:

Bei 2facher Ansteckung: 1.048.576

Bei 2,5facher Ansteckung: 90.949.470

 

Was bedeutet, nach drei Wochen wäre bei zweieinhalbfacher Ansteckungsrate ganz Deutschland infiziert.

Da heißt aber auch, wenn wir über den Zeitraum von drei Wochen die Ansteckungsrate um nur 1/5 senken könnten, verringerten wir die Zahl der Erkrankten um fast 99 Prozent. Und wenn wir realistischerweise dabei eine Mortalität annehmen von einem Prozent der gemessenen Infizierten, retteten wir damit 899.008 Menschen ihr Leben.

 

Wenn ich manchmal all die verschiedenen Aufregungen der Menschen bedenke, und die Gefahren und Sorgen, denen sie sich aussetzen, am Hofe, im Kriege, aus denen so viele Streitigkeiten, Leidenschaften, kühne und oft böse Unternehmungen entstehen, entdecke ich, daß das ganze Unglück der Menschen nur von einer Sache herrührt, nämlich davon, daß sie es nicht fertig bringen, ruhig in einem Zimmer zu sitzen.“

Blaise Pascal (1623 – 1662): Pensées

 

Was tun gegen den Haß?

 

15. März 2020: Solon an Mephisto

 

Ihr klagt in Eurer Gesellschaft über eine erschreckende Zunahme von Haß und Gewalt?

Wenn es unter uns bleibt: Kurz vor Weihnachten klingelte in der Hose mein Händi, und auf dem Schirm, dem Displä, erkannte ich die mir von Barack Obama übermittelte Nummer Eurer Kanzlerin. In meiner Eigenschaft als Meister vom Stuhl der Geheimloge „Archon Eponymos“ lud sie mich eigenhändig ein nach Berlin ins Kanzleramt. Zu einer wegen ihrer strengen Vertraulichkeit von jeglicher Presse abgeschirmten Kabinettssitzung. Es ginge um das Thema Haßbekämpfung. Ich hege eine Hochachtung vor dieser Frau mit ihrer exorbitanten Arbeitsleistung und hatte zugestimmt unter der Bedingung, daß sämtliche Händis und Eifons der Anwesenden zuvor eingesammelt und in einem Nebenraum überprüfbar ausgeschaltet auf einem Extratisch und zugreifbar für Stichproben versammelt lägen. Wie ich mich dort gerade über die Gerätschaft Eures Verkehrsministers beugte, trat auch schon die Kanzlerin aus einer Tapetentür und stürzte sich auf mich, um mir beide Wangen zu küssen, daß es nur so widerschallte, und geleitete mich zu den Versammelten. Und ich kann sagen, sie, diese rhetorische Schlaftablette, die gewöhnlich Sätze wie „Das ist total inakzeptabel“ oder „Unser Mitgefühl gilt den Opfern“ vom Blatt abliest, redete in diesem Kreise völlig ungezwungen.

Wenngleich natürlich in ihren ordinären Platitüden.

Ach ja, die Angela, die meint, es immer gut zu meinen und vor allem richtig. Was sich aber nicht wiederholen dürfe.

Welch tragische Figur im klassischen Sinn!

Nur eben mit deutscher demokratischer, also ungenügender Schulbildung in humanistischen Fächern.

Dafür verbildet im Geschichtsunterricht mit der Vermittlung einer marxistischen Geschichtsauffassung: Geschichte reduziert als „Geschichte von Klassenkämpfen“. Fortgesetzt in den „Studienjahren der Freien Deutschen Jugend“ mit der obligatorischen „Erziehung zum Klassenhaß“ und dem nach einer bestandenen Abschlußprüfung gekrönten Erwerb des „Abzeichen für gutes Wissen“. Getragen auch vor der stolzen Brust als Aufnäher für die blaue Bluse.

Übrigens, unter uns Pastorentöchtern, da fällt mir ein: Man mußte in der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik nicht Sekretärin für Agitation und Propaganda sein, um Doktorin werden zu können. Du wirst Dir ja solchen Quatsch sowieso nicht einreden lassen.

Das Verbum „müssen“ bewahrt in den Mündern der sogenannten „gelernten DDR-Bürger“ nach der sogenannten Wende, ihrem Hüllwort für den Zusammenbruch, nämlich dem endlichen Ende der Deutschen Demokratischen Republik, das Wort „müssen“ offenbart in Mündern diverser Ostdeutscher bis heute eine etwas bizarre Semantik.

Man war selbst als Pastorentochter nicht gezwungen, Sekretärin für Agitation und Propaganda zu sein und marxistische Vorträge zu halten und Andersdenkende atheistisch zu agitieren. Zumal wenn man glauben machen will, das System durchschaut zu haben. Zu dem Posten gehörte schon entweder eine beträchtliche Portion Überzeugung für das im übrigen ja ausgemacht kirchenfeindlich zu Propagierende und das die zu Überzeugenden Agitierende oder aber ein ausgemachtes Maß an verlogener Opportunität und orwellschen Zwiedenkens. Daran muß ich auch immer denken, wenn mir, zwischenzeitlich nun fast täglich präsent im Fernsehen, jene andere Pastorentochter dezidiertest die Welt erklärt als ehemalige Sekretärin für Agitation und Propaganda. Und, Du könntest mich schlagen, ich kann nichts dagegen tun, ich sehe die Katrin Göring-Ekkart dann stets in blauer Bluse mit dem aufgenähten „Abzeichen für gutes Wissen“, und geradezu zwanghaft drängt das Bild sich mir auf, die Gutste, sie spräche gerade wieder vor einer FDJ-Versammlung.

Ja, so ist das.

Übersetzer braucht das Land!

Im Hinblick auf die vereinbarte Vertraulichkeit kann ich natürlich zu den Einzelheiten der Besprechung und insbesondere zu den Äußerungen der Beteiligten mich nur zurückhalten und lediglich einseitig meine vorgetragene Auffassung repetieren, wie man denn in Deutschland den um sich greifenden Haß besiege.

Hier sind meine Punkte:

Spart Euch die Hälfte des vorgesehenen Geldes für die Digitalisierung der Schulen. Ihr müßt nicht jedem Kind ein Täbblet kaufen und seine Lehrer in ein ohnehin aussichtsloses Hinterherrennen hinter gewinnorientierten Innovationen der Digitalindustrie zwingen. Steckt die andere Hälfte lieber in gesundes Schulessen und gepflegte Toiletten. Denn den richtigen Umgang mit modernen Medien könnt Ihr völlig ohne Rechner lehren!

Und insbesondere den ausufernden Haß besiegen:

1) Für sämtliche Schulformen und -klassen gilt Rückkehr zum Frontalunterricht!

2) Ab erster Schulklasse Einführung eines Schulfaches „Spielen“. Darin ausschließlich computerfreies Spielen. Spiele: Malefiz, Go, Dame, Skat, Doppelkopf und Schach. Auch mit Wettbewerben und Olympiaden, aber nur sekundär. Es geht nicht um Beförderung des Ehrgeizes, sondern ums  S p i e l e n!  Um Freude am  S p i e l e r i s c h e n  im Zusammensein mit anderen Menschen. Lernziel unter anderem: Verlieren lernen. Konzentration. Geduld. Standhalten in scheinbar ausweglosen Situationen. Umgang mit „Gegnern“. Verinnerlichung von Verhaltensweisen: Unterscheidung zwischen Spiel und Ernst. Es ist ein Spiel! Ich befinde mich im Spiel! Der Gegner ist und bleibt mein Freund.

Was ja heute nicht mehr selbstverständlich ist.

Und es geht um Entwicklung von Kreativität unter Bedingungen des regelbasierten Handelns.

Schwerpunkt Schach! Trotz seiner Komplexität: Für alle! Unbedingt!

Erkennen von Situationen. Entwicklung von Strategien.

Stillsitzen.

3) Von der ersten bis zur letzten Klasse und auch zu Lasten anderen Unterrichts mindestens zwei Wochenstunden Dialektik. Als Haupt- und Prüfungsfach. Darin über die Schuljahre verteilt: Philosophie, vornehmlich abendländische.

Abendländische Ethik, Geschichte der abendländischen Ethik, Kynismus, Stoa, Epikureismus.

Logik, logische Schlußweisen, Denkfehler, abstrahieren, Deduktion und Induktion, definieren, Problemlösungsdialektik versus Überzeugungstransfer (aber beides gleichermaßen). Und wie in alten Zeiten der sieben Künste: Rhetorik. Kritisieren, argumentieren, debattieren, moderieren, reden, Reden halten.

Sokrateische Mäeutik: ich weiß, daß ich nichts weiß.

Quellenkritik!

Und nicht zuletzt: Analytik!

Beispielsweise anhand von Filmanalysen!

4) Für jedes Schuljahr gilt: Die Anzahl der Mathestunden hat die Anzahl der Stunden des Musikunterrichts nicht zu überschreiten. Es ist zu bedenken, daß vermutlich über 90 Prozent der Menschen glücklich durchs Leben kommen, obwohl sie vergessen haben und gar nicht zu wissen brauchen, was ein Logarithmus ist.

Aber: Wichtig sind Grundzüge der mathematischen Logik!

Beispielsweise für das Erkennen von Äquivalenzen.

Und für jedes Schuljahr gilt ebenso: Es ist zu bedenken, daß vermutlich über 90 Prozent der Menschen skrupellos in die Straßenbahn steigen, obwohl sie nicht wissen, wie ein Elektromotor funktioniert. Demnach hat die Anzahl der Physikstunden die Anzahl der Stunden des Unterrichts in Kunst und Poesie nicht zu überschreiten. Kunst, Literatur, Poetiken! Lesen! Und nicht zu unterschätzen: Sinnvolles Nacherzählen von Gelesenem! Textverständnis. Ganz wichtig: Effektives Nacherzählen auch umfangreicherer Lesestoffe. Also Schulung des Vermögens, das Wesentliche vom Unwesentlichen trennen zu können. Das erscheint mir bei erstaunlich vielen Menschen unterentwickelt. Und also haben sie mühsam und beladen zu kämpfen im Leben und wundern sich über die stete Widrigkeit der Verhältnisse.

Nacherzählen von Geschehnissen, Unterscheidung von Wahrnehmung und Realität.

5) Und jetzt komme ich zum Knaller, wenn Ihr den Haß besiegen wollt: GESCHICHTE!

Der Geschichtsunterricht hat nicht abgewählt werden zu können! Von keinem Schüler und niemals! Der Geschichtsunterricht hat nicht verquickt zu werden mit anderen Fächern wie Gemeinschaftskunde. Das ist ungeheuerlich!! Der Geschichtsunterricht hat sich nicht zu beschränken auf politische Geschichte. Der ausführliche Geschichtsunterricht ist keine Nebensache sondern unabwendbares Haupt- und Prüfungsfach für jeden Schüler! Insbesondere auch vergleichende Geschichtsbetrachtung. Insbesondere altgriechische Geschichte mit allem Drum und Dran. Und hier böte sich zum Beispiel an ein Vergleich der Verhältnisse Altgriechenlands mit dem jüngeren und aktuellen Europa.

Geschichte! Geschichte! Geschichte!

 

Erwäge beständig, daß alles wie es jetzt ist, auch ehemals war, und daß es immer so sein wird. … Überall dasselbe Schauspiel, nur von anderen Personen aufgeführt.

Marc Aurel (121-180)

 

Erderkaltung

 

8. März 2020: Serapion an Mephisto

 

Wir befinden uns im Jahr 20 des 21. Jahrhunderts.

Auf zahlreichen Linien ist der Flugverkehr zusammengebrochen. Weltweit wird an unzähligen Orten die Produktion stillgelegt. Über New York wird der Ausnahmezustand verhängt. Millionenstädte sind abgeriegelt. Die Bewegungsfreiheit wird drastisch eingeschränkt und öffentliche Zusammenkünfte der Menschen werden untersagt. Schulen, Universitäten, Theater, Kinos, Konzerthallen, Museen und Sportclubs werden geschlossen. Es gelten Ein- und Ausreiseverbote. Selbst innerhalb der Sperrzonen dürfen sich die Einwohner nicht mehr frei bewegen und ihre Wohnungen nur in genehmigten Ausnahmefällen verlassen.

Zwischen den Menschen ist ein Mindestabstand einzuhalten.

Obendrein bringen schwachsinnige Eltern ihre unschuldigen Kinder an die Grenze des Abendlandes mit seinen Werten. Wo die Kinder beschossen werden von vorn mit abendländischen und sie beschossen werden von hinten mit morgenländischen Gasgranaten.

Wir befinden uns im Jahr 20 des 21. Jahrhunderts.