A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Foto: MfS

Beschlagnahmtes Tatwerkzeug MEPHISTOs (Foto: Ministerium für Staatssicherheit)

Berufsunfähig

 

29. Juni 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Vor nunmehr zwei Wochen, am 15. Juni, erschien hier bei uns in Deutschland in der seltsamen TAGESZEITUNG von einem seltsamen Wesen ein seltsamer Artikel. Das Wesen trägt den Namen Hengameh Yaghoobifarah und wird redaktionsseitig als „Autor_in“, „Redakteur_in“ und „Referent_in“ ausgewiesen, und zwar als Autor_in, Redakteur_in und Referent_in zu Queerness, Feminismus, Antirassismus und Medienästhetik.

In meiner Naivität hatte ich zuerst angenommen, nachdem ich das Bild des seltsamen Wesens neben dem seltsamen Artikel der seltsamen TAGESZEITUNG gesehen hatte, es handele sich um eine Autorin, und war deshalb erstaunt beim Lesen dieser seltsamen Angabe der Autorenschaft. Daß man in der Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG noch nicht einmal zu sagen wisse, ob es sich um eine Autorin oder um einen Autoren handele. Auch hatte ich in mehreren nichtseltsamen vertrauenswürdigen Medien bereits vernommen, daß im Zusammenhang mit dem seltsamen Wesen dezidiert Pronomen wie „sie“ und „die“ Verwendung fanden und von „der“ „Autorin“ die Rede war.

Eine Internetrecherche ergab schließlich: Hengameh Yaghoobifarah identifiziere sich eigenhändig als „nichtbinär“.

Was ich als „unweiblich“ UND zugleich „unmännlich“ verstehe in meinem abgehängten Verstand, der mir zudem noch weiszumachen versucht, daß die Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG wohl aus weißen rassistisch abgehängten Redakteurinnen und Redakteuren bestehen müsse, indem sie das seltsame Wesen, entgegen dessen ausgedrücktem ausdrücklichen Eigensinn, als „männlich“ ODER „weiblich“ klassifiziere, demzufolge diskriminiert als binär.

Du siehst, die Welt ist heute kompliziert bei politisch korrigierenden Richtigdenkern. Und die über Jahrhunderte gewachsene Sprache der Dichter und Denker ist zu armselig, um die Realität dieses sich in Queerness, Feminismus, Antirassismus und Medienästhetik nach Geltung strebenden Wesens zu erfassen in seiner Nichtbinärität.

Zumindest wenn man, in seinem Sprachverständnis minderbemittelt, das grammatikalische Geschlecht („Djenda“ im sprachkorrigierenden Journalistendeutsch) korrigierend gleichsetzt mit dem biologischen.

Um mich keinem Vorwurf dieser rechtgläubig Durchblickenden auszusetzen, werde ich im folgenden also jenes nichtbinäre Wesen nicht, wie die Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG, mit binären Begriffen wie „Autor_in“, „Redakteur_in“ und „Referent_in“ diskriminieren.

Die mutmaßlich binären Eltern des nichtbinären Wesens waren aus dem Iran über mutmaßlich mehr als fünf Ländergrenzen plus einer kontinentalen hinweg statt nach Afghanistan, Armenien, Aserbaidschan, Bahrein, Bangladesch, Bhutan, Brunei, China, Georgien, Indien, Indonesien, dem Irak, Israel, Japan, dem Jemen, Jordanien, Kambodscha, Kasachstan, Katar, Kirgisien, Nordkorea, Südkorea, Kuweit, Laos, dem Libanon, Malaysia, den Malediven, der Mongolei, Myanmar, Nepal, Oman, Ostimor, Pakistan, den Philippinen, Rußland, Saudi Arabien, Singapur, Sri Lanka, Syrien, Tadschikistan, Taiwan, Tailand, der Türkei, Turkmenistan, Usbekistan, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder beispielsweise nach Vietnam lieber nach Deutschland gekommen aus irgendwelchen Gründen und hatten dem nichtbinären Wesen bei seiner Geburt in Kiel den Namen Hengameh Yaghoobifarah zugeteilt.

Indessen muß das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah unter der elterlichen Ortswahl seiner Geburt sehr gelitten haben. Und mußte hinfort in Deutschland ein hartes Leben führen. Denn nach seinem Abitur und seinem Studium der Medienkulturwissenschaft und Skandinavistik verfaßte es beispielsweise gemeinsam mit einem mutmaßlich allerdings binären Wesen namens Fatma Aydemir das Buch „Eure Heimat ist unser Albtraum“.

Auch betrieb das an Deutschland unsäglich leidende nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah in Deutschland eine Kolumne in jener seltsamen TAGESZEITUNG, worin das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah im Jahre 2017 unter anderem vorgab meinen zu müssen:

Der deutsche Hass auf Muslim_innen und die Paranoia vor einer – was auch immer das sein soll – Islamisierung der deutschen (wortwörtlich) Dreckskultur hält Kartoffeln davon ab, ein schöneres Leben zu führen. Lieber eine Schweinefleisch-Lobby gründen als halal-Fleisch in ihrer Kantine akzeptieren.

Lieber Bremsspuren in der Unterhose und ein erhöhtes Risiko für Geschlechtskrankheiten verteidigen als ein islamisches Klo im Kölner Bürgerhaus zulassen. Lieber einen Tag mehr arbeiten als ein muslimischer Feiertag im Kalender.

Ihr anti-muslimischer Rassismus schadet Muslim_innen und Kanax, aber er geht auch auf ihren eigenen Nacken. Ihre Missgunst ist so riesig, dass sie sich das eigene Leben verderben. So engherzig, trotzig, bitter und kleinlich, das ist deutsche Kultur.

Aber Kartoffeln sind nicht strategisch klug, sie sind ignorant, geschichtsverdrossen und besserwisserisch. Weder aus den Fehlern anderer, noch aus ihren eigenen können und wollen sie lernen. … Sie schaffen sich selber ab. Ich hoffe, sie beeilen sich.

Gemeint sind mit „Kartoffeln“ Angehörige jenes Volkes, zu dem es die Eltern des nichtbinären Wesens Hengameh Yaghoobifarah drängte aus irgendeinem Grund.

Statt zu einem von über 200 anderen.

Wohl wissend, daß bei jenem mißgünstigen Volk, bei dem das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah nach seiner Geburt weder eine islamische Toilette noch eine für nichtbinäre Wesen fände während seiner Schul-, Studien- und „Referent_in“-Zeit in „Antirassismus“, und daß sich deshalb Bremsspuren anzusammeln vermöchten in der Unterhose über des Wesens Hintern.

Falls ein Hintern in der Hose steckt auch bei Nichtbinären.

Warum das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah sich genötigt fühlte, vor die deutsche „Dreckskultur“ noch ein eingeklammertes „wortwörtlich“ zu setzen, erschließt sich mir aus seinem Text nicht. Vielleicht meint das nichtbinäre Wesen, das sich seinen Lebensunterhalt vermittels des schreibenden Kundtuns seiner Durchblicke verdient, in der Landessprache des mißgünstigen lernunfähigen Volkes damit medienästhetisch eine wortverstärkende Wirkung.

Ich nehme an, die sich politisch korrigiert gebende Redaktion der seltsamen TAGESZEITUNG hatte es damals versäumt sowohl eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen das von ihr als Referent_in in Antirassismus ausgewiesene nichtbinäre Wesen zu stellen noch es bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes anzuzeigen. Und mindestens ihm die Plattform, nomen est omen, ihres Mediums zu entziehen. Denn als gäbe es nichts zu lernen und Schlüsse zu ziehen, ließ man den derdiedas Wiederholungstäter ungerührt zu Wiederholungstaten schreiten.

Am 15. Juni also unter der Überschrift:

Abschaffung der Polizei: All cops are berufsunfähig

Zu deutsch: Alle Bullen sind berufsunfähig.

In einem Land, in dem seine Kulturschaffenden unter dem Motto „Neit of Leit“ wichtige Gebäude unter Rotlicht anstrahlen lassen, statt unter dem Motto „Nacht des Lichts“ vielleicht, und ausnahmslos die Rede ist von „Lockdaun“ und „Schattdaun“ statt von „Schließung“ oder „Stillstand“, kann man kaum erwarten, daß ein als Autor_in und Redakteur_in bezeichnetes nichtbinäres Wesen deutsch spräche, noch dazu vor den von ihm als Kartoffeln verachteten Landeskindern.

Ich hingegen frage mich: Wenn die Polizei abgeschafft wird, der Kapitalismus jedoch nicht, in welche Branchen kann man Ex-Cops dann überhaupt noch reinlassen? Schließlich ist der Anteil an autoritären Persönlichkeiten und solchen mit Fascho-Mindset in dieser Berufsgruppe überdurchschnittlich hoch. Oder haben Sie schon mal von einem Terrornetzwerk in der Backshop-Community gehört? Ich nämlich auch nicht.

Wohin also mit den über 250.000 Menschen, die dann keine Jobs mehr haben?

Wenn die Polizei abgeschafft wird, der Kapitalismus jedoch nicht…

Aus den Prämissen „Polizei abgeschafft“, „Kapitalismus jedoch nicht“, folgt dem nichtbinären Wesen Hengameh Yaghoobifarah daraus die Konklusion: „in welche Branchen kann man Ex-Cops dann überhaupt noch reinlassen?“

Ich glaube, in der Psychopathologie spricht man von „verschroben“…

Ich glaube im Hinblick auf gewisse schlußfolgernde Gedankengänge von Paranoikern…

Aber vielleicht liegt es einfach an meinem abgehängten Verstand, daß ich der Logik des nichtbinären medienästhetischen Wesens Hengameh Yaghoobifarah nicht zu folgen vermag.

Das Wort „Backshop“ habe ich übrigens nicht gefunden in meinen deutschen oder englischen Wörterbüchern. Auch „Mindset“ fand ich nicht. Vielleicht meint das Wesen „faschistische Gesinnung“ und kennt nur nicht die richtigen Wörter unter uns Kartoffeln. Und mit „Backshop-Community“ wird das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah wohl Bäckereien meinen im Lande der die ein erhöhtes Risiko von Geschlechtskrankheiten verteidigenden Kartoffeln.

Soziale Arbeit schon mal nicht. Das Problem löst sich nicht dadurch, dass ein Cop Uniform gegen Birkenstocks und Leinenhosen umtauscht. Ob Behörden, Lehrer_innen, Justiz, Politik, Ärzt_innen oder Sicherheitskräfte: Machtpositionen gegenüber anderen Menschen kommen nicht infrage. Streng genommen möchte man sie nicht einmal in die Nähe von Tieren lassen. Bitte nicht noch mehr Chicos erziehen!

Streng genommen… Bullen noch nicht mal in die Nähe von Tieren lassen…

Auch der Dienstleistungsbereich sieht schwierig aus. Post ausliefern lassen? Niemals. Zwischen Büchersendung und Schuhbestellung passt immer eine Briefbombe.

Das ist richtig.

Alles, was an menschlichen Körpern stattfindet – etwa Tattoos oder Frisuren –, ist ebenfalls zu riskant. Ich würde mir nicht mal eine Pediküre von ihnen geben lassen. Eine Nagelfeile ist eine Waffe.

Gedankengänge eines nichtbinären paranoiden Wesens über seine Pediküre…

Keine Baumärkte, Tankstellen oder Kfz-Werkstätten. Eigentlich nichts, woraus man Bomben oder Brandsätze bauen kann. Technik generell eher nein. Keine Gastronomie wegen Vergiftungsgefahr.

Briefbombe, Nagelfeile, Brandsätze, Vergiftungsgefahr…

Über (Bio-)Bauernhöfe brauchen wir gar nicht erst zu sprechen, die sind jetzt schon zu Szenejobs für Neonazis avanciert.

Brauchen wir nicht zu besprechen: alles Nazis…

Und wenn man sie einfach Keramik bemalen ließe? Nein. Zu naheliegend, dass sie unter der Hand Hakenkreuz-Teeservice herstellen und sich mit den Einnahmen das nächste Terrornetzwerk querfinanzieren.

Terrornetzwerke…

Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.

(Hervorhebung von mir)

Ich prophezeie:

1.) Das nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah wird nicht glücklich werden!

Weil 2.): Die Welt wird sich nicht der typisch linksparanoiden Sicht eines berufsunfähigen Wesens vom Schlage Hengameh Yaghoobifarahs anpassen!

 

„… denn das wäre der Welt Ende, wenn man euch gehorchte.“

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

 

Gleichgeschaltet

 

22. Juni 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Letzten Donnerstag sah man sich tatsächlich gezwungen in den bundesdeutschen Medien, da kam man einfach nicht umhin! Es ist ein Jammer aber auch, manchmal kommt man beim besten Willen nicht herum um die Fakten – also da mußten unsere „klassischen Medien“ plötzlich, und ohne ein einziges Mutmaßlich!, melden:

Die Bundesanwaltschaft hat im Zusammenhang mit dem Mord an einem Georgier vor einem Jahr in Berlin Anklage gegen einen Russen erhoben. Sie geht davon aus, dass der Verdächtige die Tat im Auftrag der russischen Regierung ausführte. … Staatliche Stellen der Zentralregierung der Russischen Föderation hätten dem Angeklagten den Auftrag erteilt, den Georgier Tornike K. zu liquidieren. … Die Bundesregierung beklagte, dass Moskau keine Bereitschaft zeige, zur Aufklärung beizutragen, und wies im Dezember 2019 zwei russische Diplomaten aus. Daraufhin wurden auch zwei deutsche Diplomaten aus Russland ausgewiesen.

Bundesaußenminister Maas sagte in Wien, die Bundesregierung behalte sich weitere Maßnahmen ausdrücklich vor.

(Deutschlandfunk, Donnerstag, 18. Juni 2020)

Ausdrücklich…

Der Wadim Krasikow, so heißt laut Bellingcat, The Insider und The Dossier Center der Mann mit ungefälschten falschen russischen Papieren auf den Namen Sokolow, Wadim Krasikow hatte voriges Jahr am 23. August nach dem heimtückischen Mord das Mountainbike, mit dem der Auftragskiller von hinten an sein Opfer herangepirscht war, und Kleidung, Perücke und Pistole mit Schalldämpfer, mit der er professionell drei Schüsse in Brust und Kopf des Zelimkhan Khangoschwili abgab, in der Spree versenkt. An der herausgefischten Hose fand sich seine DNA. Krasikow war erst einen Tag zuvor in Deutschland eingereist, mußte zur Tatausführung jedoch genau unterrichtet worden sein über terminliche Gepflogenheiten und Zeiten und Wege des Khangoschwili, und es war ihm für die Flucht bereits am Vortag ein Roller in Tatortnähe bereitgestellt worden.

Also ein zum Himmel schreiender Vorgang, den die Bundesanwaltschaft allerdings für derart belegbar hält, daß sie sich in der Lage sieht, Anklage zu erheben gleich unter Nennung der Auftragsgeber des Auftragsmörders.

Zudem handelt es sich ja, wie jeder weiß, beileibe um keine Singularität!

Seit der Annexion der Krim haben wir den Abschuss von Flug MH17 durch moskautreue Rebellen erlebt, die gnadenlosen Bombenangriffe zur Unterstützung des Assad-Regimes in Syrien, den Giftanschlag auf die Skripals in Salisbury und immer neue Beweise für politische Einmischung.

Der britische GUARDIAN am Mittwoch, des 28. November 2018 in einer freilich nicht vollständigen Aufzählung, die neben den Cyberangriffen die vom Westen noch immer nicht wahrgenommene und in ihrer Bedeutung richtig erfaßte Sperrung des Asowschen Meeres außer acht läßt.

Zum Beispiel.

Doch was soll ich Dir sagen?

Am nächsten Tag darüber in den öffentlich-rechtlichen Medien kein Sterbenswörtchen mehr!! Sämtliche Vöglein schwiegen im Walde. Kein Bericht, nicht die geringste Erörterung, kein Kommentar darüber, keine Analyse, kein Interview. Beispielsweise mit einem der ordinären Putinversteher und Rußlandgesundbeter wie Matthias Platzeck.

Und nach dem vom Deutschlandfunk wiedergegebenen Pressespiegel des Folgetages der Karlsruher Anklageerhebung möchte man meinen, keine einzige deutsche Zeitung beschäftigt sich mit diesem Thema!

Nichts!

Kein Kommentar!

Als wären die Medien gleichgeschaltet!

Wie in vorauseilendem Gehorsam!

Das ist unheimlich!

Das ist gefährlich!

Das wird sich rächen!

Der Westen ist befangen in dem gefährlichen Irrtum, Putin denke und handle rational. Das tut der auch, allerdings nicht nach aristotelischer Logik.

Sondern nach jahrhundertalter russischer Bauernlogik mit dem historischen Hauptmerkmal fortwährender Verwechslung von Quantität mit Qualität: Alles was groß ist und viel und pompös und was glitzert und glänzt und protzt, hält man in Rußland für gut.

Primitive Motivationen ordinärer Verbrecher: Größe, Glitzer, Gold, Protz und penetrantes Parfüm.

Diese Denkweise erscheint dem Westen als zu primitiv, als daß man hier dächte, daß im 21. Jahrhundert ein verantwortlicher Politiker so dächte.

Und das ist eben das Gefährliche: Man grübelt immer, was Putin wirklich will, und die seltsamen Putinversteher in Deutschland und Ostdeutschland kriegen feuchte Augen, wenn Wladimir Wladimirowitsch phantasiert über einen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok…

Deshalb wird der Westen immer wieder überrascht und findet keine Antwort.

Der Westen muß flacher denken lernen und sich etwas mehr auskennen in der jahrhundertlangen Geschichte des jahrhundertalten russischen Imperialismus und Chauvinismus und dem russischen Haßneid auf den Westen, wenn er sich hineinversetzen will in Wladimir Wladimirowitschs Schädel.

Stop!

Genau das wäre ein wirksames Mittel des Westens gegen den russischen Imperialismus!

Neben beständig klarer Ansage.

Sagen, was ist!

Und das Licht der Öffentlichkeit ist in Rußland übrigens die gefürchtetste aller Waffen!

Doch, wie Hitler, infolge der inadäquaten westlichen Reaktionen wird Putin, der den Ermordeten als „blutrünstigen Menschen“ beschimpfte, immer enthemmter!

Auf die Zahmheit der deutschen Außenpolitik kann sich Staatschef Wladimir Putin bis jetzt verlassen. Um des Profits bilateraler Wirtschaftsbeziehungen willen macht sich Berlin klein gegenüber dem Kremlherrn. Den Bau einer zweiten russischen Gaspipeline durch die Ostsee lässt die Regierung allen Bedenken ihrer Partner in Europa zum Trotz fortsetzen. Diese deutsche Russlandpolitik muss auf den Prüfstand. Ein Akt des Staatsterrorismus, begangen von Putins Geheimdienst, verlangt eine harte Antwort. Politische wie wirtschaftliche Sanktionen sind angezeigt. Schiebt die deutsche Regierung dem Treiben russischer Agenten keinen Riegel vor, ermuntert sie diese nur zu neuen Taten.

Die gestrige Neue Zürcher Zeitung, Hervorhebung von Bellarmin

 

Korona

 

12. Juni 2020: Serapion an Mephisto

 

 

Eklipse

 

Zur selben Zeit, spricht der HERR HERR, will ich die Sonne am Mittag untergehen lassen und das Land am hellen Tage lassen finster werden.

Amos 8,9

 

Einst kommt der Tage Tag, da wird berühren

Der Mond von Ost der Sonnenscheibe Rand,

Wird ihren Kreis in einer Delle schnüren

Und langsam bannen ihrer Strahlen Brand.

 

Und dann, wenn seine Schatten fast verdecken

Des allernächsten Sternes letztes Licht,

Wird plötzlich Kühle jedes Wesen schrecken –

Ein herber Hauch zieht Menschen ins Gesicht.

 

Es steigt herauf ein wolkiges Gewebe

Im Westen düster überm Horizont,

Das drohend überdeckt des Himmels Schwebe,

Nur ferne Streifen bleiben noch besonnt.

 

Ein Wind erhebt sich leise und strömt milde,

Die Vögel werden stumm und alles schweigt

Erstarrt und wie gelähmt in dem Gefilde,

Wie wenn sich Stille vor dem Sturme zeigt.

 

Von Westen rast heran des Mondes Schatten,

Fliegt flimmernd über jede Häuserwand,

Trifft rauhe und die weiß gestrichnen glatten,

Die Finsternis kennt keinen Widerstand.

 

Im Augenblick verlöschen letzte Strahlen,

Die eben noch geblitzt wie Diamant

Schmal in des Sonnenrandes Arealen

Als Perlenkette, die den Stern umspannt.

 

Das Schwarz der Scheibe bläulich weiß umhüllen

Nun plötzlich Zacken, die als Strahlenkranz

Im Drumherum den dunklen Raum erfüllen

Mit unheimlich beklemmend kaltem Glanz.

 

In der Korona aber Flammen tanzen

Gewaltig, eruptiv und schimmernd rot,

Dämonisch züngelnde Protuberanzen,

Sie spein ins All der Höllen Feuertod.

 

Ich will den Tag verfinstern euch zur Plage,

In Nacht ihn wandeln ohne Unterschied!

Ich will in Trauer eure Feiertage

Verkehren und in Klage jedes Lied!

 

„Wir müssen uns ehrlich machen“ – Frank-Walter Steinmeier

 

7. Juni 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Neulich berichtete der Deutschlandfunk nachrichtlich über eine Studie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, die den „klassischen Medien“ der Bundesrepublik ein gutes Zeugnis ausgestellt haben soll betreffs ihres informellen Agierens über die aktuell weltweit wütende Seuche:

Geäußerte Vorwürfe, dass es eine überwiegende Negativberichterstattung oder einseitige Panikmache gegeben habe, seien nicht bestätigt worden. Weiter hieß es, die klassischen Nachrichtenmedien hätten auch über Falschmeldungen und Verschwörungstheorien berichtet. Dabei hätten Journalisten zahlreiche in der Öffentlichkeit kursierende Gerüchte und Meldungen als falsche Behauptungen entlarvt.“

(Dienstag, 02.06.2020 – Deutschlandfunk)

Froh über den raren Umstand, daß Journalisten in Deutschland mitunter wieder deutsch sprechen, hier zum Beispiel von „Falschmeldungen“ statt von „Fäknjus“, wollen wir einmal das sprachliche Unvermögen des Nachrichtenredakteurs unter den Tisch fallen lassen, daß über ungeäußerte Vorwürfe sowieso nichts vermeldet werden könnte, und ebenso absehen von der sprachlichen Blähung, auf deutsch „Furz“, daß zu kursieren sowieso die unabdingbare Eigenschaft von Gerüchten ist. Und sollten uns zufrieden geben über das rückhaltlose Lob, daß die Uni Münster hier unseren Medien ausstellt.

Anscheinend ohne auch nur die geringste Beanstandung!

Und sogar noch eine Eloge bringt auf die entlarvende Tätigkeit unserer Journalisten angesichts „zahlreicher“ „kursierender Gerüchte und Meldungen“.

Als Ausdruck ihrer journalistischen Kritikfähigkeit.

Was allerdings, wenn es denn wie von unserem seriösesten Medium schlaglichtartig zitiert auch so stimmte, auf eine Bezeugung der Kritikunfähigkeit der Verfasser jener Studie hindeutete.

Insonderheit im Hinblick auf die essentiellen thematischen Lücken samt einem bedrohlichen Hang zur Positivberichterstattung in den bundesdeutschen „klassischen Medien“, die sich in Zeiten der gegenwärtigen Ausnahmesituation wie durch ein Brennglas fokussiert offenbaren.

Da erscheint ihre bis heute währende Unfähigkeit zur Erkenntnis der Relevanz einer simplen Differenzbildung der Zahlen an Neuinfektionen zweier Folgetage noch harmlos.

Relativ im Vergleich zu allem anderen.

Denn wie war das denn doch gleich, gab es da nichts weiter darüber zu berichten und zu analysieren oder gar kritisch zu erörtern und zu diskutieren angesichts der Ungeheuerlichkeit, bei einem erwiesenen Fehlbestand an Masken unmaskierten Personen regierungsbehördlich den Zutritt zu Lebensmittelgeschäften zu verwehren?

Und in dem Zusammenhang eindeutig propagandistisch allenfalls Straßenpassantinnen satzfetzenartig zu zitieren, o wie schön, sie fänden die Maskenpflicht gut? Und im Internet gäbe es Bastelanleitungen, und nun könne man sich ja an seine Nähmaschine setzen?

Gewissermaßen in journalistischer Spinnstubenromantik?

Nicht zu Reden über die Nichterörterung des Fehlens von Masken nebst anderer Schutzausrüstungen in bundesdeutschen Arztpraxen mit der Folge der lebensbedrohlichen Scheu Kranker, ihren Arzt aufzusuchen.

Bei gleichzeitiger „Sonderregelung“ für telefonische Krankschreibungen.

Und bei gleichzeitig höchstem, sogar gesundheitsministeriellem Appell, im Krankheitsfalle doch unbedingt seinen Arzt aufsuchen zu sollen.

Also bitte doch!

Und schließlich jene scharfsinnige Entlarvung „zahlreicher“ „kursierender Gerüchte und Meldungen“ durch die „klassischen Medien“, die bundesdeutschen.

Beispielsweise die öffentlich-rechtlichen. Die uns indessen überfallartig, und noch vor Nennung jeglicher weiterer Details, in auffälliger Fürsorglichkeit pauschal warnten vor dem Einfluß rechtsextremer Kreise auf Demonstrationen gegen irgendwelche Regierungsmaßnahmen bezüglich der Corona-Seuche.

Die Angst vor einer neuen Pegida saß offenbar den „klassischen Medien“, geradezu regierungshörig, im Nacken.

Wie seinerzeit Ulbrichts SED samt ihrem „Organ der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“, der Zeitung „Neues Deutschland“, vor einem neuen 17. Juni.

Und seltsamerweise dieserhalb nicht auf die Idee zu kommen, nach den Quellen zu gehen… Woher sie denn stammen, die entlarvten „kursierenden Gerüchte und Meldungen“. Es stünde da doch ein riesiges Thema zur Erörterung, wie von russischer Seite der Westen methodisch zersetzt wird mit Desinformationen zwecks Steuerung Denkunfähiger.

Gab es etwa nichts zu kritisieren an der bundesdeutschen Haltung gegenüber Rußland während der fünf Jahre, die unsere Regierung benötigte, den Akt asymmetrischer Kriegsführung gegen unser Land, nämlich die Cyberangriffe gegen unsere höchste demokratische Volksvertretung, den deutschen Bundestag, wenigstens zu beantworten lediglich vermittels einer an Lächerlichkeit grenzenden Einbestellung des russischen Botschafters?

Und wäre dies nicht wenigstens eine erstrangige nachrichtliche Meldung wert gewesen in unseren öffentlich rechtlichen Medien anstelle irgendeiner der unzähligen folgenlosen Politikersprechblasen?

Apropos, neulich ging die Meldung durch unsere „klassischen Medien“, daß „das syrische Assad-Regime und Rußland“ im Zusammenhang stünden mit verbrecherischen Handlungen in Syrien.

Ja hat Rußland denn keinen Staatschef?

Oder nicht wenigstens einen Auftraggeber?

Auch für sonstige Verbrechen?

Beispielsweise für Auftragsmorde?

Im In- und Ausland?

Als Vorbild für den saudischen Kronprinzen?

Gegen den laut unseren „klassischen Medien“ inzwischen internationale Untersuchungen gefordert werden.

Warum nicht gegen sein Vorbild?

Oder handeln all die international agierenden russischen Verbrecher, beispielsweise die getreu putinscher Diktion von unseren „klassischen Medien“ beharrlich als „Separatisten“ titulierten Söldner in der Ukraine, kreativstrotzend nach eigenen Ideen auf eigene Rechnung?

Wie man das ja gewöhnt ist von russischen Untertanen in staatlichen Diensten?

Bei strategischen Landesfragen gewissermaßen mit russischer Untertänigkeit in vorauseilendem Gehorsam selbständig handelnd?

Ohne Wissen eines obersten Auftraggebers?

Das wäre ja fast so wie in Deutschland, als hätte die VW-Konzernspitze nichts gewußt noch geahnt, daß irgendwelche Ingenieure da unten in den tiefsten Abteilungen aus heiterem Himmel plötzlich der strategischen Idee verfielen, im übrigen Konzern unbemerkt, den amerikanischen Markt mit seinen Abgasnormen mittels Einbau getürkter Motoren zu erobern.

Ohne Wissen des gutgläubigen Winterkorns!

Und dann die unsäglich dürftige Berichterstattung über den „Dieselskandal“! Also den heimtückischen BETRUG durch „Schummel“-Softwär in getürkten Abschaltvorrichtungen. Trotz auffälliger Meßwerte jahrelang unbemerkt und bis heute, trotz seiner Dimension, wenn überhaupt nur unangemessen und bisweilen nahezu euphemistisch verbrämt erwähnt von unseren „klassischen Medien“.

Und da wir gerade bei „getürkt“ sind: Nicht zu reden von einer vollkommen fehlenden Debatte in bundesdeutschen Medien über die schwachsinnige Idee einer weltfremden und geschichtsvergessenen Elite, die kulturell typisch vorderasiatische Türkei auf Biegen und Brechen in die sogenannte Europäische Union hieven zu wollen.

Und der sogenannten Europäischen Union einschließlich ihrer sogenannten gemeinsamen Außenpolitik damit den Rest zu geben.

Oder was denn nun aus der SPD-seitig angekündigten neuen Türkeipolitik geworden ist?

Und worin sie bestünde?

Oder wie oder was?

Zudem will ich gar nicht erst anfangen zu reden über das jahrelange himmelschreiende Verschweigen der Clan-Kriminalität in Deutschland.

Und… und… und…  und…

Du weißt, das sind nur einige wenige Beispiele für unsere im Ozean der Fraglosigkeit versunkenen „klassischen Medien“.

 

Die Zwangsherrschaft der Allgemeinheit über die Autonomie der Person mag zwar verbal gerade von liberal Denkenden geleugnet werden, ist aber immerhin so erheblich, daß nahezu die gesamte Presse der Bundesrepublik ganze Informationsbereiche ausspart oder selektiv darstellt oder gar verstellt.“

Rupert Lay: Manipulation durch die Sprache – Rhetorik, Dialektik und Forensik in Industrie, Politik und Verwaltung, Wirtschaftsverlag Langen-Müller/Herbig, 1977

 

Homoffis

 

31. Mai 2020: Serapion an Mephisto

 

Die schlesischen Weber

 

Im düstern Auge keine Träne,

Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:

„Deutschland, wir weben dein Leichentuch,

Wir weben hinein den dreifachen Fluch –

Wir weben, wir weben!

 

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten

In Winterskälte und Hungersnöten

Wir haben vergebens gehofft und geharrt,

Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt –

Wir weben, wir weben!

 

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,

Den unser Elend nicht konnte erweichen,

Der den letzten Groschen von uns erpreßt,

Und uns wie Hunde erschießen läßt –

Wir weben, wir weben!

 

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,

Wo nur gedeihen Schmach und Schande,

Wo jede Blume früh geknickt,

Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt –

Wir weben, wir weben!

 

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,

Wir weben emsig Tag und Nacht –

Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,

Wir weben hinein den dreifachen Fluch,

Wir weben, wir weben!“

 

 

Heinrich Heine (1797 – 1856) über Heimarbeit

 

 

Das Geld auf der Straße

 

23. Mai 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Neulich, beim Aufkommen der jüngsten Skandalwelle aus der ekelerregenden Fleisch-Industrie sendete der Deutschlandfunk einen Bericht aus einer der urplötzlich lauthals beklagten Unterkünfte für ausländische „Arbeit-Nehmer“, also für Arbeiter. Die Reporterin „interviewte“ eine aus Rumänien angereiste Arbeiterin. Allerdings vernahm man lediglich originalsprachlich im Hintergrund zielgerichtet zusammengeschnitten deren berichtende Ausführungen, die von der Journalistin auf Deutsch wiedergegeben wurden. Also keine konkreten Fragestellungen mit den spezifischen Antworten.

Sozusagen unleif.

Immerhin autdoor, also nicht homoffissend in Heimarbeit.

Dem war zu entnehmen:

Die Rumänin sei mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen. Die Unterkunft, in der sie hierzulande lebten, sei eng. Ihnen werde dafür ein Betrag von 220 Euro abgezogen von ihren Arbeitseinkünften.

Deren Höhe hinwiederum ungenannt blieb.

Ihr Mann und sie wären nach Deutschland gekommen, weil man sich in Rumänien erzähle, „in Deutschland liegt das Geld auf der Straße“. Enttäuscht wollten sie jedoch nun wieder nach Rumänien zurück. Dort verdienten sie zwar nicht so viel, fänden aber auch in den bescheideneren Verhältnissen ihr Auskommen.

Ende eines bundesdeutschen Berichts moderner Journalistik.

Ich kann mir allerdings vorstellen bei der gegenwärtigen Verfaßtheit unserer Medien hierzulande, daß er sowohl bei der Berichterstatterin als auch in ihrer Redaktion mit vollster Zufriedenheit aufgenommen worden war. Der Arbeitsauftrag lautete höchstwahrscheinlich: Bringen Sie uns doch mal für die morgige Mittagssendung einen kritischen Bericht über diese unhaltbaren Zustände in den Unterkünften der Fleisch-Industrie.

Auftrag erfüllt!

Und mutig Kritik geübt!

In früheren Zeiten, als in der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich ein kritischer Journalismus obwaltete, hätte ich mir allerdings vorstellen können, daß beispielsweise der Arbeitsauftrag für die Reporterin gelautet hätte: Fahren Sie da mal hin und machen Sie ein Interview mit einem Betroffenen über seine Lebensumstände.

Und daß selbiger Arbeitsauftrag sogar schon erteilt worden wäre vor dem jüngsten Skandal in der ekelerregenden Fleisch-Industrie.

Und wenn unsere tapfere Berichterstatterin in jenen Zeiten der Berichterstattung zufälligerweise jene Arbeiterin vor das Mikrofon bugsiert hätte mit ihrer rumänischen Schilderung, daß sie mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen sei, weil dorten das Geld auf der Straße liege, wäre der kritischen Reporterin des seriösesten Senders des Landes, in welchem das Geld auf der Straße liege, die Idee gekommen nachzufragen: Und da haben Sie sich doch sicher auch erkundigt, bevor Sie wegen des in Deutschland auf der Straße liegenden Geldes Ihrer Heimat den Rücken kehrten, nach den näheren Umständen?

Wie das denn genau gemeint sei mit dem in Deutschland auf der Straße liegenden Gelde?

Nach den Gegeben- und Gelegenheiten?

Wo und wie und welche?

Sie haben doch sicher vor ihrer Abfahrt mit einigen Ihrer Landsleute gesprochen, die schon in Deutschland gewesen waren und haben heutzutage auch über das Internet Erkundigungen eingezogen über das auf der Straße liegende Geld in Deutschland?

Mit welchem Ergebnis?

Zu welchem Deutschlandbild, zu welchen konkreten Vorstellungen führte dies denn bei Ihnen?

Daß Sie und Ihr Mann und Ihre Kollegen sich immerhin sagten, wir sind ja nicht dumm, wenn das Geld in Deutschland auf der Straße liegt, und rackern uns hier ab in Rumänien?

Da fahren wir lieber rüber nach Deutschland und holen uns den herumliegenden Zaster?

Ende eines Beispiels unter unsäglich vielen.

Du weißt, daß es mir sehr fernliegt, in den Arsch gekniffene rumänische Arbeiterinnen zu verarschen.

Doch weißt Du auch, woran der bundesdeutsche Journalismus vornehmlich leidet?

An der Schere im Kopf, welche die essentiellen Fragen abschneidet.

Aus irgend einem Grund.

 

Der schlechteste Dolmetscher der Wahrheit

 

18. Mai 2020: Serapion an Mephisto

 

Deshalb haben wir auf nichts mehr zu achten, als daß wir nicht nach Art des Viehes der Schar der
Vorangehenden folgen! Fortwandernd nicht, wohin man gehen sollte, sondern weil von andern
wohin gegangen wird…
Denn nichts verwickelt uns in größere Übel, als daß wir uns nach dem Gerede der Leute richten!
Indem wir das für das Beste halten, was mit großer Zustimmung angenommen ist und wovon wir
viele Beispiele haben. So daß wir statt nach Vernunftgründen, nach Beispielen leben. Daher rührt
nämlich jene gewaltige Zusammenhäufung von Leuten, die einer über den andern hinfallen. Was
eben bei einem großen Menschengedränge passiert, wo das Volk sich selbst drückt: Da fällt
niemand, ohne noch einen andern sich nachzuziehen, und die Vordersten werden den Folgenden
verderblich!
Dieses kannst du im ganzen Leben sich ereignen sehen: Niemand irrt nur für sich allein, sondern er
ist auch Grund und Urheber fremden Irrtums.
Darum es ist schädlich, sich den Vorangehenden anzuschließen.
Und während ein jeder lieber glauben, als nachdenken will, so wird über das Leben nie
nachgedacht. Denn immer glaubt man nur andern. Und ein von Hand zu Hand fortgepflanzter Irrtum lenkt uns und stürzt uns in’s Verderben.
Durch fremde Beispiele gehen wir zu Grunde.
Wir werden geheilt werden, sobald wir uns nur vom großen Haufen absondern!
Denn der Volkshaufe, der Verteidiger seines eigenen Verderbens, steht der Vernunft feindlich
gegenüber.
Und so geht es denn zu, wenn sich die wandelbare Volksgunst gedreht hat, wie in den
Wahlversammlungen, wo sich dieselben Leute, die ihn selbst dazu gemacht haben, darüber
verwundern, daß einer Prätor geworden!
Eben dasselbe billigen, eben dasselbe tadeln wir: das ist der Ausgang eines jeden Gerichtes, bei dem
nach der Mehrzahl entschieden wird.
Wenn es sich um Fragen nach einem glückseliges Leben handelt, darfst du mir also nicht mit jener
Äußerung bei Senatsabstimmungen antworten: »Dieser Teil scheint der größere zu sein«….
Denn eben deshalb ist er der Schlimmere!
Es steht mit der Sache der Menschheit leider nicht so gut, daß das Bessere der Mehrzahl gefalle: Ein
großer Haufe ist ein Beweis vom Schlechtesten.
Laß uns daher fragen, nicht was am gewöhnlichsten geschehe, sondern was am Besten zu tun sei
und was uns in den Besitz eines ewigen Glücks setze. Und nicht was dem großen Haufen, dem
schlechtesten Dolmetscher der Wahrheit, genehm sei.

 

Lucius Annaeus Seneca (etwa 4 v. Chr. – 65 n. Chr.) in seiner De vita beata, welchen Teil ich Dir
für den heutigen Tag mit dem Ziel einer augenfälligeren Lesbarkeit syntaktisch etwas aufbereitete.
Für den heutigen Tag und immer darüber hinaus: denn es ist wichtig.

 

Der Sieg des Sozialismus

 

9. Mai 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Heute haben wir den erforderlichen inneren Abstand, die ganze Bedeutung jener historischen Wende der bedingungslosen Kapitulation zu erfassen. Heute begreifen wir, daß es wirklich ein Tag der Befreiung war, einer Befreiung durch die ruhmreiche Rote Armee.

Wenn wir unsere Blicke auf Westdeutschland und Westeuropa richten, so wird uns die Schwere unserer Aufgabe voll bewußt. Die westlichen Alliierten haben dem Begriff der Demokratie erneut den alten Inhalt gegeben, der schon die Lebenskraft der Weimarer Republik erschütterte und den Weg zur Hitlerbarbarei ebnete. Die Friedfertigkeit haben sie umgefälscht in einen Zwang zur Eingliederung Westdeutschlands in ein wirtschaftliches, politisches und vor allem auch ein militärisches Alliance-System zur Vorbereitung eines neuen Krieges gegen die Sowjetunion. Die kapitalistischen Westmächte benutzen ihren Sieg dazu, das deutsche Volk als Konkurrenten auf dem Weltmarkt endgültig zu beseitigen. Ihr Sieg trägt also die Kennzeichen eines zerstörenden, negativen Elements und birgt die Keime eines neuen Krieges in sich. Ihr Sieg war kein konstruktiver Beitrag zum Aufbau einer neuen, friedliebenden, demokratischen Weltordnung. Der Sieg der Roten Armee war demgegenüber ein entscheidender Beitrag zur Neugestaltung der Welt. Der Sieg der Roten Armee war der Sieg des Sozialismus. Das entscheidende Ergebnis des zweiten Weltkrieges war nicht nur die Niederwerfung des Faschismus und Imperialismus in Deutschland, Italien und Japan, sondern liegt insbesondere in dem glanzvollen Bestehen der Bewährungsprobe des ersten sozialistischen Staates der Welt und in der Ausdehnung seiner realen Einwirkung auf den weiten Raum von den Gestaden des chinesischen Meeres bis nach Zentraleuropa sowie in der Erweckung kämpferischer Hoffnungen in allen fortschrittlichen werktätigen Massen auch der Völker, die heute noch unter kapitalistischer und imperialistischer Herrschaft stehen.“

Freitag, 5. Mai 1950, der Außenminister der Deutschen Demokratischen Republik Georg Dertinger

 

Die TASS ist ermächtigt mitzuteilen, daß soeben die letzte Gruppe der Kriegsgefangenen in einer Anzahl von 17 538 Mann nach Deutschland repatriiert wurde. Somit ist die Repatriierung der deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion nach Deutschland nunmehr restlos abgeschlossen. Insgesamt sind seit der Kapitulation Deutschlands 1 939 063 Kriegsgefangene nach Deutschland zurückgekehrt. Unter ihnen befanden sich 58 103 Mann, die in Lagern für Kriegsgefangene anderer Nationalitäten ermittelt wurden. An deutschen Kriegsgefangenen sind in der Sowjetunion zurückgeblieben: 9717 Mann die wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurden, 3815 Mann, gegen die ein Verfahren anhängig ist, und schließlich 14 Kranke, die nach ihrer Genesung heimkehren.

Freitag, 5. Mai 1950, sowjetische Nachrichtenagentur TASS

 

Diese Meldung würde, wenn sie sich als wahr herausstellen sollte, jede kommunistische Politik in Deutschland unmöglich machen und als Kennzeichen dafür empfunden werden, daß man das deutsche Volk auf das äußerste mißachtet und keine Verständigung mit ihm will.“

Sonnabend, 6. Mai 1950, der Vorsitzende der SPD Kurt Schumacher zur TASS-Erklärung

 

Wenn diese Meldung richtig ist, dann würde sie fürchterlich sein für Millionen von Deutschen. Ob diese TASS-Meldung richtig ist, weiß man nicht. Es hat den Anschein, als ob sie nicht den Tatsachen entspreche. Wir sind bei der Behandlung der Angelegenheit angewiesen auf Angaben aus russischen Quellen. Das Material der früheren deutschen Wehrmacht über Gefangennahme und Tod von Angehörigen der Wehrmacht befindet sich zu einem erheblichen Teil in russischer Hand. Die russische Regierung hat, entgegen ihrer schon vor mehreren Jahren gegebenen Zusage, es nicht möglich gemacht dieses Material auszuwerten. An Angaben aus russischer Quelle liegt folgendes vor: Zunächst eine TASS-Meldung nach der Kapitulation, in der die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen in russischer Hand mit 3,5 Millionen angegeben wurde. Weiter eine Erklärung des Herrn Molotow auf der Moskauer Außenministerkonferenz am 14. März 1947, damals wurde erklärt, es befanden sich noch 890 532 deutsche Soldaten in sowjetrussischer Kriegsgefangenschaft und es seien bis zu diesem Zeitpunkt               1 003 974 deutsche Kriegsgefangene entlassen worden. Die dritte offizielle Angabe ist die der TASS von gestern abend. Die Angaben Molotows im Jahre 1947 und die Angabe der TASS von gestern stimmen ziffernmäßig überein, und zwar stimmen sie so überein, daß die Summe der von der TASS-Meldung angegebenen entlassenen Kriegsgefangenen und derjenigen, die noch in Rußland seien, bis auf die letzte Ziffer übereinstimmt mit den Ziffern, die Molotow im Jahre 1947 abgegeben hat.

Es würde also daraus folgern, daß in der Zeit von März 1947 bis zu der gestrigen TASS-Meldung kein einziger deutscher Kriegsgefangener in Rußland gestorben sei. Wenn man diese beiden identischen Meldungen gegenüberstellt, so bleibt übrig als Erkenntnis, daß das Schicksal von 1,5 Millionen deutscher Kriegsgefangener ungeklärt bleibt. Wir können nicht annehmen daß diese 1,5 Millionen deutsche Kriegsgefangene in Rußland gestorben oder umgekommen oder verdorben sind. Die TASS-Meldung gibt weiter keinen Aufschluß darüber, was mit den Verschleppten geworden ist, insbesondere auch mit den deutschen Frauen, die bei der Besetzung deutschen Gebietes durch die russischen Armeen nach Rußland verschleppt worden sind. Wir wissen nur aus den Angaben von Entlassenen, daß noch eine ganze Anzahl, Zehntausende von solchen Personen in Rußland in Sklavenarbeit gehalten werden. Diese Ungewißheit, diese Unsicherheit ist so entsetzlich und lastet so nicht nur auf den Angehörigen der in Rußland Vermißten, sondern auf dem ganzen deutschen Volke, daß ich glaube, von diesem Platz aus an Sowjetrußland die Aufforderung richten zu müssen, es soll Aufklärung darüber geben, was mit diesen eineinhalb Millionen deutschen Kriegsgefangenen geschehen ist, ob sie noch leben, ob sie tot sind, und wenn sie noch leben, wo sie sind, was mit ihnen geschieht und warum sie nicht freigegeben werden.

Sonnabend, 6. Mai 1950, Bundeskanzler Konrad Adenauer in seiner Regierungserklärung

 

Die drei Außenminister haben mit Überraschung und tiefer Bestürzung die sowjetische Erklärung vom 4. Mai zur Kenntnis genommen, daß die Repatriierung der deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion nach Deutschland abgeschlossen sei. Sie erinnern an die wiederholten Bemühungen der drei westlichen Besatzungsmächte, die Sowjetregierung zur Einhaltung des Vierer-Abkommens über die Rückführung aller Kriegsgefangenen bis zum 31. Dezember 1948 zu veranlassen. Die Sowjeterklärung steht im direkten Gegensatz zu der Tatsache, daß eine große Anzahl deutscher Familien noch immer auf die Rückkehr ihrer in Gefangenschaft geratenen Verwandten wartet, von denen sie aus sowjetischer Gefangenschaft noch keine direkten Nachrichten erhalten haben. Die Minister stellen außer dem die Widersprüche zwischen den von der Sowjetregierung zu verschiedenen Zeitpunkten gemachten Angaben über die Anzahl, die Aufenthaltsorte und das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen und verschleppten Zivilpersonen fest. Diese Situation stellt eine grobe Mißachtung der Menschenrechte dar. Es ist außerdem klar, daß es sich hierbei nicht um einen alleinstehenden Fall handelt, da die Sowjetregierung auch noch zahlreiche gefangengenommene Staatsbürger der früher von Deutschland besetzten Länder und über 300 000 Japaner auf sowjetischem Gebiet zurückhält. Die Minister sind übereingekommen, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um Informationen über das Schicksal der Kriegsgefangenen und Zivilpersonen zu erhalten, die bisher noch nicht aus der Sowjetunion zurückgekehrt sind. Sie werden außerdem versuchen, sich für die Rückkehr möglichst vieler dieser Gefangenen einzusetzen.

Freitag, 12. Mai 1950, Londoner Dreimächtekonferenz: Großbritannien. Frankreich. Vereinigte Staaten

 

Schöne neue Welt

 

3. Mai 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Der 29. April 2020 hätte als historisches Datum eingehen können in die Geschichte des bundesdeutschen Journalismus. Gewissermaßen als Wendepunkt zurück zur alten Klasse.

Doch es darf leise geweint werden…

Stell Dir vor, an diesem Abend in der Tagesschau des ersten deutschen Fernsehens vermeldete man neben der Zahl der Neuinfektionen an Covid-19 zum ersten Mal deren Vergleich zur Zahl der Neuinfektionen des Vortages: 160. Völlig problemlos. Jene wichtige und viel bedeutendere Zahl als beispielsweise die der inzwischen Genesenen wurde ohne jeden zusätzlichen Aufwand fein übersichtlich in der tagtäglichen Deutschlandgrafik unter die Absolutzahlen der Infizierten und Neuinfizierten notiert, und man konnte völlig transparent und auf deutsch klar sehen: die Anzahl der Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag war noch nicht gesunken, sondern um 160 Fälle angestiegen.

Inzwischen sinkt sie schon seit mehreren Tagen tatsächlich!

Doch das kannst Du weder klar noch transparent sehen. Denn das müßtest Du Dir erst wieder zu Fuß ausrechnen, indem Du Dir eigenhändig die Absolutzahl des Vortages merktest und mit der aktuellen Anzahl, also zur apgedäteten, die Differenz bildetest.

Verpaßte Revolution!

Aber ein schöner Zug war es immerhin, daß da jemand mal auf die abwegige Idee gekommen war, transparent zu denken.

Preisverdächtig!

Inzwischen ist die Differenz also tatsächlich ins Negative gedreht!

Doch glaube ja nicht, irgendeiner dieser Berufsunfähigen hätte den Wendepunkt einer Bemerkung für wert erachtet. Erst heute kommentierte man, die Zahl der Neuinfektionen sei unter 1000 gesunken.

Die Zahl 1000 ist nicht so wichtig. Das kleine Minuszeichen vor der Differenz der Neuinfektionen verändert die Welt!

Was? Das sei ein verzeihliches Symptom?

Das Sekundäre nicht zu unterscheiden vom Primat?

Ich bitte Dich, was soll das erst werden, wenn sich bei derartigen Vorbildern aus der Generation der derzeit Homskulingenden ein journalistischer Nachwuchs gerieren will?

Anderes Beispiel unter anderen: Oft wiederholt schon war der Satz zu vernehmen, man wolle das Programm, also die neue Äpp, zur Alarmierung bei Kontakten mit Corona-Infizierten auf einen freiwilligen Gebrauch beschränken. Das soll offenbar beruhigend wirken, um datenrechtliche Bedenken abzuschwächen. Denn es gibt daher natürlicherweise Einwände und Widerstände.

Und was lange bedacht wird, wird bedenklich! (Nietzsche).

Doch ich vermute, mit der gnadenhalben Beschränkung auf Freiwilligkeit soll, wie bereits mit der blödsinnigen Zulassung eines Schals vor dem Maule bei der Pflicht zur Maskierung beim Brotkauf oder der Busfahrt zum Arzt, von dem eigentlich primären Problem abgelenkt werden und wird bei dem derzeitigen Niveau unseres bundesdeutschen Journalismus erfolgreich davon abgelenkt. Welcher nun Woche um Woche brav über das vorgehaltene rote Tuch eines eventuell mangelhaften Datenschutzes debattiert. Nämlich der eigentliche Skandal bei einer gesetzlichen Pflicht für ein Programm zum Registrieren mitmenschlicher Kontakte hätte zur Voraussetzung den Erlaß eines Smartphonepflichtgesetzes wie etwa:

§ 1) Jeder Bürger ist gesetzlich verpflichtet, bei kontrollierbar ausreichender Akkuleistung im eingeschalteten Zustand ein Smartphone bei sich zu tragen.

§ 2) Jeder Bürger ist gesetzlich verpflichtet, sein Smartphone in einem technisch aktualisierten (apgedäteten) Geräte(Hartwär)- und Programm(Softwär)-Zustand zu erhalten, so daß eine Ortungs(Skän)-Funktionalität auch von Personenkontakten uneingeschränkt gewährleistet wird.

§ 3) Der Gesetzgeber behält sich im Bedarfsfall vor, das Betreten von Geschäften, öffentlichen Einrichtungen sowie die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel abhängig zu machen von einem über das Smartphone jederzeit ausweislich vorzeigbaren Code.

Und wie bei der Verkündung einer Maskenpflicht könnte man in den bundesdeutschen Medien dann wieder Leute auf offener Straße einsätzig zitieren, die alle dafür sind und keiner ist dagegen.

Wie in der Deutschen Demokratischen Republik.

 

In unheimlicher Gesellschaft

 

25. April 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Freitag, 6. März:

BADISCHE NEUESTE NACHRICHTEN

Regierungen wollen mit Beschlagnahmungen und Exportverboten garantieren, dass medizinische Schutzausrüstung innerhalb ihrer Landesgrenzen bleibt. Verfechter einer grenzenlosen Welt kritisieren solche nationalen Alleingänge bereits heftig. Deutschland und andere Staaten betrieben ‚Atemmasken-Protektionismus‘, heißt es. Sie würden die Hoffnung zerstören, dass sich die Weltgemeinschaft im Kampf gegen das Virus zusammenschließe. Doch so wichtig freier Handel und internationale Zusammenarbeit auch sind: Es ist richtig und vernünftig, dass Regierungen im Krisenfall zuerst an ihre Bürger denken und sich um deren Schutz kümmern. Das ist der Sinn und Zweck von Staatlichkeit, eine Weltregierung gibt es nicht.

 

Montag, 16. März:

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

Zur freiheitlichen Ordnung gehört, dass jeder zunächst selbst gefordert ist – aber offenkundig ist sich auch jeder erst einmal selbst der Nächste. Nicht nur der Diebstahl von Atemschutzmasken, auch Hamsterkäufe sind Zeichen dafür. Egoistisch verhalten sich auch Unternehmen und Staaten.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Wenn etwa Deutschland keine Atemschutzmasken an Italien liefert, wenn die Europäische Zentralbank es ablehnt, die Regierung in Rom gegen Spekulanten zu verteidigen, wenn Forderungen laut werden, das Land aus der Euro-Zone zu werfen – wer wollte es den Italienern verdenken, dass sie sich von Gott und der Welt verlassen fühlen?

 

Dienstag, 24. März:

Deutschlandfunk

Millionen von Deutschland bestellte Atemschutzmasken in Kenia verschwunden.

POLITIKEN

Dass Mangel an Masken und Beatmungsgeräten herrscht, liegt auch daran, dass China große Mengen aufgekauft hat und sich weigert, seine eigene Produktion zu verkaufen.

 

Freitag, 27. März:

DER TAGESSPIEGEL

Auf dem Markt der essentiellen Schutzausrüstungen zeigt sich teils unmaskierter Egoismus, bei kommerziellen wie staatlichen Akteuren. Firmen schrauben Preise in die Höhe und verlangen für Atemschutz, der gestern ein paar Cent pro Stück gekostet hat, heute mehrere Euro oder Dollar. Als Deutschland Anfang März die Ausfuhr von Schutzmaterial in andere EU-Staaten untersagte, war ein ethischer Tiefpunkt erreicht. Immerhin wurden die Bestimmungen am 19. März wieder gelockert. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister, der vor Wochen eine Million Atemschutzmasken für sein Bundesland kaufte, wollte erst nach Ankunft der Ware verraten, woher er sie bezieht.

 

Sonntag, 29. März:

Deutschlandfunk

Deutschland will in Coronavirus-Krise Schutzmasken im Schnellverfahren kaufen

 

Montag, 30. März:

Deutschlandfunk

Bundesregierung hat 20 Millionen Schutzmasken ausgeliefert

 

Dienstag, 31. März:

Deutschlandfunk

Söder fordert „nationale Notfallproduktion“ für Schutzmasken

 

Mittwoch, 1. April:

Deutschlandfunk

Regierung billigt Wiederverwendung medizinischer Schutzmasken

WESTFÄLISCHE NACHRICHTEN

Dass sich nun die halbe Nation an die Nähmaschine setzt, um sich einen Mundschutz anzufertigen, klingt bizarr. Diese Virus-Krise treibt ihre Blüten. Wer andere schützen will, darf gerne auch das Halstuch oder den Schal nehmen. Aber eine Schutzmasken-Pflicht im Supermarkt?

FRANKFURTER RUNDSCHAU

Es gibt derzeit nicht genügend Masken. Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger beklagen, nicht ausreichend von ihnen zu haben – nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen Ländern. Wird der Mundschutz Pflicht, werden die Masken noch mehr zur Mangelware. Denn nicht alle werden einfach auf Schals oder selbst gebastelte Masken ausweichen. Außerdem wird es ganz sicher Hamsterkäufe geben. Immer da, wo Schutzmasken auftauchen, wird es Leute geben, die unbedingt ihre Vorräte auffüllen müssen. All jene werden leer ausgehen, die nicht schnell genug waren – ähnlich übrigens wie beim Toilettenpapier.

 

Donnerstag, 2. April:

Deutschlandfunk

Französische Regionen: USA kaufen uns Schutzmasken weg

LE FIGARO

Wird es uns nach den Schutzmasken, Beatmungsgeräten und Tests nun auch an Medikamenten mangeln?

 

Freitag, 3. April:

Deutschlandfunk

USA lassen für Deutschland bestimmte Coronavirus-Masken beschlagnahmen

 

USA dementieren, für Frankreich bestimmte Schutzmasken gekauft zu haben

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Der deutsche Virologe Christian Drosten warnt, bald werde es in ärmeren Ländern Szenen geben, die wir uns heute noch nicht vorstellen können‘. Bill Gates geht von bis zu zehn Millionen Toten aus. So vielen wie sonst nirgends auf der Welt. Der Rest der Welt ist derweil mit sich selbst beschäftigt, um etwa für die eigene Bevölkerung möglichst viele Masken zu besorgen.

L’EST REPUBLICAIN

Wenn Schutzmasken, Beatmungsgeräte und Medikamente ausgehen, fehlt es den Regierungen nicht an Fantasie, um neue außergewöhnliche Überwachungsbefugnisse einzufordern.

 

Samstag, 4. April:

SYDSVENSKAN

Gesichtsmasken, Gummihandschuhe und andere Einwegartikel sind bestellt und bezahlt – kommen aber nicht an. Schwedische Exportunternehmen haben wiederum Schwierigkeiten, dringend benötigte Artikel in besonders Corona-geplagte Länder wie Italien und Spanien zu liefern, weil in Frankreich Exportverbote bestehen und der Landweg verschlossen ist. Der Mangel an Krankenhausbedarf wird dazu führen, dass Menschen sterben, und die französischen Vorschriften untergraben die europäische Zusammenarbeit.

EL PAIS

Inzwischen mehren sich die internationalen Spannungen wegen der Lieferung von Atemschutzmasken. Es gibt Streit zwischen Frankreich und den USA, aber indirekt auch mit China, Schweden, Italien und Spanien.

AGORA

Die Warnungen mehren sich, dass es womöglich in Kürze landesweit keine Atemschutzmasken, Handschuhe und Beatmungsgeräte mehr geben wird. Das darf nicht passieren, in einer solchen Situation ist die Politik gefragt. Die Versuche, diese Produkte aus China zu importieren, waren bislang nicht von Erfolg gekrönt: Die große Nachfrage aus anderen Ländern hat dazu geführt, dass jetzt ein brutaler und gefährlicher Wettbewerb um die chinesischen Produkte tobt. Brasilien sollte daher schleunigst seine eigene Produktion ausbauen.

WASHINGTON POST

Selbst heute, Monate nach Beginn der Krise, in der die Öffentlichkeit dringend klare, verwertbare Informationen braucht, ist die Coronavirus-Website der CDC ein Skandal. Inzwischen quält man sich bei der Behörde mit Fragen wie jener, inwiefern das Tragen von Tüchern oder Schals dazu beiträgt, eine Ansteckung mit dem Virus zu verhindern.

GAZETA WYBORCZA

Die Internetseiten des Gesundheitsministeriums oder des Premierministers zeigen Informationen über die aktuellen Sicherheitsvorkehrungen und über den Rettungsschirm für die Wirtschaft, von dem wir heute bereits wissen, dass er keine ausreichende Wirkung zeigen wird. Doch wie es weitergehen soll, wird den Menschen nicht gesagt. Kein Wort darüber, ob wir in Polen ausreichend Atemschutzmasken oder Corona-Tests haben, wie die Teststrategie aussehen soll oder ob unsere Laboratorien über ausreichend Kapazitäten verfügen.

 

Palmsonntag, 5. April:

Deutschlandfunk

Bundeswehr soll nur im Notfall Coronavirus-Schutzmasken transportieren

 

Verschwundene Schutzmasken wurden laut Berliner Polizeipräsidentin aufgekauft

 

Ärger in Kanada über Exportverbot für US-Schutzmasken

 

Acht Millionen Masken zum Schutz vor Coronavirus nach Deutschland geliefert

 

Mittwoch, 8. April:

FRANKFURTER RUNDSCHAU

Der Fokus der Regierung lag nachvollziehbarerweise zunächst auf praktischen Dingen wie der Beschaffung von Masken und dem Versuch, das Virus überhaupt zu begreifen.

 

Gründonnerstag, 9. April:

Deutschlandfunk

Bundesregierung fördert heimische Maskenproduktion gegen Coronavirus mit 40 Millionen Euro

 

Ostermontag, 13. April:

Deutschlandfunk

Laut der Nachrichtenagentur Reuters schätzt die Regierung der Schweiz (8,6 Millionen Einwohner), dass derzeit pro Tag rund eine Million Masken gebraucht werden.

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Laumann hatte es als blamabel bezeichnet, dass die Krankenhäuser nicht genügend Atemschutzmasken und Schutzanzüge für ihr Personal eingelagert hätten. Die Krankenhäuser hätten elementare Arbeitsschutzverpflichtungen verletzt, dies werde Konsequenzen haben müssen, so der Minister.
Zudem führen vermehrte Masken-Käufe von Privatpersonen sowie von Händlern, die sich Profit versprechen, zu geringeren Lagerbeständen und höheren Preisen.

Die Bundesregierung versucht den Ankauf zu beschleunigen und will dazu Lieferverträge ohne weitere Verhandlungen über den Kaufpreis ermöglichen. Das sogenannte Open-House-Verfahren sieht vor, dass Anbieter mindestens 25.000 OP-Masken, Schutzkittel oder FFP2-Mundschutze anbieten können und der Bund diese zu einem von ihm selbst festgelegten Preis kauft. Dies soll einfacher und schneller als das sonst geltende Vergaberecht mit Ausschreibungen funktionieren.
Zudem hat die Bundesregierung die Bundeswehr damit beauftragt, medizinische Schutzausrüstung zu beschaffen. Laut Bundesamt für Ausrüstung der Bundeswehr wurden bereits Beschaffungsverträge abgeschlossen. Das Bundesgesundheitsministerium teilte auf Anfrage mit, dass es mit Hochdruck gemeinsam mit den Beschaffungsstellen der anderen Ressorts an einer Bestandsaufnahme und der zentralen Beschaffung von Schutzkleidung und Schutzmasken arbeite.

Zudem hat der Krisenstab aus Gesundheits- und Innenministerium ein Exportverbot für Schutzkleidung – darunter OP- und FFP-Masken – verhängt. Mindestens ein Lkw mit entsprechender Ladung wurde an der Grenze zur Schweiz gestoppt, wie das schweizerische Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage bestätigt. Die NZZ am Sonntag hatte berichtet, dass in dem Laster rund 240.000 Schutzmasken geladen sind. Wie ein Seco-Sprecher mitteilte, handele es sich nicht um den einzigen Fall an den Grenzen zu Deutschland und Frankreich. Die Schweiz bezieht Schutzausrüstung zum großen Teil über aus China nach Deutschland importierte Lieferwege. Zur Frage, ob es weitere gestoppte Lkw an den deutschen Grenzen gebe, wollte der Zoll sich nicht äußern.

Einige Lieferanten nutzen laut WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung zunehmend die Gelegenheit, um für Medizinprodukte Wucherpreise zu verlangen. Beispielsweise stieg der Einkaufspreis für Atemschutzmasken den Recherchen zufolge innerhalb weniger Tage um 3.000 Prozent.

Eine Studie der Universität Cambridge kam 2013 zu dem Schluss, dass selbst gefertigte Masken in einer Pandemie „nur als letztes Mittel“ genutzt werden sollten.

Neben Deutschland haben auch andere Länder Maßnahmen ergriffen, um Engpässen etwa bei Atemschutzmasken vorzubeugen. So hat Frankreich alle Vorräte sowie die Produktion von Atemschutzmasken beschlagnahmt. Die Masken sollen an das Gesundheitspersonal und mit dem Virus infizierte Franzosen verteilt werden. Die tschechische Regierung verbot neben der Ausfuhr bestimmter Atemmasken am Donnerstag auch den Export von Desinfektionsmitteln.

 

Freitag, 17. April:

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Eine Maske kann viele Bedeutungen annehmen. Ob sie eher positive oder eher negative Gefühle auslöst, ist nicht naturgegeben, sondern kulturell geprägt. In Deutschland und Mitteleuropa entfachten sich an Körperbedeckungen in den vergangenen Jahren emotional geführte Kulturkämpfe. Schon das Kopftuch von Musliminnen, erst recht aber der Schleier waren Debattenstoff Nummer eins, gefolgt vom Händedruck, der als ultimativer Ausdruck des freien, demokratischen Lebens gewertet wurde – und nun noch mehr als ein unbedeckter Mund als Virenschleuder in Verruf geraten ist.

 

Samstag, 18. April:

Deutschlandfunk

Bundeswirtschaftsminister Altmaier: „Milliardenbedarf an Atemschutzmasken in Corona-Krise“

Bundeswirtschaftsminister Altmaier rechnet damit, dass Milliarden von Atemschutzmasken benötigt werden.

Der CDU-Politiker sagte der „Bild am Sonntag“, wenn die Bundesregierung allen Menschen in Deutschland das Arbeiten, Einkaufen und Busfahren mit Mundschutz ermöglichen wolle, brauche man zwischen acht und zwölf Milliarden Masken pro Jahr.

 

Montag, 20. April:

MITTELDEUTSCHE ZEITUNG

Nase und Mund zu bedecken, ob mit Maske, Schal oder Halstuch, ist zumutbar und sinnvoll. Denn es gibt kein Land auf der Erde, das das öffentliche Leben in der Corona-Pandemie gelockert hätte, ohne eine Maskenpflicht einzuführen. Das Paradebeispiel dafür ist Südkorea. Masken tragen bedeutet in der heutigen Zeit Freiheit und Solidarität.

TAZ

Während Mund-Nasen-Schutz zur Zeit Mangelware ist, vertraut die Regierung darauf, dass sich die Leute die Dinger schon selbst nähen werden oder Textilfirmen, die eigentlich anderes produzieren, sie herstellen.

DER TAGESSPIEGEL

Die Maske wird immer präsenter im öffentlichen Raum. Über ihren Nutzen sind sich die wissenschaftlichen Gelehrten uneins.

 

Dienstag, 22. April:

Deutschlandfunk

Um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, gilt ab Montag bundesweit eine sogenannte Maskenpflicht. Auch Bremen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Brandenburg, Rheinland-Pfalz sowie das Saarland haben sich nun dafür ausgesprochen, das Tragen eines Mund-/Nasenschutzes im öffentlichen Raum weitgehend zur Pflicht zu erklären.

Die Vorgabe ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich ausgestaltet: Mehrheitlich müssen die Menschen einen Nasen- und Mundschutz in Bussen und Bahnen, in öffentlichen Gebäuden sowie beim Einkaufen tragen. Einige Länder verhängen Bußgelder, wenn man den Gesichtsschutz nicht trägt. In Mecklenburg-Vorpommern kostet dies beispielsweise 25 Euro.

NÜRNBERGER NACHRICHTEN

Sicher kann ein Mund-Nasen-Schutz die Verbreitung des Virus vermindern. Dennoch steckt Aktionismus hinter dieser Maßnahme der Regierung. Das fängt schon bei der Verfügbarkeit der Masken an und geht weiter zu ihrer täglich zu beobachtenden falschen Verwendung.

WESTFÄLISCHE NACHRICHTEN

Wenn dieses Land die teuer erkauften und immer noch äußerst fragilen Fortschritte bei der Bewältigung der Corona-Krise nicht gefährden will, sollte es tatsächlich zum neuen Chic gehören, diese Masken zu tragen.

 

Mittwoch, 23. April:

DIE ZEIT

Warum bleiben die Kitas geschlossen, aber einige Grundschulklassen machen wieder auf? Um solche Differenzierungen durchzusetzen, reicht es nicht, zu sagen: Maske auf und Klappe halten!

Deutschlandfunk

Bundesweit Maskenpflicht wegen Coronavirus

NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG

Sogar einzelne Kommunen treffen nun eigene Regelungen, mancherorts soll man in Bus und Bahn Maske tragen, beim Einkaufen, nicht aber in der Schulklasse.

Deutschlandfunknachrichten um 12 Uhr 32 Minuten und 34 Sekunden

Wir beantworten auf unserer Nachrichtenwebseite welche Arten von Schutzmasken es gibt und wie man Nachschub bekommt. Zu finden ist der Beitrag unter Deutschlandfunk De E Släsch Nachrichten.

Deutschlandfunk.de/Nachrichten der ungekürzte Text des Links

Zum Thema „Atemschutzmasken“ kursieren viele Informationen. Zahlreiche Bundesländer machen es nun zur Pflicht, in der Öffentlichkeit einen Mund/Nasenschutz zu tragen. Welche Arten von Schutzmasken es gibt, wer sie wirklich braucht und wie man Nachschub bekommt, beantworten wir hier.

Welche Masken unterscheidet man?

Seit der Ausbreitung des Coronavirus wird viel über Atemschutzmasken gesprochen und berichtet. Dabei ist nicht immer klar, um welche Masken es genau geht: Denn vom einfachen Mundschutz bis zur medizinischen Schutzmaske ist die Nachfrage derzeit groß. Und auch wenn einfache Masken den Träger vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus kaum schützen, werden sie teilweise zu hohen Preisen im Internet versteigert. Gleichzeitig nähen sich einige Menschen selbst einfache Mundschutzmasken aus verschiedenen Stoffen, auch Schneidereien und andere Betriebe bieten sie zum Verkauf.
In den Kliniken benutzt werden derzeit vor allem zwei Maskentypen, wie ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft erklärt: einfache OP-Masken aus Vlies, die Patienten bei einer Operation vor dem Speichel von Medizinern und Pflegepersonal schützen sollen, sowie Schutzmasken der Standards FFP2 und FFP3 (Filtering Face Pieces). Diese bestehen aus festerem Material und haben ein Atemventil. Das Coronavirus sei recht klein, erklärt der Sprecher, nur die FFP-Masken seien so gebaut, dass es nicht durchkomme.

Wer benötigt Atemschutzmasken?

Dringend notwendig ist das Tragen einer Schutzmaske beim medizinischen Personal. Um mit infizierten Patienten arbeiten zu können, ohne sich selbst anzustecken, braucht das Personal die FFP-Masken – ansonsten könnte eine medizinische Versorgung in den Krankenhäusern schwierig werden.
Darüber hinaus empfiehlt das Bundesgesundheitsministerium das Tragen von Alltagsmasken dringend an Orten, an denen es schwer werden kann, den Mindestabstand zu anderen Menschen immer einzuhalten. Das gelte zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen, heißt es auf der Homepage des Ministeriums. Aber auch wer eine Maske trägt, soll darauf achten, Abstand zu halten.
Die Masken können die Ansteckung anderer nicht vollständig verhindern. Sie verringern jedoch die Gefahr, da infektiöse Tröpfchen beim Husten oder Niesen etwas abgefangen werden. Dafür ist es wichtig, dass der Mundschutz möglichst fest sitzt und bei Durchfeuchtung gewechselt wird.
In China wurde bereits im Februar eine Schutzmasken-Pflicht in größeren Städten eingeführt, um die Ausbreitung des Virus so zu verlangsamen. Der Gedanke dahinter: Viele Menschen dürften infiziert sein, ohne es zu wissen. Deshalb sollten dort sicherheitshalber alle eine Maske tragen.
In Deutschland haben viele Bundesländer nun eine Pflicht eingeführt, einen Mund-und-Nasen-Schutz zu tragen. Wo genau was gilt, können Sie hier nachlesen. In Österreich ist das Tragen eines Mundschutzes seit einiger Zeit beim Einkaufen Pflicht. Luxemburg schreibt seit dem 20. April für viele Bereiche des öffentlichen Lebens Atemmasken vor.

Empfehlungen im Wandel?

Aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es bislang keine Beweise dafür, dass Masken den Träger vor Infektionen mit dem Coronavirus schützen. WHO-Generalsekretär Tedros betonte zuletzt, Masken alleine könnten die Ausbreitung der Atemwegserkrankung Covid-19 nicht stoppen. Die WHO argumentiert auch, durch das Tragen könne ein „falsches Sicherheitsgefühl“ entstehen. So laufe der Träger Gefahr, die wichtigen Hygienemaßnahmen wie etwa Händewaschen zu vergessen.
Das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt auf seiner Website, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes könne helfen, die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen, wenn man öffentliche Räume betrete, in denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden könne (etwa in Geschäften oder im öffentlichen Nahverkehr). Wichtig sei, dass der Mundschutz eng anliegend getragen werde und dass er gewechselt werde, wenn er feucht sei. Auf keinen Fall dürfe das Tragen aber dazu führen, Abstandsregeln zu missachten oder Husten- und Niesregeln und die Händehygiene nicht mehr einzuhalten. Das RKI betont zudem, wichtig sei nach wie vor: Wenn jemand Symptome zeige, müsse diese Person unbedingt zu Hause bleiben.
Bundesgesundheitsminister Spahn erklärte unlängst, dass „einfache Masken, z.B. Stoff-Masken“, helfen könnten, andere vor Infektionen zu bewahren. Auch der Virologe Christian Drosten wies im NDR-Podcast darauf hin, dass auch ein Schal oder ein Schlauchtuch, mehrlagig vor den Mund gewickelt, andere vor Tröpfchen schützen könne.

Wie lange halten FFP-Masken?

Die FFP-Masken für medizinisches Personal werden normalerweise beim Kontakt mit infizierten Patienten sowie bei Verdachtsfällen getragen. Die Trageempfehlung ist etwa zwei Stunden, spätestens dann sollen sie abgelegt oder gewechselt werden.
In der Schweiz hat das Nationale Zentrum für Infektionsprävention den Krankenhäusern bereits vor einigen Wochen empfohlen, die Masken aufgrund des Mangels nun bis zu acht Stunden zu tragen – auch wenn das aufgrund der Feuchtigkeitsbildung nicht komfortabel sein dürfte.

Wie viele Masken pro Tag werden in Kliniken und Praxen gebraucht?

Genau sagen kann das derzeit niemand. Nach Schätzungen des US-Krankenhausverbandes brauchen Kliniken derzeit bis zu neunmal so viele Gesichtsmasken wie in einer gewöhnlichen Grippesaison. Laut der Nachrichtenagentur Reuters schätzt die Regierung der Schweiz (8,6 Millionen Einwohner), dass derzeit pro Tag rund eine Million Masken gebraucht werden.
Abhelfen soll ein neuartiges Wiederverwendungsverfahren von Atemmasken mit Filterfunktion, das der Krisenstab der Bundesregierung Anfang April vorgestellt hat. Daran hat unter anderem das Robert Koch-Institut mitgearbeitet. Durch die Maßnahme soll die Versorgung des medizinischen Personals mit Schutzmasken sichergestellt werden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums könnten Masken vom Typ FFP2 und FFP3 maximal dreimal wiederaufbereitet werden, indem sie auf 65 bis 70 Grad erhitzt werden.

Warum gibt es Engpässe bei Schutzmasken?

Ein Großteil der Atemschutzmasken aller Art wird in Asien, vor allem in China, produziert. Laut dem chinesischen Innenministerium können die Fabriken dort rund 20 Millionen Masken pro Tag produzieren – um welche Maskenarten es sich genau handelt, wurde nicht aufgeschlüsselt. Auch einige deutsche Firmen lassen dort ihre Masken produzieren. Die bayerische Firma Uvex etwa teilte Anfang März mit, dass derzeit die Belieferung mit FFP-Masken aus China unterbrochen sei, allerdings sei die Produktion wieder aufgenommen. Im Lager waren zuletzt jedoch noch mehrere Zehntausend Masken vorrätig. Diese werde das Unternehmen nur an Krankenhäuser und Arztpraxen verkaufen, hieß es.

Was wird in Deutschland gegen die Engpässe getan?

Bundesgesundheitsminister Spahn hat Vereinbarungen für die Produktion medizinischer Schutzmasken im Inland angekündigt. Nach einer ersten Ausschreibung seien Zuschläge an rund 50 Unternehmen erteilt worden. Damit könnten ab Mitte August pro Woche zehn Millionen FFP2-Spezialmasken und 40 Millionen OP-Masken hergestellt werden.

Masken selber nähen – was bringt das?

Mehrere Firmen in Deutschland haben ihre Produktionen umgestellt und fertigen nun Schutzmasken an. Zettl Automotive aus dem niederbayerischen Weng zum Beispiel produziert normalerweise Sitzbezüge für BMW und Porsche – und nun auch FFP-Masken. Die bayerische Staatsregierung hat bei dem Unternehmen eine Million FFP3-Gesichtsmasken für Krankenhäuser bestellt; die ersten wurden bereits ausgeliefert. Der Filterhersteller Mahle und der Unterwäschehersteller Triumph haben sich für die Herstellung von FFP3-Masken zusammengetan. Mahle liefert den Filter, der Viren abfängt, Triumph produziert die Masken.
Neben den FFP-Masken nähen derzeit immer mehr Privatleute, Firmen und Betriebe Stoffmasken. Unter anderem hat das Staatstheater Cottbus seine Kostümschneiderei umgestellt, auch andere Bühnenbetriebe nähen Masken. Auch Häftlinge in einigen deutschen Justizvollzugsanstalten nähen zurzeit Schutzmasken. Der Textilhersteller Trigema wollte bis Ostern rund 300.000 Masken nähen. Auch im Ausland stellen Firmen die Produktion um. In Tschechien ist ein Unternehmen zum Beispiel von Boxershorts auf Masken umgestiegen. In Italien hat sich das Modelabel Prada der Maskenproduktion angenommen.
Eine Studie der Universität Cambridge kam 2013 zu dem Schluss, dass selbst gefertigte Masken in einer Pandemie „nur als letztes Mittel“ genutzt werden sollten. Sie seien aber „besser als gar kein Schutz“.

 

Donnerstag, 24. April:

Deutschlandfunk

Weltärztepräsident Montgomery kritisiert Maskenpflicht

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, hat das für ganz Deutschland beschlossene Tragen von Schutzmasken in Teilen der Öffentlichkeit kritisiert.

Eine gesetzliche Pflicht halte er für falsch, sagte Montgomery der „Rheinischen Post“ aus Düsseldorf. Denn wer eine Maske trage, wähne sich sicher und vergesse den entscheidenden Mindestabstand. Bei unsachgemäßem Gebrauch könnten Masken sogar gefährlich werden. Im Stoff konzentriere sich das Virus, beim Abnehmen berühre man die Gesichtshaut. Schneller könne man sich kaum infizieren, warnte Montgomery. Aus seiner Sicht sollte es eine gesetzliche Maskenpflicht nur für wirksame Schutzmasken geben, nicht aber für Schals oder Tücher. Das sei „lächerlich“.

 

Samstag, 25. April:

HABERTÜRK

Der Verbraucherschutzbund erklärt, man könne erst dann eine Maskenpflicht verhängen, wenn auch die Versorgung gewährleistet sei. Und der Präsident des Weltärzteverbands, Montgomery, bezeichnet die Maskenpflicht als ‚lächerlich‘. Auch in der Türkei gibt es eine Maskenpflicht. Doch viele denken beim Gebrauch nicht an die Hygiene. In der Öffentlichkeit sieht man immer wieder Menschen, die die Maske unter der Nase tragen, manche Masken bräuchten dringend eine Wäsche.