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Thalatta ! Thalatta !

Kategorie-Archiv: Philosophie

Der Niedergang unserer Zivilisation am vorauseilenden Beispiel der USA

 

29. August 2020: Serapion an Mephisto

 

Der immer wieder empfehlenswerte Publizist und langjährige USA-Korrespondent des TAGESSPIEGEL Christoph von Marschall gestern im Deutschlandfunk (Hervorhebungen von mir):

Wir haben jetzt zwei Parteitage hinter uns, die auf eine bestimmte Art eigentlich genau dieselbe Botschaft haben. Es geht nicht mehr um politische Programme, es geht nicht um Ziele, es geht nicht um Steuern, nicht um Soziales, um gar nichts; es geht nur noch um eine Person, und das ist Donald Trump.

Die Demokraten haben gesagt, das ist eine Frage von Helligkeit, Licht oder Dunkel, von Gerechtigkeit oder nicht, von böse und gut. Richtig existenziell wird das aufgeladen. Trump muss raus aus dem Weißen Haus.

Die Republikaner und Trump machen das genauso. Es geht nur noch um Donald Trump. Entweder ihr seid für ihn, oder gegen ihn. Alles Weitere spielt keine große Rolle und was tatsächlich Fakt in Amerika ist, spielt sowieso keine mehr. Corona ist fast vergessen, die Kriminalität wird nur instrumentalisiert, benutzt von den Demokraten als Beweis für die Ungerechtigkeiten in Amerika, von Trump als Beweis dafür, dass die Demokraten nur noch Chaos in Amerika haben wollen.

… Früher bei Barack Obama ging es für oder gegen eine allgemeine Krankenversicherung, für mehr Kompromisse in der Wirtschaftspolitik ja oder nein, und in der Außenpolitik auch, ob man mehr mit seinen Partnern zusammenarbeitet, oder ob mehr Härte gefragt ist.

In diesem Wahlkampf 2020 sind all solche wirklich politischen Fragen, um die es doch eigentlich gehen müsste in einem Wahlkampf – zwei Lager haben unterschiedliche politische Konzepte –, das ist alles völlig an die Seite gerückt worden und es ist nur noch ein Wahlkampf für oder gegen Donald Trump, und das ist natürlich auch ein sehr riskantes Konzept für die Demokraten.

… Seit Jahren wird in Amerika von den Demokraten Wahlkampf geführt, dass man die Spaltung überwinden müsse, aber es ist niemandem gelungen. Die Spaltung wird immer tiefer.
Aber sie ist jetzt auf einmal nicht nur an politischen Identitäten festgemacht, sondern an der einzigen Person des Präsidenten, und das ist diese enorme Aufladung und das ist aus zwei Gründen riskant. Die Polarisierung nützt in der Regel den Polarisierern.

Das ist Trumps Konzept schon die ganze Zeit gewesen. Er kann ja nicht sicher sein, dass er mit sich, seiner Programmatik und seiner Bilanz seiner Präsidentschaft, Corona plus den Wirtschaftseinbruch, dass er damit die Wahl gewinnt. Er kann die Chancen für eine zweite Amtszeit nur erhöhen, indem er sagt, hier bin ich, das sind die anderen, es ist eine Wahl zwischen Gut und Böse, Licht und Dunkel, so wie das aber die Demokraten auch gemacht haben.
… und auch hier sehen Sie wieder dieses reine Schwarz-Weiß-Denken. Wenn Sie sich die Demokraten anschauen und ihre Unterstützer, dann steht im Vordergrund die Polizeigewalt gegen schwarze Jugendliche, und es wird faktisch überhaupt nicht darüber geredet, ob diese Opfer von Polizeigewalt – und natürlich sind das skandalöse Szenen, die wir da sehen; ich will da nichts verharmlosen – aber man muss einfach mal sagen: Wenn man sich zum Teil die Opfer anschaut, das sind ja keine Unschuldslämmer, sondern das sind Leute, die selber zum Teil gegen Gesetze verstoßen haben, selbst Gewalt gegen Polizisten angewendet haben. Das spielt bei den Demokraten überhaupt keine Rolle. Es geht nur um die Ungerechtigkeit.

Bei Trump ist es umgekehrt. Trump möchte nur das Chaos in den Straßen, die brennenden Geschäfte, über die Plünderungen reden, die es ja auch gibt, die aber bei den Demokraten keine Rolle spielen, und Trump redet kein Wort über die Opfer der Polizeigewalt. Sie haben zwei völlig unterschiedliche Bilder, was sich da abspielt.

Die eine Partei sagt, wir sind ein sehr, sehr ungerechtes System, in dem Schwarze diskriminiert werden und immer wieder Opfer von Polizeigewalt werden, und die andere Seite sagt, da gibt es zwar vielleicht ein paar Probleme mit Zwischenfällen, aber schaut euch doch an, was hinterher ist. Da ist diese Black Lives Matter Bewegung, dann brennen die Straßen, dann werden Geschäfte geplündert. Wollt ihr dieses Amerika! Und dass man kein bisschen die Sichtweise des anderen Lagers auch nur einbezieht und anerkennt, das zeigt den Grad der Lagerspaltung in den Vereinigten Staaten.

 

Oben brennt es im Dach und unten rauchen die Minen,

Aber mitten im Haus schlägt man sich um den Besitz.

Friedrich Hebbel (1813 – 1863)

 

Der schlechteste Dolmetscher der Wahrheit

 

18. Mai 2020: Serapion an Mephisto

 

Deshalb haben wir auf nichts mehr zu achten, als daß wir nicht nach Art des Viehes der Schar der
Vorangehenden folgen! Fortwandernd nicht, wohin man gehen sollte, sondern weil von andern
wohin gegangen wird…
Denn nichts verwickelt uns in größere Übel, als daß wir uns nach dem Gerede der Leute richten!
Indem wir das für das Beste halten, was mit großer Zustimmung angenommen ist und wovon wir
viele Beispiele haben. So daß wir statt nach Vernunftgründen, nach Beispielen leben. Daher rührt
nämlich jene gewaltige Zusammenhäufung von Leuten, die einer über den andern hinfallen. Was
eben bei einem großen Menschengedränge passiert, wo das Volk sich selbst drückt: Da fällt
niemand, ohne noch einen andern sich nachzuziehen, und die Vordersten werden den Folgenden
verderblich!
Dieses kannst du im ganzen Leben sich ereignen sehen: Niemand irrt nur für sich allein, sondern er
ist auch Grund und Urheber fremden Irrtums.
Darum es ist schädlich, sich den Vorangehenden anzuschließen.
Und während ein jeder lieber glauben, als nachdenken will, so wird über das Leben nie
nachgedacht. Denn immer glaubt man nur andern. Und ein von Hand zu Hand fortgepflanzter Irrtum lenkt uns und stürzt uns in’s Verderben.
Durch fremde Beispiele gehen wir zu Grunde.
Wir werden geheilt werden, sobald wir uns nur vom großen Haufen absondern!
Denn der Volkshaufe, der Verteidiger seines eigenen Verderbens, steht der Vernunft feindlich
gegenüber.
Und so geht es denn zu, wenn sich die wandelbare Volksgunst gedreht hat, wie in den
Wahlversammlungen, wo sich dieselben Leute, die ihn selbst dazu gemacht haben, darüber
verwundern, daß einer Prätor geworden!
Eben dasselbe billigen, eben dasselbe tadeln wir: das ist der Ausgang eines jeden Gerichtes, bei dem
nach der Mehrzahl entschieden wird.
Wenn es sich um Fragen nach einem glückseliges Leben handelt, darfst du mir also nicht mit jener
Äußerung bei Senatsabstimmungen antworten: »Dieser Teil scheint der größere zu sein«….
Denn eben deshalb ist er der Schlimmere!
Es steht mit der Sache der Menschheit leider nicht so gut, daß das Bessere der Mehrzahl gefalle: Ein
großer Haufe ist ein Beweis vom Schlechtesten.
Laß uns daher fragen, nicht was am gewöhnlichsten geschehe, sondern was am Besten zu tun sei
und was uns in den Besitz eines ewigen Glücks setze. Und nicht was dem großen Haufen, dem
schlechtesten Dolmetscher der Wahrheit, genehm sei.

 

Lucius Annaeus Seneca (etwa 4 v. Chr. – 65 n. Chr.) in seiner De vita beata, welchen Teil ich Dir
für den heutigen Tag mit dem Ziel einer augenfälligeren Lesbarkeit syntaktisch etwas aufbereitete.
Für den heutigen Tag und immer darüber hinaus: denn es ist wichtig.

 

Zur Erinnerung

 

28. März 2020: Serapion an Mephisto

 

Sicher habe ich zehntausende Gedichte gelesen. Darunter einige sehr gute. Ich setze Dir unverfroren zwei davon hierher und sage: Das sind die beiden wichtigsten Gedichte deutscher Zunge. Dabei handelt es sich, wie sollte es anders sein, um zwei Blues. Um zwei deutsche Blues. In Sonettform also. Das mag sich, in mehrfacher Hinsicht gleich, anachronistisch und unsachlich und dreist subjektivistisch anhören. Aber selbst wenn neunundneunzig gesottene Germanisten aufschrien und alles für lächerlich und mich für verrückt erklärten, ich toleriere gern ihren mangelnden Durchblick und bleibe dabei. Obwohl ich gewöhnlich kein Rigorist und heute sogar frühlingshaft milde gestimmt bin. Forsythien betupfen Welt und Umwelt, Amseln trällern, Sperlinge tschilpen, Täubchen turteln…

Entstanden sind beide Sonette im selben Jahrzehnt, und, so ein Zufall aber auch, in Zeiten wahrlich entsetzlichster Pein, in monströsester Ungestalt von Krieg, Pestseuche und Tod. Wenn Baudelaire behauptet, Not sei die Mutter der Intelligenz, möchte man infolge der zeitlichen Kristallisationsnähe gleich zweier derart bedeutsamer Gedichte den Spruch auch abwandeln in: Not ist die Mutter der tiefsten Einsicht. Denn die kommt wahrlich nicht aus sattem Gemüt:

Schlaff ist, was in trägem Behagen gemästet worden ist, und nicht bei Anstrengung allein, sondern bei Bewegung und einfach durch das Gewicht seiner selbst versagt es.“ (Seneca)

Bei allem Glanz des üppigen Elends unserer Hemisphäre sei Einsicht uns besonders wichtig!

Beide Gedichte korrespondieren, und nur aus diesem Grund definiere ich sie umgekehrt zu den Zeitpunkten ihrer Entstehung als erstes und zweites.

Das erste Gedicht der zwei wichtigsten Gedichte, die ich Dir also ans Herz lege, ist später vom Autor noch einmal überarbeitet worden. Ich will Dir hier dennoch die ursprüngliche Fassung geben. Nun denn… Andreas Gryphius (1616 – 1664):

 

 

Vanitas; Vanitatum; et Omnia Vanitas

Es ist alles ganz eytel. Eccl. 1. V. 2.

 

Ich seh‘ wohin ich seh / nur Eitelkeit auff Erden /

Was dieser heute bawt / reist jener morgen ein /

Wo jtzt die Städte stehn so herrlich / hoch vnd fein /

Da wird in kurzem gehn ein Hirt mit seinen Herden:

Was jtzt so prächtig blüht / wird bald zutretten werden:

Der jtzt so pocht und trotzt / läst vbrig Asch und Bein

Nichts ist / daß auff der Welt könt vnvergänglich seyn /

Jtzt scheint des Glückes Sonn / bald donnerts mit beschwerden.

Der Thaten Herrligkeit muß wie ein Traum vergehn:

Solt denn die Wasserblaß / der leichte Mensch bestehn

Ach! was ist alles diß / was wir vor köstlich achten!

Alß schlechte Nichtigkeit? als hew / staub / asch vnnd wind?

Als eine Wiesenblum / die man nicht widerfind.

Noch wil / was ewig ist / kein einig Mensch betrachten!

 

Nun gibt es Menschen, zu denen auch ich mich addiere, die tatsächlich und wieder im Gegensatz zur gängigen germanistischen Lesart, jene erste Fassung für stärker halten als die spätere. Germanisten sind ja Wesen, die selbst Goethes Novelle für vortrefflich erachten und nun schon zwei Jahrhunderte selbige Ansicht mit seminaristischem Fleiß einer vom anderen abschreiben. Denn der Kunstgreis persönlich habe jenes Urteil gefällt, vor Eckermann, und, sich bescheiden räuspernd, über die leb- und namenlose Konstruktion bedeutungsvoll hinzugefügt: „Wir wollen sie Novelle nennen…“
Apropos alles sei eitel, dennoch will ich die Nachkriegsfassung des Sonetts über unsere Wesenhaftigkeit nicht im mindesten angreifen. Verfügt sie doch ebenfalls über derartige Stärken und geht mir dermaßen unter die Haut, daß ich mich nicht vermittels Entscheidung von ihr zu trennen vermag und sie Dir vorzuenthalten nicht die geringste Veranlassung sehe.

Auch soll doppelt ja besser halten…

 

 

Es ist alles Eitel

 

Du sihst / wohin du sihst nur Eitelkeit auff Erden.

Was dieser heute baut / reist jener morgen ein:

Wo itzund Städte stehn / wird eine Wisen seyn /

Auff der ein Schäfers-Kind wird spilen mit den Herden:

Was itzund prächtig blüht / sol bald zutretten werden.

Was itzt so pocht und trotzt ist Morgen Asch und Bein /

Nichts ist / das ewig sey / kein Ertz / kein Marmorstein.

Itzt lacht das Glück uns an / bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Thaten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.

Soll denn das Spil der Zeit / der leichte Mensch bestehn?

Ach! was ist alles diß / was wir vor köstlich achten /

Als schlechte Nichtikeit / als Schatten / Staub und Wind;

Als eine Wiesen-Blum / die man nicht wider find’t.

Noch wil was Ewig ist kein einig Mensch betrachten!

 

Und nun das ebenfalls im Dreißigjährigen Kriege, aber noch vor dem gryphiusschen entstandene Gedicht!

Paul Fleming (1609 – 1640) hat es geschrieben:

 

 

An Sich

 

SEY dennoch unverzagt. Gieb dennoch unverlohren.

Weich keinem Glücke nicht. Steh‘ höher als der Neid.

Vergnüge dich an dir / und acht es für kein Leid /

hat sich gleich wieder dich Glück‘ / Ort / und Zeit verschworen.

Was dich betrübt und labt / halt alles für erkohren.

Nim dein Verhängnüß an. Laß‘ alles unbereut.

Thu / was gethan muß seyn / und eh man dirs gebeut.

Was du noch hoffen kanst / das wird noch stets gebohren.

Was klagt / was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke

ist ihm ein ieder selbst. Schau alle Sachen an.

Diß alles ist in dir / laß deinen eiteln Wahn /

und eh du förder gehst / so geh‘ in dich zu rücke.

Wer sein selbst Meister ist / und sich beherrschen kann /

dem ist die weite Welt und alles unterthan.

 

Der Menschheit Menetekel

 

5. Januar 2020: Kassandra an Mephisto

 

Ein Grund unter manchen anderen für ihre Fragwürdigkeit, nämlich der beträchtlichen Möglichkeit des Scheiterns Eurer Zivilisation, scheint mir tatsächlich in Eurem Wahrnehmungsvermögen zu liegen.

Im Geschichtsbild wie im Wetterbericht.

Wenn in den Nachrichtensendungen der öffentlich-rechtlichen Medien eine Meldung über die sogenannten Buschbrände in Australien kommt, in letzter Zeit immerhin fast täglich, sehe ich schon: danach folgt gleich der Wetterbericht. Denn die Euren bundesdeutschen Redakteuren wichtigste Meldung wird ja an den Anfang der Nachrichten gestellt. Das haben sie gelernt.

Ich vermute von Verona Pooth.

Zumindest was die heutige Generation der Nachrichtenredakteure anbelangt.

In ihrem Hinblick auf die Wertung der Wichtigkeit von Meldungen.

Anders kann ich mir kaum erklären, daß jeder absichtsvolle Propaganda-Furz eines SPD-Politikers zuverlässig auf den ersten Nachrichtenplatz gehievt wird. Und die Meldung, die Polkappen seien gerade weggeschmolzen, das paßt ja zum Wetterbericht, auf den letzten.

Selbstverständlich ohne Erwähnung, daß zwei Monate zuvor die SPD im Bundestag gegen die Einführung eines Tempolimits gestimmt hatte: Daß die SPD ein Tempolimit von 130 km/h einzuführen fordere auf deutschen Autobahnen – erste Meldung!

Daß der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD in der Neuen Osnabrücker Zeitung von einem „Windbürgergeld für Anwohner“ gesprochen habe – erste Meldung!

Daß SPD-Scholz meine, den Kommunen sollten die Altschulden gestrichen werden – erste Meldung!

Daß Ralf Stegner meine, die SPD solle mit der Linkspartei fusionieren – erste Meldung!

Daß der allseits bekannte SPD-Politiker Castellucci einen neuen Anlauf für ein EU-Asylsystem fordere – erste Meldung!

Daß die SPD bei den Verlusten bei den Krankenkassen keinen Anlaß zur Besorgnis sehe – erste Meldung!

Daß die SPD ein Recht auf Heimarbeit (zu deutsch „Homoffis“) fordere – erste Meldung!

Daß SPD-Chef Walter-Borjans verlautbart habe, die Wochenendarbeit müsse strikte Ausnahme bleiben – erste Meldung!

Man stelle sich bloß einmal vor, in einer funktionierenden Demokratie käme die größte Oppositionspartei des Bundestages mit ihren Äußerungen ebenso häufig zu Wort wie die kleinere Regierungspartei. Wenigstens an zweitplazierter Stelle… Und im vollen Vertrauen auf die eigenständige Urteilsfähigkeit der durch die Schulen dieses demokratischen Staates zur urteilsfähigen Mündigkeit erzogenen Bürger.

Aber da kennen sie nix, Eure Redakteure, und schon gar keinen „Buschbrand“ im fernen Australien.

Australien brennt!

Die begünstigende Lufttemperatur, nebenbei einmalig erwähnt: 48° Celsius!

Was an sich schon eine erste Meldung wäre.

Was sich in Australien abspielt ist ein historisches Fanal ersten Ranges! Ein Menetekel für einen Anfang!

Und Eure Philosophen schweigen.

Und Eure Historiker schweigen.

Und Eure Anthropologen schweigen

Und Eure sogenannten Denkfabriken schweigen.

Dabei gäbe es doch zum Denken ein paar äußerst naheliegende aber interessanterweise ungestellte und deshalb wohl auch unbezahlte Fragen. Und über unbezahlte Fragen spricht man nicht und denkt in Denkfabriken schon gar nicht.

Zum Beispiel:

Wäre es nicht endlich an der Zeit, darüber nachzudenken, wie das Überleben unserer Gattung zu sichern wäre beim augenscheinlichen Nichteinhalten der für das Überleben von sieben bis zehn Milliarden Menschen lebensnotwendig erachteten Temperaturziele am Ende dieses Jahrhunderts?

Oder soll das erst 2101 beginnen?

Denn ihre Erreichung läuft, wie Ihr doch zur Genüge immer aufs neue beobachten könntet bei einigem Nachdenken, der zwangsläufig expansiven Natur des Menschen zuwider.

Beweis:

Euer eben jener menschlichen Natur angemessenes, auf Gedeih und Verderb expansives Wirtschaftssystem mit seinen untereinander konkurrierenden Wirtschaftseinheiten in dem begrenzten Wirtschaftsraum dieses Planeten.

Die Probleme bei einem Wachstumsverlust oder gar bei einem bloßen Einbrechen des Wachstums, der lediglichen Einbuße eines weiteren Anwachsens in eben jenem, der menschlichen Natur entsprechenden, expansiven Wirtschaftssystem führen bereits zur Verelendung breiter Bevölkerungsschichten und können den massenhaften Verlust an Menschenleben verursachen.

Die Menschheit der tonangebenden, der entwickelten Gesellschaften unseres Planeten ähnelt mehr und mehr einem Hamster, der sich in dem von ihm betriebenen Rad hastend selber zwingen muß, immer schneller und schneller zu rennen, um wenigstens auf der Stelle bleiben zu können.

Und die Menschheit hat es nicht geschafft, auf demokratischem Wege eine überstaatliche Weltmacht zu etablieren, die eventuell noch imstande wäre, das Unausweichliche regulierend zu mildern.

Oder wenigstens zu beginnen, die richtigen, nämlich die wahrhaft wichtigen Fragen zu stellen.

Beispielsweise ob für Überlebende künftig die Städte besser unter der Erdoberfläche anzusiedeln wären.

Oder vielleicht doch in dem Ozean voller Plastik?

Bereits die Erfinder der Demokratie kannten die Schwächen demokratischer Staatsverfassung zur Genüge, die ja per Volksversammlung einen Sokrates zum Giftbechertrinken verurteilen und, apropos Putin, Trump, Erdogan, jeden Esel als Pferd deklarieren könne per Mehrheitsbeschluß.

Auch das angesichts der übermächtigen Probleme eigentliche Scheitern eines bestwilligen Politikers der Neuzeit wie Barack Obama war ein Menetekel.

Doch der benötigte Bewußtseinswandel, wie allein schon das Symptom Eurer Nachrichtenplazierung zeigt, ist keinesfalls in Sicht.

Derweil brennt oben das Dach und unten rauchen die Minen, aber mitten im Haus schlägt man sich um den Besitz (Hebbel).

Die Natur schlägt zurück!

Und das fängt ja alles erst an!

Alles wird anders, als Ihr bisher denkt!

Ich sage Dir, Ihr solltet endlich auf das Mädchen hören, anstatt es zu verunglimpfen!

 

Europa war vormals ein feuchter Wald, und andre jetzt kultivierte Gegenden waren’s nicht minder: es ist gelichtet, und mit dem Klima haben sich die Einwohner selbst geändert. Ohne Polizei und Kunst wäre Ägypten ein Schlamm des Nils worden: es ist ihm abgewonnen, und sowohl hier als im weitern Asien hinauf hat die lebendige Schöpfung sich dem künstlichen Klima bequemet. Wir können also das Menschengeschlecht als eine Schar kühner, obwohl kleiner Riesen betrachten, die allmählich von den Bergen herabstiegen, die Erde zu unterjochen und das Klima mit ihrer schwachen Faust zu verändern. Wie weit sie es darin gebracht haben mögen, wird uns die Zukunft lehren.

Johann Gottfried von Herder (1744 – 1803)

 

Wie die Kinder

 

24. Dezember 2019: Serapion an Mephisto

 

Wir müssen wie die Kinder reden, wenn wir überleben wollen. Die Blauäugigen waren es seit je, die neue Wege fanden, nicht die Verblendeten.

Wolf Biermann

 

Vergangen, vergessen, vorüber

 

23. November 2019: Bellarmin an Mephisto

 

Gegenwärtig grassiert bei uns in Deutschland in den öffentlich-rechtlichen Nachrichten unter zahlreichen anderen die Unsitte, die Faktenarmut der Meldungen, die Furcht vor dem Melden des Faktischen, nicht mehr bloß zu kaschieren durch Sprechblasen der Regierungsparteipolitiker und durch Halbtagsfliegen in Form von Ankündigungen wohlmeinender Absichten auf Aussichten in kommenden segensreichen Jahren, also die moderne Form der seit alters her bewährten Hofberichterstattung. Fast hundertprozentig sogar als erste Meldung! Sondern immer beliebter werden auch als erste Meldungen überfallartig verlesen die Ergebnisse von Statistiken und Umfragen irgendwelcher Institute zu irgendwelchen Themen. Praktisch für den modernen Journalismus: So lassen sich über die Umfrageergebnisse wieder brandneue Meldungen generieren von Sprechblasen der Regierungsparteipolitiker.

Mit halbtäglicher Halbwertzeit.

Alle paar Tage wird jetzt eine neue Umfragesau übers Land getrieben. Oder auch eine alte. Ich warte schon immer auf die sich in steigernder Frequenz verkürzende Wiederkehr der Untersuchung, wie immer weiter „die Schere in Deutschland auseinander klaffe“ zwischen arm und reich.

Oder wie die armen sogenannten Bildungsfernen derart benachteiligt wären in ihrem Hunger auf Bildungserwerb.

Ja, ja, ja, ja!

Da kannst Du was lernen!

Kürzlich gab es nun wieder den „Glücksatlas“. Wie sich die glücklichen Menschen statistisch verteilen in deutschen Landen. Danach sind die Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner nebst ihre Diversinnen und Diversen am glücklichsten. Und die Restpreußinnen und Restpreußen nebst deren Diversinnen und Diversen in Brandenburg sind am unglücklichsten mit ihrem ganzen Dasein. Ebenso die Eingeborenen der übrigen ostdeutschen Länder, in denen unterirdisch die Partei Der Spalter rumort.

Und für alles Übel einen Namen nennt.

Ich habe mich gewundert, daß, soweit ich sah mit Ausnahme der Bild-Zeitung, daß, wie es früher in bildungsnäheren Zeiten ganz sicher geschehen wäre, daß aus unserer feuilletonistischen Journalisten-Riege nicht einmal im Ansatz die Frage erörtert wurde, was denn eigentlich ein glückliches Leben ausmache. Keiner fragte, ob wenigstens die Fragesteller der Meinungsforschungsinstitute sich darüber im klaren wären, wonach sie überhaupt fragten. Ob nach dem brechtschen Mackie-Messer-Glück „Dann löst sich ganz von selbst das Glücksproblem: Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm!“ oder nach Eudämonie. Und ob den Befragten aus der Fragestellung der Unterschied überhaupt ersichtlich werden konnte: „Viele Menschen meinen, Glückseligkeit und Glück haben sei dasselbe“ (Aristoteles). Keiner erinnerte sich, auch nicht die Bild-Zeitung, keiner erinnerte sich auch nur Ansatzweise daran, was denn schon die Antike Wertvolles darüber wußte. Weder an den Kynismus: „Zivilisation macht krank“, noch an die Stoa: „Glück ist Tugend“. Und an Seneca beispielsweise.

 

Wenn ich mit intellektuellen Freunden spreche, festigt sich in mir die Überzeugung, vollkommenes Glück sei ein unerreichbarer Wunschtraum. Spreche ich dagegen mit meinem Gärtner, bin ich vom Gegenteil überzeugt.“

Bertrand Russel (1872 – 1970)

 

Mutmaßungen über einen Mörder

 

19. Oktober 2019: Mephisto an Serapion

 

Ein 27jähriger Mann hatte sich hier in Deutschland schwer bewaffnet und war aufgebrochen, um Juden zu erschießen. Auf grausame Weise wurden zwei Menschen umgebracht, ein Ehepaar wurde schwer verletzt, der Mann durch einen Steckschuß im Nacken. Viele schwebten in Todesgefahr, auch Kinder, und verdanken ihr Leben nur dem Halten einer Holztür. Ein Kurierfahrer wurde nicht erschossen, weil die Maschinenpistole des Mörders versagte.

Ein 27jähriger Mann hatte sich schwer bewaffnet und war aufgebrochen, um Juden zu erschießen.

Es heißt, das Motiv des Mörders sei Antisemitismus gewesen. Der Mann habe sich radikalisiert in rechtsextremen Foren im Netz. Da scheint die Annahme wohlbegründet.

Von einem neuen Tätertyp ist die Rede.

Doch ganz langsam: Was ist geschehen?

Ein 27jähriger Mann hatte sich schwer bewaffnet und war aufgebrochen, um Juden zu erschießen.

Das hat er selbst bekundet!

Merkmal 1: Er hatte sich extra schwarz uniformiert, sogar einen schwarzen Helm über seinen Schädel gestülpt.

Merkmal 2: Er hatte eine Kamera an dem Helm befestigt in der Absicht, sein Morden bildlich zu dokumentieren und es über ein Mikrofon zeitgleich zu kommentieren.

Ein vom Täter simultan kommentierter Massenmord hatte es werden sollen!

Typ insofern: Das hatten wir schon erlebt! Dieses Jahr erst im fernen Neuseeland, da wurden von einem Mörder 51 Menschen erschossen, zeitgleich selbstdokumentiert für die Weltöffentlichkeit.

In dieser Welt leben wir.

Dennoch sollten wir uns noch nicht so sehr an sie gewöhnt haben, um unsere naheliegenden Erklärungen für das Geschehen nicht mehr kritisch durchdenken zu können.

Die Aufnahmen wurden zeitgleich ins Netz übertragen.

Das ist der Schlüssel!

Dieses eigentlich doch untypisch entbergende Verhalten eines Mörders.

Dieser absurde Drang an die Weltöffentlichkeit!

Schaut her: Ich morde!

Ich erschieße möglichst viele mir persönlich unbekannte Menschen!

Je mehr, um so besser!

Ein 27jähriger Mann hatte sich schwer bewaffnet und war aufgebrochen, um Juden zu erschießen. Auf grausame Weise wurden zwei Menschen umgebracht, zwei Menschen wurden schwer verletzt.

Von einem 27jährigen Mann, den sie nicht kannten. Und der sie nicht kannte.

Von einem 27jährigen berufslosen Hartz-IV-Empfänger.

Mit einer unfreiwillig selbstdokumentierten labilen Persönlichkeit.

Merkmal 3: In auffallender Weise beschimpft er sich in seinem Video, und das sich steigernd mehrmals.

Weißt Du, was ich glaube?

Der Antisemitismus des Stephan Balliet in Halle, der Antiislamismus des Brandon Tarrant in Neuseeland, der Faschismus des Anders Breivik in Norwegen – das ist bei diesem Tätertyp nur eine beliebige Staffage, das ist sekundär. Ob bewußt oder unbewußt – das sind nur Rechtfertigungsideologien, sie maskieren das wahre Motiv.

Beweis: Als es Stephan Balliet nicht gelingt, Juden zu erschießen, schießt er einer ahnungslosen Passantin mehrfach in den Rücken, er feuert sogar noch eine Salve auf die bereits am Boden liegende. Anschließend fährt er los, deutlich auf der Suche nach neuen, nach eindeutig beliebigen Mordopfern.

Er erschießt einen ihn um Schonung seines Lebens anflehenden wehrlosen 20jährigen Bauarbeiter.

Und „Sorry, die Waffe ist Scheiße“: nur dem Versagen beim Abdrücken seiner selbstgebauten Mpi verdanken andere anwesende Zufallspersonen ihr Leben.

Mitnichten handelt es sich hier als Motiv um eine wie auch immer geartete politische Tat auf Grund einer wenn auch monströs verschrobenen Ideologie. Mitnichten handelt es sich um einen neuen Tätertyp. Da blenden wohl die modernen technischen Möglichkeiten und die Netzaffinität der Mörder die Analytiker.

Stephan Balliet wird offenbar weniger getrieben durch Judenhaß: Es treibt ihn in Wahrheit auf seinem Helm die Kamera!

Und in Wahrheit ist der Tätertyp bekannt seit 20. Juli 356 vor Christus, also seit mittlerweile 2375 Jahren: Anders Breivik, Brandon Tarrant und Stephan Balliet – es handelt sich um Herostraten. Ihr primäres Tatmotiv heißt Ruhmsucht. Ihre politische Ideologie ist mehr oder minder sekundär, ist sogar Zufall, und deren tendenziöse Rechtslastigkeit wohl eher ihrer Anziehung für beschränktere geistige Gemüter geschuldet. Sowie dem Stolz von Ungebildeten auf angebliches Sonderwissen, das sie endlich über die Allgemeinheit erhöbe: Oh, ich weiß was: „Der Holocaust hat nie stattgefunden!“ (Balliet)

Selbst die Parteizugehörigkeit von Menschen scheint mir übrigens in entwickelten Ländern heutzutage im allgemeinen wesentlicher die Folge zu sein einer psychologischen Konstitution als einer politischen Zielsetzung.

Zurück zum Beispiel Balliet. Nach allem was zu erfahren war, handelt es sich wohl um einen bei seiner geschiedenen Mutter, einer Grundschullehrerin für Ethik und Kunst, lebenden mehrfach gescheiterten Mann mit hochgradiger sozialer Inkompetenz und wohl einem daraus resultierenden Minderwertigkeitskomplex.

Die meisten Mörder, die ich kennenlernte, waren seelisch auf einem Kindheitsniveau des Vorschulalters stehengebliebene Menschen. Ich habe das Gefühl, das wird bei Balliet aus Benndorf nicht anders sein.

Sein Selbstwertgefühl basierte sehr wahrscheinlich auf seinem Weltverständnis aus dem Internet. Sie konstruieren sich rudelweise verschiedene Erklärungen der Wirklichkeit, ohne deren Beschaffenheit je zu begreifen. Sie glauben, die Welt verstanden zu haben und lassen sich diesen Stolz nicht nehmen.

BILD schrieb: „Er tötete aus Judenhass!“

Nein, Balliet tötete nicht aus Judenhaß.

Er mordete aus Geltungssucht.

Und noch dies: Die Entdeckungen neuer medialer Möglichkeiten haben ja meistens zu enormen Umbrüchen in der Menschheitsgeschichte geführt, wie beispielsweise der Buchdruck zu Reformation und Religionskriegen oder der Zeitungsdruck zur französischen Revolution.

Oder Kino und Radio zu Kommunismus und Faschismus.

Und nun das Internet.

Es ist ein unglaublich zivilisatorischer Rückschritt. Ich weiß gar nicht bis wohin!

Das 19. Jahrhundert stand höher.

Als Trump und Bolsonaro.

Diese unmenschliche Verrohung!

Jeder perverse Idiot, der einst leicht isolierbar in seinem Kaff verschimmelte, weiß nun, daß es gleich ihm noch unzählige andere gibt auf der Welt, mit denen er in Verbindung tretend sich seine Wirklichkeit zurechtbiegen kann.

Bis er normal wäre und die Welt pervers.

 

Derjenige, der durch seine Natur und nicht bloß aus Zufall außerhalb des Staates lebt, ist entweder schlecht oder höher als der Mensch, wie etwa der von Homer in der Ilias beschimpfte: ‚Ohne Geschlecht, ohne Gesetz und ohne Herd‘. Denn dieser ist von Natur ein solcher und gleichzeitig gierig nach Krieg, da er unverbunden dasteht … Wer aber nicht in Gemeinschaft leben kann oder in seiner Autarkie ihrer nicht bedarf, der ist wie etwa das Tier oder die Gottheit kein Teil des Staates … Wie nämlich der Mensch, wenn er vollendet ist, das beste der Lebewesen ist, so ist er ohne Gesetz und Recht das schlechteste von allen. … Der Mensch besitzt von Natur als Waffen die Klugheit und Tüchtigkeit, und gerade sie kann man am allermeisten im entgegengesetzten Sinne gebrauchen.“

Aristoteles (384 v. Chr. – 322 v. Chr.)

 

Humor

 

4. Oktober 2019: Serapion an Mephisto

 

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,

Er flattert sehr und kann nicht heim.

Ein schwarzer Kater schleicht herzu,

Die Krallen scharf, die Augen gluh.

Am Baum hinauf und immer höher

Kommt er dem armen Vogel näher.

 

Der Vogel denkt: Weil das so ist

Und weil mich doch der Kater frißt,

So will ich keine Zeit verlieren,

Will noch ein wenig quinquilieren

Und lustig pfeifen wie zuvor.

Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

 

 

Wilhelm Busch (1832 – 1908)

 

Auf der andern Seite

 

30. August 2019: Serapion an Mephisto

 

 

Gründer

 

Geschäftig sind die Menschenkinder,

Die große Zunft von kleinen Meistern,

Als Mitbegründer, Miterfinder

Sich diese Welt zurechtzukleistern.

 

Nur leider kann man sich nicht einen,

Wie man das Ding am besten mache.

Das Bauen mit belebten Steinen

Ist eine höchst verzwickte Sache.

 

Welch ein Gedrängel und Getriebe

Von Lieb und Haß bei Nacht und Tage,

Und unaufhörlich setzt es Hiebe,

Und unaufhörlich tönt die Klage.

 

Gottlob, es gibt auch stille Leute,

Die meiden dies Gewühl und hassen’s

Und bauen auf der andern Seite

Sich eine Welt des Unterlassens.

 

 

Wilhelm Busch (1832 – 1908)

 

Mene mene tekel u-parsin

 

10. August 2019: Kassandra an Mephisto

 

Mene mene tekel u-parsin: Wenn es der Menschheit nicht gelingt, eine durchsetzungsfähige Institution zu schaffen, die für den einzelnen Staat das ist, was der Staat ist für den Einzelnen, wird mit einer zum Übermaß anwachsenden Wahrscheinlichkeit unsere Gattung zu Grunde gehen oder auf einsame Exemplare dezimiert werden. Bereits heute handelt es sich kaum mehr um eine Frage des Ob. Das Dilemma dabei ist, daß einzig ein sich ins monströse steigerndes Elend noch geeignet sein könnte, den erforderlichen Druck aufzubauen zur Schaffung jener Weltregierung, der sich souveräne Staaten unterwürfen. Wenn wir Menschen am eigenen Leibe keine handlungserzwingende Pein spüren, degenerieren wir. Not war und ist Voraussetzung unserer Existenz und Entwicklung und brachte und bringt gleichzeitig uns immer wieder in tödliche Gefahr. Mensch und Paradies schließen sich naturgegeben aus, der Krieg ist der Vater aller Dinge. Unser Planet steht nicht im Zentrum des Universums und ist darin erwiesenermaßen auch mitnichten ein bevorzugter Punkt. Kein Hahn oder Gott wird nach uns krähen, wenn wir ausstürben im Kosmos wie irgendeine der Species auf unserer Kugel. Mit Sicherheit gibt es im All unzählige Lebensformen, von denen genügend es schaffen werden, nicht schon an denselben Problemen zu scheitern wie die hiesigen Herrentiere linnéscher Ordnung.