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Thalatta ! Thalatta !

Der Sieg des Sozialismus

 

9. Mai 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Heute haben wir den erforderlichen inneren Abstand, die ganze Bedeutung jener historischen Wende der bedingungslosen Kapitulation zu erfassen. Heute begreifen wir, daß es wirklich ein Tag der Befreiung war, einer Befreiung durch die ruhmreiche Rote Armee.

Wenn wir unsere Blicke auf Westdeutschland und Westeuropa richten, so wird uns die Schwere unserer Aufgabe voll bewußt. Die westlichen Alliierten haben dem Begriff der Demokratie erneut den alten Inhalt gegeben, der schon die Lebenskraft der Weimarer Republik erschütterte und den Weg zur Hitlerbarbarei ebnete. Die Friedfertigkeit haben sie umgefälscht in einen Zwang zur Eingliederung Westdeutschlands in ein wirtschaftliches, politisches und vor allem auch ein militärisches Alliance-System zur Vorbereitung eines neuen Krieges gegen die Sowjetunion. Die kapitalistischen Westmächte benutzen ihren Sieg dazu, das deutsche Volk als Konkurrenten auf dem Weltmarkt endgültig zu beseitigen. Ihr Sieg trägt also die Kennzeichen eines zerstörenden, negativen Elements und birgt die Keime eines neuen Krieges in sich. Ihr Sieg war kein konstruktiver Beitrag zum Aufbau einer neuen, friedliebenden, demokratischen Weltordnung. Der Sieg der Roten Armee war demgegenüber ein entscheidender Beitrag zur Neugestaltung der Welt. Der Sieg der Roten Armee war der Sieg des Sozialismus. Das entscheidende Ergebnis des zweiten Weltkrieges war nicht nur die Niederwerfung des Faschismus und Imperialismus in Deutschland, Italien und Japan, sondern liegt insbesondere in dem glanzvollen Bestehen der Bewährungsprobe des ersten sozialistischen Staates der Welt und in der Ausdehnung seiner realen Einwirkung auf den weiten Raum von den Gestaden des chinesischen Meeres bis nach Zentraleuropa sowie in der Erweckung kämpferischer Hoffnungen in allen fortschrittlichen werktätigen Massen auch der Völker, die heute noch unter kapitalistischer und imperialistischer Herrschaft stehen.“

Freitag, 5. Mai 1950, der Außenminister der Deutschen Demokratischen Republik Georg Dertinger

 

Die TASS ist ermächtigt mitzuteilen, daß soeben die letzte Gruppe der Kriegsgefangenen in einer Anzahl von 17 538 Mann nach Deutschland repatriiert wurde. Somit ist die Repatriierung der deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion nach Deutschland nunmehr restlos abgeschlossen. Insgesamt sind seit der Kapitulation Deutschlands 1 939 063 Kriegsgefangene nach Deutschland zurückgekehrt. Unter ihnen befanden sich 58 103 Mann, die in Lagern für Kriegsgefangene anderer Nationalitäten ermittelt wurden. An deutschen Kriegsgefangenen sind in der Sowjetunion zurückgeblieben: 9717 Mann die wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurden, 3815 Mann, gegen die ein Verfahren anhängig ist, und schließlich 14 Kranke, die nach ihrer Genesung heimkehren.

Freitag, 5. Mai 1950, sowjetische Nachrichtenagentur TASS

 

Diese Meldung würde, wenn sie sich als wahr herausstellen sollte, jede kommunistische Politik in Deutschland unmöglich machen und als Kennzeichen dafür empfunden werden, daß man das deutsche Volk auf das äußerste mißachtet und keine Verständigung mit ihm will.“

Sonnabend, 6. Mai 1950, der Vorsitzende der SPD Kurt Schumacher zur TASS-Erklärung

 

Wenn diese Meldung richtig ist, dann würde sie fürchterlich sein für Millionen von Deutschen. Ob diese TASS-Meldung richtig ist, weiß man nicht. Es hat den Anschein, als ob sie nicht den Tatsachen entspreche. Wir sind bei der Behandlung der Angelegenheit angewiesen auf Angaben aus russischen Quellen. Das Material der früheren deutschen Wehrmacht über Gefangennahme und Tod von Angehörigen der Wehrmacht befindet sich zu einem erheblichen Teil in russischer Hand. Die russische Regierung hat, entgegen ihrer schon vor mehreren Jahren gegebenen Zusage, es nicht möglich gemacht dieses Material auszuwerten. An Angaben aus russischer Quelle liegt folgendes vor: Zunächst eine TASS-Meldung nach der Kapitulation, in der die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen in russischer Hand mit 3,5 Millionen angegeben wurde. Weiter eine Erklärung des Herrn Molotow auf der Moskauer Außenministerkonferenz am 14. März 1947, damals wurde erklärt, es befanden sich noch 890 532 deutsche Soldaten in sowjetrussischer Kriegsgefangenschaft und es seien bis zu diesem Zeitpunkt               1 003 974 deutsche Kriegsgefangene entlassen worden. Die dritte offizielle Angabe ist die der TASS von gestern abend. Die Angaben Molotows im Jahre 1947 und die Angabe der TASS von gestern stimmen ziffernmäßig überein, und zwar stimmen sie so überein, daß die Summe der von der TASS-Meldung angegebenen entlassenen Kriegsgefangenen und derjenigen, die noch in Rußland seien, bis auf die letzte Ziffer übereinstimmt mit den Ziffern, die Molotow im Jahre 1947 abgegeben hat.

Es würde also daraus folgern, daß in der Zeit von März 1947 bis zu der gestrigen TASS-Meldung kein einziger deutscher Kriegsgefangener in Rußland gestorben sei. Wenn man diese beiden identischen Meldungen gegenüberstellt, so bleibt übrig als Erkenntnis, daß das Schicksal von 1,5 Millionen deutscher Kriegsgefangener ungeklärt bleibt. Wir können nicht annehmen daß diese 1,5 Millionen deutsche Kriegsgefangene in Rußland gestorben oder umgekommen oder verdorben sind. Die TASS-Meldung gibt weiter keinen Aufschluß darüber, was mit den Verschleppten geworden ist, insbesondere auch mit den deutschen Frauen, die bei der Besetzung deutschen Gebietes durch die russischen Armeen nach Rußland verschleppt worden sind. Wir wissen nur aus den Angaben von Entlassenen, daß noch eine ganze Anzahl, Zehntausende von solchen Personen in Rußland in Sklavenarbeit gehalten werden. Diese Ungewißheit, diese Unsicherheit ist so entsetzlich und lastet so nicht nur auf den Angehörigen der in Rußland Vermißten, sondern auf dem ganzen deutschen Volke, daß ich glaube, von diesem Platz aus an Sowjetrußland die Aufforderung richten zu müssen, es soll Aufklärung darüber geben, was mit diesen eineinhalb Millionen deutschen Kriegsgefangenen geschehen ist, ob sie noch leben, ob sie tot sind, und wenn sie noch leben, wo sie sind, was mit ihnen geschieht und warum sie nicht freigegeben werden.

Sonnabend, 6. Mai 1950, Bundeskanzler Konrad Adenauer in seiner Regierungserklärung

 

Die drei Außenminister haben mit Überraschung und tiefer Bestürzung die sowjetische Erklärung vom 4. Mai zur Kenntnis genommen, daß die Repatriierung der deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion nach Deutschland abgeschlossen sei. Sie erinnern an die wiederholten Bemühungen der drei westlichen Besatzungsmächte, die Sowjetregierung zur Einhaltung des Vierer-Abkommens über die Rückführung aller Kriegsgefangenen bis zum 31. Dezember 1948 zu veranlassen. Die Sowjeterklärung steht im direkten Gegensatz zu der Tatsache, daß eine große Anzahl deutscher Familien noch immer auf die Rückkehr ihrer in Gefangenschaft geratenen Verwandten wartet, von denen sie aus sowjetischer Gefangenschaft noch keine direkten Nachrichten erhalten haben. Die Minister stellen außer dem die Widersprüche zwischen den von der Sowjetregierung zu verschiedenen Zeitpunkten gemachten Angaben über die Anzahl, die Aufenthaltsorte und das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen und verschleppten Zivilpersonen fest. Diese Situation stellt eine grobe Mißachtung der Menschenrechte dar. Es ist außerdem klar, daß es sich hierbei nicht um einen alleinstehenden Fall handelt, da die Sowjetregierung auch noch zahlreiche gefangengenommene Staatsbürger der früher von Deutschland besetzten Länder und über 300 000 Japaner auf sowjetischem Gebiet zurückhält. Die Minister sind übereingekommen, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um Informationen über das Schicksal der Kriegsgefangenen und Zivilpersonen zu erhalten, die bisher noch nicht aus der Sowjetunion zurückgekehrt sind. Sie werden außerdem versuchen, sich für die Rückkehr möglichst vieler dieser Gefangenen einzusetzen.

Freitag, 12. Mai 1950, Londoner Dreimächtekonferenz: Großbritannien. Frankreich. Vereinigte Staaten

 

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