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Thalatta ! Thalatta !

Die meisten Menschen

Samstag, 11. November 2023: Serapion an Mephisto

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Aber obschon das Weltgesetz allen gemein ist, leben die meisten doch so, als ob sie eine eigene Einsicht hätten.

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Für dies Weltgesetz, ob es gleich ewig ist, gewinnen die Menschen kein Verständnis, weder ehe sie es vernommen noch sobald sie es vernommen.

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Die Menschen lassen sich über die Kenntnis der sichtbaren Dinge ähnlich zum besten halten. Mit dem Weltgesetz, mit dem sie doch am meisten beständig zu verkehren haben, entzweien sie sich, und die Dinge, auf die sie täglich stoßen, scheinen ihnen fremd.

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Denn des Menschen Sinn hat keine Einsichten.

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Denn viele hegen nicht solche Gedanken, so viele auch darauf stoßen, noch verstehen sie, wenn man sie belehrt; aber sie bilden es sich ein.

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Denn was ist ihr Sinn oder Verstand? Straßensängern glauben sie und zum Lehrer haben sie den Pöbel, Leute, die weder zu hören noch zu reden verstehen.

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Seinen Unverstand zu bergen ist besser, als ihn zur Schau zu stellen. Vielwisserei lehrt nicht Verstand haben. Denn die Goldgräber schaufeln viel Erde und finden wenig.

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Für die Menschen wäre es nicht besser, wenn ihnen alle ihre Wünsche erfüllt würden. Möge es euch nie an Reichtum fehlen, damit eure Verlotterung an den Tag kommen kann. Bestände das Glück in körperlichen Lustgefühlen, so müßte man die Ochsen glücklich nennen, wenn sie Erbsen zu fressen finden. Esel würden Häckerling dem Golde vorziehen.

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Die meisten freilich liegen da vollgefressen wie das liebe Vieh und ergetzen sich am Dreck.

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Und sie beten auch zu diesen Götterbildern, wie wenn einer mit Gebäuden Zwiesprache pflegen wollte.

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… denn schlimme Zeugen sind Augen und Ohren den Menschen, sofern sie Barbarenseelen haben.

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Heraklits (ca. 550 – ca. 480 v. Chr.)

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