A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Damals war’s?

 

21. September 2019: Serapion an Mephisto

 

Auf den Tag genau heute vor fünf Jahren schriebst Du mir etwas, das ich Dir jetzt unverändert zurückschicke (=> 21.09.2014: Mephisto an Serapion). Weil es mir eines Erstaunens doch Wert erscheint, wie wenig sich selbst an den Dingen, die Deine Einlassungen provozierten, in den fünf Jahren geändert hat, wenn man von der Wortwahl, aktuell „vermutlich“ statt damals „vermeintlich“, einmal absähe…

Hier also Dein Sermon vom 21. September 2014:

 

Ich weiß nicht, inwiefern Du sie mitbekamst in Deiner mönchischen Abgeschiedenheit unter dem kynischen Diktum, Zivilisation mache krank, die neuesten tendenziösen Ausblendungen unserer tag- und abendfüllenden öffentlich-rechtlichen Medien. Von den etlichen Auffälligkeiten ist jede für sich beängstigend. So ist man, um nur ein Beispiel zu nennen, tatsächlich überrascht über die immensen Wahlerfolge der ausnahmslos verunglimpften und verteufelten AfD, obgleich sie unschwer vorhersagbar waren. Neulich vernahm ich sogar, diese Partei werde rasch wieder verschwinden, denn die Eurokrise sei ja nun überwunden…

Jetzt ist man fassungslos auf allen Ebenen. Die niedrigen Wahlbeteiligungen seien schuld. Beruhigend zu wissen, daß wenigstens die Nichtwähler richtig gewählt hätten…

Man weiß natürlich nicht, wer letztendlich diese Partei entert, oder ob sie sich mit ihren seriösen, bis heute von den öffentlich-rechtlichen Medien und von den Parteien mehr oder minder totgeschwiegenen Sachthemen behauptet. (Nicht zu reden von einer objektiven inhaltlichen Darstellung oder gar Erörterung jener Themen in den Medien. Immerhin war es schon ein monatelanger Weg, ehe man sich, nach der Europawahl schließlich, durchringen konnte, statt unisono von einer „europafeindlichen“ Partei von einer „eurokritischen“ Partei zu reden, und manche Anstalten und Berichterstatter haben das bis heute nicht begriffen. Oder, und der Verdacht liegt näher, wollen es nicht wahrhaben. Obwohl die AfD, entgegen einhelliger verleumderischer Prognosen unserer Medien, im Europaparlament, wie auch von ihr angekündigt, eben nicht mit Marine Le Pen und Konsorten „fraktionierte“.)

Die Gefahr einer Verfälschung oder gar Verkehrung ursprünglicher Intentionen besteht ja bei jeder Parteigründung, erinnere Dich nur an die seinerzeitige unsägliche Glorifizierung der Pädophilie durch die Grünen. So manche Unberufene fühlen sich regelmäßig berufen und magnetisch angezogen, auf einen anfahrenden Zug zu springen und ihre Fahnen zu schwenken. Da muß man leider abwarten, wer sich durchsetzt.

Was ich indessen weiß, ist, daß die AfD in Sachsen und Brandenburg als anfänglich einzige demokratische Partei von den tatsächlichen Problemen wie beispielsweise der gestiegenen Grenzkriminalität sprach, von Einbrüchen und geklauten Traktoren und so, bei gleichzeitigem Abbau von Polizeidienststellen, und der Deutschlandfunk, soweit ich das vernahm, nur einmalig von, tatsächlich, von „gefühlter Bedrohung durch Kriminalität“. Und überhaupt nicht von eingesparten Polizeidienststellen.

Und ich lese täglich den vollständigen Nachrichtenticker.

Aber na bitte, da ist es ja auch wieder beruhigend zu wissen, daß wohl Zahlen im Kölner Keller existieren und Fakten gebunkert werden, die belegen könnten, falls man sie zu senden sich herabließe, daß es sich lediglich um paranoide Gefühlslagen wahrscheinlich rechtsradikal veranlagter Idioten handelt. Diese ewig Gestrigen aber auch! Die immer nach mehr Polizei rufen!

Oder verschweigt man Zahlen, wenn sie zwar mathematisch korrekt sind, aber „politisch inkorrekt“ nicht ins Wunschbild passen? Dann muß man natürlich Parteien wie die AfD fürchten.

Kurz, es entsteht der Verdacht, als fürchte man die inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD. Diese Angst wäre bei Parteien aus einer gewissen ideologischen Beschränktheit vielleicht erklärbar, bei sich als überparteilich und unabhängig und kritisch gebärdenden Medien ist Angst vor Realitäten unverzeihlich.

Anderes Beispiel. Da begann man vor einiger Zeit zu reden von imaginären, Pardon, „vermeintlichen Problemen“ der Kommunen durch Zuwanderer aus EU-Staaten und „möglichem Sozialmißbrauch“. Nicht etwa von Problemen und Sozialmißbrauch, sondern in den öffentlich-rechtlichen Medien normiert von vermeintlich und möglich. Vermeintlichkeiten haben Konjunktur in deutschen Medien, und Kommentatoren wandten sich demzufolge ausnahmslos tapfer und mutig, das muß man anerkennen, gegen unsachliche Argumente. Statt gegen sachliche gegen Stammtischgerede! Hier plötzlich nicht gegen „vermeintliches“ Stammtischgerede. Ich weiß ja nun nicht, an wievielen Stammtischen sich jene Kommentatoren so herumlümmeln den lieben langen Tag, und was sie bei derlei Gerede erwidern mit ihrer gern angemahnten Zivilcourage.

Gibt es eigentlich einen Preis für die korrekteste politische Korrektheit?

Das wird aber Zeit.

Jedenfalls, Du entsinnst Dich, integrierte Roma wurden vorgeführt.

Ende August war es dann Schluß mit der möglichen Vermeintlichkeit und vermeintlichen Möglichkeit, und man beschloß aus heiterstem Himmel ein Gesetzespaket gegen den „Mißbrauch von Sozialleistungen durch Zuwanderer aus anderen EU-Staaten“ und stellte noch für dieses Jahr „Soforthilfen“ für ehemals vermeintlich „betroffene Städte und Gemeinden“ in beträchtlicher Millionenhöhe aus dem auf Nullschulden sparenden Haushalt bereit…

Wahrscheinlich aus Bosheit und Ausländerhaß.

Noch ein Gedicht: Letzte Woche passierte ein neues Asylgesetz den Bundesrat. Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien gelten als sogenannte sichere Herkunftsländer. Staaten, die man durch EU-Aufnahme bei der Behandlung von Minderheiten zu bessern hofft. Die vorhersehbaren Besserungsergebnisse der unverwüstlichen EU-Aufnahmebefürworter bewundern wir schon seit längerem in Bulgarien, Rumänien und Ungarn.

Wahr ist aber, daß Zuwanderer aus obigen Staaten, deren Asylanträge nach bisherigem Verfahren und im vollen Einklang mit der Genfer Konvention behandelt wurden (und weiterhin werden), nur mit einer Zahl im Promillebereich bewilligt werden konnten. Und eine der Ungeheuerlichkeiten ist, daß die Medien diese Zahl so gut wie nie transportierten. Daß nämlich im Umkehrschluß 99,7 Prozent dieser Anträge nach geltendem Recht abgewiesen werden mußten.

Warum das Verschweigen jener vielleicht nicht ganz unwesentlichen Zahl?

Warum wird ihre Nennung von deutschen Medien als Wagnis betrachtet? Hält man das blöde Volk nicht für reif genug? Hat man Angst vor etwaigen Differenzen zwischen Medienberichterstattung mit Sinn für alles Gute und Schöne versus Erfahrungen der Menschen?

Will man die Demokratie ein bißchen lenken?

Nach den neuen Bestimmungen, die keine automatische, sondern eine schnellere Zurückschickung der von dort kommenden abgewiesenen Antragssteller erleichtert, wird im Gegenzug aber die sogenannte Residenzpflicht für alle Asylbewerber nach vier Monaten aufgehoben, die Vorrangprüfung auf 15 Monate begrenzt (das heißt die Arbeitsaufnahme, und damit die Integrationsmöglichkeit von Asylbewerbern, wird wesentlich befördert) und das Sachleistungsprinzip wird zu ihren Gunsten auf die Erstaufnahmeeinrichtung beschränkt.

Das alles haben die Grünen in den Verhandlungen für ihre Zustimmung in der Länderkammer erreicht.

Und nun wird Winfried Kretschmann von ihnen beschimpft für seine Zustimmung.

Die für ihre seltene Nachdenklichkeit bekannte und sich wie immer omnikompetent zu Wort meldende Claudia Roth, die nach der bemerkenswerten Abwahl durch die Basis ihrer Partei zum Trost von dieser auf den Bundestag als stellvertretende Vizepräsidentin losgelassen wurde, lamentiert getreu der unsterblichen Legende vom Dolchstoß von „einer Katastrophe für die Flüchtlinge und einer Katastrophe für die Grünen“.

Danke Winfried Kretschmann!

 

Wir schaffen das nicht

 

20. September 2019: Bellarmin an Mephisto

 

Du weißt, das Wesentliche des Symbols in typischer Engstirnigkeit nicht fassend haben die üblichen Kleingeister kleinkariert vorgerechnet, wieviel mehr ihre und ihrer Begleiter Überfahrt auf einer Segelyacht nach New York die Welt an CO2-Ausstoß gekostet habe im Vergleich zu einem einfachen Langstreckenflug. Doch weiß ich nicht, inwieweit Du mitbekamst, daß Amnesty International Greta Thunberg, unsere Jeanne d’Arc des 21. Jahrhunderts, und die von ihr initiierte Bewegung „Fridays for Future“ auszeichnete mit dem höchsten Preis, den die Organisation zu vergeben hat. Der Preis, der 2003 als erstem Václav Havel verliehen worden war, der Preis heißt auf Deutsch übersetzt „Botschafter des Gewissens“.

Ein guter Name für dieses wunderbare Geschenk an die Menschheit.

Es ist wie in Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Die Kinder haben es begriffen.

Die Botschaft ist angekommen.

Bei den Erwachsenen nicht.

Die merken nichts mehr. Weißt Du, was die machen? Die sind jetzt sogar auf die abartige Idee gekommen, Roller, also diese schönen Tretroller, mit denen man sich so herrlich und gesund fortbewegen könnte, in dem man sie bedarfsgerecht als Rechtsbeiner mit dem rechten Bein oder als Linksbeiner mit dem linken Bein anträte, also die Erwachsenen denken tatsächlich, wenn man die Roller, diese Skuta, mit einem Elektromotor ausstattet, inklusive einem dieser Akkus, über deren Entsorgung man sich zufälligerweise heute nicht weiter sorgt, dann spare das CO2!

Man muß es sich vorstellen!

Und keinem fällt was auf! Und die Philosophen schweigen und die Denkfabriken.

Indessen sorgt man sich um die Sicherheit auf den Gehsteigen…

Oder noch ein Gedicht: Heute hat das Kabinett sein sogenanntes Klimapaket beschlossen. In einem beispiellosen Kraftakt wurde das faule Ei gelegt nach 18stündiger Beratung!

Nach all den Jahren hatte man plötzlich erfahren, in plötzlichster Plötzlichkeit handeln zu müssen.

Danke Greta!

Und nach all den Jahren plus 18 plötzlicher Stunden kam heraus: Der Kompromiß!

Der letztendlich lautet: Stolz bewegt man sich in die richtige Richtung.

Und man wolle ja auch die Arbeitsplätze erhalten…

Und kommt sich schlau dabei vor.

Das Problem ist nur, man hat das Problem nicht begriffen.

Als wollte die Regierung die Naturgesetze an die Wirtschaft anpassen.

Das Problem ist jedoch dasselbe wie im wirklichen Leben: Sowohl Naturgesetze als auch der Tod nehmen keine Rücksicht auf Arbeitsplätze.

Und darum empfehlen die Kinder der Regierung, den Kopf gefälligst zu erheben aus dem Sande und die Wirtschaft an die Naturgesetze anzupassen.

 

 

Der angebornen Farbe der Entschließung

Wird des Gedankens Blässe angekränkelt;

Und Unternehmungen voll Mark und Nachdruck,

Durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt,

Verlieren so der Handlung Namen

 

William Shakespeare (1564 – 1616)

 

Achtung! Das ist gefährlich!

 

14. September 2019: Bellarmin an Mephisto

 

Es ist etwas faul im Staate Deutschlands!

Am Tage danach lautete in der Märkischen Oderzeitung der frohnaturige Kommentar zum Ausgang der Landtagswahl in Brandenburg:

Das nennt man Schlussspurt: Die SPD holt in Brandenburg gewaltig auf, hat am Ende in der Wählergunst die Nase vorn. Damit verhindert sie, dass die Mark das erste Bundesland ist, in dem seit dem Zweiten Weltkrieg, dessen Beginns vor 80 Jahren just am gestrigen Wahltag gedacht wurde, eine von Rechtsextremen geführte und durchwanderte Partei stärkste Kraft wurde. Die SPD verhindert einen Skandal. Das ist das wichtigste Ergebnis der Landtagswahl.“

Nein. Das ist nicht das wichtigste Ergebnis der Landtagswahl.

Das wichtigste Ergebnis ist indessen tatsächlich ein Skandal: Es ist ein Skandal, daß die Medien heute nicht einmal mehr in der Lage sind, den Skandal zu erkennen! Der zum Beispiel darin liegt, daß es einer von den Medien bei uns in Deutschland skrupellos, zudem ohne jede der sonst gegenwärtig so beliebt grassierenden Mutmaßlichkeiten, nahezu flächendeckend mit Nazis gleichgesetzten Partei gelingt, in zwei Bundesländern bundesrepublikanisch nie gekannte zweistellige Zuwächse zu erreichen und damit in beiden Parlamenten zweitstärkste Kraft zu werden!

Sowohl wenn die Gleichsetzung gelogen wäre, als auch wenn sie stimmte!

Das ist doch ein Skandal ersten Ranges, oder?

Gewählt von Menschen, die von denselben Medien totalitär, nämlich wie vom Reichspromi gleichgeschaltet, nunmehr schon seit Jahren als abstiegsverängstigte, modernisierungsskeptische, fremdenfeindliche, islamophobe, rassistische Abgehängte, also als nicht ganz richtig im Kopf seiend, verunglimpft werden.

Ebenfalls ohne jemals das geringste Mutmaßlich.

Gewählt von einem Viertel der Wahlberechtigten trotz der von „Sudel-Edes“, trotz der von Karl Eduard von Schnitzlers „Schwarzem Kanal“ kopierten und jetzt erwiesenermaßen zum zweiten Mal und vorhersehbar kontraproduktiven Propagandamethoden aus der Rumpelkammer des Fernsehfunks der Deutschen Demokratischen Republik.

Glaubte man allerdings der gegenwärtigen Berichterstattung bundesdeutscher Medien, wäre also selber nicht ganz richtig im Kopf, dann gewönne man den Eindruck, als könne es gar nicht sein und gäbe es nicht einen einzigen Menschen, der für die mit 23 und 27 Prozent gewählte Partei aus Vernunftgründen stimmte.

Allenfalls wird ihnen zugebilligt: aus Protest!

Nein, 23 bis 27 Prozent der Wähler in Brandenburg und Sachsen werden als geschichtsvergessene Idioten dargestellt.

Und ihnen damit die Mündigkeit abgesprochen.

Weil 23 bis 27 Prozent der Wahlberechtigten ja nicht wie die Toleranten anständig, sondern weil sie nicht richtig, also falsch denken.

Das ist gefährlich!

Und ein Skandal ist auch, daß man in diesem Lande überhaupt nicht mehr in der Lage zu sein scheint, annähernd differenziert, geschweige denn sachlich objektiv über Dinge zu berichten, die nicht in das Weltbild der Guten und Gerechten passen.

Selbst die Wahlergebnisse in Brandenburg und Sachsen werden, soweit ich sah mit Ausnahme der Bild-Zeitung, tendenziös dargestellt. Die Wahlergebnisse erscheinen nicht wie einst, und wie üblich unter demokratischen Verhältnissen, in der Reihenfolge der erzielten Prozentpunkte, sondern die 23,5-Prozentpartei wird aufgelistet in Brandenburg hinter der 4,3-Prozentpartei, und in Sachsen folgt die ebenfalls zweitstärkste Kraft im Parlament mit ihren 27,8 Prozent hinter der 4,4-Prozentpartei.

Und seit Jahren wird diese Partei nachrichtlich(!) als einzige(!) Partei bei jeder Namensnennung per attributiver Etikettierung diffamiert!

Was an und für sich schon eine Ungeheuerlichkeit ist und nicht das Geringste zu tun hat mit objektiver Berichterstattung und dem selbstgefällig von den selbsternannten Anständigen im Munde geführten: Freiheit wäre immer die Freiheit der Andersdenkenden.

O nein!

Vielmehr wird von den Medien, jetzt schon mehr oder minder unverhohlen, die zweitstärkste Partei in den Parlamenten Brandenburgs und Sachsens und die größte Oppositionspartei des Bundestages gleichgesetzt mit der NSDAP! So beispielsweise in der 21-Uhr-15-Heute-Sendung des ZDF am letzten Sonntag.

Das ist gefährlich!

Donnerstag, 22. August 2019, Deutschlandfunk:

In den vergangenen Monaten hat es in Deutschland durchschnittlich zehn Gewaltattacken pro Monat auf Politiker gegeben.

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervorgeht, registrierte die Polizei von April bis Juni insgesamt 31 Fälle von Körperverletzung oder gefährlicher Körperverletzung. Die Gewalt habe sich vor allem gegen Politiker der AfD gerichtet. Sie seien in 24 Fällen betroffen gewesen. Die mutmaßlichen Täter kamen laut Polizeistatistik meist aus dem linken Spektrum.

Gemeint ist natürlich: Die Täter kamen laut Polizeistatistik meist aus dem linken Spektrum.

Sonntag, 1. September 2019, Deutschlandfunk:

Das „Zentrum für politische Schönheit“ darf nach eigenen Angaben nicht mit einem ausrangierten Panzer vor dem Dresdner Landtag demonstrieren.

Die Stadt habe einen entsprechenden Bescheid per Mail verschickt, erklärte der Leiter der Aktivisten, Philipp Ruch. In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es, dass die Verwendung des Kampfpanzers als Kundgebungsmittel untersagt werde. Die Stadt als zuständige Versammlungsbehörde war nicht zu erreichen.

Die Aktivisten hatten geplant, mit einem Panzer ohne funktionsfähige Waffen vor dem Dresdner Landtag auffahren zu wollen, um der AfD symbolisch den Krieg zu erklären.

Die Extremisten, Pardon, die „Aktivisten“ meinen natürlich: …um der AfD den Krieg zu erklären.

 

Wenn die Welt erlöst werden soll, müssen die Menschen edel sein, ohne Grausamkeit, voller Glauben und für die Wahrheit empfänglich, Begeisterung für große Ziele fühlen, ohne die zu hassen, die ihnen darin Widerstand leisten.“

Bertrand Russel (1872 – 1970)

 

Auf der andern Seite

 

30. August 2019: Serapion an Mephisto

 

 

Gründer

 

Geschäftig sind die Menschenkinder,

Die große Zunft von kleinen Meistern,

Als Mitbegründer, Miterfinder

Sich diese Welt zurechtzukleistern.

 

Nur leider kann man sich nicht einen,

Wie man das Ding am besten mache.

Das Bauen mit belebten Steinen

Ist eine höchst verzwickte Sache.

 

Welch ein Gedrängel und Getriebe

Von Lieb und Haß bei Nacht und Tage,

Und unaufhörlich setzt es Hiebe,

Und unaufhörlich tönt die Klage.

 

Gottlob, es gibt auch stille Leute,

Die meiden dies Gewühl und hassen’s

Und bauen auf der andern Seite

Sich eine Welt des Unterlassens.

 

 

Wilhelm Busch (1832 – 1908)

 

Selbst Pommerland ist abgebrannt

 

26. August 2019: Mephisto an Serapion

 

 

Bildnis eines lieblichen Mädchens

 

Wie gern seh ich das Photo wieder,

Sein Anblick fährt mir in die Glieder,

Es leuchtet sanft hier dein Gesicht,

Beschienen mild vom Abendlicht.

 

Ich knipste dich vor einer Mauer

Als Brustbild von papierener Dauer,

Mir wünschend, ewig dich zu sehn,

Im zarten Licht an der Mauer stehn.

 

Ich photographierte es vor Zeiten,

Die waren mehr als Kleinigkeiten.

Die Mauer hatte nicht Bestand,

Selbst Pommerland ist abgebrannt.

 

Auch ich kam öfter in Bedrängnis,

Geriet sogar mal ins Gefängnis.

Die Jahre vergehen, es wechselt ihr Geist,

Unsterbliche einst sind vergessen zumeist.

 

Doch auf dem Bild erscheint das Wahre,

Das auf den Lippen, im Glanz der Haare,

Im Lächeln deiner Augen liegt:

Du hattest recht, die Liebe siegt!

 

So kam er unter die Deutschen

 

16. August 2019: Mephisto an Bellarmin

 

Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen. Hier muss eine Vorschulpflicht greifen, notfalls muss seine Einschulung auch zurückgestellt werden.“

Carsten Linnemann in der Rheinischen Post

 

CDU-Politiker: Grundschulverbot für Kinder, die kein Deutsch können.“

Deutsche Presse-Agentur

 

Montag, 5. August 2019

Deutschlandfunk:

Kinder müssen vor Einschulung Deutsch können

CDU-POLITIKER Linnemann: Vorschulpflicht für Kinder ohne Deutschkenntnisse gefordert

Der Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Linnemann, fordert, dass Kinder für eine Einschulung ausreichende Deutschkenntnisse haben müssen.

Wer kaum Deutsch spreche und verstehe, habe auf einer Grundschule nichts zu suchen, sagte Linnemann der „Rheinischen Post“. Für betroffene Kinder schlägt er eine Vorschulpflicht vor. Unter Umständen müsse die Einschulung auch zurückgestellt werden. Das koste Geld, fehlende Integration und unzureichende Bildung seien am Ende aber viel teurer. Linnemann verwies auf Ergebnisse von Sprachtests in Duisburg, wonach mehr als 16 Prozent der künftigen Erstklässler gar kein Deutsch könnten.

Der CDU-Politiker hatte in der Vergangenheit unter anderem eine Migrantenquote in Schulklassen und ein Kopftuchverbot für Unter-14-Jährige gefordert.

Hinweis der Redaktion: Den Begriff „Grundschulverbot“, unter dem die Debatte auch hier zunächst abgebildet wurde, weist Linnemann zurück. Er plädiere dafür, die Kinder vor der Einschulung sprachlich fit zu machen, betonte der CDU-Politiker.

 

Dienstag, 6. August 2019

Deutschlandfunk:

Ein Vorstoß des CDU-Politikers Linnemann zur Bildungspolitik hat eine Kontroverse ausgelöst. Nicht deutschsprachige Kinder hätten in der Grundschule „noch nichts zu suchen“ und sollten notfalls später eingeschult werden, hatte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion erklärt. Aus Sicht des Grundschulverbands wäre dies kontraproduktiv.

Für betroffene Kinder schlug Linnemann eine Vorschulpflicht vor. Den Begriff „Grundschulverbot“, unter dem die Debatte zunächst geführt wurde, weist Linnemann zurück. Er plädiere dafür, die Kinder vor der Einschulung sprachlich fit zu machen, betonte der CDU-Politiker.

Wie solch eine Vorschulpflicht ausgestaltet würde, das sei Ländersache, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Das könne ein verpflichtendes letztes Kita-Jahr sein, Förderklassen oder auch eine klassische Vorschule. Aber man brauche eine Debatte über das Thema in Deutschland. Den meisten Kindern würde ein Jahr Vorschule reichen, um fit für die Grundschule zu werden. „Und wenn es mal nicht reicht, dann sollte man besser die Vorschule noch mal verlängern, als das Kind in der ersten Klasse scheitern zu lassen“, ergänzte Linnemann.

Kritik des Grundschulverbands

Durch Separation entstehe keine Integration, sagte die Vorsitzende des Grundschulverbands und langjährige Schulleiterin, Lassek, im Deutschlandfunk. Kinder, die später eingeschult würden, kämen nicht mit Gleichaltrigen zusammen. In Vorklassen fehlten ihnen zudem Sprachvorbilder und die Möglichkeit, Deutsch im Umgang miteinander zu lernen.

„Populistischer Unfug“

Auch innerhalb der eigenen Partei stieß Linnemann auf Unverständnis. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Widmann-Mauz (CDU), betonte in der „Rheinischen Post“, an der Schulpflicht gebe es nichts zu rütteln. Sie warb für mehr begleitende Sprachvermittlung an Grundschulen. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Prien sprach in der „Süddeutschen Zeitung“ von „populistischem Unfug“.

Die Linken-Vorsitzende Kipping warf Linnemann vor, er gehe „auf Stimmenfang im rechten Sumpf“. Die Grünen-Abgeordnete Müller meinte, Kinder von der Möglichkeit auszuschließen zur Schule zu gehen, sei nicht nur gegen geltendes Gesetz, sondern auch das Unsozialste, was sie seit sehr langer Zeit habe lesen müssen.

 

Deutschlandfunk:

Deutschkenntnisse sind wichtig für Integration und Bildungserfolg. Das stehe außer Frage, meint Kate Maleike. Die Forderung des CDU-Politikers Carsten Linnemann, Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen erst später einzuschulen, sei jedoch hanebüchen und das Gegenteil von dem, wofür die Grundschule stehe.

„Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen“: Mit dieser Äußerung hat der Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann jetzt gezeigt, wie weit wir in Deutschland noch davon entfernt sind, Zuwanderung und Internationalität auch als Chance zu verstehen.

Denn was ist, wenn ein Kind zwar schlecht Deutsch spricht, dafür aber schon sehr gut zählen kann und im Sprint allen davonläuft? Ginge es nach Linnemann, würde ihm schon im frühen Alter trotzdem signalisiert, dass es für die Schule noch nicht gut genug ist.

 

Mittwoch, 7. August 2019

FRANKFURTER RUNDSCHAU:

Die angestoßene Debatte ist daher die falsche. Die richtige Debatte wäre die über Chancen. Es geht um Umverteilung von Geld und um Investitionen in Bildung.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

Es gibt zehntausende Kinder, die trotz schlechter oder gänzlich fehlender Deutschkenntnisse mit gleichaltrigen Muttersprachlern in die erste Klasse kamen, rasend schnell in der Praxis Deutsch lernten und später Beispiele gelungener Integration wurden. Aber das ignoriert Linnemann. Er möchte lieber, dass die Schullaufbahn von Kindern mit Migrationshintergrund mit einer Zurücksetzung beginnt.

DIE WELT:

Linnemann hat keineswegs vorgeschlagen, sechsjährige Kinder von Migranten zu bestrafen. Er will eine intensive Förderung in einer verpflichtenden Vorschule, sodass die Kinder später besser gerüstet am Regelschulunterricht teilnehmen können. Wer das für ausländerfeindlich hält, sollte sich anschauen, wie das Einwanderungsland Kanada seine hervorragenden Integrationsergebnisse erzielt. Dort kommen Kinder, die des Englischen beziehungsweise Französischen noch nicht mächtig sind, zunächst in spezielle Einrichtungen, in denen der Spracherwerb höchste Priorität hat. Spätestens nach einem Jahr geht es an eine Regelschule. Dass auch dort der Ausländeranteil oft hoch ist, spielt dann überhaupt keine Rolle, denn alle Schüler können dem Unterricht ohne sprachliche Schwierigkeiten folgen.

WESER-KURIER:

Klar ist aber doch auch, dass die Beherrschung der deutschen Sprache die entscheidende Grundlage ist. Wenn jedoch ein Fünftel bis ein Viertel der Erstklässler nur schlecht oder gar kein Deutsch spricht, muss darüber diskutiert werden, wie das geändert werden kann. Wertfrei bitte!

VOLKSSTIMME:

Mitunter nehmen Meldungen in der medialen Berichterstattung durch Verkürzung und Zuspitzung eine eigene Dynamik auf. So auch die Nachricht vom angeblichen Vorstoß für ein ‚Grundschulverbot‘ für Kinder ohne Deutschkenntnisse von CDU-Politiker Linnemann. Für eine faire Bewertung muss man festhalten: Ein ‚Grundschulverbot‘ hat er so gar nicht gefordert. Kern war vielmehr, Einschulungen zurückzustellen, wenn Kinder die deutsche Sprache noch nicht beherrschen.

MITTELDEUTSCHEN ZEITUNG:

Es lohnt, sein ganzes Interview zu lesen. Darin ist von Vorschulpflicht die Rede, von zurückgestellten Einschulungen, von Geld, das in Integrations- und Sprachkurse investiert werden müsse. Wer würde etwas dagegen sagen? Für die aufgeregten Twitter-Debatten sind solche Differenzierungen indes zu lang und zu kompliziert.

 

DER SPIEGEL 33/19:

König leitete bis Anfang 2019 eine Grundschule im Frankfurter Stadtteil Griesheim, eine »Brennpunktschule«, wie König selbst sagt. Zwischenzeitlich hatten nur 9 ihrer 275 Schüler keinen Migrationshintergrund. »Ich habe Erstklässler erlebt, die auf Deutsch nicht einmal ›Guten Tag‹ sagen können«, erzählt König. »Wie soll die Schule diesen Kindern das Lesen oder Rechnen beibringen?«

Sprache gilt als Schlüssel für eine gelungene Integration, schulischer Erfolg als Eintrittskarte in ein ertragreiches Berufsleben. Wer nicht gut Deutsch spricht, tut sich meist auch in anderen Fächern schwer, zeigen Studien. Wenn ein Kind in der Grundschule schlechte Noten schreibt, wird es vermutlich nicht auf ein Gymnasium wechseln. Solche Kinder »können ihr Potenzial nicht entfalten und die Chancen nicht nutzen, die ihnen das deutsche Schulsystem bieten kann«, sagt Ingrid König, die ihre 30-jährige Erfahrung in dem Buch »Schule vor dem Kollaps« zusammengefasst hat. »Sie hinken vom ersten Tag an hinterher.«

Im IQB-Ländervergleich für Grundschulen aus dem Jahr 2016, einer Art Deutschland-Pisa, erreichten deutlich mehr Hamburger Viertklässler die Mindeststandards im Lesen als etwa in Berlin – obwohl der Anteil der Schüler, die zu Hause eine andere Sprache sprechen als Deutsch, in beiden Ländern hoch ist. In Hamburg sind das aktuell 26,7 Prozent der Kinder, so viele wie nie zuvor.

Wenn Defizite auffallen, müssen diese Kinder ein Jahr lang verpflichtend die Vorschule besuchen, wo sie zusätzlich sprachlich gefördert werden. Das betrifft rund 17 Prozent eines Jahrgangs.

FOCUS 33/19:

Unbestreitbar führt die Anwesenheit von mehreren Schülern mit unzureichenden Deutschkenntnissen dazu, dass der Lernerfolg der gesamten Klasse gebremst,wenn nicht gar gefährdet wird.

Laut Pisa-Studie erbringen 43 Prozent der 4,9 Millionen Kinder mit Migrationshintergrund in Deutschland „sehr schwache Leistungen“ in der Schule.

Ursache dafür sind vor allem mangelnde Deutschkenntnisse.

Aktuell liegt der Migrantenanteil bei den 15- bis 20-Jährigen bei knapp 31 Prozent. Bei den unter 5-Jährigen sind es mehr als 39 Prozent.

Viele Unternehmer und Firmenchefs treiben die immer häufiger auftretenden Sprachdefizite bei Azubi-Bewerbern um. Und das beginnt nun einmal alles mit dem Eintritt in die Grundschule.

80 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die im Ausland geboren wurden, sprechen zu Hause kein Deutsch.

 

Freitag, 9. August 2019

Deutschlandfunk:

„Deutschland ist keine offene Gesellschaft“

Der chinesische Künstler Ai Weiwei kehrt Deutschland den Rücken.

Seine Familie und er hätten sehr gern hier gelebt, aber er verlasse Berlin trotzdem, sagte er der Zeitung „Die Welt“: „Dieses Land braucht mich nicht, weil es so selbstzentriert ist.“ Deutschland habe keine offene Gesellschaft, führte er aus. Die Gesellschaft wolle offen sein, beschütze aber vor allem sich selbst. Ai Weiwei, der in China jahrelang unter Hausarrest stand, ergänzte, die deutsche Kultur sei so stark, dass sie nicht wirklich andere Ideen und Argumente akzeptiert. Es gebe kaum Raum für offene Debatten, kaum Respekt für abweichende Stimmen.

 

 

„So kam ich unter die Deutschen. Ich foderte nicht viel und war gefaßt, noch weniger zu finden. Demütig kam ich, wie der heimatlose blinde Oedipus zum Tore von Athen, wo ihn der Götterhain empfing; und schöne Seelen ihm begegneten –

Wie anders ging es mir!

Barbaren von alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark zum Glück der heiligen Grazien, in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes – das, mein Bellarmin! waren meine Tröster.

Es ist ein hartes Wort und dennoch sag ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen.“

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

 

Mene mene tekel u-parsin

 

10. August 2019: Kassandra an Mephisto

 

Mene mene tekel u-parsin: Wenn es der Menschheit nicht gelingt, eine durchsetzungsfähige Institution zu schaffen, die für den einzelnen Staat das ist, was der Staat ist für den Einzelnen, wird mit einer zum Übermaß anwachsenden Wahrscheinlichkeit unsere Gattung zu Grunde gehen oder auf einsame Exemplare dezimiert werden. Bereits heute handelt es sich kaum mehr um eine Frage des Ob. Das Dilemma dabei ist, daß einzig ein sich ins monströse steigerndes Elend noch geeignet sein könnte, den erforderlichen Druck aufzubauen zur Schaffung jener Weltregierung, der sich souveräne Staaten unterwürfen. Wenn wir Menschen am eigenen Leibe keine handlungserzwingende Pein spüren, degenerieren wir. Not war und ist Voraussetzung unserer Existenz und Entwicklung und brachte und bringt gleichzeitig uns immer wieder in tödliche Gefahr. Mensch und Paradies schließen sich naturgegeben aus, der Krieg ist der Vater aller Dinge. Unser Planet steht nicht im Zentrum des Universums und ist darin erwiesenermaßen auch mitnichten ein bevorzugter Punkt. Kein Hahn oder Gott wird nach uns krähen, wenn wir ausstürben im Kosmos wie irgendeine der Species auf unserer Kugel. Mit Sicherheit gibt es im All unzählige Lebensformen, von denen genügend es schaffen werden, nicht schon an denselben Problemen zu scheitern wie die hiesigen Herrentiere linnéscher Ordnung.

 

Der blinde Fleck

 

3. August 2019: Bellarmin an Mephisto

 

Mit dem gestrigen Tag endete der INF-Vertrag.

Stell Dir vor, vorgestern lautete bei uns in Deutschland die Nachricht über sein Ende im öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunk, der derzeit seriösesten Sendeanstalt der Bundesrepublik im Zeitalter der viel beklagten Falschmeldungen, also des Schwindelns, Fälschens, Frisierens, Türkens, Täuschens und Lügens, demnach, um es auch einmal im klaren und verständlichen, dem Volk vom Maul abgeschauten bundesrepublikanischen Journalistendeutsch auszudrücken: in der Epoche der Feknjus:

Mittelstreckenraketen: Russland warnt USA vor Stationierung in Europa

Kurz vor dem Ende des INF-Vertrags über das Verbot landgestützter atomarer Mittelstreckenwaffen hat Russland die USA vor einer Stationierung derartiger Raketen in Europa gewarnt.

Vizeaußenminister Rjabkow drohte damit, andernfalls solche Waffen in der Nähe der Vereinigten Staaten zu stationieren. Alle Optionen lägen dann auf dem Tisch, sagte er laut der Agentur Interfax. Rjabkow kritisierte, dass weder die USA noch die Nato auf den Vorschlag eines Moratoriums eingegangen seien. Bundesaußenminister Maas rief dazu auf, den Zerfall der weltweiten Rüstungskontrollarchitektur zu stoppen. Das Ziel einer atomwaffenfreien Welt gerate immer mehr aus den Augen, schrieb er in einem Gastbeitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Maas verwies darauf, dass es weltweit immer noch fast 14.000 nukleare Sprengköpfe gebe und dass die Investitionen in neue Systeme nach Jahren des Rückgangs wieder erhöht würden.

Der 1987 von US-Präsident Reagan und dem sowjetischen Staatschef Gorbatschow unterzeichnete INF-Vertrag endet morgen. Erst hatten die USA, dann Russland den Vertrag aufgekündigt. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld daran.

Was ist falsch an der vor bundesjournalistischer Scheinobjektivität triefenden Meldung des Deutschlandfunks?

Die, besonders im deutschen Hinblick auf Rußland, typische Weglassung des Wesentlichen.

Statt sich freiwillig als Propagandasprachrohr des Kremls mißbrauchen zu lassen, wie wäre es denn, wenn man die permanente Bevorzugung von Sprechblasen als Kompensation der Angst vor den oft so schmerzlich dem Weltbild der Alt-68iger widersprechenden Fakten nebst ihren unverschämt zutreffenden Begrifflichkeiten in den öffentlich-rechtlichen Redaktionen endlich überwände gegen Ende des zweiten Jahrzehnts des einundzwanzigsten Jahrhunderts?

Also was par exemple die Ukraine anbelangt: „Söldner“ statt „Separatist“?

Zumindest in Zeiten bemühtester Mutmaßlichkeiten: „sogenannter Separatist“?

Sich fürderhin nicht weiter ausgerechnet von Rußland die Begrifflichkeit, geschweigen denn die Welterklärung, aufdrängen zu lassen?

Wie wäre es also, wenn man hier, an einem unter unzähligen Beispielen stellvertretend demonstriert, dem obersten Grundsatz des bundesdeutschen Pressekodexes entsprechend, gemäß einer „wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit“ berichtet hätte:

Mittelstreckenraketen: Rußland warnt USA vor Stationierung in Europa

Kurz vor dem Ende des INF-Vertrags über das Verbot landgestützter atomarer Mittelstreckenwaffen hat Rußland die USA vor einer Stationierung derartiger Raketen in Europa gewarnt.

Vizeaußenminister Rjabkow drohte damit, andernfalls solche Waffen in der Nähe der Vereinigten Staaten zu stationieren. Alle Optionen lägen dann auf dem Tisch, sagte er laut der Agentur Interfax. Rjabkow kritisierte, daß weder die USA noch die Nato auf den Vorschlag eines Moratoriums eingegangen seien.

Anfang Februar hatten die USA den Vertrag unter Berufung auf eine vertragswidrige Produktion und Stationierung der russischen Marschflugkörper SSC-8 gekündigt. Die Produktion und Stationierung der SSC-8 war von russischer Seite geleugnet worden. Die von den USA den Nato-Verbündeten vorgelegten Untersuchungsergebnisse konnten jedoch von mehreren Verbündeten auch unabhängig bestätigt werden. Nachdem die Einschätzung eines Vertragsverstoßes von allen 29 Mitgliedstaaten der Nato, einschließlich Deutschlands, geteilt worden war, hatte die russische Seite die Existenz der SSC-8 zwar eingeräumt, nun jedoch eine Vertragsverletzung hinsichtlich ihrer Reichweite bestritten. Die Bitte einer Verifizierung durch Experten wurde abgelehnt. Stattdessen präsentierte das russische Militär ein angebliches Exemplar jener Geschosse im Rahmen einer Ausstellung.

Der 1987 von US-Präsident Reagan und dem sowjetischen Staatschef Gorbatschow unterzeichnete INF-Vertrag endet morgen.

Vielleicht sollten bundesdeutsche Journalisten, was ihre politisch korrigierte Befangenheit gerade gegenüber dem russischen Imperialismus anbelangt, hin und wieder von ihren unverkrampften Kollegen in unseren Nachbarländern lernen. Am Sonntag, dem 3. Februar 2019, hatte zum Beispiel der britische Independent geschrieben:

Diese moralische Äquivalenz ist falsch. Russland verletzt den Vertrag, indem es Waffen entwickelt und einsetzt, die von dem Vertrag ausdrücklich verboten werden.

 

Wahr spricht, wer Schatten spricht.“

Paul Celan (1920 – 1970)

 

Von nun an ging’s bergab

 

20. Juli 2019: Bellarmin an Mephisto

 

Den zeitlichen Gipfel des russischen Imperiums setze ich an auf die Dauer von 4310 Tagen und datiere diese beginnend mit dem 4. Oktober 1957, dem Start des sowjetischen Sputniks 1, und endend am 21. Juli 1969 um 3 Uhr 56 MEZ, als Neil A. Armstrong, ein freier Mensch aus dem freien Teil der Erde, zum ersten Mal seinen Fuß auf den Mondboden setzte. Sogar in der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik kam man nicht umhin, sich mit dem Adlershofer „Fernsehfunk“ der Direktübertragung des Ereignisses dem Westfernsehen anzuschließen. Zum Trost der Machthaber mitten in der Nacht vom Sonntag zum Montag… Im Reich der Lüge, in Rußland, erwähnte und übertrug man indessen nichts im Fernsehen und teilte in den Zeitungen lediglich mit, versteckt auf den hinteren Seiten, die Amerikaner würden melden „Kocmonawti na lune“.

Ich halte es übrigens für sehr wahrscheinlich, daß die sogenannte Verschwörungstheorie, also die These, die Amerikaner wären gar nicht auf dem Mond gelandet, sondern hätten das alles nur gefilmt in ihren Spieltrickfilmstudios Hollywoods, ihren Ursprung findet in Schädeln des russischen Geheimdienstes.

Zeitgleich zu Apollo 11 hatte man in idiotischer Verzweiflung extra die unbemannte Sonde Luna 15 gestartet. Sie sollte offensichtlich schnell auf dem Mond Bodenproben automatisch zusammenklauben und à la Wettlauf zwischen Hase und Igel noch vor der Rückkehr der Amerikaner triumphierend in der ruhmredigen Sowjetunion abladen. Ein die Intelligenz selbst wohlwollender Beobachter unterschätzendes Propagandamanöver.

Leider heute völlig vergessen.

Die Russen hatten plötzlich begonnen, so zu tun, als hätten sie nie daran gedacht, einen Menschen auf den Mond chauffieren zu wollen, und schon immer auf ihre vermeintlich überlegene Technik gesetzt. „Kybernetik!“ posaunte die Propaganda. Und: „Sowjetische Wissenschaft“! Vor der amerikanischen Mondlandung hatte man in Zeitschriftenartikeln glasklar analysiert, daß das Apollo-Programm nicht funktionieren könne. Weil: zu kompliziert mit vorheriger Mondumlaufbahn und Abkopplung und Ankopplung und dergleichen riskanten Manövern im Vergleich zu sowjetischen Direktflügen. Was hatte man nicht auch gespottet und Propagandalieder getextet über die „Spätniks“ der Amis. Und kraft der „einzig wissenschaftlichen Weltanschauung“ marxistisch-leninistisch bewiesen, es könne auch naturgesetzlich nicht klappen mit der amerikanischen Raumfahrt, weil im Kapitalismus all die Bauteilhersteller und Zulieferbetriebe, die schufteten ja gegeneinander in profitorientierter Konkurrenz! Während in der ruhmredigen Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken alle Arbeiter planmäßig schöpferisch Hand in Hand arbeiteten…

Luna 15 zerschellte.

Von nun an ging’s bergab.

Die friedliebenden Russen verkündeten 1969 noch schnell, bis zum Jahr 1980 die „materiell-technische Basis des Kommunismus“ errichtet zu haben, welche lehrreiche Verkündigung heute ebenfalls leider vergessen ist, und marschierten bis 1980 ein in Afghanistan. Nämlich am zweiten Weihnachtsfeiertag 1979. Was die Amerikaner mit dem Stop der Lieferung von 17 Millionen Tonnen Weizen an die UdSSR sanktionierten. Infolge der Bewirtschaftung des Landes nach der „einzig wissenschaftlichen Weltanschauung“ per Kolchosen und Rinderoffenställen war Rußland vom einstigen Getreideexporteur inzwischen herabgesunken zum Getreideimporteur. Außerdem wurde die Sowjetunion belegt mit einem Einfuhrembargo moderner, also westlicher Technologien für die Erdölförderung.

Worauf die deutsche Industrie überrascht aus allen Wolken fiel. Die schönen Geschäfte! Was für ein Markt! Und Handel diene dem Frieden.

Gestern jährte sich übrigens auch der Tag, an dem 1980 in Moskau die olympischen Sommerspiele eröffnet wurden. Wegen der Okkupation in Afghanistan allerdings boykottiert von 50 Staaten. „Die unpolitischen Spiele!“, tönte es vorwurfsvoll aus Moskau und von Seiten bundesdeutscher Sportverbände und des olympischen Komitees. Welche Argumentation mich seltsamerweise an die friedlichen olympischen Spiele in Berlin 1936 erinnerte.

Am 19. Juli 1980, zur Eröffnungsfeier, bildeten im Moskauer Stadion 1600 Soldaten farblich Hammer und Sichel, die damaligen Insignien des ordinären russischen Imperialismus.

Man hatte immer noch nicht begriffen, was der erste kleine Schritt Neil Armstrongs auf die Mondoberfläche irdisch bedeutete:

Am 21. Juli 1969 um 3 Uhr und 56 Minuten mitteleuropäischer Zeit wurde der Kommunismus besiegt.

 

Was kann denn das nur sein?

 

14. Juli 2019: Bellarmin an Mephisto

 

Stell Dir das mal vor, im Radio hörte ich heute, ein Sprecher des Journalistenverbandes, ich glaube, es handelt sich sogar um den Vorsitzenden, der soll behauptet haben, es gäbe in den Medien eine, wörtlich, „Tendenz zur Selbstzensur“!

Tatsächlich!

Und zwar: Weil Journalisten heikle Themen bewußt umgingen. Auch sollen Kollegen berichtet haben, sie seien in den jeweiligen Medien vom Management unter Druck gesetzt worden, wörtlich, „bestimmte Geschichten nicht zu berichten oder ihre Berichterstattung zu verwässern“. Und es gäbe Umfragen, die zeigten, daß diese Einschätzung einer „schrumpfenden Pressefreiheit“ neben den Medienschaffenden auch von den Mediennutzern geteilt werde!

Was sagst Du?

Du hast Dich jüngst erst wieder gewundert, warum zum Beispiel bei dem sogenannten „Kosmos Chemnitz“-Festival Anfang des Monats unsere öffentlich-rechtlichen Medien in breitester Länge und längster Breite und noch einmal von hinten und dann noch mal von vorn von der Begeisterung der begeisterten Anständigen berichteten und die Bürgermeisterin sprechen ließen in ausführlichen Ausführlichkeiten?

Tenor der Berichte:

Am Abend spielen hier Herbert Gröneymeyer [sic!] und die Hamburger Band Tocotronic. Direkt vor dem Karl-Marx-Kopf rappt das Berliner Hip-Hop-Duo Zugezogen Maskulin. Und vor dem Dönerladen, vor dem Daniel H. im Sommer erstochen wurde, legen DJs auf.“?

Und keinen einzigen zu Wort kommen ließen oder, angebrachterweise, einmal jemanden ausführlich interviewten aus der nicht unbeträchtlichen Anzahl der Nichtbegeisterten?

Der Unanständigen?

Von den nicht wenigen nicht einen einzigen, sagst Du?

Um nur ein winziges Beispiel zu nennen aus der Menge der unzähligen?

Was sagst Du? Du hast Dich erinnert gefühlt an die Berichterstattung im DDR-Fernsehfunk über irgendeine der ordinären Propaganda-Festival-Veranstaltungen der Freien Deutschen Jugend?

Oder daß Anfang Juli vor einem Jahr unserer Kanzlerin bei ihrer Rückkehr von ihrer hastigen Brüsselfahrt in Sachen gemeinsamer europäischer Flüchtlingspolitik zum ersten Mal seit Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise die Wörter „illegale Migration“ und dann sogleich noch das Wort „Sekundärmigration“ aus ihrem persönlichen Mund gefallen waren, was es nicht alles geben soll, und dann auch noch, daß beides zu bekämpfen wäre?

Und was es dergleichen nicht plötzlich alles gegeben haben sollte?

Zitierend wäre sogar einmal gesprochen worden von „Identitätsverweigerern“?

Wovon die öffentlich-rechtlichen Medien nichts ahnten bis dato?

Und warum sie sich nun nicht aufgemacht hätten und wären ausgeschwärmt? Und hätten illegale und sekundäre Migranten mal aufgespürt und einmal einen Bericht verfaßt und im Radio darüber gesprochen oder im Fernsehen gefilmt oder erörtert?

Hätten wenigstens einmal von den Handwerkern die Toiletten-Installateure zu Wort kommen lassen in den öffentlich korrekten Medien, wie oft diese in den letzten Jahren in die Erstaufnahmeeinrichtungen sausen mußten wegen verstopfter Abflußleitungen der Klosetts?

Infolge aufgequollener Papierfetzen zerrissener Identitätsnachweise?

Um detailliert aktualisierte Fakten und Zahlen zu präsentieren, in aller Klarheit, pardon, in aller Transparenz?

Zahlen und Prozente illegaler Migration?

Über Sekundärmigration?

Über Identitätsverweigerer?

Über abgelehnte Asylbewerber in Deutschland und Europa?

Über Ausreisepflichtige?

Im Verhältnis zu Ausgereisten?

Fakten, Fakten, Fakten?

Und wie die Kanzlerin das ganze Jahr dagegen kämpfte?

Damit diese abstiegsverängstigten, modernisierungsskeptischen, fremdenfeindlichen, islamophoben, rassistischen Abgehängten endlich merken, daß es gar nicht so ist, wie sie immer denken, und nicht immer wieder aufs neue hereinfallen auf diese ganzen Feknjus?

Ja bist Du denn bescheuert? Um Gottes Willen! Der Journalistenverband mit jener Tendenz zur Selbstzensur in den Medien, von dem ich im Radio hörte, das ist doch der Journalistenverband in Hongkong! Das ist doch nicht hier! Wie leben doch in Deutschland!

Wie kommst nur auf die Idee, es handelte sich um unsere Medien?

Hier herrscht doch Pressefreiheit!

 

Meinungsvielfalt in deutschen Medien bedroht

Der frühere Intendant des Westdeutschen Rundfunks, Pleitgen, sieht die Meinungsvielfalt in den deutschen Medien bedroht.

Bei vielen Themen von Griechenland bis Brexit, von Russland bis Trump, gebe es homogene Berichterstattung. Das sei der schleichende Tod der Demokratie, sagte Pleitgen dem „Handelsblatt“. In vielen wichtigen Fragen marschierten alle Redaktionen in eine Richtung, nicht selten im Einklang mit der vorherrschenden Meinung in der Politik. Das sei bedenklich und eine Abkehr vom Richtungsstreit früherer Jahre.

Deutschlandfunk, 11. Juli 2019