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Thalatta ! Thalatta !

Schlagwort-Archiv: Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow

Ein lehrreicher Jahrestag

 

30. November 2019: Bellarmin an Mephisto

 

Vor 80 Jahren, Anfang November 1939, behauptete Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, seines Zeichens Außenminister der „Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“, in der Parteizeitung „Pawda“ („Wahrheit“), von Finnland ginge eine Kriegsgefahr aus gegen den „Sowjetstaat“. Und Ende November behaupteten die Russen, finnische Artillerie hätte im Grenzdorf Mainila die „Rote Armee“ beschossen.

Und dann:

Ohne Kriegserklärung wurde Finnland von der „Roten Armee“ überfallen. Am 30. November 1939. Frühmorgens. Darauf, zwischen neun und zehn Uhr, warfen russische Flugzeuge Flugblätter über Helsinki ab, etwa eine Stunde später bombardierten sie die Stadt. Zum Einsatz kamen Streubomben. Über schräge Leitflächen an ihren Außenhüllen in Rotation versetzt, schleuderten diese jeweils 60 Brandbomben über ihr ziviles Zielgebiet. Sie forderten etwa 900 Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Nach weltweiten Protesten erklärte Molotow in typischer Verlogenheit, es handele sich um Brotsäcke für die hungernde finnische Bevölkerung. Woraufhin die Streubomben von jener bezeichnet wurden als „Molotows Brotsäcke“.

In dem Krieg entstand noch eine ähnlich sarkastische Wortschöpfung. Die Russen verfügten über eine dreifache Überlegenheit an Soldaten, eine fünffache bei der Artillerie und eine achtzigfache an Panzern. Und weil die „kriegsgefährlichen“ Finnen zudem auch nur ganze hundert Panzerabwehrkanonen besaßen, verfielen sie in der Not auf die Idee, Brandsätze in Flaschen auf die anrückenden Panzer zu werfen. Und diese improvisierten Waffen nannten sie analog zu den russischen Streubomben „Molotowcocktails“.

Wegen ihres Einmarsches in Finnland wurden die russischen Invasoren Mitte Dezember aus dem Völkerbund ausgeschlossen. In den USA kam es zu Solidaritätsdemonstrationen mit Finnland, und US-Präsident Roosevelt rief ein Handelsembargo aus gegen die „Sowjetunion“.

Trotz ihrer militärischen Unterlegenheit hielten die Finnen mit Mut, Intelligenz und Tapferkeit stand, so daß die russische Aggression vollkommen ins Stocken geriet, und die Okkupationspläne konnten nicht verwirklicht werden. Mit der finnischen Marionette Otto Wille Kuusinen hatte man bereits eine kommunistische Gegenregierung, die „Volksregierung Finnlands“, gebildet, die man nach dem russischen Sieg sogleich über das Land hatte setzen wollen. Die Finnen vernichteten indessen die 66. „sowjetische“ Schützendivision, und die Russen mußten ihre Truppen von der Sallo-Front zurückziehen.

In Dänemark, Norwegen und Schweden sammelten sich Freiwillige, um in Finnland mitzukämpfen. Krankenschwestern gründeten in Großbritannien eine freiwillige Einheit, um in Finnland eingesetzt zu werden.

Aufgrund der Erschöpfung drohte letztlich aber doch ein Zusammenbruch der finnischen Front, so daß man sich im März gezwungen sah, einen von Moskau diktierten Frieden anzunehmen: „Möge meine Hand verdorren, die gezwungen ist, ein derartiges Papier zu unterschreiben“, so der finnische Präsident Kyösti Kallio nach seiner Unterschrift.

Man trauerte.

Alle Fahnen wurden auf Halbmast gesetzt.

Auf finnischer Seite zählte man 26.662 gefallene Soldaten, auf russischer 127.000. Zirka 5.000 „sowjetische“ Kriegsgefangene der Finnen sind nach ihrer Freilassung in die ruhmredige „Sowjetunion“ verschollen, so daß man vermutet, sie seien in Lagern des NKWD ermordet worden.

Die Russen verzichteten zwar auf die Nickelgruben von Petsamo, weil diese überwiegend in britischen Händen sich befanden und die Russen den Konflikt mit den Westmächten fürchteten. Doch die Finnen mußten ein Gebiet von 40.000 Quadratkilometern an die „friedliebenden“ Russen abtreten und viele Inseln und mußten die Halbinsel Hangö für einen neuen Flottenstützpunkt an die Russen verpachten. Elf Prozent des finnischen Volkes, etwa 420.000 Menschen, flüchteten nach den Grenzverschiebungen vor den Russen aus ihrer Heimat. Finnland verlor rund zehn Prozent seiner Agrarwirtschaft und Industrie.

Die Russen gründeten mit Kuusinen in den abgetretenen Gebieten die „Karelo-Finnische SSR“ als neue „Sowjetrepublik“.

Soweit das eigentlich unschwer zu erkennende russische Muster.

Was ich aber noch sagen wollte: Am 29. November 2019 meldeten bei uns hier in Deutschland einige Medien, die von den in deutschen Medien getreu putinscher Diktion permanent als „Separatisten“ titulierten Söldner der „Volksrepublik Donezk“ hätten ihr selbsternanntes „Parlament“ beschließen lassen, die Frontlinie zu den Streitkräften der Ukraine habe ab sofort als Staatsgrenze zu gelten.

Und was ich noch sagen wollte: Rußland ist kein Partner des Westens.

Rußland ist Gegner.

Nach der russischen Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim war der gebürtige ukrainische Staatsbürger und Filmemacher Oleh Senzow 2015 in Rußland (!) wegen seines aktiven Protestes auf der Krim gegen deren Annexion zu 20 Jahren Straflager verurteilt worden. Die russischen Behörden erklärten tatsächlich, mit der Eingliederung der Krim in das russische Staatsgebiet habe Senzow seine ukrainische Staatsbürgerschaft verloren, hatten den ukrainischen Freiheitskämpfer also zwangsweise zum Russen gestempelt, und verweigerten mit diesem Argument beispielsweise der ukrainischen Seite jegliche Kontaktaufnahme mit dem Inhaftierten.

Nach seiner Freilassung in diesem Jahr hatte er in Straßburg den Sacharow-Preis entgegennehmen können. Dazu meldete der Deutschlandfunk am 26.11.2019:

Der freigelassene Filmemacher Senzow hat das EU-Parlament vor Naivität gegenüber dem russischen Präsidenten gewarnt.

Es sei derzeit zwar viel die Rede von Aussöhnung und Frieden mit Russland, sagte der Ukrainer vor den Abgeordneten in Straßburg. Dennoch glaube er Putin nicht und lege den Abgeordneten nahe, ihm ebenfalls nicht zu glauben.

Der Westen sollte auf Senzow hören!

 

Groß ist das heilige russische Land, aber die Wahrheit hat nirgends Platz.“

Russisches Sprichwort

 

14.4.17 Bellarmin an Mephisto

 

Es geschah heute vor 70 Jahren, da beharrte auf der Moskauer Außenministerkonferenz Molotow auf der Zahl 890.532 sich derzeitig noch in der Sowjetunion befindlicher deutscher Kriegsgefangener. Entlassen seien aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft vom Mai 1945 bis zum 5. März 1947 1.003.974 Deutsche.

Drei Wochen zuvor schon hatten auf jener Konferenz die Siegermächte die Anzahl deutscher Kriegsgefangener in ihren Ländern angegeben mit

 

Sowjetunion         890.532

USA                        631.483

Großbritannien   435.295

Frankreich              15.103

 

Was hinsichtlich der molotowschen Angabe aber Entsetzen auslöste. Hatte doch das Oberkommando der Roten Armee am 4. Mai 1945 verkündet, 3.180.200 Deutsche kriegsgefangen zu haben. Und innerhalb der sechs Tage vom 9. bis zum 14. Mai 1945 kamen nach derselben Quelle noch 1.230.000 Gefangene hinzu und addierten sich demnach zu einer Gesamtzahl von 4.410.200 deutscher Kriegsgefangener in sowjetischer Hand. Während sich die jüngsten molotowschen Angaben nun lediglich auf 1.894.506 Kriegsgefangene summieren ließen und daher für vielleicht 2.515.694 Mütter, Kinder, Frauen, Freundinnen die schicksalbestimmenden Hoffnungen auf die Wiederkehr ihrer Söhne, Väter, Männer oder Freunde auslöschte…

Zweieinhalb Millionen Menschen verschwanden plötzlich im Nichts!

Die amerikanische Militärregierung hatte daraufhin offiziell verlautbart, die Sowjetunion sei die Antwort auf das Verbleiben von rund 2 Millionen deutschen Kriegsgefangenen „schuldig geblieben“.

Und Josef Kardinal Frings, der Kölner Erzbischof, erklärte: „Deutschland hat die 1.200.000 Kriegsgefangenen nie gesehen, die die Sowjetunion nach Hause zurückgeschickt haben will, und wohin sie gekommen sind, weiß niemand. Es ist für das deutsche Volk ein fürchterlicher Schlag, zu hören, daß die Sowjetunion die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen in sowjetrussischer Hand mit 800.000 angibt. Während diese in Deutschland auf zwischen 3 und 4 Millionen geschätzt werden. Da kann man nur fragen: Was geschah mit den anderen?“

Wie wir wissen, hatte man in Hitlerdeutschland das Gros der sowjetischen Kriegsgefangenen „sonderbehandelt“ gegenüber denen aus anderen Ländern und bewußt und planmäßig und grausam verhungern lassen.

Befehlsgemäß.

Aber das eine ist das eine und das andere ist das andere.

Warum ich an diesem Karfreitag Dir siebzig Jahre alte Geschichten erzähle?

Draußen blüht der Flieder, die Vögel tirilieren…

Weil, unter anderem, ein Muster ist im russischen Lügen.

Übrigens nicht erst sein 1947!

Beispielsweise diese dreiste Offensichtlichkeit des Lügens. Allein schon durch die geflissentliche Exaktheit. Möglichst bis zu siebten Nachkommastelle.

Plump, auffällig, hassenswert.

Du erinnerst Dich, wie vor drei Jahren eine Rakete aus russischen Beständen die Passagiermaschine MH17 vom Himmel schoß und 193 Menschen tötete?

Augenblicklich wurden riesige detaillierte Karten gezeigt mit exakten Flugbahnen, und dezidiert wußte der Kreml, woher, wie und wann die Rakete abgeschossen wurde und wie alles gewesen war und warum. Alles und alles genau. Als hätte man dabeigestanden.

Noch vor jeder Untersuchung.

Die dann allerdings etwas anderes ergab.

Nämlich daß die Rakete, entgegen der eben typisch mit dreister russischer Exaktheit verbreiteten Lüge, abgeschossen worden war nicht von ukrainisch kontrolliertem Gebiet.

Erinnerst Du Dich, wie der für die Hungernden von Aleppo unter dem Dach der UN vertraglich vereinbarte und deutlich gekennzeichnete Lebensmittelkonvoi der Hilfsorganisationen zusammengeschossen worden war?

Und wie die Russen wieder sofort und genauestens der Welt Bescheid gaben?

Nun also der Giftgasangriff mit den vielen toten Kindern. Und sofort, wie bei MH17 vor den monumentalen Karten, erklärte der russisch-grünliche Militärexperte, exakt und sekundengenau und bar jeden Zweifels, der Welt die Welt zufälligerweise wieder etwas anders, als der Rest der Welt sie sieht.

Ja, russisch-grün ist ein etwas anderes, ein eigenes Grün. Es ist die Farbe, mit der bepinseln sie ihre Kanonen und Kasernen.

Exakt.