A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Mephisto an Bellarmin

Jene politisch korrekten Illusionisten in Berlin und Brüssel haben Europa nun tatsächlich in eine Situation hineinbugsiert, in welcher Wohl und Wehe der sogenannten Europäischen Union, und insbesondere auch Deutschlands, von der Türkei abhängen und damit von den sarazenischen Despotie-Allüren ihres Staatsoberhaupts. Bravo! Das war ja überhaupt nicht vorherzusehen. Die auf dem Boden der Realpolitik aufknallenden Beitrittsbefürworter sind so was von überrascht, man hört kein Sterbenswörtchen von diesen geschichtsunkundigen Wunschdenkern, außer man heißt unbeirrt Bütikofer und will jetzt die Beitrittsverhandlungen beschleunigen…

Im Gegensatz zur gängigen Auffassung der gängigen Politiker mit dem gängigen Kurzzeitgedächtnis meinte  jedoch unser heraklidischer Serapion dereinst, Geschichte drehe sich fast immer im Kreise! (=> Alles Vergängliche ist nur ein GLEICHES)

Und die Türkei bleibt Türkei und Europa bleibt Europa.

Aber nun ist die in Europa hilflose deutsche Kanzlerin gezwungen, ausgerechnet im von Erdogan provozierten und grausam provozierenden türkischen Wahlkampf nach Ankara zu reisen, um Bitte Bitte zu machen. Das ist viel schlimmer als der Gang nach Canossa, der in Wahrheit ja den Sieg Heinrichs bedeutete. Denn im Gegensatz zu Gregor befindet Erdogan sich grinsend in der komfortablen Lage, der eigentlich verzweifelten Merkelin seine Forderungen, zum Beispiel nach europäischer Visafreiheit für Türken, in den Schreibblock zu diktieren und die arme Frau devot seinen Schuhsohlen die Steigbügel für die Präsidialherrschaft halten zu lassen.

Erdogan als Retter Europas!

Widerlich!

Eine Antwort zu “Mephisto an Bellarmin

  1. kosinsky 17. Oktober 2015 um 12:14

    „Die Türkei“ * hat – hatte vielleicht empirisch-öffentlichkeitswirksam schon mal mehr, aber hat immer noch – säkulares Potenzial. Das wird aber leider vielfach vom sekundären Nationalismus (dem Nationalismus nach bereits erfolgter Etablierung einer Nation**) überlagert (als Ko-Entwicklung oder Gegenstrategie zum ‚islamischen Nationalismus‘ Erdogans etc.).

    Es könnte sein, dass die EU der Erdogan-Regierung Stabilisierungshilfe für deren Regierungsform und die bisherigen und weiteren autoritären Gesellschaftsformierungs-Pläne gibt. Als (real)politischer Preis für die Auslagerung einer großen Zahl von Flüchtlingen und der Verantwortung für Teile der EU-Außengrenzen in die Türkei. Eine Entwicklung zu einem stärkeren Zur-Geltung-kommen der Aufklärung/Vernunft (u.a. als Säkularismus/rechtsstaatliche Formen ohne militär-autoritäre Herrschaft) wäre aber mittelfristig auch für die Menschen in der Türkei besser (aus Vernunftsicht für alle, aber natürlich insbesondere für Angehörige von Minderheitskonstruktionen).

    Dafür müsste jedoch die akute Flüchtlings-Situation von den europäischen Staaten nicht über eine bloße Erdogan-solls-richten Zwischenlösung (oder sogar längerfristig angelegte Strategie, da die Situation vermutlich noch eine Weile so bleiben wird) angegangen werden. Eine Auslagerung der Grenze an Orte wie die Türkei oder Nordafrika bzw. die Mittelmeerbarriere ist vielleicht wegen der schieren Anzahl der Flüchtenden und Auswanderer nicht vermeidbar, wenn man grds. individuelle Bearbeitung von Asylanträgen und geordnete Einwanderung will. Aber Aussperren (bzw. mal ungeordnet reinlassen und dann wieder dichtmachen) sollte nicht die einzige Strategie (technisch), und nicht die einzige Umgangsweise (ethisch) mit den Problemen der Fluchtregionen und deren Menschen sein.
    Insbesondere bei Zweiterem sind auch (neben den teilverselbstständigten sozialen Fach-Systemen wie Politik und Justiz) die Gesellschaften Europas gefragt. Indirekt: Über ihre fachsystemisch ausgelagerten Repräsentanten, also über (aktive oder indirekt-kulturelle) Mitbeeinflussung der relativ-eigendynamischen Politik. Und direkt: Durch die Praktizierung einer aufgeklärten (Vernunft einfordernden und selbst praktizierenden) Flüchtlingsaufnahme und gelebtes Vorbild.

    ___
    * Nationen etc. als konstruiertes und dadurch (nicht umgekehrt) auch kulturell-faktisches Phänomen.
    ** In der EU sehen wir derzeit vielleicht tertiären (oder teilweise wieder primären) Nationalismus – in den unterschiedlichen (gerne von vielen als entgegengesetzt, und damit als politisches Beschäftigungs-Motiv, angenommenen) Formen:
    a) als Reaktion auf die Infragestellung des parlamentarisch-rechtlichen Rahmens des (bisherigen) Nationalstaates. Und
    b) als Herausbildung eines neuen Staatsgebildes namens EU, dessen Charakter u.a. als Nationalstaat ohne klar zuzuordnende Verantwortlichkeiten und/oder als postnationales Mehrebenen-Phänomen (re)konstruiert wird.

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