A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Schlagwort-Archiv: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Freut euch der Freiheit und fürchtet sie nicht!

 

8. November 2019: Serapion an Mephisto

 

D i e F r e i h e i t s f r e u d e

 

Ohne Freiheit kein Gedeihen!

Freiheit ist ein köstlich Ding,

Kann sie Flügel doch verleihen:

Raupe wird zum Schmetterling!

O welch tapfres Freiheitsstreben!

Vorwärts! Und die Mauer bricht!

Was für Wunder wir erleben!

Freut euch der Freiheit und fürchtet sie nicht!

 

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,

Der täglich sie erobern muß.

 

Früchte tragen wird die Freiheit:

Sät den Samen nur ins Land!

Einigkeit und Recht und Freiheit

Sind des Glückes Unterpfand –

Menschen wollen Glück auf Erden!

Keine Knechtschaft! Kein Verzicht!

Freie Menschen laßt uns werden!

Freut euch der Freiheit und fürchtet sie nicht!

 

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,

Der täglich sie erobern muß.

 

Freien Sinns das Glück erschauend,

Aussichten wie nie zuvor,

Und der eignen Kraft vertrauend,

Steigt ein frei Geschlecht empor.

Freiheit ist das Brot des Geistes,

Freiheit schenkt der Seele Licht,

Jede Tyrannei beweist es:

Freut euch der Freiheit und fürchtet sie nicht!

 

10.11.17 Serapion an Mephisto

 

Die Gedanken sind frei!

Und weil ich immer wieder, selbst von seriösen Leuten, selbst von ehrwürdigen Kirchenmännern und im Radio gesagt höre oder auf freilich geduldigem Papier lese, das Lied, eines der mich anrührendsten Lieder, „Die Gedanken sind frei“, das hätte Freiligrath oder den von Fallersleben als Autoren, versichere ich Dir hiermit, solches ist Unfug! Du findest den Text auf Seite 41ff im dritten Wunderhornband, übrigens gerahmt von zwei Spinnerliedern. Und falls Du es gerade nicht bei der Hand hast, schicke ich Dir hier das Original:

 

Lied des Verfolgten im Thurm

Nach Schweizerliedern.

 

Der Gefangne.

Die Gedanken sind frey,

Wer kann sie errathen;

Sie rauschen vorbei

Wie nächtliche Schatten.

Kein Mensch kann sie wissen,

Kein Jäger sie schiessen;

Es bleibet dabey,

Die Gedanken sind frey.

 

Das Mädchen.

Im Sommer ist gut lustig seyn,

Auf hohen wilden Heiden,

Dort findet man grün Plätzelein,

Mein Herzverliebtes Schätzelein,

Von dir mag ich nicht scheiden.

 

Der Gefangne.

Und sperrt man mich ein

Im finstern Kerker,

Dies alles sind nur

Vergebliche Werke;

Denn meine Gedanken

Zerreissen die Schranken,

Und Mauern inzwey,

Die Gedanken sind frey.

 

Das Mädchen.

Im Sommer ist gut lustig seyn,

Auf hohen wilden Bergen;

Man ist da ewig ganz allein,

Man hört da gar kein Kindergeschrey,

Die Luft mag einem da werden.

 

Der Gefangne.

So sey es wie es will,

Und wenn es sich schicket,

Nur alles in der Still;

Und was mich erquicket,

Mein Wunsch und Begehren

Niemand kanns mir wehren;

Es bleibet dabey,

Die Gedanken sind frey.

 

Das Mädchen.

Mein Schatz du singst so fröhlich hier,

Wies Vögelein in dem Grase;

Ich steh so traurig bey Kerkerthür,

Wär ich doch todt, wär ich bey dir,

Ach muß ich denn immer klagen.

 

Der Gefangne.

Und weil du so klagst,

Der Lieb ich entsage,

Und ist es gewagt,

So kann mich nicht plagen,

So kann ich im Herzen

Stets lachen, bald scherzen;

Es bleibet dabey,

Die Gedanken sind frey.

 

Mephisto an Serapion

Ehe ich mit Dir hier weiterhetze, klären wir erst einmal

 

 

D i e  F r e i h e i t s f r e u d e

 

Ohne Freiheit kein Gedeihen!

Freiheit ist ein köstlich Ding,

Kann sie Flügel doch verleihen:

Raupe wird zum Schmetterling!

O welch tapfres Freiheitsstreben!

Vorwärts! Und die Mauer bricht!

Was für Wunder wir erleben!

Freut euch der Freiheit und fürchtet sie nicht!

 

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,

Der täglich sie erobern muß.

 

Früchte tragen wird die Freiheit:

Sät den Samen nur ins Land!

Einigkeit und Recht und Freiheit

Sind des Glückes Unterpfand –

Menschen wollen Glück auf Erden!

Keine Knechtschaft! Keine Verzicht!

Freie Menschen laßt uns werden!

Freut euch der Freiheit und fürchtet sie nicht!

 

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,

Der täglich sie erobern muß.

 

Freien Sinns das Glück erschauend,

Aussichten wie nie zuvor,

Und der eignen Kraft vertrauend,

Steigt ein frei Geschlecht empor.

Freiheit ist das Brot des Geistes,

Freiheit schenkt der Seele Licht,

Jede Tyrannei beweist es:

Freut euch der Freiheit und fürchtet sie nicht!