A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Schlagwort-Archiv: Knittelvers

Serapion an Mephisto

 

 

Anfrage mit Antwort:

 

Quand je m’y suis mis quelquefois, à considérer les diverses agitations des hommes, et les périls et les peines où ils s’exposent, dans la cour, dans la guerre, d’où naissent tant de querelles, de passions, d’entreprises hardies et souvent mauvaises, j’ai découvert que tout le malheur des hommes vient d’une seule chose qui est de ne pas savoir en repos dans une chambre. -Pascal. Pensées

 

Warum geht es uns Menschen schlecht?

Was glitzert, halten wir für echt!

Wir sind zu dumm zum Unterscheiden

Und wundern uns, wieso wir leiden.

 

Warum geht es uns Menschen schlecht?

Weil es sich immer wieder rächt,

Wie wir die Wahrheit drehen und drechseln

Und groß und viel mit gut verwechseln.

 

Warum geht es uns Menschen schlecht?

Die Welt erscheint uns ungerecht.

Wir drängeln uns, was zu erwerben,

Zum Tantenschlachten, um zu erben.

 

Warum geht es uns Menschen schlecht?

Wir mausern uns vom Gott zum Knecht.

Statt quietschvergnügt in der Stube zu sitzen,

Bringen wir lieber den Arsch ins Schwitzen.

Serapion an Mephisto

Erhaben harrte die Karyatide, da juckte sie eine Hämorrhoide. Wie Hämorrhoiden eben jucken: Es hilft kein bloßes Achselzucken… Da hat sie alles hingeschmissen, das schöne Weib ist ausgerissen. Die andern konnten nichts mehr halten, wodurch die Balken herunterknallten. Seit tausenden Jahren dem Augenscheine, dem bieten sich nur noch Ruinensteine. Und Architekten, Archäologen, Assyriologen und Seismologen und Köpfe historischer Akademien entwerfen akribisch die Theorien, weshalb nun herabfiel der ganze Krempel und einst zerstörte den heiligen Tempel.

Serapion an Mephisto

 

Glückliche Zeiten

 

Welch Glück, es gibt keine Traurigkeit mehr!

Im betonierten Kreuz und Quer,

Da findest du nirgendwo Traurigkeit mehr,

Ist jede Traurigkeit verschwunden!

Nur selten noch wird Wut empfunden,

Doch kaum gerät ein Fall akuter.

Die andern sind häppi und spielen Kompjuter!

 

Mephisto an Bellarmin

Stimmt! Und mein Backpoint hat jetzt auch sonntags open, und Rosita, meine Zahnärztin, macht neuerdings bleaching! Ich bleache, du bleachst, sie bleacht. Kannst du bleachen Rosita?

„Gewiß kann ich das!“

Bleache weiter Rosita, denn bleachen macht Spaß! Apropos Ärzte:

 

 

Ballade vom kleinen Finger

 

Da war mal mein Kollege Klaus,

Der lachte Miesepeter aus,

In Winterkälte, Sommerhitze,

Der scherzte gern und riß auch Witze.

Bis eines Tags zur Frühstückspause

Er mit sich schleppte von zu Hause,

Und tat mir sie sogleich empfehlen,

Die handelsüblichen Makrelen

In dünnwandiger Blechkonserve.

Die öffnete er voller Verve,

Gefolgt von einen spitzen Schrei.

Ich dachte mir zunächst dabei,

r hätte sich mit was bespritzt.

In Wahrheit, da war angeritzt

Sein kleinster Finger der linken Hand.

Der Klaus kam außer Rand und Band!

Dies wunderte uns alle sehr,

Denn jene Wunde wog nicht schwer,

Daß er, der lustvoll spaßte immer,

Mit leidiger Miene und leisem Gewimmer

Und derart erstaunlich sensitiv

In das Gesundheitswesen lief.

 

Was soll ich noch sagen, Klaus lachte nicht weiter,

ie Binde wurde täglich breiter,

Zu allem Übel kam das Pech.

Erst redeten die Ärzte Blech

Und mochten beim besten Willen nichts finden.

Doch sahn sie seine Kräfte schwinden

Und haben diagnostiziert,

An Fachärzte ihn delegiert,

Ihn endlich dann wohl falsch behandelt

Und besagten Kollegen merklich verschandelt:

Klaus mußte zum Schluß in die Klinik marschieren,

Den kleinen Finger zu amputieren!

 

Das war zwar schade, aber ohne den Finger,

Da kann man noch immer genießen die Dinger,

Und schließlich geht das Leben ja weiter!

Doch unser Kollege ward nicht wieder heiter,

Malheurgeplagt, gewissermaßen,

Durchirrte er farblos die traurigen Straßen,

Gesenkten Hauptes, sein Hut hing schief,

Er hörte wenig, wenn man ihn rief,

In Schuhen lief er mit offenen Senkeln,

Er schickte sich an beständig zu kränkeln

Und mußte mit Drüsen und Membranen

Nebst manchen inneren Organen

Mitunter wieder ins Krankenhaus.

Wir brachten ihm ständig einen Strauß

Und fragten ihn lächelnd, als wenn nichts wär,

Ob’s besser nun ginge sanitär.

Zuletzt, auf einem Korridor,

Stand Klaus mit krankem Mittelohr,

Als zufällig wir uns nochmals trafen,

Er wirkte irgendwie verschlafen,

Sprach kaum einen Satz und befremdete mich –

Drauf ist er verstorben, ganz jämmerlich…

 

 

An seinem kleinen Finger!