A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

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7.4.17 Serapion an Mephisto

 

Deshalb haben wir auf nichts mehr zu achten, als daß wir nicht nach Art des Viehes der Schar der Vorangehenden folgen! Fortwandernd nicht, wohin man gehen sollte, sondern weil von andern wohin gegangen wird…

Denn nichts verwickelt uns in größere Übel, als daß wir uns nach dem Gerede der Leute richten!

Indem wir das für das Beste halten, was mit großer Zustimmung angenommen ist und wovon wir viele Beispiele haben. So daß wir statt nach Vernunftgründen, nach Beispielen leben. Daher rührt nämlich jene gewaltige Zusammenhäufung von Leuten, die einer über den andern hinfallen. Was eben bei einem großen Menschengedränge passiert, wo das Volk sich selbst drückt: Da fällt niemand, ohne noch einen andern sich nachzuziehen, und die Vordersten werden den Folgenden verderblich!

Dieses kannst du im ganzen Leben sich ereignen sehen: Niemand irrt nur für sich allein, sondern er ist auch Grund und Urheber fremden Irrtums.

Darum es ist schädlich, sich den Vorangehenden anzuschließen.

Und während ein jeder lieber glauben, als nachdenken will, so wird über das Leben nie nachgedacht. Denn immer glaubt man nur andern. Und ein von Hand zu Hand fortgepflanzter Irrtum lenkt uns und stürzt uns in’s Verderben.

Durch fremde Beispiele gehen wir zu Grunde.

Wir werden geheilt werden, sobald wir uns nur vom großen Haufen absondern!

Denn der Volkshaufe, der Verteidiger seines eigenen Verderbens, steht der Vernunft feindlich gegenüber.

Und so geht es denn zu, wenn sich die wandelbare Volksgunst gedreht hat, wie in den Wahlversammlungen, wo sich dieselben Leute, die ihn selbst dazu gemacht haben, darüber verwundern, daß einer Prätor geworden!

Eben dasselbe billigen, eben dasselbe tadeln wir: das ist der Ausgang eines jeden Gerichtes, bei dem nach der Mehrzahl entschieden wird.

Wenn es sich um Fragen nach einem glückseliges Leben handelt, darfst du mir also nicht mit jener Äußerung bei Senatsabstimmungen antworten: »Dieser Teil scheint der größere zu sein«….

Denn eben deshalb ist er der Schlimmere!

Es steht mit der Sache der Menschheit leider nicht so gut, daß das Bessere der Mehrzahl gefalle: Ein großer Haufe ist ein Beweis vom Schlechtesten.

Laß uns daher fragen, nicht was am gewöhnlichsten geschehe, sondern was am Besten zu tun sei und was uns in den Besitz eines ewigen Glücks setze. Und nicht was dem großen Haufen, dem schlechtesten Dolmetscher der Wahrheit, genehm sei.

 

Lucius Annaeus Seneca (etwa 4 v. Chr. – 65 n. Chr.) in seiner De vita beata, welchen Teil ich Dir für den heutigen Tag mit dem Ziel einer augenfälligeren Lesbarkeit syntaktisch etwas aufbereitete. Für den heutigen Tag und immer darüber hinaus: denn es ist wichtig.

 

24.3.17 Serapion an Mephisto

 

CHOPIN

 

Nicht sehr ergiebig im Gespräch,

Ansichten waren nicht seine Stärke,

Ansichten reden drum herum,

wenn Delacroix Theorien entwickelte,

wurde er unruhig, er seinerseits konnte

die Notturnos nicht begründen.

 

Schwacher Liebhaber;

Schatten in Nohant,

wo George Sands Kinder

keine erzieherischen Ratschläge

von ihm annahmen.

 

Brustkrank in jener Form

mit Blutungen und Narbenbildung,

die sich lange hinzieht;

stiller Tod

im Gegensatz zu einem

mit Schmerzparoxysmen

oder durch Gewehrsalven:

man rückte den Flügel (Erard) an die Tür

und Delphine Potocka

sang ihm in der letzten Stunde

ein Veilchenlied.

 

Nach England reiste er mit drei Flügeln:

Pleyel, Erard, Broadwood,

spielte für zwanzig Guineen abends

eine Viertelstunde

bei Rothschilds, Wellingtons, im Strafford House

und vor zahllosen Hosenbändern;

verdunkelt von Müdigkeit und Todesnähe

kehrte er heim

auf den Square d’Orléans.

 

Dann verbrennt er seine Skizzen

und Manuskripte,

nur keine Restbestände, Fragmente, Notizen,

diese verräterischen Einblicke –

sagte zum Schluß:

„Meine Versuche sind nach Maßgabe dessen vollendet,

was mir zu erreichen möglich war.“

 

Spielen sollte jeder Finger

mit der seinem Bau entsprechenden Kraft,

der vierte ist der schwächste

(nur siamesisch zum Mittelfinger).

Wenn er begann, lagen sie

auf e, fis, gis, h, c.

 

Wer je bestimmte Präludien

von ihm hörte,

sei es in Landhäusern oder

in einem Höhengelände

oder aus offenen Terrassentüren

beispielsweise aus einem Sanatorium,

wird es schwer vergessen.

 

Nie eine Oper komponiert,

keine Symphonie,

nur diese tragischen Progressionen

aus artistischer Überzeugung

und mit einer kleinen Hand.

 

 

Gottfried Benn (1886 – 1956)

 

17.3.17 Serapion an Mephisto

 

Die Türken vor Rotterdam! Prinz Eugens, pardon, Premier Ruttes glänzender Sieg über die Türken!

Sieg! Sieg! Sieg! Wir leben in glorreichen Zeiten!

Doch die Situation allerdings war entstanden als Ergebnis einer bisherigen, einer jahre-, einer jahrzehntelangen Politik. Und gratis hinzu kommen noch einige andere unbeachtete Merkwürdigkeiten…

Da hat in den Niederlanden die Regierungspartei fast ein Fünftel ihrer früheren Wähler verloren. Nämlich mehr als 19 Prozent!

Und feiert das als Sieg…

Da hat der Koalitionspartner, da haben die Sozialdemokraten, mehr als Dreiviertel der früheren Wähler verloren.

77 Prozent!

Und alle, einschließlich der deutschen Sozialdemokraten, jubilieren…

Und die Medien, die Presse, das Fernsehen, der Hörfunk, statt das zu erörtern und kritisch zu durchleuchten oder wenigstens objektiv darzustellen, lassen dies alles unter den Tisch fallen und jubeln klaglos mit. Mit den Politikern.

Alles liegt sich in den Armen und jauchzt.

Was für eine Angst hatte man in den Hosen!

Vor demjenigen, der die Wahlkampfthematik vorgab und bestimmte! Und dessen Partei aufgrund ihrer Zugewinne jetzt zweitstärkste Kraft wurde im Lande!

In Worten: Zweitstärkste!

Und die mit großer Wahrscheinlichkeit nur deshalb als stärkste Partei verhindert wurde, weil eben Held Rutte als Retter des Abendlandes die Türken vor Belgrad, nein, vor Wien, nein, vor Rotterdam buchstäblich im letzten Moment zurückschlug.

Und teilweise die Rhetorik Wilders übernahm.

Gerettet!

Gerettet?

Es gibt keine europäische Außenpolitik.

Selbst angesichts der offenkundigen Ungeheuerlichkeit türkischer Anmaßungen, Drohungen, niveaulosester Beschimpfungen, Erpressungsversuche, widerlichster völkerverhetzender Verleumdungen und Souveränitätsverletzungen brachte es die sogenannte Europäische Union noch nicht einmal zu einem einheitlichen außenpolitischen Schulterschluß und zu einer klaren solidarischen Zurückweisung.

Und so gleicht dieser Sieg einem Pyrrhussieg. Und der Freudentaumel einem Tanz auf dem Vulkan.

Es gibt keine Europäische Union.

 

Die Wirklichkeit hat die Angewohnheit zurückzubeißen.

(Barack Obama)

 

27.1.17 Mephisto an Serapion

 

Narzißmus

„Eine narzißtische Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch Großartigkeit in der Selbsteinschätzung, Mangel an Einfühlungsvermögen sowie Überempfindlichkeit gegenüber Fremdeinschätzung.“

Dorothea Lüddeckens

 

20.1.17 Serapion an Mephisto

 

Amtseinführung

 

NASA und NOAA (die Ozeanografie- und Wetterbehörde der USA) erklärten das vorige Jahr zum wärmsten, seit 1880 gemessen wurde, und gleichzeitig ist es hintereinander bereits das dritte Rekordjahr. Die Kurve tendiert nach oben, und zu 2015 beträgt der Anstieg, also in nur einem Jahr, sieben Hundertstel Grad!

Weltweit übertraf damit 2016 die Temperatur erheblich die des Durchschnitts über das gesamte vorige Jahrhundert, nämlich um 0,94 Grad!

In Deutschland fallen von den zehn heißesten Jahren seit 1880 acht in die ersten 16 Jahre des jetzigen Jahrhunderts.

Die Kurve tendiert mithin nach oben.

Aber ein weltbürgerliches Gebaren ist nirgends in Sicht.

Die Menschheit in ihrer chaotischen Verfaßtheit, ohne weltweite Durchsetzungsmacht, wird das an sich schon verzweifelte Zwei-Grad-Ziel nicht erreichen.

Und wenn wir das ja ebenfallsige Katastrophenszenario der planetaren Anstiegstemperatur um „lediglich“ zwei Grad durch ein Wunder oder eine vielleicht zeitverschiebende Idiotie, wie beispielsweise die unterirdische Einlagerung von Treibhausgasen, entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch erreichten, wäre der riesige Tanker keineswegs gestoppt.

Wir müßten, der Größe der Aufgabe angemessen, jetzt bereits in unseren Überlegungen soweit gedeihen, strategische Entscheidungen dahingehend treffen zu können, ob wir die für das Überleben unserer dann dezimierten Gattung rettenden Wohnplätze besser unterirdisch oder unterseeisch anlegen.

Denn es wird heiß werden auf unserem Planeten.

 

„Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr müßt sagen, ihr seid dabei gewesen.“

Johann Wolfgang von Goethe (1792) in einem Wort geändert

 

6.1.17 Mephisto an Serapion

 

Lob des Generalverdachts und Vorurteils

Entgegen dem von gegenwärtigen Dummlingen gepflegten pejorativen Sinn des Begriffs können Vorurteile etwas sehr Nützliches sein. In vielen kristallisieren sich die über Jahrhunderte gewachsenen Weisheiten der Völker. Und mit diesem Grund hatte man einst Vorurteile gesammelt. Überall in aller Herren Länder. So natürlich auch in Deutschland, als es noch im Ruf eines Landes der Dichter und Denker glänzte.

Also in Zeiten vor der politischen Korrektur.

Und zwar hat man Vorurteile gesammelt aus dem einfachen Grund, weil sie damals als Schatz galten. Ganze Sprichwortsammlungen sind voll davon. Bündeln sie doch die Erfahrungen von Generationen!

Wie etwa:

„Kaffee und Liebe sind am besten heiß genossen.“ (Spanisches Sprichwort)

Oder:

„Groß ist das heilige russische Land, aber die Wahrheit hat nirgends Platz.“ (Russisches Sprichwort)

Natürlich setzt der Gebrauch von Vorurteilen, wie der jeder Weisheit, selbständig denkfähige Menschen voraus. Die soll es aber sogar heute noch geben. Ebenso wie dumme. Wenngleich das Wort „dumm“ politisch korrigiert ersetzt wurde durch „bildungsfern“.

Da fällt mir plötzlich Simone Peter ein, die Frontfrau der Grünen. Gegen die ich, seit meiner ersten Wahrnehmung ihrer Person, einige Vorurteile hege. So halte ich sie beispielsweise für denkfern. Welches Vorurteil sich mit jeder jener Wahrnehmungen, also ausnahmslos, quasi im Nachurteil noch verstärkte. Was mich bisher stets in die Lage versetzte, Intention und Sinn ihrer Äußerungen schon im voraus zu wissen: Immer anti, immer unsachlich.

Nämlich immer ideologisch beschränkt.

Und Böses unterstellend, wie als wäre die arme Frau geplagt von Vorurteil und Generalverdacht:

Staat und Regierung führen immer Böses im Schilde!

Beispiel: Staat, Regierung, Behörden und Polizei wollten Bürger knechten durch „totalitären Überwachungsstaat“!

Aktuell durch Videoüberwachung!

Vor zwanzig Jahren hieß das noch (und von den Medien tatsächlich vollkommen kritiklos als Begriff übernommen): „Großer Lauschangriff“!

Und vor dreißig Jahren sahen die Grünen den „totalitären Überwachungsstaat“ herbeigeführt infolge der Volkszählung…

Wie bei der linken Frontfrau Sahra Wagenknecht der Begriff „Neoliberalismus“ dient der verbiesterten grünen Frontfrau Simone Peter der „Überwachungsstaat“ als Haßwort.

Vielleicht sollte man eher von Hetzwort sprechen.

Wobei das billige Niveau peterscher Einwände, etwa gegen Videoüberwachung, belegt ist durch die rhetorisch unseriösen, aber für Demagogen typischen Muster, nichtbehauptete Behauptungen zu widerlegen:

„Wer behauptet, durch Videoüberwachung ließe sich totale Sicherheit herstellen…“

Oder

„Wer behauptet, durch Videoüberwachung ließen sich potentielle Täter abschrecken…“

Ohne auch nur ein einziges Mal jenen vorgeblichen Behaupter namhaft anführen zu können.

Ende dieses Beispiels.

Letzten Montag setzte sie eins drauf.

Es ging um die Kölner Silvesternacht Nummer 2. Über die der Deutschlandfunk am Neujahrstag vermeldete:

Die Beamten hätten rund 650 Nordafrikaner schon bei der Fahrt in die Kölner Innenstadt an Bahnhöfen gestoppt, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Bei den überwiegend jungen Männer sei eine „Grundaggressivität“ festgestellt worden, es sei mit Straftaten zu rechnen gewesen. Die Personalien seien überprüft und Platzverweise erteilt worden.

Die Polizei war zunächst mit 1.500 Beamten im Einsatz, forderte angesichts des großen Zulaufs junger Männer jedoch noch einmal Verstärkung an. Am Ende waren 1.700 Polizisten im Einsatz. Die Polizei sprach 190 Platzverweise aus und nahm 92 Personen in Gewahrsam. 27 Personen wurden vorläufig festgenommen. Es wurden zehn Sexualdelikte angezeigt.

Wie vorhersehbar regte Simone Peter sich wieder auf über die Polizei: „Wenn insgesamt knapp 1000 Personen alleine aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt wurden“ stelle sich die Frage nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit. „Völlig inakzeptabel ist der Gebrauch von herabwürdigenden Gruppenbezeichnungen wie ‚Nafris‘ für Nordafrikaner durch staatliche Organe wie die Polizei.“

Zunächst beachten wir die gezielte Ungenauigkeit, also demagogische Verfälschung, pardon, die Fake News, also auf Deutsch „die Lüge“, die Polizei verwende für Nordafrikaner den Begriff „Nafri“. Die Abkürzung steht nicht für Nordafrikaner, sondern es handelt sich um ein Kürzel für „Nordafrikanische Intensivtäter“, demnach für kriminelle Nordafrikaner. Der Polizei dienen solche Kürzel bei ihren Einsätzen zur internen Kommunikationserleichterung und zur schützenden Verschleierung. Etwa gegenüber unbefugten Mithörern des Polizeifunks. Ähnlich wie „BAP“ für „Besonders auffällige Person“, „BTMK“ für „Betäubungsmittelkonsument“, „EXI“ für Exhibitionist, „GTS“ für „Gewalttäter Sport“ (Hooligan), „GGP“ für „Geistesgestörte Person“, „HiloPe“ für „Hilflose Person“, „HwG“ für „Häufig wechselnde Geschlechtspartner“ (Prostituierte), „KIPO“ für „Kinderpornograf“, „Maghreb“ für „Nordafrikaner“ (im besonderen Tunesier, Algerier, Marokkaner), „OfW“ für „Person ohne festen Wohnsitz“, „Rubu“ für „Rumäne oder Bulgare“ oder „UMA“ für „Unbegleiteter minderjähriger Asylbewerber“.

Ich würde der Polizei die Anwendung ihrer Erfahrungen nicht verbieten. Insbesondere nicht die Anwendung aristotelischer Logik und Schlußweise.

Und schon gar nicht jeden darauf begründeten, vielleicht lebenrettenden, Generalverdacht!

Laut FAZ äußerte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Burkhard Lischka, der Begriff tauge nicht für eine tagelange Empörung. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel meinte, die Polizei habe mit dem Kürzel nichts anderes getan, als die Realität zu beschreiben. Und der Vorwurf, der erfolgreiche Einsatz zur Verhinderung von Gewalt, Diebstahl und sexuellen Übergriffen sei mit einem „racial profiling“ verbunden gewesen, sei „eine absurde und geradezu verrückte Debatte. Was soll die Polizei eigentlich anderes machen, als exakt diese Gruppe von Nordafrikanern abzufangen und nicht in die Kölner Innenstadt zu lassen?“

Johannes Dimroth, Sprecher des Innenministeriums bestätigte, daß am Silvesterabend in Zügen Richtung Köln „hochaggressive“ Gruppen unterwegs gewesen und dann in Köln kontrolliert und festgehalten worden seien. Der Polizeipräsident Kölns erklärte, wenn die Polizei diese Männer nicht überprüft hätte, wäre es wieder zu ähnlichen Zuständen wie in der vorigen Silvesternacht gekommen.

In der NEUEn ZÜRCHER ZEITUNG vom Mittwoch stand zu lesen:

Dass sich die Polizisten vor allem auf Nordafrikaner konzentriert haben, war begründet. Nach der Silvesternacht 2015 hatte die Polizei ein Profil von möglichen Delinquenten, das nicht allein auf ethnischen Merkmalen beruhte. Die nun Überprüften haben sich ähnlich verhalten wie die mutmaßlichen Täter vom vergangenen Jahr. Sie waren aggressiv und zum Teil betrunken. Nicht auszudenken, wenn die Situation noch einmal außer Kontrolle geraten wäre. Aus vermeintlich politischer Korrektheit nun einfach alle Feiernden zu überprüfen, wäre zudem aus Ressourcengründen nicht zu leisten gewesen.

Wobei das Wort „vermeintlich“ natürlich aus „politischer Korrektheit“ hier steht und also gestrichen gehört, so daß die einfache Wahrheit lautet:

„Aus politischer Korrektheit nun einfach alle Feiernden zu überprüfen, wäre zudem aus Ressourcengründen nicht zu leisten gewesen.“

 

30.12.16 Mephisto an Serapion

 

Berceuse Des-Dur op. 57 von Frederic Chopin

 

Die Kunst entrückt uns

Aus der Welt

Der Notdurft,

Aus der Nacht

Der geschäftlichen Ab-

Schnitte,

Aus der seelenlosen Organisiertheit

Und aus der organisierten Seelenlosigkeit.

Sie berührt uns

Endlich unendlich

An unserem Gefühl,

Unserer Wahrheit,

Sie versetzt uns in Stimmungen,

In denen wir uns erinnern können.

 

Wir müssen uns umstellen,

Sonst bleiben wir

Umstellt

Von karierten Papieren,

Von der Uhrzeit, von der Unzeit,

Von der Unzucht und von der Zucht –

Mein flamingones Sein,

Mein Tanz!

 

Ich werde mein Leben ändern!

 

23.12.16 Serapion an Mephisto

 

Weihnachts-Hymne

 

Zweitausend Jahre sind es fast,

seit Du die Welt verlassen hast,

Du Opferlamm des Lebens!

Du gabst den Armen einen Gott.

Du littest durch die Reichen Spott

und tatest es vergebens.

 

Du sahst Gewalt und Polizei.

Du wolltest alle Menschen frei

und Frieden auf der Erde.

Du wußtest, wie das Elend tut,

und wolltest alle Menschen gut,

damit es schöner werde.

 

Du warst ein Revolutionär

und machtest Dir das Leben schwer

mit Schiebern und Gelehrten.

Du hast die Freiheit stets beschützt

und doch den Menschen nichts genützt.

Du kamst an die Verkehrten!

 

Du kämpftest tapfer gegen sie

und gegen Staat und Industrie

und die gesamte Meute.

Bis man an Dir, weil nichts verfing,

Justizmord, kurzerhand, beging.

Es war genau wie heute …

 

Die Menschen wurden nicht gescheit.

Am wenigsten die Christenheit,

trotz allem Händefalten.

Du hattest sie vergeblich lieb.

Du starbst umsonst. Und alles blieb

beim Alten.

 

 

Erich Kästner (24. Dezember 1928)

 

 

Lieber! was wäre das Leben ohne Hoffnung? Ein Funke, der aus der Kohle springt und verlischt, und wie man bei trüber Jahrszeit einen Windstoß hört, der einen Augenblick saust und dann verhallt, so wär es mit uns?

Auch die Schwalbe sucht ein freundlicher Land im Winter, es läuft das Wild umher in der Hitze des Tags und seine Augen suchen den Quell. Wer sagt dem Kinde, daß die Mutter ihre Brust ihm nicht versage? Und siehe! es suchet sie doch.

Es lebte nichts, wenn es nicht hoffte.

 

Friedrich Hölderlin (1797)

 

16.12.16 Mephisto an Serapion

 

Gewiß, gewiß, da ist in zweiter Generation Assad, da ist die Opposition gegen den Schlächter, da ist Rußland, da ist der Iran, da ist Saudi Arabien, da ist Hisbollah, da ist Islamischer Staat, da ist Al Qaida, da sind Sunniten, da sind Schiiten, da sind Afghanen… Da suhlt sich Gesindel aus allen vier Ecken des Orients im Blut von Aleppo. Diese traurigen Helden der Unintelligenz mit ihrem primitiven Haß.

Schmarotzend von der Technik der Ungläubigen.

Und die Front verlaufe zwischen sogenannten Rebellen und dem grausamen Assad-Regime.

Da stinken alle Seiten!

Seit Wochen, ja Monaten habe Ost-Aleppo weder Proviant noch Medikamente.

Aber nicht einmal vernahm ich die geringste Klage über einen Mangel an Munition!

Da reist geschniegelt und gebügelt in Krawatte und Kragen plötzlich der Bürgermeister des belagerten Ost-Aleppo, auf welchen Wegen auch immer, von Aleppo nach Brüssel, statt zu sein in Aleppo, wo er in jenem entscheidenden Augenblick hingehört! Um während der von den vertrauensunwürdigen Russen gesteuerten sogenannten Evakuierung, unter Ausschluß von UN-Beobachtern versteht sich, an der Seite seiner Bevölkerung zu weilen!

Um stattdessen, man reibe sich Augen und Ohren, um stattdessen anklagend zu verkünden: Die internationale Gemeinschaft hätte versagt!

Sprich: Der Westen und die Amerikaner und die Juden hätten schuld. Richtig, von Juden war diesmal nicht die Rede. Kommt aber sicher noch.

Als gäbe es für ihn in diesem Moment nichts Wichtigeres auf der Welt!

Und, natürlich, die Europäer klopfen sich schuldbewußt auf die Schultern!

Wahrscheinlich wird man sich demnächst in Sack und Asche verpflichten, das von den Mohammedanern Zerstörte in christlicher Nächstenliebe wieder aufzubauen…

Obama wird beschimpft, daß die USA nicht eingegriffen haben. O Barack, es war vielleicht tatsächlich ein Fehler, aber ich versteh Dich und Deinen Ekel!

Dieses widerliche, arbeitsscheue Gesindel!

Mit diesen Leuten ist kein Staat zu machen!

Es ist kein Heldentum, einen aussichtslosen Kampf in einer eingekesselten Stadt zu führen, in der zehntausende Zivilisten dahinsiechen müssen! Sondern Heldentum ist es, sich seinem Todfeind zu ergeben. Um die Kinder zu retten.

Wahrscheinlich bin ich nicht normal. Ich habe mich immer gewundert seit den PLO-Flugzeugentführungszeiten des Friedensnobelpreisträgers Arafat, warum es, wenn schon die Imame des sogenannten friedlichen Islam schweigen, warum es nirgendwo anders eine Stimme gab und gibt, die den Mohammedanern sagt und es laut und immer wieder deutlich ausspricht, daß jegliche Geiselnahme und das Abschlachten wehrloser Frauen und Kinder weder Kampf ist noch Heldentum bedeutet!

Sondern feigste Unmenschlichkeit!

Und daß diese Typen keine Märtyrer sind. Sondern feige Mörder!

Apropos feige Mörder:

 

Putin ist ein Betrüger, ein Mörder und ein KGB-Agent.“

US-Senator John McCain

 

11.11.16 Mephisto an Serapion

 

Ich weiß, Du brauchst das! Denn Leonard Cohen ist tot, und Du bist traurig… Inspiriert aus der Freude über das uralte, aber heute noch verzaubernde Kinderbilderbuch „Martine à la foire“ von Gilbert Delahaye und Marcel Marlier habe ich ein bißchen französische Prosa verwandelt in deutsche Verse und schicke sie Dir heute zu Deiner Aufheiterung und Ermutigung und zur Erhellung des traurigen Monats November.

 

 

Das Photo

 

Nur einmal im Jahr auf dem Marktplatz

Ist Jahrmarkt in der Stadt.

Die Laster kommen, Vorsicht!

Die roll’n sonst alles platt!

 

Sind vollgeladen mit Wundern,

Maschinen aller Art,

Flugzeuge, Autos, Schaukeln,

Die werden angekarrt.

 

Und endlich ist es Sonntag,

Der schönste Tag im Jahr,

Da schlendern auf den Rummel

In muntrer Dreierschar

 

Jocelyne und Jeannot, ihr Bruder,

Und Patapouf, der Hund,

Sie staunen und sie freu’n sich,

Was ist die Welt heut bunt!

 

Das Karussell dreht Kreise,

Man reitet auf dem Pferd,

Das Pferd geht hoch und runter,

Wie es das Herz begehrt.

 

Die Pferdchen hier sind Schimmel

Und ihr Geschirr glänzt neu,

Jocelyne und Jeannot reiten

Und rufen Hü und Hoy.

 

Dazwischen flitzen Schweinchen

Mit stolzem Ringelschwanz,

Die woll’n die Entlein fangen,

Doch schaffen sie’s nicht ganz.

 

Wart ihr schon auf der Schaukel?

Leicht wie ein Schmetterling

Fühlt sich Jocelyne im Schwunge,

Wenn aufwärts steigt das Ding.

 

Doch Patapouf beim Schaukeln,

Der fühlt sich wie im Suff,

Kriegt Angst davonzufliegen,

Der arme Patapouf!

 

Und jedermann muß lachen

Im Spiegelkabinett,

Wo Kinder nichts bezahlen,

Ist das nicht wirklich nett?

 

Der Patapouf im Spiegel

Ist dick wie ein Ballon.

Man meint, er werde platzen

Im Spiegelpavillon.

 

Und dann Monsieur Roberto,

Der zaubert resolut

Drei kleine weiße Mäuse

Aus dem Zylinderhut.

 

„Ja, treten Sie nur näher

Dem Schauspiel aufmerksam,

Sie brauchen nichts zu fürchten,

Die Mäuschen sind ganz zahm!

 

Doch Mademoiselle, o bitte,

Halten Sie fest den Hund!

Gewiß ist seine Schnauze

Für Mäuse ungesund.“

 

Danach entlang der Buden

Spazieren alle drei.

Oho! Was riecht das lecker

Nach Zuckerbäckerei!

 

Hier bäckt die Apfelkuchen

Monsieur Montélimar,

Er röstet süße Mandeln,

Die schmecken jedes Jahr.

 

„Mögen Sie Nougat kaufen,

Nougat Montélimar?

Er ist besonders köstlich

In meinem Repertoire!“

 

„Geben Sie mir vom Kuchen“,

Antwortet ihm Jocelyne,

„Und auch die Zuckerwatte

Trägt meine Sympathien!“

 

„Kennen Sie schon das Wurfspiel,

Mademoiselle Jocelyne?“

Fragt man ein wenig später,

Als die drei weiterziehn.

 

„Sie kriegen hier sechs Bälle

Aus meinem runden Topf,

Die werfen Sie den Figuren

An ihren Wackelkopf.

 

Da, für den Clown den einen,

Den andern für Pierrot,

Am Kopf, da müssen Sie treffen,

Und nicht am Paletot!“

 

„Mein Freund, Sie wollen schießen

Mit einem Schießgewehr?“

Dies fragt Jeannot der Cowboy.

„Das Zielen ist nicht schwer!

 

Sie können Glasvögel schießen,

Und dort den hüpfenden Ball,

Und selbst die Meerschaumpfeifen

Mit Piff und Paff und Knall.

 

Hier ist mein Karabiner,

Sie zielen … eins, zwei, drei,

Hurra, Sie haben geswonnen,

Der Schuß sitzt einwandfrei!“

 

Was fährt es sich schön mit dem Auto!

Jocelyne tritt ins Pedal,

Jocelyne dreht auch am Lenkrad,

Schon fährt’s sich ganz normal!

 

„Bau bitte keinen Unfall!“

„Was fahren wir wie schnell?“

„Der Zähler zeigt zehn Kilometer

Und fünf Liter Sprit aktuell.“

 

Noch nie sind im Flugzeug geflogen

Jocelyne und ihr tapferer Hund,

Doch leicht fliegt man auf dem Jahrmarkt

Hoch über dem Erdenrund!

 

Und wär‘ er ein Junge gewesen,

Wär Patapouf Pilot

Im späteren Leben geworden.

Dann flög‘ er ins Abendrot

 

Und bis zu den Sternen dort oben

Und über den Ozean

Und weiter noch und weiter,

Wohl rund um den Meridian

 

Hätt‘ er versucht zu entdecken

Am ganzen Himmelsgebiet,

Wo sich die Sterne verstecken,

Wenn keiner sie mehr sieht.

 

„Jocelyne, hier können Sie kaufen

Ein Los meiner Lotterie.“

Das Rad beginnt sich zu drehen,

Die Losnummer acht hat sie…

 

Und hat sie was gewonnen?

Sogar das Paradestück,

Den großen Elefanten,

Jocelyne, die hat heut Glück!

 

Doch das ist ihr widerfahren

Dann in der Menagerie:

Sie kam mit einer Banane,

Die reichte dem Affen sie,

 

Und der hat fortgerissen

Jocelynes roten Hut,

Den stülpt er sich auf den Schädel

Aus Lust und Übermut.

 

Was ist der kleine Affe

Nicht drollig anzuschaun!

Man sagt, daß ihn dressierte

Dereinst ein Zirkusclown.

 

Es steht auf diesem Rummel,

Dies Jahr sensationell,

Mit Autobus und Panzer

Ein neues Karussell.

 

Mit all diesen Vehikeln

Mag fahren, wer da fahr,

Die Scooter aber sind herrlich,

Sind schön und wunderbar!

 

Es ist Jocelyne, die steuert,

Jeannot sitzt hinter ihr,

Und Patapouf, wo ist er?

Wo steckt das Hundetier?

 

„Der Patapouf, da sitzt er,

Hast du denn nicht gesehn

Am Lenker des zweiten Scooters

Ihn lächeln souverän!?“

 

Dann lauscht man Musikanten

Am städtischen Pavillon,

Bis plötzlich eine Frau fragt:

„Wer will einen Luftballon?“

 

„Ich!“ ruft Jocelyne vor Freude.

„Und welchen wünschen Sie?“

„Den roten, den blauen, den grünen!“

„Hier Mademoiselle!“ „Merci.“

 

„Doch geben Sie gut Obacht,

Und kriegen Sie keinen Schreck,

Weil die Ballons so leicht sind –

Sonst fliegen Sie Ihnen weg!“

 

Daneben war zu sehen

Wie voller Nonchalance

Jeannot hat angebunden

Dem Hund an seinen Schwanz

 

Von den Ballons den dicksten,

Und Patapouf, leger,

Freut sich nun auf den Heimweg:

Sein Schwanz wiegt halb so schwer!

 

Bevor sie den Jahrmarkt verlassen

Will man eine Photographie,

Weshalb der Photograph sagt:

„Herrschaften! Lächeln Sie!

 

„Und meine Damen und Herren,

Ich bitte Sie ebenso sehr,

Selbst wenn es Sie wo juckte,

Wackeln Sie jetzt nicht mehr!

 

Und Patapouf besonders

Bitt‘ ich zu dieser Stund‘

Samt Ihrem Ballon am Schwanze:

Sein Sie ein vornehmer Hund!“

 

Da ist das Photo schon fertig

Beim ersten Sternenschein,

Es wird in kommenden Zeiten

Ein kostbares Andenken sein…