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Thalatta ! Thalatta !

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Der Niedergang des menschlichen Intelligenzquotienten an einem typisch deutschen Beispiel

 

29. Juli 2018: Bellarmin an Mephisto

 

Wie Du weißt, kann der Intelligenzquotient die Fähigkeit zum logischen Denken, zum Schlußfolgern, zur Verarbeitung und angemessenen Bewertung der uns zufließenden Informationen widerspiegeln. Nun gibt es seriöse, also wissenschaftliche Studien, die zeigen messerscharf, daß der menschliche Intelligenzquotient im 20. Jahrhundert, nach einer stetigen Phase des Ansteigens, erst übergegangen ist in eine temporäre der Stagnation – und sich seither im Sinkflug befindet. Und wenngleich man beruhigend von nur ein paar Punkten der Skala spricht, fragt man sich natürlich warum.

Liegt es etwa an den Genen?

Anfänglich ging man vermutend aus von der für die Forschung anscheinend aus irgendeinem Grund völlig selbstverständlichen, aber für die politisch korrigierten Verhältnisse, beispielsweise Deutschlands, ungeheuerlichen Beobachtung, daß Menschen „niedriger Intelligenz“ (Deutschlandfunk), um Gottes Willen!, also daß Bildungsferne, daß die mehr Kinder bekämen als Bildungsnahe.

Als also die Nichtdummen.

Und sich demzufolge die Dummheit, also die Bildungsferne, stärker in den Bevölkerungen ausbreite als die Bildungsnähe.

Früher, als Vorurteile noch nicht verpönt waren, gab es den Spruch: DBDDHKPUKDKH – Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen und kein Doktor kann helfen.

Du mußt die Abkürzung so schnell sprechen wie möglich!

Doch anhand von Experimenten unter Geschwistern glaubt man jetzt hinreichend sicher bewiesen zu haben, es läge nicht an den Genen.

Was auch ich glaube.

Sondern ich glaube, man täte gut daran, das bemerkenswert unterschiedliche Einsetzen des Niedergangs des Bevölkerungs-IQ in unterschiedlichen Ländern zu untersuchen in Kohärenz mit der Durchsättigung der jeweiligen Bevölkerungen mit einem derzeitigen neuen Medium.

Hier insbesondere des Fernsehens.

Der IQ-Knick in Norwegen beispielsweise soll bestens belegt sein ab 1975.

Womit ich zu sprechen komme auf, wie heißt der Kerl, auf Mesut Özil.

Nicht daß Du denkst, ich wolle dem Mann einen Knick unterstellen. Ich habe zu wenig Ahnung, als daß ich wüßte, was es da wohl zu knicken gäbe.

Der Mesut Özil aus der deutschen National-Elf hat also „seinem Präsidenten“, dem Recep Tayyip Erdogan, mit dem hat er in inniger Verbundenheit sein Hemd gewechselt. Nein, dem hat er sein Trikot geschenkt.

In einer völlig privaten Absicht fotografiert für die Weltöffentlichkeit.

Und der Mesut Özil, über dessen Intelligenzquotienten ich mich mitnichten auslassen will, konnte ja gar nicht ahnen, welche Auswirkungen seine und seines Kollegen harmlose Privataktion mit „seinem Präsidenten“ nach sich ziehe. Was mich, wenn ich dies gutgläubigerweise für nicht ausgeschlossen hielte, sowohl auf meinen als auch auf seinen IQ zu sprechen brächte. Die Welt ist aber so groß, laß mich darum lieber über die Quotienten anderer reden.

Nämlich nachdem der besagte sechsmalige „deutsche Nationalspieler des Jahres“ nach dummer-, pardon, nach bildungsfernerweise vielleicht verabredetem unerträglich langem Schweigen über jenes private Wäschegeschenk für „seinen Präsidenten“ Erdogan, nachdem der Exnationalözil mit großem Aplomb aus der deutschen Nationalmannschaft ausgetreten ist unter Zurücklassung einer englischen Begründung, enthaltend den Brandsatz: „I’m German when we win, but I’m immigrant when we lose“ – da konnte man in unserem ehemaligen Lande der Dichter und Denker so richtig die für den IQ so wichtige Informationsverarbeitung in deutschen Hirnen studieren.

Beispielsweise unsere stete Sofortbescheidwisserin Claudia Roth. Du erinnerst Dich, die hatte sich in ihrer Partei derart unbeliebt gemacht aus irgendeinem Grund oder aus mehreren Gründen, daß sie, zur eigenen Totalüberraschung, in einer Urwahl für den Parteivorsitz mit einem desaströsen Ergebnis abgestraft worden war, so daß ihren grünen Genossinnen und grünen Genossen nichts weiter blieb, die Claudia Roth, in Brüssel war wohl alles besetzt, auf den Posten einer Bundestagsvizepräsidentin zu hieven.

Also Claudia Roth fuhr sofort ab auf Özils hingehaltenen Beißring und schlug sich dabei sofort heftigst an ihre schuldbewußte Brust.

Was für ein Rassismus in Deutschland!

Und so ging das hoch und runter beim Brustschlagen, ich meine in Deutschland: Die armen „Deutschtürken“!

Die fühlen sich fremd in unserem Land!

In vierter Generation!

Wir haben sie nicht integriert!

Was für ein Rassismus!

Und Erdogan lachte sich in seine Fäustchen: Seht, welch ein Faschismus in Deutschland!

Und seine Parteigenossen! Zum Beispiel: „Since Adolf Hitler, nothing has changed in Germany. Racism is only contemporary modernized.“

Via Twitter #WeAreWithÖzil.

Hier hätten wir übrigens ein nach meiner These neues Medium, das dem menschlichen Intelligenzquotienten den endgültigen Knick ins Bodenlose bescheren könnte.

Nur unser Außenminister, der mir schon jetzt seine drei Amtsvorgänger, die allerdings drei schlechtesten Außenminister, welche die Bundesrepublik je hatte, deutlich übertrifft nicht nur mit seiner Informationsverarbeitung inklusive ihrer angemessenen Bewertung, der Heiko Maas meinte trocken, er glaube nicht „dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland“.

Wofür er von einem anderen notorischen Bescheidwisser und zudem Parteigenossen des Heiko Maas namens Gerhard Schröder, welcher wohl gerade zurückgekehrt war von der Inaugurationsfeier seines Freundes Recep Tayyip Erdogan nach seiner rechtzeitigen Rückkehr von der Inaugurationsfeier seines Freundes Wladimir Wladimirowitsch Putin, wofür der arme Heiko Maas sofort gerügt wurde vom Bescheidwisser Schröder, Maas‘ „dumpfe Kommentare“ zu Özil seien „schlicht und einfach unerträglich“.

Ja, der Intelligenzquotient…

Da hat der Özil sie also alle übertroffen!

Keiner redet mehr darüber, worum es eigentlich geht.

Nämlich wie sein Präsident zu seinem neuen Hemde kam…

 

Freitag, 27. Juli 2018, Deutschlandfunk:

Der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau hat die Rassismus-Vorwürfe durch den zurückgetretenen Fußball-Weltmeister Özil gegen die Führungsspitze des Verbandes zurückgewiesen.

Kritik sei nicht gleich Diskriminierung oder Rassismus, sagte der aus Brasilien stammende frühere Nationalspieler der „Bild“-Zeitung. Das Erdogan-Foto habe eine politische Aussage, auch wenn Özil dies anders beurteile. Der Integrationsbeauftragte beklagte, die öffentliche Diskussion gehe mittlerweile in eine falsche Richtung. Man habe das Gefühl, dass Deutschland ein flächendeckendes Rassismusproblem habe. Dies sei aber nicht der Fall.

 

Kopf gut schütteln vor Gebrauch!

Erich Kästner (1899 – 1974)

 

10.2.17 Mephisto an Bellarmin

 

Drei Zweihundertachtel

 

„Dieser äußerst teure KLIMAWANDEL-BULLSHIT muss aufhören.“

Donald Trump (auf Twitter, dem Medium der Inkontinenten)

 

Dieses Medium und Er – könnte man sich etwas Passenderes denken? Als diesen psychopathologischen Krämer mit seinem für ihn vermeintlich weltbeglückenden Nichtansichhaltenkönnen und Twitter? Mit seinem merkantil beschränkten Blick? Der allen sofort mal ehrlich die Meinung geigt?

Und endlich aufräumt?

Der machterlangende Twitterer und sein Medium – als Ergebnis der digitalen Kulturrevolution die Inkarnation unserer geistig bornierten Zeit.

Vom Stammtisch zum Smartphone – und „noch immer die alten Affen“ (Kästner).

Und da spielt es eigentlich keine große Rolle, wenn, wie kürzlich der Deutschlandfunk meldete:

Zahlreiche Spitzenpolitiker haben in den sozialen Netzwerken offenbar unechte Anhänger.

Wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ unter Berufung auf eine Social-Media-Analyse berichtet, ist bei SPD-Chef Gabriel nur jeder Zweite seiner etwa 125.000 Follower beim Kurznachrichtendienst Twitter authentisch. Die übrigen seien falsche Accounts oder sogenannte Social Bots, also Maschinen. Ähnlich sieht es dem Bericht zufolge bei Justizminister Maas und dem sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Haseloff aus. Die Fraktionschefin der Linken, Wagenknecht, soll ihre Twitter-Meldungen sogar zu mehr als 75 Prozent an Maschinen und Phantasie-Mitglieder versenden.

Drei Wochen ist der Twitterer nun an der Macht. Und schon soll er sich immer häufiger zu Großbuchstaben genötigt sehen! Was soll das noch werden in der Restzeit… Vielleicht will er den US-Markt zum Vertrieb ausklappbarer Bildschirme, pardon, ausklappbarer Displäs für Riesenlettern animieren, für Präsidenten-Meldungen. Zwecks Wiederbelebung der Wirtschaft.

Ebenfalls im Deutschlandfunk:

Bundesfinanzminister Schäuble hat die allgemeine Haltung des neuen US-Präsidenten Trump kritisiert.

Im „Tagesspiegel“ aus Berlin wandte sich der CDU-Politiker gegen eine Denkweise in sogenannten Deals. Gebraucht würden keinesfalls Lösungen, bei denen der eine verliere, wenn der andere gewinne. Das mag in der Grundstücksbranche anders sein. Tatsächlich brauche die Welt „Win-Win-Situationen“.

Vielleicht hat sich der Twitterer bis zu den anstehenden Wahlen in Europa aber auch bereits derart demaskiert, daß beispielsweise in Frankreich Marine Le Pen und in Deutschlande Frauke Petry es noch einmal sehr bedauern werden, in Hoffnung auf einen eigenen Stimmenzuwachs den Wahlsieg des Twitterers so kurzdenkerisch gefeiert zu haben…

Doch als dritte Imponderabilie: Vielleicht bleibt auch diese letzte Hoffnung eine Illusion. Wegen der gewöhnlich weit unterschätzten Zahl der twitterisch veranlagten Bescheidwisser. Denn die Generation der Kriegs- und Nachkriegserfahrenen mit ihrer Friedenswertschätzung ist endgültig abgetreten.

Und so fragt man sich nach drei von noch bevorstehenden zweihundertundfünf Wochen seit dem 20. Januar, wann der Kerl wohl abgewirtschaftet haben mag.

Wie einst nach dem 30. Januar…

 

„Es kommen härtere Tage.“

Ingeborg Bachmann (1926 – 1973)

 

4.6.16 Mephisto an Bellarmin

Eine der drei elementaren Regeln kommunikativer Dialektik läßt sich etwa so formulieren: Ich mache meinem Gegner, mit dem ich jedoch irgendwie ins Gespräch kommen möchte oder muß, und infolgedessen er wohl oder übel mein Kommunikationspartner wird, nur derartige Gesprächsangebote, die jener auch akzeptieren kann. Meinem strategischen, also meinem übergeordneten Interesse an jenem Dialog, sei es zwecks grundlegender Verständigung, sei es zwecks Situations- oder Positionsklärung, sei es überhaupt nur zwecks eines „ins erste Gespräch kommen“, ordne ich alle meine Vorurteile unter und erst recht alle Unsachlichkeiten. Was bedeutet, ich scheide genau das aus, was dem Selbstverständnis meines Gegenübers widerspräche und ihm somit den Eintritt in einen sachlichen Dialog verwehren könnte.

Früher gab es das. Da konnten sich Bahr mit Barzel, Brandt mit Breshnew unterhalten.

Es war einmal…

Es war also Anfang Mai seitens des Zentralrates der Muslime, nämlich höchstpersönlich von ihrem Vorsitzenden Mazyek, die AfD in die Nähe der NSDAP gerückt worden. Dann hat selbiger die AfD-Spitzenvertreter unter propagandistischem Tamtam für ein Gespräch zu sich gebeten. Die Einladung trug allerdings bereits den Ruch einer Einbestellung. Am sonntäglichen Vorabend des geplanten Diskurses bekräftigte Mazyek seine Vorwürfe. Am Montag meldeten dann die Gazetten im Einklang mit den öffentlich-rechtlichen Medien, die Zusammenkunft sei „von der rechtspopulistischen AfD“ nach kurzer Zeit abgebrochen worden mit der Begründung, Vertreter des Zentralrates hätten die Partei in die Nähe des Dritten Reiches gerückt. Dieser Begründung des Gesprächsabbruchs wurde vom Zentralrat in keiner Weise widersprochen.

Letzten Sonntag der nächste Eklat. In der Mittagsinformationssendung des Deutschlandfunks vermeldete anfänglich ein aufgeregter Journalist, der Alexander Gauland von der AfD habe Jérôme Boateng beleidigt! Gauland hätte geäußert, er wolle Boateng nicht als Nachbarn haben. Erst am Schluß der Sendung klang das etwas anders. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitiere Gauland unter der Überschrift „Gauland beleidigt Boateng“ mit den beiden Sätzen: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Diese beiden aus jedem weiteren Kontext gelösten Sätze wurden nun unentwegt von sämtlichen Medien in einen Strom der Entrüstung gestellt, vielfach in einem Atemzug mit der Wiederholung, Gauland habe Boateng beleidigt. Meist mit der triumphierenden Einleitung: „Boateng ist Deutscher, Nationalspieler, engagiert sich für soziale Projekte. Er ist in Berlin geboren, Vater Ghanaer, Mutter Deutsche.“ (Bild)

Über Twitter, dem Medium der Inkontinenten, meldeten prompt SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann und Linken-Chef Bernd Riexinger fast wortgleich, Gauland sei ein Rassist. Und natürlich unvermeidlich fügte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckard ihren Senf hinzu, ihr sei Boateng in der Nachbarschaft viel lieber als Gauland. Ebenfalls fast wortgleich mit der Landesvorsitzenden der CDU in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner. Vizekanzler, also ein Regierungsvertreter, Sigmar Gabriel meinte sagen zu müssen: „Gauland ist nicht nur gegen Fremde, sondern auch gegen das Gute an Deutschland“. Und natürlich unser oberster Rechtspfleger und Rechtshüter, der ebenso stets unvermeidliche Justizminister Heiko Maas, den man offensichtlich vergaß bei seinen juristischen Studienabschlüssen, über die Unschuldsvermutung zu examinieren, über die Unschuldsvermutung unter anderem, der Heiko Maas also, ein Regierungsvertreter, nannte „Gaulands Äußerung“ „niveaulos und inakzeptabel“. Der Deutschlandfunk frohlockte am Montag: „Im Internet schwillt unter dem Schlagwort ‚Nachbar‘ die Empörung über AfD-Vize Alexander Gauland zum Shitstorm an.“ Und meldet nachrichtlich: „Bundeskanzlerin Merkel hat die Äußerung von AfD-Vizechef Gauland im Zusammenhang mit dem Fußballnationalspieler Jérôme Boateng verurteilt. Der Satz, der gefallen sei, sei niederträchtig und traurig, sagte Merkels Sprecher Seibert in Berlin.“

Die Regierungschefin!

„Niederträchtig und traurig“.

Indessen muß ich traurig zugeben, daß meine Kenntnisse aristotelischer Logik und mathematischer Schlußweise nicht ausreichen, aus den beiden Sätzen „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“, wenn sie denn so gefallen sein sollen, eine „Beleidigung“ Boatengs oder einen „Rassisten“ Gauland zu folgern.

Ich bin zu dumm dafür.

Andererseits, ich kann mir nicht helfen, erinnerte mich die Hysterie letzten Sonntag und Montag verdammt an die Hetzkampagnen, wie sie seinerzeit vom Chefkommentator des Fernsehfunks der DDR, Karl Eduard von Schnitzler, unseligen Angedenkens, inszeniert wurden.

Um mich nicht noch weiter in die Vergangenheit zurückzudenken.

Um das Wort „faschistoide Stimmungsmache“ noch einmal zurückzuhalten.

Der Staat gegen Gauland!

Es ist beängstigend.

 

Montag, 30. Mai 2016, Deutschlandfunk:

Müller: Viele Fans finden die „ausländischen Spieler“, die Migrantenspieler, sehr, sehr gut, aber in der politischen, gesellschaftlichen Realität haben sie massive Vorurteile?

Eilenberger: Ja! Das glaube ich, dass es da eine kognitive Dissonanz gibt, auch gerade bei vielen Fußballfans, auch aus dem mutmaßlichen Wählerpool der AfD. Ich denke, wir müssen uns einfach eingestehen, dass es ein hohes Maß an Alltagsrassismus in Deutschland nach wie vor gibt. Darauf hat Herr Gauland auch angespielt. Und ich glaube, wenn es eine Deskription war, dass viele Menschen nicht neben farbigen Mitbürgern leben wollen, dann ist das leider nicht falsch. Das Interessante ist, dass Herr Gauland das nicht bedauert, sondern einfach festhält und daraus politisches Kapital schlagen will, und das ist die Unverantwortlichkeit im Diskurs. Und wenn Sie mich fragen, ob viele Fußballfans vielleicht Herrn Boateng bejubeln und andererseits aber sagen, na ja, so neben ihm wohnen wollte ich nicht, dann ist das eine sehr hässliche Wahrheit. Aber ich glaube, es ist deskriptiv nicht falsch und trifft auf 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung immer noch zu.

Müller: Jetzt müssen wir, Herr Eilenberger, auch nochmal diesen Einwurf zumindest machen, wir haben vor gut einer Stunde auch mit unserem Korrespondenten Stephan Detjen in Berlin darüber gesprochen, dass das ja offenbar gar nicht so klar ist, was Alexander Gauland nun definitiv, also wortwörtlich gesagt hat. Die beiden Reporter, Korrespondenten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ haben es eben so zitiert, und er hat gesagt, er weiß gar nicht, ob er Boateng genannt hat, aber vielleicht doch. Ist für Sie alles Taktik und keine legitime Erklärung, Entschuldigung?

Eilenberger: Soweit ich über diesen Fall informiert bin, hat Herr Gauland das im Bereich eines weiten Gesprächs, das er nicht eigens autorisieren ließ, gesagt. Und ich muss sagen, ich bin mit der Skandalisierung der „FAS“-Kollegen sehr unzufrieden. Ich finde auch wirklich schäbig, dass man dann zu den Nachbarn von Herrn Boateng geht und da eigens eine Umfrage startet. Das ist auch eine Form von Skandalisierung, die ich journalistisch nicht befürworten kann und die sehr viel zur Zerstörung des öffentlichen Diskursklimas beiträgt. Ich muss sagen, der journalistische Umgang der „FAS“-Kollegen mit diesem Faktum, der lässt mich auch sehr unzufrieden zurück.

Müller: Es hilft jetzt der AfD?

Eilenberger: Es wird sicher die Stammwählerschaft der AfD nicht verschrecken, sondern bestätigen, und es bringt ein neues Thema in einer sehr hässlichen und sehr sachfernen Form in den öffentlichen Diskurs, das eigentlich wichtig ist und dem wir alle offenen Auges entgegensehen sollten.

Müller: Der Philosoph Wolfram Eilenberger, Chefredakteur des Philosophie-Magazins.

 

Dienstag, 19. April 2016, STUTTGARTER NACHRICHTEN:

Derzeit geht es allzu oft darum, Sätze von AfD-Größen zu skandalisieren, auch um eine Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz herbeizureden. Die jüngste Aussage der AfD, der Islam sei unvereinbar mit dem Grundgesetz, ist aber wahrlich nichts Neues. Das sagen selbst Rechtsexperten seit vielen Jahren. Auch das von der AfD angestrebte Verbot von Minaretten oder Burkas ist noch kein Grund, sich an Hitler-Deutschland erinnert zu fühlen, wie dies der Zentralrat der Muslime tat. Es sei denn, man würde Länder wie Frankreich, Belgien oder die Schweiz ebenfalls als Nazi-Diktaturen bezeichnen wollen. Dort gibt es nämlich schon solche Verbote.

 

„O Urteil, du entflohst zum blöden Vieh!“

William Shakespeare (1564 – 1616)