A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

.

24. Juli 2022: Bellarmin an Mephisto

.

.

Vom pythagoräischen Lehrsatz

.

Die Wahrheit, sie besteht in Ewigkeit,

Wenn erst die blöde Welt ihr Licht erkannt;

Der Lehrsatz, nach Pythagoras benannt,

Gilt heute, wie er galt zu seiner Zeit.

.

Ein Opfer hat Pythagoras geweiht

Den Göttern, die den Lichtstrahl ihm gesandt;

Es taten kund, geschlachtet und verbrannt,

Einhundert Ochsen seine Dankbarkeit.

.

Die Ochsen seit dem Tage, wenn sie wittern,

Daß eine neue Wahrheit sich enthülle,

Erheben ein unmenschliches Gebrülle;

.

Pythagoras erfüllt sie mit Entsetzen;

Und machtlos, sich dem Licht zu widersetzen,

Verschließen sie die Augen und erzittern.

.

Adelbert von Chamisso (1781 – 1831)

.

.

Der Unterschied von heute zu damals, also von den bundesrepublikanischen Verhältnissen des 21. Jahrhunderts zu den Zeiten früherer Jahrhunderte, wie etwa denen der Aufklärung beispielsweise, ist eindeutig der, daß das heutige Rindvieh Deutschlands ebenso bei der Enthüllung und bisweilen sogar schon bei der bloßen Benennung selbst alter und ältester Wahrheiten sein unmenschliches Gebrülle erhebt.

So geschehen erneut am Samstag dem 2. Juli in Berlin an der Humboldt-Universität. Nämlich als dort die Biologin Marie-Luise Vollbrecht sich veranlaßt sah aus irgend einem ihren gewissen Gewissensgründen zugrunde liegenden Grunde, in einem Vortrag im Rahmen einer Veranstaltungsreihe unter dem mutmaßlich nicht unbegründeten Namen „Lange Nacht der Wissenschaft“ auf die ja beileibe nicht nur und nicht erst seit heute wissenschaftlich anerkannte Tatsache hinzuweisen, daß es „in der Biologie“, also demnach naturwissenschaftlich in der Natur, „nur zwei Geschlechter gibt“…

Selbige Reminiszenz mochten deutsche Rindviecher des 21. Jahrhunderts nicht tolerieren.

Sie mobilisierten.

Sie drohten: „Wir sehen uns auf der Straße!“

Vor jenen „radikalen gewaltbereiten Aktivisten, die kein Verständnis von Biologie haben“ (Marie-Luise Vollbrecht) knickte man seitens der Humboldt-Universität ein. (Übrigens, jene blökenden Rindviecher des 21. Jahrhunderts bezeichneten sich als „Gender-Aktivisten“. Ich liebe Vorurteile, denn vernünftige Vorurteile stammen ja aus der Erfahrung, und somit hege ich das Vorurteil, daß es sich bei den „Gender-Aktivisten“ um sich für tolerant haltende Linksradikale handelt… Also um die ordinären ideologiegeleiteten Nichtdenker. Man kennt sie.)

Seitens der Humboldt-Universität, von der sich einst Studenten, Forscher und Lehrende abgrenzten, um in Berlin die Freie Universität zu gründen, knickte man ein vor den blökenden „Gender-Aktivisten“.

Man sagte den Vortrag ab.

Wegen Krankheit“.

Wie auf Klebezetteln zu lesen stand.

Nach Meldungen in der Presse und empörten Äußerungen aus verschiedenen Richtungen sah sich selbst der Deutschlandfunk an dem dem Samstag folgenden Dienstag veranlaßt zu melden:

Nach Vortrags-Absage Kritik an Humboldt-Universität

Die Humboldt-Universität in Berlin steht nach der Absage eines Vortrags zum Thema Geschlechter in der Kritik.

Die Biologin Marie-Luise Vollbrecht vertritt die Position, dass es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt.

Die Universität habe der Wissenschaftsfreiheit einen Bärendienst erwiesen, sagte der Präsident des Deutschen Hochschulverbands, Bernhard Kempen, der Deutschen Presse-Agentur. „Die Universität hätte stattdessen Rückgrat beweisen sollen und alles daran setzen müssen, dass der Vortrag stattfinden kann“, so Kempen.

Die Hochschule hatte nach der Ankündigung von Protesten den Vortrag „Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht, Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“ der Biologin Marie-Luise Vollbrecht abgesagt. Vollbrecht hatte eigentlich während der Langen Nacht der Wissenschaft am vergangenen Samstag reden sollen.

Differenzen zu Andersdenkenden seien im argumentativen Streit auszutragen, forderte Kempen. „Boykott, Bashing, Mobbing oder gar Gewalt dürfen keinen Erfolg haben.“

Bundesbildungs- und Wissenschaftsministerin Bettina Stark-Watzinger von der FDP sagte der „Bild“-Zeitung, es dürfe nicht in der Hand von Aktivisten liegen, welche Positionen gehört werden dürfen und welche nicht: „Wissenschaft lebt von Freiheit und Debatte. Das müssen alle aushalten.“

Zur gefälligen Beachtung empfehle ich Dir speziell die gegenwartsjournalistische Satzbildung:

Die Biologin Marie-Luise Vollbrecht vertritt die Position, dass es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt.“!

Das entlarvt die Position des öffentlich-rechtlichen Journalismus als kongruent mit der Position der „Gender-Aktivisten“.

Was demnach bedeutet, die Andersdenkende wäre die in Deutschland lebende Biologin Marie-Luise Vollbrecht! Welche also allein auf der Welt die abartige „Position“ vertritt, daß es in der Natur nur zwei Geschlechter gäbe!

Soweit ist es im Lande der selbst bei alten Wahrheiten blökenden Rindviecher gekommen!

Die Situation erinnert verdammt an das andersensche Märchen, in welchem im Gegensatz zu sämtlichen Erwachsenen endlich ein Kind die Wahrheit ausspricht über die von allen bewundernd hochgelobten neuen Kleider des Kaisers: „Aber er hat ja gar nichts an!“

Stell Dir einmal vor, was für ein weltweites Aufsehen es auch gäbe, wenn eines Tages die Gazetten in balkengroßen Lettern verkündeten, was der Aufmerksamkeit der Menschheit in hunderttausenden von Jahren ihrer Entwicklungsgeschichte nebst der sämtlicher Zivilisationen sämtlicher Kontinente entgangen wäre:

„WISSENSCHAFTLICHE SENSATION: ES GIBT MEHR ALS ZWEI GESCHLECHTER !“

Oder kannst Du Dich erinnern an eine solche markerschütternde Meldung?

Und gar nicht zu reden von ihren anthropologischen, sozialen, philosophischen, politischen und künstlerischen Folgen in der Menschheitsgeschichte?

Zu der nun gegensätzlich plötzlich eine weltweit singuläre Biologin aus Deutschland die abartig reaktionäre „Position“ vertritt, es gebe nur zwei Geschlechter?

Wogegen dann prompt Berliner Studenten gewaltbereit protestieren?

Obwohl die deutsche Elite es für vernünftig hält, gutmeinend zu mahnen, man müsse selbst diese Position einer Andersdenkenden „aushalten“?!

Das sind die Sorgen der Republik“ hatte Otto Reutter einst gesungen…

In den seligen Zeiten, als das Rindvieh noch gegen die Enthüllung lediglich der neuen Wahrheiten blökte, waren Studenten in Deutschland gegen den Vietnamkrieg auf die Straße gegangen.

.

Montag, 18. Juli 2022, Bild:

Trans-Insassin schwängert zwei Gefangene

Die Transfrau Demi Minor (27) wurde zu 30 Jahren Gefängnis wegen Totschlag verurteilt

Trenton – Eigentlich sitzen ausschließlich weibliche Knackis im „Edna Mahan“- Gefängnis für Frauen ein – doch jetzt sind zwei von ihnen schwanger! Wie geht denn so was? Kurioser Fall im US-Bundesstaat New Jersey. Die wegen Totschlags verurteilte Demi Minor (27) ist eine Transfrau, also aus biologischer Sicht ein Mann. Untergebracht wurde sie aber in einem Gefängnis für Frauen. Dies ist aufgrund eines 2021 in New Jersey erlassenen Gesetzes für Transgender-Personen möglich, sofern sich Verurteilte einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen. ABER: Weil Minor zwei ihrer Mithäftlinge schwängerte, wurde sie nun in ein anderes Gefängnis gebracht. Dort ist sie jetzt die einzige Frau.

.

Ein Gedicht aus Deutschland

.

16. Juli 2022: Serapion an Mephisto

.

.

Die unmögliche Tatsache

.

Palmström, etwas schon an Jahren,

wird an einer Straßenbeuge

und von einem Kraftfahrzeuge

überfahren.

.

Wie war (spricht er, sich erhebend

und entschlossen weiterlebend)

möglich, wie dies Unglück, ja –:

daß es überhaupt geschah?

.

Ist die Staatskunst anzuklagen

in Bezug auf Kraftfahrwagen?

Gab die Polizeivorschrift

hier dem Fahrer freie Trift?

.

Oder war vielmehr verboten

hier Lebendige zu Toten

umzuwandeln – kurz und schlicht:

Durfte hier der Kutscher nicht –?

.

Eingehüllt in feuchte Tücher,

prüft er die Gesetzesbücher

und ist alsobald im klaren:

Wagen durften dort nicht fahren!

.

Und er kommt zu dem Ergebnis:

Nur ein Traum war das Erlebnis.

Weil, so schließt er messerscharf,

nicht sein kann, was nicht sein darf.

.

.

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

.

Infopoint

.

9. Juli 2022: Beob an Mephisto

.

Ich denk, ich krieg einen Börnaut! Stell Dir vor, bei uns in Deutschland, die sind völlig ausgebrannt, die freien demokratischen Hirne! Die wollen als Heileit Englisch als zweite Sprache einführen! Diese Gämchänjer! Und als brennpunktmäßigen Hotts-Pott haben sie sich für den Höhepunkt ausgerechnet wen erkoren? Wie als wären sie vollkommen transparent inakzeptabel emotionsfrei, diese liberalen Hirne?

Die deutschen Amtsstuben!

Unsere deutschen Beamten, Beamtinnen und Diversen als Versuchskarnickel!

Die Idee hat ihnen sicher heimarbeitend irgendein kissenpupender Hohmoffiswisselbloa oder eine kissenpupende Hohmoffiswisselbloain oder ein(?) kissenpupend(?) divers(?) Hohmoffiswisselbloa(?) geautet!

Nein, das ist keine Fäknju, denn im Radio brachten sie es leif erlebt ohne das geringste Körnchen „mutmaßlich“ während der Njus:

Die FDP plädiert dafür, Englisch als zusätzliche Verwaltungssprache in deutschen Behörden einzuführen.

Damit sollten Migranten Behördengänge erleichtert werden, heißt es in einem Bericht des „Handelsblatts“. Die Zeitung beruft sich auf ein Papier zur Einwanderungspolitik, das von Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger und dem stellvertretenden FDP-Chef Vogel erarbeitet wurde. Es soll heute vom Parteipräsidium verabschiedet werden.

Neben Englisch als zusätzlicher Sprache in Ämtern wollen die Freien Demokraten auch die Deutschförderung für Fachkräfte und deren Familien ausbauen sowie die Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse erleichtern.

Montag, 4. Juli 2022, Deutschlandfunk

.

Und, was soll ich Dir sagen, am nächsten Tag stand prompt und frech in der bösen Bild zu lesen:

Beamte sollen Englisch lernen

Es ist ein ehrgeiziger Plan: Die FDP will Englisch „als zusätzliche Verwaltungssprache“ in deutschen Behörden einführen – um ausländischen Zuwanderern den Gang zum Amt zu erleichtern.

BILD begrüßt den Vorstoß, liefert hier schon mal die Anleitung für unsere Beamten, um zentrale Begriffe der deutschen Bürokratie zu übersetzen:

Nicht zuständig

not competent/responsible

[nott kompätänt/räsponseböl]

Zuweisungsbescheid

assignment notice

[Ässainment Notiss]

Lohnsteuerjahresausgleich

Annual payroll tax adjustment

[Ännjuell Päirol Täcks Ädschastment]

Niederlassungserlaubnis

permanent residence permit

[Pörmönent Räsidänts Pörmit]

Doppelbesteuerungsabkommen

double tax treaty

[dabbel Täcks Trietie]

Ehegattenbesteuerung

Spousal taxation

[Spausel Täcksäischän]

Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz

Cattle Beef Labeling Surveillance Task Transfer Act

[Kättel Bief Läibelling Sörväijens Taask Träns för Äkt]

.

Dürfen die das? Ist das korrekt? Ist das nicht diskriminierend?

Doch selbst der Beamtenbund reagierte unbehäbig fuchtig:

Der Deutsche Beamtenbund hat sich gegen den Vorstoß der FDP ausgesprochen, künftig Englisch als zweite Verwaltungssprache in Behörden zu etablieren.

Wenn es um Verordnungen und Gesetze gehe, gelte hierzulande schon aus Gründen der Rechtssicherheit die Amtssprache und die sei Deutsch, sagte Verbandssprecherin Ibald dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Künftig auch auf Englisch zu kommunizieren, führe zu Mehraufwand. Zugleich betonte der DBB, man setzte bereits bei der Personalgewinnung im öffentlichen Dienst auf interkulturelle Kompetenz und dort, wo es geboten sei, auch auf Mehrsprachigkeit.

Dienstag, 5. Juli 2022, Deutschlandfunk

.

Und im DER SPIEGEL von heute zieht sogar der Deutsche Städtetag verschnupft hinterher:

Städtetag gegen Englisch im Amt

KOMMUNEN Der Deutsche Städtetag hat den Vorstoß der FDP kritisiert, Englisch als zweite Verwaltungssprache in Behörden einzuführen. Der Vorschlag sei »jenseits allen Realitätssinns«, sagte Vizepräsident Burkhard Jung (SPD). »Um alle Menschen in den Verwaltungen in verhandlungssicherem Englisch weiterzubilden, Gesetze, Verfahren und unzählige Dokumente zu übersetzen, wäre der Aufwand riesig.« Zudem hätten bereits heute »alle großen Städte englischsprachige Angebote für Fachkräfte, Geflüchtete und Schutzsuchende«. Hinzu kämen Informationen in weiteren Sprachen wie Türkisch, Spanisch, Arabisch oder Russisch sowie die Möglichkeit, sich von Dolmetschern helfen zu lassen. Im Hinblick auf dringend benötigte Fachkräfte aus dem Ausland fordert Jung, wie auch die FDP, die Beschleunigung von Visaverfahren und die schnellere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Die Liberalen hatten am Montag Ideen zur Einwanderungspolitik und zum Fachkräftemangel vorgelegt. Durch die Einführung von Englisch als Verwaltungssprache wollen sie ausländischen Fachkräften Behördengänge erleichtern. Vor dem Städtetag hatte bereits der Beamtenbund den FDP-Vorschlag abgelehnt.

.

Also Gäme ower!

Aber wie hieß das doch gleich?

Neben Englisch als zusätzlicher Sprache in Ämtern wollen die Freien Demokraten auch die Deutschförderung für Fachkräfte und deren Familien ausbauen“?

Wie wäre es denn zuvörderst mal mit der Idee, die Deutschförderung in Deutschland für Politiker und Journalisten auszubauen?

.

Woran ist Chamberlain gescheitert?

.

1. Juli 2022: Bellarmin an Mephisto

.

Erneut hat eine Gruppe deutscher Intellektueller in ehrlich großer Sorge den Westen aufgefordert, den „Ukraine-Krieg“ durch Verhandlungen zu beenden: „Die Verfasser dieses Appells fordern den Westen auf, den Ukraine-Krieg durch Verhandlungen zu beenden.“ (Die Zeit)

Sie haben sehr klug und vernünftig geschlußfolgert nach westlicher Logik. Weil alles andere, zumal auf Dauer, als ein Stillstand der Waffen ist ja schlimmer:

Europa steht vor der Aufgabe, den Frieden auf dem Kontinent wiederherzustellen und ihn langfristig zu sichern. Dazu bedarf es der Entwicklung einer Strategie zur möglichst raschen Beendigung des Krieges.

Die Ukraine hat sich unter anderem dank massiver Wirtschaftssanktionen und militärischer Unterstützungsleistungen aus Europa und den USA bislang gegen den brutalen russischen Angriffskrieg verteidigen können. Je länger die Maßnahmen fortdauern, desto unklarer wird allerdings, welches Kriegsziel mit ihnen verbunden ist. Ein Sieg der Ukraine mit der Rückeroberung aller besetzten Gebiete einschließlich der Oblaste Donezk und Luhansk und der Krim gilt unter Militärexperten als unrealistisch, da Russland militärisch überlegen ist und die Fähigkeit zur weiteren militärischen Eskalation besitzt.

Die westlichen Länder, die die Ukraine militärisch unterstützen, müssen sich deshalb fragen, welches Ziel sie genau verfolgen und ob (und wie lange) Waffenlieferungen weiterhin der richtige Weg sind. Die Fortführung des Krieges mit dem Ziel eines vollständigen Sieges der Ukraine über Russland bedeutet Tausende weitere Kriegsopfer, die für ein Ziel sterben, das nicht realistisch zu sein scheint.

Die Folgen des Krieges sind zudem nicht mehr auf die Ukraine begrenzt. Seine Fortführung verursacht massive humanitäre, ökonomische und ökologische Notlagen auf der ganzen Welt. In Afrika droht eine Hungerkatastrophe, die Millionen von Menschenleben kosten kann. Rasant gestiegene Preise, Energie- und Nahrungsmangel haben in vielen Ländern bereits zu Unruhen geführt. Auch die Düngemittelknappheit wird sich, wenn der Krieg über den Herbst hinaus fortdauert, global auswirken. Es ist mit hohen Opferzahlen und einer Destabilisierung der globalen Lage zu rechnen. Auch auf internationaler politischer Ebene (G7, UN) werden diese drohenden dramatischen Folgen thematisiert.

Der Westen muss sich Russlands Aggression in der Ukraine und weiteren revanchistischen Ansprüchen geeint entgegenstellen. Doch ein Fortdauern des Kriegs in der Ukraine ist nicht die Lösung des Problems. Die aktuellen Entwicklungen um den Bahntransit in die russische Exklave Kaliningrad sowie Putins Ankündigung, atomwaffenfähige Raketensysteme an Belarus zu liefern, zeigen, dass die Eskalationsgefahr zunimmt. Der Westen muss alles daransetzen, dass die Parteien zu einer zeitnahen Verhandlungslösung kommen. Sie allein kann einen jahrelangen Abnutzungskrieg mit seinen fatalen lokalen und globalen Folgen sowie eine militärische Eskalation, die bis hin zum Einsatz nuklearer Waffen gehen kann, verhindern.

Verhandlungen bedeuten nicht, wie manchmal angenommen wird, der Ukraine eine Kapitulation zu diktieren. Einen Diktatfrieden Putins darf es nicht geben. Verhandlungen bedeuten auch nicht, etwas über den Kopf der Beteiligten hinweg zu entscheiden. Die internationale Gemeinschaft muss vielmehr alles dafür tun, Bedingungen zu schaffen, unter denen Verhandlungen überhaupt möglich sind. Dazu gehört die Bekundung, dass die westlichen Akteure kein Interesse an einer Fortführung des Krieges haben und ihre Strategien entsprechend anpassen werden.

Dazu gehört auch die Bereitschaft, die Bedingungen einer Waffenruhe sowie die Ergebnisse von Friedensverhandlungen international abzusichern, was hohes Engagement erfordern kann. Je länger der Krieg andauert, desto mehr internationaler Druck ist erforderlich, um zur Verhandlungsbereitschaft beider Seiten zurückzufinden. Der Westen muss sich nach Kräften bemühen, auf die Regierungen Russlands und der Ukraine einzuwirken, die Kampfhandlungen auszusetzen. Wirtschaftliche Sanktionen und militärische Unterstützung müssen in eine politische Strategie eingebunden werden, die auf schrittweise Deeskalation bis hin zum Erreichen einer Waffenruhe gerichtet ist.

Bislang ist kein konzertierter Vorstoß der internationalen Gemeinschaft, insbesondere der großen westlichen Akteure, erfolgt, um Verhandlungen auf den Weg zu bringen. Solange dies nicht der Fall ist, kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine Verständigung unmöglich ist und insbesondere Putin nicht verhandeln will. Dass Kriegsparteien Maximalforderungen stellen oder Friedensgespräche ausdrücklich ablehnen, ist kein ungewöhnlicher Ausgangspunkt in festgefahrenen Konflikten. Der bisherige Verlauf der Verhandlungsversuche zeigt eine anfängliche Verständigungsbereitschaft beider Seiten unter Annäherung der Zielvorstellungen. Nur eine diplomatische Großoffensive kann aus der momentanen Sackgasse herausführen.

Die Aufnahme von Verhandlungen ist keine Rechtfertigung von Kriegsverbrechen. Wir teilen den Wunsch nach Gerechtigkeit. Verhandlungen sind indes ein notwendiges Mittel, um Leid vor Ort und Kriegsfolgen auf der ganzen Welt zu verhindern. Angesichts drohender humanitärer Katastrophen sowie des manifesten Eskalationsrisikos muss der Ausgangspunkt für die Wiederherstellung von Stabilität schnellstmöglich gefunden werden. Nur eine Aussetzung der Kampfhandlungen schafft die dafür notwendige Zeit und Gelegenheit. Die Bedeutung des Ziels verlangt, dass wir uns dieser Herausforderung stellen und alles tun, damit ein baldiger Waffenstillstand und die Aufnahme von Friedensverhandlungen möglich werden – und alles unterlassen, was diesem Ziel entgegensteht.

Jakob Augstein (Publizist), Richard A. Falk (Professor für Völkerrecht), Svenja Flaßpöhler (Philosophin), Thomas Glauben (Professor für Agrarökonomie), Josef Haslinger (Schriftsteller), Elisa Hoven (Professorin für Strafrecht), Alexander Kluge (Filmemacher und Autor), Christoph Menke (Professor für Philosophie), Wolfgang Merkel (Professor für Politikwissenschaft), Julian Nida-Rümelin (Philosoph), Robert Pfaller (Philosoph), Richard D. Precht (Philosoph), Jeffrey Sachs (Professor für Ökonomie), Michael von der Schulenburg (ehemaliger UN-Diplomat), Edgar Selge (Schauspieler), Ilija Trojanow (Schriftsteller), Erich Vad (General a. D., ehemaliger Militärberater von Angela Merkel), Johannes Varwick (Professor für internationale Politik), Harald Welzer (Sozialpsychologe), Ranga Yogeshwar (Wissenschaftsjournalist), Juli Zeh (Schriftstellerin)

Was habe ich Dir gesagt? Klingt das nicht verdammt klug? Und haben die Leute nicht Recht?

Es gibt schon Stimmen, die Angela Merkel als Vermittlerin vorschlagen.

.

.

Wer möchte nicht in Fried und Eintracht leben?

Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so!“

Bertolt Brecht (1898 – 1956)

.

Was Glück ist

.

25. Juni 2022: Serapion an Mephisto

.

„Abends, wenn ich im Bett liege und mein Gebet mit den Worten beende: ‚Ich danke dir für all das Gute und Liebe und Schöne‘, dann jubelt es in mir. Dann denke ich an ‚das Gute‘: das Verstecken, meine Gesundheit, mein ganzes Selbst. ‚Das Liebe‘ von Peter, das, was noch klein und empfindlich ist und das wir beide noch nicht zu benennen wagen, die Liebe, die Zukunft, das Glück. ‚Das Schöne‘, das die Welt meint, die Welt, die Natur und die weite Schönheit von allem, allem Schönen zusammen.

Dann denke ich nicht an das Elend, sondern an das Schöne, das noch immer übrig bleibt. Hier liegt zu einem großen Teil der Unterschied zwischen Mutter und mir. Ihr Rat bei Schwermut ist: ‚Denke an all das Elend in der Welt und sei froh, daß Du das nicht erlebst.‘ Mein Rat ist: ‚Geh hinaus in die Felder, die Natur und die Sonne. Geh hinaus und versuche, das Glück in Dir selbst zurückzufinden. Denke an all das Schöne, das noch in Dir und um Dich ist, und sei glücklich!‘

Meiner Meinung nach kann Mutters Satz nicht stimmen, denn was tust Du dann, wenn Du das Elend doch erlebst? Dann bist du verloren. Ich hingegen finde, daß noch bei jedem Kummer etwas Schönes übrigbleibt. Wenn man das betrachtet, entdeckt man immer mehr Freude, und man wird wieder ausgeglichen. Und wer glücklich ist, wird auch andere glücklich machen. Wer Mut und Vertrauen hat, wird im Unglück nicht untergehen!“

Anne Frank (12. Juni 1929 – Ende Februar / Anfang März 1945) am 7. März 1944 im Amsterdamer Versteck vor den Deutschen

.

Politisch korrekte Verrenkung

.

19. Juni 2022: Sehmann an Mephisto

.

Sprachliche Begrifflichkeit ist die Brille, durch die wir die Welt sehen. Und mehr noch, mittels jener Begrifflichkeit schenkt uns ja einzig die „Sprache, die für dich dichtet und denkt“ (Schiller) überhaupt erst das Vermögen zu denken. Die Begriffe sind es, die die Möglichkeiten und die Richtung unseres Denkens vorherbestimmen.

Nun soll kommende Woche auf Vorschlag von Bündnis 90/Die Grünen die(?) Politolog(?)in(?) Ferda Ataman zur Leiter(?)in der Antidiskriminierungsstelle der Bundesrepublik Deutschland ernannt werden. In der heute abgerufenen Wikipedia ist über die(?) Frau(?) Ataman zu lesen [um Himmels Willen, ich will der Antidiskriminierungsbeaftragten in spe natürlich nicht zu nahe treten und er sie es und so weiter diskriminieren, nehme mir aber, wie andere auch, die Freiheit heraus, das weibliche Geschlecht anzunehmen!]:

Im Juni 2018 schrieb Ataman für eine Publikation der Amadeu Antonio Stiftung: „Politiker, die derzeit über Heimat reden, suchen in der Regel eine Antwort auf die grassierende ‚Fremdenangst‘. Doch das ist brandgefährlich. Denn in diesem Kontext kann Heimat nur bedeuten, dass es um Blut und Boden geht: Deutschland als Heimat der Menschen, die zuerst hier waren.“ Ein Heimatministerium sei vor allem „Symbolpolitik für potenzielle rechte Wähler“.

Horst Seehofer sagte daraufhin als erster Bundesinnenminister seine Teilnahme am Integrationsgipfel ab. Er wolle nicht teilnehmen, wenn mit Ataman „eine Teilnehmerin meine Strategie für Heimat in einem Artikel […] mit dem Heimat-Begriff der Nationalsozialisten in Verbindung bringt“.

Der ehemalige ARD-Korrespondent Werner Sonne, der gemeinsam mit Ataman den Mediendienst Integration aufgebaut hatte, kritisierte im Spiegel, es sei zwar„Unfug“, ihr die Absage Seehofers „in die Schuhe zu schieben“, doch habe sie „den Streit mit Angela Merkel immer weiter“ eskaliert und verlange die Abschaffung des Begriffs Migrationshintergrund, weil Menschen mit diesem Hintergrund in Deutschland „doch längst in der Mehrheit“ seien. Diese Behauptung Atamans würde „ausdrücklich die vielen Millionen Vertriebenen und Flüchtlinge“ einbeziehen, „die als Folge des Zweiten Weltkriegs ihre alte Heimat verlassen mussten“. Dies sei ein absurder Versuch, „diese Menschen mit Zuwanderern gleichzusetzen, die unbestreitbar aus anderen Kulturkreisen nach Deutschland gekommen sind“ und sei „Wasser auf die Mühlen derjenigen, die dieses Land spalten wollen“.

Ataman hatte mit einer Spiegel-Kolumne 2020 für Debatten gesorgt, als sie die Bezeichnung „Kartoffel“ für Deutsche ohne Migrationshintergrund verteidigte. Als Reaktion auf diese Aussage wurde ihr vorgeworfen, sie würde selbst einen angeblich diskriminierenden Jargon verwenden.

Der Autor Ahmad Mansour wirft Ferda Ataman vor, es gehe ihr um „Ideologie und wenig um den Abbau von Rassismus oder Diskriminierung“, und beklagt sich über ihr „abstruses Weltbild“, das impliziere: „Rassist ist, wer alt, weiß und männlich ist“.

Dem bliebe Mannigfaltiges und noch einiges mehr hinzuzufügen und Ergänzendes zu sagen, und der Eintrag an sich ist natürlich eine wahre Fundgrube. Aber Zeit ist kostbar, und darum will ich mich hier nur pars pro toto beschränken. Dafür sei zur Verdeutlichung noch zitiert aus einer Meldung des Deutschlandfunks von gestern:

Die Debatte über die geplante Ernennung der Publizistin und Politologin Ferda Ataman zur Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat sich fortgesetzt.

Der Politologin werden unter anderem verbale Ausfälle gegenüber Menschen ohne Migrationshintergrund vorgeworfen.

Also in der sich fortgesetzt habenden Debatte werden der in Deutschland wahrscheinlich schwer unter Diskriminierung gelitten habenden Politologin(?), die(?) Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Moderner vorderer Orient und Migration an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dem Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin studiert und das Studium 2005 mit dem Diplom abgeschlossen hatte, „verbale Ausfälle gegenüber Menschen ohne Migrationshintergrund vorgeworfen“.

Die merken gar nichts mehr!

Menschen ohne Migrationshintergrund“…

Was für eine verschrobene Verrenkung!

Könnte es sein, daß der politisch korrigierte Journalismus dieses Landes damit Menschen meint, die nicht zugewandert sind?

Um zu sprechen in der Landessprache?

Um klar und deutlich deutsch zu reden?

Und könnte es sogar sein, daß „Menschen ohne Migrationshintergund“ dieses Landes Deutsche sind?

Wie in Frankreich Franzosen, in Spanien Spanier, in Italien Italiener und in der Ukraine Ukrainer?

Könnte es sein, daß der Satz in der Landessprache hieße:

Der Politologin werden unter anderem verbale Ausfälle gegenüber Deutschen vorgeworfen.“?

Könnte es also sein, daß neben der „Bevölkerung“ hierzulande mit einer wunderschönen Sprache sogar ein Volk existiert?

.

.

Kopf gut schütteln vor Gebrauch!“

Erich Kästner (1899 – 1974)

.

Fortgesetztes Biedermeier

.

11. Juni 2022: Bellarmin an Mephisto

.

Am Dienstag gab es ein Foto, das ging um die Welt: Aus den Kulissen vor rotem Theatervorhang mit leuchtendem Antlitz tauchte hervor unsere deutsche Kanzlerin a. D..

Nach der wir uns noch zurücksehnen würden.

Auf der tatsächlichen Theaterbühne des Berliner Ensembles trat sie heraus aus den Kulissen.

Wie man meldete, vor „ausverkauftem“ Hause…

Für ein Interview!

Vor „ausverkauftem“ Hause!

Für ein Interview!

Für das erste Interview nach ihrem Ausscheiden!

Aus dem Amt!

Vor „ausverkauftem“ Hause!

Um sich dort vor versammeltem zahlenden Publikum anderthalb lange Stunden den Fragen eines (in Worten: eines!) Journalisten zu stellen. Selbiger war bereits vor dem Gespräch zitierbar mit der Eloge: „Meine Kanzlerin wird sie sowieso immer bleiben.“

Da bleibt kein Auge trocken…

Also ich stelle mir den Abend und ihn vor mit seinen Fragen wie all die Jahre die sogenannten Berliner Sommerpressekonferenzen der Kanzlerin im Zeitalter des merkelschen Biedermeier: allgemeines wohlgefälliges Wohlgefallen, garniert mit scherzender Heiterkeit.

Und das anschließend weltweit Aufmerksamkeit heischende Interview kam völlig überraschend! Die Tage vorher schien, soweit ich mitbekam, es nicht die geringste ankündigende Ankündigung in ein überregionales Medium geschafft zu haben.

Auch die öffentlich-rechtlichen Medien schienen zuvor nichts mitbekommen zu haben…

Also die Kanzlerin a. D. erschien regelrecht überfallartig.

Und vor Sprachlosigkeit fiel auch danach anscheinend keinem Journalisten mindestens die Frage ein: Was war denn das nun eigentlich für ein Publikum?

Wer hatte die Leute wie eingeladen?

Gab es eine Plakataktion?

Konnte da jeder kommen?

Oder hatte ein Beauftragter, und wenn ja welcher, die Teilnehmer, und wenn ja, welche, nach bestimmten Kriterien ausgewählt?

Ähnlich wie etwa seinerzeit zur huldvollen Versammlung mit Angela Merkel die 500 geladenen Stadtbürger von Chemnitz?

Nach der Messerstecherei mit tödlichem Ausgang?

Und welchem Zweck dienen die Einnahmen?

Nicht daß Du nun wieder denkst, ich weine hier leise vor mich hin, weil ich es versäumte, einem derartig weltweit beachtetem Interview beiwohnen zu können.

Dem strahlenden Auftauchen unserer Kanzlerin a. D. aus der Versenkung!

Nein, aus den Theaterkulissen.

Nach all dem dröhnenden Schweigen.

Ich denke, bei dem Angebot einer Eintrittskarte, also einem Eintrittsticket auf Deutsch, hätte ich eine(n) A(Ä)rztIn oder eine(n) ApothekerIn oder ein(?) divers(?) A(Ä)rz(?) oder ein(?) divers(?) Apotheker(?) aufgesucht.

Ob er, sie, es vielleicht ein Mittel hätten.

Gegen anderweitig unstillbare Lachkrämpfe.

Wenn die eigentlichen Themen des ausverkauften Interviews nicht so traurig gewesen wären…

.

Donnerstag, 9. Juni 2022, NEUE ZÜRCHER ZEITUNG:

Es wäre schön gewesen, wenn Angela Merkel bei ihrem ersten größeren Auftritt seit dem Ende ihrer langen Amtszeit einen Gesprächspartner gehabt hätte, der sie nicht anhimmelt. Der Zuschauer, der von dieser Veranstaltung etwas anderes erwartet hat als wohlige Gefühle, fragt sich, was für eine politische Operette da aufgeführt wird.

.

Donnerstag, 9. Juni 2022, RZECZPOSPOLITA:

Kaum jemand hätte von der ehemaligen Kanzlerin erwartet, dass sie mit solchem Eifer argumentieren würde, dass sie sich nichts vorzuwerfen habe und auch keine Notwendigkeit für eine kritische Analyse ihrer Russland-Politik sehe. Ist das Festhalten an einer solchen Linie nicht ein Kardinalfehler oder zumindest sträfliche Naivität, zumal wir hier von dem politisch und wirtschaftlich mächtigsten Land Europas sprechen? Aus Merkels Erklärungen lässt sich schließen, die Ukraine könne dankbar sein, dass sie sieben Jahre Zeit hatte, sich auf die Abwehr der russischen Aggression vorzubereiten.

.

Donnerstag, 9. Juni 2022, LIDOVÉ NOVINY:

Die Kanzlerin a.D. sah keinen Grund, sich für irgendetwas zu entschuldigen, schon gar nicht für ihre früheren diplomatischen Bemühungen. Nach der Annexion der Krim habe sie sich gemeinsam mit Frankreich bemüht, eine weitere Verschärfung der Situation in der Ostukraine zu verhindern, was zum Minsker Abkommen führte. Daher habe die Ukraine sieben relativ ruhige Jahre für die eigene Entwicklung gehabt. In Kiew sieht man das genau umgekehrt – als sieben vergeudete Jahre, in denen sich der Westen unter der Führung von Deutschland und seiner Kanzlerin von Putin an der Nase hat herumführen lassen.

.

Donnerstag, 9. Juni 2022, DE STANDAARD:

Deutschland ist eines der wichtigsten Länder in der EU und Merkel war die Russlandversteherin schlechthin: Sie konnte mit Putin auf Russisch und Deutsch reden, beide gehörten zur selben Generation und waren in ähnlichen Regimen aufgewachsen. Am Ende ihrer Amtszeit war Merkel die einzige, die Putin seit dem Beginn seiner Karriere kannte. Deshalb folgte ihr die EU auch, als sie befand, Europa müsse mit Russland im Gespräch bleiben. Es stellt sich die Frage, wie die Ukraine heute aussehen würde, wenn Merkel vor zehn Jahren klare Kante gezeigt hätte.

.

.

Ich habe lange Jahre darum gebeten, den Bau von Nord Stream 2 zu stoppen. Ohne Erfolg. Ich habe ihr [Merkel] die Position unseres Teils von Europa geschildert. Wir haben dafür appelliert, diese Investition zu stoppen. Wir haben versucht ihr zu sagen, dass das eine imperiale russische Strategie ist, und die Waffe war das Gas.

Der Präsident unseres Nachbarlandes Andrzej Duda

.

Was sonst noch passierte

.

4. Juni 2022: Bellarmin an Mephisto

.

Also Du weißt ja, die ARD-Tagesschau in der pressefreiheitlichen Bundesrepublik, vor den Lottozahlen oder dem Wetterbericht bleibt da immer noch eine kleine Zeit für die Was-sonst-noch-passierte-Kuriosität wie etwa, daß in Indien die Leute gerade bei 50-Grad-Temperaturen schwitzen. Oder in Australien die Buschfeuer brennen. Oder in Kalifornien. Oder in Griechenland. Oder in der Türkei. Oder in Spanien. Oder in Portugal. Oder in Südfrankreich.

Was ja zudem sogar gut zu wissen ist für die Urlaubsplanung!

Und was soll ich Dir sagen, diese Woche Donnerstag hatte man sich in der 20-Uhr-Tagesschau ein besonderes Schmankerl des randständig noch zu Vermeldenden ausgedacht für die immerhin würzende Kürze von vier Sätzen in exakt 30 Sekunden:

Die Bundesländer haben sich im Grundsatz auf eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geeinigt. Sie wollen unter anderem den Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio anpassen. Neben Information, Bildung und Kultur solle weiterhin die Unterhaltung dazugehören, wenn sie dem öffentlich-rechtlichen Profil entspräche, so die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer. Der neue Staatsvertrag werde außerdem klarstellen, dass Meinung und Information klar zu trennen seien. Und nun die Wettervorhersage für morgen, Freitag, den 3. Juni.

.

.

und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

.

Das ewige Holliwutszenario

.

28. Mai 2022: Bellarmin an Mephisto

.

Familien unternehmen Ausflug ans Meer!

Delphine spielen mit kleinen Kindern!

Däddies erklären kleinen Kindern, daß man ein Versprechen immer halten müsse!

Däddies verabschieden sich von ihren liebevollen Frauen!

Kleine Kinder verabschieden sich weinend von ihren Däddies!

Däddies versprechen ihren Kindern, bis Ostern wieder daheim zu sein!

Familienväter von kleinen Kindern kommen herzzerreißend um!

.

Liebespaare kommen durch!

Er ist zwanzigjähriger athletischer hochkarätiger Spezialist für bedrohliche Sauriereier!

Er verabscheut Gerichtsmedizinerinnen!

Sie rettet ihm sein weltweit anerkanntes Spezialistenleben anläßlich eines zufälligen Busunglücks!

Sie ist eine zwanzigjährige attraktive, weltweit geschätzte Gerichtsmedizinerin!

Sie ist ein Mädel wie du und ich!

.

US-Präsidenten glauben es erst gar nicht!

Gerichtsmedizinerinnen überzeugen US-Präsidenten!

Schurkische Präsidentenberater wandeln sich kurz vor ihrem redlich verdienten bitteren Ableben in einen guten Menschen um!

US-Präsidenten retten die Welt!

Von kleinen Kindern dressierte Delphine (Du erinnerst Dich?) retten US-Präsidenten!

Die Welt erfährt unverhofft vom stillen Heldentum ihrer US-Präsidenten!

Nach einer hochdramatischen Auto-Verfolgungsjagd gerade noch rechtzeitig im letzten Moment in der Gerichtsverhandlung eintreffend kämpft die Gerichtsmedizinerin den zu Unrecht angeklagten Spezialisten für bedrohliche Sauriereier frei.

Das Liebespaar küßt sich vor dem Grabmal des bekannten Familienvaters!

Ein Saurierei bleibt übrig! (Für die Fortsetzung!)

.

Film spielt die Drehkosten von zwölf Milliarden Dollar bei der Premiere wieder ein!

Zwölfjährige Schülerinnen wollen Gerichtsmedizinerin studieren!

Komponist erhält Oscar für herzergreifendste Filmmusik!

Komponist schluchzt herzergreifend, es gar nicht erwartet zu haben!

Der begeisterte ganze Saal klatscht herzergreifend gerührt zu seiner Bescheidenheit!

Drehbuchautor erhält Oscar für originellstes Drehbuch!

.

.

Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm!

Bertolt Brecht (1898 – 1956) Dreigroschenoper

.

Sonntagmorgen

.

22. Mai 2022: Serapion an Mephisto

.

.

Sonntagmorgen

.

Am Sonntagmorgen, wenn die Deppen schlafen,

Wenn sie nicht saufen und nicht brüllen: „Tor!“

Wenn sie mich nicht mit ihrem Anblick strafen

Und ihrem schenkelklatschenden Humor,

.

Wenn schwer sie schnaufen unter Federbetten,

Ermattet von des Samstagabends Last,

Und Ruh einkehrt in Dörfern und in Städten,

Wenn neue Harmonie das Land erfaßt,

.

Dann blühe ich empor im Glanz des Stillen,

Dann kenn ich keine Pflicht und keinen Trott,

Dann fühle ich des Universums Willen,

Dann hüpft mein Heidenherz bis hoch zu Gott.

.

.