A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Schlagwort-Archiv: Donald Trump

Eine so bizarre Figur

.

Sonntag, 27. Oktober 2024: Der Ritter vom heiligen Geist an Mephisto

Sonntag, 27. Oktober 2024, VERDENS GANG:

Schon 2016 fehlte es nicht an Warnungen, als Donald Trump für das Weiße Haus kandidierte. Nach seiner Abwahl vier Jahre später ging ein Mob zum Sturm auf das Kapitol über. Noch einmal vier Jahre später könnte eine dünne Mehrheit in einigen Bundesstaaten Trump zu einem zweiten Wahlsieg verhelfen – und das, obwohl selbst enge frühere Mitarbeiter vor ihm warnen. Nun ist Faschismus tatsächlich schwer zu definieren, und beim Phänomen Trump geht es nicht um eine kohärente politische Ideologie oder ein bestimmtes Wirtschaftssystem, sondern um eine prahlerische Respektlosigkeit vor der demokratischen Kultur, gepaart mit allgemeiner Inkompetenz. Die offenkundigen Lügen, die zahlreichen Beleidigungen und vieles andere wirken von außen betrachtet wie der pure Wahnsinn, nicht jedoch bei überzeugten Anhängern. Wenig historische Themen sind so gründlich untersucht worden wie das Vorfeld des Zweiten Weltkriegs, aber bis heute ist unklar, wie eine so bizarre Figur wie Hitler in der Kulturnation Deutschland an die Macht kommen konnte. Die Geschichte wiederholt sich nicht 1 zu 1, aber manche Mechanismen erscheinen bekannt: ein seltsamer Kandidat, der gegen Regeln und Konventionen verstößt und mit allem davon kommt, selbst mit einem versuchten Staatsstreich.

.

.

Sonntag, 27. Oktober 2024, Wikipedia:

Am Morgen des 9. November 1923, einem Freitag, marschierte Adolf Hitler mit seinen Anhängern auf die Feldherrnhalle zu, wo es zu einer Konfrontation mit der Bayerischen Landespolizei, einem kasernierten Bereitschaftspolizeiverband, kam. Der Marsch im Rahmen des Hitlerputsches wurde blutig gestoppt. Vor der Feldherrnhalle wurden vier Polizisten, dreizehn Putschisten sowie ein unbeteiligter Schaulustiger getötet. Später wurden bei der Erstürmung des Wehrkreiskommandos in der nahe gelegenen Schönfeldstraße zwei weitere Putschisten durch die Bayerische Landespolizei erschossen.

Nach der Machtergreifung 1933 wurde die Feldherrnhalle zu einem besonderen Ort der NS-Propaganda. An der östlichen Seite wurde auf dem oberen Plateau eine Tafel mit den Namen der seinerzeit so genannten Blutzeugen aufgestellt, die von einer Ehrenwache der SS bewacht wurde. Auf der Rückseite der Tafel war der Satz zu lesen: „Und ihr habt doch gesiegt.“

 

Wahrheit und Wirklichkeit

.

Dienstag, 22. Oktober 2024: Der Ritter vom heiligen Geist an Mephisto

Die Massaker der Hamas-Terroristen am 7. Oktober 2023 in Israel sind in über 60.000 Videos dokumentiert. Trotzdem schenken viele Menschen Falschinformationen aus den sozialen Medien Glauben. Wie kann das sein?

Am 7. Oktober 2023 zerstören Hamas-Terroristen den Grenzzaun zu Israel. Rund 3000 Kämpfer dringen über den Land-, See- und Luftweg in das Land ein. Die Terroristen schießen wahllos auf Passanten, sie plündern, morden und vergewaltigen in 22 Ortschaften an der Grenze. Bei Re’im findet gerade ein Musikfestival statt. Die Terroristen stürmen das Gelände und feuern in die Menge. Sie ermorden 364 Festivalbesucher, viele wurden zuvor noch gefoltert und vergewaltigt. Die „New York Times“ recherchierte sehr umfangreich über die sexuelle Gewalt gegen Frauen. Danach berichten Zeugen von Frauen- und Mädchenleichen mit gespreizten Beinen, abgerissener Kleidung und deutlichen Anzeichen von Missbrauch im Genitalbereich. Videos zeigen zwei tote israelische Soldatinnen, denen offenbar direkt in die Vagina geschossen wurde.

Auf einem Foto ist eine Frauenleiche zu sehen, der Nägel in die Oberschenkel und die Leistengegend gehämmert wurden. Eine Festivalbesucherin sagt aus, sie habe sich während des Massakers unter einem Baum versteckt und mit Gras bedeckt, weil ihr in den Rücken geschossen wurde. Sie habe gesehen, wie einer Frau die Hose bis zum Knie heruntergezogen worden sei. Ein Mann habe hinter ihr gestanden und sie vergewaltigt. Jedes Mal, wenn sie zurückgewichen sei, habe er ihr mit einem Messer in den Rücken gestochen.

Eine andere Frau, so die Zeugin, sei von einem Terroristen vergewaltigt worden, während ein weiterer Mann mit einem Cuttermesser ihre Brüste abgeschnitten habe. In Be’eri und Kfar Aza wurden in sechs Häusern Leichen von Frauen und Mädchen gefunden. Sie waren nackt, verstümmelt und gefesselt. An diesem Tag werden 1139 Menschen ermordet. Darunter sind 695 Zivilisten, einschließlich 36 Jugendliche und Kinder. Ein Ersthelfer sagt vor der Knesset aus, er habe abgetrennte Schädel von drei Kindern gesehen. Vor 75 Jahren erschien George Orwells Roman „1984“. Heute denken die meisten Menschen bei dem Titel an den Überwachungsstaat, an „Big Brother is watching you“, „Der Große Bruder sieht dich“. Aber eine andere Idee des Romans reicht weiter.

In dem Roman verändert das „Wahrheitsministerium“ die Sprache der Menschen und damit die Wahrheit. Dieses Ministerium „war ein riesiger pyramidenartiger, weiß schimmernder Betonbau, der sich terrassenförmig dreihundert Meter hoch in die Luft reckte. Von der Stelle, wo Winston stand, konnte man gerade noch die in schönen Lettern in seine weiße Front gemeißelten drei Wahlsprüche der Partei entziffern: ,Krieg bedeutet Frieden / Freiheit ist Sklaverei / Unwissenheit ist Stärke‘.“

Das Gegenteil der Wahrheit wird geglaubt, wenn sie nur oft genug behauptet wird. Vergangenheit lässt sich verändern, Tatsachen gelten nichts. George Orwell hatte recht. Am Anfang waren es nur alberne Verschwörungstheorien:

Die Mondlandung sei von Stanley Kubrick im Auftrag der US-Regierung inszeniert worden. Die Welt würde von Reptiloiden regiert, die sich als Menschen tarnen, wie zum Beispiel Barack Obama, die Queen oder Angela Merkel. Die Erde sei eine Scheibe. Paul McCartney sei schon lange tot, Walt Disney nur eingefroren, und Elvis lebe noch. Dann wurde es ernster. Die Terroranschläge am 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York seien von der US-Regierung selbst durchgeführt worden. Der Bevölkerung wären über den Corona-Impfstoff heimlich Mikrochips implantiert worden. Globale Eliten würden Zuwanderungsströme steuern. Putin erklärt, die Ukraine sei ein von Nazis unterwanderter Staat, der Genozid an der eigenen Bevölkerung verüben wolle. Und Donald Trump verkündet noch immer, er habe die Wahl gewonnen.

Opfer werden zu Tätern, Täter zu Opfern

Die sozialen Medien sind weitaus mächtiger, als es ein „Wahrheitsministerium“ je sein könnte. Mit einem Tastenklick werden dort Opfer zu Tätern und Täter zu Opfern gemacht. Wahrheit ist heute nur noch eine Meinung – und man darf ja wohl auch anderer Meinung sein. Die Wirklichkeit scheint nicht mehr zu existieren, selbst bei den schrecklichsten Verbrechen. Zu den Massakern am 7. Oktober 2023 in Israel gibt es über 1500 Zeugenaussagen, über 60.000 Videos – unter anderem aus den beschlagnahmten Körperkameras der Terroristen – und zahllose Fotos der Morde, Folterungen und Vergewaltigungen. Trotzdem glauben über 90 Prozent der Palästinenser im Gazastreifen und Westjordanland, die Hamas habe in Israel keine Gräueltaten verübt. Twitter, TikTok und Telegram werden mit Terrorpropaganda, Falschinformationen und Antisemitismus überschwemmt.

Und das funktioniert: Auf der Sonnenallee in Berlin feiert am Abend des 7. Oktober das palästinensische Netzwerk Samidoun den Angriff der Hamas. Süßgebäck wird dabei an Passanten verschenkt. In London, Stockholm, Barcelona, Washington, New York, Chicago, Sydney und anderen Städten jubeln Menschen über den Terroranschlag auf Israel. Schon zwei Wochen nach den Morden gehen in London 100.000 Demonstranten für die Palästinenser auf die Straße. Die Terroristen nahmen am 7. Oktober 2023 in Israel 251 Geiseln.

An dem Tag, an dem ich diesen Text schreibe, sind nach Zählung der Zeitung „Haaretz“ noch immer 66 Menschen in der Gewalt der Hamas, 35 Entführte wurden bereits für tot erklärt. Die jüngste Geisel ist ein Baby. Der Junge war achteinhalb Monate alt, als er entführt wurde.

In Orwells „1984“ heißt es: „Wenn Sie sich ein Bild von der Zukunft machen wollen, dann stellen sie sich einen Stiefel vor, der ein menschliches Gesicht zertrampelt – unaufhörlich.“

Diese Stiefel sind heute die sozialen Medien.

.

Ferdinand von Schirach (in der „Welt“ und in BILD)

(Dieser Text darf auf ausdrücklichen Wunsch des Autors unentgeltlich nachgedruckt werden.)

.

.

Wahrheit‘ definieren wir mit Aristoteles als die Eigenschaft einer Aussage, die sagt, was ist. ‚Gewißheit‘, ‚Sicherheit‘, ‚Evidenz‘ bezeichnen psychische Zustände, in denen es einem Menschen mehr oder weniger unmöglich ist, eine bestimmte Überzeugung sinnvoll zu bezweifeln. Ganz offensichtlich haben diese beiden Eigenschaften (einmal einer Aussage, das andere Mal einer psychischen Befindlichkeit) kaum etwas miteinander zu tun. Entsprechend unterscheiden wir ‚Realität‘ als das von der Menge aller möglichen Aussagen Bezeichnete von ‚Wirklichkeit‘ als der Menge der individuellen oder kollektiven Überzeugungen, an denen ein Mensch, eine Gruppe oder eine Gesellschaft nicht sinnvoll zweifeln kann, ohne sich selbst radikal infrage zu stellen. Solches radikale Infragestellen wird über psychische und soziale Mechanismen zumeist sehr wirkungsvoll verhindert.

Rupert Lay Dialektik für Manager

 

Die Entwicklung der Menschheit

.

Freitag, 2. Februar 2024: Serapion an Mephisto

Vor mittlerweile 2830 Tagen, am 4. Mai 2016 ( 4.5.16 Mephisto an Serapion ), schriebst Du mir seinerzeit unter dem Titel des Kästner-Gedichts (und weil ich mich dem heute vorbehaltlos anschließen möchte, setze ich zur Erinnerung es Dir noch einmal wortgetreu hierher):

 

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,

behaart und mit böser Visage.

Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt

und die Welt asphaltiert und aufgestockt,

bis zur dreißigsten Etage.

 

Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,

in zentralgeheizten Räumen.

Da sitzen sie nun am Telefon.

Und es herrscht noch genau derselbe Ton

wie seinerzeit auf den Bäumen.

 

Sie hören weit. Sie sehen fern.

Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.

Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.

Die Erde ist ein gebildeter Stern

mit sehr viel Wasserspülung.

 

Sie schießen Briefschaften durch ein Rohr.

Sie jagen und züchten Mikroben.

Sie versehn die Natur mit allem Komfort.

Sie fliegen steil in den Himmel empor

und bleiben zwei Wochen oben.

 

Was ihre Verdauung übrigläßt,

das verarbeiten sie zu Watte.

Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.

Sie stellen durch Stiluntersuchung fest,

daß Cäsar Plattfüße hatte.

 

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund

den Fortschritt der Menschheit geschaffen.

Doch davon mal abgesehen und

bei Lichte betrachtet sind sie im Grund

noch immer die alten Affen.

(Erstdruck 1932)

 

Erich Kästner (1899 – 1974)

Kästner, einer meiner fünf Lieblingsdichter, über den Wolfgang Koeppen einst schrieb: ‚Kästner saß im Café neben dem Tod. Gab es einen Engel oder Teufel, der ihn schützte?‘

Um zurückzukommen auf die alten Affen. Wir sollten uns in Europa nicht zu sehr in unseren Illusionen wiegen. Denn es ist überhaupt nicht unwahrscheinlich, daß der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Donald Trump heißt. Und das ist insofern sogar doppelt beunruhigend, da dies geschähe, nachdem sein Vorgänger ausgerechnet Barack Obama wäre, ein Mensch, dem man tatsächlich die besten Absichten unterstellen kann und dessen Amtsantritt mit den höchsten Hoffnungen verbunden war.

Die Hoffnung unserer Zeit, ein tatkräftiger sympathischer Mann, hochintelligent und eloquent und mit den wahrlich besten Absichten als Präsident des mächtigsten Landes unseres Planeten hat es nicht geschafft! Die alten Affen applaudieren seinen Gegnern.

Putin und Trump und und und….

Die Welt wird einem Alptraum immer ähnlicher.“

Phänomene des Niedergangs menschlicher Intelligenz

.

11. Dezember 2022: Ein Ritter vom heiligen Geist an Mephisto

.

Die Medien verändern die Welt. Die Erfindung der Schriftzeichen bescherte der Menschheit die ersten Hochkulturen, die Erfindung der Buchstaben brachte die griechische Demokratie. Die Erfindung des Buchdrucks führte zur Reformation, die Erfindung des Zeitungsdrucks zur französischen Revolution. Die Erfindungen des Kinos und „Rund“„funk“s führten zum Totalitarismus des Kommunismus und Faschismus.

Und dann kam das Fernsehen….

Seit Erfindung und flächendeckender Etablierung des Fernsehens wird, in der westlichen Hemisphäre statistisch nachweisbar, ein Niedergang des menschlichen Intelligenzquotienten konstatiert.

Und obwohl man nun denken könnte, der „Duce“, der Mussolini wäre an durchschaubarer Physiognomik nicht zu übertreffen, bescherte uns die Durchseuchung der Welt mit Internet und Facebook und Twitter den doch eigentlich schon augenscheinlich exemplarischen Typus eines Donald Trump.

Und in Deutschland erschienen, beispielsweise, die Nichtdenker der „Querdenker“.

Und letzte Woche, Heinrich, mir graut’s vor dir, tauchte auf wie Kai aus der Kiste Prinz Heinrich XIII.!

Er, auf den Deutschland und die Welt warteten.

Und die Russen…

Man könnte natürlich auch lachen und sich seine Herrschaft ausmalen, und wie er die Probleme des Landes löste und der Welt.

Aber Heinrich XIII., und da haben selbst die tendenziösen öffentlich-rechtlichen Medien Deutschlands recht, Heinrich XIII. ist tatsächlich nur die Spitze eines Eisbergs…

.

.

Seltsam! – Wenn ich der Dei von Tunis wäre,

Schlüg ich, bei so zweideut’gem Vorfall, Lärm.

Heinrich von Kleist (1777 – 1811): Prinz Friedrich von Homburg

.

Warum die Menschheit die Klimakatastrophe nicht verhindern kann

.

Sonntag, 20. November 2022: Kassandra an Mephisto

.

Der Mensch ist aufgestiegen zum Herrentier dieses Sandkons Erde aufgrund seiner genetischen Disposition als expansibles Wesen. Damit ist hier nicht nur gemeint der natürliche Fortpflanzungs- und Lebensraumgewinnungstrieb sämtlicher Lebewesen, sondern sein spezieller Trieb zur Ungenügsamkeit. Mit dem er sich unterscheidet von einer zufriedenen Kuh auf der saftigen Wiese. Mit seinem Trieb, der ihn sogar bewegen kann zum Übervorteilungsstreben gegenüber seinen Artgenossen!

Welcher Sachverhalt im ungünstigen Fall umschrieben wird mit den Begriffen Krieg, Mord, Raub und Ruhmsucht.

Und im günstigen Fall mit Streben nach Glückseligkeit, als Gut eines Grundrechts von Verfassungsrang sogar fixiert in Bhutan.

Und in den USA.

Womit immerhin etwas dem Menschen zutiefst Innewohnendes verdeutlicht worden ist.

Neutral könnte man jene offenbar genetische Veranlagung menschlichen Wesens zur Ungenügsamkeit umschreiben mit einem generellen Antrieb zur ständigen Verbesserung seiner Lebensumstände, und zwar nicht nur getrieben durch die Drangsal der Nöte: „Not ist die Mutter der Intelligenz“ (Baudelaire), „Alles, was da kreucht, wird mit der Geißel zu Weide getrieben“ (Heraklit).

Der Mensch ist ein Wesen, so hat einmal ein kluger Mann es treffend gesagt, das auf den Ozean hinausfährt, ohne zu wissen, ob es hinter dem Horizont ein neues Ufer fände.

Das täte kein anderes Tier!

Exakt dieser Trieb hat eine menschliche Zivilisation hervorgebracht, in der jedes Individuum der mittlerweile acht Milliarden Einzelwesen umfassenden Gattung das eigentlich doch perverse Recht als Selbstverständlichkeit zugesprochen erhält, bei entsprechenden Einkünften sich mindestens ein eigenes Auto auf die bitteschön asphaltierte und gepflegte Straße vor seine Haustüre stellen zu dürfen.

Und der Mensch hat sie, seine Zivilisation, zwangsläufig entwickelt zu einer in grandioser Weise immer höheren Stufe bis zur Unbeherrschbarkeit des komplexen Systems.

Und der Mensch hat sie, seine Zivilisation, somit zwangsläufig in einen immer schärfer hervortretenden dialektischen Gegensatz manövriert zur Mitwelt und zu allem übrigem Getier.

Aber die dialektischen Gegensätze jedweder kosmologischen Veränderung schlagen natürlich wieder zurück und zwar gegenwärtig in einem Ausmaß, das die menschliche Gattung an sich auszulöschen vermag. Wie wir inzwischen alle wissen, sofern man nicht Donald Trump heißt oder Alice Weidel.

In der Verzweiflung beginnt man nun lauter immer größere Löcher aufzureißen, um die kleineren zu stopfen, und beispielsweise Milliarden Akkumulatoren herzustellen für Milliarden Elektroautos für künftig zehn Milliarden Menschen… Wie war das doch gleich mit den Atomkraftwerken, bei denen man einst meinte, die Energieprobleme der Menschheit gelöst zu haben? Ach ja, es existiert bisher noch kein einziges Endlager zur Entsorgung der Abfälle für die nächsten hunderttausend Jahre…

Oder man veranstaltet weltweite Kongresse, bei denen festgeschrieben wird, in politischen Kompromissen, was getan werden müßte. „Und bald herrschte wieder Einigkeit im Saal, und nun freut sich alles schon aufs nächste Mal“ heißt es in einem Altberliner Lied.

Diese Kompromißfähigkeit… Ein eigentlich bemerkenswert schöner Zug…

Die Menschheit wird jedoch das sogenannte 1,5-Grad-Ziel mit dessen an sich bereits katastrophalen Auswirkungen nicht erreichen, ohne ein neues größeres Loch aufzureißen durch vielleicht irgendeinen neuen technologischen Klabberatismus.

Und selbst in jenem unwahrscheinlichen Fall des Gelingens wird die Menschheit das eigentliche Problem, nämlich der Ungenügsamkeit, nicht lösen, weil es triebhaft verwurzelt ist in jedem ihrer Exemplare.

Es sei denn, der Menschheit gelänge es noch blitzartig, eine Weltregierung zu etablieren. Noch dazu ausgestattet mit einer totalitär durchsetzungsfähigen Macht, die einzelne Staaten und in den Staaten die einzelnen Bürger nicht nur drakonisch zwingt zur Genügsamkeit selbst mit Ungenügendem, sondern sogar zum einschränkenden Verzicht auf in Generationen mühsam erworbene Errungenschaften, das Wort kommt von „ringen“, und zum Verzicht auf nie hinterfragte vermeintliche Selbstverständlichkeiten.

Beispielsweise zum Verzicht auf den individuellen Besitz eines motorbetriebenen Fahrzeugs.

Beispielsweise zum Verzicht auf Kosmetik.

Beispielsweise zum Verzicht auf wechselnde Moden, nämlich mittels Zuteilung einer vorgeschriebenen Anzahl an uniformen Kleidungsstücken.

Beschränkung, Genügsamkeit, Verzicht, Zuteilung, Lebensmittelkarten.

Und dreimal in der Woche wird veganer Eintopf gegessen!

Etc. pp.

Um nur ganz wenige Dinge anzudeuten, die wichtig wären für das Überleben möglichst vieler der gegenwärtig acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten.

Es gab Epochen, da wurde das Opfern gepflegt als gesellschaftlicher Ritus…

Was heute alles hinausliefe auf eine revolutionär organisatorische Umgestaltung der existentiellen Daseinsformen.

In kürzester Zeit.

Das aber ist derart unwahrscheinlich, daß man sagen kann: Es wird nicht sein. Schon allein der Erkenntnisprozeß ist unwahrscheinlich. Bisher ist man noch nicht einmal dazu gelangt, die an sich auf der Hand liegende simpelste Frage zu stellen: Unter der Voraussetzung, es gelänge die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen bis zum Jahre 2100, was wäre damit gewonnen gegenüber dem Jahr 2101 und den folgenden?

Obwohl sich gerade diese Frage zumindest ohne weiteres beantworten ließe: Die Erhitzung steigt natürlich weiter.

Das Scheitern unserer Zivilisation bei der Sicherung ihres Fortbestandes in jetziger Fülle und Form offenbart sich jedoch bereits darin, daß sich, bisher zumindest, niemand die eigentlich naheliegendste aller Frage auch nur zu denken, geschweige denn zu stellen traut: Was können wir tun, um möglichst viele Menschen zu retten, wenn sich unser Planet um mehr als 1,5 Grad erhitzt? Wir sollten doch endlich darüber nachzudenken beginnen, ob es zum Beispiel Sinn macht, künftige Städte unterirdisch zu errichten für die Überlebenden.

Der Planet wird weder zehn noch acht Milliarden Menschen vertragen mit individuellen Freiheitsrechten nicht nur in modischer Kleidung, sondern auch mit den aller Welt doch offensichtlich geradezu symbolhaft widernatürlichen Veranstaltungen wie derzeit in Katar.

Und das Häuflein der Wenigen, das eben das begriffen hat, nennt sich in seinem Entsetzen verzweifelt „Letzte Generation“…

.

.

Denn er [der Mensch] mißbraucht gewiß seine Freiheit in Ansehung anderer Seinesgleichen; und ob er gleich als vernünftiges Geschöpf ein Gesetz wünscht, welches der Freiheit Aller Schranken setze: so verleitet ihn doch seine selbstsüchtige thierische Neigung, wo er darf, sich selbst auszunehmen.“

Immanuel Kant (1724 – 1804): Ideen zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht

.

Das ist die Frage aller Fragen und die Antwort aller Antworten

 

20. März 2021: Bellarmin an Mephisto

 

Stell Dir vor, was diese Woche geschehen ist:

Da wurde in Washington ein Bericht der amerikanischen Geheimdienste veröffentlicht, demzufolge auch bei den letzten Wahlen von russischer Seite versucht worden sei, den Wahlkampf zugunsten Donald Trumps zu beeinflussen mittels des Streuens von Unwahrheiten und Irreführungen sowie erneuten Angriffen auf „wichtige Sektoren der Wahl-Infrastruktur“.

Davon nicht das geringste Sterbenswörtchen in der sich als das seriöseste Nachricht-Medium Deutschlands verstehenden 20-Uhr-Tagesschau!

Einen Tag später, da sagt der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ins Angesicht unseres Planeten, daß er den ruhmredigen Präsidenten des größten ruhmredigen Staates der Erde für einen Mörder hält – und die gebührenfinanzierte 20-Uhr-Tagesschau bringt davon kein Wort!

Infolge jenes in der Weltgeschichte einmaligen Vorgangs ruft der Auftraggeber seinen Botschafter aus den Vereinigten Staaten von Amerika zurück ins ruhmredige Rußland – und die laut bundesdeutschem Pressekodex zur wahrheitsgemäßen Unterrichtung der Öffentlichkeit verpflichtete 20-Uhr-Tagesschau meldet darüber nicht ein einziges Wort!

In den Folgetagen in Deutschland außer eines wie immer erfreulich klartextlichen Kommentars von Marcus Pindur und eines Interviews der wie immer erfreulich kompetenten, klugen und kenntnisreichen Marieluise Beck von den Grünen, beide im Deutschlandfunk, keinerlei Behandlung oder gar eine den Tatsachen entsprechend angemessene Gewichtung, weder von politischer Seite noch in den öffentlich-rechtlichen Medien, dieser im wahrsten Sinne ungeheuerlichen Phänomene nach dem Zweiten Weltkrieg!

Auf die freilich unmöglich von einem bundesdeutschen Journalisten gestellte Frage, ob er Putin für einen Mörder halte, antwortet der US-amerikanische Präsident also offenherzig, daß er das tue. Hätte er hingegen auf die freilich nie einem deutschen Journalisten in seinen politisch korrigierten Sinn gekommene Frage des journalistischen Vertreters einer freien Presse mit einem Nein geantwortet, hätte sich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika doch aber entweder als fahrlässig dumm oder als fahrlässig verlogen offenbart (geautet im ordinären Dummdeutsch deutscher Journalisten).

Gottseibeiuns!

Was sollte man denn nun machen in der Redaktionsstube der ARD? Na klar: Dasselbe wie der Leiter des Deutsch-Russischen Forums Matthias Platzeck (SPD) im Einklang mit den Genossen der Linkspartei: Schweigen. Denn der Biden in den USA, der hat ja keine Beweise vorgelegt, daß Wladimir Wladimirowitsch etwas gewußt habe über das Ableben Litwinenkos oder der Politkowskaja oder Nemzows oder die plötzlichen Erkrankungen der Skripals oder Nawalnys, dessen Namen der Wladimir, als kennte er (als Staatschef!) ihn nicht im Gegensatz zum Rest der Welt, dessen Namen bis vor kurzem er überhaupt nur einmal in seinen Mund zu nehmen sich hütete aus irgend einem Grund. Und aus der Linkspartei und von Matthias Platzeck hieß es ja auch prompt, also wenn da Geheimdienste im Spiel wären bei Nawalnys seinerzeitigem Zusammenbruch im Flugzeug, dann könnte man gar nichts mehr dazu sagen.

Denn dann wäre ja alles möglich.

Was nahe legen soll: Dann wäre es wohl die CIA, die ihre Hände im Spiel hatte.

Mit dem Ziel der Verbreitung antisowjetischer Propaganda.

Und was will man denn? Der Verbrecher Nawalny befindet sich inzwischen rechtmäßig russisch verurteilt im russischen Gewahrsam des russischen Straflagers IK-2 in Pokrow, Franz-Stollwerck-Straße Nr. 6. Weil er hat ja seine Meldepflicht verletzt! Und da wird er, damit ihm solches nicht wieder passiert, selbst jede Nacht von einem neben ihm sitzenden Wärter überwacht und jede Stunde geweckt und fotografiert und der Anwesenheitsnachweis meldepflichtig nach draußen gemeldet. Also sicherer geht es kaum, da soll er sich noch mal beschweren!

 

Donnerstag, 18. März 2021, Deutschlandfunk:

Beck: Wir haben es ja in Deutschland selber erlebt. Mein Büro übrigens war im Februar 2014 das erste, das gehackt worden ist – wie wir jetzt wissen von genau derselben Gruppe des russischen Auslandsgeheimdienstes, die auch die Clinton-Kampagne gehackt hatten. Das ist vollkommen klar belegt.


Heckmann: Frau Beck, bisher ist ja unklar, ob diese Hacker-Angriffe und Desinformationskampagnen von irgendwelchen russischen Hackern kommen, die irgendwo sitzen, oder von Aktivisten, oder ob der Auftrag aus dem Kreml kommt. Den US-Diensten stellt sich diese Frage offenbar nicht mehr. Sie sagen, entweder hat der Kreml diese Aktivitäten selbst durchgeführt, oder andere damit beauftragt. Wie sicher sind Sie, dass die russische Regierung hinter diesen Aktivitäten steckt?

Beck: Ich kann das für Deutschland ganz klar sagen. Es handelt sich um zwei Gruppen des russischen Auslandsgeheimdienstes. Die heißen APT28 und APT29, Cozy Baer und Fancy Baer. Diese Hacker-Angriffe sowohl in den USA als auch bei mir im Büro, sind ganz eindeutig diesen beiden Gruppen zugeordnet worden. Das ist auch vom deutschen Geheimdienst und vom Innenministerium und vom Bundesamt für die Sicherheit von Informationstechnik in keinster Weise bestritten worden, sondern im Gegenteil. Das ist die Auskunft dieser Stellen.

Heckmann: Und das heißt?

Beck: Das heißt, es gibt massive Versuche, tatsächlich auch in einen Nerv von modernen Gesellschaften einzudringen. Aber wie gesagt, ich halte für eigentlich noch gefährlicher die systematische Politik der Beeinflussung mit Botschaften, mit Propaganda, durch Verwirrung, so dass zum Schluss Bürgerinnen und Bürger sagen, nichts Genaues weiß man nicht, und diese Netzwerke, die aufgebaut werden.


Heckmann: Wie könnte man sich dagegen schützen als Land oder auch der einzelne? Was ist da Ihr Rat?

Beck: Ich glaube, dass wir sehr viel genauer hinschauen sollten zu Finanzströmen, auch wenn es selber weh tut. Ich glaube, dass wir einfach eine wirklich aufmerksame Medienlandschaft brauchen. Wir brauchen auch eine Politik mit geradem Rücken. Wer, wie jetzt in Mecklenburg-Vorpommern, Gazprom die Möglichkeit gibt, eine Fake Umweltstiftung zu gründen, die nichts anderes ist als ein Gazprom-Geschäftsinteresse, der handelt nicht im Sinne von Demokratie und Aufklärung, die wir in der Demokratie brauchen – Wahrheit und Aufklärung.

 

 

Das Unbehagen, das viele in Deutschland bei solch klaren Worten verspüren, ist fehl am Platz. Denn dem liegt die falsche Vorstellung zu Grunde, man könne den Kreml-Herrscher durch freundlichen Ton zur Kooperation bewegen. Alle Erfahrungen der letzten zehn Jahre sprechen dagegen. Die Bundesregierung könnte dazu beitragen, Putin die Grenzen aufzuzeigen, indem sie die unselige Nord-Stream-2-Pipeline endlich ad acta legt. Putin ist, wer er ist. Biden hat dies lediglich offen ausgesprochen.

Marcus Pindur, Donnerstag, 18. März 2021, Deutschlandfunk

 

Endlich!

Das eine und das andere

 

23. Januar 2021: Bellarmin an Mephisto

 

Anfang des Monats lauteten Meldungen in Deutschland:

Petition: ‚Reporter ohne Grenzen‘ wenden sich gegen eine mögliche Auslieferung von Wikileaks-Gründer Assange“.

Oder:

Wikileaks-Gründer Assange: Bundestagsabgeordnete fordern britische Regierung zum Eingreifen auf“.

Das lasse Dir auf der Zunge zergehen: Bundestagsabgeordnete fordern die britische Regierung auf zum Eingreifen in eine als unabhängig geltende Justiz, um Julian Assange, der als Journalist gilt, der ordentlichen Rechtsprechung eines als frei geltenden und gerade letztlich erneut als Hort der Demokratie gefeierten Landes zu entziehen…

Und es versammelten sich die üblichen Empörten mit ihren üblichen Verstandeskräften in London vor Gericht.

Nach dem Urteil der Richterin lobte am 5. Januar tatsächlich die NORDWEST-ZEITUNG:

…dass unter starkem politischen Druck aus den USA Großbritanniens Justiz ihre Unabhängigkeit bewiesen hat und die hochbrisante Causa Assange nach rechtsstaatlichen Maßstäben betrachtet. Dazu gehört zweifellos seine Gesundheit – und übrigens auch der Umstand, dass Assange schon sieben Jahre im Arrest und nun anderthalb Jahre in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis zugebracht hat.

Das ist jetzt richtig wichtig, das mußt Du Dir merken: Wenn sich ein Angeklagter der Rechtsprechung sieben Jahre lang entzieht, soll ihm dies als mildernder Umstand angerechnet werden! Plus seine Zeit in U-Haft!

Und in der schwedischen Zeitung SKÅNSKA DAGBLADET lasen wir:

Assange hielt sich viele Jahre in der ecuadorianischen Botschaft in London auf, um der schwedischen Justiz zu entgehen. Aber die Vorwürfe wegen Vergewaltigung sind verjährt und die Verfahren eingestellt. Nun ist Assange ein psychisches Wrack und alles andere als der große Kämpfer für Meinungsfreiheit, als der er sich gerne präsentierte.

Das ist es! Stell Dir vor, die Richterin soll ihr famoses Urteil der Ablehnung einer Auslieferung an ein ordentliches Gericht tatsächlich darauf gegründet haben, daß der Julian Assange sich sonst das Leben nehmen könnte.

Also das kommt noch außerdem hinzu: Wenn Du deprimiert bist! Merk Dir das! Das ist ein Präzedenzfall sondergleichen!

So etwas habe ich noch nie gehört. Wenn Du deprimiert bist, können sie Dir nichts anhaben! Dann kommst Du nicht vor Gericht! Das ist ein Freifahrtschein für Deine künftigen Machenschaften: Denn wenn sie Dich kriegen, bist Du sowieso deprimiert, wie ich Dich kenne, weil es wieder schief gegangen ist.

Allerdings, welch furchtbares Wort, allerdings gibt es einen Wermutstropfen für seine Entourage der Dauerempörten mit ihren üblichen Verstandeskräften, wie der THE SYDNEY MORNING HERALD aus Australien berichtete:

Aber in jedem anderen Punkt entschied die Richterin zugunsten der USA. Sie wies Behauptungen zurück, dass Assanges Fall politisch motiviert sei, dass er keinen fairen Prozess bekommen würde und dass das Vorgehen gegen ihn ein Angriff auf die Pressefreiheit sei.

Darüber waren die Empörten dann doch wieder richtig empört mit ihren Verstandeskräften!

Aber uns soll das egal sein, denn es bekräftigt ja nur eines: Allein Deine Depression zählt! Und sie können Dir nix!

Was für ein Urteil!

Obwohl, Assange hätte sich ruhig der US-Justiz stellen können. Er hat eben nur den rechten Zeitpunkt verpaßt: Donald war sein Freund. Der Donald soll Assange mehrmals gelobt haben aus irgend einem Grund. LA VANGUARDIA aus Barcelona schrieb:

Allerdings hat Wikileaks offenbar nach ideologischen Kriterien ausgewählt. So wurden nie Informationen verbreitet, die sich gegen Russland gerichtet hätten.

In Zeiten Donald Trumps, wenn sie ihn dort zu hart angefaßt hätten, der Donald hätte ihn sofort begnadigt! Selbst ohne Depression. Der Donald hat ja wohl alle begnadigt, die ihm in seinem Wahlkampf gegen Hillary Clinton geholfen hatten mit russischer Unterfütterung.

Und was wäre das für ein Jubel gewesen unter den üblichen Empörten mit ihren Verstandeskräften!

Apropos Empörung und Verstandeskräfte: Hast Du irgendwie mitbekommen in bundesdeutschen Medien, daß „Reporter ohne Grenzen“ sich in einer Petition gegen eine „mögliche“, nein, daß sie sich gegen die stattgehabte Verhaftung des zuvor stattgehabt vergifteten Alexej Anatoljewitsch Nawalny gewendet hätten?

Oder daß Bundestagsabgeordnete die deutsche Regierung zum Eingreifen aufgefordert hätten?

Oder daß die üblichen Empörten sich in London vor der russischen Botschaft versammelt hätten samt ihren unglaublichen Verstandeskräften?

 

In beängstigend lehrreichen Zeiten

 

7. November 2020: Sehmann an Mephisto

Ich höre gerade, rund 70 Millionen Amerikaner haben bei diesen Wahlen für den skrupellos selbstverliebten Donald Trump gestimmt!

Noch einmal: 70 Millionen Amerikaner haben gestimmt für diese offensichtliche Kreuzung Benito Mussolinis mit Hermann Göring!

Und das nach vier Jahren seiner Amtszeit!

Da geben 70 Millionen Amerikaner also bewußt diesem verlogenen Twitterer und twitternden Lügner ihre Stimme mit all seinen alternativen Fakten, Falschnachrichten und sogar Feknjus.

70 Millionen abstiegsverängstigte, modernisierungsskeptische, fremdenfeindliche, islamophobe, rassistische, abgehängte, weiße alte Männer!

Und dann, habe ich mir gemerkt, gibt es auch noch in Großbritannien mehr als die Hälfte der Eingeborenen dummer, von Populisten verführte Brexitiers!

Wo kommen die bloß alle her?

Das sind ganz schön viele!

Obwohl sich alle Anständigen samt ihren Medien mit sorgenvoller Stirn so viel Mühe geben.

Diesem Pack eine jendagerechte Sprache und die politisch korrigierten Umbenennungen beizubringen. Beispielsweise von „Studentenvertreter“ in „Studierendevertreter“ und „Studierendevertreterin“…

 

 

Donnerstag, 5. November 2020, TAGESZEITUNG:

Wir wissen offenbar insgesamt sehr viel weniger über Stimmungen und grundsätzliche Einstellungen eines großen Teils der Bevölkerung, als wir glauben.

 

Donnerstag, 5. November 2020, HANDELSBLATT:

All jene, die mit einem deutlichen Sieg Bidens gerechnet haben, müssen sich nun fragen, ob sie das Land wirklich kennen – allen voran jene hier in Europa, wo auch vor vier Jahren die Abneigung gegenüber Trump den klaren rationalen Blick auf die realen Verhältnisse vernebelte.

 

Der Niedergang unserer Zivilisation am vorauseilenden Beispiel der USA

 

29. August 2020: Serapion an Mephisto

 

Der immer wieder empfehlenswerte Publizist und langjährige USA-Korrespondent des TAGESSPIEGEL Christoph von Marschall gestern im Deutschlandfunk (Hervorhebungen von mir):

Wir haben jetzt zwei Parteitage hinter uns, die auf eine bestimmte Art eigentlich genau dieselbe Botschaft haben. Es geht nicht mehr um politische Programme, es geht nicht um Ziele, es geht nicht um Steuern, nicht um Soziales, um gar nichts; es geht nur noch um eine Person, und das ist Donald Trump.

Die Demokraten haben gesagt, das ist eine Frage von Helligkeit, Licht oder Dunkel, von Gerechtigkeit oder nicht, von böse und gut. Richtig existenziell wird das aufgeladen. Trump muss raus aus dem Weißen Haus.

Die Republikaner und Trump machen das genauso. Es geht nur noch um Donald Trump. Entweder ihr seid für ihn, oder gegen ihn. Alles Weitere spielt keine große Rolle und was tatsächlich Fakt in Amerika ist, spielt sowieso keine mehr. Corona ist fast vergessen, die Kriminalität wird nur instrumentalisiert, benutzt von den Demokraten als Beweis für die Ungerechtigkeiten in Amerika, von Trump als Beweis dafür, dass die Demokraten nur noch Chaos in Amerika haben wollen.

… Früher bei Barack Obama ging es für oder gegen eine allgemeine Krankenversicherung, für mehr Kompromisse in der Wirtschaftspolitik ja oder nein, und in der Außenpolitik auch, ob man mehr mit seinen Partnern zusammenarbeitet, oder ob mehr Härte gefragt ist.

In diesem Wahlkampf 2020 sind all solche wirklich politischen Fragen, um die es doch eigentlich gehen müsste in einem Wahlkampf – zwei Lager haben unterschiedliche politische Konzepte –, das ist alles völlig an die Seite gerückt worden und es ist nur noch ein Wahlkampf für oder gegen Donald Trump, und das ist natürlich auch ein sehr riskantes Konzept für die Demokraten.

… Seit Jahren wird in Amerika von den Demokraten Wahlkampf geführt, dass man die Spaltung überwinden müsse, aber es ist niemandem gelungen. Die Spaltung wird immer tiefer.
Aber sie ist jetzt auf einmal nicht nur an politischen Identitäten festgemacht, sondern an der einzigen Person des Präsidenten, und das ist diese enorme Aufladung und das ist aus zwei Gründen riskant. Die Polarisierung nützt in der Regel den Polarisierern.

Das ist Trumps Konzept schon die ganze Zeit gewesen. Er kann ja nicht sicher sein, dass er mit sich, seiner Programmatik und seiner Bilanz seiner Präsidentschaft, Corona plus den Wirtschaftseinbruch, dass er damit die Wahl gewinnt. Er kann die Chancen für eine zweite Amtszeit nur erhöhen, indem er sagt, hier bin ich, das sind die anderen, es ist eine Wahl zwischen Gut und Böse, Licht und Dunkel, so wie das aber die Demokraten auch gemacht haben.
… und auch hier sehen Sie wieder dieses reine Schwarz-Weiß-Denken. Wenn Sie sich die Demokraten anschauen und ihre Unterstützer, dann steht im Vordergrund die Polizeigewalt gegen schwarze Jugendliche, und es wird faktisch überhaupt nicht darüber geredet, ob diese Opfer von Polizeigewalt – und natürlich sind das skandalöse Szenen, die wir da sehen; ich will da nichts verharmlosen – aber man muss einfach mal sagen: Wenn man sich zum Teil die Opfer anschaut, das sind ja keine Unschuldslämmer, sondern das sind Leute, die selber zum Teil gegen Gesetze verstoßen haben, selbst Gewalt gegen Polizisten angewendet haben. Das spielt bei den Demokraten überhaupt keine Rolle. Es geht nur um die Ungerechtigkeit.

Bei Trump ist es umgekehrt. Trump möchte nur das Chaos in den Straßen, die brennenden Geschäfte, über die Plünderungen reden, die es ja auch gibt, die aber bei den Demokraten keine Rolle spielen, und Trump redet kein Wort über die Opfer der Polizeigewalt. Sie haben zwei völlig unterschiedliche Bilder, was sich da abspielt.

Die eine Partei sagt, wir sind ein sehr, sehr ungerechtes System, in dem Schwarze diskriminiert werden und immer wieder Opfer von Polizeigewalt werden, und die andere Seite sagt, da gibt es zwar vielleicht ein paar Probleme mit Zwischenfällen, aber schaut euch doch an, was hinterher ist. Da ist diese Black Lives Matter Bewegung, dann brennen die Straßen, dann werden Geschäfte geplündert. Wollt ihr dieses Amerika! Und dass man kein bisschen die Sichtweise des anderen Lagers auch nur einbezieht und anerkennt, das zeigt den Grad der Lagerspaltung in den Vereinigten Staaten.

 

Oben brennt es im Dach und unten rauchen die Minen,

Aber mitten im Haus schlägt man sich um den Besitz.

Friedrich Hebbel (1813 – 1863)

 

SPDämliche Rechenkünste

 

1. August 2020: Bellarmin an Mephisto

 

Du erinnerst Dich, 2017 war’s im wunderschönen Monat Mai, als alle Knospen sprangen und alle Vöglein sangen tirili tirila, da kam jener entgegen jedweder Erwartungen der europäischen Politikergarde und aller selbsternannten Anständigen zum Präsidenten der USA gewählte Donald Trump angereist übers Wasser und redete vor nunmehr mehr als drei Jahren in Europa seine schockierende Antrittsrede vor jener versammelten Garde, und da fiel man entsetzt aus allen Wolken!

Hatte da etwa ein narzißtischer Narr und ein als notorischer Lügner Verschrieener die Wahrheit getroffen? Und ist exakt am Musikantenknochen der europäischen Wertegemeinschaft auf den empfindlichsten Nerv gestoßen? Auf das Grundproblem der sogenannten Europäischen Union? Welches sich geradezu natürlicherweise auch in der Nato wiederfand? Nämlich was die Einhaltung angeht hinsichtlich grundlegender Verträge, Vereinbarungen, Abmachungen und die Verläßlichkeit von Zusagen?

Beispielsweise des Inhalts, und wie auch von Obama gefordert, die einzelnen Verteidigungsetats der, nun ja, der Verteidigungsgemeinschaft bis zum Jahre 2024 auf zwei Prozent der jeweiligen Bruttoinlandsprodukte zu erhöhen?

Und nun stellte sich dieser überseeische Flegel, der noch so viel lernen müßte und ja gar keine Ahnung mitbringt über Scherz und List, der stellte sich nun einfach hin hinter die Mikrofone und nimmt ausgerechnet ausgerechnete Zusagen, noch dazu europäische, für ernst und bare Münze und pocht, wie schon sein Vorgänger Barack Obama, auf Punkt und Komma?

In aller Öffentlichkeit??

Statt darüber erst fein säuberlich mit einem europäischen Politiker à la Juncker antichambrierend das ganze ein wenig zu exegesieren? So wie wir Europäer das gewohnt sind? Zum Beispiel bei Verschuldungsobergrenzen? Oder dem einstimmig vereinbarten Verbot der verdeckten oder gar offenen Staatsfinanzierung?

Und da hatten alle den Narziß für einen letztendlich doch eher abendländischen Politikertyp gehalten? Und sich zugeraunt, das gibt sich, der wird noch hinzulernen? Das redet der jetzt nur im Wahlkampf? Und falls der erst tatsächlich gewählt wäre, fänden sich immer noch griffige Floskeln und geschliffene Wendungen?

Zur Relativierung vorheriger Reden?

Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern – gerade darin war er doch Meister!

Und nun?

Nun kam in deutschen Landen die deutsche Sozialdemokratie ins Spiel… Und ihr Experte und heutige Fraktionsvorsitzende Mützenich gab Interviews und ihr Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat Schulz gab Interviews und erst recht natürlich ihr ehemaliger Parteivorsitzender und derzeitige Außenminister Gabriel…

Zwei Prozent!!

Diese blanke Zahl!

Das wäre ja riesig! Und das lehne er ab. Und da müsse man doch dies noch hineinrechnen und jenes. Und wir bohren doch Brunnen in Afghanistan!

Und wies zurück, daß es ein „feststehendes“ Zwei-Prozent-Ziel überhaupt gäbe. Und behauptete: „Es gibt einen Auftrag aus Wales, sich in diese Richtung zu entwickeln“.

Entwickeln und annähern und hinbewegen… Nur einen Auftrag… Und keine Verpflichtung…

Und forderte, den Sicherheitsbegriff nicht nur auf Militärausgaben zu reduzieren, sondern auch Ausgaben für humanitäre Hilfe einzubeziehen…

Und staunend erfuhren wir offenbar schulmathematisch in Prozentrechnung verbildeten Arglosen: Wir Belämmerten und der Narr sollen nun endlich einmal sozialdemokratisch rechnen lernen: Mitnichten wären, wie wir Dummlinge immer annahmen, zwei Prozent zwei Prozent!

Nun gut und nichts für ungut…

Es blieben uns SPDämlich Belehrten und vom bundesdeutschen Gegenwartsjournalismus Verlassenen allerdings zwei schlichte Fragen:

1.) Wurde auch vor dem Schwur in der Nato das sozialdemokratische Rechnen derartig besprochen?

Und natürlich:

2.) Wer konnte darüber etwas aussagen und hatte das eigentlich verhandelt und unterschrieben, das mit den zwei Prozent und nun doch nicht zwei Prozent?

Da existiert immerhin die Einlassung des früheren Nato-Generalsekretärs Rasmussen: Es gebe die Zusage der Mitgliedsstaaten, zwei Prozent ihres Bruttosozialproduktes für Verteidigung auszugeben. Und dies sei einstimmig bei seinem letzten Gipfel als Generalsekretär angenommen worden.

Und zwar auch vom deutschen Außenminister.

Der hieß seinerzeit Frank-Walter Steinmeier und war ebenfalls Mitglied der unglaubwürdigsten Partei seines Landes.

Der SPD.

Übrigens, bereits 2002 war von der seinerzeitigen rot-grün geführten Bundesregierung unter einem gewissen Gerhard Schröder, SPD, das Zwei-Prozent-Ziel angenommen worden…

Bliebe vielleicht noch anzumerken: Auf dem damaligen evangelischen Kirchentag hatte in Berlin der Schaumschläger Schulz, damals als unrühmlich abgehalfterter EU-Politiker seines Zeichens Kanzlerkandidat und mit einhundert Prozent gewählt zum Vorsitzenden der populistischsten Partei Deutschlands für ein paar Wochen, sich hingestellt und hatte, laut Deutschlandfunk und in der Tagessschau dokumentiert, „mehr Ehrlichkeit von Politikern gefordert“.