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Thalatta ! Thalatta !

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Von Empörung zu Empörung: Beschreibung eines Phänotyps

 

10. Juli 2020: Bellarmin an Mephisto

 

 

Wilhelm Busch (1832 – 1908):

 

Seine Meinung ist die rechte,

Wenn er spricht, müßt ihr verstummen,

Sonst erklärt er euch für Schlechte,

Oder nennt euch gar die Dummen.“

 

Oder verängstigt oder abgehängt oder modernisierungsskeptisch oder fremdenfeindlich oder islamfeindlich oder rassistisch…

Ich ergänze meine vorigen Ausführungen:

Ich weiß nicht, ob Du es mitbekamst, letzte Woche geschah wieder etwas Charakteristisches für unseren derzeitigen Journalismus!

Nachdem unser Innenminister Horst Seehofer geäußert hatte, er erwäge Strafanzeige zu stellen gegen das von ihm und den Medien als Autorin bezeichnete nichtbinäre Wesen Hengameh Yaghoobifarah, prompt fiel man geeint über den Mann her, er verginge sich gegen die Pressefreiheit!!

Und keiner sprach mehr über den Inhalt des nachträglich als Satire deklarierten Artikels des antirassistischen nichtbinären Wesens Hengameh Yaghoobifarah und seine Geisteswelt und die seiner Anhänger und Geldgeber für sein niveauloses Gewäsch.

Ich ergänze des weiteren:

Nach meiner Beobachtung handelt es sich bei nicht wenigen Menschen, wie der sich für Queerness, Feminismus und, in Deutschland gegenwärtig besonders hoch in Mode stehend bei geltungssüchtigen Trittbrettfahrerinnen, in Antirassismus sielenden Hengameh Yaghoobifarah weniger um einen politischen Typus als um einen psychologischen. Der sich je nach Zeitumständen manifestiert als Pharisäertum, katholische Inquisition, protestantische Bigotterie, doppelplusgutes Neusprech, kommunistische Parteilinie, sozialistisches Bewußtsein oder politische Korrektur.

Die Farbe ihrer Fahne ist sekundär.

Die Hauptsache ist das Psychogramm der Rechtgläubigkeit.

Sich manifestierend im sich hervortuenden Verurteilen.

Wenn Du Dir ihre sich ewig durch die Zeiten ziehenden quälenden Querelen vor Augen führst.

Seinerzeit wohl auch vielfach puritanisch strenggläubig schippernd über den Ozean und konzentriert sich ansiedelnd auf dem Gebiet der heutigen USA.

Drüben heute vehement kämpfend gegen die Pflicht zur Krankenversicherung und für die Freiheit des uneingeschränkten Waffenbesitzes.

Auf der einen Seite.

Und eben auf der anderen Seite für „Political Correctness“.

In Deutschland kämpfend für die wirklich wahrste rechtwinkligste Linksgläubigkeit.

In der Antifa.

Beispielsweise.

Denn man sieht ja klar seit Moses und Mohammed und Marx und Mao.

Die Geschichte ist die Geschichte von Klassenkämpfen!

Gegen die Ungläubigen!

Es ist ja so erhebend, zu bellen mit der Meute der Rechtgläubigen.

Im Rudel der Anständigen.

Ich bin am reinsten antirassistisch!

Ich bin der antifaschistischste!

Auf der richtigen Seite der Barrikade!

Dem „antifaschistischen Schutzwall“!

Es heißt nicht „Mauer“! Es heißt „antifaschistischer Schutzwall“!

Es heißt nicht „Russe“! Es heißt „Sowjetmensch“!

Sonst kein Abitur!

Gott ist ja auf unserer Seite!

Und für Kaiser Wilhelm!

Rechtgläubig, rechtgläubiger, am rechtgläubigsten!

Parteilich, parteilicher, am parteilichsten!

Parteilehrjahr.

Mit Abzeichen für gutes Wissen!

Sonst bist Du ein Fall für die Parteikontrollkommission!

Unterschieden hiervon ist natürlich der derzeit in den USA aus jüngst wieder gegebenen Anlässen wohlbegründete Kampf gegen den dort obwaltenden Rassismus.

Beispielsweise.

Oder der Aufstand der tapferen und von der sogenannten Europäischen Union und Deutschland schmählich im Stich gelassenen Helden in Hongkong.

Beispielsweise.

Unseren Typus aber erkennst Du leicht: Das sind die Leute, die, gekennzeichnet von Dauerempörung, permanent von Feind zu Feind eilen.

Von Feindbild zu Feindbild.

Sie sind es in Wahrheit, die immer einen Feind brauchen!

Schubladendenkend von Empörung zu Empörung!

Selbstverständlich kannst Du mit denen auch reden. Falls Du gleicher Gesinnung bist.

Sonst wird jedes Gespräch unerquicklich.

Denn sie hassen den Abweichler, den Revisionisten, den Ketzer.

Und der Witz ist: Dabei halten sie sich für tolerant!

Das Interesse oder gar das Vergnügen an einer anderen Meinung geht ihnen aber vollkommen ab. Gespräche enden so gut wie immer in ideologischen Ausrichtungsversuchen zur linkesten Rechtgläubigkeit.

Sie wissen gar nicht, was das ist: ein schönes freisinniges, sich gegenseitig befruchtendes Gespräch.

Ihr Hauptfeind ist gar nicht der Nazi.

Ihr Hauptfeind ist der Zweifler.

Den sie hassen.

Wenn er beispielsweise bezweifelt, daß eine Ungleichbehandlung von Ungleichem diskriminierend ist.

 

Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.“

Bertrand Arthur William Russel (1872 – 1970)

 

 

Donnerstag, 9. Januar, Deutschlandradio:

Absage von Tellkamp-Lesung: Debatte um Meinungsfreiheit in Dresden

Der Förderverein Lingnerschloss hat in Dresden eine Veranstaltungsreihe der Zeitschrift „Tumult“ abgesagt, betroffen ist auch eine Lesung von Uwe Tellkamp. Der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Joachim Klement analysiert die darum rankende Debatte.

Der Verein Lingnerschloss in Dresden hat eine rechtskonservative Veranstaltungsreihe abgesagt, der Schriftsteller Uwe Tellkamp sollte zum Auftakt dort Auszüge aus seinem neuen Roman vorstellen. Veranstalter der Reihe war die Zeitschrift „Tumult“, die sich im rechten Bereich bewegt.

Tellkamp darf nicht lesen – das hat in Dresden für einen Neuaufguss einer im Grunde alten Debatte gesorgt. Denn Rechtskonservative sehen sich oft in der Opferrolle und betrachten den herrschenden Diskurs als linksgesteuert, in dem keine anderen Meinungen zulässig sind.

Der Schriftsteller Uwe Tellkamp befindet sich erneut im Zentrum einer Debatte um die Meinungsfreiheit.

Der Intendant des Staatsschauspiels Dresden, Joachim Klement, äußert Verständnis für die Absage – denn es sei eben nicht nur um eine Tellkamp-Lesung gegangen. Sondern um eine Reihe von Veranstaltungen, bei der unter anderem auch ein Historiker habe auftreten sollen, der die deutsche Flüchtlingspolitik als „Staatsstreich“ abgetan und kirchliche Würdenträger und Medien als „Lügner“ bezeichnet habe, die „Widersacher der Meinungsfreiheit“ seien. Da sei man im Umfeld von Verschwörungstheorien und rechtsradikaler Propaganda, betont er.

 

Mittwoch, 8. Juli, Deutschlandfunk:

Ein offener Brief macht aktuell in den USA und darüber hinaus die Runde. Ein Brief, der gleich zu Beginn anerkennt, dass gerade eine sehr wichtige Diskussion über Rassismus geführt wird, Demonstrationen für Gerechtigkeit stattfinden und überfällige Reformen erfolgen müssen. Dieser Brief geht vor allem mit dem Aber weiter: Der Diskussion mangele es an Toleranz, Kritik werde nicht zugelassen, abweichende Meinungen würden verschmäht und klein gemacht.

Unterzeichnet wurde er von rund 150 bekannten Schriftstellern und Schriftstellerinnen wie Margret Atwood oder J.K. Rowling, von Journalisten und Journalistinnen und Intellektuellen – vor allem aus den USA. Einer davon ist Yascha Mounk, Politikwissenschaftler, Autor und Professor an der Johns Hopkins University.

„Gegen die Kultur eines echten Meinungsaustauschs“

So seien der beste Beweis für die kritisierte Einengung von Meinungen die Reaktionen auf den Brief selbst, sagt Yascha Mounk. Innerhalb von nur wenigen Stunden sei versucht worden, einen Unterzeichner beruflich zu schädigen. „Das illustriert das Problem, um das es uns in diesem Brief geht besser, als alles, was davor passiert ist.“

 

Mittwoch, 8. Juli, Deutschlandfunk:

Dutzende Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler sorgen sich in einem offenen Brief um den freien Austausch von Informationen und Ideen. Das Klima sei tatsächlich rauer und bornierter geworden, sagte Regula Venske, Präsidentin des Deutschen PEN, im Dlf. Dabei benötige man die offene Diskussion.

„Ich denke, dass wir dieses Problem hier auch haben“, sagte die Autorin Regula Venske im Deutschlandfunk. Die Vorsitzende des Deutschen PEN-Zentrums reagierte damit auf einen offenen Brief von rund 150 Kolleginnen und Kollegen aus dem englischsprachigen Raum. Unterzeichnet hatten ihn namhafte Autorinnen und Autoren – unter ihnen Margaret Atwood, Louis Begley, Jeffrey Eugenides, Noam Chomsky, Joanne K. Rowling, Gloria Steinem, Francis Fukuyama und der in New York lebende deutsch-österreichische Schriftsteller Daniel Kehlmann.

Ideologische Konformität

Sie alle bekennen sich zu den notwendigen aktuellen Debatten etwa über Rassismus, Geschlechtergerechtigkeit, Kolonialismus, LGBTQ-Themen, beschreiben aber innerhalb dieser Diskussionen auch, dass sich moralische Vorgaben und der Drang nach politischer Eindeutigkeit verstärkt habe. Toleranz, so die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, werde zugunsten ideologischer Konformität geschwächt. Der freie Austausch von Informationen und Gedanken, die Grundfesten einer liberalen Gesellschaft, würden eingeengt; konkret wird von Zensur gesprochen.

Ambivalenzen aushalten

Diese Entwicklung sei auch in Deutschland festzustellen, so Regula Venske im Deutschlandfunk. Es gehe in Richtung Selbstzensur, weil man zum Beispiel Angst vor einem Shitstorm in den Sozialen Medien habe. „Da kann man, glaube ich, schon sagen, dass bestimmte Milieus, zu denen ich mich selber durchaus auch rechnen muss, vielleich vor lauter Angst, als rassistisch zu gelten, sich auch manche Kritik oder manche kritische Auseinandersetzung verboten haben.“ Solche Denkverbote, so die Autorin weiter, nützten letztlich aber nur denjenigen, die tatsächlich rassistisch damit umgingen.

Ambivalenzen müsse man aushalten. Natürlich möchte man Verletzungen vermeiden. Aber, so Venske: „Wenn man Aufklärung betreibt, dann muss man mal die Gefühle des Klerus oder der Politiker oder aber der Männer oder aber der Frauen oder wer auch immer gerade sozusagen auf dem Prüfstand steht – deren Gefühle wird man mal verletzten müssen.“ Man brauche eine breite Mitte, in der vieles diskutiert werden kann, „ohne dass man immer gleich dem anderen etwas Schreckliches unterstellt“.

 

11.8.17 Mephisto an Bellarmin

 

Ein Narziß, ein Paranoiker… und Putin

Dienstag, 8. August 2017, Deutschlandfunk:

Russlands Präsident Putin hat der von Georgien abtrünnigen Region Abchasien weitere militärische Unterstützung zugesichert.

Während eines Besuchs beim abchasischen Regierungschef Chadschimba erklärte Putin, Moskau garantiere verlässlich die Sicherheit sowie die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit der Region. Auch stehe Moskau zu der Zusage, ein gemeinsames Militärkontingent aufzubauen.

Mehr als 80 Prozent der Russen sollen hinter Putin stehen. Und nach allem, was ich über Rußland und Russen weiß und je erfuhr und mit Russen erlebte, halte ich die Zahl für glaubwürdig.

Die Russen stehen mehrheitlich hinter Putin, der die Krim annektierend tönte:

Rund um die Krim-Ereignisse haben alle gefühlt und verstanden, daß wir die historische Gerechtigkeit wiederherstellen müssen, die durch die illegale Übergabe der Krim an die Ukraine verletzt wurde.“

Für Rußland hat die Krim eine riesige zivilisatorische und sakrale Bedeutung. Wie der Tempelberg in Jerusalem für die Muslime und die Juden.“

Mehr als 80 Prozent der Russen stehen hinter ihrem Staatschef, der über Leichen gehend in der Ukraine, in Transnistrien, in Abchasien, in Südossetien mittels seiner als Separatisten getarnten fünften Kolonnen anderen Staaten Gebiete abspaltet. Hinter Putin, der behauptet, daß es überall auf der Welt die „russische Welt“ zu verteidigen gelte. Damit gemeint ist jedes Gebiet, in dem Russen leben. Die „russische Welt“ betrifft allein in den ehemaligen Sowjetrepubliken 25 Millionen Russen. Für die Wladimir Wladimirowitsch Putin durch seinen Paladin Rogosin schon mal vorsorglich einen „Kongreß der Landsmannschaften“ gründen ließ.

Die Russen stehen hinter Putin, der in seinem Kampf gegen den Westen die Welt destabilisiert, wo er nur kann. Ich will jetzt gar nicht reden über seine Rolle jüngst in westlichen Wahlkämpfen und will nur drei Krisenherde nennen:

Ohne Putins verbrecherische Politik gäbe es kein Assad-Regime mehr.

Ohne Putins verbrecherische Politik hätte es das iranische Atomprogramm nicht geben können.

Und?

Und den dritten?

Den dritten heute im Deutschlandfunk:

Christoph Heinemann: Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich, vielleicht aber auch nicht: Die Hwasong-14 ist eine nordkoreanische Interkontinentalrakete, zweimal wurde sie im Juli erfolgreich getestet. Fast unmöglich, sagen Fachleute, dass eine Langstreckenrakete von Anfang an so fliegt, wie sie fliegen soll! Robert Schmucker ist ein solcher Fachmann. Er hat für die US-Weltraumbehörde NASA an den Triebwerken des Space Shuttle gearbeitet, er ist Professor für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München und jetzt bei uns am Telefon. Guten Morgen!

Robert Schmucker: Guten Morgen!

Heinemann: Professor Schmucker, kann es sein, dass Ihre nordkoreanischen Kollegen Genies sind?

Schmucker: Also, ich glaube das nicht. Denn was wir bis jetzt gesehen haben aus Nordkorea, jedenfalls die letzten über 30 Jahre, das waren alles Raketen, die sie woanders her beschafft haben und dann abgeschossen haben. Was mit den neuen Raketen ist, wissen wir nicht so ganz genau. Aber es schaut alles aus, als ob sie die auch von woanders her bekommen haben.

Heinemann: Von wo?

Schmucker: Ja, da gibt es ja Nachbarländer und da gibt es also Länder der ehemaligen Sowjetunion. Es hat alles eine Handschrift, die in diese Richtung deutet.

Heinemann: Was heißt Handschrift?

Schmucker: Ja, wir sehen technische Elemente, wir sehen Raketentriebwerke, wir sehen die Konzeption dieses Gerätes oder dieser Geräte, die deuten alle in diese Richtung hin. Und wenn ein Gerät von Anfang an perfekt funktioniert, dann muss es eine Entwicklung hinter sich haben.

Heinemann: Ganz konkret gefragt: Woran erkennen Sie, wenn zum Beispiel eine Hwasong-14 abhebt, dass da möglicherweise russische Technik drinsteckt?

Schmucker: Wir sehen das Triebwerk, das Haupttriebwerk. Und da gibt es gewisse Indikationen von den Abmessungen, vom Aufbau, dass es mit einem russischen Triebwerk übereinstimmt oder Ähnliches, sage ich mal. Ich will es mal ganz zurückhaltend formulieren. Und dann können wir dieses Gerät rekonstruieren und feststellen, wie viel Schub drin ist, wie schwer das Gerät ist und was es kann. Das ist alles keine Geheimwissenschaft, das ist alles relativ einfach. Und das deutet alles in diese Richtung hin.

Heinemann: Welche weiteren Kriterien gibt es für Sie, um die Herkunft nachzuweisen?

Schmucker: Das sind diese Kriterien. Wir schauen uns etwas an. Das ist genauso, wenn Sie ein Auto anschauen, sehen Sie, das ist ein BMW oder das ist ein Mercedes.

Heinemann: Könnte es denn sein, dass die Nordkoreaner dieses russische Modell einfach nachgebaut haben?

Schmucker: Um es nachzubauen, brauchen Sie einen riesigen Aufwand an Fertigungsvorrichtungen, Instruktionen, Qualitätssicherung, das dauert alles jahrelang, wenn Sie so etwas nachbauen wollen. Und richtig nachbauen, ohne Lizenz, hat es bis jetzt noch nie gegeben. Alle, die das versucht haben, sind gescheitert bei so etwas.

Heinemann: Wie lange braucht es denn normalerweise, bis eine Rakete so fliegt, wie sie fliegen soll?

Schmucker: Viele Jahre. Viele, viele Jahre. Typische Entwicklungen, je nachdem, wie viel Sie da machen, vielleicht fünf, sieben Jahre. Und Sie sehen, dass vorher anhand von vielen Erprobungen … Die Rakete muss oft und oft getestet werden. Sie wird getestet am Prüfstand, sie wird getestet im Flug, Sie haben Flugversager, und erst wenn es so weit ist, dass sie fertig ist, dann kann sie so verschossen werden, wie die nordkoreanischen verschossen werden, nämlich von einem Fahrzeug wie im Kriegseinsatz.

Heinemann: Das heißt, die Hwasong-14 kann nicht in Nordkorea entwickelt worden sein?

Schmucker: Sie bringen es genau auf den Punkt, sie kann nicht entwickelt worden sein. Mehr kann ich nicht dazu sagen. Die Handschrift deutet ganz klar auf einen der Nachfolgerstaaten von der Sowjetunion mit … Klar, das Triebwerk scheint aus Russland zu sein, aber das ist das, was wir sagen: Es kann nicht aus Nordkorea sein. Vor allem weil Nordkorea ja in dem letzten, sage ich mal, etwas mehr als einem Jahr sieben neue unterschiedliche Raketen herausgebracht hat. Das ist mehr, als jedes andere Land gemacht hat.

Heinemann: Ja. Verfügt – genau das wäre jetzt meine Frage – eigentlich Kim über ein ernst zu nehmendes Raketenarsenal?

Schmucker: Nein. Das, was er hat, bekommt er von außen. Er kann vielleicht einige Sachen damit zusteuern, Strukturteile fertigen, aber er hat kein ernsthaftes Raketenarsenal. Gut, ein Raketenarsenal, das Südkorea und vielleicht auch Japan bedrohen kann, das sicher. Aber weitere darüber hinaus, dass er Amerika bedrohen kann, natürlich nicht.

Heinemann: Das heißt, wenn man das Land abschottete, wenn wirklich alle Grenzen, also etwa auch die nach China dicht wären, säße der Mann sehr schnell auf dem Trockenen?

Schmucker: Sie haben es richtig gesagt, ganz klar. Der lebt davon, was er von außen bekommt, und die eigenen Leistungen sind sicher sehr schwach, wenn nicht ganz null.

Heinemann: Professor Schmucker, klingt jetzt wie eine Mathematikaufgabe: Wie weit käme Ihren Erkenntnissen nach die am längsten fliegende nordkoreanische Rakete, also die, die da sind, die wir kennen, mit einem etwa eine Tonne schweren atomaren Sprengkopf?

Schmucker: Die größte, das ist die Hwasong-14, kommt nach meinen Rechnungen so 5.200 Kilometer, sagen Sie 5.500, aber mit einer Tonne kommt die eben gerade mal so an den Rand der Mittelstrecken- oder IRBM-Raketen, ist jedenfalls keine Interkontinentalrakete.

Heinemann: Tendenz steigend? Also, rechnen Sie damit, dass die Reichweite sich vergrößern wird?

Schmucker: Die Reichweite hängt nur von der Raketengröße ab. Das heißt also, diese Rakete hat eine bestimmte Größe, ein bestimmtes Triebwerk, da bräuchte er schon eine neue Raketenklasse, um weiter zu kommen.

Heinemann: Kriegswaffen, Raketenteile, auch Raketentreibstoff dürfen laut Sanktionen nicht mehr nach Nordkorea geliefert werden. Haben Sie, Professor Schmucker, eine Vorstellung davon, auf welchen Wegen solches Material nach Nordkorea gelangt?

Schmucker: Nordkorea hat doch zwei Grenzübergänge, einen nach China und einen nach Russland, und mit Bahnverbindungen. Wir wissen, dass Lastwagen mit großen Containern von China nach Nordkorea gehen. Wir haben einen großen Bahnhof an der Grenze nach Russland. Da ist es doch gar kein Problem, Sachen rüberzubringen. Wer kontrolliert das?

Heinemann: Also, dieses …

Schmucker: Wer kann das beurteilen?

Heinemann: Dieses Material kann man sich auf dunklen Umwegen einfach so beschaffen?

Schmucker: Das geht doch immer so, das haben wir doch überall. In aller Welt, jeder … Wir wissen doch von den Drogen, wie da was geschmuggelt wird, gebracht wird, warum soll das bei Raketen nicht auch sein? Wenn Sie einen großen Treibstofftank haben, den deklarieren Sie zum Beispiel als Silo. Oder elektronische Bauteile, wer weiß, ob das ein Fernseher ist oder irgendetwas anderes oder ein Rechner? Also, all diese Dinge sind nicht zu überblicken. Und wenn Sie gut zahlen, dann schaut doch keiner hin.

Das gefährlich kindische alttestamentarische Auftrumpfen Donald Trumps gegen Kim Jong Un bezog sich auf Jesaja 65,5:

Solche sollen ein Rauch werden in meinem Zorn, ein Feuer, das den ganzen Tag brenne.

Putin freut sich, denn

 

Auge um Auge führt lediglich zu mehr Blindheit.

Margaret Atwood.