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Thalatta ! Thalatta !

Schlagwort-Archiv: Bellarmin

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

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24. Juli 2022: Bellarmin an Mephisto

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Vom pythagoräischen Lehrsatz

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Die Wahrheit, sie besteht in Ewigkeit,

Wenn erst die blöde Welt ihr Licht erkannt;

Der Lehrsatz, nach Pythagoras benannt,

Gilt heute, wie er galt zu seiner Zeit.

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Ein Opfer hat Pythagoras geweiht

Den Göttern, die den Lichtstrahl ihm gesandt;

Es taten kund, geschlachtet und verbrannt,

Einhundert Ochsen seine Dankbarkeit.

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Die Ochsen seit dem Tage, wenn sie wittern,

Daß eine neue Wahrheit sich enthülle,

Erheben ein unmenschliches Gebrülle;

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Pythagoras erfüllt sie mit Entsetzen;

Und machtlos, sich dem Licht zu widersetzen,

Verschließen sie die Augen und erzittern.

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Adelbert von Chamisso (1781 – 1831)

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Der Unterschied von heute zu damals, also von den bundesrepublikanischen Verhältnissen des 21. Jahrhunderts zu den Zeiten früherer Jahrhunderte, wie etwa denen der Aufklärung beispielsweise, ist eindeutig der, daß das heutige Rindvieh Deutschlands ebenso bei der Enthüllung und bisweilen sogar schon bei der bloßen Benennung selbst alter und ältester Wahrheiten sein unmenschliches Gebrülle erhebt.

So geschehen erneut am Samstag dem 2. Juli in Berlin an der Humboldt-Universität. Nämlich als dort die Biologin Marie-Luise Vollbrecht sich veranlaßt sah aus irgend einem ihren gewissen Gewissensgründen zugrunde liegenden Grunde, in einem Vortrag im Rahmen einer Veranstaltungsreihe unter dem mutmaßlich nicht unbegründeten Namen „Lange Nacht der Wissenschaft“ auf die ja beileibe nicht nur und nicht erst seit heute wissenschaftlich anerkannte Tatsache hinzuweisen, daß es „in der Biologie“, also demnach naturwissenschaftlich in der Natur, „nur zwei Geschlechter gibt“…

Selbige Reminiszenz mochten deutsche Rindviecher des 21. Jahrhunderts nicht tolerieren.

Sie mobilisierten.

Sie drohten: „Wir sehen uns auf der Straße!“

Vor jenen „radikalen gewaltbereiten Aktivisten, die kein Verständnis von Biologie haben“ (Marie-Luise Vollbrecht) knickte man seitens der Humboldt-Universität ein. (Übrigens, jene blökenden Rindviecher des 21. Jahrhunderts bezeichneten sich als „Gender-Aktivisten“. Ich liebe Vorurteile, denn vernünftige Vorurteile stammen ja aus der Erfahrung, und somit hege ich das Vorurteil, daß es sich bei den „Gender-Aktivisten“ um sich für tolerant haltende Linksradikale handelt… Also um die ordinären ideologiegeleiteten Nichtdenker. Man kennt sie.)

Seitens der Humboldt-Universität, von der sich einst Studenten, Forscher und Lehrende abgrenzten, um in Berlin die Freie Universität zu gründen, knickte man ein vor den blökenden „Gender-Aktivisten“.

Man sagte den Vortrag ab.

Wegen Krankheit“.

Wie auf Klebezetteln zu lesen stand.

Nach Meldungen in der Presse und empörten Äußerungen aus verschiedenen Richtungen sah sich selbst der Deutschlandfunk an dem dem Samstag folgenden Dienstag veranlaßt zu melden:

Nach Vortrags-Absage Kritik an Humboldt-Universität

Die Humboldt-Universität in Berlin steht nach der Absage eines Vortrags zum Thema Geschlechter in der Kritik.

Die Biologin Marie-Luise Vollbrecht vertritt die Position, dass es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt.

Die Universität habe der Wissenschaftsfreiheit einen Bärendienst erwiesen, sagte der Präsident des Deutschen Hochschulverbands, Bernhard Kempen, der Deutschen Presse-Agentur. „Die Universität hätte stattdessen Rückgrat beweisen sollen und alles daran setzen müssen, dass der Vortrag stattfinden kann“, so Kempen.

Die Hochschule hatte nach der Ankündigung von Protesten den Vortrag „Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht, Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“ der Biologin Marie-Luise Vollbrecht abgesagt. Vollbrecht hatte eigentlich während der Langen Nacht der Wissenschaft am vergangenen Samstag reden sollen.

Differenzen zu Andersdenkenden seien im argumentativen Streit auszutragen, forderte Kempen. „Boykott, Bashing, Mobbing oder gar Gewalt dürfen keinen Erfolg haben.“

Bundesbildungs- und Wissenschaftsministerin Bettina Stark-Watzinger von der FDP sagte der „Bild“-Zeitung, es dürfe nicht in der Hand von Aktivisten liegen, welche Positionen gehört werden dürfen und welche nicht: „Wissenschaft lebt von Freiheit und Debatte. Das müssen alle aushalten.“

Zur gefälligen Beachtung empfehle ich Dir speziell die gegenwartsjournalistische Satzbildung:

Die Biologin Marie-Luise Vollbrecht vertritt die Position, dass es in der Biologie nur zwei Geschlechter gibt.“!

Das entlarvt die Position des öffentlich-rechtlichen Journalismus als kongruent mit der Position der „Gender-Aktivisten“.

Was demnach bedeutet, die Andersdenkende wäre die in Deutschland lebende Biologin Marie-Luise Vollbrecht! Welche also allein auf der Welt die abartige „Position“ vertritt, daß es in der Natur nur zwei Geschlechter gäbe!

Soweit ist es im Lande der selbst bei alten Wahrheiten blökenden Rindviecher gekommen!

Die Situation erinnert verdammt an das andersensche Märchen, in welchem im Gegensatz zu sämtlichen Erwachsenen endlich ein Kind die Wahrheit ausspricht über die von allen bewundernd hochgelobten neuen Kleider des Kaisers: „Aber er hat ja gar nichts an!“

Stell Dir einmal vor, was für ein weltweites Aufsehen es auch gäbe, wenn eines Tages die Gazetten in balkengroßen Lettern verkündeten, was der Aufmerksamkeit der Menschheit in hunderttausenden von Jahren ihrer Entwicklungsgeschichte nebst der sämtlicher Zivilisationen sämtlicher Kontinente entgangen wäre:

„WISSENSCHAFTLICHE SENSATION: ES GIBT MEHR ALS ZWEI GESCHLECHTER !“

Oder kannst Du Dich erinnern an eine solche markerschütternde Meldung?

Und gar nicht zu reden von ihren anthropologischen, sozialen, philosophischen, politischen und künstlerischen Folgen in der Menschheitsgeschichte?

Zu der nun gegensätzlich plötzlich eine weltweit singuläre Biologin aus Deutschland die abartig reaktionäre „Position“ vertritt, es gebe nur zwei Geschlechter?

Wogegen dann prompt Berliner Studenten gewaltbereit protestieren?

Obwohl die deutsche Elite es für vernünftig hält, gutmeinend zu mahnen, man müsse selbst diese Position einer Andersdenkenden „aushalten“?!

Das sind die Sorgen der Republik“ hatte Otto Reutter einst gesungen…

In den seligen Zeiten, als das Rindvieh noch gegen die Enthüllung lediglich der neuen Wahrheiten blökte, waren Studenten in Deutschland gegen den Vietnamkrieg auf die Straße gegangen.

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Montag, 18. Juli 2022, Bild:

Trans-Insassin schwängert zwei Gefangene

Die Transfrau Demi Minor (27) wurde zu 30 Jahren Gefängnis wegen Totschlag verurteilt

Trenton – Eigentlich sitzen ausschließlich weibliche Knackis im „Edna Mahan“- Gefängnis für Frauen ein – doch jetzt sind zwei von ihnen schwanger! Wie geht denn so was? Kurioser Fall im US-Bundesstaat New Jersey. Die wegen Totschlags verurteilte Demi Minor (27) ist eine Transfrau, also aus biologischer Sicht ein Mann. Untergebracht wurde sie aber in einem Gefängnis für Frauen. Dies ist aufgrund eines 2021 in New Jersey erlassenen Gesetzes für Transgender-Personen möglich, sofern sich Verurteilte einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen. ABER: Weil Minor zwei ihrer Mithäftlinge schwängerte, wurde sie nun in ein anderes Gefängnis gebracht. Dort ist sie jetzt die einzige Frau.

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Woran ist Chamberlain gescheitert?

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1. Juli 2022: Bellarmin an Mephisto

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Erneut hat eine Gruppe deutscher Intellektueller in ehrlich großer Sorge den Westen aufgefordert, den „Ukraine-Krieg“ durch Verhandlungen zu beenden: „Die Verfasser dieses Appells fordern den Westen auf, den Ukraine-Krieg durch Verhandlungen zu beenden.“ (Die Zeit)

Sie haben sehr klug und vernünftig geschlußfolgert nach westlicher Logik. Weil alles andere, zumal auf Dauer, als ein Stillstand der Waffen ist ja schlimmer:

Europa steht vor der Aufgabe, den Frieden auf dem Kontinent wiederherzustellen und ihn langfristig zu sichern. Dazu bedarf es der Entwicklung einer Strategie zur möglichst raschen Beendigung des Krieges.

Die Ukraine hat sich unter anderem dank massiver Wirtschaftssanktionen und militärischer Unterstützungsleistungen aus Europa und den USA bislang gegen den brutalen russischen Angriffskrieg verteidigen können. Je länger die Maßnahmen fortdauern, desto unklarer wird allerdings, welches Kriegsziel mit ihnen verbunden ist. Ein Sieg der Ukraine mit der Rückeroberung aller besetzten Gebiete einschließlich der Oblaste Donezk und Luhansk und der Krim gilt unter Militärexperten als unrealistisch, da Russland militärisch überlegen ist und die Fähigkeit zur weiteren militärischen Eskalation besitzt.

Die westlichen Länder, die die Ukraine militärisch unterstützen, müssen sich deshalb fragen, welches Ziel sie genau verfolgen und ob (und wie lange) Waffenlieferungen weiterhin der richtige Weg sind. Die Fortführung des Krieges mit dem Ziel eines vollständigen Sieges der Ukraine über Russland bedeutet Tausende weitere Kriegsopfer, die für ein Ziel sterben, das nicht realistisch zu sein scheint.

Die Folgen des Krieges sind zudem nicht mehr auf die Ukraine begrenzt. Seine Fortführung verursacht massive humanitäre, ökonomische und ökologische Notlagen auf der ganzen Welt. In Afrika droht eine Hungerkatastrophe, die Millionen von Menschenleben kosten kann. Rasant gestiegene Preise, Energie- und Nahrungsmangel haben in vielen Ländern bereits zu Unruhen geführt. Auch die Düngemittelknappheit wird sich, wenn der Krieg über den Herbst hinaus fortdauert, global auswirken. Es ist mit hohen Opferzahlen und einer Destabilisierung der globalen Lage zu rechnen. Auch auf internationaler politischer Ebene (G7, UN) werden diese drohenden dramatischen Folgen thematisiert.

Der Westen muss sich Russlands Aggression in der Ukraine und weiteren revanchistischen Ansprüchen geeint entgegenstellen. Doch ein Fortdauern des Kriegs in der Ukraine ist nicht die Lösung des Problems. Die aktuellen Entwicklungen um den Bahntransit in die russische Exklave Kaliningrad sowie Putins Ankündigung, atomwaffenfähige Raketensysteme an Belarus zu liefern, zeigen, dass die Eskalationsgefahr zunimmt. Der Westen muss alles daransetzen, dass die Parteien zu einer zeitnahen Verhandlungslösung kommen. Sie allein kann einen jahrelangen Abnutzungskrieg mit seinen fatalen lokalen und globalen Folgen sowie eine militärische Eskalation, die bis hin zum Einsatz nuklearer Waffen gehen kann, verhindern.

Verhandlungen bedeuten nicht, wie manchmal angenommen wird, der Ukraine eine Kapitulation zu diktieren. Einen Diktatfrieden Putins darf es nicht geben. Verhandlungen bedeuten auch nicht, etwas über den Kopf der Beteiligten hinweg zu entscheiden. Die internationale Gemeinschaft muss vielmehr alles dafür tun, Bedingungen zu schaffen, unter denen Verhandlungen überhaupt möglich sind. Dazu gehört die Bekundung, dass die westlichen Akteure kein Interesse an einer Fortführung des Krieges haben und ihre Strategien entsprechend anpassen werden.

Dazu gehört auch die Bereitschaft, die Bedingungen einer Waffenruhe sowie die Ergebnisse von Friedensverhandlungen international abzusichern, was hohes Engagement erfordern kann. Je länger der Krieg andauert, desto mehr internationaler Druck ist erforderlich, um zur Verhandlungsbereitschaft beider Seiten zurückzufinden. Der Westen muss sich nach Kräften bemühen, auf die Regierungen Russlands und der Ukraine einzuwirken, die Kampfhandlungen auszusetzen. Wirtschaftliche Sanktionen und militärische Unterstützung müssen in eine politische Strategie eingebunden werden, die auf schrittweise Deeskalation bis hin zum Erreichen einer Waffenruhe gerichtet ist.

Bislang ist kein konzertierter Vorstoß der internationalen Gemeinschaft, insbesondere der großen westlichen Akteure, erfolgt, um Verhandlungen auf den Weg zu bringen. Solange dies nicht der Fall ist, kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine Verständigung unmöglich ist und insbesondere Putin nicht verhandeln will. Dass Kriegsparteien Maximalforderungen stellen oder Friedensgespräche ausdrücklich ablehnen, ist kein ungewöhnlicher Ausgangspunkt in festgefahrenen Konflikten. Der bisherige Verlauf der Verhandlungsversuche zeigt eine anfängliche Verständigungsbereitschaft beider Seiten unter Annäherung der Zielvorstellungen. Nur eine diplomatische Großoffensive kann aus der momentanen Sackgasse herausführen.

Die Aufnahme von Verhandlungen ist keine Rechtfertigung von Kriegsverbrechen. Wir teilen den Wunsch nach Gerechtigkeit. Verhandlungen sind indes ein notwendiges Mittel, um Leid vor Ort und Kriegsfolgen auf der ganzen Welt zu verhindern. Angesichts drohender humanitärer Katastrophen sowie des manifesten Eskalationsrisikos muss der Ausgangspunkt für die Wiederherstellung von Stabilität schnellstmöglich gefunden werden. Nur eine Aussetzung der Kampfhandlungen schafft die dafür notwendige Zeit und Gelegenheit. Die Bedeutung des Ziels verlangt, dass wir uns dieser Herausforderung stellen und alles tun, damit ein baldiger Waffenstillstand und die Aufnahme von Friedensverhandlungen möglich werden – und alles unterlassen, was diesem Ziel entgegensteht.

Jakob Augstein (Publizist), Richard A. Falk (Professor für Völkerrecht), Svenja Flaßpöhler (Philosophin), Thomas Glauben (Professor für Agrarökonomie), Josef Haslinger (Schriftsteller), Elisa Hoven (Professorin für Strafrecht), Alexander Kluge (Filmemacher und Autor), Christoph Menke (Professor für Philosophie), Wolfgang Merkel (Professor für Politikwissenschaft), Julian Nida-Rümelin (Philosoph), Robert Pfaller (Philosoph), Richard D. Precht (Philosoph), Jeffrey Sachs (Professor für Ökonomie), Michael von der Schulenburg (ehemaliger UN-Diplomat), Edgar Selge (Schauspieler), Ilija Trojanow (Schriftsteller), Erich Vad (General a. D., ehemaliger Militärberater von Angela Merkel), Johannes Varwick (Professor für internationale Politik), Harald Welzer (Sozialpsychologe), Ranga Yogeshwar (Wissenschaftsjournalist), Juli Zeh (Schriftstellerin)

Was habe ich Dir gesagt? Klingt das nicht verdammt klug? Und haben die Leute nicht Recht?

Es gibt schon Stimmen, die Angela Merkel als Vermittlerin vorschlagen.

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Wer möchte nicht in Fried und Eintracht leben?

Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so!“

Bertolt Brecht (1898 – 1956)

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Fortgesetztes Biedermeier

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11. Juni 2022: Bellarmin an Mephisto

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Am Dienstag gab es ein Foto, das ging um die Welt: Aus den Kulissen vor rotem Theatervorhang mit leuchtendem Antlitz tauchte hervor unsere deutsche Kanzlerin a. D..

Nach der wir uns noch zurücksehnen würden.

Auf der tatsächlichen Theaterbühne des Berliner Ensembles trat sie heraus aus den Kulissen.

Wie man meldete, vor „ausverkauftem“ Hause…

Für ein Interview!

Vor „ausverkauftem“ Hause!

Für ein Interview!

Für das erste Interview nach ihrem Ausscheiden!

Aus dem Amt!

Vor „ausverkauftem“ Hause!

Um sich dort vor versammeltem zahlenden Publikum anderthalb lange Stunden den Fragen eines (in Worten: eines!) Journalisten zu stellen. Selbiger war bereits vor dem Gespräch zitierbar mit der Eloge: „Meine Kanzlerin wird sie sowieso immer bleiben.“

Da bleibt kein Auge trocken…

Also ich stelle mir den Abend und ihn vor mit seinen Fragen wie all die Jahre die sogenannten Berliner Sommerpressekonferenzen der Kanzlerin im Zeitalter des merkelschen Biedermeier: allgemeines wohlgefälliges Wohlgefallen, garniert mit scherzender Heiterkeit.

Und das anschließend weltweit Aufmerksamkeit heischende Interview kam völlig überraschend! Die Tage vorher schien, soweit ich mitbekam, es nicht die geringste ankündigende Ankündigung in ein überregionales Medium geschafft zu haben.

Auch die öffentlich-rechtlichen Medien schienen zuvor nichts mitbekommen zu haben…

Also die Kanzlerin a. D. erschien regelrecht überfallartig.

Und vor Sprachlosigkeit fiel auch danach anscheinend keinem Journalisten mindestens die Frage ein: Was war denn das nun eigentlich für ein Publikum?

Wer hatte die Leute wie eingeladen?

Gab es eine Plakataktion?

Konnte da jeder kommen?

Oder hatte ein Beauftragter, und wenn ja welcher, die Teilnehmer, und wenn ja, welche, nach bestimmten Kriterien ausgewählt?

Ähnlich wie etwa seinerzeit zur huldvollen Versammlung mit Angela Merkel die 500 geladenen Stadtbürger von Chemnitz?

Nach der Messerstecherei mit tödlichem Ausgang?

Und welchem Zweck dienen die Einnahmen?

Nicht daß Du nun wieder denkst, ich weine hier leise vor mich hin, weil ich es versäumte, einem derartig weltweit beachtetem Interview beiwohnen zu können.

Dem strahlenden Auftauchen unserer Kanzlerin a. D. aus der Versenkung!

Nein, aus den Theaterkulissen.

Nach all dem dröhnenden Schweigen.

Ich denke, bei dem Angebot einer Eintrittskarte, also einem Eintrittsticket auf Deutsch, hätte ich eine(n) A(Ä)rztIn oder eine(n) ApothekerIn oder ein(?) divers(?) A(Ä)rz(?) oder ein(?) divers(?) Apotheker(?) aufgesucht.

Ob er, sie, es vielleicht ein Mittel hätten.

Gegen anderweitig unstillbare Lachkrämpfe.

Wenn die eigentlichen Themen des ausverkauften Interviews nicht so traurig gewesen wären…

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Donnerstag, 9. Juni 2022, NEUE ZÜRCHER ZEITUNG:

Es wäre schön gewesen, wenn Angela Merkel bei ihrem ersten größeren Auftritt seit dem Ende ihrer langen Amtszeit einen Gesprächspartner gehabt hätte, der sie nicht anhimmelt. Der Zuschauer, der von dieser Veranstaltung etwas anderes erwartet hat als wohlige Gefühle, fragt sich, was für eine politische Operette da aufgeführt wird.

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Donnerstag, 9. Juni 2022, RZECZPOSPOLITA:

Kaum jemand hätte von der ehemaligen Kanzlerin erwartet, dass sie mit solchem Eifer argumentieren würde, dass sie sich nichts vorzuwerfen habe und auch keine Notwendigkeit für eine kritische Analyse ihrer Russland-Politik sehe. Ist das Festhalten an einer solchen Linie nicht ein Kardinalfehler oder zumindest sträfliche Naivität, zumal wir hier von dem politisch und wirtschaftlich mächtigsten Land Europas sprechen? Aus Merkels Erklärungen lässt sich schließen, die Ukraine könne dankbar sein, dass sie sieben Jahre Zeit hatte, sich auf die Abwehr der russischen Aggression vorzubereiten.

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Donnerstag, 9. Juni 2022, LIDOVÉ NOVINY:

Die Kanzlerin a.D. sah keinen Grund, sich für irgendetwas zu entschuldigen, schon gar nicht für ihre früheren diplomatischen Bemühungen. Nach der Annexion der Krim habe sie sich gemeinsam mit Frankreich bemüht, eine weitere Verschärfung der Situation in der Ostukraine zu verhindern, was zum Minsker Abkommen führte. Daher habe die Ukraine sieben relativ ruhige Jahre für die eigene Entwicklung gehabt. In Kiew sieht man das genau umgekehrt – als sieben vergeudete Jahre, in denen sich der Westen unter der Führung von Deutschland und seiner Kanzlerin von Putin an der Nase hat herumführen lassen.

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Donnerstag, 9. Juni 2022, DE STANDAARD:

Deutschland ist eines der wichtigsten Länder in der EU und Merkel war die Russlandversteherin schlechthin: Sie konnte mit Putin auf Russisch und Deutsch reden, beide gehörten zur selben Generation und waren in ähnlichen Regimen aufgewachsen. Am Ende ihrer Amtszeit war Merkel die einzige, die Putin seit dem Beginn seiner Karriere kannte. Deshalb folgte ihr die EU auch, als sie befand, Europa müsse mit Russland im Gespräch bleiben. Es stellt sich die Frage, wie die Ukraine heute aussehen würde, wenn Merkel vor zehn Jahren klare Kante gezeigt hätte.

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Ich habe lange Jahre darum gebeten, den Bau von Nord Stream 2 zu stoppen. Ohne Erfolg. Ich habe ihr [Merkel] die Position unseres Teils von Europa geschildert. Wir haben dafür appelliert, diese Investition zu stoppen. Wir haben versucht ihr zu sagen, dass das eine imperiale russische Strategie ist, und die Waffe war das Gas.

Der Präsident unseres Nachbarlandes Andrzej Duda

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Was sonst noch passierte

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4. Juni 2022: Bellarmin an Mephisto

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Also Du weißt ja, die ARD-Tagesschau in der pressefreiheitlichen Bundesrepublik, vor den Lottozahlen oder dem Wetterbericht bleibt da immer noch eine kleine Zeit für die Was-sonst-noch-passierte-Kuriosität wie etwa, daß in Indien die Leute gerade bei 50-Grad-Temperaturen schwitzen. Oder in Australien die Buschfeuer brennen. Oder in Kalifornien. Oder in Griechenland. Oder in der Türkei. Oder in Spanien. Oder in Portugal. Oder in Südfrankreich.

Was ja zudem sogar gut zu wissen ist für die Urlaubsplanung!

Und was soll ich Dir sagen, diese Woche Donnerstag hatte man sich in der 20-Uhr-Tagesschau ein besonderes Schmankerl des randständig noch zu Vermeldenden ausgedacht für die immerhin würzende Kürze von vier Sätzen in exakt 30 Sekunden:

Die Bundesländer haben sich im Grundsatz auf eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geeinigt. Sie wollen unter anderem den Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio anpassen. Neben Information, Bildung und Kultur solle weiterhin die Unterhaltung dazugehören, wenn sie dem öffentlich-rechtlichen Profil entspräche, so die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer. Der neue Staatsvertrag werde außerdem klarstellen, dass Meinung und Information klar zu trennen seien. Und nun die Wettervorhersage für morgen, Freitag, den 3. Juni.

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und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

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Das ewige Holliwutszenario

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28. Mai 2022: Bellarmin an Mephisto

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Familien unternehmen Ausflug ans Meer!

Delphine spielen mit kleinen Kindern!

Däddies erklären kleinen Kindern, daß man ein Versprechen immer halten müsse!

Däddies verabschieden sich von ihren liebevollen Frauen!

Kleine Kinder verabschieden sich weinend von ihren Däddies!

Däddies versprechen ihren Kindern, bis Ostern wieder daheim zu sein!

Familienväter von kleinen Kindern kommen herzzerreißend um!

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Liebespaare kommen durch!

Er ist zwanzigjähriger athletischer hochkarätiger Spezialist für bedrohliche Sauriereier!

Er verabscheut Gerichtsmedizinerinnen!

Sie rettet ihm sein weltweit anerkanntes Spezialistenleben anläßlich eines zufälligen Busunglücks!

Sie ist eine zwanzigjährige attraktive, weltweit geschätzte Gerichtsmedizinerin!

Sie ist ein Mädel wie du und ich!

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US-Präsidenten glauben es erst gar nicht!

Gerichtsmedizinerinnen überzeugen US-Präsidenten!

Schurkische Präsidentenberater wandeln sich kurz vor ihrem redlich verdienten bitteren Ableben in einen guten Menschen um!

US-Präsidenten retten die Welt!

Von kleinen Kindern dressierte Delphine (Du erinnerst Dich?) retten US-Präsidenten!

Die Welt erfährt unverhofft vom stillen Heldentum ihrer US-Präsidenten!

Nach einer hochdramatischen Auto-Verfolgungsjagd gerade noch rechtzeitig im letzten Moment in der Gerichtsverhandlung eintreffend kämpft die Gerichtsmedizinerin den zu Unrecht angeklagten Spezialisten für bedrohliche Sauriereier frei.

Das Liebespaar küßt sich vor dem Grabmal des bekannten Familienvaters!

Ein Saurierei bleibt übrig! (Für die Fortsetzung!)

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Film spielt die Drehkosten von zwölf Milliarden Dollar bei der Premiere wieder ein!

Zwölfjährige Schülerinnen wollen Gerichtsmedizinerin studieren!

Komponist erhält Oscar für herzergreifendste Filmmusik!

Komponist schluchzt herzergreifend, es gar nicht erwartet zu haben!

Der begeisterte ganze Saal klatscht herzergreifend gerührt zu seiner Bescheidenheit!

Drehbuchautor erhält Oscar für originellstes Drehbuch!

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Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm!

Bertolt Brecht (1898 – 1956) Dreigroschenoper

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Erinnerung

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23. April 2022: Bellarmin an Mephisto

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Bevor ich komme zu den dem russischen Generalstab und der verlogenen, sich die Hände reibenden Mörderbande im Kreml zuträglichen jüngsten Äußerungen des sich aalglatt windenden SPD-Mannes Olaf Scholz, die zum Teil sogar himmelschreiend nach althergebrachten Einflüsterungen aus der fünften Kolonne Putins klingen, hier eine lehrreiche Erinnerung an einen bedenklich vergessenen denkwürdigen Bundestagsbeschluß gegen die seinerzeitigen französischen Annexionsbestrebungen im Hinblick auf das Saarland heute vor 70 Jahren, am Mittwoch, dem 23. April 1952:

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Der Bundestag nahm laut Bundesanzeiger mit 191 gegen 135 Stimmen bei 8 Enthaltungen folgende Entschließung zur Saarfrage an:

1. Das Saargebiet ist nach Völkerrecht deutsches Staatsgebiet.

2. Die gegenwärtigen Verhältnisse an der Saar sind ohne Rechtstitel und gegen die demokratischen Grundsätze des Selbstbestimmungsrechts erfolgt.

3. Über deutsches Staatsgebiet kann rechtens nicht ohne deutsche Zustimmung verfügt werden.

4. Wir erstreben durch die Einigung Europas die Überwindung der nationalen Grenzen in gegenseitiger Achtung vor Recht und Freiheit.

Der Bundestag lehnte mit 169 gegen 142 Stimmen bei 18 Enthaltungen folgenden Gegenantrag der SPD ab:

1. Das Saargebiet ist nach Völkerrecht deutsches Staatsgebiet.

2. Seine tatsächliche Abtrennung ist ohne Rechtstitel und gegen die Grundsätze der Demokratie und des Selbstbestimmungsrechtes erfolgt.

3. Über deutsches Staatsgebiet kann rechtens nur durch das gesamte Volk verfügt werden.

4. Eine gedeihliche Zusammenarbeit der Völker Europas kann nur auf die Achtung vor Recht und Freiheit des anderen gegründet werden.

5. Der Bundestag wird keiner Regelung zustimmen, die diesen Grundsätzen widerspricht.

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(Archiv der Gegenwart)

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Wörding und Wahrheit

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17. April 2022: Bellarmin an Mephisto

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Der eigentlich billige und nichtsdestotrotz erstaunlich selten durchschaute rhetorische Trick, einem womöglich sogar imaginären Gegner eine nicht von ihm vertretene Meinung oder eine von ihm nicht behauptete These zu unterstellen und diese dann öffentlich zu widerlegen, um somit den vermeintlichen Behaupter in Mißkredit zu bringen, läßt sich natürlich auch dahingehend abwandeln, indem man in einer öffentlichen Auseinandersetzung das Thema der Debatte gefällig verbiegt.

Und damit vom eigentlichen Sachverhalt ablenkt.

So als würde Bundespräsident Steinmeier, der geschichtsignorant gegenüber dem jahrhundertalten russischen Chauvinismus und aller durchschaubaren Verlogenheit zum Trotz nicht nur die Ukraine als bloße Verhandlungsmasse, sondern auch sein eigenes Land in eine historisch nie gekannte Abhängigkeit von dem imperialistischen Aggressor brachte, als würde Steinmeier nun jede gutgeartete Seele verarschend in vorgetäuschter Zerknirschtheit behaupten, man müsse jetzt darüber diskutieren, ob sein vorgebliches Ziel, den Krieg nie mehr nach Europa zurückkehren zu lassen, falsch gewesen sei! Und ob es falsch gewesen wäre, dafür zu arbeiten! Und das sei die Debatte, die geführt werden müsse!

Ähnliche Verbiegungen waren beispielhaft wieder zu beobachten in den letzten Tagen, insbesondere denen der Karwoche. Deutlich und gleich mehrfach reflektiert im Fall des Fallens unserer irrlichternden Ex-Familienministerin mit dem bezeichnenden Namen Spiegel. Deren Hauptanliegen bei ihrem Amtsantritt ganze 126 Tage zuvor erklärtermaßen die Identitäts- und Geschlechter-Frage sei. Und laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom vergangenen Dienstag hatte sie ihr Ministerium tatsächlich auf dieses Deutschland drückende Problem „fokussiert“.

Nun hatte jedoch die augenscheinlich mit ihrer Denkleistung auf gängige Themen der Lauthalsigen fokussierte Frau zuvor mit dem ebenfalls ihrer Laufbahn nicht abholden Thema Umweltschutz Karriere gemacht und sich in Rheinland-Pfalz zur Umweltministerin küren lassen. Und war aber über der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 unverhofft mit dem diesbezüglichen Thema ihres Fachbereichs, nämlich einer umweltbedingten Überschwemmung, konfrontiert worden.

Infolgederen 134 Menschen umkamen.

Sowohl von denjenigen, die überlebten, als auch von übriger sachkundiger Seite wurden nun Vorwürfe erhoben, daß trotz rechtzeitiger Erkenntnisstände die Anwohner nicht gewarnt worden seien.

Der Landrat Jürgen Pföhler steht deswegen sogar unter dem staatsanwaltlichen Ermittlungsverdacht der fahrlässigen Tötung.

Als bereits Straßen unter Wasser standen, als man sich verzweifelt abmühte, Sandsäcke zu füllen, als ein halbes Hundert Noteinsätze im System der Leitstelle in Koblenz gemeldet waren, ließ die fokussierte Anne Spiegel um 16’43 Uhr verkünden, daß „kein Extremhochwasser“ zu erwarten wäre. Vor der Freigabe der betreffenden Entwarnung galt ihre fokussierte Sorge lediglich einer politisch korrigierenden Korrektur des Textes, in welchem auch Ratschläge für Betreiber von Campingplätzen gegeben worden waren:

Bitte noch gendern: CampingplatzbetreiberInnen. Ansonsten Freigabe.“

Es heißt weiter, während der Katastrophennacht sei die auf das politisch korrigierende Jendern fokussierte Umweltministerin nicht erreichbar gewesen. Und am Folgetag habe sie sich dann auf ein eventuelles Blähmgähm fokussiert: „Das Blame Game könnte sofort losgehen, wir brauchen ein Wording, dass wir rechtzeitig gewarnt haben, wir alle Daten immer transparent gemacht haben, ich im Kabinett gewarnt habe, was ohne unsere Präventionsmaßnahmen und Vorsorgemaßnahmen alles noch schlimmer geworden wäre etc.

Keine sechs Monate später anno 2022 ließ sich die zwecks Vermeidung eines Blähmgähms auf ein Wörding Fokussierte unverdrossen zur Bundesfamilienministerin ernennen und fokussierte ihr neues Ressort modebeflissen also auf die Deutschland drückenden Probleme der „Identitäts- und Geschlechter-Fragen“.

Die böse Bildzeitung (darf die denn das?) brachte vor einigen Wochen das Bemühen der für den Umweltschutz ihres Bundeslandes seinerzeit verantwortlichen Ministerin Spiegel um eine Sprachregelung ans Licht der staunenden Öffentlichkeit, welche eben dieser Tatsachen vorspiegeln sollte, die es so nicht gegeben hatte. Sie verkleidete die Aufforderung an ihre Dienstunterstellten zum Lügen, also auf gut Deutsch zum Fäknjuen, mit dem Hüllwort für Hüllwörter: „Wörding“.

„Lügen“, das klingt ja so brutal, so deutlich, so klar.

Das klingt ja geradezu transparent!

Letzte Woche erfuhr das staunende Publikum zusätzlich, daß die nunmehrige Bundesministerin erneut gewördingt hatte. Nämlich sie war im unmittelbaren Anschluß an das vorherige Wörding mehrwöchig ins schöne Frankreich gefahren. Um zu urlauben. Statt, als verantwortungsbewußte beamtete Kapitänin, den Katastrophenschutz zu koordinieren. Sie hatte aber, also im Wiederholungsfall, darüber erneut gewördingt, aus dem Urlaub elektrisch an Kabinettsitzungen teilgenommen zu haben.

Welcher Sachverhalt sich ebenfalls als gefäknjut den Weg an die Weltöffentlichkeit bahnte.

Das sei ein Fäk gewesen, wurde vermeldet.

Soweit so schlecht.

Wie Du es vielleicht mitbekamst, wie die meisten nachträglich wenigstens: Sonntagabend gegen 21 Uhr inszenierte die Fokussierte mit tränenschwangeren Blicken in die Kamera einen Presseauftritt, indem sie „Fehler“ einzuräumen sich zu wördingen genötigt zeigte, und jene „Fehler“ selbstmitleidig mitleidheischend aber in ihren Augen entschuldigte mit familiären Gründen.

Kein Wort über die Opfer und die vor den Trümmern ihrer Existenz Stehenden der Katastrophe!

Worauf Montagvormittag gegen 11’30 Uhr der Bundeskanzler, das ist der mit dem Wörding, Nord Stream 2 wäre ein rein privatwirtschaftliches Unterfangen, worauf der auf Bestellung führen wollende Olaf Scholz, unbestellt aber prompt, der fokussierten Ministerin sein Vertrauen aussprach hinsichtlich der von ihr als entschuldbar gewördingten „Fehler“!

Da fällt mir ein Sprichwort ein, das ich jetzt weglasse.

Nur wenige Stunden später wurde die Wördinggewandte aber von ihrer Parteiführung zum Rücktritt gezwungen aus irgend einem Grund.

Am selben Tag konnte man in den Nachrichten eines Privatsenders eine Frau sehen aus dem katastrophenverwüsteten Ahrtal, die, bezogen auf die Inszenierung jener 21-Uhr-Pressekonferenz der ehemaligen Umweltverantwortlichen, in die Kamera sprach: „Sie drückt auf die Tränendrüsen. Unsere Tränen sind echt!“

Doch wenn Du nun wieder, wie ich Dich kenne, annimmst in Deiner Gutgläubigkeit à la „Frieden schaffen trotz der Affen“, damit wäre die Sache nun klar, also transparent, und damit erledigt, und wir können uns nun endlich wieder fokussieren auf die drängenden Probleme der Identitäts- und Geschlechterfragen, dann bist Du ja sowas von naiv! Denn sogleich meldeten sich natürlich die üblichen geistig Eingeengtinnen und hoben an ein Geschrei darüber, unsere Ex-Ex-Umweltfamilienministerin hätte zurücktreten müssen wegen der Härte des Politikbetriebes!

Wegen des rauhen Tones, der unter Spitzenpolitikern herrsche!

Wegen der fehlenden Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie!

Ostermontag, 18. April 2022, Deutschlandfunk:

Nach Spiegel-Rücktritt

Debatte über Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Nach dem Rücktritt von Familienministerin Spiegel hält die Debatte über die Vereinbarkeit von Politik und Familie an. Vizekanzler Habeck von den Grünen sagte den Funke-Medien, er frage sich, ob der Absolutheitsanspruch der dauernden Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfüllbar sei. Man müsse zulassen, dass Menschen auch mal nein sagten, ohne als nicht erfolgreich zu gelten.

Spiegel war zurückgetreten, weil sie als damalige rheinland-pfälzische Umweltministerin kurz nach der Flutkatastrophe in einen vierwöchigen Familienurlaub gefahren war. Dies hatte sie unter anderem mit dem Gesundheitszustand ihres Mannes und den Corona-Belastungen ihrer Kinder begründet.

Die Münchner Politikwissenschaftlerin Astrid Séville sagte im Deutschlandfunk, es gebe in der Kommunikation vor allem bei den Grünen eine Verschiebung hin in Richtung Empathie und persönliche Themen. Doch auch wenn man Verständnis für die schwierige private Situation von Spiegel habe, könne man politisch nicht darüber hinwegsehen, dass es ein Versäumnis gegeben habe. Sévilles Ansicht nach gibt es vor allem bei den Grünen das kommunikative Muster, mit privaten Erfahrungen politische Standpunkte plausibel machen und bisweilen auch Kritik abwehren zu wollen. Dadurch werde es aber schwieriger, bestimmte Debatten zu führen und politische Konflikte auszutragen.

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Es geht auch anders, doch so geht es auch.“

Bertolt Brecht (1898 – 1956)

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Deutschland in Beispielen

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19. März 2022: Bellarmin an Mephisto

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Was kommt einem in den Sinn beim eins und eins und eins und noch einer eins, wenn man begnadet wurde mit der erfreulichen Gabe der Summenbildung zwecks induktiven Schließens von der ewigen Wiederkehr gleichgearteter Einzelheiten auf das ewige Allgemeine und demnach, im Gegensatz zum Gegenwartsjournalismus im Lande der Hotts-Pott-Sager, begnadet ist mit der Gabe des Abstrahierens?

Was sagst Du? Ein Brennpunkt, das ist doch geradezu der Beweis einer Abstraktion?

Im Gegenteil, das ist der Beweis des beängstigend geistfreien Nachbläkens des IAs von Eseln.

Hast Du es nicht bemerkt? Bezeichnenderweise beziehen diese Nachplapperer den jüngsten endlich in ihre Hirne vorgedrungenen Vorwurf der Blauäugigkeit hinsichtlich Rußlands ausnahmslos auf Politiker.

Als hätte der bundesdeutsche Journalismus auch nicht das geringste damit zu tun!

Mit Blauäugigkeit.

Ein typisches Phänomen seiner Niveaulosigkeit!

Spontan fallen mir sofort die von öffentlich-rechtlichen Medien über die Jahre verbreiteten Meldungen ein über Nord Stream 2. Die man übrigens nur von sich gab, wenn es tatsächlich unumgänglich schien. Wie beispielsweise bei US-amerikanischen Sanktionsankündigungen, wobei man jene unumgänglichen Meldungen immer schloß im Lande der Hotts-Pott-Sager mit der Bemerkung, die Amerikaner verfolgten ja ein Interesse an Flüssiggasexporten.

Tatsächlich!

Und jedesmal als uniforme Floskel an die Meldung gehängt.

Als manipolatorische Denkvorgabe über eine angebliche Verworfenheit der amerikanischen Einwände.

Mit unterstelltem Profitinteresse.

Der Amerikaner.

Im Interesse ihrer privatwirtschaftlichen Unternehmen.

Welch ein Glück, daß die Russen da mit ihren Staatsunternehmen den Bau von Nord Stream 2 durchdrückten in ihrer sprichwörtlichen Uneigennützigkeit gegen die beileibe nicht nur osteuropäischen und amerikanischen Bedenken.

Selbstverständlich selbstlos durchdrückten im Interesse einer Unabhängigkeit Deutschlands von Gaslieferungen durch die „aggressive“ Ukraine.

Und überhaupt nicht aus politischen Interessen.

Sondern, wie der Bundeskanzler Olaf Scholz es ausdrückte mit seiner Unschuldsmiene, aus rein wirtschaftlichen…

Welche im Gegensatz zum Eigennutz der bösen Amerikaner stehende Uneigennützigkeit der Russen allerdings die deutschen Medien seltsamerweise stets zu erwähnen vergaßen in einem ebenso standardisierten Nachsatz…

Man kann nur mutmaßen, wahrscheinlich fühlte man in den Redaktionsstuben die Aufnahmefähigkeit an blauäugiger Dummheit selbst beim deutschen Michel denn doch für überfordert.

Dies muß denn allerdings eine Gratwanderung gewesen sein.

Denn andererseits wollte man vielleicht die Grenzen jener Aufnahmefähigkeit an Dummheit auch testen. Indem man sich wahrhaftig traute zu melden, daß die Kanzlerin beabsichtigte, den Auftraggeber von Auftragsmorden vertraglich zu verpflichten, nach Inbetriebnahme der Leitung, also der Nord-Stream-2-Peiplein, fleißig weiterhin Gas über die Ukraine zu pumpen.

Also den eigentlichen Grund für den Bau einer Gasleitung durch die Ostsee zu vergessen.

Das war doch wieder ein schöner Zug.

Den die Medien wiederum nicht genügend würdigten aus irgend einem Grund.

Und der, soweit ich sah, auch nicht einem deutschen Politikwissenschaftler aufgefallen war und zu einer öffentlichen Erörterung Anlaß gegeben hätte.

Dieser schöne Zug unserer Exkanzlerin, die Russen zu einer Garantie verpflichten zu wollen, die Ukraine nicht zu schädigen. Demzufolge gibt es sogar schon Stimmen, sie aus ihrem verdienten Ruhestand zu rufen, um im urplötzlich aus heiterem Himmel ausgebrochenen „Ukraine“-Krieg zu vermitteln. Ich vermeide es jetzt mal, Dir zu sagen, was ich davon denke, da ich den Ausbruch auch noch dieser Gefahr für, Glück im Unglück, gering halte.

Apropos denken, ich weiß nicht, was diese ganzen Denkfabriken den lieben langen Tag so denken für ihr Geld, und ob sie über dieses hinaus noch eins und eins zusammenzählen. Zum Beispiel ein Auftragsmord und noch ein Auftragsmord und noch ein Auftragsmord, und ob man sich dabei nicht einen obersten Auftraggeber denken müßte im Lande von Staatslenkern wie dem Mörder Iwan oder dem Mörder Peter oder dem Mörder Lenin oder dem Mörder Stalin.

Und ob die Denkfabriken selbstlos weil vermutlich auftragslos ihr Denkergebnis über den obersten russischen Auftraggeber von Auftragsmorden gefälligerweise nicht von sich heraus mitteilen könnten einer irritierten Öffentlichkeit im Lande der Hotts-Pott-Sager.

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SPIEGEL: Frau Owsjannikowa, haben Sie keine Angst?

Owsjannikowa: Natürlich habe ich Angst, sogar große. Ich bin ja ein Mensch. Es kann alles passieren, ein Autounfall, alles, was die wollen, dessen bin ich mir bewusst.

19. März 2022, DER SPIEGEL

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In Rußland wird heute offiziell gefeiert wie an jedem 18. März. Es geht dabei um die, aus westlicher Sicht, völkerrechtswidrige Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim vor acht Jahren.

ARD-Tagesschau um 20 Uhr vom 18. März 2022!

Danke für die Mitteilung nach acht Jahren, daß am 18. März in Rußland die, aus westlicher Sicht (!!!) völkerrechtswidrige Annexion der ukrainischen (!!!) Krim gefeiert wird. Fehlt bloß noch der augenblicklich an jeder dritten Stelle wiederholte aktuelle Standardsatz: „Die Angaben lassen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

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Der noch unvollendete Fall aus den Wolken

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13. März 2022: Bellarmin an Mephisto

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Mittwoch, 23. Februar 2022

VOLKSSTIMME:

Im Grunde haben Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schon 2015 die Ost-Ukraine geopfert. Das Minsk-II-Abkommen zwingt die Ukraine de facto dazu, die Gebiete Luhansk und Donezk aus ihrem Staatsgebiet zu entlassen. Kein Wunder, dass dies kein Präsident vollzogen hat.

FRANKFURTER RUNDSCHAU:

Putin wird wohl nicht aufs Äußerste gehen und die gesamte Ukraine angreifen. Nicht nur weil die Zahl der Toten wohl auch in Russland nicht vermittelbar wäre und der Unmut Putins Herrschaft gefährden könnte. Putin dürfte lieber den Konflikt mit der Ukraine erhalten wollen – ähnlich wie in Georgien, wo er bereits seit Jahren mit einer ähnlichen Strategie zwei sogenannte Regionen unterstützt. Auf diese Weise bleibt Putin im Fokus des internationalen Interesses, hält die Menschen in der Ukraine in Angst und verhindert eine wirtschaftliche Erholung des Landes.

MÜNCHNER MERKUR:

Wir sollten nicht so dumm sein, dem Kremlherrscher die Kriege gegen unsere europäischen Nachbarn auch noch zu finanzieren. Bundeskanzler Scholz hat mit seinem Stopp der Ostseepipeline richtig gehandelt: Die Gaspartnerschaft mit Putins Russland ist zerbrochen. Das tut weh. Doch kassiert Berlin jetzt die Quittung dafür, dass es unter allen Europäern im Umgang mit Putin jahrelang am naivsten zu Werke ging.

MÜSAVAT:

Vor 14 Jahren hat Russland Abchasien und Südossetien anerkannt. Und was ist danach passiert? Diese beiden abtrünnigen Republiken siechen vor sich hin, und Luhansk und Donezk droht das gleiche Schicksal. Im Grunde sollte jedes Volk, das unabhängig sein will, dieses Recht auch bekommen. Doch die Geschichte hat gezeigt, dass die Gründung von Ministaaten kein gutes Ende nimmt. Nur wenn eine Nation vereint ist, hat sie die Macht, viel zu erreichen.

KYIV INDEPENDENT:

Der frühere Präsident und heutige Vorsitzende des nationalen russischen Sicherheitsrats, Dimitri Medwedew, erklärte vor zwei Tagen: Wenn Russland die ukrainischen Gebiete als unabhängige Staaten anerkennen würde, würde die Welt das zwar erst einmal verurteilen, aber das würde schon vorbei gehen. Hört ihr das in Washington, London und Brüssel? Beschränkt ihr euch auf leidenschaftliche Reden und symbolische Sanktionen? Oder antwortet ihr mit ganzer Kraft und haltet den wahnhaften Diktatoren auf, bevor er noch mehr Angst und Schrecken in der Welt verbreitet? Es geht nicht nur um die Ukraine. Wenn Putin gewinnt, verliert eure Welt. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber bald, und unvermeidlich.

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Donnerstag, 24. Februar 2022

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

Putins Furor ist eine Katastrophe für die Ukraine und ein Unglück für die Welt. Mit dem Ende des Minsker Abkommens und dem Stopp der Pipeline Nord Stream 2 lösen sich aber auch Jahrzehnte deutscher Russlandpolitik in nichts auf. Daran trägt Putin nicht allein die Schuld. An die Illusion, die er hat zerplatzen lassen, mussten andere ja erst einmal glauben. In diesem Luftschloss ist Putin mal als europäischer Friedenspolitiker aufgetreten, mal als immerhin verlässlicher Gaslieferant und, wenn es schwierig wurde, gerne wenigstens noch als pragmatischer und berechenbarer Machtmensch. Deutschland ist das westliche Land, in dem der Glaube an das Gute in Putin die Politik, aber auch die Sichtweise in nicht unwesentlichen Teilen der Bevölkerung am längsten geprägt hat.

LA RAZON:

Putin nutzt für seine Konfrontation mit dem Westen auch den historisch bedingten Antiamerikanismus. Der russische Präsident ist keineswegs Kommunist. Trotzdem genießt er unter Marxisten Sympathie, auch in Lateinamerika. Dabei ist Russland keine Demokratie und verstößt mit seinem Auftreten gegenüber der Ukraine gegen internationales Recht. Ideologisch steht Putin der lateinamerikanischen Linken somit überhaupt nicht nah. Trotzdem stößt er dort auf Verständnis, und marxistische Influencer reden von Neonazis in der Ukraine, die von der Nato unterstützt werden. Aber weder sind die Ukrainer Neonazis, noch ist Putin ein Befreier.

DE TELEGRAAF:

Europa hat sich in Bezug auf Öl und Gas stark von Russland abhängig gemacht. Immer wieder war vor allem seitens der USA gewarnt worden, wie gefährlich es ist, sich bei der Versorgung mit essenziellen Energieträgern von dem launenhaften russischen Regime abhängig zu machen. Zudem zeigt sich, dass viele Länder – darunter auch die Niederlande – nicht genügend Vorräte aufgebaut haben. Es war unverantwortlich, die Erdgasförderung in Groningen fast vollständig stillzulegen, ohne Alternativen dafür zu haben.

RZECZPOSPOLITA:

Niemand in Berlin zweifelt inzwischen mehr daran, dass die Russlandpolitik der letzten Jahrzehnte naiv war. An scharfer Russlandkritik hat es in Deutschland zwar nie gefehlt. Allerdings gab es auch viele sogenannte ‚Russlandversteher‘ mit der entsprechenden Bereitschaft, um fast jeden Preis mit Moskau zusammenzuarbeiten. Nun hat Deutschland einiges aufzuarbeiten: die Sünden der eigenen Naivität, das bisherige Wunschdenken, die romantischen Vorstellungen von Russland und die eigenen Schuldgefühle.

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Freitag, 25. Februar, 2022

LANDESZEITUNG:

Drei Flugstunden entfernt ist Krieg. Und? Berührt uns das? Es wäre erbärmlich, wenn sich in unseren Köpfen nichts bewegt. Wenn wir weiter glauben würden, die Welt wäre eine Art vergrößerte EU, wo man mit Sachargumenten, nächtlichen Verhandlungsmarathons und notfalls ein paar Schecks Interessengegensätze immer ausgleichen könnte. Dabei haben machthungrige Potentaten längst die alte Geopolitik wiederbelebt. Sichere Grenzen und sichere Lebensentwürfe in Freiheit sind leider nicht der Normalfall der Geschichte, sondern die Ausnahme. Eine kostbare Ausnahme, die es wert ist, nicht nur mit Worten verteidigt zu werden.

NÉPSZAVA:

Russlands Sicherheit gefährden weder die Nato noch die Ukraine. Russlands größter Feind ist sein eigener Präsident. Putins Entscheidung über den Angriff auf die Ukraine basiert auf einem völlig verzerrten Verständnis der Geschichte. Dieser Diktator ist der Ansicht, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion die größte Tragödie des 20. Jahrhunderts ist und dass die Ukraine tatsächlich nie als Staat existierte. Es gibt nicht viel Logik oder Gerechtigkeit in einem solchen Denken. Der russische Präsident ist vielleicht ein militärischer Riese, aber im moralischen Sinne ist er ein Zwerg, der hinterlistig seine wahren geopolitischen Ziele verbirgt.

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Sonnabend, 26. Februar 2022

FRANKENPOST:

Gerade Grüne und die Sozialdemokraten haben viele Anhänger aus der Friedensbewegung in ihren Reihen. Die dürften sich jetzt täglich die Augen reiben. Frieden schaffen ohne Waffen? Mit Blick auf die Ukraine ein veritabler Trugschluss, Despoten wie Putin verstehen am Ende doch nur kompromissloses Handeln und Stärke. Deutschlands Politik ist gut beraten, die Weichen völlig neu zu stellen.

NEW YORK TIMES:

Die internationale Gemeinschaft ist zwei Extremen ausgesetzt: Russland und China. Nie zuvor hatten die Staatschefs von zwei der drei mächtigsten Nuklearnationen – Putin und Xi – mehr unkontrollierte Macht. Nie zuvor waren mehr Menschen von einem Ende der Welt zum anderen mit weniger Puffern miteinander vernetzt. Was diese beiden Staatsoberhäupter also mit ihrer Macht anstellen, wird praktisch jeden von uns direkt oder indirekt betreffen. Putins Einmarsch in die Ukraine ist der erste Vorgeschmack darauf, wie verrückt und instabil diese Art von vernetzter Welt werden kann.

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Montag, 28. Februar 2022

VOLKSSTIMME:

In den drei Tagen seit Kriegsbeginn in der Ukraine war Deutschland dabei, rasend schnell seine führende Rolle in der EU und sein Mitspracherecht in der Nato zu verspielen. Mit jeder Bombe auf die Ukraine wurde es für die Bundesregierung dringlicher, sich nicht herauszulavieren, sondern konkret auf den Völkerrechtsbruch Russlands zu reagieren. Das hat Bundeskanzler Olaf Scholz getan. Und die internationale Allianz gegen Russland gestärkt. Die Zeitenwende, wie Scholz sie nennt, ist ein Bruch mit der deutschen Politik der vergangenen 30 Jahre.

DIENA:

Es ist schockierend, dass bei uns in sozialen Netzwerken das dem Kreml genehme Narrativ kursiert, dass Ukrainer und Russen die Leidtragenden seien und es vor allem um die Bewahrung des Friedens gehe. Natürlich ist Frieden wichtig, aber zuerst muss der Aggressor seinen Krieg beenden. Wenn die Ukrainer ihre Familien gerettet und ihr Land zurückgewonnen haben, ihre unschuldigen Opfer begraben und betrauert und ihren Sieg gefeiert haben, kann irgendwann auch Russland mit seinen historischen und ideologischen Befindlichkeiten auf der Couch landen.

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Dienstag, 1. März 2022

RHEIN-NECKAR-ZEITUNG:

Putin hat die Welt angelogen, hat seinen Feldzug lange und gründlich geplant, hat dementiert und zugleich angegriffen, sperrt Kritiker ein und verordnet Medien einen Maulkorb. Ein Wort der Wahrheit? Niemals. Die List kommt bei ihm als unverfrorene Heuchelei daher. Und weil er bisher alles, was von den einen befürchtet worden war und von anderen naiv weggewünscht worden war, in die Tat umsetzte, ist ein russischer atomarer Schlag nicht auszuschließen. Denn er hat damit gedroht. Natürlich wollen alle Menschen in erster Linie leben. Auch Putin. Und ganz sicher gibt es in seinem engsten Umfeld Berater, die den Wahnsinn eines Atomschlags würden stoppen wollen. Allein: Der von Geheimdiensten geschulte Despot hat seine Unberechenbarkeit längst bewiesen.

NEW YORK TIMES:

Seit Putins Einmarsch in die Ukraine sind zwei Dinge klar geworden. Erstens: Putin ist größenwahnsinnig. Zweitens: Russland ist schwächer als die meisten meinten. Putin ist nicht der erste brutale Diktator, der sich zum internationalen Paria gemacht hat. Aber er ist der erste mit einer heimischen Wirtschaft, die stark vom internationalen Handel abhängig ist, und mit einer politischen Elite, die es gewohnt ist, die westlichen Demokratien als ihren Spielplatz zu betrachten. Putins Russland ist keine hermetische Tyrannei wie Nordkorea oder die alte Sowjetunion. Sein Lebensstandard wird durch umfangreiche Importe aufrechterhalten, die größtenteils durch die Ausfuhr von Erdöl und Erdgas finanziert werden. Dies macht die russische Wirtschaft sehr anfällig für Sanktionen. Putins Armee mag Kiew durchaus noch einnehmen, aber dies wird ihn selbst nur noch mehr schwächen. Russland entpuppt sich als potemkinsche Supermacht, die bei weitem nicht so stark ist, wie es den Anschein hat.

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Sonnabend, 5. März 2022

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

Die amerikanische Historikerin Barbara Tuchman hat vor vierzig Jahren dargelegt, dass sich viele einschneidende Ereignisse in der Weltgeschichte, vom Fall Trojas bis zum Vietnamkrieg, damit erklären lassen, dass die damals Herrschenden schlicht dumm waren. Seit Jahrtausenden, so Tuchmans Befund, haben Menschen, denen der Wille, die Fähigkeit oder das Interesse fehlte, die Folgen ihres Tuns zu bedenken, Entscheidungen getroffen, die das Schicksal ganzer Völker geprägt und Millionen Leben zerstört haben.

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Sonntag, 6. März 2022

FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG:

Dabei hätte die SPD – manche ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten übrigens ebenso – eine grundsätzliche Aufarbeitung der eigenen Haltung gegenüber Russland nötig. Die SPD-Parteispitze hat Moskaus Angriffskrieg zwar sofort und unmissverständlich verurteilt. Aber sie schweigt bisher zur Verharmlosung Putins durch die eigenen Leute in den zurückliegenden Jahren. Das geschah allen voran durch Gerhard Schröder. Der ehemalige SPD-Vorsitzende hat mit seiner Lobbyarbeit für das Putin-Regime jahrelang Millionen Euro verdient, ohne dass die Partei irgendwelche Konsequenzen zog. Im Sinne des russischen Interesses äußerten sich aber auch Manuela Schwesig, Erwin Sellering und Matthias Platzeck. Die SPD sollte auch ihre Folklore um die Entspannungspolitik der Siebzigerjahre überdenken. Die Leistungskraft der sozialdemokratischen Ostpolitik wird im Rückblick gerne überschätzt. All das gehört auf den Tisch. Denn die strategische Schwäche Europas gegenüber Russland und die versäumten Ausgaben für die Rüstung haben damit zu tun.

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Dienstag, 8. März 2022

NOWAJA GASETA:

Die Menschen wiederholen meist die Meinungen aus dem Fernsehen. Die Erzählung von der Verteidigung des Vaterlandes, die ununterbrochen von den Propagandakanälen verbreitet wird, nimmt ihnen offenbar die Fähigkeit das Geschehen kritisch zu beurteilen. Noch nie war es schwieriger, die Menschen zweifeln zu lassen. In Russland gilt: Wahrheit ist, was dem König dient, und alles andere ist Lüge und Verbrechen. Aber wie stark die Behörden den Informationsfluss auch reglementieren, früher oder später werden andere Zeiten kommen.

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Mittwoch, 9. März 2022

DER NEUE TAG:

Die deutsche Energiepolitik der vergangenen Jahre war naiv, sehr naiv. Geradezu peinlich war es, wie Merkel, Scholz und Co. an der Gas-Pipeline Nord Stream 2 festgehalten haben. Allen Warnungen vor Putin zum Trotz. Denn es ist ja nun wirklich nicht so, dass der russische Präsident aus heiterem Himmel zum Verbrecher wurde. Deutschland hat sich freiwillig abhängig von einem Diktator gemacht. Mehr als 50 Prozent aller deutschen Erdgasimporte kommen aus Russland. Das war ein großer Fehler, den die Verantwortlichen erst jetzt einsehen. Und dieser Fehler wird wohl für alle Bürger teuer werden.

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Donnerstag, 10. März 2022

ND.Der TAG:

In Putin hat der Patriarch einen Genossen im Geiste. Beide scheinen besessen vom Kampf gegen die Unmoral, die der Westwind gen Osten trägt: Was dem einen die Fixer, sind dem andern die Schwulen. Der Krieg habe eine metaphysische Bedeutung, erklärte Kyrill I. Nach Ansicht von Ostkirchen-Experten interpretiert er den Ukraine Krieg als Krieg des Lichts gegen die sündigen Werte, die den wahren Orthodoxen in der Ukraine von den ‚Weltmächten‘ aufgezwungen würden – insbesondere Homosexualität.

DER TAGESSPIEGEL:

Die Vorstellung der russisch-orthodoxen Kirche deckt sich mit der staatlichen Politik. Liberale Demokratie, Akzeptanz von Homosexualität, religiöse und gesellschaftliche Pluralität – das lehnen sowohl der Staat wie auch die russisch-orthodoxe Kirche ab. Das Konzept heißt ‚Russkij Mir‘ – russische Welt. Kyrill hat schon 2020 erklärt, dass alle Gebiete, die geschichtlich einmal von Russland abhängig waren, zum ‚Heiligen Rus‘ gehören und man sie wiedergewinnen sollte. Wer Putins Krieg gegen die Ukraine Einhalt gebieten will, hat also auch in Kyrilll einen bedeutenden Gegner.

NEW YORK TIMES:

Für Putin gibt es keinen guten Ausweg mehr – und das macht wirklich Angst! Putin wird mit seinem Ukraine-Feldzug langfristig nicht erfolgreich sein. Aber einer wie er kann keine Niederlage eingestehen. Die unausweichliche Demütigung ist unerträglich für diesen Mann, der davon besessen ist, die Würde und Einheit dessen wiederherzustellen, was er als russisches Mutterland ansieht. Putin marschiert deshalb in einen ewigen Krieg gegen die Ukraine und einen Großteil der Welt, der Russland langsam zusammenbrechen lassen wird. Und das ist entsetzlich. Denn es gibt nur eines, was schlimmer ist als ein starkes Russland unter Putin: Und das ist ein schwaches, gedemütigtes, ungeordnetes Russland – ein Land voller nuklearer Sprengköpfe, Cyberkrimineller, Öl- und Gasquellen, das zerbricht und in dem verschiedene Fraktionen um die Macht ringen.

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Freitag, 11. März 2022

LUDWIGSBURGER KREISZEITUNG:

Die Ukraine im Zustand vor dem 24. Februar 2022 wird es nicht mehr geben. Die Russen werden ihren Feldzug nur unterbrechen, wenn sie dafür etwas bekommen, einen schriftlichen Verzicht der Ukraine auf die Nato-Mitgliedschaft, eine Anerkennung der Krim und des Donbass als Teil Russlands etwa. Dabei muss dem Westen ganz klar sein: Nur die Ukrainer können entscheiden, wozu sie bereit sind. Dennoch: Es ist gut, dass geredet wird, vor und hinter den Kulissen. Selbst wenn der Grundsatz, solange geredet wird, wird nicht geschossen, leider nicht mehr gilt.

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Sonntag, 13. März 2022

AFTONBLADET:

Russlands Präsident Putin plant die Wiederherstellung der historischen Einflusssphäre seines Landes. Dazu reicht ein Blick auf die Karte: Östlich des Schwarzen Meeres stehen seit 2008 Truppen in Georgien, im Norden liegt die 2014 annektierte Krim, im Nordosten der Donbass und im Nordwesten das zu Moldau gehörende Transnistrien, das seit Jahrzehnten von russischen Truppen dominiert wird. Nun ist die Ukraine an der Reihe. Der Westen war zu lange zu nachgiebig, auch aus Angst vor den russischen Atomwaffen. Aber was wir jetzt tun, hätten wir schon vor 2014 tun sollen. Wir hätten der russischen Wirtschaft den Stecker ziehen und die Ukraine bewaffnen sollen. Dann wäre uns der Krieg vermutlich erspart geblieben. Putins Appetit ist mit jedem Happen gewachsen; und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj ist es zu verdanken, dass der Westen allmählich aufwacht. Die deutsche Naivität und Nachgiebigkeit sind wie weggewischt, und Bundeskanzler Scholz spricht von einer Zeitenwende. Aber lassen sich alte Fehler nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine noch korrigieren? Das ist zu hoffen.

WELT AM SONNTAG:

Was bleibt vom pompös inszenierten Versailler-Gipfel der Staats- und Regierungschefs? Vor allem drei Botschaften: Große Uneinigkeit bei der Frage, ob man der Ukraine durch einen Importstopp von russischem Öl und Gas helfen soll. Die Forderungen der Ukraine nach einem Status als EU-Beitrittskandidat wurde abgeschmettert. Und: Frankreich hat mit dem Euphemismus einer ‚europäischen Investitionsstrategie‘ die Schleusen geöffnet für einen massiven Ausbau der Schuldenunion, die bald kommen dürfte und vor allem von Deutschland bezahlt werden wird. Man muss es leider in dieser Deutlichkeit sagen: Es war ein Gipfel der Schande – trotz der beschlossenen 500 Millionen Militärhilfen für Kiew. Kanzler Scholz hat dabei keine gute Figur gemacht. Er ist gegen ein Öl- und Gasembargo, er ist gegen einen Kandidatenstatus für die Ukraine, und er unterstützt im Grundsatz den Weg in eine EU-Mega-Schuldenunion. Dabei wäre es ganz einfach gewesen, der Ukraine einen Status als EU-Kandidat zu verleihen. Das hätte den 44 Millionen Ukrainern in ihrem Überlebenskampf einen ungeheuren Auftrieb gegeben, ihnen Mut gemacht und Respekt für ihren Widerstand gezollt. Damit wären keine weiteren Verpflichtungen verbunden gewesen, die Türkei beispielsweise ist seit 2005 Kandidatenland. Stattdessen versteifen sich Scholz, Rutte und Co auf Formalien: Regeln müssten eben gelten.

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Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,

Aufgestanden unten aus Gewölben tief.

In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,

Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

Georg Heym (1887 – 1912) aus Der Krieg

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Zur Dauer des Krieges

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5. März 2022: Bellarmin an Mephisto

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Am Tag nach Aschermittwoch begannen in Deutschland die Meldungen und Berichterstattungen mit der einleitenden Bemerkung: „Tag acht des Krieges“.

Tatsächlich.

Dabei hatte man wenige Tage zuvor noch Ansätze von Realismus gezeigt…

Und begann immerhin wenigstens nicht mehr zu sagen „Ukraine-Konflikt“.

Sondern „Ukraine-Krieg“!

Statt „russischer Invasion“…

Schockiert („geschockt“ auf Dummdeutsch) beispielsweise vom üblichen, also brutalen Bombardieren („Bomben“ auf Dummdeutsch) ukrainischer Städte durch das menschenverachtende, demnach ordinäre russische Militär.

O nein, nein, nein, das ist nicht allein der Krieg des lupenreinen Auftraggebers von Auftragsmorden und anderer Kleinigkeiten.

Redet Euch das nicht wieder ein in Deutschland!

Ein paar Russen müssen schon dabei sein, die wissen, was sie tun.

Haben es vielleicht sogar geübt in Syrien.

Oder schon in Tschetschenien.

Und es handelt sich beileibe nicht um den Tag acht des Krieges!

Sondern um das Jahr acht!

Und es handelt sich nicht allein um „Putins Größenwahn“.

Sondern um den traditionellen russischen Größenwahn und Chauvinismus und Imperialismus.

Gegenüber anderen Völkern.

Übrigens, am 25. Februar jährte sich zum 71. Mal der Tag der Besetzung Georgiens.

1921.

Durch Rußland.

Nicht der lupenreine Auftraggeber von Auftragsmorden hat die fünfzehn Meter hohen Türen gezimmert und vergoldet und findet ihr pompöses Geglitzer schön, durch die der Herr aller Reußen so berechnend propagandistisch schreitet mit Schißlaweng und seinem verkniffenen Lächeln auf seinem Antlitz mit Ohren.

Und den sich von denen seiner ihm ehrfürchtig gegenübersitzenden Paladinen deutlich im Pomp unterschiedenen Stuhl hat nicht er geleimt.

Nicht allein der Killer im Kreml hat sich darüber gefreut, die Krim heimzuholen ins Reich der ruhmredigen Russen.

Und morgen die ganze Ukraine.

Mindestens.

Neulich, bei einer der in Deutschland für Diskussionsrunden gehaltenen Fernsehsendungen schwärmte ein Journalist geradezu von Wladimir Wladimirowitsch als kulturell gebildetem Menschen…

Dennoch, ich halte es in nicht unerheblichem Maß für wahrscheinlich, daß der derart angehimmelte Verbrecher nicht weiß, was ein Pyrrhussieg bedeutet.

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Es kommen härtere Tage.

Ingeborg Bachmann (1926 – 1973)

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