A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Kategorie-Archiv: Lyrik

27.11.15 Serapion an Mephisto

 

H y b r i s

 

Wir sind nicht mehr die gleichen.

Uns ätzte das Leben leer.

Es gibt keine mystischen Zeichen,

es gibt kein Geheimnis mehr.

 

Wir treiben durch luftlose Räume,

erloschenen Angesichts.

Die Nächte verweigern uns Träume,

die Sterne sagen uns nichts.

 

Wir haben den Himmel zertrümmert.

Das Weltall umklammert uns kalt.

Der Tod läßt uns unbekümmert.

Wir haben Gewalt.

 

Dagmar Nick

 

23.10.15 Mephisto an Serapion

Märchen? Das ist kein Märchen, das ist Geschichte! Was derzeit an den Küsten des Mittelmeeres, was auf der sogenannten Balkanroute nach Deutschland und in Deutschland und Europa sich ereignet, das ist sogar Weltgeschichte. Mit tausenden Toten verzweifelter Menschen! Dramatischer geht’s kaum. Oder? Wir werden uns noch wundern! Und wir werden einmal sagen müssen, wir seien dabei gewesen. Ein Weltreich, dessen Bürger sich betäubten an Zirkusspielen und Wagenrennen, war einst zugrunde gegangen am Nichtwahrhabenwollen.

Doch mittlerweile sind selbst die chronischen Gesundbeter mit den grünen Rote-Bete-Gesichtern über den „Abschiebestop!“-Plaketten mehr und mehr gezwungen, anstelle des Märchens von der Europäischen Union mit ihren gemeinsamen Werten, die übrigens per demokratischem Referendum zum übernationalen Verfassungsentwurf abgelehnt wurden, endlich einmal wahrzunehmen, was im ordinären Sprachgebrauch bezeichnet wird als

 

 

Die Wirklichkeit

 

Er zieht es unterm Tisch hervor,

Er macht kein Federlesen;

Das Geißlein kreischt, sein Knochen knackt,

Das Geißlein ist gewesen.

 

Der Boden bebt beim Sprung aufs Bett,

Er macht kein Federlesen,

Brutal reißt er die Decke weg,

Nie wird dies Geiß genesen!

 

Nun nimmt er sich das nächste vor!

Er stochert mit dem Besen,

Er zerrt es aus dem Ofen raus

Und macht kein Federlesen.

 

Dann platzt er durch die Küchentür,

Er macht kein Federlesen,

Ein dumpfer Schlag, dann wird es still,

So liegt’s in seinem Wesen.

 

Die Schranktür knarrt, und flink heraus

Will’s fünfte Geißlein pesen –

Er packt’s blitzschnell am Hinterbein

Und macht kein Federlesen.

 

Nun stülpt er noch die Schüssel um,

Er macht kein Federlesen,

Das sechste Geiß liegt schreckensstarr,

Er läßt es nicht verwesen.

 

Im Uhrenkasten krümm‘ ich mich!

Ich hör das Pendel schwingen!

Ich bin ganz klein, hier paß ich rein,

Gleich wird der Gong erklingen!

 

Serapion an Mephisto

Du erinnerst Dich? Im Frühling, als die Forsythien blühten, da habe ich Dir die beiden wichtigsten Gedichte deutscher Zunge präsentiert (=> SEY dennoch unverzagt). Nun es Herbst ist, und Du so jammerst über das Märchen von der Europäischen Union, will ich nichtsdestotrotz Dir empfehlen: Du solltest wieder Märchen lesen! Grimm, Hauff, Andersen!

Das ist wichtig!

Von den Grimmschen will ich Dir ebenfalls, wie seinerzeit bei den Gedichten, zwei lebenswichtige hierhersetzen.

Also da wäre einmal das Märchen vom

 

 

Dornröschenprinz

 

Da hörst du deinen Atem in der Stille

Und siehst: Die Fliegen stehen an der Wand!

Am Boden vor dem Spinnrad liegt die Spille,

Und durch den Vorhang lugt die kleine Hand.

 

Und wieder träumt ein Schloß im Sehnsuchtsschlummer!

Erwartend dich! Damit du es entdeckst!

Doch sage mir mein Prinz, was soll dein Kummer?

Bist du am Ende selber gar verhext?

 

 

Okay?

Und nun das Märchen vom

 

 

Rapunzelprinz

 

Seit Jahr und Jahren irrte er

Heillos blind im Wald umher,

Von Wurzeln und Beeren kümmerlich,

Am Boden tastend, nährend sich.

 

Da jammernd und weinend um den Verlust,

Daß er von Rapunzel nichts mehr gewußt,

Mit Weh ihn schüttelnd der Frage Not,

War sie lebendig? War sie tot?

 

Sein Leben fristend Stück um Stück,

Im Märchen nur kehrt Glück zurück!

Nie wieder sah er das schöne Kind,

Sie blieb verschollen und er blieb blind.

 

Mephisto an Serapion

 

Es kommen härtere Tage oder Der teuflischen Tragödie zweiter Teil

 

Es kommt nun eine Zeit, die werden wir nicht lieben.

Die Jahre zogen hin, wir standen voll im Saft,

Da gab’s die Mastercard, die galt es reinzuschieben,

Und prompt kroch durch den Schlitz soziale Marktwirtschaft.

 

Du meinst, das sei nicht so, die Jahre waren mager?

Du kamst mal eben hin und lebtest nicht leger?

Dann zieh jetzt Lehren draus, sonst bleibst du ein Versager

Und siehst, welch Glück in jenen Zeiten blüht, erst immer hinterher…

 

Serapion an Mephisto

 

Sitze ich an meinem Tische,

Sommers nach der Morgenfrische,

Hintenraus auf dem Balkon,

Blättre ich im Feuilleton.

 

Lese über Land und Leute,

Über Männer, über Bräute,

Und was sich zusammenbraut,

Und mein Kater, der miaut.

 

Unten spiel’n zwei Nachbarskinder,

Denken sich, sie wären Inder,

Wickeln Tücher um den Kopf,

Bei dem Mädchen stört der Zopf.

 

Immer greller geht das Leben,

Dies erfuhr ich gerade eben,

Als ich in die Zeitung schaute,

Wo die Bild mir anvertraute:

 

– In Australien eine Frau

Äußert nach der Abendschau,

Hingewandt zu ihrem Manne,

Daß sie ihn hinfort verbanne.

 

„Ja, das klotzt dir an die Nieren,

Kannst von mir aus auch krepieren!

Pack die Sachen und marschier,

Ick mach mein Geld auch ohne dir!“

 

Er springt hoch und ist ganz sauer,

Rennt um den Tisch, plump wie ein Bauer,

Sich aus dem Schrankfach zu armieren

Mit einem Messer zum Tranchieren!

 

Nun denkt man leicht, passiert das Übliche,

Das ewig weltenweit Betrübliche:

Nach Wetterkarte und Abendschau

Durchsticht der Mann die Ehefrau.

 

Zumal sie schreit: „Du bist zu feige!“

Worauf er brüllt: „Wenn ich’s dir zeige?“

Sie schreit: „Du bist der Schlappschwanz hier,

Ick mach mein Geld auch ohne dir!“

 

Er vis-à-vis am Küchentisch,

Das Messer weist er gegnerisch

Am Griff umklammert von seiner Linken,

Es glitzert und funkelt, sie sieht es blinken…

 

Mit einem Mal, ritschrip, ritschrap,

Sägt er sich seinen Finger ab,

Den kleinen Finger der rechten Hand,

Ambulant und hirnverbrannt!

 

Au wei, au wei, der Finger liegt frei

Herum auf dem Wachstuch, als wär’s einerlei!

Doch unverdrossen, mit blutigen Händen,

Läßt unser Held es nicht bewenden

 

Und läßt, die Frau kreischt hell und munter,

Mittels neun Fingern sein Beinkleid runter,

Entblößt sich selbst die Genitalien,

So ist es geschehen im fernen Australien!

 

Packt straff sich seinen Hodensack,

Ritschrip, ritschrap, als wär’s ein Klack,

Schneidet und schmeißt das Geschnittene nieder,

Blickt um sich wild wie ein Stupider

 

Und stönt ihr vor, o welch Kontrast:

„Was du jetzt angerichtet hast!“

Da lacht sie bloß: „Was willste du von mir?

Ick mach mein Geld auch ohne dir!“

 

Worauf er, trotz mangelndem Applause,

Gerät nun völlig aus dem Hause

Und säbelt sich, ritschrip, ritschrap,

Vor seiner Frau den Penis ab… –

 

Erst beim neunten Glockenschlage

Steig ich aus meinem Bettverschlage,

Eß ein kleines Festgelage,

Geh in meine Grünanlage,

Genieße voll die Wetterlage

An jedem blauen Sommertage.

 

Und zieh’n am Himmel böse Wolken,

Kann ich in der Nase polken

Nach Herzenslust – oder auch nicht,

Denn das ist ja keine Pflicht!

 

 

Im übrigen aber bin ich der Meinung, daß es Zeit wird, an Völkerwanderung zu denken und an den Untergang der römischen Zivilisation und die Vergeblichkeit jeglichen Limes.

Bellarmin an Mephisto

Das Spiel ist aus

 

Mein lieber Bruder, wann bauen wir uns ein Floß

und fahren den Himmel hinunter?

Mein lieber Bruder, bald ist die Fracht zu groß

und wir gehen unter.

 

Mein lieber Bruder, wir zeichnen aufs Papier

viele Länder und Schienen.

Gib acht, vor den schwarzen Linien hier

fliegst du hoch mit den Minen.

 

Mein lieber Bruder, dann will ich an den Pfahl

gebunden sein und schreien.

Doch du reitest schon aus dem Totental

und wir fliehen zu zweien.

 

Wach im Zigeunerlager und wach im Wüstenzelt,

es rinnt uns der Sand aus den Haaren,

dein und mein Alter und das Alter der Welt

mißt man nicht mit den Jahren.

 

Laß dich von listigen Raben, von klebriger Spinnenhand

und der Feder im Strauch nicht betrügen,

iß und trink auch nicht im Schlaraffenland,

es schäumt Schein in den Pfannen und Krügen.

 

Nur wer an der goldenen Brücke für die Karfunkelfee

das Wort noch weiß, hat gewonnen.

Ich muß dir sagen, es ist mit dem letzten Schnee

im Garten zerronnen.

 

Von vielen, vielen Steinen sind unsre Füße so wund.

Einer heilt. Mit dem wollen wir springen,

bis der Kinderkönig, mit dem Schlüssel zu seinem Reich im Mund,

uns holt, und wir werden singen:

 

Es ist eine schöne Zeit, wenn der Dattelkern keimt!

Jeder, der fällt, hat Flügel.

Roter Fingerhut ist’s, der den Armen das Leichentuch säumt,

und dein Herzblatt sinkt auf mein Siegel.

 

Wir müssen schlafen gehen, Liebster, das Spiel ist aus.

Auf Zehenspitzen. Die weißen Hemden bauschen.

Vater und Mutter sagen, es geistert im Haus,

wenn wir den Atem tauschen.

 

 

Ingeborg Bachmann (1926-1973)

Serapion an Mephisto

Apropos Lyrik. Sicher habe ich zehntausende Gedichte gelesen. Darunter einige sehr gute. Ich setze Dir unverfroren zwei davon hierher und sage: Das sind die beiden wichtigsten Gedichte deutscher Zunge. Dabei handelt es sich, wie sollte es anders sein, um zwei Blues. Um zwei deutsche Blues, in Sonettform also. Das mag sich, in mehrfacher Hinsicht gleich, anachronistisch und unsachlich und dreist subjektivistisch anhören. Aber selbst wenn neunundneunzig gesottene Germanisten aufschrien und alles für lächerlich und mich für verrückt erklärten, ich toleriere gern ihren mangelnden Durchblick und bleibe dabei. Obwohl ich gewöhnlich kein Rigorist und heute sogar frühlingshaft milde gestimmt bin. Forsythien betupfen Welt und Umwelt, Amseln trällern, Sperlinge tschilpen, Täubchen turteln…

Entstanden sind beide Sonette im selben Jahrzehnt, und, so ein Zufall aber auch, in Zeiten wahrlich entsetzlichster Pein, in monströsester Ungestalt von Krieg, Pest und Tod. Wenn Baudelaire behauptet, Not sei die Mutter der Intelligenz, möchte man infolge der zeitlichen Kristallisationsnähe gleich zweier derart bedeutsamer Gedichte den Spruch auch abwandeln in: Not ist die Mutter der tiefsten Einsicht. Denn die kommt wahrlich nicht aus sattem Gemüt. („Schlaff ist, was in trägem Behagen gemästet worden ist, und nicht bei Anstrengung allein, sondern bei Bewegung und einfach durch das Gewicht seiner selbst versagt es.“ – Seneca)

Bei allem Glanze des üppigen Elends unserer Hemisphäre sei Einsicht uns besonders wichtig.

Beide Gedichte korrespondieren, und nur aus diesem Grund definiere ich sie umgekehrt zu den Zeitpunkten ihrer Entstehung als erstes und zweites.

Das erste Gedicht der zwei wichtigsten Gedichte, die ich Dir also ans Herz lege, ist später vom Autor noch einmal überarbeitet worden. Ich will Dir hier dennoch die ursprüngliche Fassung geben. Nun denn… Andreas Gryphius (1616 – 1664):

 

 

Vanitas; Vanitatum; et Omnia Vanitas

Es ist alles ganz eytel. Eccl. 1. V. 2.

 

Ich seh‘ wohin ich seh / nur Eitelkeit auff Erden /

Was dieser heute bawt / reist jener morgen ein /

Wo jtzt die Städte stehn so herrlich / hoch vnd fein /

Da wird in kurzem gehn ein Hirt mit seinen Herden:

Was jtzt so prächtig blüht / wird bald zutretten werden:

Der jtzt so pocht und trotzt / läst vbrig Asch und Bein

Nichts ist / daß auff der Welt könt vnvergänglich seyn /

Jtzt scheint des Glückes Sonn / bald donnerts mit beschwerden.

Der Thaten Herrligkeit muß wie ein Traum vergehn:

Solt denn die Wasserblaß / der leichte Mensch bestehn

Ach! was ist alles diß / was wir vor köstlich achten!

Alß schlechte Nichtigkeit? als hew / staub / asch vnnd wind?

Als eine Wiesenblum / die man nicht widerfind.

Noch wil / was ewig ist / kein einig Mensch betrachten!

 

Nun gibt es Menschen, zu denen auch ich mich addiere, die tatsächlich, wieder im Gegensatz zur gängigen germanistischen Lesart, jene erste Fassung für stärker halten als die spätere. Germanisten sind ja Wesen, die selbst Goethes Novelle für vortrefflich erachten und nun schon zwei Jahrhunderte selbige Ansicht mit seminaristischem Fleiß einer vom anderen abschreiben. Denn der Kunstgreis persönlich habe jenes Urteil gefällt, vor Eckermann, und, sich bescheiden räuspernd, über die leb- und namenlose Konstruktion bedeutungsvoll hinzugefügt: „Wir wollen sie Novelle nennen…“

Apropos alles sei eitel, dennoch will ich die Nachkriegsfassung des Sonetts über unsere Wesenhaftigkeit nicht im mindesten angreifen. Verfügt sie doch ebenfalls über derartige Stärken und geht mir dermaßen unter die Haut, daß ich mich nicht vermittels Entscheidung von ihr zu trennen vermag und sie Dir vorzuenthalten nicht die geringste Veranlassung sehe. Auch soll doppelt ja besser halten…

 

 

Es ist alles Eitel

 

Du sihst / wohin du sihst nur Eitelkeit auff Erden.

Was dieser heute baut / reist jener morgen ein:

Wo itzund Städte stehn / wird eine Wisen seyn /

Auff der ein Schäfers-Kind wird spilen mit den Herden:

Was itzund prächtig blüht / sol bald zutretten werden.

Was itzt so pocht und trotzt ist Morgen Asch und Bein /

Nichts ist / das ewig sey / kein Ertz / kein Marmorstein.

Itzt lacht das Glück uns an / bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Thaten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.

Soll denn das Spil der Zeit / der leichte Mensch bestehn?

Ach! was ist alles diß / was wir vor köstlich achten /

Als schlechte Nichtikeit / als Schatten / Staub und Wind;

Als eine Wiesen-Blum / die man nicht wider find’t.

Noch wil was Ewig ist kein einig Mensch betrachten!

 

Und nun das ebenfalls im Dreißigjährigen Kriege, aber noch vor dem gryphiusschen entstandene Gedicht! Paul Fleming (1609 – 1640) hat es geschrieben:

 

 

An Sich

 

SEY dennoch unverzagt. Gieb dennoch unverlohren.

Weich keinem Glücke nicht. Steh‘ höher als der Neid.

Vergnüge dich an dir / und acht es für kein Leid /

hat sich gleich wieder dich Glück‘ / Ort / und Zeit verschworen.

Was dich betrübt und labt / halt alles für erkohren.

Nim dein Verhängnüß an. Laß‘ alles unbereut.

Thu / was gethan muß seyn / und eh man dirs gebeut.

Was du noch hoffen kanst / das wird noch stets gebohren.

Was klagt / was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke

ist ihm ein ieder selbst. Schau alle Sachen an.

Diß alles ist in dir / laß deinen eiteln Wahn /

und eh du förder gehst / so geh‘ in dich zu rücke.

Wer sein selbst Meister ist / und sich beherrschen kann /

dem ist die weite Welt und alles unterthan.

 

Bellarmin an Mephisto

 

 

Sprich auch du,

sprich als letzter,

sag deinen Spruch.

.

Sprich –

Doch scheide das Nein nicht vom Ja.

Gib deinem Spruch auch den Sinn:

gib ihm den Schatten.

.

Gib ihm Schatten genug,

gib ihm so viel,

als du um dich verteilt weißt zwischen

Mittnacht und Mittag und Mittnacht.

.

Blicke umher:

sieh, wie‘ s lebendig wird rings –

Beim Tode! Lebendig!

Wahr spricht, wer Schatten spricht.

.

Nun aber schrumpft der Ort, wo du stehst:

Wohin jetzt, Schattenentblößter, wohin?

Steige. Taste empor.

.

Dünner wirst du, unkenntlicher, feiner!

Feiner: ein Faden,

an dem er herabwill, der Stern:

vom unten zu schwimmen, unten,

wo er sich schimmern sieht: in der Dünung

wandernder Worte.

 

Paul Celan (1920 – 1970)

Mephisto an Serapion

 

Die teuflische Tragödie

 

Im ungleichen Gefecht willst du dich halten?

Dies wird dir ungewohnte Geister wecken!

Die mußt du zügeln und sogar verstecken:

Darfst deine kargen Kräfte nicht zerspalten.

 

Weißt du dich klug und besser als die kalten,

Verlognen Feinde? Darfst sie doch nicht necken!

Wirst sonst an ihrer Übermacht verrecken:

Mußt lassen deine Vor- und Nachsicht walten.

 

Denn bist du wahrlich im Besitz des Wahren,

So wirst du auch naturgesetzlich siegen:

Ihr Tun wird ihren Fehler offenbaren!

 

Dann kannst du triumphieren und erfahren:

Du mußt nicht mal den kleinsten Finger biegen

Für deinen Sieg… in hundertfünfzig Jahren!

Serapion an Mephisto

 

Berceuse Des-Dur Opus 57 von Frederic Chopin

 

Die Kunst entrückt uns

Aus der Welt Der Notdurft,

Aus der Nacht Der geschäftlichen Ab-

Schnitte,

Aus der seelenlosen Organisiertheit

Und aus der organisierten Seelenlosigkeit.

Sie berührt uns

Endlich unendlich

An unserem Gefühl,

Unserer Wahrheit,

Sie versetzt uns in Stimmungen,

In denen wir uns erinnern können.

 

Wir müssen uns umstellen,

Sonst bleiben wir umstellt

Von der Uhrzeit, von der Unzeit,

Von der Unzucht und von der Zucht,

Mein flamingones Sein,

Mein Tanz,

 

Ich werde mein Leben ändern!