A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Schlagwort-Archiv: Michael Verleih

Fünf Bedenken zum Weltuntergang

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Sonntag, 17. Dezember 2023: Der Ritter vom heiligen Geist an Mephisto

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1) Der Mensch wurde Mensch, weil er in dialektischer Weise von der Natur mittels Not-Wendigkeit beständig angetrieben wird, expansiv seine Lebensumstände zu verbessern und, auf einer höheren Qualitätsebene, sie unvorhergesehenermaßen aber genau dadurch verschlimmert und sich deshalb unausweichlich neue Not-Wendigkeiten schafft.

2) In der von ihm hervorgebrachten Zivilisation mit der generellen Tendenz, beständig über die Verhältnisse zu leben, wachsen ihm durch verbessernde Fortentwicklung letztendlich die einst seinem Wohle dienenden Systeme und Strukturen sowohl in gesellschaftlichen wie in technischen Bereichen und sowohl im Kleinen als auch im Großen über seinen Kopf, bis er die Herrschaft über sie verliert, so daß sie in Gegensatz zu seinem Wohl geraten, die Energieversorgung, das Verkehrswesen, die Kunststoffindustrie etc. etc. etc., bis es für ihn auf der doch eigentlich zu seinem Wohle erkämpften Zivilisationsstufe wieder um sein nacktes Überleben geht.

3) Schließlich wird, nicht zuletzt durch das schrankenlose Bevölkerungswachstum, ein Punkt erreicht auf unserem Planeten, daß bestenfalls eine mit absoluter Macht und sogar mit Logik und Vernunft ausgestattete Weltherrschaft in der Lage wäre, das Überleben wenigstens eines Teils der Menschheit zu retten. Sie müßte demnach in jeden Winkel der Welt hineinregieren können, um Lebensbeschränkung, Verzicht und Wohlstandsentzug durchzusetzen. Eine solche im übrigen per definitionem unkontrollierbare Machtausstattung selbst eines weisen und mit besten Absichten herrschenden Gremiums wäre zwar not-wendig, sie wird es jedoch natürlicherweise weder praktisch noch theoretisch geben. (s. Kant: „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“).

4) Andererseits sind, wie schon die Antike wußte, demokratische Regierungsformen, also Regierungsformen, die per Mehrheitsbeschluß einen Esel als Pferd deklarieren können (Antisthenes) oder Schulden als Sondervermögen (Scholz), nicht entfernt in der Lage zur Durchsetzung naturwissenschaftlich logisch not-wendiger Maßnahmen. Wie beispielsweise den Verzicht auf die Irrsinnigkeiten, daß jeder der gegenwärtig acht Milliarden Erdenbürger einen legitimen Anspruch hat, ein eigenes Auto zu besitzen, täglich seine Kleidung zu wechseln und sich zu parfümieren. Schon die bloße Bekenntnis eines Politikers zur Durchsetzung der erforderlichen naturwissenschaftlich logisch not-wendigen Maßnahmen würde bei der gegenwärtigen Verfaßtheit der Regierten die Regierenden der not-wendigen Macht zur Durchsetzung der naturwissenschaftlich sowie logisch unbedingt erforderlichen Maßnahmen berauben. Demokratie ist eine denkbar ungeeignete Regierungsform zur Durchsetzung von Wohlstandsverzicht. Zumal der überwiegender Teil der Menschheit vorrangig triebgesteuert handelt, deshalb kognitiven Wahrnehmungsstörungen bis hin zur direkten Realitätsverweigerung ausgesetzt ist und, zumindest im Abendland, lieber daliegt wie das vollgefressene Vieh (Heraklit), Ruhm und Reichtum mit Glück verwechselt, sich in Wunschvorstellungen und Illusionen wiegt, sich wie blöde im Zeitvertreib zerstreut und im Internet, regelrecht süchtig auf Belanglosigkeiten, betäuben läßt.

5) Mensch und Paradies schließen sich naturgegeben aus, der Krieg ist der Vater aller Dinge (Heraklit) und Not die Mutter der Intelligenz (Baudelaire). Unser Planet steht nicht im Zentrum des Universums und ist darin erwiesenermaßen auch mitnichten ein bevorzugter Punkt. Kein Hahn oder Gott wird nach uns krähen, wenn wir aussterben im Kosmos wie irgendeine der Species auf unserer Kugel. Mit Sicherheit gibt es im All unzählige Lebensformen, von denen genügend es schaffen werden, nicht schon an denselben Problemen zu scheitern wie die hiesigen Herrentiere linnéscher Ordnung.

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Samstag, 16. Dezember 2023, Bild:

Kohle: Nachfrage so hoch wie nie

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für 2024 mit einem Kohle-Rekordverbrauch weltweit. 2023 stieg die Nachfrage um 1,4 Prozent auf mehr als 8,5 Mrd. Tonnen.

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Ja mach nur einen Plan

Sei nur ein großes Licht!

Und mach dann noch ’nen zweiten Plan

Gehn tun sie beide nicht.

Bertolt Brecht (1898 – 1956)

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Unsere jahrhundertealten Methoden

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Samstag, 9. Dezember 2023: Wladimir Wladimirowitsch an Mephisto

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Also ich als lupenreiner Demokrat und Auftraggeber von Auftragsmorden und mit internationalem Haftbefehl gesuchter Kriegsverbrecher, mich überkommt immer nur ein Grinsen, wenn ich an den Westen denke. Ihr begreift dort nichts. Ihr können gar nicht so weit denken samt eurer künstlichen Intelligenz! Das ist ganz offensichtlich!

Ihr seht nie irgendwelche Zusammenhänge und zählt eins und eins nie zusammen!

Ihr seid unfähig!

Ich grinse nur dazu, ihr meint tatsächlich, wenn beispielsweise nun urplötzlich wieder der Krieg hochkocht zwischen Aserbaidschan und Armenien, das wäre wie vom Himmel gefallen. Und rein zufällig an meinem Geburtstag haut die, wie nennt ihr sie in Deutschland, die „radikal islamische“ Hamas, die haut am 7. Oktober in Israel die Juden zu Brei.

Mich überkommt schon wieder mein Grinsen!

Gerade über Deutschland!

Eure Politiker und Journalisten und Historiker und Politikwissenschaftler, die haben das ganze 20. Jahrhundert vergessen.

Unsere jahrhundertealten Methoden der Russifizierung.

Also der Unterwanderung.

Obwohl wir es damals ziemlich offen tun konnten unter der Flagge der kommunistischen Weltrevolution. Mittels der kommunistischen Parteien in der von uns gesteuerten kommunistischen Internationale.

Dazu all diese nützlichen Idioten der linksbürgerlichen Intellektuellen! Mit ihrem unermüdlichen Sinn für alles Schöne und Gute und Richtige!

Vor allem auch bei euch in Deutschland!

Wie wir die thälmannsche KPD im Bunde mit der NSDAP die Weimarer Republik plattmachen ließen. Mit der Devise, der Hauptfeind seien nicht die Nazis, sondern die Sozis.

Jawohl: Zusammen mit den Nazis gegen die Sozis!

Ulbricht mit Goebbels, habt ihr vergessen, gemeinsam auf der Rednertribüne!

Nach der alten russischen Bauernregel: Immer zwei Eisen im Feuer!

Wie bei euch in Deutschland heute die Sahra und die Alice!

Und in Frankreich der Jean-Luc und die Marine!

Nun gut, daß dann wider Erwarten nicht die Revolution ausbrach unter Führung der Kommunisten, das konnten wir immerhin teilweise ausgleichen durch den sowjetisch-deutschen Pakt Ende August 39.

Dem wir das gesamte Baltikum und Ostpolen verdankten!

Und ihr ließet uns das alles behalten nach 45!

Und sogar noch Osteuropa dazugewinnen durch den ahnungslosen Westen.

Bis an die Elbe!

Im Westen, die haben tatsächlich sich einreden lassen durch unseren genialen Generalissimus in Jalta, es fänden nun in all den von uns besetzten Gebieten Wahlen statt.

Nach eurem Muster!

Ich kriege schon einen Lachkrampf!

Natürlich haben wir dann Wahlen abgehalten.

Natürlich aber nach unserem Muster!

Lupenrein russisch!

Daß dann dieser blöde Gorbatschow ans Ruder kam und ein ganzes Jahrhundertwerk zerbröseln ließ, war wahrlich nicht vorherzusehen, denn dieser Vaterlandsverräter war ja selber Russe.

Aber ich schwöre: Nie wieder!

Denn die nächsten Wahlen gewinne ich!

Und dann gnade euch Gott!

Ich, als lupenreiner Auftraggeber, gewinne nächstes Jahr die Wahlen in den USA!

Und dann mache ich den degenerierten Westen fertig!

Da könnt ihr Gift drauf nehmen!

Und wenn es Plutonium ist!

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Mittwoch, 29. November 2023, Deutschlandfunk 13 Uhr-Nachrichten:

Nach Medienberichten sollen zehn israelische Geiseln freigelassen werden, im Gegenzug entlässt Israel offenbar wieder 30 palästinensische Personen aus der Haft. Zusätzlich hat die Hamas die Freilassung zweier Geiseln mit russischer Staatsangehörigkeit angekündigt. Ein ranghohes Hamas-Mitglied sagte einem Radiosender im Gazastreifen, die Freilassung der beiden Frauen sei als Geste an den russischen Präsidenten Putin gedacht und erfolge außerhalb des Abkommens mit Israel.

Bist du Boxer, brauchst du nicht im Ring zu stehn

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Freitag, 24. November 2023: Serapion an Mephisto

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Otto Reutter Ist doch schön so bequem (1929)

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Vermeintliche Probleme…

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Sonntag, 19. November 2023: Serapion an Mephisto

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Vor mittlerweile neun Jahren schriebst Du mir etwas, das ich Dir jetzt einmal unverändert zurückschicke aus den sicher interessanten Gründen des rückblickend erhellenden Vergleichs mit der Gegenwart. Weil es mir eines Erstaunens doch Wert erscheint, wie wenig sich am Wesentlichen der Dinge, die Deine Einlassungen provozierten, in den neun Jahren geändert hat, wenn man von der Wortwahl in den bundesdeutschen Medien, aktuell „mutmaßlich“ statt damals „vermeintlich“, einmal absähe…

Und obwohl man sich heute noch immer wie damals, und dies aber ohne die geringste Mutmaßlichkeit, des Vorwurfs aussetzt von den Anständigen mit der richtigen Meinung, Propagandist der, neben der sich aus der Partei Der Spalter abspaltenden Wagenknecht-Truppe, stärksten fünften Kolonne Moskaus in Deutschland zu sein. AfD also fein säuberlich als fünfte Kolonne für die deutschen Rechten und der Klara-Klarsicht-Wagenknecht-Verein fein säuberlich als fünfte Kolonne für die deutschen Linken, nachdem der russische Geheimdienst seine einstige Lieblingin, die Partei Der Spalter, wegen ihres Abdriftens in die Bedeutungslosigkeit wohl völlig herzlos nun doch mehr oder minder aufgegeben zu haben scheint.

Hier also Dein Sermon vom 21. September 2014 (=> 21.09.2014: Mephisto an Serapion):

Ich weiß nicht, inwiefern Du sie mitbekamst in Deiner mönchischen Abgeschiedenheit unter dem kynischen Diktum, Zivilisation mache krank, die neuesten tendenziösen Ausblendungen unserer tag- und abendfüllenden öffentlich-rechtlichen Medien. Von den etlichen Auffälligkeiten ist jede für sich beängstigend. So ist man, um nur ein Beispiel zu nennen, tatsächlich überrascht über die immensen Wahlerfolge der ausnahmslos verunglimpften und verteufelten AfD, obgleich sie unschwer vorhersagbar waren. Neulich vernahm ich sogar, diese Partei werde rasch wieder verschwinden, denn die Eurokrise sei ja nun überwunden…

Jetzt ist man fassungslos auf allen Ebenen. Die niedrigen Wahlbeteiligungen seien schuld. Beruhigend zu wissen, daß wenigstens die Nichtwähler richtig gewählt hätten…

Man weiß natürlich nicht, wer letztendlich diese Partei entert, oder ob sie sich mit ihren seriösen, bis heute von den öffentlich-rechtlichen Medien und von den Parteien mehr oder minder totgeschwiegenen Sachthemen behauptet. (Nicht zu reden von einer objektiven inhaltlichen Darstellung oder gar Erörterung jener Themen in den Medien. Immerhin war es schon ein monatelanger Weg, ehe man sich, nach der Europawahl schließlich, durchringen konnte, statt unisono von einer „europafeindlichen“ Partei von einer „eurokritischen“ Partei zu reden, und manche Anstalten und Berichterstatter haben das bis heute nicht begriffen. Oder, und der Verdacht liegt näher, wollen es nicht wahrhaben. Obwohl die AfD, entgegen einhelliger verleumderischer Prognosen unserer Medien, im Europaparlament, wie auch von ihr angekündigt, eben nicht mit Marine Le Pen und Konsorten „fraktionierte“.)

Die Gefahr einer Verfälschung oder gar Verkehrung ursprünglicher Intentionen besteht ja bei jeder Parteigründung, erinnere Dich nur an die seinerzeitige unsägliche Glorifizierung der Pädophilie durch die Grünen. So manche Unberufene fühlen sich regelmäßig berufen und magnetisch angezogen, auf einen anfahrenden Zug zu springen und ihre Fahnen zu schwenken. Da muß man leider abwarten, wer sich durchsetzt.

Was ich indessen weiß, ist, daß die AfD in Sachsen und Brandenburg als anfänglich einzige demokratische Partei von den tatsächlichen Problemen wie beispielsweise der gestiegenen Grenzkriminalität sprach, von Einbrüchen und geklauten Traktoren und so, bei gleichzeitigem Abbau von Polizeidienststellen, und der Deutschlandfunk, soweit ich das vernahm, nur einmalig von, tatsächlich, von „gefühlter Bedrohung durch Kriminalität“. Und überhaupt nicht von eingesparten Polizeidienststellen.

Und ich lese täglich den vollständigen Nachrichtenticker.

Aber na bitte, da ist es ja auch wieder beruhigend zu wissen, daß wohl Zahlen im Kölner Keller existieren und Fakten gebunkert werden, die belegen könnten, falls man sie zu senden sich herabließe, daß es sich lediglich um paranoide Gefühlslagen wahrscheinlich rechtsradikal veranlagter Idioten handelt. Diese ewig Gestrigen aber auch! Die immer nach mehr Polizei rufen!

Oder verschweigt man Zahlen, wenn sie zwar mathematisch korrekt sind, aber „politisch inkorrekt“ nicht ins Wunschbild passen? Dann muß man natürlich Parteien wie die AfD fürchten.

Kurz, es entsteht der Verdacht, als fürchte man die inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD. Diese Angst wäre bei Parteien aus einer gewissen ideologischen Beschränktheit vielleicht erklärbar, bei sich als überparteilich und unabhängig und kritisch gebärdenden Medien ist Angst vor Realitäten unverzeihlich.

Anderes Beispiel. Da begann man vor einiger Zeit zu reden von imaginären, Pardon, „vermeintlichen Problemen“ der Kommunen durch Zuwanderer aus EU-Staaten und „möglichem Sozialmißbrauch“. Nicht etwa von Problemen und Sozialmißbrauch, sondern in den öffentlich-rechtlichen Medien normiert von vermeintlich und möglich. Vermeintlichkeiten haben Konjunktur in deutschen Medien, und Kommentatoren wandten sich demzufolge ausnahmslos tapfer und mutig, das muß man anerkennen, gegen unsachliche Argumente. Statt gegen sachliche gegen Stammtischgerede! Hier plötzlich nicht gegen „vermeintliches“ Stammtischgerede. Ich weiß ja nun nicht, an wievielen Stammtischen sich jene Kommentatoren so herumlümmeln den lieben langen Tag, und was sie bei derlei Gerede erwidern mit ihrer gern angemahnten Zivilcourage.

Gibt es eigentlich einen Preis für die korrekteste politische Korrektheit?

Das wird aber Zeit.

Jedenfalls, Du entsinnst Dich, integrierte Roma wurden vorgeführt.

Ende August war es dann Schluß mit der möglichen Vermeintlichkeit und vermeintlichen Möglichkeit, und man beschloß aus heiterstem Himmel ein Gesetzespaket gegen den „Mißbrauch von Sozialleistungen durch Zuwanderer aus anderen EU-Staaten“ und stellte noch für dieses Jahr „Soforthilfen“ für ehemals vermeintlich „betroffene Städte und Gemeinden“ in beträchtlicher Millionenhöhe aus dem auf Nullschulden sparenden Haushalt bereit…

Wahrscheinlich aus Bosheit und Ausländerhaß.

Noch ein Gedicht: Letzte Woche passierte ein neues Asylgesetz den Bundesrat. Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien gelten als sogenannte sichere Herkunftsländer. Staaten, die man durch EU-Aufnahme bei der Behandlung von Minderheiten zu bessern hofft. Die vorhersehbaren Besserungsergebnisse der unverwüstlichen EU-Aufnahmebefürworter bewundern wir schon seit längerem in Bulgarien, Rumänien und Ungarn.

Wahr ist aber, daß Zuwanderer aus obigen Staaten, deren Asylanträge nach bisherigem Verfahren und im vollen Einklang mit der Genfer Konvention behandelt wurden (und weiterhin werden), nur mit einer Zahl im Promillebereich bewilligt werden konnten. Und eine der Ungeheuerlichkeiten ist, daß die Medien diese Zahl so gut wie nie transportierten. Daß nämlich im Umkehrschluß 99,7 Prozent dieser Anträge nach geltendem Recht abgewiesen werden mußten.

Warum das Verschweigen jener vielleicht nicht ganz unwesentlichen Zahl?

Warum wird ihre Nennung von deutschen Medien als Wagnis betrachtet? Hält man das blöde Volk nicht für reif genug? Hat man Angst vor etwaigen Differenzen zwischen Medienberichterstattung mit Sinn für alles Gute und Schöne versus Erfahrungen der Menschen?

Will man die Demokratie ein bißchen lenken?

Nach den neuen Bestimmungen, die keine automatische, sondern eine schnellere Zurückschickung der von dort kommenden abgewiesenen Antragssteller erleichtert, wird im Gegenzug aber die sogenannte Residenzpflicht für alle Asylbewerber nach vier Monaten aufgehoben, die Vorrangprüfung auf 15 Monate begrenzt (das heißt die Arbeitsaufnahme, und damit die Integrationsmöglichkeit von Asylbewerbern, wird wesentlich befördert) und das Sachleistungsprinzip wird zu ihren Gunsten auf die Erstaufnahmeeinrichtung beschränkt.

Das alles haben die Grünen in den Verhandlungen für ihre Zustimmung in der Länderkammer erreicht.

Und nun wird Winfried Kretschmann von ihnen beschimpft für seine Zustimmung.

Die für ihre seltene Nachdenklichkeit bekannte und sich wie immer omnikompetent zu Wort meldende Claudia Roth, die nach der bemerkenswerten Abwahl durch die Basis ihrer Partei zum Trost von dieser auf den Bundestag als stellvertretende Vizepräsidentin losgelassen wurde, lamentiert getreu der unsterblichen Legende vom Dolchstoß von „einer Katastrophe für die Flüchtlinge und einer Katastrophe für die Grünen“.

Danke Winfried Kretschmann!

Die meisten Menschen

Samstag, 11. November 2023: Serapion an Mephisto

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Aber obschon das Weltgesetz allen gemein ist, leben die meisten doch so, als ob sie eine eigene Einsicht hätten.

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Für dies Weltgesetz, ob es gleich ewig ist, gewinnen die Menschen kein Verständnis, weder ehe sie es vernommen noch sobald sie es vernommen.

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Die Menschen lassen sich über die Kenntnis der sichtbaren Dinge ähnlich zum besten halten. Mit dem Weltgesetz, mit dem sie doch am meisten beständig zu verkehren haben, entzweien sie sich, und die Dinge, auf die sie täglich stoßen, scheinen ihnen fremd.

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Denn des Menschen Sinn hat keine Einsichten.

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Denn viele hegen nicht solche Gedanken, so viele auch darauf stoßen, noch verstehen sie, wenn man sie belehrt; aber sie bilden es sich ein.

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Denn was ist ihr Sinn oder Verstand? Straßensängern glauben sie und zum Lehrer haben sie den Pöbel, Leute, die weder zu hören noch zu reden verstehen.

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Seinen Unverstand zu bergen ist besser, als ihn zur Schau zu stellen. Vielwisserei lehrt nicht Verstand haben. Denn die Goldgräber schaufeln viel Erde und finden wenig.

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Für die Menschen wäre es nicht besser, wenn ihnen alle ihre Wünsche erfüllt würden. Möge es euch nie an Reichtum fehlen, damit eure Verlotterung an den Tag kommen kann. Bestände das Glück in körperlichen Lustgefühlen, so müßte man die Ochsen glücklich nennen, wenn sie Erbsen zu fressen finden. Esel würden Häckerling dem Golde vorziehen.

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Die meisten freilich liegen da vollgefressen wie das liebe Vieh und ergetzen sich am Dreck.

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Und sie beten auch zu diesen Götterbildern, wie wenn einer mit Gebäuden Zwiesprache pflegen wollte.

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… denn schlimme Zeugen sind Augen und Ohren den Menschen, sofern sie Barbarenseelen haben.

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Für Dich als kleines Kompendium mit 11 der einzig überlieferten originalen 126 Sentenzen

Heraklits (ca. 550 – ca. 480 v. Chr.)

Wohin politisch korrigierte Scheinheiligkeit führt

Sonntag, 5. November 2023: Der Ritter vom heiligen Geist an Mephisto

Die üblichen Verdächtigen der Richtigdenker mit der stets aktuellen vorzeigekorrekten Empörungshaltung „aller Anständigen“ sind seit einem knappen Monat aufgeschreckt infolge des Antisemitismus auf bundesdeutschen Straßen und rufen nun tapfer auf zum Antiantisemitismus.

Welch schöner Zug…

Auch die Medien trommeln plötzlich, als würde die von ihr permanent als antisemitisch etikettierte AfD nun durch die Straßen marschieren.

Aber war da nicht was?

Das Leben ist hart für die, welche im Deutschland des 21. Jahrhunderts zu den Erinnerungsbegabten zählen:

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Schuster, rät jüdischen Bürgern, in bestimmten Gegenden keine Kippa zu tragen. Er sagte im RBB Hörfunk, sie sollten sich zwar nicht aus Angst verstecken. Die Frage sei aber, ob es angesichts zunehmender antisemitischer Straftaten sinnvoll sei, sich in Wohnvierteln mit einem hohen muslimischen Anteil als Jude zu erkennen zu geben.

Das war, vor mehr als acht Jahren, eine Nachricht, nämlich am Donnerstag, dem 26. Februar 2015. Auf den Tag genau einen Monat nach dem siebzigsten Jahrestag der Befreiung der Lager Auschwitz und Birkenau durch sowjetrussische Truppen. Welcher ermahnend in bewegender Weise gedacht worden war. Von der besonderen deutschen Verantwortung war auch damals schon die Rede. Und kurz zuvor auch hatten deutsche Politiker und Medienvertreter vereint mutig im Chore getönt: „Wir sind alle Charlie!“

Nach den Morden an den Journalisten des französischen Satiremagazins…

Und was geschah nach dem besorgten Ratschlag des Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland?

Da schwiegen die politisch korrigierten Vöglein im öffentlich-rechtlichen Medienwalde…

Welche Journalisten haben denn davor und danach in welchen Print- und Onlinemedien oder auf welchen Sendern über welche der „bestimmten“ Wohnviertel „mit einem hohen muslimischen Anteil“ von antisemitischen Straftaten berichtet?

Welche Zahlen wurden genannt, damit man sich ein realistisches Bild hätte machen können über die Zunahme jener Straftaten und über ihre Dynamik?

Und über das Umfeld der Täter!

Um was für Straftaten handelte es sich eigentlich?

Wo befinden sich die „bestimmten“ Wohnviertel, in denen es gefährlich ist für jüdische Mitbürger? Wäre es nicht die Pflicht, sie beim Namen zu nennen?

Sollten und sollen Kippaträger erst irgendwo anrufen müssen, um sich zu erkundigen?

Wie werden die Täter von den Medien eingeordnet? Zählen sie diese zum sogenannten friedlichen Islam oder zum sogenannten islamistischen Islam?

Oder gelten sie gar als „integrierte Muslime“?

Ein neues Problem, urplötzlich aus heiterstem integriertem deutschem Himmel?

Kann es sein, daß das Problem in Wahrheit nicht neu war?

Und ist?

Wenn ja, welchen Grund hatte es, daß man davon erst aus dem Munde eines Betroffenen hörte?

Ist das nicht beschämend?

Wurde nicht im Jahr zuvor von mohammedanischer Seite „Juden ins Gas!“ auf deutschen Straßen gebrüllt? Wie haben denn unsere, auf ihren Pressekodex stolzen Medien und gerade den hundertsten Geburtstag Rudolf Augsteins („Sagen, was ist!“) zelebrierend in der Folge sich darum gekümmert und was über den Leifsteil, also die Lebensart jenes antisemitischen Mobs in Erfahrung gebracht?

Und wie hat denn nun die Staatsanwaltschaft reagiert?

Wieviele Täter wurden denn haftbar gemacht?

Keine Meldung…

Keine Meldung ist auch eine Meldung!

Wäre das nicht mindestens, mindestens, mindestens eine abendfüllende Sendung wert im Lande der besonderen Verantwortung?

Und zwar vor Mitternacht?

Zur Preimteim?

Es gab und gibt doch nicht etwa eine Tabuisierung des mohammedanischen Antisemitismus in unseren Medien?

Und all die üblichen emsig fürs korrekte Jendern kämpfenden Kerlchen und KerlInnenchen, wo waren die permanent Empörten?

Die geistig Eingeengten, unsere heinischen Atta Trolle?

Die mutigen Charlies?

Wo unserere omnikompetenten berufsempörten Rufer der Anständigen?

Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberstes Gebot der Presse“, so der erste Grundsatz im bundesrepublikanischen Pressekodex.

Noch ein schöner Zug…

Dennoch ertönten schon damals seit einiger Zeit „Lügenpresse“-Rufe derart laut, daß man sich veranlaßt fühlte, jenes Wort als Unwort zu etikettieren!

Alle Anständigen waren sich einig: Nein diese tumben, von Haß und Vorurteilen und Abstiegsängsten geplagten und von Kriminellen mit Stammtischparolen aufgehetzten Irregeleiteten aber auch! Also wirklich!

Heiko Maas, damals in diesem Lande zuständig für die Gerechtigkeit, also dem ziemlichen Gegenteil von Pauschalisierung, konnte leider wieder nicht an sich halten und hatte unverzüglich nach der grauenhaften Ermordung von Journalisten und Juden und einer Polizistin in Paris vor einer Instrumentalisierung des Verbrechens seitens der Pegida-Demonstranten gewarnt und am Folgetag der die Welt aufwühlenden Trauerkundgebungen in Frankreich dem Deutschlandfunk ein Interview geschenkt, im unschuldigen Morgengrauen des 12. Januar 2015:

Deutschlandfunk: Wir müssen, Herr Maas, noch über Pegida sprechen, auch weil es einfach immer wieder Freude macht, mit Ihnen darüber zu sprechen, Sie dazu zu hören.

Maas: Mir macht es aber gar keine Freude, über die reden zu müssen, ganz ehrlich gesagt.

Deutschlandfunk: Ja, ich verstehe das in der Sache. Trotzdem sind Sie – und das hören wir dann gerne – ein Freund klarer Worte. Pegida demonstriert in Dresden heute mit Trauerflor, obwohl Sie aufgerufen haben, die ganze Demonstration sein zu lassen. Was geben Sie den Demonstranten mit auf den Weg?

Maas: Ihr seid alle Heuchler! Denn ehrlich gesagt: Wenn die gleichen Leute, die vor einer Woche die Presse als Lügenpresse beschimpft haben, sich heute einen Trauerflor um den Arm legen, dann ist das an Heuchelei wirklich nicht mehr zu überbieten. Denen kann man wirklich nur sagen: Bleibt besser Zuhause.

Deutschlandfunk: Der Bundesjustizminister, Heiko Maas, Sozialdemokrat, heute früh im Deutschlandfunk. Herr Maas, danke fürs Gespräch.

Maas: Danke auch.

Damit nun keine Zweifel aufkommen, der’s ehrlich meinende Mann fürs Grobe ist gelernter Jurist und hat 1993 sein Studium mit dem Ersten Staatsexamen abgeschlossen und 1996 das Zweite Staatsexamen bestanden.

Ich versuche es aufzudröseln, ohne seine Aussagen unzulässig zu simplifizieren.

Wenn ich es richtig sehe, sagte unser Justizminister („Justiz“ zu lat. iustitia = Gerechtigkeit, Recht):

1.) Anläßlich der wöchentlichen Demonstration ihrer allgemein bestätigten Angstempfindung vor einer in ihren Augen von der Presse tabuisierten Islamisierung hatten in der Vorwoche Demonstranten jene Presse als „Lügenpresse“ tituliert. Ich glaube, diese Prämisse können wir als wahr, als Beschreibung dessen, „was ist“, voraussetzen.

2.) Dieselbigen (unser Jurist verwechselt hier die Gleichen mit denselben) wollten und könnten aber sich nun, eine Woche nach der Ermordung französischer Journalisten, Juden und Polizisten durch Mohammedaner, also sogenannte Islamisten, Trauerflor für die Ermordeten anlegen.

Daraus die Konklusion:

Wenn sie das täten, dann handelte es sich um eine nicht zu überbietende Heuchelei (damit implizierend die vorweggenommene Beschuldigung: „Ihr seid alle Heuchler!“).

Ganz ehrlich ehrlich gesagt.

Von unserem seinerzeit amtlich nicht zu überbietenden Gerechten!

Aber warum könnten dieselben Leute, die Angst vor einer Islamisierung ihrer Welt („wie in Berlin-Kreuzberg oder im Ruhrgebiet“) hatten, nicht erschüttert, entsetzt und traurig sein, wenn sich auf den sogenannten Islam berufende Mörder, vor denen sich die Demonstranten erwiesenermaßen ängstigen, ängstebestätigend Menschen umbringen?

Mit seiner Schlußweise mühte sich unser vor Instrumentalisierung(!) warnender Minister für Gerechtigkeit gewohntermaßen scharfmacherisch, und im Deutschlandfunk wie inszeniert wirkend, den Demonstranten Heuchelei zu unterstellen. Und das bekommt seinen perfiden Sinn, wenn wir aus dem niederem Volke der ministeriellen Vorverurteilung folgen. Denn dies bedeutete, und nun schließen wir mal, und zwar im Umkehrschluß, während die Demonstranten Trauer trügen, freuten sie sich über die Mordtaten in Frankreich.

Also über das, wovor sie sich nach allgemein anerkannter Aussage ängstigen.

Vermittels seines angestrengten Syllogismus bezichtigte unser einstiger Justizminister (SPD) die Demonstranten, weil sie die deutsche Presse mit dem sogenannten Unwort „Lügenpresse“ belegten, einverständlich zu stehen auf Seiten der Mörder französischer Journalisten, Juden und Polizisten…

Unwidersprochen, ja nahezu bejubelnd ermuntert, im öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunk!

Wir waren damals schon weit gekommen in unserem Lande mit der wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit.

Ich bin nicht ganz allein mit meiner Interpretation der Logik des Rechthabers. Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt von der TU Dresden, ebenfalls im Deutschlandfunk:

Deutschlandfunk: Heute Abend wieder werden wohl Tausende Menschen auf die Straßen gehen, um gegen die angebliche Islamisierung des Abendlandes zu demonstrieren, vor allem in Dresden bei der Kundgebung der Pegida. Herr Patzelt, Sie beobachten die Pegida seit Langem intensiv. Was bedeuten die Anschläge in Paris für die Proteste?

Patzelt: Viele, die heute Abend dabei sein werden, werden das Gefühl haben und auch äußern, schaut her, das, wovor wir die ganze Zeit gewarnt haben, ist nicht einfach die Ausgeburt einer kranken Fantasie, sondern es gibt eine reale Gefährdung unserer freiheitlichen Ordnung durch radikale Islamisten, was kritisiert ihr uns also, wenn wir doch nichts anderes sagen als das, was wir jetzt in Paris vor aller Augen vorgefunden haben. Wir – so würden die Differenzierteren unter ihnen das Argument weiterführen -, wir tun doch nichts anderes, als davor zu warnen, dass eine andere Religion uns vorschreiben will, wie wir über Religion, über öffentliche Positionen nachdenken und schreiben und wie wir unsere freiheitliche Gesellschaft ausgestalten.

Und:

Deutschlandfunk: Trauerflor wollen die Pegida-Demonstranten heute Abend tragen. Justizminister Heiko Maas nennt das heuchlerisch. Wie nennen Sie das?

Patzelt: Na ja, man muss schon die Logik sehr strapazieren, wenn man aus dem Tragen von Trauerflor heute Abend Heuchelei schließen will. Es kritisieren Pegida-Demonstranten zwar auf das Heftigste und inzwischen mehr und mehr sehr ungerecht die Presse als Lügenpresse, aber daraus folgt doch nicht, dass man sich offen oder klammheimlich darüber freut, dass Journalisten ermordet werden. Da muss man schon die Logik sehr verbiegen, um aus der Tatsache, dass man selbst einen Konflikt mit der Presse hat, die Gutheißung von abscheulichen Morden abzuleiten.

Und:

Deutschlandfunk: Das heißt, Sie haben Verständnis für die Demonstranten der Pegida, wenn sie heute Abend Trauerflor zeigen, denjenigen gegenüber, die sie bisher als Lügenpresse bezeichnet haben?

Patzelt: Ein jeder mitfühlende Mensch kann, wenn so viele Menschen, bloß weil sie ihren Beruf sachgerecht ausüben, ermordet werden, bloß Empathie, Mitgefühl und Betroffenheit zeigen, und natürlich ist es eine angemessene Verhaltensweise. Und noch einmal: Bloß weil sich Pegida-Teilnehmer von der Presse übel behandelt gefühlt haben, mehr und mehr sich zu Unrecht behandelt fühlen, bloß daraus folgt doch nicht, dass man sich klammheimlich oder offen darüber freut, wenn Journalisten ermordet werden. Und ich müsste mich sehr wundern, wenn ich heute nennenswert viele Pegidisten vorfände auf der Straße, die sagen, das ist diesen Journalisten recht geschehen, lasst es uns in Deutschland auch so versuchen. Das sind hier, scheint mir, Feindbilder, die unser Justizminister kultiviert.

Und:

Der Punkt ist doch eher der, dass in die von Pegida an den Tag gebrachten Besorgnisse von manchen über eine Umprägung unserer Kultur durch eine Einschränkung von Presse und Kritikfreiheit, dass diese Besorgnisse durch den Pariser Anschlag neue Bestätigung gefunden haben, und es braucht wahrhaft absonderliche Lust, Feindbilder zu kultivieren, um sozusagen die Thermometer für die Temperatur verantwortlich zu machen.

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Sonntag, 5. November 2023, Deutschlandfunk im typischen Gestus des Gegenwartsjournalismus (an den Anfang und Mittelpunkt einer Nachricht werden als Denkvorgabe Sprechblasen richtig denkender Politiker gestellt, das Geschehen an sich und vor allem die womöglich unbequemen Fakten werden somit weitgehend marginalisiert oder sogar vollständig ausgeblendet):

„Nahostkrieg: Wüst verurteilt islamistische Sympathiebekundungen bei Demos als nicht hinnehmbar

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wüst hat die jüngsten islamistischen Sympathiebekundungen bei pro-palästinensischen Demonstrationen scharf verurteilt.

Es seien Grenzen überschritten worden, teilte der CDU-Politiker mit. Es sei völlig inakzeptabel, dass islamistische Extremisten auf den Straßen in Deutschland für ihre Ziele würben. Das werde man nicht hinnehmen. Bundesjustizminister Buschmann sagte der „Bild am Sonntag“, für schnelle Strafverfahren müsse man die Identitäten von Verdächtigen feststellen und Beweismittel sichern.

Bei mehreren Kundgebungen – unter anderem in Essen – hatten Teilnehmer am Freitag islamistische Fahnen und Gesten gezeigt. Auch einschlägige Ausrufe waren zu hören gewesen. Die Polizei prüft mögliche Gesetzesverstöße. In Hamburg durchsuchte die Polizei die Räumlichkeiten von Mitgliedern des islamistischen Netzwerks „Muslim Interaktiv“, die für eine verbotene Demonstration im Stadtteil St. Georg mobilisiert hatten. Auch gestern gab es in vielen Städten pro-palästinensische Kundgebungen. Die größten mit mehreren tausend Teilnehmern gab es in Düsseldorf und Berlin. Mehrere Strafermittlungsverfahren etwa wegen Volksverhetzung wurden eingeleitet.“

Danke auch für den von unserem bundesdeutschen Qualitätsjournalismus öffentlich-rechtlicher Medien nachrichtlich als wichtig weiterzugebend eingestuften Tipp, daß man Beweismittel sichern müsse…

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Die BILD AM SONNTAG denselben Sachverhalt kommentierend:

„Tausende Islamisten ziehen mit ihren Flaggen durch die Essener Innenstadt, demonstrieren ihre Macht, brüllen ihre Parolen. Allenfalls am Rande fordern sie ‚Free Palestine‘, ihnen geht es um etwas Größeres: die Errichtung eines weltweiten Kalifats, eines streng religiösen Reiches also, wie es die Terrormiliz ‚Islamischer Staat‘ zwischen 2014 und 2019 in Syrien und Irak verwirklichte. Verstörende Bilder auch in Berlin, Hamburg, Dortmund und anderen Städten. Überall trumpfen Juden-Hasser auf, als gehöre ihnen die Straße. Der Hamas-Krieg hat das zutage gebracht, wovor liberale Muslime wie Ahmad Mansour, Seyran Ates und viele andere seit Jahren warnen: In Deutschland leben Zehntausende, wahrscheinlich eher Hunderttausende Radikale, die unsere freie Gesellschaft nicht nur ablehnen, sondern umstürzen wollen. Aber statt Mahnern wie Mansour zuzuhören, wurden diese bestenfalls ignoriert, schlimmstenfalls als rassistisch und ‚islamophob‘ verunglimpft. Jetzt sehen wir das Ergebnis des langen Wegschauens.“

Wir haben das nicht geschafft!

Sonntag, 15. Oktober 2023: Der Ritter vom heiligen Geist an Mephisto

In Sure 8, Vers 60 verlangt Allah von den Muslimen, alle Mittel einzusetzen, ‚um die Feinde Allahs, die auch eure Feinde sind, zu terrorisieren‘. Damit der Islam in den Augen von Nichtmuslimen akzeptabel erscheint, werden in europäischen Koranübersetzungen für ‚terrorisieren‘ gefälligere Vokabeln wie ‚einschüchtern‘ oder ‚erschrecken‘ verwendet (und unwissend nachgeplappert). Doch das im Koran verwendete Verbum lautet ‚turhibûna‘, was korrekt nur als ‚terrorisieren‘ wiedergegeben werden kann und auch heutzutage in diesem Sinn gebraucht wird. Was die Verbrechen angeht, die im sogenannten ‚Islamischen Staat‘ an der Tagesordnung sind, dient der Koran, Sure 5, Vers 33, ebenso als Handlungsanleitung: ‚Jedoch der Lohn derer, die gegen Allah und seine Gesandten Krieg führen und Verderben im Land zu erregen trachten, soll sein, dass sie getötet und gekreuzigt werden oder dass ihre Hände oder Füße wechselseitig abgeschlagen werden oder dass sie aus dem Land vertrieben werden.‘

Von Muslimen wie jetzt in Paris beziehungsweise von islamophiler Seite wird stattdessen regelmäßig beteuert, dass im Koran stehe: ‚Wenn einer einen Menschen tötet, dann ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte.‘ Soll heißen, dass ein Mörder nichts mit dem Islam zu tun haben könne. Doch Sure 5, Vers 32 auf diese Weise zu zitieren ist eine grobe Irreführung, wenn nicht bewusste Täuschung. Die gebildeten Muslime wissen das. Der Vers lautet vollständig: ‚Aus diesem Grund haben wir den Kindern Israels geboten, dass, wenn jemand einen Menschen tötet – es sei denn für einen Mord an einem anderen oder für im Land angerichtetes Unheil –, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet.‘ Der Vers schließt also Tötungen nicht kategorisch aus, wie das unzulässig abgemilderte Kurzzitat suggerieren möchte, sondern gestattet (verlangt?) selbstverständlich die Tötung eines Menschen als Vergeltung für Mord und als Strafe für Aufrührer. Aber noch wichtiger ist: Allah wendet sich hier nicht an die Muslime, sondern an die Juden; diese sind es, die den Satz ‚Wenn einer einen Menschen tötet …‘ beachten sollen. Arabische Korangelehrte räumen ein, wie der Satz aktuell zu verstehen ist, nämlich: ‚Wenn ein Jude (beziehungsweise Nichtmuslim) einen Muslim tötet, dann ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte.‘ Das ist das Gegenteil dessen, was mit der (immer unvollständigen) Zitierung des Satzes bei gutgläubigen Menschen bewirkt werden soll. Was Allah von den Muslimen gegen diejenigen, die sich dem Islam widersetzen, verlangt, folgt direkt im nächsten Vers, den ich oben zitiert habe: tötet und kreuzigt, schlagt Hände und Füße ab. Der Islam ist eine nie revidierte Gewaltideologie, die im Gewand einer Religion daherkommt. Sie wurde und wird stärker, je mehr sie hofiert und gefördert wird. Wer den Islam schönredet, muss wissen, dass er als geistiger Brandstifter agiert und sich mitschuldig macht.

Merkels ‚Wir schaffen das‘ ist ein ungedeckter Wechsel auf die Zukunft. Er wird platzen, sobald es wirtschaftlich abwärts geht, die Flüchtlingsmengen nicht mehr zu alimentieren sind, die Sozialsysteme und Krankenkassen kollabieren und Justiz und Polizei bis zur Lähmung überfordert und erschöpft sind. 75 Prozent der Flüchtlinge (ohne Sprachkenntnisse, ohne berufliche Qualifizierung, aufgrund der eigenen schrecklichen Erfahrungen psychisch Destabilisierte und Hilfsbedürftige) werden nicht zu integrieren sein. Sie – spätestens ihre ungeratenen, von muslimischen Hasspredigern indoktrinierten Söhne – werden in Deutschland zusätzlich zu den bereits existierenden Parallelgesellschaften die Banlieues bilden, die Frankreich und Belgien schon haben. Sie werden desillusioniert und chancenlos die Bataillone künftiger Dschihadisten im Land bilden.

Nachweislich wahr ist: Solange der Islam nicht aus der Welt ist, wird es in ihr keinen Frieden geben. Das wusste (neben anderen wie Voltaire, Schopenhauer, Heinrich Heine, Winston Churchill oder Elias Canetti) schon Karl Marx: ‚Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen‘ (Marx-Engels-Werke, Bd. 10, Ost-Berlin 1961, S. 170).“

(Dr. Ekkehart Rotter, Bad Vilbel, in der F.A.Z. vom Montag, dem 7. Dezember 2015 auf Seite 18 in der Rubrik „Briefe an die Herausgeber“ unter der Überschrift „Es steht im Koran geschrieben“, und es bezieht sich auf die Berichterstattung nach den Anschlägen in Paris am 13. November 2015 und auf die Meldung „Merkel: Wir sind stärker als der Terrorismus“ in der F.A.Z. vom 16. November 2015.)

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Es bezieht sich also auf die Massenmorde in Paris vor den Massenmorden in Brüssel. Es ist demnach geschrieben noch vor der Silvesternacht von Köln („Justiz und Polizei bis zur Lähmung überfordert“) und vor den Anschlägen und Terror- und Fahndungsmeldungen, die das Osterfest 2016 zu dominieren schienen, und vor all den unzähligen folgenden bestialischen Morden. Und leider könnte man wetten, der Artikel wird noch aktuell sein, wenn die Zeitung lange vergilbt ist.

Wenn 1970 jemand erzählt hätte, im 21. Jahrhundert werden Mohammedaner auf öffentlichen Plätzen und in Verkehrsmitteln alle zufällig anwesenden Kinder, Frauen und Männer massakrieren, sie grausam mit Äxten, noch unbarmherziger als Vieh, abschlachten und mit Küchenmessern erstechen und mit Schwerlastern mordend in Menschenmengen rasen und Mädchen aus Schulen entführen und ins Gesicht schießen, und archaische Religionskriege brächen aus zum Zwecke der Ausrottung Andersgläubiger – man hätte geglaubt, das werde nicht sein, und wer derart abwegig rede, sei paranoid.

Wahrscheinlich bin ich nicht normal. Ich habe mich immer gewundert seit den PLO-Flugzeugentführungszeiten des mörderischen Friedensnobelpreisträgers Arafat, warum es, wenn schon die Imame des sogenannten friedlichen Islam schweigen, warum es nirgendwo anders eine Stimme gab und gibt, die den Mohammedanern sagt und laut und immer wieder deutlich die zivilisatorische Selbstverständlichkeit ausspricht, daß jegliche Geiselnahme und das Abschlachten wehrloser Frauen und Kinder weder Kampf ist noch Heldentum bedeutet!

Sondern feigste Unmenschlichkeit!

Und daß diese Typen keine Märtyrer sind.

Sondern barbarische Mörder!

Der liebenswürdige mohammedanische Gemüsehändler an der Ecke ist kein Beweis für die Friedfertigkeit des Mohammedanismus. Sondern, da er und seinesgleichen oft als Beispiel herangezogen werden für den sogenannten „friedlichen Islam“, ist er als Beispiel genommen eher ein Beispiel für das mangelnde analytische Denkvermögen, beispielsweise des heutigen Journalismus. Die fehlende Abstraktionsfähigkeit zum Schluß von n auf n+1 ist bei der berichtenden und kommentierenden Zunft wohl endgültig unter die Räder der politischen Korrektur, Pardon, der Political Correctness geraten.

Zumindest in Deutschland.

Der „Zentralrat der Ex-Muslime“ hat in Deutschland etwa 800 Mitglieder. Die meisten Mitglieder sehen sich jedoch gezwungen, anonym zu bleiben: „Denn nach der allgemeingültigen islamischen Rechtsauffassung wird das Abfallen vom Islam mit dem Tode bestraft.“

So muß die Gründerin, die tapfere Iranerin Mina Ahadi, selbst in Deutschland um ihr Leben fürchten. Unter mehreren Todesarten wurde ihr, die sich gegen Steinigungen einsetzte, sogar mit Steinigung gedroht.

Steinigung!

Das sollten Politiker bedenken, wenn sie aus durchschaubaren niederen Beweggründen im Wahlkampf absurderweise behaupten, der Mohammedanismus, der sogenannte Islam, gehöre zu Deutschland. Sie sollten eher laut und deutlich die These vertreten, daß eine Religion, welche die sich von ihr Abwendenden mit dem Tode bedroht, deren Geistliche „Ehrenmorde“ rechtfertigen und sogar selbst zu Haß und Mord aufrufen und Hunderttausende wutbrüllend auf die Straßen hetzen, weil jemand satanische Verse schreibt oder Mohammed-Karrikaturen zeichnet oder in Satire-Zeitschriften veröffentlicht, während gleichzeitig ihre Priesterschaft und Schriftgelehrten angesichts der wahnsinnigsten Morde an „Ungläubigen“, grausam an wahllosen Opfern, und selbst an Kindern, schweigen, daß eine solche Religion weder zu Deutschland noch sonstwo zur zivilisierten Welt gehört.

Und nicht als friedlich gelten kann.

Wo sind die religiösen Führer des sogenannten friedlichen Islam, die das heimtückische Ermorden friedlicher Menschen bei den jeweils aktuellsten Morden mindestens ebenso vehement anprangern wie das Zeichnen von Mohammed-Karikaturen?

Wo sind ihre brüllenden Massen?

Der mohammedanische Mob?

Der Westen muß offensiv den mohammedanischen Märtyrerbegriff angreifen!

Und hierüber offensiv und stets aufs neue mohammedanische Autoritäten, insbesondere Theologen, öffentlich zur Stellungnahme herausfordern.

Nach jeder Untat und auch dazwischen!

Unermüdlich aufs neue. Man kann und muß sie auch einzeln namentlich ansprechen und sie einzeln namentlich zwingen zum Bekenntnis!

Auch wenn es noch so trivial erscheint, gerade deswegen muß überhaupt und immer wieder klar die eigentlich primitivste menschliche Selbstverständlichkeit ausgesprochen werden, daß es von erbärmlicher Feigheit und Heimtücke zeugt, wehrlose Menschen umzubringen.

Daß es unehrenhaft ist.

Die Unehrenhaftigkeit dieses mohammedanischen Packs muß permanent benannt, ihre menschenfeindliche Primitivität muß fortlaufend thematisiert werden!

Diese Mordtaten müssen mental entwürdigt werden. „Terrorist“ muß werden ein Synonym für „elender Versager“, für „feiger Idiot“.

Terror“ ist ein zu abstrakter Begriff, dessen barbarische Schändlichkeit muß der Westen immer aufs neue konkretisieren. Es gab einmal Zeiten mit bildungsnäheren Politikern und Journalisten, die noch andere Wörter kannten als „inakzeptabel“.

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Und es ging heraus ein anderes Pferd, das war rot. Und dem, der daraufsaß, ward gegeben, den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten; und ward ihm ein großes Schwert gegeben.

Offenbarung 6

Hinter Zuchthausmauern

Dienstag, 3. Oktober 2023: Mephisto an Bellarmin

Die Kommunisten ließen mich in den Morgenstunden des 3. Oktober 1983 verhaften. Nachdem mich ein sozialistisches Gericht wegen „staatsfeindlicher Hetze im schweren Fall“ zu vier Jahren Haft verurteilt hatte, sperrten man mich in das berüchtigte Zuchthaus Brandenburg, in dem einst die Nationalsozialisten bereits meinen Vater inhaftiert hatten.

Mir gegenüber am sogenannten Band, also diesem riesigen Arbeitstisch, schuftete im Zuchthaus Brandenburg der Rainer bei der deutschen demokratischen Zwangsarbeit. Er mochte etwa Mitte dreißig sein und war wegen Militärspionage zu siebeneinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden. Seine Frau hatte man zu drei Jahren Haft verurteilt und auf die Burg Hoheneck gebracht. Ihre beiden Kinder, zwei Jungen, der ältere war vielleicht zehnjährig, hatte man in ein sozialistisches Kinderheim gesteckt. Doch der Zehnjährige war von dort ausgebrochen. Er hatte sich ganz allein durchgeschlagen zu den über achtzig Kilometer entfernt auf einem mecklenburgischen Dorf lebenden Eltern seines Vaters. Dadurch hatten die überhaupt erst erfahren können, wohin ihre Enkel verschleppt worden waren. Sie schafften es, auch den jüngeren, achtjährigen Sohn herauszupressen aus der Abrichtung zum sozialistischen Untertanen. Sie konnten es sogar noch durchsetzen, beide Kinder zu sich nehmen zu dürfen.

Ich erlebte es, als sein Vater starb, brachte man nicht die elementare Menschlichkeit auf, Rainers demütiges Gesuch um Teilnahme an der Beisetzung zu bewilligen.

Auch mit Rainer lernte ich einen sehr interessanten Menschen kennen. In seinem früheren Leben war der Rainer einerseits Sicherheitsinspektor in einer bedeutenden musealen Einrichtung des Staates gewesen. Andererseits jobbte er an Wochenenden an einer Tankstelle. Und notierte sich die Nummern von Fahrzeugen der Geheimpolizei. Einerseits war Rainer Mitglied der atheistischen Sozialistischen Einheitspartei Ostdeutschlands, der Partei mit der einzig richtigen, der wissenschaftlichen Weltanschauung. Andererseits hatte er sich, als tiefgläubiger Mensch, den Baptisten angeschlossen. Beiden Seiten verschwieg er die jeweils andere Mitgliedschaft.

Mir verkörperte Rainer in gewisser Weise die auf die Spitze getriebene Typisierung des „DDR“-Bürgers.

Doch warum notierte er sich die Autonummern der Geheimpolizei? Weil, Rainer wollte mit seiner Frau und den Kindern weg aus der Deutschen Demokratischen Republik. In der er sich, zum Beispiel in religiöser Hinsicht, unterdrückt fühlte. Er wollte in die Bundesrepublik, er wollte im anderen Teil Deutschlands leben. Aber wie? Als Sicherheitsinspektor konnte er keinen Ausreiseantrag stellen. Das heißt, ihn stellen, hätte er schon können. Aber als hochintelligenter Mensch rechnete er sich sogar Schlimmeres aus als keine Chance für eine Bewilligung seines Antrages. In seiner Verzweiflung war er nun der Idee verfallen, an die andere Seite des besseren Deutschlands heranzutreten und dabei vermeintlich wichtige Informationen anzubieten. Mit der Bitte um Unterstützung bei der Übersiedlung für sich und seine Familie.

Also unternahm er mit dem Auto eine Ferienreise nach Prag, samt Frau und Kindern. Dort suchte er die bundesdeutsche Botschaft auf, übergab die Liste mit den Autonummern und bat um Hilfeleistung für seine Bemühungen um Entlassung aus der ostdeutschen Staatsbürgerschaft.

Mich wunderte, daß Rainer nicht gleich bei der Rückreise verhaftet worden war. Doch sie kamen gut zu Hause an, und Rainer setzte seine Inspektionstätigkeit anscheinend unbehelligt fort.

Nun besaß seine Frau aber noch eine verheiratete Schwester, und diese und ihr Mann mochten ebenfalls nicht länger in dem Deutsche Demokratische Republik genannten Polizeistaat auf deutschem Boden weilen. Zum Zwecke des Abhebens hatten sie sogar ein Flugzeug konstruiert und eigenhändig zusammengehämmert. Während meines Verbrecherlebens war ich Ballonbauern, Taucherausrüstungsbauern und U-Bootbauern begegnet. Alles kluge Leute und geschickte Bastler, die meisten hinter Gittern. Und zwar weil sie unter schwierigsten Bedingungen ihre Maschinen heimlich und findig für eine einzige, alles entscheidende, lebensgefährliche und lebensverändernde Reise erbaut hatten. Doch ausgerechnet die war illegal. Also intelligente sensible Menschen fühlten sich in dem Staat, dessen Eingeborene über all die Jahrzehnte, ohne die Wahlkabine auch nur zu betreten, zu anscheinend neunundneunzig zwei drittel Prozent ihre Stimmzettel für die Kandidaten der Nationalen Front entgegennahmen, vor aller Augen zusammenfalteten und in die Urnen warfen, sich offenbar derart unwohl, daß sie alles daransetzten und unter bedrohlichen Umständen konspirativ komplizierte Ausbruchswerkzeuge erdachten und zusammenleimten, um unter Lebensgefahr zu fliehen aus der angeblich besten aller Welten, aus der Krönung der Menschheitsgeschichte. Warum also nicht auch mal Flugzeugbauer?

Im Privatleben war man Zierfischhändler.

Besagter Schwager befand sich ebenfalls in Brandenburg, allerdings in einem anderen Arbeitskommando. Ich sah ihn beim Gottesdienst. Die Schwägerin weilte inzwischen, wie ihre Schwester, auf Burg Hoheneck. Denn als das Fluggerät fertig war, hatte man vor dem Jungfernflug, der gleichzeitig der einzige Flug der Maschine werden sollte, erst noch einiges überprüfen müssen. Rainer und seine Frau unterstützten tatkräftig den Zierfischhändler und seine Frau beim Auf- und Abbau des Apparates. Bei jenem letzten Countdown waren die beiden Ehepaare dann plötzlich verhaftet worden. Vor Gericht erklärten Sachverständigengutachten ihre Maschine für „voll flugfähig“.

Weißt du“, erzählte Rainer mir, „wenn bei der Stasi Besuchszeit war, wenn meine Frau und ich uns endlich wiedersahen, dann haben sie uns das vorher nie gesagt. Immer wurde einer von uns durch die Gänge in einen Raum geführt, und dann ging die Tür auf, und da saß der andere schon mit dem Vernehmer am Tisch. Und dann saßen wir uns urplötzlich gegenüber, auf jeder Seite ein Vernehmer, und wir konnten uns nie etwas sagen. Weil wir nur geweint haben! Dann war die halbe Stunde vorbei, und wir wurden wieder abgeführt. Nicht ein einziges Mal hat man uns vorher gesagt, daß wir uns jetzt wiedersehen würden.“

In Brandenburg, im Strafvollzug, betraf es nicht wenige, bei denen gleichzeitig weibliche Familienangehörige im Zuchthaus Hoheneck inhaftiert worden waren. Zum überwiegenden Teil handelte es sich bei dieser Familienhaft wohl eher um ein Merkmal politischer Gefangener. Da sahen sich die Ehepaare alle halbe Jahre einmal. Nach meiner Erinnerung war das so geregelt: Während eines Kalenderjahres ging einmal ein Transport mit Ehemännern nach Hoheneck und einmal ein Transport mit Ehefrauen nach Brandenburg. Besuchszeit jeweils eine Stunde. Bei aller Großzügigkeit, selbstverständlich mußten die Transportkosten zuvor von den Gefangenen erarbeitet werden. Sie wurden im voraus vom Verdienst abgezogen.

Mein Verdienst während der Akkordarbeit für den VEB ELMO Wernigerode (ELMO für Elektromotoren) betrug, in besonderen Währungsscheinen, 14 bis 16 sogenannte Knastmark im Monat.

Plus kostenfreier Verpflegung plus mietfreiem Wohnen!

Von meinem Lohn bezahlte ich mit monatlich 12 Knastmark meinen täglichen Viertelliter Milch, den ich einem Schweißer abkaufte. Die Schweißer erhielten pro Tag einen Viertelliter Milch, und mein Schweißer brauchte sein sauer verdientes Geld dringend für seinen Tabak.

Fast täglich kam es zu Schlägereien in der Halle um Werkzeuge oder Material, um eine rare Drahtsorte vielleicht.

Aus Angst, die Norm nicht zu schaffen!

Damit wenigstens einer von zweien seine Arbeit fortführen könnte. Ächzend wälzte man sich auf den Beton- oder Stahlplatten des Bodens, stieß sich in die Genitalien oder versuchte, sich die Augen auszukratzen. Man biß, bespie und berotzte sich, um die Norm erfüllen zu können.

Der ideale sozialistische Wettbewerb!

Dennoch hatte einer der Zivilmeister aus dem VEB ELMO Wernigerode schon mal durch die Halle gebrüllt: „Rottweiler sollte man auf euch hetzen! Dann würdet ihr wenigstens arbeiten!“

Und, ebenfalls anläßlich eines monatlichen Lohnempfangs, hatte mich, weil ich die Norm permanent nicht erfüllte, jener alte Kommunist, der gesichtszerfurchte Unterleutnant Schlehan, vor sich stramm stehen lassen, um mich in Ruhe ausgiebig anbrüllen zu können: „Sie!! Sie betrügen unsern Staat! Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen! Die Zeit wird kommen, dafür sorgen wir! Laufen sie ab!“

Obwohl ich trotz der Akkordarbeit sowieso nur noch eine reduzierte, nämlich die sogenannte Nichtarbeiterverpflegung erhielt.

Also, die Transportkosten für den Besuch der Männer aus Brandenburg in Hoheneck und der Frauen aus Hoheneck in Brandenburg mußten zuvor erarbeitet werden.

Und natürlich und voller Wonne wurde der Besuch bei der kleinsten Unbotmäßigkeit abgebrochen. Einmal war zum Entsetzen aller Anwesenden, wie man mir berichtete, von den so genannten Wachteln eine vor Schmerz schreiende Gefangene aus Hoheneck unter Schlägen und Tritten an ihren Gliedmaßen aus dem Besuchsraum gezogen worden, wegen irgendeines Fehlverhaltens, eines angeblichen Fehlverhaltens. Der Besuch war beendet, bevor die ersten fünf Minuten vorbei waren.

Dieses lehrt, wie man Verbrecherinnen zu sozialistischen Staatsbürgerinnen „erzog“.

Ich saß auf meinem angeketteten Hocker am Ende des Bandes. Oder, je nach Standpunkt, an seinem Anfang. Zwischen den beidseitigen Bändern jener enormen Werkhalle befand sich rechts neben mir der Gang zu der unmittelbar hinter meinem Arbeitsplatz gelegenen Materialausgabe. Auf meiner linken Seite, aber am anderen Ende des Bandes, an der Hallenwand, arbeitete Öli. Ein dunkelhaariger, ruhiger, stets freundlicher und hilfsbereiter Mann. Öli hatte das Urteil „lebenslänglich“. Es stand zu vermuten, daß der staatliche Zorn ihn nie wieder herauslassen werde. Was hatte Öli getan? Er war zum Wehrdienst eingezogen worden. Und Öli war Katholik und hatte eines Tages seinen Vorgesetzten um die Erlaubnis eines sonntäglichen Freigangs ersucht, um an einem Gottesdienst teilnehmen zu können. Dies hatte man nicht nur abschlägig beschieden, sondern obendrein hatte man ihn unsäglich zu drangsalieren begonnen und ihn der Truppe zur allgemeinen Quälerei ausgeliefert. Kollektiverziehung.

Denn dazu waren sie ja da, die Kollektive.

Das hatte er nicht lange ausgehalten. Nach meiner Erinnerung war er gerade dabei gewesen, den letzten Grenzzaun zur Bundesrepublik zu überklettern. Er hing gewissermaßen bereits „in den Drähten“, als er unmittelbar hinter sich plötzlich das wohlbekannte Entsicherungsklicken einer Kalaschnikow vernahm. Nach einer Schrecksekunde sprang er kurzentschlossen rückwärts und landete tatsächlich auf einem um sich schlagenden Grenzer. Ich weiß nicht mehr die näheren Umstände, ob es sein Patrouillen-Begleiter war. Jedenfalls löste sich in dieser Gemengelage mindestens ein Geschoß und verletzte den Grenzer im Bauch. Öli hätte nun freie Bahn in den Westen gehabt. Doch Öli rannte in die andere Richtung und holte Hilfe.

Die Hilfe kam zu spät.

Öli erzählte mir, sie hätten ihn ein halbes Jahr lang gezwungen, in einer fensterlosen Zelle von morgens bis abends in vorgeschriebener Haltung an einem Tisch zu sitzen. Außer zu der zu erbittenden Verrichtung der Notdurft und zum Essen habe er sich nicht rühren dürfen. Das war durch einen Posten minutiös überwacht worden.

Öli versuchte, sich mit den Wärtern im Zuchthaus gut zu stellen. Öli im Zuchthaus und seine Eltern draußen kämpften inbrünstig darum, sein Lebenslänglich in eine Zeitstrafe umzuwandeln. Bisher vergeblich. Zu meiner Zeit freute Öli sich dennoch. Er hatte nämlich eine Schwester. Die hatte er noch nie gesehen. Aber sie schrieb ihm und war mittlerweile vierzehn. Und sie wollte ihren Bruder besuchen kommen. Und dieser Besuch schien gestattet zu werden. Es gab Hinweise, Anzeichen und Hoffnung auf Aussichten.

Wenn ich meine Maschine fertig gewickelt hatte, winkte ich immer den sogenannten Stempler heran, der mit Hammer und Prägemeißel durch einen kräftigen Schlag auf den „Ständer“ des Elektromotors ihn in seiner speziellen Wicklungsart kennzeichnete. Der Stempler war ein untersetzter Mann, neben „Kommunistenwilhelm“ einer der beiden einzigen Zeitlöhner mit einem politischen Paragraphen in der Halle. Denn er war unfähig, im Akkord zu arbeiten, aus gesundheitlichen Gründen. Einst sollte der Mann auch ein paar Zentimeter größer gewesen sein. Aber infolge einiger Verletzungen im Rückgratsbereich war er aus seinem natürlichen Wuchs sozusagen zusammengestaucht worden. Und zwar hatten er und seine Frau ihre beiden Kinder in einem Skoda auf der Rückbank verstaut und waren mit dem Fahrzeug in vollem Tempo auf die Paßkontrolle zugerast, an einem Grenzübergang Richtung Westen, ich glaube in der ČSSR, ohne sich durch etwaige Haltesignale oder Drohgebärden abbringen zu lassen vom Druck auf das Gaspedal. Selbst nicht, als in ganzen Feuerstößen scharf und gezielt auf sie geschossen worden war. Und solange nicht, bis vor ihnen aus der Betonpiste plötzlich eine künstliche Barriere aufstieg, gegen die sie unrettbar prallten. Auch die Frau des Stemplers soll schwer verletzt worden und in ihrer Körpergröße merklich reduziert worden sein. Ihre Kinder wenigstens blieben unverletzt.

Ihre Kinder hatte man ihnen weggenommen.

Links neben mir arbeitete ein Mann, den alle nur mit seinem Spitznamen „Fichte“ anredeten. Die Namensgebung sollte zurückgehen auf den alten Arbeitersportverein „Fichte“. Zum einen weil Fichte sonntags auf dem Pausenhof im weißen Unterhemd einige Turnübungen betrieben hatte. Zum anderen weil Fichte als über Sechzigjähriger seinen Mitgefangenen als uralter Mann galt. Fichte war ein Bankknacker der alten Schule. Das heißt ein Bankknacker, der lieber filigran mit Intelligenz und Werkzeug Tresore knackte als mit Sprengstoff. Und der seiner Intelligenz zum Trotz nun bereits mehr als die Hälfte seines Lebens hinter Zuchthausmauern verbracht hatte.

Du wirst fragen, ein Bankknacker im Sozialismus?

Seine besten Dinger hatte er freilich im Westen gedreht. Er stand eher auf harte Währung. Aber als ihm dort eines Tages der Boden unter den Füßen zu heiß wurde, weil seine Verfolger ihm unmittelbar auf den Fersen waren, er anderweitig jedoch nicht mehr wegkonnte, meldete es sich kurzentschlossen an der Grenze des besseren Deutschlands. Mit der Anfrage, ob sie ihn nähmen. „Die haben mir tatsächlich erklärt, wir hätten ja dasselbe Ziel: ‚Auch wir kämpfen gegen das kapitalistische Bankkapital!’“

So konnte er sich dem Würgegriff der kapitalistischen Ausbeuter entziehen und als unbescholtener Staatsbürger in der Ost-Berliner Halbstadt Restpreußens und Sachsens siedeln. „Ich wollte ja, sobald sich drüben die erste Aufregung gelegt hätte, wieder zurück. Und nach Südamerika. Die Vorbereitungen waren gerade angelaufen, da haben sie plötzlich die Mauer hochgezogen!“

Aktuell hatten sie ihm fünfzehn Jahre verpaßt: „Lebend kommen Sie hier nicht wieder raus!“

Eines Nachts auf der Straße hätten bestimmte Typen seine Freundin belästigt, er wäre hinzugeeilt. Das hätte zu Handgreiflichkeiten geführt. Schließlich hätte er sich nicht anders mehr zu helfen gewußt, als seinen Revolver zu ziehen. Einer der Angreifer wäre verletzt worden mit einem glatten Wangendurchschuß. Und allein dies, in Verbindung mit seinem Waffenbesitz, hätte vor Gericht gegolten.

Daß Fichte als gefährlich galt, konnte ich schon daraus erkennen, weil er beim Besuch seiner fast neunzigjährigen Mutter, den sogenannten Sprecher, nur hinter Glas erhielt. Und daß er sich sogar einer Einzelzelle erfreute! Bis auf die unvermeidliche Zwangsarbeit wollte man ihn lieber nicht mit anderen Gefangenen zusammensperren. Mit all seiner Erfahrung aus West- und Ostknästen war er extrem schlau im Dinger drehen und genoß unter den Gefangenen den gebührenden Respekt.

Für mich war es ein Glück, ihn neben mir zu haben. Wir mochten uns. Und wir konnten über viele Dinge sprechen und langweilten uns nie während der eintönigen Arbeit. Mitunter forderte ich ihn heraus zu einem Knastvergleich zwischen den verschiedenen Systemen. Fichte erzählte. Häufig schwärmte er zum Beispiel, daß es im Westknast einen so genannten Lesezirkel gebe: „Also, du brauchst dir die Zeitschriften nicht zu kaufen! Du kriegst, was du willst. Wenn du etwas ausgelesen hast, gibst du es weiter. Dadurch kannst du praktisch umsonst lesen! Was du willst! Stell dir das mal vor, du sitzt im Knast und hast Zeit und kannst lesen!“

Mit verfänglichen Themen wie Systemvergleichen reizte ich ihn jedoch nicht zu oft. Denn vor allem in der Hitze des Sommers, bei einer Temperatur von 35° in der unbelüfteten Werkhalle, geschah es leicht, daß Fichte sich beim Vergleichen in eine unbändige Wut, ja in Tobsucht hineinsteigerte. Mich beschlich die Angst, ihn werde noch der Schlag treffen: Was sie hier mit den Menschen machten! Das habe er nirgendwo erlebt! Diese Zwangsarbeit! Diese einzigartige Szenerie mit den Schwulen! Überall gebe es Schwule, aber was die „Stasi“ hier in Brandenburg heranzüchte, solche Schweinerei gebe es nirgendwo anders! Und wie sie absichtsvoll die Menschen quälten! Von Staats wegen quälten! Diese Primitivität! Diese Degenerierung! „Guck dir doch an, wie sie sich hier in dem Dreck rumwälzen und sich die Schädel einschlagen und in die Ärsche ficken! Wir sind es doch hier, die nicht mehr als normal gelten! Diese Unmenschlichkeit! Diese Scheißkommunisten!“

Und an diesem Punkt brach es dann aus ihm hervor: Diese verfluchten Amis! Die haben nicht durchgesehen! Die hatten fünfundvierzig als erste und einzige die Bombe! „Kannst du mir sagen, warum sie erst gewartet haben, bis auch die Russen ihre Bombe fertig hatten? Sag es mir! Das war doch absehbar! Warum haben die Amis Moskau nicht sofort bombardiert? Die Amis hätten Moskau sofort bombardieren müssen! Dann wäre uns das hier erspart geblieben! Wie kann man all die Menschen an die Russen ausliefern! Wie kann man solche Schweinerei zulassen!“

Zum ersten Mal erlebte ich es, wie einem Menschen Schaum vor seinen Mund trat! Der troff auf die Maschine im Schraubstock unter ihm.

Was mich zusätzlich erschütterte: Früher hatte mein Freund und Studienkollege Lutz mich bisweilen mit illegaler Literatur versorgt, mit Biermanns „Drahtharfe“ und seinen „Mit Marx- und Engelszungen“, mit Orwells „Neunzehnhundertvierundachtzig“ und der „Farm der Tiere“, aber auch mit aufregenden Schriften des polnischen Systemkritikers Jacek Kuroń. Ebenso hatte er mir Solschenizyns „Archipel Gulag“ zugetragen. Und darin war ich seinerzeit auf eine Stelle gestoßen, bei der sich in den sowjetischen Straflagern die Gefangenen wünschten, die Amerikaner mögen die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken endlich bombardieren mit samt ihren Arbeitslagern.

Damit ihr Leiden ein Ende habe…

Doch bei aller Mühe, immer ließ es sich nicht vorhersehen, wann Fichte in Rage geriete. Einmal versuchte ich, mit ihm ein Gedankenexperiment zu starten über das Thema: In der „DDR“ kämen vernünftige Leute an die Macht und wollten die Mauer einreißen. Das hatte ich einst auch mit meinem Freund Lutz erörtert, während unseres Physik-Studiums an der Humboldt-Uni, im Anschluß an eines jener obligatorischen Marxismus-Leninismus-Seminare bei Frau Professor Pomp.

Wie sollte man das denn guten Willens zuwege bringen? Von einem Tag auf den anderen, gewissermaßen über Nacht zu erklären, die Mauer sei weg, ihr könnt euch frei bewegen, diese Vorgehensweise war uns als völlig unmöglich erschienen. Da liefen alle ja schlagartig davon! Weil sie das für eine einmalige Gelegenheit hielten. Zumal die Maueröffnung ja organisiert werden müßte und sich also kaum zur Gänze geheimhalten ließe. Es müßte ja zuvor auch ein innerer Wandel stattfinden, der das Leben in dem Zwergstaat lebenswert erscheinen ließe. So daß Auswanderung an Attraktivität verlöre. Indem die Menschen vergleichbare Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten wie im Westen erhielten.

Au contraire aber nach und nach und Stück für Stück die Mauer abzutragen, wie sollte das praktikabel sein? Man könnte den Menschen die Freizügigkeit kaum scheibchenweise zurückerstatten. Wie sollten die Menschen solchem Frieden trauen nach alldem? Warum sollten sie glauben, daß es nicht doch wieder anders käme? Daß die Grenzen nicht doch wieder geschlossen würden? Noch dazu wenn mehr und mehr von ihren gnädig genehmigten Westaufenthalten nicht zurückkehrten und jeder, einem seit den sechziger Jahren jahrzehntelang ewig aufgewärmten und ab 1989 seltsamerweise blitzartig vergessenen Witz zufolge, wenn jeder dann Angst bekäme, schließlich zum „’DDR‘ – Der Doofe Rest“ gehören zu müssen?

Als ich mit Fichte, es war dummerweise wieder sehr heiß in der Halle, darüber sprach, was denn wäre, wenn es die Mauer nicht mehr gäbe, begann der sich schon nach kurzer Zeit unaufhaltsam aufzupumpen. Er war einfach nicht mehr zu bremsen in seinem Toben, und schon bald trat ihm wieder der Schaum vor den Mund: Wenn die Mauer weg wäre? Was aus diesen Eingesperrten hier werden sollte? „Guck sie dir doch an! Die vertragen die Freiheit doch überhaupt nicht! Die wissen doch gar nicht, was Freiheit ist! Das haben die doch noch nie erlebt! Guck sie dir an! Das sind doch alles Zootiere! Die haben doch Angst vor der Freiheit! Weißt du denn nicht, was passiert, wenn man Zootiere in die freie Wildbahn setzt? Wenn man Käfigtiere auswildert? Das weiß man doch! Die gehn doch ein wie die Primeln, wenn man sie freisetzt! Die überleben doch die Freiheit nicht! Die haben doch keine Chance! Die woll’n doch zurück in ihren Käfig! Ja!! Die rennen zurück in den Zoo! Damit der Wärter sie füttert! Die sind doch armselig! Guck sie dir doch an, diese armseligen Nillen!“

Das letzte Mal habe ich Fichte gesehen am 27. Mai 1985.

An diesem Montagmorgen hatte man mir in der Zelle zu bleiben befohlen, als man die Gefangenen zur Frühschicht holte, und ich war nicht mehr in die Werkhalle gelassen worden. So wurden Abschiedsszenen verhindert. Aber das hieß in hoher Wahrscheinlichkeit, ich ginge „auf Transport“! Nachdem ich, in sicherer Erwartung der obligatorischen Leibesvisitationen, sämtliche Briefe und papierenen Aufzeichnungen kleinstmöglich zerrissen und portionsweise durchs Klo gespült und meinen heimlichen winzigen Transistorempfänger nebst Batterie und Kopfhörer aus waschlappengepolsterten Marmeladenglasdeckeln für einen Mitgefangenen eben noch rechtzeitig versteckt hatte als Erbmasse, hörte ich auch schon die Riegel scheppern, und der Schlüssel drehte sich im Schloß.

Und dann, auf dem Weg durch den zufällig gerade menschenleeren Zuchthausinnenhof mit den sich imposant über mir türmenden Zellentrakten, gab es da plötzlich jenen göttlichen kleinen unbeaufsichtigten Moment, in dem es mir noch einmal gelang, durch eines jener Gucklöcher mit verschiebbarer Sichtblende von außen heimlich einen allerdings wegen Entdeckungsgefahr nur kurzen Blick in die Arbeitshalle zu werfen. Ich sah ihn stehen vor seinem angeketten Hocker an seinem Schraubstock, neben dem von mir nun unbesetzten. Allein, aufrecht, in der dunkelbraun eingefärbten Vopo-Uniform mit dem gelben Streifen für Gefangene auf dem Rücken, Fichte, im Viertelprofil leicht nickend mit einem wissenden Blick, und ich werde wohl nie erfahren, wo, wie und ob er den Fall der Mauer noch erlebte.

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Dienstag, 3. Oktober 2023, TAGESSPIEGEL:

Der Tag der Deutschen Einheit ist zum Bilanztermin der vereinigten deutschen Erbsenzähler verkommen. Selbst die Hülsen werden verwertet. Mit traurigem Dackelblick verkünden die Verantwortlichen für den Zustand des Landes seit Jahren immer wieder das Gleiche. Obsessiv gesucht und betont wird im Durchschnittsvergleich das Trennende, das noch nicht Erreichte, das Rückständige. Dahinter verschwindet alles Gute, alles Besondere. Am Tag der Einheit werden die Unterschiede gepredigt. Diese paternalistische Attitüde hat politische Folgen: Wem mehr als dreißig Jahren lang von der Spitze des Staates in jedem Herbst neu bestätigt wird, benachteiligt zu sein und zu werden, verliert zwangsläufig Vertrauen in eben jene Spitze des Staates.

Über mangelnde Lebenserfahrung

Sonntag, 1. Oktober 2023: Bellarmin an Mephisto

Wie mehrmals im Jahr gerierte sich der sogenannte Ostbeauftrage der Bundesregierung vor ein paar Tagen erneut als zuverlässiges Sprachrohr für die Hetzpropaganda der populistischsten Partei Deutschlands, der Partei Der Spalter. Die gebürtige Nervensäge auf diesem Führungsposten heißt zur Zeit Carsten Schneider (SPD). Selbiger hat erneut eine Studie veranlaßt über deren Ergebnisse der Deutschlandfunk also am Mittwoch, dem 20. September 2023, meldete:

Menschen aus Ostdeutschland sind auch mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung in Leitungs- und Führungspositionen unterrepräsentiert.

Es gibt weiterhin wenige Ostdeutsche in Chefetagen.

Das geht aus einer Untersuchung der Universitäten Leipzig und Jena sowie der Hochschule Zittau hervor. Demnach lag der Anteil gebürtiger Ostdeutscher in leitenden Funktionen im vergangenen Jahr bei rund 12 Prozent. Es gebe zwar seit 2018 einen leichten Anstieg. Es sei aber zu früh, um von einem Trend zu sprechen. Der Anteil der Ostdeutschen an der Gesamtbevölkerung macht 20 Prozent aus.

Als Ursache wurden unter anderem die Nachwirkungen des DDR-Systems genannt, so etwa die fehlende Anerkennung für in der DDR erworbene akademische Abschlüsse. Zudem seien Englischkenntnisse ungleich verteilt. Für die Untersuchung wurden die Bereiche Politik, Wirtschaft, Medien, Justiz und Kultur betrachtet.

Du hast richtig gelesen. Zwei ganze Universitäten plus die Hochschule Zittau! Über die Kosten der Studie wurde nichts verlautbart. Immerhin scheint in den zwei ganzen Universitäten plus der Hochschule Zittau zum ersten Mal bei dem tatsächlich zum Problem aufgebauschten Popanz die Frage aufgetaucht zu sein nach den Ursachen. Also man hat nicht die unterschwellige Unterstellung der Partei Der Spalter quasi unkommentiert übernommen wie gewöhnlich die gebürtigen Nichtdenker, die bösen Wessis unterdrückten aus niederen Beweggründen die armen qualifizierten Ostdeutschen, um sich über die Besetzung von Spitzenpositionen widerrechtlich der Herrschaft Ostdeutschlands zu bemächtigen. Obwohl die gebürtigen Ostdeutschen doch so viel reicher wären an Lebenserfahrung als die an Lebenserfahrung armen „Westimporte“. „Nehmt den Wessis das Kommando!“ stand tatsächlich zu lesen auf Wahlplakaten der Partei Der Spalter.

Völlig unkommentiert von bundesdeutschen öffentlich-rechtlichen Medien oder gar von dem reinrassigen Carsten Schneider (SPD).

Allerdings scheint man bei der Ursachenforschung noch nicht auf die eigentlich offenbaren Selektionsmechanismen des von Politikern der Partei Der Spalter, wie beispielsweise dem gebürtigen Sohn eines „DDR“-Ministers, dem studierten Gregor Gysi, einst hochgelobten deutschen demokratischen Bildungssystems gestoßen zu sein. Es konnte eben nicht, wie in dem an Lebenserfahrung verarmten Westen, jeder der wollte und sich anstrengte, sein Abitur machen und studieren! Außerdem sank die Zulassungsquote für Schulen mit Abiturabschluß auch rein formal von 25 Prozent in den sechziger Jahren auf 10 Prozent in den achtzigern. Was, wie der gebürtige Ostbeauftragte leicht, ohne teure Studien zu veranlassen, hätte herausfinden können, zu einer minderen Anzahl lebenserprobter Ostdeutscher mit akademischen Abschlüssen zur Folge hatte als bei den schicksalsverhätschelten Westdeutschen. Und was in dem Zusammenhang wohl eine viel wichtigere Rolle spielt als „etwa die fehlende Anerkennung für in der DDR erworbene akademische Abschlüsse“.

Dem umtriebigen Ostbeauftragen ist es bisher nicht ein einziges Mal gelungen, auch nur einen Fall aufs Tapet zu bringen, bei dem einem Ostdeutschen ein Führungsposten allein deshalb verweigert wurde, weil er den falschen Geburtsort hatte.

Was hätte das auch für ein Geschrei gegeben!

Stattdessen also alle paar Monate unbeirrt die inszenierten Vorwürfe des lebenserfahrenen Carsten Schneider (SPD).

Schon am 25. Januar 2023 hatte uns, wie damals der Mitteldeutsche Rundfunk berichtete, der gebürtige Ostdeutsche (SPD) genervt mit ähnlichen Forderungen nach Geburtsnachweisen:

Mehr als 30 Jahre nach dem Mauerfall sind Ostdeutsche in Spitzenpositionen der Bundesbehörden weiter deutlich unterrepräsentiert. Das geht aus dem Bericht des Ostbeauftragten der Bundesregierung, Carsten Schneider, hervor. Danach sind nur 13,9 Prozent der Führungskräfte in obersten Bundesbehörden gebürtige Ostdeutsche.

Die Erhebung des Ostbeauftragten Carsten Schneider zeigt, dass es insbesondere in höheren Führungspositionen nur wenige Ostdeutsche gibt.

Bei einem Anteil von rund 20 Prozent der Bevölkerung haben gebürtige Ostdeutsche nur 13,5 Prozent der Führungspositionen in oberen und obersten Bundesbehörden. Nimmt man als Geburtsorte nur die fünf ostdeutschen Flächenländer ohne Berlin, sind es sogar nur 7,4 Prozent. Am Mittwoch brachte der SPD-Politiker eine Gegenstrategie ins Bundeskabinett ein.

Für die Studie wurde bei knapp 4.000 Führungskräften in 94 Bundesbehörden, vier Verfassungsorganen und der Richterschaft an den fünf Bundesgerichten der Geburtsort erhoben. In höheren Führungsebenen sind Ostdeutsche demnach seltener vertreten als in unteren Leitungspositionen.

In 30 Jahren Transformation in Ostdeutschland hätten die Menschen andere Erfahrungen gesammelt als in der solide gewachsenen Bonner Republik.

Dazu gehörten Umbruchserfahrungen, Arbeitslosigkeit und sich selbst wieder auf die Füße zu stellen. Hinzu komme mehr Sensibilität und Kenntnis des mittelosteuropäischen Raums. All das fehle in der Bundesregierung derzeit.

Schneider will nun mit „niedrigschwelligen Maßnahmen“ gegensteuern. So sollen zunächst die Daten systematischer erfasst werden. Bundesbehörden sollen mit Selbstverpflichtungen arbeiten. Auswahlgremien sollen vielfältiger besetzt, Führungskräfte gezielt auf ihre Aufgabe vorbereitet und Netzwerke gefördert werden. Nach einer Zwischenbilanz zum Ende der Legislatur sollen „bei Bedarf weitere Schritte“ eingeleitet werden.

Die Regierung wies allerdings auch auf statistische Unschärfen hin, da der Geburtsort nicht unbedingt eine Aussage darüber zulasse, wo jemand aufgewachsen ist. Auch Migration zwischen West-Berlin und dem übrigen früheren Bundesgebiet ist nicht berücksichtigt.

Linke fordert „Ost-Quote“ in Bundesbehörden.

Der Opposition sind die angekündigten Maßnahmen zu wenig. Der Linken-Ostbeauftragte Sören Pellmann forderte eine „Ost-Quote“ in Bundesbehörden und kritisierte die jetzige Situation als Verfassungsbruch. „Artikel 36 des Grundgesetzes verlangt eine faire Personalverteilung aus allen Bundesländern“, sagte Pellmann. Von allein würden die Zahlen nicht besser.

Doch!

Himmlische Zukunftsaussichten

Freitag, 15. September 2023: Dum Kopf an Mephisto

In was für einer wunderbaren Zeit wir doch leben! Mit Aussichten auf eine himmlische Zukunft! Wir erleben eine Epoche, in der wir den grenzenlosen Zugriff erhielten auf alles Wissen der Menschheit. In nahezu Lichtgeschwindigkeit verfügbar zu jeder Zeit, denn wir tragen es mit uns herum in unserer Hosentasche.

Das ist Volksbildung pur!

Nebst Bevölkerungsbildung!

Und Frauen können sich angesagte Täschchen in gefälligen Farben kaufen. Zum umhängen für ihre Bildung! Der Handel macht’s möglich. Und sie kaufen die, obwohl, meist verbergen sie ihre Bildung aber nicht in den adretten Täschchen, sondern tragen sie augenfällig vor sich her.

Und gewissermaßen von klein auf!

Mach Dir mal die Mühe und hebe Deine Knochen des Morgens pünktlich aus der Matratze für einen Bildungsweg in Richtung zum nächstgelegenen Gymnasium.

Aber entgegen des Schulwegs!

Pardon: „Entgegen dem Schulweg“ wie man heute sagen würde im Fernseher.

Jawohl, jedenfalls noch bevor dort die Glocke schellte zum Unterrichtsbeginn!

Dann wirst Du es leif erleben: Denn zuerst kommen natürlich in Grüppchen oder auch vereinzelt die Mädels. Fleißig artig regelbefolgend pflichtbewußt pünktlich. Nach ihrer Art. Wie man es ja auch immer wieder triumphierend verkünden hört in letzter Zeit von den richtigdenkenden Medien.

Mit geradezu erhobenem Zeigefinger.

Seht!

Durch statistische Studien belegt!

Die Mädchen!

Lernen fleißiger, haben ein ordentlicheres Betragen, sauberere Schulhefte und bessere Zensuren als die Jungen!

Ergo intelligenter!

Na bitte!

Obwohl sie dann so unterdrückt werden in den Chefetagen!

Und Du kannst das selber leif erleben morgens auf dem Schulweg! Die meisten haben da schon ihr Smartphone gezückt, tragen es in markenbewußtem Stolz vor sich her wie einen Kompaß und blättern sicher fleißig herum in der Wikipedia. Oder in der digitalen Bibel und lesen für den Religionsunterricht Johannes 2. Wie Jesus Ende August im Kaufhaus erschien und den Händlern ihre Regale umschmiß mit ihrem Lebkuchengebäck für das bevorstehende Weihnachtsfest.

Oder waren das die Regale mit den Schokolade-Ostereiern Anfang Januar?

Schnell noch mal nachschauen!

Wenn die Mädels vorüber sind mit ihrer ganzen Bildung, nach den fleißigen Mädels kommen Dir dann leif die Grüppchen der Jungen entgegengetrottet. Selten in der Hand ihre Bildung vor sich hertragend. Vielmehr lässig verschlafen oder gar hämisch grinsend oder altmodischerweise direkt miteinander sprechend.