A N A B A S I S

Thalatta ! Thalatta !

Schlagwort-Archiv: Mephisto

8.4.16 Mephisto an Bellarmin

 

Willkommen auf der Welten Oberfläche!

Hier gleitest du auf geradestem Asphalte,

Hier fühlst du Glätte ohne jede Spalte,

Hier blitzen Lichter auf verchromtem Bleche.

 

Man motiviert sich, daß man lächelnd spreche

Vom Marketing und manchem Sachverhalte,

Ob günstig sich das Börsentief gestalte,

Ob Zögern sich im zweiten Halbjahr räche.

 

Hier strotzt man schier vor Strategien und Plänen,

Hier tummelt man sich in Ertragsdomänen

Ganz ehrlich, clever, smart und unverdorben.

 

Hier nerven keine Menschen mit Migränen,

Hier siehst du niemals Trauer oder Tränen,

Hier stirbst du nicht, hier bist du längst gestorben.

 

1.4.16 Serapion an Mephisto

Erinnerung kann in Zeiten üppigen Elends vor zunehmender Verblödung schützen. Ich entnehme dem Band 3.1 „Deutsche Geschichte von Tag zu Tag“ von Manfred Overesch und Friedrich Wilhelm Saal, 1986 im Droste Verlag Düsseldorf erschienen, manches Bedenkenswertes für den heutigen Tag.

Aus Gründen des Mangels mußten heute vor 70 Jahren in der amerikanisch besetzten Zone Deutschlands die Lebensmittelrationen gekürzt werden. Und zwar mit Beginn der vierwöchigen 87. Zuteilungsperiode von 1550 auf 1275 Kalorien pro Tag. Jugendliche durften immerhin bis zum 28. April verzehren 8000 g Brot, 600 g Fleisch, 650 g Fett, 62,5 g Käse, 125 g Quark, 2000 g Nährmittel, 500 g Zucker, 450 g Marmelade, 125 g Kaffee-Ersatz, und sie kamen somit auf täglich 1471 Kalorien.

Jeder Zuteilungsberechtigte durfte bis zu 20 Eier erwerben pro Jahr. Brauereien und Brennereien wurde ein Vermälzungsverbot auferlegt. Zur Sicherung der Brotversorgung.

In der „Neuen Presse“ schrieb heute vor 70 Jahren Heinz Piontek zur Lage der Jugend in Deutschland:

„Mit aufgerissenen Augen taumeln Jungen und Mädchen, durch Nöte und Gefahren der Kriegszeit älter und stiller geworden, in ein neues, unbekanntes Leben. Verständnislos hören und lesen sie über Ränke und Intrigen einer schamlosen Politik, über Blutgier, Brutalität und Größenwahnsinn ihrer Führer und glauben zu träumen, wenn man ihnen Zug um Zug beweist, daß alle Ideale, die man ihnen einst gegeben, einem überheblichen und gewissenlosen Hirn entsprungen, nicht einen Pfifferling wert sind.“

Heute vor 70 Jahren erschien in den USA die letzte Ausgabe der Zeitschrift „Der Ruf. Zeitung der deutschen Kriegsgefangenen in USA“. Darin wurden auch die Erfahrungen von Kriegsgefangenen bei der Begnung mit Literatur thematisiert, insbesondere in der vom Fischer-Verlag in den USA herausgegebenen „Bücherreihe Neue Welt“ (z. B. Joseph Roth: „Radetzkymarsch“; Carl Zuckmayer: „Der Hauptmann von Köpenick“; Thomas Mann: „Achtung, Europa! Aufsätze zur Zeit“; Erich Maria Remarque: „Im Westen nichts Neues“; Heinrich Heine: „Meisterwerke in Vers und Prosa“…)

Ein 22jähriger schrieb darüber: „Ach, hätten wir das doch früher lesen können! Unsere Einstellung zum Leben, zum Krieg und zur ganzen Politik wäre eine andere gewesen.“

Heute vor 70 Jahren wurde der später in Deutsche Demokratische Republik umbenannte Staat Preußen für aufgelöst erklärt.

Apropos Deutsche Demokratische Republik. Da fällt mir gleich der von der Linkspartei heute hochverehrte Diktator Walter Ulbricht ein. (Unter dem wäre das nicht passiert…) Gestern vor 70 Jahren war Sonntag. Da konnten in den westlichen Sektoren Berlins die Sozialdemokraten darüber abstimmen, ob sie sich mit den Kommunisten zu einer Partei vereinigen wollten. Im sowjetrussisch besetzten Teil hatten die „Sowjetische Militäradministration in Deutschland“ und die Kommunisten selbige Abstimmung jedoch verhindert.

Neben der Frage nach etwaiger Zustimmung zur Vereinigung von SPD und KPD hieß eine zweite, gewissermaßen alternative Frage „Bist Du für ein Bündnis beider Parteien, welches gemeinsame Arbeit sichert und den Bruderkampf ausschließt?“

Auf die grundsätzliche erste Frage, der zur Vereinigung, stimmten von den in freien Sektoren 33247 stimmberechtigten Parteimitgliedern der SPD 23755 mit NEIN. Das sind 82%. 2937 stimmen mit JA. Demnach waren nur magere 12% der Stimmberechtigten für die Vereinigung mit der KPD. Der zweiten Frage, der nach einer Zusammenarbeit, stimmen 14663 SPD-Mitglieder zu. Dagegen stimmten 5568.

Wie gesagt, in Ostberlin war die Abstimmung mit massiven Mitteln verhindert worden. In ihrem Tagebuch notierte die Herausgeberin Ruth Andreas-Friedrich heute vor 70 Jahren: „Die Würfel sind gefallen. Mit zweiundachtzigeinhalb Prozent haben sich die sozialdemokratischen Wähler Berlins gegen die Verschmelzung entschieden … Bis zur letzten Wahlminute währte der Widerstand unseres Parteivorstands. Es hat ihm nichts genützt. Wider Gewalt, Bedrohung und Propaganda siegte der Wille zur Selbstbestimmung, wenn auch nur in zwölf unter zwanzig Bezirken. Im russischen Sektor wurde die Wahlgenehmigung nicht erteilt. ‚Wegen technischer Schwierigkeiten‘, wie die Begründung lautet. Die gleichen ‚technischen Schwierigkeiten‘ scheinen veranlaßt zu haben, daß vor einigen Wahllokalen dieses Besatzungsgebiets am Frühnachmittag russische Wachposten aufzogen.“

Was den erwähnten linksparteilich also hochverehrten Strippenzieher Ulbricht nicht hinderte, jene Bekundung, wenn sie schon nicht verschwiegen werden konnte, kommunistisch zu analysieren: „In der Urabstimmung wurden an die Mitglieder die verwirrenden Fragen gestellt, ob sie für die sofortige Verschmelzung oder für ein Bündnis mit der KPD seien. Trotz dieser raffinierten Fragestellung entschied sich die Mehrheit der Berliner Sozialdemokraten für die sofortige Vereinigung. Von 66246 Mitgliedern lehnten nur 19529 die sofortige Vereinigung ab. Aber von diesen 19529 forderten in einer anderen getrennten Abstimmung 14636 ein Bündnis beider Parteien, welches gemeinsame Arbeit sicherte und den Bruderkampf ausschloß. Von mehr als 66000 organisierten Berliner Sozialdemokraten wandten sich gegen die Vereinigung, beziehungsweise das Bündnis tatsächlich nur 5568, also nur etwa acht Prozent der damaligen Berliner Mitgliedschaft.“ (Walter Ulbricht: „Geschichte der neuesten Ehe“)

Von der Sowjetunion lernen, heißt lügen lernen: Ulbricht hatte seiner Analyse verlogener Weise die Anzahl aller SPD-Mitglieder von Groß-Berlin zugrunde gelegt.

 

25.3.16 Serapion an Mephisto

 

Es steht im Koran geschrieben

Der Terror der Gewalttäter von Paris, der die Welt entsetzt, entspricht koranischem Gebot. In Sure 8, Vers 60 verlangt Allah von den Muslimen, alle Mittel einzusetzen, „um die Feinde Allahs, die auch eure Feinde sind, zu terrorisieren“. Damit der Islam in den Augen von Nichtmuslimen akzeptabel erscheint, werden in europäischen Koranübersetzungen für „terrorisieren“ gefälligere Vokabeln wie „einschüchtern“ oder „erschrecken“ verwendet (und unwissend nachgeplappert). Doch das im Koran verwendete Verbum lautet „turhibûna“, was korrekt nur als „terrorisieren“ wiedergegeben werden kann und auch heutzutage in diesem Sinn gebraucht wird. Was die Verbrechen angeht, die im sogenannten „Islamischen Staat“ an der Tagesordnung sind, dient der Koran, Sure 5, Vers 33, ebenso als Handlungsanleitung: „Jedoch der Lohn derer, die gegen Allah und seine Gesandten Krieg führen und Verderben im Land zu erregen trachten, soll sein, dass sie getötet und gekreuzigt werden oder dass ihre Hände oder Füße wechselseitig abgeschlagen werden oder dass sie aus dem Land vertrieben werden.“

Von Muslimen wie jetzt in Paris beziehungsweise von islamophiler Seite wird stattdessen regelmäßig beteuert, dass im Koran stehe: „Wenn einer einen Menschen tötet, dann ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte.“ Soll heißen, dass ein Mörder nichts mit dem Islam zu tun haben könne. Doch Sure 5, Vers 32 auf diese Weise zu zitieren ist eine grobe Irreführung, wenn nicht bewusste Täuschung. Die gebildeten Muslime wissen das. Der Vers lautet vollständig: „Aus diesem Grund haben wir den Kindern Israels geboten, dass, wenn jemand einen Menschen tötet – es sei denn für einen Mord an einem anderen oder für im Land angerichtetes Unheil –, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet.“ Der Vers schließt also Tötungen nicht kategorisch aus, wie das unzulässig abgemilderte Kurzzitat suggerieren möchte, sondern gestattet (verlangt?) selbstverständlich die Tötung eines Menschen als Vergeltung für Mord und als Strafe für Aufrührer. Aber noch wichtiger ist: Allah wendet sich hier nicht an die Muslime, sondern an die Juden; diese sind es, die den Satz „Wenn einer einen Menschen tötet …“ beachten sollen. Arabische Korangelehrte räumen ein, wie der Satz aktuell zu verstehen ist, nämlich: „Wenn ein Jude (beziehungsweise Nichtmuslim) einen Muslim tötet, dann ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte.“ Das ist das Gegenteil dessen, was mit der (immer unvollständigen) Zitierung des Satzes bei gutgläubigen Menschen bewirkt werden soll. Was Allah von den Muslimen gegen diejenigen, die sich dem Islam widersetzen, verlangt, folgt direkt im nächsten Vers, den ich oben zitiert habe: tötet und kreuzigt, schlagt Hände und Füße ab. Der Islam ist eine nie revidierte Gewaltideologie, die im Gewand einer Religion daherkommt. Sie wurde und wird stärker, je mehr sie hofiert und gefördert wird. Wer den Islam schönredet, muss wissen, dass er als geistiger Brandstifter agiert und sich mitschuldig macht.

Merkels „Wir schaffen das“ ist ein ungedeckter Wechsel auf die Zukunft. Er wird platzen, sobald es wirtschaftlich abwärts geht, die Flüchtlingsmengen nicht mehr zu alimentieren sind, die Sozialsysteme und Krankenkassen kollabieren und Justiz und Polizei bis zur Lähmung überfordert und erschöpft sind. 75 Prozent der Flüchtlinge (ohne Sprachkenntnisse, ohne berufliche Qualifizierung, aufgrund der eigenen schrecklichen Erfahrungen psychisch Destabilisierte und Hilfsbedürftige) werden nicht zu integrieren sein. Sie – spätestens ihre ungeratenen, von muslimischen Hasspredigern indoktrinierten Söhne – werden in Deutschland zusätzlich zu den bereits existierenden Parallelgesellschaften die Banlieues bilden, die Frankreich und Belgien schon haben. Sie werden desillusioniert und chancenlos die Bataillone künftiger Dschihadisten im Land bilden.

Nachweislich wahr ist: Solange der Islam nicht aus der Welt ist, wird es in ihr keinen Frieden geben. Das wusste (neben anderen wie Voltaire, Schopenhauer, Heinrich Heine, Winston Churchill oder Elias Canetti) schon Karl Marx: „Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen“ (Marx-Engels-Werke, Bd. 10, Ost-Berlin 1961, S. 170).

Wir sollten dem Verfasser des obigen Textes, Dr. Ekkehart Rotter, Bad Vilbel, und der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG für dessen Abdruck sehr dankbar sein für das, was dem Islam offensichtlich fehlt: Mut zur Aufklärung!

Das bemerkenswerte Zitat kannst Du nachlesen in der F.A.Z. vom Montag, dem 7. Dezember 2015 auf Seite 18 in der Rubrik „Briefe an die Herausgeber“ unter der Überschrift „Es steht im Koran geschrieben“, und es bezieht sich auf die Berichterstattung nach den Anschlägen in Paris am 13. November 2015 und auf die Meldung „Merkel: Wir sind stärker als der Terrorismus“ in der F.A.Z. vom 16. November 2015. Es bezieht sich also auf die Massenmorde in Paris vor den jetzigen Massenmorden in Brüssel. Es ist demnach geschrieben noch vor der Silvesternacht von Köln („Justiz und Polizei bis zur Lähmung überfordert“) und vor den Anschlägen und Terror- und Fahndungsmeldungen, die das diesjährige Osterfest zu dominieren scheinen. Und leider könnte man wetten, der Artikel wird noch aktuell sein, wenn die Zeitung vergilbt ist.

Wo sind die religiösen Führer des sogenannten friedlichen Islam, die das heimtückische Ermorden friedlicher Menschen bei den jüngsten Anschlägen in Brüssel mindestens ebenso vehement anprangern wie das Zeichnen von Mohammed-Karikaturen? Wo sind ihre empörten Massen?

 

19.3.16 Serapion an Mephisto

Seit Arminius Sieg beständig auf dem Rückzug begriffen begann Rom unter Kaiser Domitian den Ausbau des Limes gegen die eindringenden Völkerschaften in die Hochzivilisation. Er bestand anfänglich aus einem Flechtwerkzaun vor einem Graben, dann kam ein Wall mit einem Wehrgang oben. Dahinter auf Sichtweite hölzerne Wachttürme. Die Verschanzung wurde betrieben von Kastellen im näheren Hinterland. Unter Hadrian wurde der Flechtwerkzaun ersetzt durch einen Zaun aus Eichenholzpalisaden. Unter Antoninus Pius ersetzte man die hölzernen Wachttürme nach Möglichkeit durch steinerne. Unter Caracalla erhielten die Grenzbefestigungen aus Erdwällen und Palisadengräben ihre Vollendung, man begradigte sie und verstärkte sie teilweise mit Mauern aus Stein. Hinter dem Limes Kastelle und Kasernen wie Wien, Raab, Karlsberg, Schwechat, Fischament, Lorch, Passau, Regensburg, Saalburg, Wiesbaden.

Doch schon bald konnte jene Außengrenze nicht mehr gehalten werden, und man mußte sich verlassen auf den natürlichen Schutz durch den Rhein. Die dortigen Grenzbefestigungen wurden aber 350 überrannt von den Alamannen. Ihnen folgten auf dem Fuße, von den Sachsen vertrieben, die Franken.

Die Katastrophe aber waren die Wandalen.

Ihre Heimat lag in Schlesien, bedrängt zogen sie in die Karpaten und an die obere Theiß, von dort wanderten sie nach Spanien. Hier ließen ihnen die Westgoten keine Ruhe. Doch der Wandalen genialer Herrscher, der seit seinem Sturz vom Pferde hinkende Geiserich, hatte die Vision und die Kraft ihrer Verwirklichung, die völlig seeunkundigen Landratten dazu zu bringen, übers Meer zu setzten nach Afrika. Afrika, die friedliche Idylle, die unberührte römische Provinz, die Kornkammer des Reiches!

Und der Hof in Ravenna konnte Geiserich nicht hindern, seine wilden Wandalen nahmen sie weg. Aber das Reich konnte nicht mehr leben ohne Afrika. Es blieb nichts übrig, der dritte Valentinian mußte einen Vertrag schließen mit Geiserich: Unangefochten wurde die römische Provinz Afrika seinem Volk überlassen. Dafür hatten die Wandalen jedoch friedlich zu bleiben. Wir sehen also eine Art Nichtangriffspakt mit der Bedingung, daß Afrika weiterhin Getreide und Öl liefere und Karthago römisch bliebe.

Was klar bedeutete: Hinfort befand Rom sich in lebenswichtiger Abhängigkeit von Barbaren.

Da lachten die Wandalen und nahmen auch Karthago.

Und verjagten mit grausamen Methoden alle römischen Landbesitzer. Rom bekam nun über das Mittelmeer ein riesiges Problem: Den massenhaften Zustrom ungeliebter Flüchtlinge aus Afrika.

Darüber starb Valentinian. Sein Ableben nahm Geiserich zum Anlaß, sich an den mit Valentinian geschlossenen Vertrag unter Maximus, dem Nachfolger, nicht weiter gebunden zu fühlen.

Ein Wandale verweigert dem römischen Kaiser die Anerkennung!

Mit ihren schnellen Schiffen beherrschten die Wandalen aber inzwischen das Mittelmeer. Und als Maximus bekundete, Valentinians Witwe Eudoxia zu ehelichen und auch seines Vorgängers Tochter mit seinem Sohn verheiraten zu wollen, da –

Da kamen plötzlich die Wandalen angesegelt, mittenmang und unter leuchtend roten Segeln Geiserichs Königsschiff. Sie zerschlugen die römische Flotte und gingen gen Mittag an Land in Portus, an der Mündung des Tibers. In weniger als zwölf Stunden hatten sie Fußtruppen und Belagerungsmaschinen ausgeladen und marschierten los auf der Via Portuenses gen Rom. Nahmen Roms Verteidigungsmauern im ersten Sturm, öffneten die Tore der Stadt – und die Wandalen wüteten in Rom! Wo immer sie auf Widerstand stießen, brannten sie die ganze Straße nieder. Selbige Methode erwies sich als erfolgreich. Die Römer flohen in ihre Häuser und zitterten um ihr Leben, und die Wandalen besetzten die ganze Stadt.

Was nun bevorstand, war der triumphale Einzug Geiserichs in Rom!

Papst Leo ging ihm entgegen und harrte seiner demütig am Rand der Via Portuenses. Er bat Geiserich um Roms Schonung. Der Wandale antwortete, er nähme nur, worauf Afrika ein Recht habe. Er nähme nur, was Rom Karthago und Jerusalem geraubt habe.

Doch stellte der Barbar Mißhandlung von Römern, Brandstiftungen sowie das Ausrauben großer Kirchen unter Strafe.

Geiserich führte eine Liste mit sämtlichen von Römern in Jerusalem und Karthago erbeuteten Schätzen bei sich. Mehr als zwei Wochen plünderten die Wandalen Rom samt seiner reichen Römer, wobei sie auch Standbilder und selbst Kolossalstatuen auf ihre Schiffe verluden.

Und das Schiff mit den roten Segeln entschwand unter Mitnahme Eudoxias und ihrer Tochter. Geiserich beabsichtigte die Tochter zu Hause, in Karthago, mit seinem Sohn zu verheiraten.

Ein geistreicher Franzose, was nach Heine ein Pleonasmus wäre, hat einmal gemeint, cherchez la femme. Was meint, Geschichte werde durch Geschichten machende Frauen gemacht. In Rom ging das Gerücht, Eudoxia habe Geiserich gerufen. Aber ob das stimmt, ist bis heute ihr Geheimnis geblieben, und was ich eigentlich nur sagen wollte, ist: Vielleicht wird Angela Merkels Sieg, wie der gestrige Vertragsabschluß zwischen der Europäischen Union und der Türkei verschiedentlich schon genannt wird, eines Tages als Pyrrhussieg gelten.

 

Eine große Epoche hat das Jahrhundert geboren,

Aber der große Moment findet ein kleines Geschlecht.

(GOETHE / SCHILLER Xenien Der Zeitpunkt)

 

11.3.16 Bellarmin an Mephisto

Dienstag, 1. März 2016, RHEINISCHE POST:

Seine Forderung nach einem Sozialpakt für Deutsche und eine Abkehr von der schwarzen Null im Bundeshaushalt ist inhaltlich falsch und in der Flüchtlingsdebatte gefährlich. Gabriel warnt vor einer Neiddebatte und tritt sie erst los. Er tut so, als gebe der Bund für Flüchtlinge Geld aus, für andere nicht. Dabei überweist der Bund seit Jahren zusätzliche Milliarden an die Länder für Infrastruktur, Hartz-IV, Bildung und Sozialprogramme. Keine Schule oder Kita muss schließen, weil Flüchtlinge versorgt werden. Mit diesen Ängsten spielt Gabriel nun. Er wird zum Wahlkampfhelfer einer AfD, die das vermeintliche ‚Zukurzkommen‘ der Deutschen in der Krise beschwört.

Dienstag, 8. März 2016, DIE WELT:

Die etablierten Parteien sollten sich fragen, ob sie bislang einen falschen Umgang mit dieser Rechten an den Tag gelegt haben: mit der Hybris der Etablierten auf antike Machttechniken wie Ausschluss und Verachtung zurückgreifend. Dem Wahlvolk muss erklärt werden, was wir von der Willkommenskultur haben, abgesehen von dem moralischen Mehrwert. Der macht am Ende nicht satt. Doch die Jahre der Verweigerung der Zuwanderungsrealität wie der Migrationsverklärung rächen sich. Es fehlen pragmatisch empathische Ansätze. In diese Lücke stoßen jene, die auch noch andere Rechnungen aufmachen wollen: die AfD.

 

4.3.16 Bellarmin an Mephisto

Freitag, 23. Oktober 2015, LE FIGARO:

Keine Regierung in Europa hat von ihren Bürgern eine Vollmacht bekommen, um Hunderttausende Migranten ohne jede Kontrolle aufzunehmen.

Angela Merkel wurde Anfang der Woche im Fernsehen gezeigt mit der bemerkenswerten Einsicht, es gebe keinen Anspruch auf Asyl in einem bestimmten Land. Möglich, daß sie sagte „in einem bestimmten europäischen Land“, wie es CDU-Generalsekretär Peter Tauber ein paar Tage später im Deutschlandfunk eigenhändig und wie vom Himmel gefallen formulierte. Unter Voranstellung der fünf satzeröffnenden Wörter „Wir haben schon immer gesagt…“.

Wirklich?

Haben das all die tapferen Helfer gewußt?

Jene originale Aussage der Kanzlerin Anfang der Woche im Fernsehen konnte ich nicht überprüfen im Nachrichtenticker des Deutschlandfunks. Weil: Sie kam darin nicht vor.

Wahrscheinlich wegen des „immer schon“ wird die Aussage als Banalität nachrichtlich nicht mehr registriert von unserem seriösesten öffentlich-rechtlichen Radiosender.

Aber auch im wirklich wahren Leben kann ich mich an jenes schon immer Gesagte nicht erinnern. Dabei glaube ich zumindest, es handelt sich hier um einen erörterungswürdigen, wenn nicht gar um einen Schlüsselsatz. Um einen Satz von elementarer Bedeutung für die deutsche, für die europäische, ja für die Weltöffentlichkeit.

Und der war schon immer gesagt worden, und nur ich habe das nicht mitbekommen! Da hätte ich doch aber auch ein bißchen mehr drauf achten können!

Während ich mich sehr wohl an Zeiten zu erinnern vermag, in denen Angela Merkel den gegenteiligen Eindruck jenes schon immer Gesagten erweckte, stelle ich mir natürlich die Frage: Wie lange dauert eigentlich ein Immer?

Auf jeden Fall kann es kein ganzes halbes Jahr sein, denn heute haben wir den 4. Tag im Monat März, und am 5. September des unlängst vergangenen Jahres, da hat das Immer ganz bestimmt noch nicht gegolten. Da sollten Ungarn und Österreich durchwinken. Aber „eine Politik des Durchwinkens“ sei jetzt vorbei!

Immerhin ist hier von „immer“ nicht die Rede.

Sondern von „jetzt“.

Jetzt erhebt sich in meinem Gemüt der Argwohn: „immer“ ist nicht „ewig“!

Man lernt nie aus. Kann ja sein, daß während der Zeit zwischen Budapester Hauptbahnhof und dem griechischem Dorf Idomeni die von Dir seinerzeit gepriesene zweite gute Eigenschaft der Kanzlerin wieder zu neuem Leben erwachte. Neben ihrer Kenntnis des Energieerhaltungssatzes. Nämlich ihre Lernfähigkeit (=> Energieerhaltungssatz). Denn es kann sein, daß nun auch Angela Merkel begriffen hat, was DER SPIEGEL vom 27. Februar auf Seite 8 austrompetete: „Kanzlerin Merkels humanitäre Flüchtlingspolitik ist gescheitert.“ Denn, genau wie ich Dir hinsichtlich des Unworts „Quotenregelung“ prophezeite im goldigen Oktober und Anfang November vorigen Jahres (=> Wäschewechsel „Eher zerfällt die Union“ und => Deutschlandrettungsplan „Was passiert denn nun, im Falle sich keine gesamteuropäische Lösung herbeiführen ließe?“), kommt DER SPIEGEL zu dem Schluß „Es wird keine solidarische Verteilung von Flüchtlingen geben, und die Türkei wird Europa kaum zuverlässig vor weitere Zuwanderung schützen.“

Hinsichtlich der Türkei fürchte ich allerdings, das hat die Kanzlerin noch nicht gelernt. Denn die Gefahr ist groß, daß nun in einem bemerkenswerten historischen ersten Akt von tatsächlich einvernehmlicher gemeinsamer Außenpolitik Europäischer Union das letzte Restchen europäischer Ehre an den asiatischen Kriegstreiber und Journalistenverfolger Erdogan verschachert wird. Denn, wir sind immer noch auf Seite 8, denn „Nun zeichnet sich eine neue Arbeitsteilung ab: Wir sind für den Humanismus zuständig, die anderen für die Härte. Es ist zynisch: Merkel kann sich Gesinnungsethik erlauben, weil Viktor Orbán das Grobe erledigt.“

Woran aber ist Angela Merkel gescheitert? Da wäre zum einen also der Energieerhaltungssatz. So daß sie mittels seiner Anwendung noch kurz vor Beginn des Immers lernte, daß selbst Deutschland über kein unbegrenztes Reservoir an Turnhallen verfügt. Worauf nachhelfend nicht nur der Deutsche Städtetag hinwies:

Deutschlandfunk, 10. Januar:

Der Deutsche Städtetag erklärte schon vor Wochen, wenn Flüchtlinge den Wohnort frei wählen könnten, seien viele Städte überfordert.

Deutschlandfunk, 27. Januar:

Spitzenvertreter der Kommunen haben vor ihrem Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel gefordert, dass der Bund die Unterbringungskosten für Flüchtlinge mit Hartz-Vier-Bezug übernimmt.

Die Präsidentin des Deutschen Städtetages, Lohse, und der Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Landsberg, sagten der Zeitung „Die Welt“, andernfalls werde das Geld an anderer Stelle fehlen. Der Bund müsse dieses Thema aufgreifen. Außerdem müsse es eine Residenzpflicht für anerkannte Asylbewerber geben. Die Spitzenvertreter der Städte und Gemeinden forderten zudem, dass die Zahl der Flüchtlinge reduziert werde. Die Kommunen seien an ihrer Belastungsgrenze. Bundeskanzlerin Merkel müsse konkret aufzeigen, wann die Gemeinden mit einer Reduzierung der Flüchtlingszahlen rechnen könnten.

Deutschlandfunk, 22. Februar:

Die kommunalen Spitzenverbände fordern eine Verschärfung des geplanten Asylpakets Zwei. Die Maßnahmen seien zum Teil inkonsequent und praktisch schwer umzusetzen, zitiert die Funke Mediengruppe aus einer gemeinsamen Stellungnahme des Deutschen Städtetags, des Deutschen Landkreistages und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Verlangt wird demnach unter anderem ein schärferes Vorgehen gegen kriminelle Asylbewerber. Zudem müsse der Anspruch auf Geldleistungen daran geknüpft werden, dass sich der Schutzsuchende dauerhaft in der ihm zugewiesenen Einrichtung aufhalte. Zudem müsse das Bundesamt für Migration personell aufgestockt werden, damit man die beschleunigten Verfahren für Asylsuchende aus sicheren Herkunftsländern auch umsetzen könne.

Deutschlandfunk, 24. Februar:

In der Flüchtlingsfrage sind die Kommunen nach Ansicht der Präsidentin des Deutschen Städtetags, Lohse, an der Leistungsgrenze angelangt.

Diese trügen die Hauptlast und ihnen müsse dringend geholfen werden, sagte die Ludwigshafener Bürgermeisterin im Deutschlandfunk. Jährlich eine Million Flüchtlinge zu integrieren, sei auf Dauer nicht möglich. Die Zuwanderung müsse deutlich reduziert und gesteuert werden. Bei der Unterkunft der Menschen erwarteten die Kommunen die vollständige Übernahme der Kosten durch den Bund. Lohse beklagte, dass die Bundesländer die zur Verfügung stehenden Mittel nicht immer ausreichend an die Kommunen weitergäben.

Da wäre zum weiteren Köln.

„Köln ist der Anfang vom Ende der Political Correctness“, vermerkte DER SPIEGEL am 9. Januar auf Seite 20.

Daran kann ich leider nicht glauben. Aber die politische Korrektur deutscher Spielart verhinderte beispielsweise Fragestellungen, Erörterungen und öffentliche Diskussionen über solche nicht ganz unwichtigen Dinge, warum allein mehr als 60.000 „unbegleitete“ Minderjährige „die Grenzen des deutschen Sozialstaats“ „testen“, wie DER SPIEGEL am 13. Februar auf Seite 52 berichtete, allein in Berlin 3000 binnen eines Jahres, während spdämliche Politiker einerseits der Öffentlichkeit über die unkritischen, nicht nachfragenden oder gar eigenrecherchierenden öffentlich-rechtlichen Medien weiszumachen versuchten, es handele sich bei Familiennachzugsantragsstellern um wenige Dutzende Personen, und dieselben Politiker andererseits die Beförderung des bereits beschlossenen und von ihnen bewilligten Asylpakets II um Monate mit dubiosesten Methoden verzögerten.

Oder die Erörterung und öffentlichen Diskussion der EU-seitigen Feststellung, daß bis zu 60 Prozent der während des letzten Jahres Eingewanderten keinen Anspruch auf Asyl geltend machen könnten.

Oder die Erörterung und öffentlichen Diskussion, daß allein schon das aufnahmetolerante Schweden feststellen mußte, daß die Hälfte der dort Asylsuchenden keinen Anspruch darauf hätten.

Oder warum rund 80 Prozent der nach Deutschland Kommenden über keinerlei Identifikationspapier verfüge.

Oder warum die Mehrzahl der Einwandernden um die in Baden-Württemberg eingerichtete Schnellbearbeitungsstelle für Asylanträge einen großen Bogen mache. Hier war ebenfalls von 80 Prozent die Rede, von 80 Prozent der Bogenmachenden.

Oder warum in öffentlich-rechtlichen Medien kritiklos nie unterschieden wird zwischen Flüchtling und Migrant.

„Migration“, wir erinnern uns, kommt von lateinisch „(Aus)wanderung“.

Um nur einige, um nur einige wenige Beispiele der Auswirkungen politischer Korrektur anzuführen.

Die politische Korrektur hat das Vertrauen zerstört. Und wo das Vertrauen fehlt, spricht der Verdacht, erklärt uns Nietzsche, und wo der Verdacht spricht, geht ein Gespenst um in Europa, und dieses Gespenst heißt hierzuland „Alternative für Deutschland“. Und die Angst vor der AfD ist einer der Gründe für das Scheitern der Kanzlerin.

Jüngst veranstaltete dankbarerweise DER SPIEGEL eine Umfrage über das Thema „Warum vertrauen viele Menschen der Presse und dem Fernsehen nicht mehr?“

Und man erhielt eine weit über tausendfache Resonanz!

Hier schicke ich Dir einige Beispiele unserer vox populi, Du findest sie auf den Seiten 56ff des SPIEGEL vom 27. des letzten Monats:

Mir hat das Verhalten der Medien in den letzten Monaten regelrecht Angst gemacht. Allen voran die Öffentlich-Rechtlichen und SPIEGEL ONLINE (anders der SPIEGEL selbst, sonst hätten wir das Abo längst gekündigt). Aus einem „Sagen, was ist“ wurde ein tägliches „Sagen, wie’s sein soll“. Auseinandersetzung mit anderen Meinungen wurde ersetzt durch Diffamierungen. Jeder Andersdenkende war ein Rechtspopulist.

 

Die Feigheit der Journalisten vereint sich demnach mit der Feigheit der Politiker. Beide sollten sich öfter an einen genialen Satz von Bert Brecht erinnern: ,Wer die Wahrheit nicht kennt, ist ein Dummkopf. Wer jedoch die Wahrheit kennt und sie nicht sagt, ist ein Verbrecher.‘

 

Ich glaube, im ,heute journal‘ hat es angefangen, dass der Nachrichtensprecher anfing, regelmäßig das Geschehen selbst (auch moralisch) zu bewerten; das ist jedoch nicht seine Aufgabe!

 

Der Versuch einiger Zeitungsleute, Pegida-Wutbürger von der Straße in ihre Redaktionen einzuladen, um sie dann von der Redlichkeit ihres Tuns zu überzeugen, ist rührend, trifft auch genau das Problem, hilft aber nicht, bleibt sinnlos, weil dort Lebenswirklichkeiten dieser Menschen nicht verhandelt werden.

 

Am unteren Rand der Gesellschaft sieht das nämlich anders aus. Die Menschen haben Sorgen und fühlen sich nicht vertreten. Nicht von der Politik. Und auch nicht von Euch. Sie gehen bei Pegida aus Verzweiflung mit! Mir tun sie leid! Denn plötzlich sehen sie sich von den Medien in die rechte Ecke gestellt, wo sie oft gar nicht hingehören! Und werden wütend. Weil von Euch nicht genügend differenziert wird zwischen dumpfen Nationalisten und einfach nur besorgten Bürgern, die keine Lobby haben und ihre Nöte nicht eloquent formulieren können! Nicht jeder hatte das Privileg wie Ihr oder ich, ein Studium oder eine gepflegte Ausbildung in hippen Branchen zu absolvieren. Maurer, an der Kasse im Supermarkt … wisst Ihr alles selbst. Ihr habt sie im Stich gelassen!

 

Die Ängste der Bürger vor einer Überfremdung werden von den Journalisten in ihrem Elfenbeinturm nicht wahrgenommen.

 

Ich kann Ihre Pro-Flüchtlings-Berichterstattung kaum noch ertragen. Oft lese ich mir die Beiträge zur Flüchtlingssituation nicht mehr durch, weil ich mich sowieso nur darüber ärgere. Nach der Silvesternacht in Köln war ich schockiert, habe mich aber klammheimlich darüber gefreut, dass dies passiert ist, da endlich ganz offensichtlich wurde, was passiert, wenn wir dermaßen viele Flüchtlinge aufnehmen. Immerhin haben Sie über die Vorkommnisse berichtet. Allerdings haben Sie den falschen Personen beziehungsweise Institutionen die Schuld in die Schuhe geschoben, nämlich Polizei und Politik. Dabei war die Schuldfrage so offensichtlich: Flüchtlinge haben die Taten begangen! Keine Polizisten und auch keine Politiker!

 

Berichterstattung und Kommentare sind, auch im SPIEGEL, manchmal nicht mehr auseinanderzuhalten. Ich glaube nicht, dass hier gelogen wird. Schlimmer ist, dass Sie tendenziös berichten und daran glauben.

„Wir wären gut – anstatt so roh / Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so.“ (Bertolt Brecht 1898-1956)

 

27.2.16 Mephisto an Bellarmin

Wer hat schuld?

Uwe Reißmann, Polizeipräsident im Chemnitzer Umland, sagt: Man wolle gegen die Businsassen ermitteln. Ein dreizehn- oder vierzehnjähriger Junge habe den sogenannten Demonstranten vor dem Bus einen sogenannten Stinkefinger gezeigt.

Gut möglich, daß es sich dabei um denselben Jungen handelt, der später von einem Polizisten, mir fällt gerade das gute, alte Wort „Bulle“ ein, vor der drohenden Meute in den Schwitzkasten genommen und aus dem Bus gezerrt wird. Ja, ja, ich weiß: Zur Deeskalation.

Ihr seid ja so was von glaubwürdig!

Ein anderer Junge, der auf dem verwackelten Video mit weinendem Gesicht entsetzt und verängstigt hinter der Frontscheibe unter dem Schriftzug „Reisegenuss“ auftaucht, „Reisegenuss“ wie „Arbeit macht frei“, der andere Junge sah jünger aus. Der wird es wohl nicht gewesen sein, gegen den wird vielleicht nicht ermittelt. Aber dann taucht auf dem Video noch eine Frau aus dem Fond des Busses hervor. Sie scheint vor den Johlenden aus- oder ihnen sogar entgegen zu spucken. Die!!! Die wird’s ebenfalls gewesen sein, filmisch belegt, die und der Junge. Allerdings war da noch die Scheibe dazwischen, und vielleicht würden diese linken Anwälte so was als mildernden Umstand geltend machen. Es ist immer derselbe Jammer nach all den akribischen Mühen polizeilicher Ermittlungsarbeit!

Ich weiß nicht, warum mir bei Erwähnung polizeilicher Mühen gerade die Thüringer Ermittlungsarbeit gegen den NSU einfällt. Was hat Thüringen denn mit Sachsen zu tun?

Es sei ja auch einfach unerträglich, wie uns seit nunmehr Jahrzehnten einhellig die östlichen Landesherren vorhalten, bei jedem auch nur geringsten Ansatz von Ursachenergründung, wenn ein ganzer „Landstrich“ (Georg Milbradt) stigmatisiert würde.

Wie schön, daß unsere öffentlich-rechtlichen Medien dann regelmäßig auch prompt reagierten, und am nächsten Tage herrschte wieder Ruhe im Karton. Und nichts mehr wurde diskutiert.

Wer hat schuld?

Und alle Unterschiede wurden bestritten von selbigen Landesherren, übrigens im seligen Einvernehmen mit der Partei Der Spalter. Obgleich es doch einen eklatanten Unterschied bedeutet zu anderen Landstrichen, wenn das Gesindel sich, Beifall klatschend, vor einem brennenden Haus zusammenrottet und die Feuerwehr am Retten von Menschen und am Löschen der Flammen zu hindern sucht.

Wie seinerzeit in Rostock und jüngst in Bautzen und sonst in keinem anderen Landstrich.

Und alle Unterschiede wurden und werden bestritten von selbigen verflossenen und jetzigen Landesherren und jedwede Diskussion unterlassen in öffentlich-rechtlichen Medien, obwohl doch, wie Du mir Anfang Juli 2014 schriebst, die drei niedrigsten Raten rechtsextremer Gewalt im Jahr 2013 sich auf die Landstriche Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Hessen und das Saarland verteilten und mit Ausnahme Hamburgs sämtliche Höchstwerte auf ostdeutsche Landstriche. (=> Braune Kuller) Und die Diskrepanz zu westdeutschen Landstrichen sich allein von 2012 zu 2013 vom Zweieinhalbfachen auf das Dreifache steigerte.

Noch nicht einmal diese Zahlen wurden gemeldet in öffentlich-rechtlichen Medien, geschweige denn diskutiert.

Wer hat schuld?

Uwe Reißmann, der wird es ermitteln.

 

P. S. Wenn ich Angela Merkel hieße, das ist die mit den „Selfies“, vor deren sonstiger Arbeitsleistung und deren Arbeitskalender ich einen Heidenrespekt hege, wenn ich Angela Merkel hieße, expedierte ich mich umgehend nach Clausnitz und versuchte jene Frau aus dem Bus zu sprechen. Und wenn ich dann noch einen Orden für die von unseren Politikern so vollmundig zitierte Zivilcourage bei mir hätte, zöge ich ihn aus meiner Rocktasche und versuchte, ihn der Frau anzuheften.

Und demütig bäte ich die beiden Jungen und die Businsassen um Verzeihung.

 

20.2.16 Serapion an Mephisto

Nur zur Erinnerung.

Das war ausgerechnet am St.-Veits-Tag. Gerade hörte man die Uhr zehn schlagen. Der Erzherzog saß mit der ihm nur zur linken Hand angetrauten Herzogin anfangs in dem grauen Viersitzer, der als zweiter Wagen der Kolonne zum Empfang im Rathaus rollte. Da, am Appel-Kai, warf der Buchdrucker Gabrinovic aus der Menge seine Bombe auf das zurückgeklappte Verdeck des erzherzoglichen Fahrzeugs. Von dort prallte sie ab und fiel auf die Straße. Unter dem dritten Wagen explodierte sie genau zwischen den Rädern. Der Erzherzog ließ sofort halten. Oberstleutnant Merizzi in dem zerstörten Auto blutete stark im Gesicht, an den Armen, überall. Der Erzherzog veranlaßte seine sofortige Überstellung in das Garnisonshospital, bevor er weiterfuhr. Er hatte gewußt, daß die Reise nicht unter einem guten Stern stünde und mit einem Anschlag zu rechnen sei. Doch er hatte weder den Termin noch den Ablauf im geringsten beeinflussen können, und lediglich drei Polizisten waren ihm zugebilligt worden. Dreißig bis vierzig waren für den Schutz des Thronfolgers angefordert worden, aber der Hof und der Kaiser mochten ihn und besonders seine mit ihm in morganatischer Ehe lebende Frau nicht und hatten die Forderung als Affront zurückgewiesen.

Am Rathaus stiegen sie beide blaß aus dem Auto, und bevor jemand sie begrüßen konnte, empörte sich Franz Ferdinand: „Herr Bürgermeister! Da kommt man nach Sarajevo, um einen Besuch zu machen, und da werden Bomben auf einen geworfen!“

Worauf die Versammelten eine Schockstarre befiel, die er jedoch auflöste mit den Worten: „So, jetzt können sie ihre Rede halten!“

Und der Bürgermeister sprach dann von der Begeisterung über den Besuch und von Untertanentreue und ewigem Gehorsam. Als er geendet hatte, dankte Franz Ferdinand und bekundete seinen Wunsch, nach der Fahrt durch die Stadt den verwundeten Oberstleutnant im Hospital zu besuchen. Der Konvoi setzte sich wieder in Bewegung. Ecke Appel-Kai Franz-Joseph-Straße kam es beim Manövrieren zu einer kurzen Verzögerung. Da schoß aus fünf Schritt Entfernung der serbische Student Gavrilo Princip zweimal mit seiner Pistole auf das Paar. Sofort ruckte der Wagen wieder an, und man dachte in dem Moment, es sei nichts passiert. Aber plötzlich kippte die Herzogin zur Seite gegen ihren Mann. Ihre rechte Körperhälfte rötete sich mit Blut. Und dem Erzherzog war am Hals offensichtlich die Hauptschlagader aufgerissen. Feldzeugmeister Potiorek mühte sich vom Hintersitz aus, das Thronfolgerpaar während der eiligen Weiterfahrt zu stützen. Dabei hörte er Franz Ferdinand noch flehen: „Sopherl, stirb nicht! Denk an unsere Kinder…“

Das war Sonntag, den 28. Juni. Gegen elf waren beide tot.

Obersthofmeister Fürst Montenuovo, der nicht allein stand am Hof mit seinem Haß gegen den Erzherzog wegen dessen nicht standesgemäßer Ehe, verbot, die Leiche der Herzogin in der Wiener Hofburgpfarrkirche neben der ihres Mannes aufzubahren. Der neue Thronfolger Erzherzog Karl mußte extra beim unwilligen Kaiser Franz-Joseph um eine Audienz nachsuchen, um wenigstens dieses Verbot annulieren zu können.

Dem Paar, dessen Kinder von der Thronfolge ausgeschlossen waren, wurde auch die Bestattung in der Kapuzinergruft verwehrt. Weshalb die Toten nach Schloß Artstetten nördlich der Donau überführt werden mußten. Für die Fahrt von der Hofburg dorthin untersagte Fürst Montenuovo jegliche militärische Ehrung und verbot allen Geheimen Räten und Kämmerern die Teilnahme am Trauerzug und an der Bestattung.

Die fand also statt Sonnabend, den 4. Juli.

Sonntag, den 5. Juli, fragte Wien an in Berlin, wie man dorten dazu stünde hinsichtlich einer Rechenschaftsziehung Serbiens.

Am Montag, dem 6. Juli, versicherten Kaiser Wilhelm und Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg Kaiser Franz Joseph die unbedingte Bündnistreue des Deutschen Reiches.

Dienstag, den 7. Juli, brach wie gewohnt Kaiser Wilhelm in Deutschland auf zu seiner alljährlichen Nordlandreise.

Auf den Tag genau drei Wochen später, Dienstag, den 21. Juli, trifft Präsident Henri Poincaré zum Besuch ein in St. Petersburg und verständigt sich mit Zar Nikolaus auf ein gemeinsames Handeln im austro-serbischen Konflikt. Daraufhin droht Poincaré Mittwoch, den 22. Juli, dem dortigen österreichisch-ungarischen Botschafter: Serbien habe Freunde, die es nicht im Stich ließen!

Am Nachmittag desselben Tages legt der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin eine Note vor, die an Serbien gerichtet werden soll. Sie wird von deutscher Seite als extrem hart empfunden, und für ihren Inhalt weist man jegliche Verantwortung von sich.

Donnerstag, 23. Juli. Um 18 Uhr übergibt der österreichisch-ungarische Botschafter in Belgrad das bis Sonnabend 18 Uhr zur Beantwortung befristete Ultimatum mit den Forderungen:

1. Unterdrückung der gegen Österreich-Ungarn gerichteten Veröffentlichungen;

2. Auflösung der „Narodna Odbrana“ („Nationale Verteidigung“) und ähnlicher Propaganda-Organisationen und Verhinderung ihrer Neubildung;

3. Unterdrückung der antiösterreichischen Propaganda in den Schulen;

4. Entlassung der an dieser Propaganda beteiligten Offiziere und Beamten;

5. Mitwirkung österreichisch-ungarischer Beamter an der Unterdrückung der gegen den Bestand der Monarchie gerichteten Bewegung;

6. gerichtliche Untersuchung gegen die Teilnehmer der Verschwörung vom 28. Juni unter Teilnahme österreichisch-ungarischer Beamter;

7. Verhaftung des Majors Tankositsch und des serbischen Staatsbeamten Ciganowitsch, die durch die Untersuchung belastet wurden;

8. Maßnahmen gegen die Teilnahme serbischer Behörden am Waffenschmuggel; Entlassung und Bestrafung der Beamten, die die Sarajevoer Waffen über die Grenze brachten;

9. „Der k. und k. Regierung Aufklärung zu geben über die nicht zu rechtfertigenden Äußerungen hoher serbischer Funktionäre in Serbien und dem Auslande, die ihrer offiziellen Stellung ungeachtet nicht gezögert haben, sich nach dem Attentat vom 28. Juni in Interviews in feindlicher Weise gegen Österreich-Ungarn auszusprechen“;

10. „Die k. und k. Regierung ohne Verzug von der Durchführung der in den vorigen Punkten zusammengefaßten Maßnahmen zu verständigen.“

Die österreichisch-ungarischen Botschafter in Paris, London, Rom, Petersburg, und Konstantinopel sind angewiesen, jeweils dort den Wortlaut des Ultimatums zu übermitteln. Von Berlin, wo man die Note ja bereits kennt, wurden bisher besondere Anordnungen weder an das Heer noch an die Marine erlassen. Wilhelm befindet sich noch immer auf Nordlandreise und sowohl der Chef des Generalstabs v. Moltke als auch der Chef des Reichsmarineamts v. Tirpitz sind im Urlaub.

Sonnabend, 25. Juli, 18 Uhr: Das Ultimatum wird von serbischer Seite nur teilweise entgegenkommend beantwortet, da man sich in Belgrad von den Russen und Franzosen ermutigt fühlt. Schon beim Empfang der Antwort bricht Wien die diplomatischen Beziehungen zu Belgrad ab. Österreich-Ungarn und Serbien beginnen zu mobilisieren, wohingegen Kaiser Wilhelm die serbische Reaktion sehr wohl für ausreichend hält und Wien durch sie als moralischen Gewinner und einen Kriegsgrund nicht mehr für gegeben sieht.

Montag, den 27. Juli, unternimmt der englische Außenminister Grey den Versuch zu vermitteln und schlägt eine Botschafterkonferenz zwischen England, Deutschland und Italien vor. Sie soll im austro-serbischen Streit entscheiden.

Dienstag, den 28. Juli: Wien erklärt Serbien den Krieg. In Brüssel kommen Sozialisten Deutschlands, Belgiens, Rußlands und Hollands zusammen bei einer Kriegsverhinderungskonferenz.

Mittwoch, 29. Juli: Nikolaus II. erläßt einen Ukas zur allgemeinen Mobilmachung. Kurz darauf erhält er aus Berlin eine Depesche: „Eingedenk der herzlichen Freundschaft, die uns beide seit langer Zeit mit festem Band verbindet, setze ich … meinen ganzen Einfluß ein, um Österreich-Ungarn dazu zu bestimmen, eine offene und befriedigende Verständigung mit Rußland anzustreben. Ich hoffe zuversichtlich, daß Du mich in meinen Bemühungen, alle Schwierigkeiten, die noch entstehen können, zu beseitigen, unterstützen wirst. – Dein sehr aufrichtiger und ergebener Freund und Vetter gez. Wilhelm

Am Donnerstag, dem 30. Juli, beschränkt Nikolaus die allgemeine Mobilmachung auf eine Teilmobilmachung von vier Militärbezirken.

Freitag, 31. Juli, St. Petersburg: Außenminister Sasonow überredet Nikolaus die Teilmobilmachung wieder umzuwandeln in eine allgemeine.

Berlin: Noch bevor das in Berlin bekannt wird, rät Generalstabschef Helmuth von Moltke, und auf Grund der im Deutschen Reich einzigartigen Unabhängigkeit der militärischen Führung tatsächlich ohne Wissen des Kaisers und des Reichskanzlers, Wien telegrafisch, dort unbedingt gegen Rußland mobilzumachen. Als aber die russische Mobilmachung bekannt wird, stellt Berlin Paris das auf 18 Stunden befristete Ultimatum mit der Forderung der Neutralität Frankreichs im Falle eines deutsch-russischen Krieges. Ein auf 12 Stunden befristetes Ultimatum ergeht an Rußland, die Mobilmachung gegen Österreich-Ungarn und Deutschland rückgängig zu machen. Man erhält keine Reaktion.

Paris: Jean Jaurès, Chef der französischen Sozialisten, wird nach seiner Rückkehr von der Brüsseler Friedenskonferenz in einem Café von einem haßerfüllten französischen Chauvinisten erschossen. Der Mörder erklärt nach der Tat: „Ich habe meine Pflicht getan.“

Sonnabend, 1. August, Berlin: Kaiser Wilhelm befiehlt die die allgemeine Mobilmachung.

Paris: Allgemeine Mobilmachung in Frankreich.

Berlin: Deutschland erklärt Rußland den Krieg.

Sonntag, 2. August: In Deutschland ist erster Mobilmachungstag. Zwecks Sicherung der Eisenbahnen besetzen deutsche Truppen Luxemburg. An Belgien ergeht die Bitte um Zulassung des Durchmarschs deutscher Kampfverbände.

Montag, 3. August, Berlin: Nach abschlägiger Antwort auf das Ultimatum Kriegserklärung an Frankreich. Deutsche Truppen beginnen Einmarsch in Belgien.

Dienstag, 4. August, Berlin: Zum Entsetzen des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg überreicht ihm der britische Botschafter ein auf Mitternacht befristetes Ultimatum, die Neutralität Belgiens zu respektieren. Damit hatte man ja gar nicht gerechnet. Der Weltkrieg war da!

 

Was ich eigentlich sagen wollte, ich glaube, die gegenwärtigen intelligenteren Primitivlinge wie etwa Wladimir Wladimirowitsch Putin oder Recep Tayyip Erdogan etc. sind in etwa die gleichen wie die vor hundert Jahren. Doch ansonsten ginge heut alles viel schneller.

 

13.2.16 Mephisto an Serapion

Wie meintest Du? Queen Viktoria, wäre sie ein Mann, „sie würde hingehen und diese Russen, deren Worten man nicht trauen kann, gehörig verprügeln“? In ihrer Erkenntnis war die Dame ihrer Zeit erstaunlich weit voraus… (=> Erinnerung)

Während in Syrien, allen vertrauensbildenden Verabredungen im Vorfeld der Syrienkonferenz zum Trotz, zehntausende verzweifelte Menschen vor russischen Streubomben fliehen müssen, jährte sich gestern zum ersten Mal das sogenannte Minsker Abkommen, in welchem sich die sogenannten „Konflikt“-Parteien unter wohldefinierten Bedingungen auf eine sogenannte Waffenruhe einigten. Die Lüge beginnt bereits, ohne dabei zu enden, mit dem Bestimmungswort „Konflikt“ in dem Kompositum und erstreckt sich weiter über die „Parteien“ – der wahre „Konflikt“-Auslöser, also der Angreifer, der Aggressor, das faschistoide Rußland, ohne welches es diesen Krieg ja nicht gäbe, also die angreifende Kriegspartei bildete unschuldig pfeifend gemeinsam mit Deutschland und Frankreich die Ägide über das Abkommen.

Die Verwirklichung des Minsker Abkommens verlief dann auch exakt, wie ich es mir bei seinem Abschluß vorstellte und wie es auch jedem unbefangenen Beobachter des Russentums und seiner Historie klar gewesen sein müßte.

Der „neurussische“ Korridor über Mariupol zur Krim ist zwar noch nicht erobert, zum Geburtstag könnten dennoch im Kreml die Korken des Krimsekts knallen: Die sogenannten Separatisten verweigerten frech den Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit den Zugang in die laut Minsker Vertrag zu kontrollierenden Gebiete. Es gebe „faktisch“ „No-go-Areas“ für die OSZE-Mitarbeiter, bestätigt die ehrenwerte Osteuropaexpertin der Grünen Marieluise Beck und meint natürlich, daß es definitiv verbotene Zonen, und zwar in den okkupierten Regionen, gibt. Insbesondere wird dem ukrainischen Staat weiterhin erfolgreich die vertraglich zugesicherte Souveränität über seine Grenze entzogen. Und die „Separatisten“, also die in russischen Diensten stehenden Söldner, seien auch für 90 Prozent „aller Vorfälle“, also Waffenstillstandsverletzungen, also Schießereien, verantwortlich.

Ach ja, noch eine Kleinigkeit: Die russische Regierung interveniert offen gegen die vertraglich vereinbarten Wahlen nach ukrainischem Recht in den besetzten Gebieten der Ukraine…

Gestern, 20-Uhr-Tagesschau der ARD: „Vor einem Jahr schien der Durchbruch im Ukraine-Konflikt erreicht.“!

Derartige Sätze deutscher öffentlich-rechtlicher Medien strapazieren stets meine Contenance. Und darum schreibe ich Dir jetzt mal etwas zur „Verdeutlichung eines Verhaltensmusters“ (=> Krimkrieg).

Vorgestern beispielsweise jährte sich ebenfalls der Abschluß einer Konferenz, nämlich der von Jalta vor 71 Jahren, über die man als Hoffnungszeichen des bevorstehenden Sieges über Hitlerdeutschland auch heute und in allen Zeiten nur froh sein kann, und über die der enge Berater Roosevelts Harry Hopkins arglos bemerkte:

Wir glaubten im Herzen wirklich, ein neuer Tag sei angebrochen. Wir waren absolut überzeugt, den ersten großen Friedenssieg gewonnen zu haben – und wenn ich sage ‚wir‘, dann meine ich uns alle, die ganze zivilisierte Menschheit. Die Russen hatten bewiesen, dass sie vernünftig und weitblickend sein konnten, und weder der Präsident noch irgendeiner von uns zweifelte im Geringsten daran, dass wir mit ihnen leben und friedlich auskommen könnten bis in unabsehbare Zukunft.

Denn Wladimir Wladimirowitsch Putins Vorbild, der Generalissimus Stalin, hatte eine „Erklärung über das befreite Europa“ mitunterschrieben, darin allen vom Faschismus befreiten Ländern freie und geheime Wahlen zugesichert wurden. Worauf in der Nacht zum 12. Februar 1945 die BBC in das von der Roten Armee besetzte Polen sendete:

Die gegenwärtige provisorische Regierung in Polen soll durch den Eintritt anderer demokratischer Führer aus Polen oder dem Exil auf eine breitere Basis gestellt werden. Es werden so bald wie möglich freie Wahlen auf der Grundlage des allgemeinen und geheimen Wahlrechts ausgeschrieben werden!

Ja, so war das damals mit der westlichen Begeisterung genau 70 Jahre vor dem Abkommen von Minsk… Der damals bereits langjährig in Moskau tätige amerikanische Diplomat und Rußlandkenner George F. Kennan meinte allerdings trocken:

Die Erklärung von Jalta mit ihren Hinweisen auf die Umstellung des bestehenden kommunistisch-polnischen Regimes ‚auf eine breite demokratische Basis‘ und auf die ‚Abhaltung freier und ungehinderter Wahlen auf der Grundlage des allgemeinen und geheimen Wahlrechts‘ erschien mir als ein besonders schäbiges Beispiel für Doppelzüngigkeit.

Und, befähigt durch seine der Queen Viktoria ähnlichen Erfahrungen mit russischer Vertragstreue, urteilte Kennan dann auch über das im August 1945 geschlossene Potsdamer Abkommen:

… Ich kann mich an kein politisches Dokument erinnern, das mich je so deprimiert hätte wie das von Truman unterzeichnete Kommuniqué am Ende dieser wirren und verwirrenden Verhandlungen. Nicht nur weil ich wußte, daß die Idee einer gemeinsamen Vier-Mächte-Kontrolle, die man jetzt zur Grundlage für die Regierung Deutschlands gemacht hatte, abwegig und undurchführbar sei. Auch die unpräzise Ausdrucksweise, die Verwendung so dehnbarer Begriffe wie „demokratisch“, „friedlich“, „gerecht“ in einem Abkommen mit den Russen lief allem direkt zuwider, was siebzehn Jahre Rußlanderfahrung mich über die Technik des Verhandelns mit der sowjetischen Regierung gelehrt hatten. …. Für die Behauptung, man werde die politische Tätigkeit „demokratischer Parteien und die dazugehörige Versammlungsfreiheit und öffentliche Diskussion“ nicht nur gestatten, sondern „ermutigen“, würden mildernde Umstände schwer zu finden sei. Jeder Mensch in Moskau hätte unseren Unterhändlern sagen können, was die sowjetische Führung unter „demokratischen Parteien“ verstand. Die Irreführung der Öffentlichkeit in Deutschland und im Westen durch die Verwendung eines solchen Ausdrucks in einem Dokument, das außer von Stalin auch von den Herren Truman und Attlee unterzeichnet war, ließ sich selbst mit allergrößter Naivität nicht entschuldigen.

Rußland ist kein Partner. Rußland ist Gegner.

Alles andere ist ein sehr gefährlicher Wunschtraum.

In Rußland ist Lüge Staatsräson!

Der Westen sollte sich auch nicht der Illusion eines „eingefrorenen“ „Konfliktes“ hingeben.

 

6.2.16 Mephisto an Bellarmin

Diese Woche fiel mir wieder der bei Euch in Deutschland so hochgeschätzte Steinmeier ins Gedächtnis, wie er während der vorigen großen Koalition zusammen mit dem chinesischen Botschafter in Berlin hinter die Mikrofone marschierte, um dort vor der Presse einträchtig mit dem Chinesen Merkels Empfang des Dalai-Lamas zu mißbilligen.

Weder Eure sich ihrer Kritikfähigkeit rühmende Presse noch, wie ich glaube, die Kanzlerin in ihrer, von ihren Bewunderern oft mit taktischer Raffinesse verwechselten, Naivität hatten die Dimension des Vorgangs seinerzeit nur entfernt begriffen: Der Vizekanzler stellt sich auf die Seite einer ausländischen Macht, die einer deutschen Regierungschefin drohen will, um ihr vorzuschreiben, wen sie zu einem Gespräch empfangen darf! Oder besser: Wen sie gefälligst nicht zu empfangen hat!

Angela Merkel hat den Dalai-Lama dann auch nie wieder zu sprechen gewagt.

Man stelle sich vor, ein französischer Außenminister gäbe gemeinsam mit dem Vertreter einer ausländischen Macht in Paris eine Pressekonferenz, um gegen einen vom Élysée geladenen Gast zu protestieren!

Nachdem wenige Wochen zuvor schon der derzeitige Vizekanzler in Moskau herumgabrielte, kam diese Woche also der Seehoferhorst eigenhändig angereist, um bei dem angeblich „vermutlichen“ Auftraggeber von Auftragsmorden, ich bitte Dich, auf den Plural zu achten, um also bei dem angeblich „vermutlichen“ Auftraggeber von Auftragsmorden höflichst für die Aufhebung der gegen den Auftraggeber verhängten westlichen Sanktionen „in überschaubarer Zeit“ „zu werben“!

In früheren, in geschichtskundigeren und geschichtsbewußteren Epochen, als man noch ein Gespür hegte für Unanständigkeit, für Schäbigkeit und Lumpentum, nannte man das Hochverrat.